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Aufgabe 3

Aufgaben
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Erschließen eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Gottfried Keller (1819-1890): Romeo und Julia auf dem Dorfe
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Erschließe und interpretiere den Auszug aus Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Arbeite insbesondere heraus, wie sich durch das Aufeinandertreffen die Beziehungen der Figuren zueinander verändern.
#figurenkonstellation#erschließen#novelle#gottfriedkeller
  • Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie in einem anderen literarischen Werk der Beginn einer Liebesbeziehung gestaltet wird.
#vergleichen#figurenkonstellation

Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe

$\;$
Wenn man Manz vor zwölf Jahren, als er mit einem schönen Gespann pflügte auf dem Hügel über dem Ufer, geweissagt hätte, er würde sich einst zu diesen wunderli-chen Heiligen gesellen und gleich ihnen Fische fangen, so wäre er nicht übel aufgefahren. Auch eilte er jetzt hastig an ihnen vorüber hinter ihrem Rücken und eilte
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stromaufwärts gleich einem eigensinnigen Schatten der Unterwelt, der sich zu seiner Verdammnis ein bequemes einsames Plätzchen sucht an den dunkeln Wässern. Mit der Angelrute zu stehen hatten er und sein Sohn indessen keine Geduld und sie erin¬nerten sich der Art, wie die Bauern auf manche andere Weise etwa Fische fangen, wenn sie übermütig sind, besonders mit den Händen in den Bächen: daher nahmen
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sie die Ruten nur zum Schein mit und gingen an den Borden der Bäche hinauf, wo sie wußten, daß es teuere und gute Forellen gab.
Dem auf dem Lande zurückgebliebenen Marti ging es inzwischen auch immer schlimmer und es war ihm höchst langweilig dabei, so daß er, anstatt auf seinem ver-nachlässigten Felde zu arbeiten, ebenfalls auf das Fischen verfiel und tagelang im
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Wasser herumplätscherte. Vrenchen durfte nicht von seiner Seite und mußte ihm Eimer und Geräte nachtragen durch nasse Wiesengründe, durch Bäche und Wasser¬tümpel aller Art, bei Regen und Sonnenschein, indessen sie das Notwendigste zu Hause liegen lassen mußte. Denn es war sonst keine Seele mehr da und wurde auch keine gebraucht, da Marti das meiste Land schon verloren hatte und nur noch wenige
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Äcker besaß, die er mit seiner Tochter liederlich genug oder gar nicht bebaute.
So kam es, daß, als er eines Abends einen ziemlich tiefen und reißenden Bach ent¬lang ging, in welchem die Forellen fleißig sprangen, da der Himmel voll Gewitter-wolken hing, er unverhofft auf seinen Feind Manz traf, der an dem andern Ufer daherkam. Sobald er ihn sah, stieg ein schrecklicher Groll und Hohn in ihm auf; sie
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waren sich seit Jahren nicht so nahe gewesen, ausgenommen vor den Gerichtsschran¬ken, wo sie nicht schelten durften, und Marti rief jetzt voll Grimm: „Was tust Du hier, Du Hund? Kannst Du nicht in Deinem Lotterneste bleiben, Du Seldwyler Lumpenhund?"
„Wirst nächstens wohl auch ankommen, Du Schelm!" rief Manz. „Fische fängst
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Du ja auch schon und wirst deshalb nicht viel mehr zu versäumen haben!"
