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Johann Wolfgang von Goethe

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Steckbrief
  • * 28.08.1749 in Frankfurt am Main
  • 1774: Ruhm und nationale Bekanntheit durch Die Leiden des jungen Werthers
  • 1776: Ernennung zum Geheimen Rat in Weimar
  • 1786-1788: Italienreise, künstlerische Neubesinnung
  • 1794-1805: enge Zusammenarbeit mit Schiller bis zu dessen Tod, Entwicklung der Weimarer Klassik
  • 1808: Veröffentlichung von Faust I, danach v. a. Arbeit an der Autobiographie und naturwissenschaftlichen Studien
  • Gestorben am 22. März 1832 in Weimar, posthume Veröffentlichung von Faust II
Steckbrief
  • * 28.08.1749 in Frankfurt am Main
  • 1774: Ruhm und nationale Bekanntheit durch Die Leiden des jungen Werthers
  • 1776: Ernennung zum Geheimen Rat in Weimar
  • 1786-1788: Italienreise, künstlerische Neubesinnung
  • 1794-1805: enge Zusammenarbeit mit Schiller bis zu dessen Tod, Entwicklung der Weimarer Klassik
  • 1808: Veröffentlichung von Faust I, danach v. a. Arbeit an der Autobiographie und naturwissenschaftlichen Studien
  • Gestorben am 22. März 1832 in Weimar, posthume Veröffentlichung von Faust II
#goethe

Biographie

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er war der Sohn des wohlhabenden Juristen Johann Caspar Goethe, der so vermögend war, dass er seinen Beruf nicht einmal ausüben musste – sein Vater hatte ihm ein Vermögen von 100 000 Gulden und den familiären Weinhandel vererbt. Zum Vergleich: Ein schickes, großes Haus in Frankfurt kostete damals um die 7000 Gulden. Folglich kannte auch Johann Wolfgang Goethe keine Geldsorgen. Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe entstammte ebenfalls einer wohlhabenden Familie, nämlich den Textors, die wichtige Beamte und Regierungsmitglieder der Stadt Frankfurt gestellt hatten. Im Alter von 17 Jahren heiratete sie den 21 Jahre älteren Johann Caspar, dem sie sechs Kinder gebar. Von Johann Wolfgang Goethes fünf Geschwistern erreichte allerdings nur seine Schwester Cornelia Goethe das Erwachsenenalter. Cornelia wurde zu einer wichtigen Bezugsperson in Goethes Leben. Schon im Kindesalter erhielten beide eine klassische Bildung durch mehrere Hauslehrer, lernten Griechisch und Latein, auch Musik, Mathematik und Geographie wurden unter anderem unterrichtet.
Im Jahr 1765 begann der 16-jährige Goethe auf Willen seines Vaters hin ein Jurastudium in Leipzig. Das Studium gefiel ihm nicht besonders gut, er interessierte sich eher für die Poetikvorlesungen. Doch der 16-jährige genoss das Leben weit weg von seinem Elternhaus und verbrachte die Abende mit seinen studentischen Freunden. In Leipzig lebte es sich viel lockerer als im konservativ-lutherischen Frankfurt. Da Johann Wolfgang im Juli 1768 einen Blutsturz erlitt, kehrte er im August desselben Jahres zu seinem Elternhaus in Frankfurt zurück. Während er sich in seiner Heimatstadt von der schweren Erkrankung erholte, las er alchemistische und mystische Texte, die er später im Faust verarbeiten würde.
Im April des Jahres 1770 führte Goethe sein Studium fort, diesmal jedoch nicht in Leipzig, sondern in Straßburg. Seine Dissertation, die er im August des darauffolgenden Jahres bei der Universität einreichte, wurde jedoch auf Grund der „ketzerischen Inhalte“ abgelehnt. Unter anderem hatte Goethe in ihr die Frage gestellt, ob man eine Frau für den Kindsmord wirklich zum Tode verurteilen solle – diese Frage beschäftigte ihn auch noch später, weshalb sie in Form der Gretchentragödie Eingang in den Faust erhielt. In seine Straßburger Zeit fällt ebenfalls die Liebe zur Pfarrerstochter Friederike Brion, die Goethe zu zahlreichen Gedichten inspirierte. In Straßburg versammelte Goethe zudem einen Kreis aus anderen künstlerisch interessierten Jugendlichen um sich, die wie er dem kalten Verstand der Aufklärung und den Konventionen ihrer Zeit radikale Emotionalität und individuelle Freiheit entgegensetzten – so entwickelte sich in Straßburg eine Hochburg des Sturm und Drang.
