Inhalt
Smarter Learning!
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
BY, Gymnasium
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 8
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fach: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Digitales Schulbuch
Abitur
VERA 8
Abitur
Prüfung
wechseln
Abitur
VERA 8
Smarter Learning!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!

Aufgabe 1

Aufgaben
Download als Dokument:PDF

Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
  • Gottfried Keller: Winternacht
  • Carl Gustav Carus: Psyche. Zur Entwicklung der Seele.
  • Johann Wolfgang von Goethe: Der Fischer
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Interpretiere das Gedicht „Winternacht“ von Gottfried Keller. Überprüfe dabei, inwiefern die in Carl Gustav Carus' Text formulierte Aussage für die Interpretation des Gedichtes zutrifft.
  2. Vergleiche ausgehend von deinen Ergebnissen die Gestaltung der Beziehung zwischen Mensch und Wasserwesen in den Gedichten „Winternacht“ von Gottfried Keller und „Der Fischer“ von Johann Wolfgang von Goethe. Berücksichtige dabei sowohl inhaltliche als auch ausgewählte sprachliche Aspekte.
Der Schwerpunkt der Aufgabenstellung liegt auf Teilaufgabe 1.
#gottfriedkeller#goethe#gedichtinterpretation#gedichtanalyse
Gottfried Keller

Winternacht.

$\,$
Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,
Still und blendend lag der weiße Schnee.
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.
5
Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Aesten klomm die Nix herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.
Auf dem dünnen Glase stand ich da,
10
Das die schwarze Tiefe von mir schied;
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.
Mit ersticktem Jammer tastet' sie
An der harten Decke her und hin,
15
Ich vergeß' das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn!
Aus: Gottfried Keller: Winternacht, in: ders., Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, hrsg. unter der Leitung von Walter Morgenthaler, Bd. 9: Gesammelte Gedichte. Erster Band, hrsg. von Walter Morgenthaler u. a., Basel - Zürich 2009, S. 74.
Carl Gustav Carus (1789-1869), deutscher Arzt, Maler und Naturphilosoph

Psyche. Zur Entwicklungsgeschichte der Seele.

$\,$
Der Schlüssel zur Erkenntniß vom Wesen des bewußten Seelenlebens liegt in der Region des Unbewußtseins. […] Daß fortwährend der bei weitem größte Theil des Reiches unseres Seelenlebens im Unterbewußtsein ruht, kann der erste Blick in's innere Leben uns lehren. […] Späterhin […] werden wir erkennen, daß man in dieser Beziehung das Leben der Seele
5
vergleichen dürfe mit einem unablässig fortkreisenden großen Strome, welcher nur an einer einzigen kleinen Stelle vom Sonnenlicht - d. i. eben vom Bewußtsein - erleuchtet ist. […]
Aus: Carl Gustav Carus: Psyche. Zur Entwicklungsgeschichte der Seele, Pforzheim 1846, S. 1f.
Johann Wolfgang von Goethe

Der Fischer

$\,$
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
5
Und wie er sitzt, und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
10
„Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
15
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.
Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
20
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchteverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?“
25
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
30
Da war's um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin,
Und ward nicht mehr gesehn.
Aus: Johann Wolfgang von Goethe: Der Fischer, in ders., Werke, Hamburger Ausgabe, hrsg. von Erich Trunz, Bd. 1: Gedichte und Epen, München 1989, S. 153 f.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Login
Kurzlösungen
Download als Dokument:PDF

Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
  • Gottfried Keller: Winternacht
  • Carl Gustav Carus: Psyche. Zur Entwicklung der Seele.
  • Johann Wolfgang von Goethe: Der Fischer

