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Aufgabe B

Aufgaben
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Erörterndes Erschließen pragmatischer Texte – Texterörterung

Aufgabe

  • Erörtere, inwieweit die Sicht der Autorin auf die männlichen Figuren in Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel Emilia Galotti (1772) überzeugt.
#emiliagalotti#lessing#erörtern
  • Erarbeite zunächst die Positionen Erika Fischer-Lichtes.
#these#erläutern

Erika Fischer-Lichte: Der zärtliche Vater und seine tugendhafte Tochter (1990)

$\quad\quad\;\;$[…]




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10




15




20

Der Verführer tritt als höfischer Gegenspieler des zärtlichen Vaters auf: während dieser die Tugend seiner Tochter zu bewachen und zu erhalten sucht, droht jener, sie zu zerstören. […] Entsprechend wird hier die Funktion des künftigen Sohnes (Appiani) von der des Verführers (Prinz) streng geschieden. Zwar gehört auch Appiani kraft seiner Geburt zu den höfischen Kreisen. Er entscheidet sich jedoch gegen den Hof und zieht ein bürgerliches, zurückgezogenes Leben „in seinen väterlichen Tälern“ vor. Als idealer Sohn wird er in die bürgerliche Familie der Galottis aufgenommen (Odoardo: „Alles entzückt mich an ihm“; II,4). Der Verführer wird allerdings auch nicht als ein ausgesprochen lasterhafter Mensch dargestellt. Seine Liebe zu Emilia läßt ihn partiell bürgerliche Werte übernehmen […]. Der Wert, den er seiner Empfindung beimißt, führt vorübergehend sogar zu bürgerlichen Verhaltensformen […]. Nicht als Mensch, der Empfindungen hat, kann der Prinz Emilias Tugend gefährlich werden, auch wenn es ihm gelungen ist, Emilia mit seinem Liebesgeständnis in der Kirche in Angst und Verwirrung zu stürzen. Sie bleibt doch fest in die schützende Einheit der Familie eingebunden. Als Prinz jedoch, der über den Intrigenapparat des Hofes verfügt, geht von ihm die schwerste Bedrohung aus.
Zwar wird bereits sein Übergriff während der Messe als Ausdruck des „Lasters“ (II,6) gegeißelt. Aber dies Laster wäre allein nicht fähig gewesen, Emilia ihrer Familie zu entreißen und so ihre Tugend ernsthaft in Gefahr zu bringen. Dies gelingt erst der Intrige Marinellis. Sie führt zum Mord an Appiani und zielt darauf, „Mutter und Tochter und Vater“ zu trennen (V,5): die natürliche Ordnung der Familie ist zerstört. Erst das Laster, in dessen Dienst die Intrige gestellt wird, läßt den Prinzen tatsächlich zum Antagonisten des Vaters werden.
[…]
Quelle: Erika Fischer-Lichte: Der zärtliche Vater und seine tugendhafte Tochter. In: dies.: Geschichte des Dramas. Bd. 1 Von der Antike bis zur deutschen Klassik. Tübingen: A. Francke Verlag, 1990, S. 280 ff. 2008, S. 846 ff.

