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Friedrich Schiller

Skript
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Steckbrief
  • * 10.11.1759 in Marbach am Neckar (Herzogtum Württemberg)
  • 1780: Schiller wird Militärarzt im Dienste des Herzogs von Württemberg
  • 1782: Berühmtheit durch Die Räuber, aber danach Schreibverbot durch den Herzog, Schiller desertiert
  • 1782-1788: Zuerst Flucht unter Pseudonym, danach unstetes Leben in Sachsen/Thüringen, Schreiben von Dramen
  • 1789: Professur für Geschichte in Jena, Schiller ist aufgrund der Räuber sehr beliebt
  • 1794: Schiller freundet sich mit Goethe an, ihre Zusammenarbeit beginnt und damit Schillers Hauptschaffensphase
  • Zahlreiche berühmte Gedichten und Dramen erscheinen, Schiller veröffentlicht zudem einflussreiche philosophisch-künstlerische Zeitschriften
  • Gestorben am 9.5.1805 in Weimar nach langwieriger Tuberkulosekrankheit
Steckbrief
  • * 10.11.1759 in Marbach am Neckar (Herzogtum Württemberg)
  • 1780: Schiller wird Militärarzt im Dienste des Herzogs von Württemberg
  • 1782: Berühmtheit durch Die Räuber, aber danach Schreibverbot durch den Herzog, Schiller desertiert
  • 1782-1788: Zuerst Flucht unter Pseudonym, danach unstetes Leben in Sachsen/Thüringen, Schreiben von Dramen
  • 1789: Professur für Geschichte in Jena, Schiller ist aufgrund der Räuber sehr beliebt
  • 1794: Schiller freundet sich mit Goethe an, ihre Zusammenarbeit beginnt und damit Schillers Hauptschaffensphase
  • Zahlreiche berühmte Gedichten und Dramen erscheinen, Schiller veröffentlicht zudem einflussreiche philosophisch-künstlerische Zeitschriften
  • Gestorben am 9.5.1805 in Weimar nach langwieriger Tuberkulosekrankheit
#schiller

Biographie

Johann Christoph Friedrich Schiller wurde am 10.11.1759 als Sohn des Offiziers und Arztes Johann Caspar Schiller und seiner Frau Elisabetha Dorothea Schiller in Marbach am Neckar geboren, das zum Herzogtum Württemberg gehörte. Ab 1767 besuchte Schiller die Lateinschule in Ludwigsburg, nachdem seine Familie in die Garnisonsstadt umgezogen war. Schon früh bewies er sein künstlerisches Talent und schrieb mit gerade einmal dreizehn Jahren zwei Trauerspiele an der Schule, die uns jedoch nicht erhalten sind. Doch dem literarisch interessierten Schiller standen als Sohn eines Militäroffiziers schwere Zeiten bevor, denn 1773 erhielt Schiller den herzoglichen Befehl, die Karlsschule zu besuchen, eine Militärschule. 1775 wechselte die Schule nach Stuttgart. Vor dem Umzug der Schule studierte Schiller Jura, danach jedoch Medizin. Ihm bekam der militärische Drill nicht, im Geheimen las er die Werke von Shakespeare, Rousseau, Klopstock – und auch Goethe, obwohl ihm diese Werke verboten waren: Als Student an einer Militärakademie durfte er keine solche Literatur lesen, da man sie für verweichlichend hielt. Schiller entwickelte eine Vorliebe für den Sturm und Drang, was ihn dazu veranlasste, 1776 damit anzufangen, die ersten Ideen für Die Räuber niederzuschreiben.