Teilaufgabe 1

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht „Winternacht“ von Gottfried Keller. Überprüfe dabei, inwiefern die in Carl Gustav Carus' Text formulierte Aussage für die Interpretation des Gedichtes zutrifft.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, solltest du dir das Gedicht genau durchlesen und dir Notizen machen zu formalen oder sprachlichen Auffälligkeiten. Lies dir auch den Text von Carl Gustav Carus aufmerksam durch und notiere dir die Hauptaussage seines Textes.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen Basissatz, in dem du die wichtigsten Informationen zum Gedicht sowie deine erste Deutungshypothese nennst.
Basissatz
  • Titel: Winternacht
  • Autor: Gottfried Keller
  • epochale Einordnung: Romantik
  • Inhalt: Lyrisches Ich begegnet einer Nixe an einem vereisten See in einer Winternacht
  • Deutungshypothese: In dem Gedicht geht es um die geheimen Wünsche oder Sehnsüchte eines Menschen, die im Unterbewusstsein verborgen sind und nun zum Vorschein kommen.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun zunächst den Inhalt des Gedichtes genauer beschreiben. Anschließend folgt zunächst eine formale, danach eine inhaltliche Analyse. Auch solltest du auf Stilmittel eingehen, die im Gedicht benutzt werden und diese interpretieren. Bei der inhaltlichen Analyse sowie den Stilmitteln gehst du am besten Strophe für Strophe einzeln durch. Das schafft Struktur und Klarheit in deiner Analyse. Zuletzt sollst du überprüfen, inwiefern die Aussage aus Carl Gustav Carus' Text auf deine Interpretation zutrifft.
Inhalt
  • lyrisches Ich geht in Winternacht spazieren
  • Welt scheint erstarrt, nur im See bemerkt es eine Bewegung
  • sieht einen Seebaum aufsteigen, an dem eine Nixe empor klettert
  • Begegnung mit Nixe geht lyrischem Ich nicht mehr aus dem Kopf
Formale Analyse
  • 4 Strophen à 4 Versen
  • Metrum: 5-hebiger Trochäus
  • Reimschema: Kreuzreim
  • Kadenz: männlich
  • Zeilenstil: jeder Vers besteht aus Hauptsatz; unterstützt zusammen mit dem Metrum die im Gedicht beschriebene Winterstarre, weil Verse selbst starr sind
  • Keller löst Zeilenstil im Verlauf des Gedichts zunächst auf
  • in letzten beiden Versen wieder Zeilenstil
    $\rightarrow$ korrespondiert mit Inhalt: beim Kontaktversuch der Nixe wird versucht, die Verse durch Enjambements zu verschmelzen.
    $\rightarrow$ scheitert aber am Metrum, bzw der Kontaktversuch der Nixe scheitert am Eis
  • Metrum wird schon versucht im ersten Vers zu durchbrechen
    $\rightarrow$ Aufbegehren gegen Metrum im ersten Vers, der das Metrum eigentlich etablieren soll
    $\rightarrow$ 1. Interpretation: Hinweis an Leser, besonders aufmerksam zu sein, um auf das Ungewöhnliche vorzubereiten
    $\rightarrow$ 2. Interpretation: im Metrum des ersten Verses wird Grundkonflikt des Gedichts ausgetragen
  • bis auf letzte Strophe (Präsens) alle Strophen in Vergangenheit
$\blacktriangleright$ 1. Strophe
Inhaltliche Analyse
  • Keller baut das Bild der schon im Titel genannten Winternacht auf
  • unterstützt das Bild der starren Winternacht durch Satzbau und Metrum
  • Welt scheint erstarrt, keine Bewegung
  • auch Farben wirken kalt: Weiß (Schnee) und Schwarz (Nacht, Sternenhimmel)
  • Ort erscheint wenig einladend
Stilmittel:
  • Personifikation: „[…] Flügelschlag ging […]“ (V. 1); „[…] lag der weiße Schnee“ (V. 2); „[…] Wölklein hing […]“ (V. 3);„[…] Welle schlug […]“ (V. 4)
    $\rightarrow$ dient der Veranschaulichung der Situation und der Umwelt
  • Anapher: „Nicht ein […]. Nicht ein […]“ (V. 1-3)
    $\rightarrow$ betont die Struktur des Gedichts und wirkt für den Leser einprägend
  • Alliteration: „[…] schlug im starren See […]“ (V. 4)
    $\rightarrow$ betont durch den s-Laut die Starrheit der Winterlandschaft und prägt dem Leser das Bild ein
  • Negation: „Nicht ein […]. Nicht ein […]. Keine […]“ (V. 1-4)
    $\rightarrow$ verstärkt die Szenerie der Winterlandschaft
$\blacktriangleright$ 2. Strophe
