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Aufgabe A

Aufgaben
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Untersuchendes Erschließen literarischer Texte – Textinterpretation

Aufgabe

  • Interpretiere den Auszug aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung Das Fräulein von Scuderi.

  • Berücksichtige dabei, wie in dem vorliegenden Auszug die Machtverhältnisse gestaltet werden.
Brauchst du noch mehr Informationen zu Das Fräulein von Scuderi?
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Lektürehilfe zu Das Fräulein von Scuderi
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Lektürehilfe zu Das Fräulein von Scuderi
#etahoffmann#dasfräuleinvonscuderi#machtverhältnisse#interpretieren#erzählung

E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi (1819)

$\quad\quad\,\,\,$[…]




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Alles wich scheu zur Seite, und als sie nun eintrat, stand selbst der König ganz verwundert auf und kam ihr entgegen. Da blitzten ihm die köstlichen Diamanten des Halsbands, der Armbänder ins Auge und er rief: „Beim Himmel, das ist Cardillacs Geschmeide!“ Und dann sich zur Maintenon wendend, fügte er mit anmutigem Lächeln hinzu: „Seht Frau Marquise, wie unsere schöne Braut um ihren Bräutigam trauert.“ –„Ei gnädiger Herr“, fiel die Scuderi wie den Scherz fortsetzend ein, „wie würd' es ziemen1 einer Schmerz erfüllten Braut, sich so glanzvoll zu schmücken? Nein, ich habe mich ganz losgesagt von diesem Goldschmidt2, und dächte nicht mehr an ihn, träte mir nicht manchmal das abscheuliche Bild, wie er ermordet dicht bei mir vorübergetragen wurde, vor Augen.“ – „Wie“, fragte der König, „wie! Ihr habt ihn gesehen, den armen Teufel?“ Die Scuderi erzählte nun mit kurzen Worten, wie sie der Zufall (noch erwähnte sie nicht der Einmischung Brußons) vor Cardillacs Haus gebracht, als eben der Mord entdeckt worden. Sie schilderte Madelons wilden Schmerz, den tiefen Eindruck, den das Himmelskind auf sie gemacht, die Art, wie sie die Arme unter Zujauchzen des Volks aus Desgrais Händen gerettet. Mit immer steigendem und steigendem Interesse begannen nun die Szenen mit la Regnie – mit Desgrais – mit Olivier Brußon selbst. Der König, hingerissen von der Gewalt des lebendigsten Lebens, das in der Scuderi Rede glühte, gewahrte nicht, daß von dem gehässigen Prozeß des ihm abscheulichen Brußons die Rede war, vermochte nicht ein Wort hervorzubringen, konnte nur dann und wann mit einem Ausruf Luft machen der innern Bewegung. Ehe er sichs versah, ganz außer sich über das $\,$ Unerhörte, was er erfahren und noch nicht vermögend alles zu ordnen, lag die Scuderi schon zu seinen Füßen und flehte um Gnade für Olivier Brußon. „Was tut Ihr“, brach der König los, indem er sie bei beiden Händen faßte und in den Sessel nötigte, „was tut Ihr, mein Fräulein! – Ihr überrascht mich auf seltsame Weise! – Das ist ja eine entsetzliche Geschichte! – Wer bürgt für die Wahrheit der abenteuerlichen Erzählung Brußons?“ Darauf die Scuderi: „Miossens Aussage – die Untersuchung in Cardillacs Hause – innere Überzeugung – ach! Madelons tugendhaftes Herz, das gleiche Tugend in dem unglücklichen Brußon erkannte!