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Barock

Skripte
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Der Barock währte von etwa 1600 bis 1720. Er war geprägt vom Einfluss anderer Kulturen, darunter besonders von denjenigen Frankreichs und Italiens, die als Kulturhochburgen Europas galten, dem höfischen Leben und dem Dreißigjährigen Krieg. Unter dem Eindruck des sich vom Alltagsleben stark unterscheidenden Daseins am Hofe, das die adelige Elite mit Festen, Konzerten und Theateraufführungen unterhielt und durch Verwüstungen durch denn Dreißigjährigen Krieg, in welchem ganze Landstriche entvölkert wurden, entstand die sogenannte Antithetik des Barock. Auf der einen Seite steht die Lebenslust, das Carpe diem (lat. für „Nutze den Tag!“). Die barocken Literaten erkannten, dass ihr Leben endlich war, dass es also galt, die beschränkte Zeit für Vergnügungen zu nutzen und glücklich zu werden. Auf der anderen Seite stehen aber das Memento mori (lat. für „Bedenke, dass du sterben musst!“) und die Vanitas (lat. für „Nichtigkeit“, „Leere“). Diese Kehrseite des barocken Lebensgefühls hielt dem Menschen vor Augen, dass Hochmut sinnlos sei, da die Welt als fehlerhaft und endlich angesehen wurde. Erlösung versprach man sich vom Himmel, während sich der Mensch auf der Erde den Naturgesetzen und dem Urteil Gottes beugen musste. Dem entsprach die Sinnlosigkeit (Vantias) des menschlichen Handelns – auf der Welt währt nichts ewig.
Darüber hinaus war der Barock von der Antike beeinflusst, wie die lateinischen Namen seiner Leitmotive bereits zeigt. Diese war in der Renaissance, welcher der Barock unmittelbar folgt, „wiederentdeckt “ worden. Daher finden sich neben christlicher Motivik auch Verweise auf die Götter- und Sagenwelt der Römer und Griechen. In Deutschland bediente man sich der literarischen Formen aus Frankreich und Italien, welche bereits eine einflussreiche Literatur und einige berühmte Dichter aufweisen konnten. Dazu gehörte auch ein pathetischer Stil, da das Stilmittel des Pathos als kulturell besonders hochwertig angesehen wurde. Durch das Engagement von Dichtern wie Andreas Gryphius (1616-1664) und Martin Opitz (1597-1639) erhielten somit das Sonett und auch der Petrarkismus Einzug in die deutsche Literatur, welche die damalige Liebeslyrik und die deutsche Liebeslyrik überhaupt entscheidend prägten.

Sprache und Form

Die Lyrik des Italieners Francesco Petrarca (1304-1374) diente den meisten deutschen Dichtern des Barock als Vorbild, wenn sie über die Liebe schrieben. Durch die Neuartigkeit der Dichtkunst des Italieners entwickelte sich eine nach ihm benannte Strömung, der Petrarkismus, der sich über ganz Europa verbreitete. Typisch ist die Sonettform – zwei Quartette und zwei Terzette; die Quartette enthalten ein umarmendes Reimschema, das Reimschema der Terzette variiert. Ein weiteres Kennzeichen des Petrarkismus ist der Inhalt: Zumeist klagt ein Mann über seine Liebe zu einer ihn abweisenden Frau, welche er im Gedicht mithilfe von Metaphern, Vergleichen und Symbolen beschreibt. Im Barock verwendete man zudem vorzugsweise Symbole, die auf die Antike verwiesen oder verband den Petrarkismus mit dem Memento mori. So ist eine mögliche Taktik des lyrischen Ichs, seine Angebetete zu gewinnen, ihr ihre Sterblichkeit und die Vergänglichkeit ihrer Schönheit vorzuhalten und auf die Ewigkeit der Kunst hinzuweisen. Auch spiegelt sich die Antithetik des Barock in dessen Liebeslyrik wider: Der Hitze der Liebe wird die Kälte der Angebeteten gegenübergestellt.

