Inhalt
Smarter Learning!
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
BW, Berufl. Gymnasium (WG)
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 13
Klasse 13
Klasse 12
Klasse 11
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Digitales Schulbuch
Abitur
Abitur
Abitur
Smarter Learning!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!

Aufgabe 1

Aufgaben
Download als Dokument:PDF

Interpretation und Vergleich der Pflichtlektüren („Werke im Kontext“)

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Peter Stamm (*1963): Agnes
Georg Büchner (1813-1837): Dantons Tod
Max Frisch (1911-1991): Homo faber
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere die Textstelle; beziehe das für das Verständnis Wesentliche aus der vorangehenden Handlung ein.
#interpretieren#maxfrisch#peterstamm#büchner
Stamms „Agnes“, Frischs „Homo faber“ und Büchners „Dantons Tod“:
#vergleichen#agnes#homofaber#dantonstod#untersuchen

Peter Stamm: Agnes (Textauszug)

 
Ich dachte nicht an Agnes, während ich mit Louise zusammen war, und es ging mir gut. Als ich nach Hause kam, war es mir, als kehre ich in ein Gefängnis zurück. Ich ließ die Wohnungstür einen Spaltbreit
5
offenstehen aber als ich Stimmen im Hausflur hörte, schloß ich sie. Ich legte mich für eine halbe Stunde aufs Sofa, dann stand ich auf und ging in die Bibliothek und von da aus weiter an den See, in das Café am Ende des Grant Park.
10
Ich dachte an das Kind, mit dem Agnes schwanger war. Ich fragte mich, ob es mir gleichen, ob es meinen Charakter haben würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie es sein würde, wenn irgendwo ein Kind von mir lebte. Selbst wenn ich Agnes nie wiedersähe, würde
15
ich Vater sein. Ich werde mein Leben ändern, dachte ich, auch wenn ich dem Kind nie begegnen sollte. Und dann dachte ich, ich ertrage es nicht, dem Kind nie zu begegnen. Ich will wissen, wer es ist, wie es aussieht. Ich nahm mein Notzibuch hervor und
20
versuchte, mein Gesicht zu zeichnen. Als es mir nicht gelang, begann ich zu schreiben:
Am vierten Mai kam unser Kind zur Welt. Es war ein Mädchen. Es war sehr klein und leicht und hatte ganz dünnes blondes Haar. Wir tauften es auf den Namen…
25
Ich dachte lange nach, wie ich das Kind nennen sollte. Die Kellnerin brachte mir frischen Kaffee, und ich las auf ihrem Namensschild, daß sie Margaret hieß. Ich bedankte mich für den Kaffee und schrieb: … Margaret. Die Wiege stellten wir in mein Arbeitszimmer.
30
Jede Nacht weinte das Kind, jeden Tag gingen wir mit ihm spazieren. Vor den Spielwarengeschäften blieben wir stehen und überlegten uns, welche Dinge wir Margaret kaufen würden, später, wenn sie älter sein würde. Agnes sagte, sie wolle ihr nicht nur Puppen kaufen.
35
»Ich will, daß sie mit Autos spielt und mit Flugzeugen, mit Computern, Eisenbahnen. «
»Erst kriegt sie Plüschtiere, Puppen …«, sagte ich.
»Bauklötze«, sagte Agnes. »Als ich klein war, liebte ich Bauklötze mehr als alle Puppen. Margaret soll bekommen,
40
was sie will.«
»Ich bringe ihr alles über Luxuseisenbahnwagen bei, wenn du willst«, sagte ich.
Wir schauten uns nach einer größeren Wohnung um, in einem Außenviertel, wo es Parks gab und Wälder. Wir
45
überlegten uns, nach Kalifornien zu ziehen oder in die Schweiz. Mit meinem Buch kam ich gut voran, trotz der Arbeit, die das Kind uns machte. Es war der glücklichste Sommer meines Lebens, und auch Agnes war so zufrieden wie selten zuvor.
50
Ich schrieb nicht weiter. Ich merkte, wie wenig ich über Babys wußte, und beschloß, mir ein Buch zu kaufen. Ich war jetzt sicher, daß Agnes und ich wieder zusammenkommen würden. Ich schrieb einen Brief an sie, steckte ihn in die Tasche und ging, so schnell
55
ich konnte, nach Hause zurück.
Schon als ich die Wohnungstür aufschloß, hörte ich das Telefon klingeln. Noch im Mantel nahm ich ab. Es war eine Kollegin von Agnes, eine der Geigerinnen aus dem Streichquartett.
60
»Ich habe den ganzen Tag versucht, Sie zu erreichen«, sagte sie.
»Ich war spazieren.«
Sie zögerte. »Agnes ist krank «, sagte sie dann, »sie ist nicht einmal
65
zur Probe gekommen. « »Was spielt ihr? «, fragte ich, weshalb, weiß ich nicht. »Schubert «, sagte sie. Es war einen Moment still. »Agnes würde mich umbringen, wenn sie wüßte, daß ich Sie anrufe. Aber ich glaube, sie braucht Ihre
70
Hilfe. «
»Was fehlt ihr? « fragte ich, aber die Kollegin wollte nichts weiter sagen.
»Gehen Sie doch bitte zu ihr «, sagte sie nur, »es geht ihr nicht gut. «
75
Ich bedankte mich und versprach, Agnes zu besuchen. Den Brief, den ich ihr geschrieben hatte, zerriß ich. Ich holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank und setzte mich ans Fenster.
Wenn ich jetzt zu Agnes gehe, dachte ich, dann ist es
80
für immer. Es ist schwer zu erklären, obwohl ich sie liebte, mit ihr glücklich gewesen war, hatte ich nur ohne sie das Gefühl, frei zu sein. Und Freiheit war mir immer wichtiger gewesen als Glück. Vielleicht war es das, was meine Freundinnen Egoismus genannt
85
hatten.
Ich ging nicht an diesem Tag zu Agnes und auch am nächsten nicht. Am dritten Tag endlich entschloß ich mich, sie zu besuchen. Ich nahm gegen meine Gewohnheit ein Taxi, um nicht noch mehr Zeit zu
90
verlieren. Vor einer Buchhandlung ließ ich es warten, rannte hinein und fragte nach einem Buch über Babys. Die Verkäuferin empfahl mir ein Buch mit dem Titel How to Survive the First Two Years.
Aus: Peter Stamm: Agnes, Frankfurt/M. 2012
(Fischer Taschenbuch), S. 107 ff.