„Schweig, Du Galgenhund!" schrie Marti, da hier die Wellen des Baches stärker rauschten, „Du hast mich in's Unglück gebracht!" Und da jetzt auch die Weiden am Bache gewaltig zu rauschen anfingen im aufgehenden Wetterwind, so mußte Manz noch lauter schreien: „Wenn dem nur so wäre. so wollte ich mich freuen. Du elender
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Tropf!" „O Du Hund!" schrie Marti herüber und Manz hinüber: „Du Kalb, wie dumm tust Du!“ Und jener sprang wie ein Tiger den Bach entlang und suchte herüber zu kommen. Der Grund, warum er der Wütendere war, lag in seiner Meinung, daß Manz als Wirt wenigstens genug zu essen und zu trinken hätte und gewissermaßen ein kurzweiliges Leben führe, während es ungerechter Weise ihm so langweilig wäre
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auf seinem zertrümmerten Hofe. Manz schritt indessen auch grimmig genug an der andern Seite hin; hinter ihm sein Sohn, welcher, statt auf den bösen Streit zu hören, neugierig und verwundert nach Vrenchen hinüber sah, welche hinter ihrem Vater ging, vor Scham in die Erde sehend, daß ihr die braunen krausen Haare in's Gesicht fielen. Sie trug einen hölzernen Fischeimer in der einen Hand, in der andern hatte sie
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Schuh und Strümpfe getragen und ihr Kleid der Nässe wegen aufgeschürzt. Seit aber Sali auf der andern Seite ging, hatte sie es schamhaft sinken lassen und war nun dreifach belästigt und gequält, da sie alle das Zeug tragen, den Rock zusammenhalten und des Streites wegen sich grämen mußte. Hätte sie aufgesehen und nach Sali ge¬blickt, so würde sie entdeckt haben, daß er weder vornehm noch sehr stolz mehr
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aussah und selbst bekümmert genug war. Während Vrenchen so ganz beschämt und ver¬wirrt auf die Erde sah und Sali nur diese in allem Elende schlanke und anmutige Gestalt im Auge hatte, die so verlegen und demütig dahin schritt, beachteten sie dabei nicht, wie ihre Väter still geworden aber mit verstärkter Wut einem hölzernen Stege zueilten, der in kleiner Entfernung über den Bach führte und eben sichtbar
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wurde.
Es fing an zu blitzen und erleuchtete seltsam die dunkle melancholische Wassergegend: es donnerte auch in den grauschwarzen Wolken mit dumpfem Grolle und schwere Regentropfen fielen, als die verwilderten Männer gleichzeitig auf die schmale, unter ihren Tritten schwankende Brücke stürzten, sich gegenseitig packten
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und die Fäuste in die vor Zorn und ausbrechendem Kummer bleichen zitternden Gesichter schlugen. Es ist nichts Anmutiges und nichts weniger als artig, wenn sonst gesetzte Menschen noch in den Fall kommen, aus Übermut, Unbedacht oder Notwehr unter allerhand Volk, das sie nicht näher berührt, Schläge auszuteilen oder welche zu bekommen; allein dies ist eine harmlose Spielerei gegen das tiefe Elend, das zwei
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alte Menschen überwältigt, die sich wohl kennen und seit lange kennen, wenn diese aus innerster Feindschaft und aus dem Gange einer ganzen Lebensgeschichte heraus sich mit nackten Händen anfassen und mit Fäusten schlagen. So taten jetzt diese beiden ergrauten Männer; vor fünfzig Jahren vielleicht hatten sie sich als Buben zum letzten Mal gerauft, dann aber fünfzig lange Jahre mit keiner Hand mehr berührt,
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ausgenommen in ihrer guten Zeit, wo sie sich etwa zum Gruße die Hände geschüttelt, und auch dies nur selten bei ihrem trockenen und sicheren Wesen. Nachdem sie ein¬ oder zweimal geschlagen, hielten sie inne und rangen still zitternd miteinander, nur zuweilen aufstöhnend und elendiglich knirschend, und Einer suchte den Andern über das knackende Geländer in's Wasser zu werfen.