1780 dissertierte Schiller mit einer Studie, die Medizin und Philosophie miteinander verband, Schiller wurde zum Militärarzt. Er verdiente sehr wenig und schien sich mehr für Literatur zu interessieren: 1781 erschien seine erste Gedichtsammlung, Die Räuber wurden 1782 mit großen Erfolg uraufgeführt und lösten einen Hype aus, ähnlich wie Goethes Leiden des jungen Werther, Studenten gründeten zahlreiche „Räuberbanden“. Schiller sprach ihnen mit dem Drama, das Freiheit und den Kampf für Glück und Gerechtigkeit thematisiert, aus der Seele. Schillers Name blieb bei der Aufführung aber ungenannt, bei Bekanntwerden seiner Autorschaft drohte ihm Strafe, da er im Stück adelige Intrigen darstellte – gefährlich, war Schiller doch Mitglied des Militärs, das schließlich dem württembergischen Herzog diente. Als dann doch bekannt wurde, wer das Stück geschrieben hatte, legte der Herzog Schiller ein Schreibverbot auf. Schiller konnte sich damit nicht abfinden, musste er doch mit dem Schreiben sein eigenes Wesen unterdrücken. Er floh daher mit einem Freund am 22. September 1782 und beging mit dieser Fahnenflucht eine schwere Straftat. Schiller begann ein unstetes Leben mit Aufenthalten u. a. in Mannheim und Frankfurt, 1783 lebte er unter dem Pseudonym Dr. Ritter bei der Mutter eines ehemaligen Studienkameraden in Bauerbach in Thüringen. Im selben Jahr kehrte er jedoch nach Mannheim zurück, wo er Theaterdichter wurde. Aus dieser Zeit stammt sein berühmtes Werk Kabale und Liebe, das 1784 uraufgeführt wurde. Das bürgerliche Trauerspiel behandelt ständeübergreifende Liebe und machte Schiller noch beliebter bei seinen jungen Zuschauern. Zu dieser Zeit begegnete Schiller auch dem Weimarer Herzog, dem er die ersten Szenen seines Stücks Don Karlos vorlas. Der Herzog war so begeistert, dass er Schiller den Ehrentitel eines Hofs zu Weimar verlieh.
Autoren: Friedrich Schiller
Abb. 1: Portrait von Schiller
Autoren: Friedrich Schiller
Abb. 1: Portrait von Schiller
1789 erhielt Schiller die Professur für Geschichte in Jena. Seine Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? zog so viele Studenten an, dass die Vorlesung kurzfristig den völlig überfüllten Hörsaal wechseln musste. Die Studenten reagierten euphorisch auf die Anstellung des Autors, dessen Werke, besonders Die Räuber, sie gelesen hatten. 1790 heiratete Schiller Charlotte von Lengefeld, die er 1787 kennengelernt hatte. Mit seiner nun gesicherten Stellung konnte er die Heirat ins Auge fassen. Jedoch erkrankte er im Dezember diesen Jahres zum ersten Mal an Tuberkulose. Die Erkrankung machte ihm noch 1791 zu schaffen.
Seit 1792 plante Schiller seine berühmten philosophischen und kunsttheoretischen Zeitschriften. Er trat in Kontakt mit dem Verleger Johann Friedrich Cotta und sie einigten sich darauf, dass die Zeitschrift Die Horen 1795, der Musen-Almanach 1796 zum ersten Mal erscheinen sollte. 1794 gelang es Schiller zudem, Goethe zur Mitarbeit an den Horen zu überreden. Zeitgleich begann die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller, die beider Lebenswerk entscheidend prägen sollte. Schiller verbrachte noch im selben Jahr 2 Wochen in Goethes Haus in Weimar.
Damit begann die Hauptschaffensphase Schillers. Er arbeitete mit Goethe das Konzept der Weimarer Klassik aus, das literarische Konzepte mit philosophischen Ideen verband. Schiller schrieb zahlreiche Balladen, viele davon im Wettstreit mit Goethe im sogenannten Balladenjahr 1797. Viele bedeutende Zeitschriftenartikel entstanden in dieser Zeit; Schillers Interesse für die Geschichte und den philosophischen Begriff der Freiheit schlug sich in seinen Dramen nieder. Ab 1799 wohnte Schiller schließlich in Weimar und wurde 1802 vom dortigen Herzog geadelt. Gegen Ende seines Lebens zeigte sich Schiller immer anfälliger für Krankheiten. Am 9. Mai 1805 starb Schiller im Alter von nur 45 Jahren an einer langwierigen Tuberkuloseerkrankung.