#peterstamm#agnes#romanauszug
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Tipps
Download als Dokument:PDF
Thema:
Max Frisch (1911-1991): Homo faber
Gerorg Büchner (1813-1837): Dantons Tod
Peter Stamm (*1963): Agnes
Erste Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Interpretiere die Textstelle; beziehe das für das Verständnis Wesentliche aus der vorangegangenen Handlung ein.
Der erste Teil der Aufgabe erfordert eine Interpretation der vorliegenden Textstelle aus Peter Stamms „Agnes“. Wichtig ist neben der Textstelleninterpretation laut Aufgabenstellung die Einordnung der Handlung in den vorherigen Handlungsverlauf, die sogenannte Textualisierung.
Um nun zu ermitteln, inwieweit das Verhalten des Ich-Erzählers in den Kontext der Handlung passt, wo er von gewohnten Handlungsstrukturen abweicht und welchen Einfluss die Entwicklungen auf sein Handeln haben, solltest du dir die Charaktereigenschaften anschauen. Die Textstelle gibt viele Hinweise auf die Denkweise, die Hoffnungen und Ängste des Ich-Erzähler.
Bei der Interpretation sind neben dem Fokus auf den Ich-Erzähler sicherlich die Beziehungskonstellationen ein wichtiger Aspekt:
  • Wie steht der Ich-Erzähler in der aktuellen Situation zu Agnes?
  • Welche Beziehung hat er zu Louise, die zu Beginn der Textstelle genannt wird?
  • Und welche Ideen und Vorstellungen prägen seine Beziehung zu dem ungeborenen Kind?
Neben der inhaltlichen Interpretation und der Einordnung in den Handlungsverlauf sind bei einer Interpretation immer auch sprachliche Aspekte zu beachten. Hierbei ist neben der Beschreibung von sprachlichen Besonderheiten auch die Wirkung eben dieser auf die inhaltliche Ebene wichtig und in der Interpretation mit zu beachten.
Bedenke bei der Ausarbeitung der ersten Teilaufgabe, dass der Schwerpunkt deiner Arbeit auf der zweiten Teilaufgabe liegen soll. Demnach musst du deine Zeit einteilen und dich beim Verfassen der Interpretation auf das Wesentliche konzentrieren. Ganz wichtig ist, dass du unnötige Ausschmückungen und Wiederholungen vermeidest und keine Inhaltswiedergabe verfasst.
Bring wichtige Interpretationsaspekte auf den Punkt und formuliere präzise. Jede bedeutsame Erkenntnis solltest du wie gewohnt durch ein aussagekräftiges Zitat oder einen eindeutigen Textverweis belegen.
Zweite Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Stamms „Agnes“, Frischs „Homo faber“ und Büchners „Dantons Tod“:
    Untersuche in einer vergleichenden Betrachtung die Bedeutung von Freiheit für den Ich-Erzähler in Stamms Roman, Walter Faber und Georg Danton.
Hier sollst du die drei Figuren, Walter Faber, Georg Danton und den Ich-Erzähler aus „Agnes“ hinsichtlich des Freiheitsaspekts vergleichen. Das heißt, du sollst einerseits die äußere Freiheit und andererseits die innere Freiheit betrachten. Gliedere deinen Text also zunächst wie immer in Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Es bietet sich an, mehrere Bereiche auszuwählen, die die Freiheit der Figuren beeinflussen. Hierzu gehören Beziehungen, Weltvorstellungen, berufliche und politische Einschränkungen, Möglichkeiten und die Gefühle sowie Ängste der Personen.
Damit kannst du deinen Hauptteil in drei Abschnitte einteilen, in denen du dich auf den jeweiligen Bereich beziehst. Damit dein Text übersichtlich bleibt, ist es am besten, wenn du jedem Charakter einen Absatz pro Vergleichsaspekt widmest. Anschließend an die drei Textblöcke kannst du dann deine Erkenntnisse vergleichen. Damit würde sich folgende Textstruktur ergeben:
  • Einleitung
  • Hauptteil
    • Aspekt 1
      • Aspekt 1 bei Faber
      • Aspekt 1 bei Danton
      • Aspekt 1 beim Ich-Erzähler
      • Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?
    • Aspekt 2
      • Aspekt 2 bei Faber
      • Aspekt 2 bei …
    • Scheitern im Leben / existenzielles Scheitern
  • Schluss/Fazit/Abschließender Vergleich
Natürlich ist die Lösung hier, nur eine mögliche Variante. Davon kann deine Ausarbeitung punktuell durchaus abweichen. Dennoch sollten zentrale Aspekte auf jeden Fall vorkommen. Wenn du diese anhand anderer Beispiele oder Textstellen bearbeitet hast, ist das natürlich kein Problem.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Lösungen
Download als Dokument:PDF

Interpretation und Vergleich der Pflichtlektüren („Werke im Kontext“)

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Peter Stamm (*1963): Agnes
Georg Büchner (1813-1837): Dantons Tod
Max Frisch (1911-1991): Homo faber
$\blacktriangleright\;$ Erste Teilaufgabe: Interpretiere die Textstelle; beziehe das für das Verständnis Wesentliche aus der vorangehenden Handlung ein.
Tipp
Der erste Teil der Aufgabe erfordert eine Interpretation der vorliegenden Textstelle aus Peter Stamms „Agnes“. Wichtig ist neben der Textstelleninterpretation laut Aufgabenstellung die Einordnung der Handlung in den vorherigen Handlungsverlauf, die sogenannte Textualisierung. Um nun zu ermitteln, inwieweit das Verhalten des Ich-Erzählers in den Kontext der Handlung passt, wo er von gewohnten Handlungsstrukturen abweicht und welchen Einfluss die Entwicklungen auf sein Handeln haben, solltest du dir die Charaktereigenschaften anschauen. Die Textstelle gibt viele Hinweise auf die Denkweise, die Hoffnungen und Ängste des Ich-Erzähler. Bei der Interpretation sind neben dem Fokus auf den Ich-Erzähler sicherlich die Beziehungskonstellationen ein wichtiger Aspekt:
  • Wie steht der Ich-Erzähler in der aktuellen Situation zu Agnes?
  • Welche Beziehung hat er zu Louise, die zu Beginn der Textstelle genannt wird?
  • Und welche Ideen und Vorstellungen prägen seine Beziehung zu dem ungeborenen Kind?
Neben der inhaltlichen Interpretation und der Einordnung in den Handlungsverlauf sind bei einer Interpretation immer auch sprachliche Aspekte zu beachten. Hierbei ist neben der Beschreibung von sprachlichen Besonderheiten auch die Wirkung eben dieser auf die inhaltliche Ebene wichtig und in der Interpretation mit zu beachten.