Inhaltliche Analyse
  • plötzlich Bewegung in der starren Landschaft, da Seebaum wächst und Nixe daran empor klettert
  • dass Nixe klettert und Baum unter Wasser wächst lässt zunächst eher auf Traum schließen, der dem Leser als Realität erscheint
  • Grün ist die Farbe der Hoffnung, steht für das Leben und für den Frühling
  • symbolisch steht Winterlandschaft für Außenwelt, Nixe im See für Innenwelt
    $\rightarrow$ steht für Bewusstsein (Winterlandschaft) und Unterbewusstsein (Nixe bzw. See)
  • Leser sieht eigentlich keine Winterlandschaft, sondern lyrischem Ich kommt die Welt kalt und starr vor
  • im Unterbewusstsein des lyrischen Ich (See) wachsen Wünsche oder Sehnsucht (Nixe und Seebaum) nach Leben oder dem Ausbruch aus der kalten Welt (Farbe grün für Leben, Hoffnung und Frühling)
Stilmittel
  • Neologismus: „Seebaum“ (V. 5)
    $\rightarrow$ ein Seebaum existiert nicht
    $\rightarrow$ Wortneuschöpfung soll beim Leser ein Bild wecken, wie in dem See ein Baum wächst
  • Metapher: „das grüne Eis“ (V. 8)
    $\rightarrow$ das grüne Eis steht für die Grenze zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein
  • Symbol: „Nix“ (V. 7); „Seebaum“ (V. 5); „Tiefe“ (V. 5)
    $\rightarrow$ Nixe und der Seebaum stehen für Sehnsüchte und Wünsche des lyrischen Ich, die aus der Tiefe, also dem Unterbewusstsein auftauchen
$\blacktriangleright$ 3. Strophe
Inhaltliche Analyse
  • das lyrische Ich betrachtet die Nixe und ihre Schönheit
  • lyrisches Ich steht auf dem Eis des Sees und blickt hinunter
  • lyrisches Ich blickt sozusagen in seine Seele bzw. in sein Unterbewusstsein und erblickt seine Sehnsüchte und Wünsche
  • Farben wirken wieder trostlos (schwarz und weiß)
  • Farben stehen im Gegensatz zu grün für die Hoffnungslosigkeit des lyrischen Ichs, dass sich Wünsche niemals erfüllen werden
Stilmittel
  • Metapher: „dünnen Glase“ (V. 9)
    $\rightarrow$ steht für das Eis auf dem das lyrische Ich steht
    $\rightarrow$ nur diese dünne Schicht trennt es von der Nixe bzw. von seinen Wünschen und Träumen
  • Enjambement: Vers 11 - 12
    $\rightarrow$ soll die Verse verschmelzen, sowie das Eis schmelzen soll, um Kontakt zwischen lyrischem Ich und Nixe zu schaffen.
    $\rightarrow$ doch durch das Metrum wird das Enjambement unterbrochen, weshalb weder die Verschmelzung noch der Kontaktversuch gelingt
  • Inversion: „Dicht ich unter meinen Füßen sah […]“ (V. 11)
    $\rightarrow$ dient dazu, das Reimschema weiterzuführen und den Fluss des Gedichtes nicht zu unterbrechen
$\blacktriangleright$ 4. Strophe
Inhaltliche Analyse
  • Nixe tastet sich am Eis entlang, kann es jedoch nicht durchbrechen und jammert deshalb
  • Erlebnis hinterlässt einen prägenden Eindruck beim lyrischen Ich, weshalb es das Erlebnis nicht vergessen kann und will
  • Wünsche dringen nicht ganz bis zum Bewusstsein durch, hinterlassen aber einen bleibenden Eindruck
  • Wechsel der Zeitform steht für Rückkehr des lyrischen Ichs in die Realität
  • Keller nutzt das Wort „liegen“ (V. 16) als Kompromiss zwischen den Ausdrücken „kommen“ oder „gehen“
    $\rightarrow$ „Liegen“ kann sowohl Entspannung als auch Druck simulieren
Stilmittel
  • Metapher: „harten Decke“ (V. 9)
    $\rightarrow$ steht für das Eis auf dem das lyrische Ich steht
    $\rightarrow$ doch aus der dünnen Eisschicht ist eine harte, undurchdringliche Schicht geworden, die es vollständig von seinen Wünschen und Träumen trennt und die es nicht durchbrechen kann
  • Enjambement: Vers 13 - 14
    $\rightarrow$ soll die Verse verschmelzen, sowie das Eis schmelzen soll, um Kontakt zwischen lyrischem Ich und Nixe zu schaffen
    $\rightarrow$ doch durch das Metrum wird das Enjambement unterbrochen, weshalb weder die Verschmelzung noch der Kontaktversuch gelingt
  • Wiederholung: „Immer, immer liegt es mir im Sinn“ (V. 16)
    $\rightarrow$ durch die Wiederholung des Wortes „immer“ verdeutlicht das lyrische Ich den prägenden Eindruck, welchen die Nixe bei ihm hinterlassen hat