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Jetzt waren aber auch ihre Kinder nachgekommen und sahen den erbärmlichen Auftritt. Sali sprang eines Satzes heran um seinem Vater beizustehen und ihm zu helfen, dem gehaßten Feinde den Garaus zu machen, der ohnehin der schwächere schien und eben zu unterliegen drohte. Aber auch Vrenchen sprang, alles wegwerfend, mit einem langen Aufschrei herzu und umklammerte ihren Vater um ihn zu schützen,
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während sie ihn dadurch nur hinderte und beschwerte. Tränen strömten aus ihren Augen und sie sah flehend den Sali an, der im Begriff war ihren Vater ebenfalls zu fassen und vollends zu überwältigen. Unwillkürlich legte er aber seine Hand an seinen eigenen Vater und suchte denselben mit festem Arm von dem Gegner loszubrin-gen und zu beruhigen, so daß der Kampf eine kleine Weile ruhte oder vielmehr die
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ganze Gruppe unruhig hin und her drängte, ohne auseinander zu kommen. Darüber waren die jungen Leute, sich mehr zwischen die Alten schiebend, in dichte Berührung gekommen und in diesem Augenblicke erhellte ein Wolkenriß, der den grellen Abendschein durchließ, das nahe Gesicht des Mädchens und Sali sah in dies ihm so wohlbekannte und doch so viel anders und schöner gewordene Gesicht.
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Vrenchen sah in diesem Augenblicke auch sein Erstaunen und es lächelte ganz kurz und geschwind mitten in seinem Schrecken und seinen Tränen ihn an. Doch ermannte sich Sali, geweckt durch die Anstrengungen seines Vaters, ihn abzuschütteln, und brachte ihn mit eindringlich bittenden Worten und fester Haltung endlich ganz von seinem Feinde weg. Beide alte Gesellen atmeten hoch auf und begannen jetzt wieder zu
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schelten und zu schreien, sich von einander abwendend; ihre Kinder aber atmeten kaum und waren still wie der Tod, gaben sich aber im Wegwenden und Trennen, un¬gesehen von den Alten, schnell die Hände, welche vom Wasser und von den Fischen feucht und kühl waren.
Als die grollenden Parteien ihrer Wege gingen, hatten die Wolken sich wieder
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geschlossen, es dunkelte mehr und mehr und der Regen goß nun in Bächen durch die Luft. Manz schlenderte voraus auf den dunklen nassen Wegen, er duckte sich, beide Hände in den Taschen. unter den Regengüssen, zitterte noch in seinen Gesichtszügen und mit den Zähnen und ungesehene Tränen rieselten ihm in den Stoppelbart. die er fließen ließ, um sie durch das Wegwischen nicht zu verraten. Sein Sohn hatte aber
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nichts gesehen, weil er in glückseligen Bildern verloren daherging. Er merkte weder Regen noch Sturm, weder Dunkelheit noch Elend; sondern leicht, hell und wann war es ihm innen und außen und er fühlte sich so reich und wohlgeborgen, wie ein Königssohn. Er sah fortwährend das sekundenlange Lächeln des nahen schönen Gesichtes und erwiderte dasselbe erst jetzt, eine gute halbe Stunde nachher, indem er
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voll Liebe in Nacht und Wetter hinein und das liebe Gesicht anlachte, das ihm aller wegen aus dem Dunkel entgegentrat, so daß er glaubte, Vrenchen müsse auf seinen Wegen dies Lachen notwendig sehen und seiner inne werden.
Aus: Gottfried Keller: Die Leute von Seldwyla, Frankfurt am Main 2006
S. 92-96
#gottfriedkeller#novelle
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Thema:
Gottfried Keller (1819-1890): Romeo und Julia auf dem Dorfe
Erste Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Erschließe und interpretiere den Auszug aus Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Arbeite insbesondere heraus, wie sich durch das Aufeinandertreffen die Beziehungen der Figuren zueinander verändern.