Bedenke bei der Ausarbeitung der ersten Teilaufgabe, dass der Schwerpunkt deiner Arbeit auf der zweiten Teilaufgabe liegen soll. Demnach musst du deine Zeit einteilen und dich beim Verfassen der Interpretation auf das Wesentliche konzentrieren. Ganz wichtig ist, dass du unnötige Ausschmückungen und Wiederholungen vermeidest und keine Inhaltswiedergabe verfasst. Bring wichtige Interpretationsaspekte auf den Punkt und formuliere präzise. Jede bedeutsame Erkenntnis solltest du wie gewohnt durch ein aussagekräftiges Zitat oder einen eindeutigen Textverweis belegen.
Tipp
Der erste Teil der Aufgabe erfordert eine Interpretation der vorliegenden Textstelle aus Peter Stamms „Agnes“. Wichtig ist neben der Textstelleninterpretation laut Aufgabenstellung die Einordnung der Handlung in den vorherigen Handlungsverlauf, die sogenannte Textualisierung. Um nun zu ermitteln, inwieweit das Verhalten des Ich-Erzählers in den Kontext der Handlung passt, wo er von gewohnten Handlungsstrukturen abweicht und welchen Einfluss die Entwicklungen auf sein Handeln haben, solltest du dir die Charaktereigenschaften anschauen. Die Textstelle gibt viele Hinweise auf die Denkweise, die Hoffnungen und Ängste des Ich-Erzähler. Bei der Interpretation sind neben dem Fokus auf den Ich-Erzähler sicherlich die Beziehungskonstellationen ein wichtiger Aspekt:
  • Wie steht der Ich-Erzähler in der aktuellen Situation zu Agnes?
  • Welche Beziehung hat er zu Louise, die zu Beginn der Textstelle genannt wird?
  • Und welche Ideen und Vorstellungen prägen seine Beziehung zu dem ungeborenen Kind?
Neben der inhaltlichen Interpretation und der Einordnung in den Handlungsverlauf sind bei einer Interpretation immer auch sprachliche Aspekte zu beachten. Hierbei ist neben der Beschreibung von sprachlichen Besonderheiten auch die Wirkung eben dieser auf die inhaltliche Ebene wichtig und in der Interpretation mit zu beachten.
Bedenke bei der Ausarbeitung der ersten Teilaufgabe, dass der Schwerpunkt deiner Arbeit auf der zweiten Teilaufgabe liegen soll. Demnach musst du deine Zeit einteilen und dich beim Verfassen der Interpretation auf das Wesentliche konzentrieren. Ganz wichtig ist, dass du unnötige Ausschmückungen und Wiederholungen vermeidest und keine Inhaltswiedergabe verfasst. Bring wichtige Interpretationsaspekte auf den Punkt und formuliere präzise. Jede bedeutsame Erkenntnis solltest du wie gewohnt durch ein aussagekräftiges Zitat oder einen eindeutigen Textverweis belegen.
Die vorliegende Textstelle aus Peter Stamms 1998 veröffentlichtem Roman „Agnes“ gibt Einblick in die Gedanken und Gefühle des Ich-Erzählers bezüglich der Schwangerschaft von Agnes, der zweiten Protagonistin. Agnes und der Ich-Erzähler sind zum Zeitpunkt der zu interpretierenden Textstelle getrennt und leben auch nicht mehr gemeinsam in der Wohnung des Ich-Erzählers. Agnes ist von ihm schwanger und der Ich-Erzähler möchte das Kind nicht. Er hat ein Verhältnis mit Louise, das allerdings ohne tiefere Gefühle bleibt.
Einleitung
  • Autor
  • Titel
  • Gattung
  • Erscheinungsjahr
  • Thema
Die Textstelle beginnt mit der Rückkehr des Ich-Erzählers von einem Treffen mit Louise und dem Hinweis, dass er bei ihr nicht an Agnes denken müsse. Wieder in seiner Wohnung fühlt er sich gefangen, verlässt die Wohnung und denkt über Agnes und ihre Schwangerschaft nach. Er setzt seine Gedanken in der fiktiven Geschichte schriftlich um und konstruiert ein idyllisches Familienbild. Beeinflusst von der glücklichen Vorstellung, verfasst er einen Brief an Agnes und plant ihr Wiedersehen. Der Anruf einer Freundin und die Information, dass Agnes krank sei und seine Unterstützung bräuchte, veranlassen ihn dazu, den Brief zu zerreißen und seine Euphorie verschwindet. Erst nach drei Tagen, in denen er eine feste Bindung und seine Freiheit gegeneinander abwägt, fährt er zu Agnes.
Hauptteil
Inhalt der Textstelle
  • kurz und präzise
  • im Präsens
Die Trennung von Agnes und das Verhältnis zu Louise bilden die Ausgangssituation für die Textstelle. Nachdem Agnes dem Erzähler von ihrer Schwangerschaft berichtet, distanziert er sich deutlich von einer Zukunft mit Kind und drängt Agnes indirekt zu einem Schwangerschaftsabbruch. Daraufhin trennt sich Agnes von ihm und verlässt die Wohnung. Der Ich-Erzhäler leidet unter der Trennung von Agnes und der ungeklärten Situation rund um ihre Schwangerschaft. Aus der emotionalen Verfassung heraus berichtet er Louise, einer unbekannten Person, dass Agnes sich von ihm getrennt habe. Die daraus entstehenden Beziehung zu Louise ist unverbindlich und lenkt ihn von den Geschehnissen um Agnes ab. Louise weiß nichts von Agnes# Schwangerschaft und kümmert sich um den Erzähler. Im Nachfolgenden erfährt der Leser, dass Agnes eine Fehlgeburt erlitt und dem Entschluss des Ich-Erzählers, für Agnes und das Kind da zu sein, keine Erfüllung der fiktiven Idee in der Realität folgt.
Textualisierung
Anhand der Textstelle lassen sich die Gefühle, Hoffnungen und Befürchtungen des Ich-Erzählers und die Einflüsse der einzelnen Beziehungskonstellationen auf sein Handeln aufzeigen. Inhaltlich kann der Ausschnitt durch den Anruf von Agnes´ Freundin in zwei Teile gegliedert werden. Im ersten Teil wird die Beziehung zu dem ungeborenen Kind reflektiert und im zweiten Teil steht die Impulsivität und die Bindungsangst des Ich-Erzählers im Mittelpunkt. Allerdings greifen die inhaltlichen Schwerpunkte beider Sequenzen ineinander.