Schillers Lebenswerk

Schiller ist mit Goethe der berühmteste Vertreter der Weimarer Klassik. Wie sein älterer Freund lebte er während eines Epochenumbruchs. Besonders die Französische Revolution hat Schiller sehr geprägt und gab ihm Impulse, einen eigenen philosophischen Freiheitsbegriff zu entwickeln. Schiller gilt als ein führender Kopf der literarischen Spätaufklärung und ist vielleicht der letzte große literarische Autor der gesamten aufklärerischen Strömung. Kritisiert wie geachtet wird Schiller dafür, sein künstlerisches Schaffen in seiner Spät- bzw. Hauptphase anhand von selbst entwickelten philosophischen und künstlerischen Theorien ausgerichtet zu haben. Das führte bereits zu Lebzeiten des Autors zu einer Idealisierung Goethes als „natürlichem“ und Schillers als „intellektuellem“ Dichter. Die beiden werden oft miteinander verglichen, da sie außer ihrer Zusammenarbeit auch der künstlerische Weg verband: Beide entwickelten sich vom Sturm und Drang zur Weimarer Klassik. Jedoch waren sie zwei sehr unterschiedliche Künstler, die sich gegenseitig beeinflussten. Schillers Ruhm gründet sich vor allem auf seine Dramen, berühmt sind zudem seine Zeitschriftenbeiträge und einige Gedichte. Ein Blick auf die einzelnen Gattungen soll sein Wirken verdeutlichen.
Die angesprochenen Dramen Schillers sind seine bekanntesten Werke. In den Dramen seiner Sturm-und-Drang-Zeit Die Räuber und Kabale und Liebe von 1781 bzw. 1784 bringt Schiller noch einmal die Thematik dieser Strömung auf den Punkt: Ständeubergreifende Liebe, Kampf um die Freiheit, gegen adelige Intrigen und den Druck der Gesellschaft bestimmen eine Handlung mit Bösewichtern und tragischen Helden. Die tragischen Helden sind klar die Sympathieträger und man kann sich leicht in sie hereinfühlen. Die Sprache ist emotional und leicht verständlich, ohne jedoch „platt“ zu sein. Dementsprechend waren diese Stücke besonders bei der Jugend oder den Studenten beliebt.
Don Karlos von 1787 schlägt schon einen anderen Ton an: Das Drama behandelt das Leben und die Intrigen um Don Karlos, den Thronerben des Königs Phillip II. von Spanien. Zwischen Vater und Sohn entwickelt sich ein Eifersuchtsdrama, das zum Abstieg des Don Karlos führt. Jedoch nimmt das Drama tatsächliche historische Begebenheiten nur als Inspiration und weist zahlreiche Unterschiede zur tatsächlichen Geschichte auf. Die Vermischung von Politik und menschlichem Drama zeigt sich auch im Drama Maria Stuart von 1800: Die schottische Königin Maria Stuart, die Ansprüche auf die Krone von England hat, wird von der englischen Königin Elisabeth I. gefangengenommen und soll schließlich hingerichtet werden. Auch in der Wallenstein-Trilogie von 1799, der Jungfrau von Orléans von 1801 und Wilhelm Tell von 1803/4 verwendet Schiller historische Begebenheiten (oder eher Sagen) als Grundstoff seiner Dramen. Die Mischung aus Geschichte, bisweilen Weltpolitik, Mythos und zwischenmenschlichen Konflikten, welche die Sagenfiguren in ganz neuem Licht zeigten, machte Schiller beim Publikum beliebt (das nun allerdings auch viele Intellektuelle beinhaltete). Schiller vereinte durch die Menschlichkeit seiner großen Figuren Unterhaltung und philosophischen Anspruch.
Prosa hat Schiller kaum geschrieben, zumal er den Romanautor dem Dichter und Dramatiker unterlegen sah. Zu Schillers Lebzeiten galten Romane eigentlich als Trivialliteratur, also als geistlose Unterhaltung für die Freizeitleser. Schiller selbst verstand sich jedoch als Künstler. Sein wichtigstes Prosawerk ist Der Geisterseher, ein unvollendet gebliebener Fortsetzungsroman, der in Schillers Zeitschrift Thalia zwischen 1787 und 1789 erschien. Bemerkenswerterweise beeinflusste dieses Werk den Schauerroman nachhaltig, erhielt es doch Geheimbünde, Geisterbeschwörung und sonstige Magie – also eben das „Triviale“, von dem Schiller sich eigentlich distanzieren wollte.