Die Aufgabe ist in zwei Teile gegliedert. Beim ersten Arbeitsauftrag geht es darum den literarischen Textauszug von Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ zu erschließen und zu interpretieren. Da der Schwerpunkt auf diesem Aufgabenteil liegt, solltest du hier mehr schreiben als beim nachfolgenden Teil. Achte wie immer darauf zuerst einen Schreibplan zu erstellen. Hierzu solltest du dir den Text zuerst mehrfach durchlesen. Beim ersten Mal solltest du dich nur darauf konzentrieren den Inhalt zu erfassen, beim zweiten Mal solltest du dir signifikante Stellen, die du in deiner Erschließung benötigst oder auf die du in deiner Interpretation näher eingehen möchtest, markieren und beim dritten Mal solltest du passende Stellen zum Thema Beziehungen der Figuren zueinander markieren. Die Markierungen beim dritten Lesen dienen dir als Vorarbeit für den zweiten Aufgabenteil. Unter der Erschließung eines Textes versteht man die Ausarbeitung der Aussage des Textes in inhaltlicher, formaler sowie sprachlicher Hinsicht. Die Interpretation hingegen befasst sich hauptsächlich mit einem bestimmten Thema, in diesem Fall also die Figuren, ihre Charakterisierungen und ihre Beziehungen zueinander, und dient andererseits jedoch ebenso zum Entschlüsseln der sprachlichen Bilder. Halte dich dabei an folgendes Schema:
  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss
Zweite Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie in einem anderen literarischen Werk der Beginn einer Liebesbeziehung gestaltet wird.
Die Aufgabe ist in zwei Teile gegliedert. Beim zweiten Aufgabenteil geht es darum deine im vorherigen Teil erarbeiteten Ergebnisse nun mit einem anderen Werk deiner Wahl zu vergleichen und hierbei vor allem auf die Umsetzung des Beginns der Liebesbeziehung einzugehen. Achte hierbei ebenfalls wieder darauf einen Schreibplan zu erstellen bevor du mit dem eigentlichen Schreiben beginnst, sodass du den roten Faden nicht verlierst. Gehe bei dieser Aufgabe vor allem auf die Unterschiede zwischen Kellers und deinem gewählten Werk ein. Versuche ein Werk zu wählen, das vor allem Parallelen im Bezug auf die erste Begegnung der Liebenden aufweist.
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$\blacktriangleright\;$ Thema:
Gottfried Keller (1819-1890): Romeo und Julia auf dem Dorfe
$\blacktriangleright\;$ Erste Teilaufgabe: Erschließe und interpretiere den Auszug aus Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Arbeite insbesondere heraus, wie sich durch das Aufeinandertreffen die Beziehungen der Figuren zueinander verändern.
Tipp
Die Aufgabe ist in zwei Teile gegliedert. Beim ersten Arbeitsauftrag geht es darum den literarischen Textauszug von Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ zu erschließen und zu interpretieren. Da der Schwerpunkt auf diesem Aufgabenteil liegt, solltest du hier mehr schreiben als beim nachfolgenden Teil. Achte wie immer darauf einen Schreibplan zu erstellen. Hierzu solltest du dir den Text zuerst mehrfach durchlesen. Beim ersten Mal solltest du dich nur darauf konzentrieren den Inhalt zu erfassen, beim zweiten Mal solltest du dir signifikante Stellen, die du in deiner Erschließung benötigst oder auf die du in deiner Interpretation näher eingehen möchtest, markieren und beim dritten Mal solltest du passende Stellen zum Thema Beziehungen der Figuren zueinander markieren. Die Markierungen beim dritten Lesen dienen dir als Vorarbeit für den zweiten Aufgabenteil. Unter der Erschließung eines Textes versteht man die Ausarbeitung der Aussage des Textes in inhaltlicher, formaler sowie sprachlicher Hinsicht. Die Interpretation hingegen befasst sich hauptsächlich mit einem bestimmten Thema, in diesem Fall also mit den Figuren, ihren Charakterisierungen und ihren Beziehungen zueinander, und dient andererseits jedoch ebenso zum Entschlüsseln der sprachlichen Bilder. Halte dich dabei an folgendes Schema:
  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss
Tipp
Die Aufgabe ist in zwei Teile gegliedert. Beim ersten Arbeitsauftrag geht es darum den literarischen Textauszug von Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ zu erschließen und zu interpretieren. Da der Schwerpunkt auf diesem Aufgabenteil liegt, solltest du hier mehr schreiben als beim nachfolgenden Teil. Achte wie immer darauf einen Schreibplan zu erstellen. Hierzu solltest du dir den Text zuerst mehrfach durchlesen. Beim ersten Mal solltest du dich nur darauf konzentrieren den Inhalt zu erfassen, beim zweiten Mal solltest du dir signifikante Stellen, die du in deiner Erschließung benötigst oder auf die du in deiner Interpretation näher eingehen möchtest, markieren und beim dritten Mal solltest du passende Stellen zum Thema Beziehungen der Figuren zueinander markieren. Die Markierungen beim dritten Lesen dienen dir als Vorarbeit für den zweiten Aufgabenteil. Unter der Erschließung eines Textes versteht man die Ausarbeitung der Aussage des Textes in inhaltlicher, formaler sowie sprachlicher Hinsicht. Die Interpretation hingegen befasst sich hauptsächlich mit einem bestimmten Thema, in diesem Fall also die Figuren, ihre Charakterisierungen und ihre Beziehungen zueinander, und dient andererseits jedoch ebenso zum Entschlüsseln der sprachlichen Bilder. Halte dich dabei an folgendes Schema:
  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss
Die Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, die 1856 von Gottfried Keller verfasst wurde, handelt den stets aktuellen Topos der Trennung von Liebenden aufgrund äußerer Umstände. Dieses Thema kennt man bereits aus verschiedenen anderen literarischen Werken, welche natürlich vom weltberühmten Drama „Romeo und Julia“ von William Shakespeare angeführt wird. So kommt das Motiv der unglücklich Liebenden aus verfeindeten Familien auch in Kellers Werk zum Tragen, wenngleich sich hierbei einige feine inhaltliche Unterschiede feststellen lassen. So verlagert er zum Beispiel die Geschichte in die Stadt Seldwyla, in der sich die beiden Liebenden kennenlernen und dasselbe Ende finden wie bereits Shakespeares unglückliches Paar.
Einleitung
  • aktueller Topos
  • Shakespeares „Romeo und Julia“
  • verfeindete Familien
Die Bauern Manz und Marti kennen sich bereits viele Jahre, doch durch einen Rechtsstreit um ein Stück Acker verlieren beide fast ihren ganzen Besitz und sind seither verfeindet. Der Textauszug beginnt mit einer Darstellung der aktuellen Situation beider Bauern, in denen vor allem die Armut beider beschrieben wird. Manz muss gemeinsam mit seinem Sohn Sali zum Fischen an den Fluss gehen, um seine Familie notdürftig ernähren zu können. Wohingegen Marti seinen letzten verbliebenen Besitz an Äckern verkommen lässt und sich die Zeit beim Angeln am Fluss vertreibt. Hierbei muss ihn stets seine Tochter Vrenchen begleiten. Eines Abends treffen sich beide Parteien beim Angeln am Fluss und es kommt, wie es kommen muss. Es folgen Beleidigungen, Beschimpfungen sowie Schuldzuweisungen. Hierbei stehen sowohl Sali als auch Vrenchen hinter ihren Vätern und reagieren beschämt auf das Verhalten der Beiden. Dies führt dazu, dass sie nicht bemerken, wie sich Manz und Marti nun auf dem Weg zu einer nahegelegenen Brücke befinden, um die Konfrontation noch weiter zu treiben. Beide folgen den Bauern und versuchen ihren Vätern bei dem Kampf zur Seite zu stehen. Als sich Vrenchen jedoch mit einem hilfesuchenden Blick nach Sali wendet, ändert dieser seine Meinung und beendet den Kampf, indem er die beiden Männer auseinanderbringt. Als Manz sich mit seinem Sohn auf dem Heimweg befindet weint er, während sein Sohn noch im Glück schwelgt, da er immer noch an die magische Begegnung mit Vrenchen denken muss.