Thema und Struktur der Textstelle
Im ersten Teil zeigt der parataktische Satzbau die Gedankenströme des Erzählers. Sein Handeln, seine Gedanken und seine Gefühle werden distanziert geschildert und stehen gleichwertig nebeneinander. Seine Gedanken und Gefühle gegenüber Louise und Agnes: „Ich dachte nicht an Agnes, […] und es ging mir gut.“ (Z. 1-2) stehen auf Ebene des Satzbaus in gleicher Gewichtung zu, als unwichtig zu wertende, Handlungsbeschreibungen wie, „[i]ch ließ die Wohnungstür einen Spaltbreit offenstehen“ (Z. 4-5) Deutlich wird dadurch die Zerstreuung und Zufälligkeit der Gedanken des Erzählers. Die Ich-Fixiertheit wird durch viele Anaphern des Personalpronomens ‚ich‘ unterstrichen. Ursache und Folge liegen hier nah beieinander, wenn der Konflikt zwischen Glück und Freiheit von dem Erzähler selbst mit dem Vorwurf des Egoismus in Verbindung gebracht wird (vgl. Z.84). Er ist auf sich fixiert und die Verantwortung für einen anderen Menschen und die daraus resultierende Einschränkung seiner eigenen Person stellen für ihn ein Problem und einen Grundkonflikt im Roman dar.
Interpretation
Aspekt 1:
Der Satzbau unterstreicht die Zerstreuung des Autors.
Aspekt 2:
Die Anapher des Personalpronomens ‚Ich‘ zeigt die Ich-Fixiertheit des Erzählers.
Deutlich wird die Gegenüberstellung von Louise als flüchtige Bekanntschaft und die verworrene Beziehung zu Agnes durch die Metaphorik der Wohnung. Die ehemalig gemeinsame Wohnung von Agnes und dem Ich-Erzähler wird als „Gefängnis“ (Z. 3) wahrgenommen und steht in Konflikt zu seinem Freiheitsgedanken (vgl. Z. 81). Diese Situation ist kaum erträglich und der Erzähler verlässt fluchtartig die Wohnung in ein, für ihn sicheres und gewohntes Umfeld, die Bibliothek (vgl. Z. 8) und anschließend in „das Café am Ende des Grant Park“ (Z. 9).
Aspekt 3:
Metapher der Wohnung als Gefängnis.
Dieser Fluchtimpuls begründet sich in dem Konflikt zwischen dem Verantwortungsgefühl und der Neugier gegenüber einem Leben mit Kind auf der einen Seite und dem Freiheitsbedürfnis und der Beziehungsangst auf der anderen Seite. Dies wird durch die Realitätsflucht hin zur Fiktion deutlich. Der Ich-Erzähler entwirft durch das Schreiben eine Parallelwelt, in der er die Vorstellung von einem idyllischen Leben mit Agnes und einem gemeinsamen Kind zulässt. Diesen Entwurf bezeichnet er als „de[n] glücklichste[n] [s]eines Lebens“ (Z. 47).
Aspekt 4:
Flucht des Ich-Erzählers in die Fiktion.
Im Gegensatz dazu distanziert er sich in der Realität von der Idee eines Kindes. Das wird sprachlich umgesetzt durch Bezeichnungen wie „das Kind, mit dem Agnes schwanger war“ (Z.10-11) oder „ein Kind von mir“ (Z. 13). Formulierungen, die das Possessivpronomen ‚mein‘ und damit eine Beziehung, die eine Verpflichtung und eindeutige Zuordnungen des Kindes zum Erzähler zulässt, umgeht er. Seine eigentliche Tendenz zu einem Leben ohne Kind hinterlässt eine Lücke, die er durch das Schreiben kompensiert.
Aspekt 5:
Distanz zum Kind in der Realität.
Der Konflikt des Erzählers zwischen Fakten auf der einen und Gefühlen auf der anderen Seite wird als Charaktereigenschaft deutlich, als er feststellt, er wisse gar nichts über Babys und müsse dies durch ein Buch kompensieren (vgl. Z. 50-53). Seinen Mangel an Erfahrung will er erneut durch das ihm bekannte Medium auffangen. Als er mit Agnes in Kontakt treten möchte, greift er erneut auf das Kommunikationsmedium Brief zurück (vgl. Z. 53). „[Er] war jetzt sicher, daß Agnes und [er] wieder zusammenkommen würden“ (Z. 53-54). Nach dem Anruf von Agnes Freundin zerreißt er diesen Brief allerdings und ändert somit spontan seine Zustimmung zu einem Leben mit Agnes und dem Kind (vgl. Z. 76). Diese impulsive Handlungsweise zeigt, dass seine Entscheidungen unsicher sind und durch kleine äußere Impulse, die nahezu zufällig erscheinen, verworfen werden. Ebenso ist es nicht nur in der realen Welt sondern auch bei den Ereignissen in der fiktionalen Handlung. Hier lässt sich der Erzähler impulsiv durch äußere Aspekte lenken. Beispielsweise entscheidet sich die Namensgebung seines Kindes in der Fiktion lediglich durch den Namen der Kellnerin (vgl. Z.27).
Aspekt 6:
Bücher und Schrift als vertrautes Medium.
Aspekt 7:
Impulsivität des Ich-Erzählers und Reaktion auf äußere Impulse.
Aspekt 8:
Diese Impulsivität findet sich in der Realität und der Fiktion.
Im zweiten Teil ist das Zögern des Erzählers und sein innerer Konflikt durch die absolute Untätigkeit als Reaktion auf den Anruf deutlich. „Ich holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank und setzte mich ans Fenster“ (Z. 77-78). Die angedeuteten Fluchtimpulse und die Unentschlossenheit werden im ersten Teil angedeutet und hier explizit ausformuliert. Durch den zerrissenen Brief wird das Gesagte, nämlich die Beziehungsfurcht des Erzählers, nochmals durch eine Handlung unterstrichen (vgl. Z. 76). Als er sich dann doch am dritten Tag zu einem Besuch entscheidet, kann das nicht schnell genug passieren, eventuell nicht aus wahrer Überzeugung, sondern aus Angst vor seiner Impulsivität und einem erneuten Meinungsumschwung. (Vgl. Z. 86-95)
Aspekt 9:
Beziehungsflucht und Unentschlossenheit.