Erläuterungen: Erika Fischer-Lichte (geb. 1943), Theaterwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin
#sekundärtext#emiliagalotti#lessing
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$\blacktriangleright$ Die Position Erika Fischer-Lichtes erarbeiten.
Der erste Aufgabenteil dient dazu, die zentralen Aussagen aus dem Text nochmals aufzugreifen und in einen übersichtlichen Zusammenhang zu bringen. Du solltest also schauen, welche verschiedenen Thesen die Autorin nennt und diese klar und verständlich wiedergeben.
Hierbei geht es nicht darum, sprachliche Mittel, rhetorische Auffälligkeiten oder ihre Argumentationsstruktur zu untersuchen, sondern lediglich um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Text.
  • Wie sieht sie die Rolle des Vaters?
  • Wie wird Appiani verstanden?
  • Welche Rolle hat der Prinz?
  • Wie verändern bzw. beeinflussen sich die männlichen Figuren gegenseitig?
  • Welche Thesen stellt die Autorin auf, um die Figurenkonstellation zu beurteilen?
Denk daran, dass der Hauptteil deiner Aufgabe im zweiten Teil liegt. Achte also darauf, deine Zeit entsprechend einzuteilen und versuch dich hier kurz zu halten, aber trotzdem alle wichtige Aspekte präzise zu formulieren!
$\blacktriangleright$ Erörtern, inwieweit die Sicht der Autorin auf die männlichen Figuren in Gotthold Ephraim Lessings Emilia Galotti überzeugt.
In der zweiten Teilaufgabe, die stärker gewichtet wird als die erste Aufgabe, sollst du die Aspekte aus dem Text, die du eben ausgearbeitet hast, nutzen und auf das bürgerliche Trauerspiel Emilia Galotti beziehen.
Hierbei ist es wichtig, alle männlichen Figuren, die in dem Text der Autorin angesprochen werden, einzeln zu betrachten und zu argumentieren, was für und was gegen die Betrachtung der Figur durch die Autorin spricht.
  • Welche Punkte sind noch zu ergänzen und wo siehst du die Autorin vielleicht im Unrecht?
Aber achte immer darauf, gut zu argumentieren, um deine eigene Meinung zu untermalen.
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Thema:
Erika Fischer-Lichte: Der zärtliche Vater und seine tugendhafte Tochter, (1990)
Quellen:
Erika Fischer-Lichte: Der zärtliche Vater und seine tugendhafte Tochter. In: dies.: Geschichte des Dramas. Bd. 1 Von der Antike bis zur deutschen Klassik. Tübingen: A. Francke Verlag, 1990, S. 280 ff. 2008, S. 846 ff.
Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti (1772)
Erste Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Die Position Erika Fischer-Lichtes erarbeiten.
Tipp
Der erste Aufgabenteil dient dazu, die zentralen Aussagen aus dem Text nochmals aufzugreifen und in einen übersichtlichen Zusammenhang zu bringen. Du solltest also schauen, welche verschiedenen Thesen die Autorin nennt und diese klar und verständlich wiedergeben.
Hierbei geht es nicht darum, sprachliche Mittel, rhetorische Auffälligkeiten oder ihre Argumentationsstruktur zu untersuchen, sondern lediglich um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Text.
  • Wie sieht sie die Rolle des Vaters?
  • Wie wird Appiani verstanden?
  • Welche Rolle hat der Prinz?
  • Wie verändern bzw. beeinflussen sich die männlichen Figuren gegenseitig?
  • Welche Thesen stellt die Autorin auf, um die Figurenkonstellation zu beurteilen?
Denk daran, dass der Hauptteil deiner Aufgabe im zweiten Teil liegt. Achte also darauf, deine Zeit entsprechend einzuteilen und versuch dich hier kurz zu halten, aber trotzdem alle wichtige Aspekte präzise zu formulieren!
Tipp
Der erste Aufgabenteil dient dazu, die zentralen Aussagen aus dem Text nochmals aufzugreifen und in einen übersichtlichen Zusammenhang zu bringen. Du solltest also schauen, welche verschiedenen Thesen die Autorin nennt und diese klar und verständlich wiedergeben.