Autoren: Johann Wolfgang von Goethe
Abb. 1: Goethe, gemalt von Stieler 1826
Autoren: Johann Wolfgang von Goethe
Abb. 1: Goethe, gemalt von Stieler 1826
„Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsche lecken!“ Eine weitere unglückliche Liebe trieb Goethe nach Weimar, wo er von seinem Freund, dem Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, 1776 zum Geheimen Rat ernannt wurde, also zum Berater und Minister.
Zwar entstanden im Dienst als Geheimer Rat wichtige Werke wie die Ballade Erlkönig, doch ließ die Arbeit Goethe wenig Zeit für sein literarisches Schaffen. Während Goethe es anfangs gefiel, praktisch tätig zu sein, belastete ihn seine Stellung zunehmend. Der Adel widersetzte sich den Reformversuchen Goethes, die die Schuldenkrise des Herzogtums beenden sollten. Goethes Plan, den Bergbau des Herzogtums wiederaufleben zu lassen, scheiterte. Da seine Liebe zur älteren, verheirateten und vielfachen Mutter Charlotte von Stein aussichtslos war, die er in Weimar kennengelernt hatte, reiste Goethe 1786 nach Italien ab, um sich selbst wiederzufinden – nur der Herzog und Goethes Diener wussten im voraus von seinem Plan. In Italien beschäftigte Goethe sich mit der Kunst der Antike und der Renaissance, die ihn nachhaltig prägen sollten. Er genoss die Zeit frei von allen höfischen Zwängen und kehrte erst 1788 wieder.
In Weimar nahm er nun weniger politische Pflichten wahr und widmete sich der Förderung der Weimarer Kultur. Kurz nach seiner Rückkehr verliebte er sich auch in Christiane Vulpius, mit der er 5 Kinder haben sollte, von denen nur eins das Erwachsenenalter erreichte. Jedoch heiratete er sie erst 1806. Das für das künstlerische Schaffen Goethes bedeutendste Ereignis nach der Italienreise ist der Beginn der Freundschaft mit Schiller, der ihn 1794 zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift über Kunst und Kultur, Die Horen, bat. Beide wurden enge Freunde und entwickelten eine neue Strömung, die sich dem Humanismus und der Kultur der Antike verbunden fühlte: die Weimarer Klassik. Goethe veröffentlichte den Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre um 1795 und arbeitete am ersten Teil des Faust, den er jedoch erst nach Schillers Tod 1805 in seiner finalen Form publizierte.
Schillers Tod bedeutete für Goethe nicht nur das Ende einer innigen Zusammenarbeit, sondern auch den Verlust seines wichtigsten Freundes, sodass seine künstlerische Tätigkeit zuerst abnahm. Dennoch veröffentlichte Goethe 1808 die Tragödie Faust I, die eine dreifache Einleitung enthielt, die sich bereits auf Faust II bezog. Goethe hatte also schon 1808 den zweiten Teil der Tragödie im Kopf. Zwischen 1809 und 1813 veröffentlichte der inzwischen schon zur Legende gewordene Goethe Teile seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit, er widmete sich nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1816 zudem seinen Forschungen über die Naturwissenschaft. Seine Abhandlungen zur Farbenlehre, in denen er dem Wesen und der Wirkung der Farben auf den Grund kommen wollte, blieben aber erfolglos – unter anderem deswegen, da Goethe die wissenschaftlichen Erkenntnisse Isaac Newtons widerlegen wollte. Erst nach einer schweren Krankheit im Jahr 1823 nahm Goethe wieder ein literarisches Großprojekt in Angriff: Im Bewusstsein dessen, dass ihm nicht mehr allzu viele Jahre bleiben würden, vollendete er seinen Faust II, der jedoch erst einige Monate nach seinem Tod an einem Herzinfarkt im Jahre 1832 veröffentlicht werden sollte.