Die Zerstreuung des Ich-Erzählers und die schwankenden Entschlussprozesse sind nicht nur durch die zu Beginn genannten parataktischen Satzstrukturen sprachlich verdeutlicht. Das undifferenzierte Nebeneinander von unwichtigen Handlungen und weitreichenden Entscheidungsprozessen ist auffällig. Zusätzlich werden wenige Attribute und emotionale Beschreibungen verwendet. Durch Formulierungen wie „dachte ich“ (Z. 15, Z.79) und „dann dachte ich“ (Z. 17) wird der lineare Gedankenverlauf des Ich-Erzählers deutlich. Er wägt nicht mehrere Aspekte gegeneinander ab und vernetzt diese, sondern handelt impulsiv statt reflektiert als Reaktion auf einen Gedanken. Dadurch kommt es zu Unentschlossenheit und Meinungsänderungen.
Aspekt 10:
Sprachliche Auffälligkeiten im Bezug zum Inhalt.
Der Schwerpunkt in der interpretierten Textpassage liegt demnach in dem Gegensatzpaar zwischen Bindung und der Illusion von Glück und Freiheit. Deutlich wird der innere Konflikt des Ich-Erzählers durch seine ungeordneten Gedanken, sein Zögern, seine Impulsivität und die immer wieder deutlich werdenden Fluchtimpulse. Die Unselbstständigkeit seiner Entscheidungen und die Unentschlossenheit in seinem Handeln machen einen klaren und vorhersehbaren Handlungsverlauf ausgeschlossen. Der innere Konflikt zwischen Glück und Freiheit ist zentral und beeinflusst alle weiteren Überlegungen.
Schluss
  • Die wichtigsten Erkenntnisse.
  • Freiheitsaspekt als Überleitung zur zweiten Teilaufgabe.
#stilmittel#argumentationsstruktur
$\blacktriangleright\;$ Zweite Teilaufgabe:
Stamms „Agnes“, Frischs „Homo faber“ und Büchners „Dantons Tod“:
    Untersuche in einer vergleichenden Betrachtung die Bedeutung von Freiheit für den Ich-Erzähler in Stamms Roman, Walter Faber und Georg Danton.
Tipp
Hier sollst du die drei Figuren, Walter Faber, Georg Danton und den Ich-Erzähler aus „Agnes“ hinsichtlich des Freiheitsaspekts vergleichen. Das heißt, du sollst einerseits die äußere Freiheit und andererseits die innere Freiheit betrachten. Gliedere deinen Text also zunächst wie immer in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Es bietet sich an, mehrere Bereiche auszuwählen, die die Freiheit der Figuren beeinflussen. Hierzu gehören Beziehungen, Weltvorstellungen, berufliche und politische Einschränkungen, Möglichkeiten und die Gefühle sowie Ängste der Personen. Damit kannst du deinen Hauptteil in drei Abschnitte einteilen, in denen du dich auf den jeweiligen Bereich beziehst. Damit dein Text übersichtlich bleibt, ist es am besten, wenn du jedem Charakter einen Absatz pro Vergleichsaspekt widmest. Anschließend an die drei Textblöcke kannst du dann deine Erkenntnisse vergleichen. Damit würde sich folgende Textstruktur ergeben:
  • Einleitung
  • Hauptteil
    • Aspekt 1
      • Aspekt 1 bei Faber
      • Aspekt 1 bei Danton
      • Aspekt 1 beim Ich-Erzähler
      • Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?
    • Aspekt 2
      • Aspekt 2 bei Faber
      • Aspekt 2 bei …
    • Scheitern im Leben / existenzielles Scheitern
  • Schluss/Fazit/Abschließender Vergleich
Natürlich ist die Lösung hier, nur eine mögliche Variante. Davon kann deine Ausarbeitung punktuell durchaus abweichen. Dennoch sollten zentrale Aspekte auf jeden Fall vorkommen. Wenn du diese anhand anderer Beispiele oder Textstellen bearbeitet hast, ist das natürlich kein Problem.
Tipp
Hier sollst du die drei Figuren, Walter Faber, Georg Danton und den Ich-Erzähler aus „Agnes“ hinsichtlich des Freiheitsaspekts vergleichen. Das heißt, du sollst einerseits die äußere Freiheit und andererseits die innere Freiheit betrachten. Gliedere deinen Text also zunächst wie immer in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Es bietet sich an, mehrere Bereiche auszuwählen, die die Freiheit der Figuren beeinflussen. Hierzu gehören Beziehungen, Weltvorstellungen, berufliche und politische Einschränkungen, Möglichkeiten und die Gefühle sowie Ängste der Personen. Damit kannst du deinen Hauptteil in drei Abschnitte einteilen, in denen du dich auf den jeweiligen Bereich beziehst. Damit dein Text übersichtlich bleibt, ist es am besten, wenn du jedem Charakter einen Absatz pro Vergleichsaspekt widmest. Anschließend an die drei Textblöcke kannst du dann deine Erkenntnisse vergleichen. Damit würde sich folgende Textstruktur ergeben:
  • Einleitung
  • Hauptteil
    • Aspekt 1
      • Aspekt 1 bei Faber
      • Aspekt 1 bei Danton
      • Aspekt 1 beim Ich-Erzähler
      • Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?
    • Aspekt 2
      • Aspekt 2 bei Faber
      • Aspekt 2 bei …
    • Scheitern im Leben / existenzielles Scheitern
  • Schluss/Fazit/Abschließender Vergleich
Natürlich ist die Lösung hier, nur eine mögliche Variante. Davon kann deine Ausarbeitung punktuell durchaus abweichen. Dennoch sollten zentrale Aspekte auf jeden Fall vorkommen. Wenn du diese anhand anderer Beispiele oder Textstellen bearbeitet hast, ist das natürlich kein Problem.
Die Bedeutung von Freiheit für den Ich-Erzähler aus Peter Stamms Drama „Agnes“, erschienen 1998, für Walter Faber aus Max Frischs 1957 publizierten Bericht „Homo faber“ und für die Dramenfigur von Georg Büchners 1835 veröffentlichten „Dantons Tod“, Georg Danton, ist ein komplexer Vergleichsaspekt. Abgesehen von den unterschiedlichen sozialgeschichtlichen Hintergründen, die zu den Entstehungszeiten der Texte vorlagen, sind die drei Figuren grundverschiedene Charaktere. Als Autor, Ingenieur und Politiker bewegen sie sich in verschiedenen gesellschaftlichen Gebieten. Zudem stammen sie aus jeweils anderen Zeiten mit ihren eigenen Problemen, Möglichkeiten und Ansichten. Für die Auseinandersetzung mit dem Leitbegriff der Freiheit wird sowohl die äußere Freiheit also auch die innere Freiheit der zentralen Figuren einzeln betrachtet und im Folgenden verglichen. Die äußere Freiheit gibt den Personen eine Handlungsfreiheit und die innere Freiheit ist geprägt von Beziehungen und inneren Konflikten.