Hauptteil
  • Inhaltsangabe
Der soeben beschriebene Inhalt lässt bereits vermuten, dass dieser Textauszug dramatisch aufgebaut ist. So beginnt er natürlich mit der Exposition, in der davon die Rede ist, dass sich in den letzten zwölf Jahren viel verändert hat (vgl. Z. 1). Dies betrifft zum einen Manz, der niemals gedacht hätte, dass er mit „diesen wunderlichen Heiligen“ (Z. 3) zusammen fischen würde, da er aufgrund seiner Armut keine Wahl hätte. Zum anderen erfährt man ebenfalls, dass Marti „das meiste Land schon verloren [hat] und nur noch wenige Äcker [besitzt]“ (Z. 19 f.). Zu allem Überfluss vernachlässigt Marti seinen noch sehr geringen Besitz und vertreibt sich die Zeit lieber beim Angeln mit Vrenchen (vgl. Z. 14 f.). Die Exposition beschäftigt sich somit mit der Vorgeschichte der beiden Bauern sowie der aktuellen Lage.
  • Exposition
Sobald sich die zwei Kontrahenten am Fluss erblicken, setzt der Spannungsaufbau ein, da die Beiden zunächst nur mit Beleidigungen, Beschimpfungen und Schuldzuweisungen um sich werfen (vgl. Z. 26 f.), da sie noch durch den Fluss getrennt sind. Bei ihnen befinden sich natürlich Vrenchen und Sali. Als Sali Vrenchen erblickt, sieht er „neugierig und verwundert“ (Z. 42) zu ihr hinüber. Sie blickt „vor Scham in die Erde […], [so]daß ihr die braunen krausen Haare in’s Gesicht fielen“ (Z. 43). Sali ist von diesem Anblick im ersten Moment völlig fasziniert bis auch er weder vornehm noch stolz, sondern sehr bekümmert hinter seinem Vater herging. (vgl. Z. 49) Er denkt hierbei jedoch stets an „diese in allem Elende schlanke und anmutige Gestalt […], die so verlegen und demütig dahin schritt“ (Z. 51 f.). Bereits hier lässt sich erkennen, dass Salis Gefühle Vrenchen gegenüber von Neugierde in Interesse umschlagen und sich somit die Beziehung der beiden zueinander gravierend verändert. Vrenchen scheint dies leider nicht zu bemerken, da sie zu sehr damit beschäftigt ist, sich ihres Vaters wegen zu schämen, ihr nasses Kleid zu raffen und das Fischerzeug zu tragen.
  • Spannungsaufbau
Die Situation spitzt sich in dem Moment weiter zu, indem Sali Vrenchen anschaut , da die Beiden so sehr durch ihre eigene Scham angelenkt sind, dass sie zuerst nicht bemerken, dass „ihre Väter still geworden [sind] aber mit verstärkter Wut einem hölzernen Stege zueilten, der in kleiner Entfernung über den Bach führte“ (Z. 53). Die Alten treffen auf der Brücke aufeinander und beginnen direkt zu kämpfen. Sie teilen aus „Übermut, Unbedacht oder Notwehr“ (Z. 62) Schläge aus und bekommen ebenfalls wieder welche zurück. „Nachdem sie ein- oder zweimal geschlagen, hielten sie inne und rangen still zitternd miteinander, nur zuweilen aufstöhnend und elendiglich knirschend, und Einer suchte den Andern über das knackende Geländer in’s Wasser zu werfen.“ (Z. 71 f.) Als die Kinder hinzukommen, umfassen Beide direkt ihre Väter und helfen dabei den „gehaßten Feinde den Garaus zu machen“ (Z. 77). Sali jedoch legt auf einmal unwillkürlich die Hand an seinen eigenen Vater und versucht „denselben mit festem Arm von dem Gegner loszubringen und zu beruhigen“ (Z. 83 f.) Bereits hier kann der Leser ahnen, dass im nächsten Moment der Höhe- beziehungsweise Wendepunkt eintritt und etwas geschieht, das den weiteren Verlauf der Geschichte maßgeblich verändern soll.