Goethes Lebenswerk

Goethe gilt als der vielleicht bedeutendste deutsche Schriftsteller aller Zeiten und gleichzeitig als einer der wichtigsten Autoren der Welt – übrigens hat er selbst das Wort „Weltliteratur“ erfunden oder definiert. Sein Schaffen ist so umfassend, dass es sich anbietet, die Gattungen zu betrachten, in denen sich Goethe erprobte. Goethe war Dichter, Romanautor, Dramaturg und Essayist in einem. Als Theoretiker über die Ästhetik der Kunst gab er gesellschaftlich Ende des 18. Jahrhunderts ebenso den Ton an, wie er mit seinen eigenen literarischen Werken Meilensteine in der jeweiligen Gattung setzte, um die man auch heute als Schüler kaum umhin kommt. Begünstigt durch das Jahr seiner Geburt lebte Goethe während eines entscheidenden Epochenumbruchs: Europa brach wirtschaftlich und kulturell in die Moderne auf, die Französische Revolution läutete das „lange 19. Jahrhundert“ ein, das Jahrhundert der Nationgründungen, der Demokratiebewegungen und der umfassenden gesellschaftlichen Modernisierung: der Industriellen Revolution. Entsprechend der bewegten Zeit um die Jahrhundertwende entwickelten sich auch Kunst und Literatur rasant. Strömungen und literarische Epochen lösten sich im Akkord ab, der Geniebegriff entstand, die Literatur wurde zum wichtigsten Medium, der Dichter zum Verkünder ewiger Wahrheiten idealisiert und zum Star. Das Entstehen des neuen Künstlerbegriffs ist an Goethes Lebenslauf abzulesen – vor ihm war kein deutscher Dichter jemals so berühmt und gesellschaftlich einflussreich. Als umfassend gebildeten Mann kann man ihn ein künstlerisches Universalgenie nennen, an den oben geschilderten Veränderungen wirkte er selbst mit und ist daher ein Symbol für das Künstlertum seiner Zeit.
Bevor wir auf Goethes einzelne Werke eingehen, werfen wir einen Blick auf die literarischen Strömungen, an denen Goethe teilnahm und die er entscheidend prägte.
Die Anfänge von Goethes Schaffen fallen in die Zeit des Rokoko bzw. der Anakreontik. Die Gedichte des jugendlichen Goethe sind in freier, beschwingter Form gehalten und behandeln die Themen Erotik, Sinnlichkeit, Genuss und allgemein Freude am Leben.
In Straßburg schließlich entwickelte Goethe sich weiter und prägte mit seinen dortigen Freunden die Strömung des Sturm und Drang. Der Sturm und Drang setzte sich klar von der literarischen Aufklärung ab bzw. ihrer Tendenz, die Vernunft über das Gefühl zu erheben. Die jungen und ungebundenen Dichter dieses Kreises sahen sich einem künstlerischen und gesellschaftlichen Establishment gegenüber, das strenge Einhaltung von Pflichten und Normen predigte und die Kunst als Mittel der Erziehung und weniger des individuellen Ausdrucks des Künstlers verstand. Das entsprach nicht dem Lebensgefühl der jungen Dichter, die stattdessen ihr Leben und ihre Liebe frei ausleben wollten. In ihren Werken betonten sie daher die Rolle des Gefühls, die Schwierigkeiten des Individuums in einer einzwängenden und intoleranten Ständegesellschaft und die (unglückliche) Liebe. Freie Form und freier Ausdruck entsprachen der Richtung des Sturm und Drang, sich vom Althergebrachten zu distanzieren und es aufzubrechen. Goethe schrieb in dieser Zeit viele gefühlsbetonte Gedichte und veröffentlichte 1774 mit Die Leiden des jungen Werthers das berühmteste Werk der Strömung, das zum Bestseller damals unbekannten Ausmaßes wurde und einen wahren Werther-Hype auslöste.