Einleitung
  • alle Textgrundlagen mit Autor, Gattung, Erscheinungsjahr und Titel
  • Grundlegende Vergleichsebenen
  • Leitbegriff: Freiheit
  • Gliederung des Textvergleichs
Die äußere Freiheit bildet die Grundlage für die Handlungsmöglichkeiten der Personen. Am meisten ist die äußere Freiheit von Danton eingeschränkt. Er lebt in einer politisch brisanten Zeit mit politischer Verfolgung, Morden, Revolution und Gewalt. Zwar fordert die Revolution offenkundig die Freiheit vor der Aristokratie, ein Punkt der auch durch die Dantonisten befürwortet wird, allerdings schrecken die Mittel der Gewalt Georg Danton ab. „Wo die Notwehr aufhört fängt der Mord“ (S. 25, Z. 8) für Danton an und durch die Unzufriedenheit mit dieser Revolutionsentwicklung zieht er sich ins Private zurück. Hier hat er offensichtlich die finanziellen Mittel, ein lasterhaftes Leben zu finanzieren. Letztendlich sind seine Gefangenschaft, der Gerichtsprozess und die tatsächliche Durchführung der Todesstrafe eine massive Einschränkung der Handlungsfreiheit, die auch durch die Unterstützung durch den Freundeskreis der Dantonisten nicht aufgefangen werden kann.
Äußere Freiheit:
Georg Danton
Walter Faber ist in dem Fall das komplette Gegenteil von Georg Danton. Er ist beruflich sehr flexibel, kann seine Arbeits- sowie Freizeit offensichtlich frei einteilen, indem er beispielsweise seine Reisepläne spontan ändert. Finanziell scheint er ebenfalls abgesichert, hat die Möglichkeit zu dauerhaften Wohnortswechseln und ist mobil. Seine vielen Reisen ermöglichen ihm schnelle Ortswechsel und eine hohe Handlungsfreiheit. Außerdem ist Faber zu Beginn weder Vater noch Ehemann, sodass er in seiner eigenen Freiheit völlig uneingeschränkt wirkt. Die Beziehung zu Ivy, die er beenden möchte, ist oberflächlich und bietet kaum emotionale Verpflichten und auch keine Kinder oder kein Eheversprechen, dass seine Freiheit hinsichtlich der Beziehungen zu Frauen einschränkt. Lediglich am Ende, wenn er Sabeth im Krankenhaus besuchen möchte, wird seine Handlungsfreiheit durch Hannah beeinflusst. Sie betont, „[s]ie ist mein Kind nicht dein Kind“ (S. 149) und erkennt ihm damit seine Rechte als Vater ab.
Äußere Freiheit:
Walter Faber
Hinsichtlich der äußeren Freiheit in Bezug auf Beziehungen ist der Ich-Erzähler aus Peter Stamms „Agnes“ Walter Faber sehr ähnlich. Auch er kann Beziehungen theoretisch frei wählen und macht sich das deutlich, indem er eine Beziehung ohne Verpflichtungen und tiefere Gefühle zu Louise führt. Beruflich ist er so flexibel, dass er seine Arbeit ruhen lassen kann, um an dem Buch zu schreiben. Der Beruf bietet ihm also Möglichkeit für eine Flucht in die Fiktion. Ein Aspekt der hinsichtlich der inneren Freiheit noch genauer betrachtet werden muss. Finanziell ist er ebenfalls unabhängig und örtlich kaum gebunden.
Äußere Freiheit:
Ich-Erzähler aus Agnes
Die Grundeinstellung der Protagonisten zum Leben und ihrem Umgang mit anderen Personen ist ein großer Einflussfaktor für die eigene Wahrnehmung von Freiheit.
Innere Freiheit
Georg Dantons bereits angesprochene Revolutionsmüdigkeit und sein Rückzug ins Private ermöglichen ihm und seinen Freunden das Ausleben von Trieben durch Spielen, Alkohol und Prostitution (vgl. Z.1). Dies suggeriert eine äußere Freiheit, die bei Danton allerdings nicht zu einem inneren Freiheitsgefühl führt. Der epikureische Ansatz, „[j]eder handelt seiner Natur gemäß d.h. er tut, was ihm wohl tut“ (S. 26, Z.16-17) wird zwar bei den Dantonisten praktiziert, führt allerdings nicht zur inneren Freiheit Dantons.
Danton 1:
Rückzug ins Private, Lasterhaftigkeit und epikureischer Ansatz.
Sein Rückzug ins Private schränkt seine Handlungsaktivität ein. Er handelt nicht mehr aktiv nach seinen Überzeugungen, sondern verfällt in eine Passivität, die ihn einschränkt. Diese Begrenzung seines freien Handelns ist ein wichtiger Punkt in Bezug auf seinen Freiheitsanspruch. Er vergleicht hierbei das Handeln der Menschen in einer aussagekräftigen Metapher mit Marionetten in einem Theater. „Wir stehen immer auf dem Theater, wenn wir auch zuletzt im Ernst erstochen werden“ (S.33, Z. 16-18) und „Puppen sind wir von unbekannten Gewalten am Draht gezogen“ (S.43, Z.5) sind zwei zentrale Aussagen des Dantonisten, die verdeutlichen, wie stark er die Einschränkung seines Handelns durch die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen empfindet. Und dabei betont er, dass „nichts, nichts wir selbst [sind]!“ (S.43, Z.5). Der Charakter und das Individuum wird also wie eine Marionette gesteuert und ist in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt.
Danton 2:
Passivität Metapher: Marionetten Freiheitseinschränkung durch die Politik
Erweitert wird dieser Gedanke für Danton auch im Tod. Seine atheistische Sicht, die Unerreichbarkeit der Freiheit und die Erlösung selbst im Tod, führt zu seiner Resignation. Die Metapher des Theaters deutet das bereits an, wo selbst der Tod der Marionetten, der ernst wirkt, doch nur eine Folge der Umstände und keine Erlösung ist (vgl. S. 33, Z. 16-18). Neben den Marionetten ist das Bild vom Nichts hierfür wichtig. Die Freiheit durch den Tod gibt es für Danton nicht, denn „etwas kann nicht zu nichts werden! und [er ist] etwas“ (S.67, Z. 6-7). Es wird keine Erlösung und Schuldbefreiuung durch den Tod geben.