Hierbei geht es nicht darum, sprachliche Mittel, rhetorische Auffälligkeiten oder ihre Argumentationsstruktur zu untersuchen, sondern lediglich um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Text.
  • Wie sieht sie die Rolle des Vaters?
  • Wie wird Appiani verstanden?
  • Welche Rolle hat der Prinz?
  • Wie verändern bzw. beeinflussen sich die männlichen Figuren gegenseitig?
  • Welche Thesen stellt die Autorin auf, um die Figurenkonstellation zu beurteilen?
Denk daran, dass der Hauptteil deiner Aufgabe im zweiten Teil liegt. Achte also darauf, deine Zeit entsprechend einzuteilen und versuch dich hier kurz zu halten, aber trotzdem alle wichtige Aspekte präzise zu formulieren!
Die Ausarbeitung Der zärtliche Vater und seine tugendhafte Tochter wurde von Erika Fischer-Lichte 1990 verfasst und bezieht sich auf die männlichen Figuren in dem bürgerlichen Trauerspiel Emilia Galotti von Lessing. Der Text liegt nicht in der vollständigen Fassung vor, sondern ist stellenweise gekürzt. Die vier wichtigsten männlichen Figuren, Emilias Vater Odoardo, ihr versprochener Ehemann Appiani, der Prinz selbst und sein Kammerherr Marinelli werden betrachtet und ihre Rollen im Gesamtgeschehen bewertet.
Einleitung
Zunächst ist im Text auffällig, dass sowohl der Prinz als auch Appiani aus Sicht des Vaters charakterisiert werden. Der eine als Verführer, der andere als Figur, die als "idealer Sohn" (Z. 8) beschrieben wird. Der Vater selbst wird damit zur Schlüsselfigur, die die anderen Figuren bewertet und ihnen Rollen im Handlungsverlauf zuweist. Laut der Autorin ist die Hauptaufgabe des Vaters als Familienoberhaupt „die Tugend seiner Tochter zu bewachen“ (Z. 2).
Hauptteil
Odoardo als Vater
Odoardo bezeichnet Appiani, den zukünftigen Mann seiner Tochter, als Sohn. Obwohl dieser aus höfischen Kreisen stammt, hat er sich für ein bürgerliches Leben im Kreise der Familie Galotti entschieden. Die Autorin stellt die Rolle Appianis nicht gezielt dar, sondern belässt es bei dieser Erläuterung des Charakters aus Sicht des Vaters.
Appiani als ‚Sohn‘
Der Prinz wird als Verführer dargestellt, der die Tugendhaftigkeit von Emilia gefährdet. Damit stellt die Autorin den Prinzen als Antagonisten zum Vater dar, da der eine die Tugend gefährdet, während der andere sie zu erhalten bemüht ist (vgl. Z.3). Der Prinz wird laut der Autorin nicht als „lasterhafter Mensch dargestellt“(Z. 11). Die These der Autorin, der Prinz habe als Verführer bürgerliche Werte angenommen und wäre in dieser Rolle, speziell beim Aufeinandertreffen von Emilia und dem Prinzen in der Kirche, keine Gefahr für die Tugend der Emilia (vgl. Z. 12), ist schlüssig.
Der Prinz als ‚Verführer‘
Weiter führt Fischer-Lichte aus, dass der Prinz erst dann als Gefahr für die Tugend der Emilia anzusehen ist, als die Intrige in das Geschehen eingreift und er wieder in seine höfische Rolle zurückkehrt, denn als Prinz, „der über den Intrigenapparat des Hofes verfügt, geht von ihm die schwerste Bedrohung aus“ (Z. 19-20). Der Autorin nach sei der Prinz erst durch diesen Schritt in der Lage, das Familiengefüge der Galottis zu zerstören und in diesem Moment werde er zum Antagonisten des Vaters (vgl. Z. 25-29). Marinelli ist bei der Intrige zwar der ausführende Part, allerdings trennt die Autorin ihn nicht von der Rolle des Prinzen als intrigante, höfische Person. Marinelli wird nicht im Speziellen als männliche Figur analysiert (vgl. Z. 24f.).
Der Prinz als ‚Intrigant‘