Nach der Italienreise schließlich entwarf Goethe mit Schiller das philosophisch-künstlerische Konzept der Weimarer Klassik. Sie orientierten sich an Themen aus Mythologie und Geschichte, interessierten sich für die antike Kunst und Kultur. Sie wollten klassische, zeitlose Kunst schaffen, erweiterten die Spannweite der damaligen Gattungen und teilten ihre Ansichten über das Wesen und den Auftrag der Kunst in Zeitungen und natürlich über ihre Werke mit. Sie verstanden sich als humanistisch geprägte Künstler, die den Menschen mit ihrem Schaffen einerseits rühren, aber auch bilden oder „erziehen“ wollten – Kunst sollte nach ihrem Verständnis eben nicht nur Unterhaltung sein.
Gegen Ende seines Lebens reagierte Goethe auch auf die Romantik, der er ablehnend gegenüberstand. Als Kosmopolit (= Weltbürger) und jemand, der während des Höhepunkts der philosophischen Aufklärung aufgewachsen war, sah er die Orientierung der Romantik an der Nation und betont phantastischen Themen als Schwärmerei. Jedoch hinderte ihn das nicht, in Faust einige Motive aus der Romantik zu verarbeiten, wie die Figur des Teufels, Alchemie und Hexerei.
Viel gelesen ist die Lyrik Goethes. Goethe ist vielleicht der erste „große“ Dichter Deutschlands oder der erste, dessen Gedichte zu Berühmtheit gelangten. Durch seinen Formenreichtum, seine breit gefächerten Themen und seine Ideen zur Dichtkunst ist er zugleich der einflussreichste deutsche Dichter. Von ihm stammt die Idee, dass ein Dichter in seinen Werken eigene Eindrücke bzw. Erlebnisse ausdrückt, sein stehts flexibler Stil, der mehr als 3000 Gedichte und mehrere Gedichtbände durchzieht, hat im Laufe seines Lebens zahllose Änderungen vollzogen. Goethe hat das Ansehen des Dichters in der Gesellschaft erhöht und den Horizont der Gedichtelandschaft durch den Einsatz neuer (oder vergessener) Formen erheblich erweitert. Er verhalf der deutschen Dichtung, die in den Jahrhunderten zuvor als „unterentwickelt“ im Vergleich zur französischen Lyrik gegolten hatte, zu internationalem Ansehen.
Die Gedichte Goethes, die zur Zeit des Sturm und Drang entstanden, sind meist geprägt von freier Rhythmik und Reimlosigkeit. Die Form entspricht den Inhalten, denn Goethe schrieb über die Liebe, über die Freiheit (zu lieben), den Protest gegen die gesellschaftliche Ordnung, über das Genie – seine Form folgt daher nicht der althergebrachten lyrischen Regelmäßigkeit. Goethes Stil zu dieser Zeit wird auch Erlebnislyrik genannt, seinem Anspruch gemäß, im Gedicht ein inneres Erleben in sprachlicher Form auszudrücken. Die Gedichte behandeln zumeist bestimmte Situationen oder eine Stimmung, keine Handlung im eigentlichen Sinne. Häufige Motive sind Wanderschaft, Liebe, Abschied und Schmerz. Aus dieser Phase sind besonders des Wandrers Sturmlied (1772) und Prometheus (1774) zu nennen. Im Sturmlied schreibt Goethe über individuelle Freiheit und Rastlosigkeit, das lyrische Ich stemmt sich den Widrigkeiten des Lebens entgegen und akzeptiert seine immer wieder neu entfachende Liebe. Prometheus schließlich erhebt sich als Mensch über die Götter und löst sie ab – in diesem Gedicht zeigt sich der Geniebegriff des Sturm und Drang. Seine frühe Lyrik ist also stark subjektiv geprägt, das lyrische Ich beschreibt in den Gedichten zumeist seine Empfindungen.
In Goethes Weimarer Zeit vor der Italienreise kommen sein Stil wie auch er selbst zur Ruhe. Goethe ist kein ungebundener Star mehr, sondern Beamter des Herzogs Carl August. Der stürmisch-leidenschaftliche Ton seiner Sturm-und-Drang-Gedichte verschwindet, dennoch hält sich bei Goethe das subjektive Erleben als Thema; nun sucht das lyrische Ich aber nach Ruhe, Frieden und Erfüllung. Immer öfter schreibt Goethe über die Natur, die mystisch erhöht wird. Die Form seiner Gedichte wird weniger ausschweifend, Goethe entdeckt die Hymne und die Ballade. Der Erlkönig entsteht 1782 und zeigt, dass Goethe auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ist, sein stilistisches Repertoire erhöht sich.