Schiller wird als Dichter oft Goethe gegenübergestellt, dabei sind beide gänzlich andere Dichter mit jeweils verschiedenen Ansätzen, Theorien und Absichten. Während Goethe zumeist Erlebnislyrik schrieb, also Gedichte, die das innere Erleben eines lyrischen Ichs zum Thema haben, schreibt man Schiller die Gedankenlyrik zu, also die lyrische Wiedergabe von Gedankengängen, Ansichten, Meinungen etc. Zwar schrieb er in seiner Jugend auch Gedichte, die dem Sturm und Drang zuzuordnen sind, doch seine berühmtesten Gedichte stammen aus seiner Hauptschaffensphase. In seiner Ankündigung der Zeitschrift Die Horen von 1794 wird Schillers dichterischer Anspruch besonders deutlich. Schiller befindet darin, „dass das Schöne schon in seiner Geburt sich unter Regeln fügen muss und nur durch Gesetzmäßigkeit würdig werden kann, einen Platz im Olymp, Unsterblichkeit und einen moralischen Wert zu erhalten.“ Die Ästhetik eines Gedichts ist für Schiller also kein alleiniges Merkmal gelungener Lyrik. Sie muss „gezähmt“ werden, um den Leser moralisch zu verbessern. Schillers Lyrik liegt also ein philosophischer Ansatz zugrunde, seine Dichtung vereint Merkmale der Aufklärung und des Idealismus. Die Dichtung solle Erkenntnisse aus der Geschichtswissenschaft und der Philosophie anwenden und den idealen Menschen thematisieren. Schönheit soll die Wahrheit (= für Schiller das Ideal) verstärken, der Leser soll also das Moralische, Wahre und Gute als schön empfinden und daher dann auch selbst gut handeln. Schiller glaubt also, dass der Mensch durch die Wahrnehmung von Schönheit zum Guten erzogen werden könne. Seine Gedichte sind daher auch gewissermaßen Lehrgedichte.
Die geforderte Regelmäßigkeit und Schönheit heißt aber nicht, dass Schillers Gedichte sämtlich gereimt und in einem bestimmten Metrum geschrieben sind, Reimlosigkeit und freie Rhythmik gibt es auch bei ihm. Auch thematisiert er durchaus das Schlechte/Böse: In den Worten des Wahns von 1799 warnt Schiller vor dem gewaltsamen Kampf für die Freiheit, da dies ein Irrweg sei, in Der Antritt des neuen Jahrhunderts von 1801 beleuchtet Schiller das Ringen der Weltmächte England und Frankreich kritisch, das viel Leid verursachte und die Freiheit anderer Länder bedrohte. Die Ballade Der Ring des Polykrates, die im Balladenjahr 1797 geschrieben wurde, ist eine Warnung davor, das Glück für selbstverständlich zu nehmen. Im Lied von der Glocke aus dem Jahr 1799 wird das menschliche Dasein allegorisch anhand der Anfertigung einer Glocke thematisiert, darin finden sich ebenfalls Warnungen vor Gewalt und Hochmut. Übrigens ist diese Ballade eine der berühmtesten deutschen Balladen überhaut – und eine der am öftesten parodierten. Schillers hohe Sprache und konservative Gesinnung, die das Handwerk idealisiert, wirkten für einige Leser unfreiwillig komisch. Schillers Interesse für Mythen und Geschichte wiederum findet sich in Gedichten wie Ritter Toggenburg (1797) und Die Teilung der Erde (1795), die Motive aus der griechischen Mythologie verwendet (Zeus teilt die Welt) und in der Idealisierung des Dichters endet, der den Göttern am nächsten sei.
Schiller schrieb seine Gedichte also nicht über kleine Situationen und Gefühle, sondern über große Gedanken. Das mag zwar nicht jeder mögen, doch ist es beachtlich, wie Schiller philosophische Theorie und Dichtung miteinander verbunden hat.
Neben dichterischen Werken hat Schiller in seinen Zeitschriften noch viele wichtige theoretische Schriften veröffentlicht. In den Horen von 1795-97 und dem Musenalmanach von 1796-1800 entwickelte Schiller ein eigenes Kunstkonzept und ließ sich dabei vom deutschen Philosophen Kant beeinflussen. Bekannt sind Schillers Theorien zum Formtrieb und Stofftrieb (der eine ist der Drang nach Erkenntnis und Unveränderlichkeit, der andere nach Sinneserfahrung und Veränderung) bzw. seine Gedanken zu naiver und sentimentaler Dichtung (der naive Dichter denke nicht über sein Schaffen nach und sei somit ein naives Genie, der sentimentale Dichter dagegen hat über sein Schreiben nachgedacht und strebt nach dem Ideal). Diese mögen heute zwar sehr abstrakt erscheinen, doch zeigen sie, dass Schiller auch in der Philosophie ein Wörtchen mitzureden hatte.