  • Spannungsaufbau
Durch das Gerangel mit den Bauern kommen sich Sali und Vrenchen sehr nahe, sodass Sali „in dies ihm so wohlbekannte und doch so viel anders und schöner gewordene Gesicht“ (Z. 88 f.) blickt und Vrenchen „in diesem Augenblicke auch sein Erstaunen [bemerkt] und es lächelte ganz kurz und geschwind mitten in seinem Schrecken und seinen Tränen ihn an.“ (Z. 90 f.) Hier findet der Wendepunkt der Geschichte statt, denn durch diesen kurzen magischen Moment der zwei Liebenden zueinander wird klar, dass die Fehde beendet werden muss, zumindest für den Moment. Sali trifft daraufhin die Entscheidung seinen Vater „mit eindringlich bittenden Worten und fester Haltung endlich ganz von seinem Feinde“ (Z. 93 f.) wegzubringen, wodurch der Kampf der beiden Bauern für den Moment beendet ist.
  • Höhepunkt
  • Wendepunkt
Sie beginnen nun erneut mit ihren Beleidigungen und den Schuldzuweisungen (vgl. Z. 94 f.), wohingegen die Kinder aufatmen und sich ungesehen von ihren Vätern rasch die Hände reichen (vgl. Z. 95 f.). Dies ist der Beginn der Liebesbeziehung zwischen Sali und Vrenchen, die für den Moment sogar dazu geführt hat, dass die beiden Väter nicht mehr miteinander kämpfen, sondern erneut getrennte Wege gehen. Die spannungsabbauende Handlung beschäftigt sich nun mit Sali, der das Weinen seines Vaters nicht bemerkt und in Gedanken an Vrenchen schwelgt. Erst jetzt ist er in der Lage das kurze Lächeln ihrer durch ein eigenes zu erwidern (vgl Z. 109 f.).
  • Spannungsabbau
Durch die grundlegenden Veränderungen der Beziehungen der Figuren Sali und Vrenchen zueinander erfährt der Handlungsverlauf eine grundlegende Wendung. Würden sich die Beiden nicht beim Kampfe näher kommen und würde Vrenchen nicht lächeln, so wäre der Ausgang der Situation ein unklarer gewesen. Doch durch den magischen Moment, den die Beiden miteinander erleben, findet Sali die Kraft seinen Vater von seinem Feind fernzuhalten und die Fehde, wenn auch nur für den Augenblick, zu beenden. Der weitere Verlauf und die Beziehung zwischen Sali und Vrenchen verspricht dem Leser somit eine eventuelle Verbesserung der Situation.
Schluss
  • grundlegende Wendung
  • Beziehungen der Figuren zueinander
#geschlossenesdrama#figurenkonstellation
$\blacktriangleright\;$ Zweite Teilaufgabe:
Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie in einem anderen literarischen Werk der Beginn einer Liebesbeziehung gestaltet wird.
Tipp
Die Aufgabe ist in zwei Teile gegliedert. Beim zweiten Aufgabenteil geht es darum deine im vorherigen Teil erarbeiteten Ergebnisse nun mit einem anderen Werk deiner Wahl zu vergleichen und hierbei vor allem auf die Umsetzung des Beginns der Liebesbeziehung einzugehen. Achte hierbei ebenfalls wieder darauf einen Schreibplan zu erstellen bevor du mit dem eigentlichen Schreiben beginnst, sodass du den roten Faden nicht verlierst. Gehe bei dieser Aufgabe vor allem auf die Unterschiede zwischen Kellers und deinem gewählten Werk ein. Versuche ein Werk zu wählen, das vor allem Parallelen in Bezug auf die erste Begegnung der Liebenden aufweist.