In Italien entdeckt Goethe die Lyrik des Altertums für sich. Er versucht sich in einem Aufgreifen der römischen und griechischen Lyrik, schreibt in den Römischen Elegien von 1795 über das angebliche freie Liebesgefühl in Rom und die Leidenschaft. Goethe versucht sich an römischen Distichen (bestimmtes Versmaß in Pentametern und Hexametern), Hymnen, Oden und später auch Balladen. 1797 schreiben Schiller und er so viele Balladen, dass das Jahr als Balladenjahr in die Literaturgeschichte eingeht. Eine besonders berühmte Ballade Goethes ist Der Zauberlehrling aus eben diesem Jahr.
Nach Schillers Tod und in fortgeschrittenem Alter interessierte Goethe sich für orientalische Mystik. Dieses Interesse schlägt sich in den Themen wieder: Ewigkeit, das Wesen der Natur, die Wahrnehmung an sich und die Suche nach dem Göttlichen in der Welt (= Pantheismus) sind der Stoff seiner späten Lyrik. Sein Stil wird stark symbolisch, seine Formen sind vielfältig. Das wohl berühmteste lyrische Werk Goethes aus dieser Zeit ist der West-östliche Divan von 1819, den er zusammen mit der Schauspielerin Marianne von Willemer schrieb.
Auch als Autor von Romanen und Novellen hatte Goethe einigen Erfolg. Seine bereits erwähnten Leiden des jungen Werther von 1774 waren der erste deutsche Bestseller, der eine wahre Manie auslöste. Durch den Briefroman wurde Goethe zum Symbol einer ganzen Generation. Nie mehr sollte Goethe ein Werk schreiben, das so eifrig gelesen wurde. Doch auch nach dem Werther schrieb Goethe bedeutende Romane. Wilhelm Meisters Lehrjahre von 1795 ist einer der erfolgreichsten deutschen Bildungsromane und einer der bedeutendsten Bildungsromane überhaupt, der die Gattung sogar in Skandinavien beliebt machte. Im Projekt Dichtung und Wahrheit zwischen 1811 und 1833 erzählt Goethe sein eigenes Leben, inzwischen zur Legende geworden.
Typisch für den Prosastil Goethes ist die stilistische Innovation: Briefromane und Bildungsromane gab es bereits vorher, doch wurden diese nicht sehr häufig gebrauchten Gattungen durch Goethe populärer. Wie auch in seiner Lyrik hat Goethe stets auf die Neuerungen auf dem Gebiet der Literatur reagiert.
Goethes Dramen sind ebenfalls berühmt. In Götz von Berlichingen von 1773 offenbart sich die rebellische Frühphase seines Schaffens, in Iphigenie auf Tauris von 1786 spiegelt sich sein Interesse für Kultur und Philosophie des klassischen Altertums – und seine beiden Fausts von 1808 und 1832 gehören neben den Stücken Shakespeares zu den bekanntesten Dramen überhaupt. Besonders in diesen beiden Stücken verarbeitet Goethe sein ganzes Schaffen und sein ganzes Wissen. Der Formenreichtum, den Goethe auch in Prosa und Lyrik bewies, zeigt sich in den zahllosen lyrischen Gattungen, aus denen sich diese Epochenwerke zusammensetzen. Der Geniebegriff des Sturm und Drang trifft auf die Philosophie Schillers, Elemente der Romantik stehen neben den Mythen der Antike. Vor allem im ersten Faustteil beweist Goethe, dass man künstlerischen Anspruch und Unterhaltsamkeit miteinander verbinden kann.