Themen und Stil

Neben den oben genannten Theorien, die sich in Schillers Werken wiederfinden, ist Schillers großes Thema die Freiheit – er wird gar oft „Dichter der Freiheit“ genannt, besonders bei den nationalistischen Studenten war er sehr beliebt, da er für die nationale Einheit der Deutschen schrieb. Allerdings konnte er dies nur andeuten, da die meisten Fürsten zu seinen Lebzeiten der Idee eines Nationalstaats abgeneigt waren bzw. diese Idee für gefährlich hielten. In der Jungfrau von Orléans und Wilhelm Tell geht es daher um den Freiheitskampf anderer Völker. Schiller sah Freiheit dabei nicht als Kampf für eine Demokratie, sondern als Kampf gegen Unterdrückung durch Tyrannen, also Gewaltherrscher, und die Unterdrückung durch andere Völker oder militärische Besatzer. In der Jungfrau von Orléans ist der Freiheitskampf zudem Befehl Gottes, der der jungen Jeanne d'Arc aufträgt, Frankreich von den Engländern zu befreien. Schiller reagierte damit auf die Französische Revolution, die als Kampf für die Freiheit begonnen hatte, sich aber immer weiter radikalisierte. Der Kampf für die Freiheit ist bei ihm daher auch oft eine Pflicht, die zu Disziplin anhält, und keine ungeordnete, unmenschliche Gewalt. Anders als Kant dachte Schiller, dass die Pflicht auch die Freiheit nicht ausschließe. Zudem sei die Ausführung einer Pflicht nur dann wirklich moralisch, wenn sie mit der Neigung des Individuums zusammenfalle – man solle eben seine Pflicht gerne ausführen, um frei und ethisch zu handeln. Zudem war Schiller davon überzeugt, dass tatsächliche Freiheit niemals auf der Welt gefunden werden könne, da diese unvollkommen sei. Freiheit sei ein Ideal, damit könne man es nur durch die Freiheit der eigenen Gedanken (durch die Kunst etwa) und im Jenseits erlangen. Das Streben nach dem Ideal schließlich ist ebenso ein Wesenszug der Person Schiller wie der Figuren seiner Werke. Daher sollten seine Werke auch stets das menschlich Gute darstellen, den Leser/Zuschauer zum guten Handeln anleiten.
In seiner frühen Schaffensphase thematisiert Schiller jedoch als Stürmer und Dränger noch die freien Gefühle des Individuums, ständeübergreifende Liebe und das unmoralische Verhalten des Adels.
Schillers Stil ist breit gefächert. Seine Zeitschriftenartikel sind heute nur noch schwer verständlich, da Schiller hier lange und extrem verschachtelte Sätze verwendet. In seinen Gedichten und Dramen dagegen finden sich auch viele einfach zu verstehende, klare und schlichte Sätze. Schiller schrieb eben sowohl für die intellektuelle Elite wie für die bürgerliche Mittelschicht.
In seiner Sturm-und-Drang-Zeit ist Schillers Sprache leidenschaftlich und emotional, bisweilen sogar vulgär. Hochsprachliche Sätze mit einer Menge von rhetorischen Stilmitteln finden sich neben roher und ungeschmückter Sprache. Schillers Helden jedoch drücken sich niemals vulgär aus. Vielmehr nutzt Schiller diese stilistische Vielfalt, um die Zugehörigkeit seiner Figuren zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht aufzuzeigen. Die Millers aus Kabale und Liebe sprechen so eine Sprache, die ihrer Herkunft aus einfachen Verhältnissen entspricht, die Beamten des Hofs sprechen dagegen eine hohe Sprache.