Die Thesen der Autorin sind somit aufgeschlüsselt und beziehen sich vor allem auf die Rolle des Vaters als Antagonisten zum Prinzen. Zentral ist, dass der Prinz diese Rolle erst einnimmt, als er mit seinem Handeln dem intriganten Verhalten zu Hofe folgt. Inwieweit diese Thesen nachvollziehbar sind, wo Fragen offen bleiben und welche Aspekte nicht schlüssig sind, wird in der folgenden Teilaufgabe betrachtet.
Schluss
Zweite Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Erörtern, inwieweit die Sicht der Autorin auf die männlichen Figuren in Gotthold Ephraim Lessings Emilia Galotti überzeugt.
Tipp
In der zweiten Teilaufgabe, die stärker gewichtet wird als die erste Aufgabe, sollst du die Aspekte aus dem Text, die du eben ausgearbeitet hast, nutzen und auf das bürgerliche Trauerspiel Emilia Galotti beziehen.
Hierbei ist es wichtig, alle männlichen Figuren, die in dem Text der Autorin angesprochen werden, einzeln zu betrachten und zu argumentieren, was für und was gegen die Betrachtung der Figur durch die Autorin spricht.
  • Welche Punkte sind noch zu ergänzen und wo siehst du die Autorin vielleicht im Unrecht?
Aber achte immer darauf, gut zu argumentieren, um deine eigene Meinung zu untermalen.
Tipp
In der zweiten Teilaufgabe, die stärker gewichtet wird als die erste Aufgabe, sollst du die Aspekte aus dem Text, die du eben ausgearbeitet hast, nutzen und auf das bürgerliche Trauerspiel Emilia Galotti beziehen.
Hierbei ist es wichtig, alle männlichen Figuren, die in dem Text der Autorin angesprochen werden, einzeln zu betrachten und zu argumentieren, was für und was gegen die Betrachtung der Figur durch die Autorin spricht.
  • Welche Punkte sind noch zu ergänzen und wo siehst du die Autorin vielleicht im Unrecht?
Aber achte immer darauf, gut zu argumentieren, um deine eigene Meinung zu untermalen.
Die Sicht von Erika Fischer-Lichter auf die Figurenkonstellationen in Gotthold Ephraim Lessings „Emilia Galotti“, besonders auf die Beziehung zwischen Odoardo, Appiani und dem Prinzen, lässt sich in vielen Punkten nachvollziehen, andere Aspekte sind neu und kritisch zu hinterfragen.
Einleitung
Zunächst ist die Darstellung von Odoardo auffallend. Von ihm aus geht Sichtweise auf Appiani und den Prinzen. Der Blickwinkel, den die Autorin erzeugt, ist also nicht distanziert objektiv, sondern aus Sicht einer Person. Hierbei wird bei beiden Männern die Beziehung zu Emilia aus der Außenperspektive gesehen. Es geht nicht um die Liebe oder Zuneigung Emilias zu dem Prinzen oder ihrem Verlobten, sondern um die Sicht des Vaters auf diese Beziehungen. Das ist insofern nachvollziehbar, dass der Vater als Familienoberhaupt sicherlich die Beschützerrolle einnimmt und Kontrolle über die Handlungen seiner Tochter hat bzw. haben will. Durch diese gerichtete Darstellungsweise fallen jedoch andere Aspekte aus dem Sichtfeld. Außerdem ist die Bezeichnung des Vaters als zärtlich (vgl. Z. 1) nicht zwangsläufig nachvollziehbar. Zwar ist der Vater besorgt um Emilias Ansehen, seinen Familienfrieden und die Tugendhaftigkeit der Tochter, allerdings ist dies kein zärtliches, einfühlsames väterliches Verhalten nach heutiger Definition. An welchen Stellen im Text der Vater in den Augen der Autorin als zärtlich eingestuft werden kann, bleibt offen.
Hauptteil
Vaterrolle Odoardos
Diese Sichtweise ist mit eine Erklärung dafür, dass die Autorin den Vater als Antagonisten zum Prinzen nennt. Intuitiv würde man Appiani als Verlobten innerhalb der Figurenkonstellation als Antagonisten festlegen. Er konkurriert gegen den Prinzen um die Liebe Emilias. Der Prinz ist ihm aufgrund seiner Position überlegen, aber durch seine bürgerlich orientierte Lebensweise hat er die Gunst des Vaters. Auf der anderen Seite ist Appiani im Handlungsverlauf sehr passiv. Bis zu seinem Tod ist er nicht in die Beziehung zwischen Emilia und dem Prinzen involviert. Er hat keinen Einfluss und greift nicht aktiv ein. Die Sicht von Erika Fischer-Lichte ist also auf den ersten Blick verwunderlich, aber bei genauerer Betrachtung nachvollziehbar.