Themen und Stil

Die Vielgestalt von Goethes Texten wurde bereits erläutert. Als umfassend gebildeter und in alle nur erdenklichen Richtungen interessierter Dichter gibt es kaum ein Gebiet, in das Goethe literarisch nicht vorgedrungen wäre. In seiner Frühphase schrieb er meist über die Freiheit des Individuums, das sich Grundproblemen wie Vergänglichkeit, Anpassung an die Gesellschaft und unglückliche Liebe stellen muss. Das Aufgreifen „ewiger Themen“ also der Liebe, dem Tod und der Suche nach dem Sinn des Lebens, die jeden Menschen irgendwann einmal beschäftigen, macht die Breitenwirkung seiner Werke begreiflich. Somit sprach Goethe sowohl den Intellektuellen wie den durchschnittlich gebildeten Freizeitleser an. Trotz seiner späteren Liebe zum klassischen Altertum, das sich in Form vom Wiederbeleben alter Formen, einem hochsprachlichen Stil und nur dem klassisch gebildeten Kenner erschließenden Motiven aus der antiken Mythologie niederschlägt, war Goethe keiner, der die Leidenschaft verkannte. Auch im Faust wusste der Minister und Leiter des Hoftheaters konservative Bürgerliche mit sexuellen Anspielungen zu schockieren. Verweise auf mystisch-philosophische Texte finden sich hier neben derben Späßen und machen deutlich, wie unvorhersehbar Goethes Werke sind.
Dementsprechend ist auch sein Stil breit gefächert. Goethe konnte ebenso die feierliche Sprache des Hofes und des Weisen verwenden wie die leidenschaftlich-offenherzige der Jugend. Besonders in der Lyrik beweist sich Goethe als Meister der Metaphern. Goethes Metaphern sind leicht zugänglich und nicht so schwer zu greifen wie die Lyrik des Symbolismus um 1900. Besonders nachhaltig beeinflusste Goethe die Naturlyrik, die Fontane selbst um 1870 noch als Vorbild galt. Die gefühlvolle, zumindest in seinem Frühwerk leicht zu verstehende aber dabei immer musikalische Sprache Goethes verschaffte ihm den Ruf eines natürlichen Dichters, der seine Emotionen ungefiltert auf das Papier brachte. Auch hier ist zu bemerken, dass Goethe Anspruch und Unterhaltsamkeit stets zusammen dachte.

Einfluss und Rezeption

Schon zu Lebzeiten war Goethe der berühmteste Schriftsteller seiner Generation, ab seiner Schaffensphase in Weimar auch dem Ausland ein Begriff. Während des Sturm und Drang hatte er mit Götz von Berlichingen und Die Leiden des jungen Werther unvergleichliche Bestseller geschrieben und einen Goethe-Kult geschaffen. Man erhob ihm zum Idol, zum Symbol und zum Sprachrohr der Jugend. Diese ersten Anhänger enttäuschte er aber später mit immer komplexeren Werken, die nun die Verfassung der Welt an sich und philosophische Systeme behandelten. Das brachte ihm aber ein größeres Ansehen bei der intellektuellen und künstlerischen Elite Deutschlands ein. Dadurch wurde er zur bedeutendsten kulturellen Figur Deutschlands. Selbst heute noch gehören sein und Schillers Schaffen zur Weltliteratur und werden als Beginn des goldenen Zeitalters der deutschen Literatur gesehen, das mit ihrem Tod zu Ende ging.
Zur Zeit der Romantik und in der politisch angespannten Situation in Deutschland nach 1830 ging die Goethe-Rezeption zurück. Goethe als Humanist des 18. Jahrhunderts, als selbsterklärter Weltbürger und an Mystik interessierter Mensch stimmte nicht mit dem Weltbild der Romantiker, die die Phantastik über die Vernunft erhoben, und der Nationalisten überein, die Goethe als Repräsentanten einer vergangenen Zeit sahen. Während des zweiten deutschen Kaiserreichs wurde Goethe jedoch als Symbol für das „deutsche Wesen“ bzw. die kulturelle Blüte Deutschlands überhaupt umgedeutet. Man nahm Goethes Lebenslauf als Beispiel eines tadellosen Lebensstils. Bis heute ist er eine feste Größe in den Literaturkanons an Schulen und wird im täglichen Sprachgebrauch zitiert. Wendungen wie „Das ist des Pudels Kern“ oder „Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein“ sind wohl fast allen bekannt. Sein Einfluss erstreckt sich auf die gesamte deutsche Kultur. Die Romantik kann als „Weiterentwicklung“ des Sturm und Drang aufgefasst werden, fast alle berühmten deutschen Autoren verweisen auf Goethes Einfluss. Es ist also gerechtfertigt, von Goethe als dem wichtigsten deutschen Künstler zu sprechen.
Bildnachweise [nach oben]
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