Tipp
Die Aufgabe ist in zwei Teile gegliedert. Beim zweiten Aufgabenteil geht es darum deine im vorherigen Teil erarbeiteten Ergebnisse nun mit einem anderen Werk deiner Wahl zu vergleichen und hierbei vor allem auf die Umsetzung des Beginns der Liebesbeziehung einzugehen. Achte hierbei ebenfalls wieder darauf einen Schreibplan zu erstellen bevor du mit dem eigentlichen Schreiben beginnst, sodass du den roten Faden nicht verlierst. Gehe bei dieser Aufgabe vor allem auf die Unterschiede zwischen Kellers und deinem gewählten Werk ein. Versuche ein Werk zu wählen, das vor allem Parallelen in Bezug auf die erste Begegnung der Liebenden aufweist.
Gottfried Kellers „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ lässt sich in vielerlei Hinsicht mit Goethes „Faust“ und dessen Hauptcharakteren, Faust und Gretchen, vergleichen. In beiden Fällen handelt es sich um ein Liebespaar, das unter denkbar schlechten Umständen das erste Mal aufeinandertrifft und deren erste Begegnung maßgebend für den weiteren Verlauf der Handlung ist. Jedoch gibt es auch einige Unterschiede zwischen den Figuren.
Einleitung
  • Vergleich mit Goethes „Faust“
Sali und Vrenchen kommen aus demselben sozialen Umfeld. Sie sind beide Familienmitglieder einer einst wohlhabenden und nun verarmten Bauernfamilie und sie müssen beide ihren Teil zum Überleben der Familie beitragen. Des Weiteren sind sie sich dadurch, dass sie zusammen aufgewachsen sind, bereits mehrfach vor der ersten bedeutsamen Begegnung begegnet. Sali passt somit in jeder Hinsicht zu Vrenchen.
Hauptteil
  • Sali und Vrenchen passen zueinander
Bei Faust und Gretchen hingegen treffen diese Dinge nicht zu. Zum einen trennt sie ein enormer Altersunterschied, da Gretchen um die 14 Jahre alt ist und Faust jedoch bereits in den Fünfzigern. Zum anderen verbindet die beiden nichts, da Gretchen ein junges Mädchen im heiratsfähigen Alter ist, jedoch noch nichts von der Welt weiß und Faust sein Leben hauptsächlich der Wissenschaft gewidmet hat. Die Begegnung der beiden wurde durch einen Hexentrank herbeigeführt, der Faust verjüngt und somit kann man davon sprechen, dass der Teufel sprichwörtlich seine Hände im Spiel hat, denn Mephisto schloss eine Wette mit Gott ab, dass er Faust von seinem rechtmäßigen Wege abbringen könne und der Hexentrank war ein Teil dieses Plans.
  • Faust und Gretchen passen nicht zueinander
Die Reaktionen der Paare bei dieser schicksalhaften Begegnung verläuft wieder ähnlich, da Sali und Vrenchen in dem Moment des Kampfes plötzlich die besondere Verbindung spüren und Vrenchen Sali anlächelt. Faust trifft auf Gretchen und sie sind beide direkt voneinander fasziniert, wenngleich Gretchen Fausts Annäherungsversuche gemäß der Etikette ablehnt. Zuhause angekommen lässt ihr die Begegnung jedoch keine Ruhe und sie wundert sich, wer der Mann wohl gewesen sei.
  • Reaktionen der Paare bei erster Begegnung ähneln sich
Eine weitere Parallele zwischen beiden Geschichten ist der Fakt, dass die Begegnungsszene das tragische Ende der Beziehung bereits voraussagt und somit den Grundstein zu dessen Ausgang legt. Sali und Vrenchen beenden ihr Leben ironischerweise genau an dem Ort, an dem die wichtige Begegnungsszene stattfindet, nämlich im Fluß. Außerdem ist Gretchens Schicksal in dem Moment der Begegnung ebenso besiegelt, da der Hexentrank Schuld daran trägt, dass Faust und Gretchen sich anziehend finden und eine Liebesbeziehung beginnen.
  • Begegnungsszene maßgebend für weiteren Handlungsverlauf
Der Leser macht sich somit nach den Szenen in beiden Werken keine Illusionen über einen glücklichen Ausgang und ahnt bereits das tragische Ende der Paare.
Schluss
#faust#figurenkonstellation#goethe
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