Danton 3:
Atheismus Keine Freiheit durch den Tod
Danton ist unter anderem deshalb von Todessehnsucht befallen, da er durch die Hinnahme seiner Verurteilung im Prozess nicht zu einem Schuldgeständnis gezwungen wird. Dieser innere Konflikt zwischen der Möglichkeit auf Freiheit durch ein Schuldgeständnis auf der einen Seite und dem Tod ohne sein Verschulden in der Öffentlichkeit zu bekennen auf der anderen Seite ist ein Konflikt zwischen innerer Befreiung und äußerer Anerkennung. Metaphorisch wird das durch den Blick Dantons aus dem Fenster untermalt. Es ist seine letzte Nacht in Freiheit und er schaut aus dem Fenster ins Dunkle. Eine Metapher, die zum einen eine mögliche Freiheit, aber gleichzeitig eine Freiheit nur durch die Bekenntnis zur Schuld verbildlicht (vgl. S. 42, Z. 3). Genau hierdurch wird auch die Möglichkeit zu einer Freiheit durch Flucht, zwar ein Weg, der objektiv betrachtet eine äußere Freiheit mit sich bringen könnte, dargestellt. Jedoch würde Flucht durch ein implizites Schuldbekenntnis keine innere Freiheit für Danton bedeuten. Darum gibt er das Schicksal und seine Freiheit resignierend in die Hände Anderer, indem er festhält „sie werden#s nicht wagen“ (S. 40, Z. 32-33).
Danton 4:
Schuldgefühle Metapher: Fensterblick Kein Fluchtversuch
Walter Fabers Konflikt zwischen seinen Emotionen und der Umwelt äußert sich in einem Konflikt zwischen dem Natürlichen und dem Technischen. Das Natürliche ist für Faber nicht kontrollierbar und somit nicht berechenbar. Damit ist es ihm in Gegensatz zur Technik suspekt und er empfindet, entgegen der üblichen menschlichen Tendenz, Natur und unbegrenzte Zustände als beängstigend. Wohler fühlt er sich durch reglementierte, kalkulierbare und strukturierte Lebensumstände. Dinge die normalerweise eine, Freiheitsgefühl entgegenstehen. Verbildlicht wird das sehr gut durch die immer wiederkehrende Metapher des Rasierens und durch eindeutige Äußerungen wie: „Ich wollte mich rasieren – Zu filmen gab es überhaupt nichts.“ (S.27) Nur durch die Bewältigung des Natürlichen durch ein technisches Hilfsmittel, fühlt sich Faber in seiner Haut wohl, denn er habe dann das Gefühl, er sei wie eine Pflanze, also für seine Wahrnehmung zu natürlich (vgl. S. 27). Auch die Wahrnehmung der Natur, meistens durch seine Kamera, ist ein Gestaltungsmittel, das diese Distanz zwischen Faber und der Umwelt untermalt. Die Kamera dient als technischer Filter zwischen ihm und der Natur und es werden somit echte, wahre Empfindungen gedämpft. Faber benutzt die Kamera immer, wenn er unfähig ist, Gefühle zu empfinden und einen Moment festhalten möchte. Findet er sich also in einer Situation wieder, mit der er in emotionaler Hinsicht schlecht umgehen kann, so filmt bzw. fotografiert er diese.
Faber 1:
Technik und Natur Rasieren, Filmen und Fotografieren Distanz vom Natürlichen
In seiner Darstellung vom allgemeinen Charakter von Mann und Frau wird ein Hinweis darauf gegeben, warum es zu dieser Distanz zum Natürlichen kommt. Der Mann ist für Faber selbstständig, technikaffin und lässt keine Gefühle zu, wohingegen das Weibliche mit Gefühlen, dem Natürlichen, Intuitivem und dem Anhänglichen, metaphorisch bestärkt durch den Begriff des Efeus, in Verbindung gebracht wird. (Vgl. S. 99-102) Fabers Rollenbefangenheit schränkt ihn also in seiner Freiheit auf der Beziehungsebene zu anderen Menschen ein.
Faber 2:
Verständnis von Mann und Frau
Fabers Verhältnis zu Frauen ist ein großer Aspekt, der seine Freiheit beeinflusst. Seine Trennung von Ivy ist beispielhaft für seine Bindungsangst und sein Freiheitsbedürfnis. Er will „leben wie ein Jüngling“ (S.64) und genau das zelebriert er durch den Alkoholkonsum und die Reise mit einem großen Schiff nach der Trennung. Dieser Rückzug auf ein mobiles und technisch hochkomplexes Reisemittel ist erneut eine Abwendung vom Natürlichen und passt somit zur Handlung, also der Abwendung von Ivy (vgl. S. 64-66).
Faber 3:
Beziehungsangst Freiheit spricht gegen eine Beziehung
Bei der Begegnung mit Sabeth wird immer wieder verdeutlicht, dass Faber Begriffe wie Schicksal und Fügung, also emotionale Sichtweisen auf Ereignisse, durch die berechenbaren Begriffe Zufall und Wahrscheinlichkeit ersetzt. Er versucht sich durch mathematische Schritte die Welt zu erklären. Das passt zu seiner verschobenen Freiheitswahrnehmung, da somit die Welt erklärbar wird und jeglicher emotionaler Aspekt ausgeblendet wird. Verunsicherungen und variable Faktoren werden durch kontrollierbare Maxime ersetzt. „[Er glaubt] nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker [ist er] gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen“ (S.22).
Faber 4:
Emotionen vs. Verstand Schicksal vs. Zufall Kontrollzwang
Diese Erklärung der Welt über den Zufall nutzt Faber, um seine innere Freiheit zurück zu erlangen. Er verdrängt Schuld, die er durch sein Handeln auf sich genommen hat, indem er das Geschehen dem Zufall zuordnet. Dadurch wird persönliche Schuld und die dadurch entstehende moralische Abhängigkeit hinfällig. Verantwortung für etwas zu übernehmen, das Zufall ist, ist demnach für Faber nicht nötig. Er schafft sich einen Freiraum, den er immer wieder in seinen Rechtfertigungen nutzt. Aussagen wie, „Was konnte ich dafür, daß alles so gekommen war“ (S.154) sind öffentliche Schuldabweisungen, die ihm zwar nach außen eine Schuldfreiheit geben, innerlich ist das aber nicht der Fall.