“ Der König, im Begriff, etwas zu erwidern, wandte sich auf ein Geräusch um, das an der Türe entstand. Louvois, der eben im andern Gemach arbeitete, sah hinein mit besorglicher Miene. Der König stand auf und verließ, Louvois folgend, das Zimmer. Beide, die Scuderi, die Maintenon hielten diese Unterbrechung für gefährlich, denn einmal überrascht, mochte der König sich hüten, in die gestellte Falle zum zweitenmal zu gehen. Doch nach einigen Minuten trat der König wieder hinein, schritt rasch ein paarmal im Zimmer auf und ab, stellte sich dann, die Hände über den Rücken geschlagen, dicht vor der Scuderi hin und sprach, ohne sie anzublicken, halb leise: „Wohl möcht‘ ich Eure Madelon sehen!“ – Darauf die Scuderi: „O mein gnädiger Herr, welches hohen – hohen Glücks würdigt Ihr das arme, unglückliche Kind – ach, nur Eures Winks bedurft es ja, die Kleine zu Euren Füßen zu sehen.“ Und trippelte dann, so schnell sie es in den schweren Kleidern vermochte, nach der Tür und rief hinaus, der König wolle Madelon Cardillac vor sich lassen, und kam zurück und weinte und schluchzte vor Entzücken und Rührung. Die Scuderi hatte solche Gunst geahnet, und daher Madelon mitgenommen, die bei der Marquise Kammerfrau wartete mit einer kurzen Bittschrift in den Händen, die ihr d'Andilly aufgesetzt. In wenig Augenblicken lag sie sprachlos dem Könige zu Füßen. Angst – Bestürzung – scheue Ehrfurcht – Liebe und Schmerz – trieben der Armen rascher und rascher das siedende Blut durch alle Adern. Ihre Wangen glühten in hohem Purpur – die Augen glänzten von hellen Tränenperlen, die dann und wann hinabfielen durch die seidenen Wimpern auf den schönen Lilienbusen. Der König schien betroffen über die wunderbare Schönheit des Engelskinds. Er hob das Mädchen sanft auf, dann machte er eine Bewegung, als wolle er ihre Hand, die er gefaßt, küssen. Er ließ sie wieder und schaute das holde Kind an mit tränenfeuchtem Blick, der von der tiefsten innern Rührung zeugte. Leise lispelte die Maintenon der Scuderi zu: „Sieht sie nicht der la Valliere3 ähnlich auf ein Haar, das kleine Ding?“ – Der König schwelgt in den süßesten Erinnerungen. „Euer Spiel ist gewonnen.“ – So leise dies auch die Maintenon sprach, doch schien es der König vernommen zu haben. Eine Röte überflog sein Gesicht, sein Blick streifte bei der Maintenon vorüber, er las die Supplik4, die Madelon ihm überreicht, und sprach dann mild und gütig: „Ich will's wohl glauben, daß du, mein liebes Kind, von deines Geliebten Unschuld überzeugt bist; aber hören wir, was die Chambre ardente5 dazu sagt!“ – Eine sanfte Bewegung mit der Hand verabschiedete die Kleine, die in Tränen verschwimmen wollte. – Die Scuderi gewahrte zu ihrem Schreck, daß die Erinnerung an die Valliere, so ersprießlich sie anfangs geschienen, des Königs Sinn geändert hatte, so wie die Maintenon den Namen genannt. Mocht' es sein, daß der König sich auf unzarte Weise daran erinnert fühlte, daß er im Begriff stehe, das strenge Recht der Schönheit aufzuopfern, oder vielleicht ging es dem Könige wie dem Träumer, dem, hart angerufen, die schönen Zauberbilder, die er zu umfassen gedachte, schnell verschwinden. Vielleicht sah er nun nicht mehr seine Valliere vor sich, sondern dachte nur an die Soeur Louise de la miséricorde (der Valliere Klostername bei den Carmeliternonnen), die ihn peinigte mit ihrer Frömmigkeit und Buße. – Was war jetzt anders zu tun, als des Königs Beschlüsse ruhig abzuwarten.
[…]
Quelle: E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. In: Ders.: Die Serapionsbrüder. Hrsg. von Wulf Segebrecht. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 2008, S. 846 ff.