In Schillers klassischer Zeit dominiert schließlich das Hochsprachliche, sodass selbst der Bauer Thibaut (der Vater der Jungfrau von Orléans) sich ausdrückt wie ein Adeliger oder Bildungsbürger. Dies entspricht Schillers Konzept, dass die Menschen in seiner Kunst vor allem das Schöne sehen und zum Ideal des stets gut handelnden Menschen erzogen werden sollten. Dies sollte auch durch das Pathetisch-Erhabene geschehen, eine weitere künstlerische Theorie Schillers. Schiller definierte das Erhabene als einen Eindruck, der durch seine Vorbildlichkeit anziehend wirkt – das Erhabene ist ein Ideal. Es übersteigt unsere Fassungskraft, denn wir können es mit dem Verstand nicht ganz verstehen, und unsere Lebenskraft, denn es ist „larger than life“. Das Erhabene lässt uns also unsere Grenzen spüren, wir können es nicht ganz erfassen. Das Erhabene kommt zwar auch in der Natur vor, doch Schiller grenz es von bloßer Schönheit ab: Das Schöne sei einfach nur ein sinnlicher Genuss an der Welt, aber das Erhabene befreie unseren Geist, da nur unsere Phantasie ihm folgen könne. Kunst, so Schiller, kann den Menschen dafür empfindlich machen, das Erhabene zu spüren – zum Beispiel in Form eines Helden, der für das Gute kämpft.
Das Pathetische dagegen ist für Schiller ein künstliches Unglück, also eines, das nicht im tatsächlichen Leben geschieht, sondern in einem Buch, einem Film etc. Es trifft uns nicht wehrlos wie ein wirkliches Unglück und Menschen suchen sogar nach dem Pathos – ein Grund, weshalb sich viele Menschen gerne traurige Liebesfilme ansehen. Das künstliche Unglück kann man demnach selbständig verarbeiten und laut Schiller lernt man so, mit tatsächlichem Unglück umzugehen. Die Kunst könne also Gefahren erfahrbar machen, die die Menschen in ihrem Alltag dann besser bewältigen können. Damit das Pathetische aber moralisch wirkt, soll es mit dem Erhabenen verbunden werden. Das klingt sehr abstrakt, aber dieses Prinzip wird auch heute noch verwendet! Ein Beispiel für die Verbindung von Pathetischem mit Erhabenem ist zum Beispiel der letzte Harry-Potter-Film: Harry Potter liefert sich Voldemort aus und gibt sein Leben, um seine Freunde zu retten. Das Publikum erlebt hier ein Unglück mit – das Erhabene daran ist die Heldentat Harry Potters, denn er opfert sich für andere. Solche tragischen Heldenfiguren finden sich auch in den klassischen Dramen Schillers.

Einfluss und Rezeption

Schiller ist mit Goethe der berühmteste deutsche Autor der sogenannten goldenen Zeit der deutschen Kultur. Bereits zu Lebzeiten war er ein Star, beliebt bei den Bildungsbürgern, die seinen hochsprachlichen Stil, die Anleihen aus Geschichte und Mythologie sowie seinen humanistischen Geist schätzten. Zudem wurde Schiller von vielen Studenten gefeiert, da sie ihr Streben nach Freiheit und nationaler Einheit in Schillers Werken wiederentdeckten. Durch die Freiheitsthematik wurde Schiller auch in anderen europäischen Ländern populär. Früh waren seine Werke demnach in den deutschen Schulkanons enthalten; bereits im 19. Jahrhundert gehörte Schiller zur Allgemeinbildung. Schiller wurde mit Goethe zum Symbol für größtmögliche Kultiviertheit und Bildung. Während das Nazi-Regime in Deutschland Schillers Vermächtnis gegenüber ambivalent eingestellt war – einerseits war er kulturelles Allgemeingut, andererseits hatte er gegen die Tyrannei angeschrieben &ndash, versuchte man in der DDR, Schiller als einen Vordenker des Kommunismus darzustellen. Daran kann man sehen, dass Schillers Ansatz, die Kunst könne zu moralischem Handeln anleiten, an der Wirklichkeit vorbeigeht.
Auch heute ist Schiller weiterhin einer der berühmtesten deutschen Autoren. Seine Dramen gehören zum Standardrepertoire deutscher Theater und wie Goethe ist er aus dem Schulunterricht kaum wegzudenken. Durch ihn, der versucht hatte, die späte Aufklärung auf die Kunst anzuwenden, können wir sowohl die Zeit um 1800 besser verstehen als auch etwas für unsere heutige Zeit mitnehmen – denn die Idealed er Freiheit und Gerechtigkeit sind auch heute noch alles andere als verwirklicht.
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