Faber 5:
Schuldgefühle werden verdrängt Innere Schuldgefühle stehen im Konflikt zu äußeren Schulbekenntnissen
Das wird deutlich, durch die vielen Einschübe von Vergangenem im Erzählverlauf. Immer wieder springt Faber in seiner Berichterstattung in die Vergangenheit und versucht dort Geschehenes aufzuarbeiten. Genau dadurch und durch die Bewältigung von Schuld durch den wiederkehrenden Kontakt zu Sabeth und Hanna führt allerdings auch zu einer Entwicklung von Faber. Er lässt den Kontakt zum Natürlichen ab der Kubareise (vgl. S.172-182) mehr zu und öffnet sich gegenüber der Kunst und gegenüber Emotionen. Eine neu gewonnene Offenheit, die ihm ein Stück weit emotionale Freiheit ermöglicht. Er distanziert sich langsam, von dem irreführenden Freiheitsbegriff nach dem Freiheit kontrollierbar ist. Möglich wird das durch eine emotionale Bindung zu Sabeth und Hanna und die daraus resultierende Reflexionsfähigkeit des eigenen Verhaltens.
Faber 6:
Vergangenheit belastet Walter Faber Wandel hin zur Selbstreflexion Veränderung des Freiheitsbegriffs
Die Beziehungen zu anderen Personen ist bei dem Ich-Erzähler von „Agnes“ auch ein prägender Aspekt für den Bezug zur Freiheit. Er ist ein Einzelgänger, der die Anonymität liebt und sich gerne von äußeren Erwartungen abgrenzt (vgl. S. 19-20). Er „möchte keine Spuren hinterlassen“ (S.28) und sich keinen Platz in der Öffentlichkeit erkämpfen, sondern von den Einschränkungen durch die Gesellschaft befreit leben.
Agnes 1:
Einzelgänger Anonymität Unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen
Hierzu gehören auch seine Ich-Bezogenheit und seine Bindungsangst. Er empfindet seine „fast körperliche Abhängigkeit“ (S.61) und seine unkontrollierbaren Gefühle Agnes gegenüber, denn ohne sie fühlt er sich „nur als halber Mensch“ (S.61), als Einschränkung und bezeichnet den Zustand als ein „demütigendes Gefühl“ (S.61). Emotionale Nähe und Abhängigkeit stehen entgegen seinem Freiheitsbegriff.
Agnes 2:
Bindungsangst Ich-Fixiertheit Bindung schränkt Freiheit ein
Eine große Bedrohung dieser Freiheit stellt Agnes# Schwangerschaft dar. Der Erzähler „kann kein Kind gebrauchen“ (S.90). Er möchte die Kontrolle nicht verlieren und redet sich ein „Agnes wird nicht schwanger“ (S.89). Um den Gedanken an die daraus resultierenden Verpflichtungen und Freiheitseinschränkungen, die er in der Realität zunächst radikal ablehnt, zuzulassen, flüchtet er in die Fiktion. Hier hat er die Möglichkeit die Freiheitsgrenzen seiner Welt zu überschreiten und eine Parallelwelt mit anderen Regeln zu erschaffen. Beispielsweise testet er durch die Hochzeit in der Fiktion die Freiheitsgrenzen seiner Vorstellungskraft (vgl. S.80). Auch sein Bekenntnis zum Kind, die Idylle einer gemeinsamen Zukunft mit Agnes und dem Kind ist in der Fiktion möglich und überzeugt ihn schließlich auch in der Realität (vgl. S. 107-109).
Agnes 3:
Bezug zur Schwangerschaft Flucht in die Fiktion
Seine Bindungsangst und seine klare Position „Freiheit war [ihm] immer wichtiger gewesen als Glück“ (S.110) kollidieren, anders als in der Beziehung zu Agnes, nicht bei mit seinem Verhältnis zu Louise. Vordergründig empfindet er hier Freiheit als eine Situation ohne Verpflichtungen. Louise und er sind sich einig, „Du liebst mich nicht, ich lieb dich nicht. Es ist nichts dabei“ (S.106) und somit stellt die Beziehung kein Risiko dar. Dennoch empfindet er die Beziehung zu Louise als belastend, da ihn das Verhältnis zu Agnes in demselben Maße beschäftigt. Er ist nicht frei für eine offene Beziehung zu Louise, wenn ihn das Gefühl „als hätte [er] Agnes betrogen“ (S. 98) in seiner Handlungsfreiheit einschränkt.
Agnes 4:
Flucht in ein Verhältnis zu Louise Keine Verpflichtungen Vordergründige Freiheit
Bei dem Ich-Erzähler in „Agnes“ ist, anders als bei Faber, keine Entwicklung zu mehr Selbstreflexion zu beobachten. Vergleichend lässt sich bezüglich des Freiheitsaspekts zunächst festhalten, dass sowohl der Ich-Erzähler als auch Faber äußerlich deutlich mehr Handlungsfreiheit haben als Danton, der durch die Grenzen der Politik und der Gesellschaft in seiner Freiheit eingeschränkt ist. Hinsichtlich der inneren Freiheit verhält es sich anders. Faber hat einen verschobenen Bezug zur Freiheit. Sein Kontrollzwang ist eine vorgeschobene Verhaltensweise, um seine emotionale Verletzlichkeit und seine Schuld zu vertuschen und in ein kalkulierbares Risiko umzuwandeln. Der Ich-Erzähler aus „Agnes“ verdrängt die Realität noch deutlicher durch die Flucht in die Fiktion. Nur dort ist es ihm möglich, Gefühle zuzulassen und seine Vorstellungen frei umzusetzen. Danton ist hinsichtlich der inneren Freiheit den beiden anderen voraus. Er ist sich seiner Situation bewusst, reflektiert sein Verhalten und stellt zumindest stellenweise seine innere Freiheit und seinen inneren Frieden über seine äußere Freiheit.
Vergleich:
Entwicklung im Handlungsverlauf Äußere Freiheit Innere Freiheit
Der Vergleichsaspekt der Freiheit ist nach dieser Ausarbeitung deutlicher als zuvor ein komplexer Faktor, der durch verschiedenste Einflüsse geprägt wird. Neben dem Unterschied zur äußeren und innere Freiheit sind auch die Beziehungen zu anderen Personen und die Selbstreflexion wichtige Punkte. Die innere Wahrnehmung von Freiheit und die nach außen getragene Freiheit unterscheiden sich gerade in Bezug auf die Schuld der Figuren deutlich. Freiheit als ein zentrales Thema in allen drei Texten zu bezeichnen ist demnach sicherlich angemessen.
Schluss
Zusammenfassung der Ergebnisse und Bedeutung des Vergleichsaspekts.
#argumentationsstruktur#stilmittel
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Folge uns auf
SchulLV als App