1ziemen: angemessen sein
2Goldschmidt: hier für Goldschmied
3la Vallière: Herzogin, zwischen 1661 und 1671 Geliebte Ludwigs XIV; 1675 ging sie ins Karmeliterkloster Paris
4die Supplik: Bittgesuch
5Chambre adernte: außerordentlicher Gerichtshof, der häufig sehr harte Strafen verhängte
#erzählung#etahoffmann#dasfräuleinvonscuderi
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$\blacktriangleright$ Den Auszug aus E.T.A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderi“ interpretieren. Dabei insbesondere die Gestaltung der Machtverhältnisse berücksichtigen.

In dieser Aufgabe sollst du den gegebenen Textausschnitt interpretieren. Du sollst hierbei vor allem auf die verschiedenen Machtverhältnisse eingehen, die anklingen. Die Grundregeln der Textinterpretation gelten also auch hier: Deine Lösung sollte aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss/Fazit bestehen. Deine Interpretation sollte sich in erster Linie damit befassen, wie die verschiedenen Personen dargestellt werden und welche Macht sie durch diese Darstellung erhalten.

Hier einige Fragen, an denen du dich orientieren kannst:

  • Wie wird der König dargestellt? Ist er die mächtigste Person im Raum?
  • Wie reagieren die Anderen als das Fräulein Scuderi den Raum betritt?
  • Welche Macht besitzt die Scuderi im Gegensatz zum König?
  • Was unterscheidet den König von der Scuderi?
Mit Hilfe dieser Fragen, wird deine Interpretation ein voller Erfolg!

Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Textinterpretation schreibt, kannst du einen Blick in unser Skript Methodik: Interpretation: Textinterpretation werfen!
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Thema:

E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi (1819)

Textgrundlagen:

E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. In: Ders.: Die Serapionsbrüder. Hrsg. von Wulf Segebrecht. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 2008, S. 846 ff.

Aufgabe:

$\blacktriangleright$ Den Auszug aus E.T.A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderi“ interpretieren. Dabei insbesondere die Gestaltung der Machtverhältnisse berücksichtigen.

Tipp

In dieser Aufgabe sollst du den gegebenen Textausschnitt interpretieren. Du sollst hierbei vor allem auf die verschiedenen Machtverhältnisse eingehen, die anklingen. Die Grundregeln der Textinterpretation gelten also auch hier: Deine Lösung sollte aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss/Fazit bestehen. Deine Interpretation sollte sich in erster Linie damit befassen, wie die verschiedenen Personen dargestellt werden und welche Macht sie durch diese Darstellung erhalten.

Hier einige Fragen, an denen du dich orientieren kannst:

  • Wie wird der König dargestellt? Ist er die mächtigste Person im Raum?
  • Wie reagieren die Anderen als das Fräulein Scuderi den Raum betritt?
  • Welche Macht besitzt die Scuderi im Gegensatz zum König?
  • Was unterscheidet den König von der Scuderi?

Mit Hilfe dieser Fragen, wird deine Interpretation ein voller Erfolg!

Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Textinterpretation schreibt, kannst du einen Blick in unser Skript Methodik: Interpretation: Textinterpretation werfen!

Die Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“, die 1819 von E.T.A. Hoffmann verfasst wurde, befasst sich mit dem Thema Recht und Unrecht. Fräulein Scuderi gerät völlig unverschuldet in ein Konstrukt aus Gewalt, Raub sowie den Kampf um Juwelen und vermag erst durch zahlreiche investigatorische Maßnahmen das ganze Ausmaß dieses Rätsels zu erkennen, welches sie dann mit aller Kraft zu lösen versucht.

Der hier angegebene Textausschnitt lässt sich gegen Ende der Erzählung einordnen. Es handelt sich hierbei um die Szene, in der die Scuderi dem König mit Hilfe der Juwelen Cardillacs eine Falle stellt, um ihn von der Unschuld Brussons zu überzeugen. Diesen, für sie letzten Schritt, hat sie sich sorgsam bis zum Ende aufgehoben, um ihr Glück und ihr Ansehen beim König nicht leichtfertig zu verspielen, denn alles spricht gegen Brussons Unschuld. Zuvor erfuhr die Scuderi, dass nicht, wie fälschlicherweise angenommen, der Geselle Cardillacs diesen getötet habe, sondern ihm lediglich auf einem der Raubzüge gefolgt sei, um ihn auf frischer Tat zu überraschen. Hierbei hat sich Cardillac jedoch den falschen Mann erkoren, da dieser Miossens hieß und keinen Augenblick zögerte als er sich und seinen kostbaren Schatz verteidigen musste. Bei diesem kurzen Kampf kam Cardillac ums Leben und so kommt es, dass Brussons tatsächlich von jeglicher Schuld freizusprechen ist.

Als das Fräulein Scuderi das Zimmer des Königs betritt, „wich [alles] scheu zur Seite“ (Z. 1) und „selbst der König [stand] ganz verwundert auf und kam ihr entgegen“ (Z. 1-2). Gemäß der Hierarchie zu Hofe, steht der König für niemanden auf, sondern lässt sich von den Damen und Herren standesgemäß begrüßen. Doch bereits zuvor im Text wurde klar, dass das Fräulein ein hohes Ansehen und des Königs Vertrauen auf sich vereint. Als sie nun in ihrem dunklen Mantel, einem langen Kleid und den glitzernden Juwelen Cardillacs den Raum betritt, strahlt sie solch eine Macht aus, dass auch dem König nichts Anderes übrigbleibt, als sich ihr gegenüber ehrfürchtig zu zeigen.