Die meisten barocken Dichter verwendeten eine gehobene, pathetische und später oft als unnatürlich bewertete Sprache. Vor allem unter dem Leitsatz des Memento mori dichtete man in einer hohen Sprache.
Die Einführung des Petrarkismus in Deutschland vor allem durch Martin Opitz geschah unter dem Ziel, die deutsche Lyrik mit der mediterranen Lyrik gleichzustellen und ihr somit auch internationales Renommee zu verschaffen. Populäre Formen wie das Sonett und allgemein bekannte Metaphorik wurden übernommen, ebenso wie der aus Frankreich stammende Alexandriner. Dieser ist ein Versmaß, in welchem jeder Vers einen Jambus mit sechs Hebungen und eine Zäsur (= gedanklicher Einschnitt) in der Mitte enthält. Wie ein „typisches“ Liebesgedicht im Barock aussah, kannst du im Folgenden sehen.

Beispiel für die Liebeslyrik des Barock

  • DIß wunderliche Werck / das Gott hat auffgericht/
  • Die Erde / Lufft / vnd See / des Himmels hohe Thronen /
  • Das alles / was man kan / vnd auch nicht kan bewohnen/
  • Hett es kein / oder auch zwo Sonnen / stünd es nicht.
  • Ich arm betrübtes Thier muß zweyer Sonnen liecht
  • Vertragen / die mir arg für meine Liebe lohnen /
  • Ja die bey Tag vnd Nacht auch meiner nicht verschonen /
  • Doch ärger ist die Pein / wann mir der Glantz gebricht /
  • Was wunder ist es dann / daß jhr mich sehet sterben
  • Mehr als zehn tausentmal / eh' kaum hingeht ein Tag?
  • Vnd jmmer widerumb belebt zur newen Plag?
  • Ist sie mir allzunah / muß ich durch sie verderben:
  • Ist sie denn gantz hinweg / so hab ich lauter Nacht /
  • Doch wehl' ich mir den Todt / den mir die Hitze macht.
  • (Sonett von der Liebsten Augen von Martin Opitz)

Dieses Gedicht nach petrarkischem Vorbild ist ein gutes Beispiel für die Liebeslyrik des Barock. Es ist durch seine Sonettform und durch den Alexandriner gekennzeichnet, auch wenn Martin Opitz letzteren nicht immer verwendet (der Gedankeneinschnitt, durch einen Schrägstrich markiert, muss in der Mitte des Verses stehen). Ein Liebender spricht von seiner sein Leben verändernden Liebe (orange markiert), die ihm Qualen (lila markiert) bereitet, da sie unerfüllt bleibt. Opitz bedient sich christlicher Begriffe und Vorstellungen, um die Rolle der Liebe für den Klagenden zu verdeutlichen: Die mit Sonnen verglichenen Augen wurden von Gott aufgerichtet, sie sind nicht bloß weltlichen, profanen Ursprungs, sondern weisen auf die Ewigkeit Gottes (blau markiert). Für die Dichter des Barock war die Liebe ein Gefühl, das nicht bloß rein diesseitigen Charakters war. Die Antithetik aus Euphorie und Enttäuschung findet sich in der Antithetik von Licht und Dunkelheit (grün markiert) im Sonett wieder.

Fazit

Im Barock wird die Liebe oft zu einem auf das Transzendente hinweisende Gefühl stilisiert und oftmals mit christlicher oder antiker Motivik verglichen oder beschrieben. Meistens stellen barocke Liebesgedichte eine Klage dar – doch muss dies nicht sein, auch Martin Opitz schrieb Gedichte, die eine lebensfrohe Sicht auf die Liebe aufweisen. Hier findet der Gegensatz von Carpe diem und Memento mori seine dichterische Gestaltung – Barock kann sowohl Trauer und Leid im Angesicht der Ewigkeit als auch Lebenslust bedeuten. Gegenüberstellungen finden sich so häufig wie die Umschreibung der Geliebten mit Natursymbolik. Die barocke Liebeslyrik zeichnet sich zudem durch eine strenge, regelmäßige Form aus, Sonette und der Alexandriner herrschen vor. Wichtige deutsche Lyriker dieser Zeit sind u.a. Andreas Gryphius (s.o.), Martin Opitz (s.o.) und Paul Fleming (1609-1640).
Die Sonettform sowie die Vergleiche mit Natur und antiker Götterwelt beeinflussten auch spätere Liebeslyrik stark – vor allem das Sonett erfreute sich über die Epochen hinweg großer Popularität.

#barock#liebeslyrik
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