Appiani als Antagonist
Verstärkt wird dieser Aspekt durch die Gegenüberstellung von Odoardo und dem Prinzen. Hierbei geht es nicht um die Liebe und Beziehung zu Emilia, das Konkurrenzelement zwischen Appiani und dem Prinzen, sondern um die Tugendhaftigkeit der Emilia. Dadurch, dass Liebe und eine glückliche Beziehung nicht das Thema des Dramas darstellen, sondern stattdessen Tugend und Laster, ist die Gegenüberstellung zwischen Vater und höfischem Verehrer hinsichtlich dieses Aspekt eindeutig nachvollziehbar. Erika Fischer-Lichte formuliert in ihrem Text also Leitideen einer Figurenkonstellation aus, die dem intuitiven Beziehungskonstrukt auf den ersten Blick widersprechen, aber durchaus einleuchtend sind.
Prinz und Odoardo als Antagonisten
Der wichtigste Schritt ist, wie bereits genannt, die Umwandlung des Konflikts von einem Streit um Emilias Liebe hin zu einem Kampf um die Tugendhaftigkeit Emilias. Laut der Autorin ist das Verhalten des Prinzen in zwei Schritte zu gliedern. In der Kirche ist sein Eingriff in Emilias Leben auf einem bürgerlichen Weg, es geht um Gefühle und Liebe, die höfische Ebene ist unwichtig und kann ausgeblendet werden. Dem kann man entgegensetzen, dass natürlich auch ein Werben im Namen der Liebe durch den Rang des Prinzen eine andere Gewichtung erhält und er deshalb nicht zwangsläufig die Macht abgesprochen bekommen kann, die sein Auftreten im Normalfall mit sich bringt. Dennoch ist der wirkliche Eingriff in das Leben der Emilia für die Autorin erst dann, wenn der Prinz, vertreten durch die Intrige Marinellis, wieder als höfische Person agiert. Die Trennung der Handlung des Prinzen einmal auf den bürgerlichen und später auf den höfischen Bereich klingt bei der Autorin sehr streng. Zwar ist die Tendenz ihrer Argumentation nachvollziehbar und erklärt sich auch in Kombination zum Vater als Antagonisten, dennoch lassen sich die beiden Bereiche meiner Meinung nach nicht so eindeutig trennen.
Prinz zwischen bürgerlichem und höfischem Handeln
Verstärkt wird die Kritik an dieser positiven Darstellung des Prinzen durch die Autorin noch durch die Frage, ob der Prinz tatsächlich Liebe gegenüber der Emilia empfindet oder nur ein sexuelles Begehren und den Reiz der Grenzüberschreitung. Ist es nur ihre Schönheit, die ihn zum Handeln bewegt, dann ist die Formulierung der Autorin, der Prinz als Verführer (vgl. Z. 5) zwar richtig, aber ihre These, die Situation in der Kirche sei noch nicht als lasterhaft anzusehen, zu hinterfragen. Hier bleibt die Autorin oberflächlich und lässt die Beziehungsebene zwischen dem Prinzen und Emilia zugunsten der ausführlichen Darstellung der Beziehung zum Vater offen.
Darstellung des Prinzen
Die Argumentation der Autorin ist im Rahmen ihrer Sichtweise schlüssig und nachvollziehbar. Zu kritisieren ist die eindimensionale Sichtweise auf das Beziehungsgefüge ausschließlich aus Odoardos Sicht. Auf der anderen Seite ergeben sich durch den genauen Blick auf nur einen Aspekt neue Denkanstöße und Interpretationsaspekte. Vater und Prinz als Antagonisten zu sehen ist eine zentrale These, die gut argumentiert ist und die aufgrund der Thematik im Gesamtzusammenhang des Dramas schlüssig ist. Offen bleibt zu weiten Teilen Marinellis Funktion und inwieweit seine Intrige mit dem Willen des Prinzen übereinstimmt. Welche Einflüsse dadurch auf die genannten Argumente einwirken, bleibt ebenfalls unbeantwortet.
Schluss
#emiliagalotti#these#argument#geschlechterrollen#beleg
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