Über den Schmuck kommen der König und das Fräulein ins Gespräch und sie hat die Möglichkeit ihm von dem Zwischenfall vor Cardillacs Haus zu erzählen. Von seiner Leiche, von Madelon, die sie bei sich aufgenommen hat und schließlich von Brusson. Die Scuderi gestaltet ihre Rede mit einer „Gewalt des lebendigsten Lebens“ (Z. 16), sodass der König „nicht ein Wort hervorzubringen [vermochte]“ (Z.18), sondern „nur dann und wann mit einem Ausruf“ (Z. 18) dienen konnte. Durch Scuderis Überzeugungskraft und rhetorische Fähigkeiten gelang es ihr den König völlig zu überraschen. Als sie sich dann auch noch plötzlich „zu seinen Füßen“ (Z. 21) wirft, und „um Gnade für Olivier Brusson“ (Z. 21) bittet, hilft der König ihr sofort wieder auf und erklärt seine Überraschung gegenüber der Scuderi.

Dieser Teil der Erzählung zeigt sehr deutlich, dass die zu Beginn des Textes sehr machtvolle Scuderi genau diese vermeintliche Macht nutzt, um den König zu überraschen und ihm in dieser Überraschung ihre Version der Geschichte zu erzählen. Durch ihre Fähigkeit mit Worten zu spielen, ihr elegantes Aussehen und den Respekt, den sie von Seiten des Königs zu erwarten hat, gelingt es ihr einen unvoreingenommenen König zu treffen, dessen Macht in diesem Moment zwar oberflächlich noch besteht, er dennoch eher machtlos wirkt. Diese Machtlosigkeit lässt sich daran festmachen, dass er, obwohl er der Chambre Ardente völlig vertraut, die Geschichte der Scuderi zu glauben scheint, da er viel auf sie hält. Er lässt sich von ihren Fähigkeiten und von ihrer Macht, die aus anderen Gebieten als die seinen besteht, einwickeln und verführen, sodass er nicht mehr Herr seiner selbst ist. Als das Fräulein dann sogar einen Zeugen für ihre Geschichte nennen kann, Miossens, überlegt sich der König das Mädchen Madelon zu sich rufen zu lassen und diese ebenfalls anzuhören, um sich selbst von der Richtigkeit der Geschehnisse zu überzeugen.

Das Fräulein Scuderi hatte die Reaktion des Königs bereits vorausgeahnt „und daher Madelon mitgenommen, die bei der Marquise Kammerfrau wartete“ (Z. 40). Hieran sieht man ebenfalls, dass das Fräulein Scuderi zwar gesellschaftlich gesehen keinen hohen Rang besitzt, aber dennoch durch ihr Ansehen und die Ehrfurcht, die die Menschen für sie empfinden, eine Macht besitzt, die man nicht unterschätzen sollte. Diese Macht geht sogar so weit, dass sie sich traut ein solches Theater für den König zu inszenieren, um die Unschuld Brussons und seine Freilassung zu erlangen.

Selbst das Mädchen Madelon besitzt eine gewisse Macht über den König. Oberflächlich ist sie ihm, gemäß der Hierachie, unterliegen, liegt zu seinen Füßen, weint und schluchzt (vgl. Z. 39), dennoch kann sie durch ihr reines Wesen und ihre Art den König, wie das Fräulein zuvor, stark beeinflussen. Es ist sogar die Rede davon, dass der König „betroffen [scheint] über die wunderbare Schönheit des Engelskinds“ (Z. 46.). Somit bleibt dem König gar nichts anderes übrig als ihr zu glauben, scheint sie doch ein vom Himmel gesandter Engel zu sein. Ein weiterer Fakt, der dazu führt, dass der König Madelon und somit auch dem Fräulein glaubt, ist, dass sie seiner vergangenen Geliebten, la Valliere, sehr ähnlich sieht (Z. 49) und ihm dadurch Gedanken an schöne Zeiten kommen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der König zwar die mächtigste Person im Raum und auch im Lande ist, er aber dennoch nicht gegen die Waffen der Frauen, ihre Intrigen und Spielchen ankommt. Durch die Handhabe dieser Dinge gelingt es dem Fräulein Scuderi die Wahrheit aufzudecken und sie an den König zu tragen. Die Szene endet damit, dass unklar bleibt, ob dieses Spiel genügt hat, um Olivier die Freiheit zu schenken und seine Unschuld zu beweisen.
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