Carl Gustav Carus These

  • „Der Schlüssel zur Erkenntniß vom Wesen des bewußten Seelenlebens liegt in der Region des Unterbewußtseins.“ (Z. 1-2)
  • größter Teil der Seele ruht im Unterbewusstsein, also auch unsere Wünsche, Träume und Sehnsüchte
  • Bewusstsein ist ein kleiner erleuchteter Teil, Unbewusstsein ist eine dunkle Tiefe, wie der See im Gedicht
  • Carus vergleicht die Seele mit einem Strom
    $\rightarrow$ Wassermotiv
  • Wünsche, Träume und Sehnsüchte ruhen im Unterbewusstsein und müssen erst an die Oberfläche kommen, damit wir uns ihrer bewusst werden

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du deine Ergebnisse nochmals in einem Fazit zusammenfasst.
  • im Gedicht geht es um mehr als eine Winternacht
  • Keller schildert zum einen eine märchenhafte Welt, zum anderen den Einblick in die geheimen Wünsche, Sehnsüchte und Träume des lyrischen Ichs
  • alle Menschen haben insgeheim im Unterbewusstsein Wünsche, die zum Bewusstsein aufsteigen müssen
  • Carl Gustav Carus Aussage unterstützt diese Hypothese

Teilaufgabe 2

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche ausgehend von deinen Ergebnissen die Gestaltung der Beziehung zwischen Mensch und Wasserwesen in den Gedichten „Winternacht“ von Gottfried Keller und „Der Fischer“ von Johann Wolfgang von Goethe.
    $\rightarrow$ Berücksichtige dabei sowohl inhaltliche als auch ausgewählte sprachliche Aspekte

Vorarbeit

Bevor du beginnst, solltest du dir Goethes Gedicht „Der Fischer“ genau durchlesen und dir dazu Notizen machen. Überlege dir, wie sich das Gedicht mit dem Gedicht „Winternacht“ vergleichen lässt.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen kurzen Basissatz, in welchem du die wichtigsten Informationen zum zweiten Gedicht nennst.
Basissatz
  • Titel: Der Fischer
  • Autor: Johann Wolfgang von Goethe
  • Erscheinungsjahr: 1779
  • Inhalt: Ein Fischer trifft beim Angeln auf eine Nixe, die sich mit ihm unterhält und ihn schließlich auf den Grund des Meeres zieht.

Hauptteil

Im Hauptteil gibst du nun zunächst eine kurze Zusammenfassung des zweiten Gedichts und analysierst die wichtigsten formalen und sprachlichen Besonderheiten. Anschließend vergleichst du ausgehend von deinen Ergebnissen die Beziehung zwischen Menschen und Wasserwesen.
Zusammenfassung
  • Fischer sitzt am See und angelt
  • Nixe taucht auf und beginnt ein Streitgespräch mit Fischer, weil er Meeresbewohner tötet
  • versucht Fischer ins Meer zu locken
  • Fischer ist wie berauscht und lässt sich von Nixe ins Meer ziehen
Formale Analyse
  • Ballade
  • Metrum: drei- und vierhebiger Jambus
  • 4 Strophen à 8 Verse
  • Reimschema: Kreuzreim
    $\rightarrow$ erste und letzte Strophe unreiner Reim
Inhaltliche Analyse
  • Fischer sitzt zunächst am See; alles ist ruhig
    $\rightarrow$ Zäsuren nach dem 2., 4., 6. und 8. Vers der 1., 3. und vierten Strophe verstärken den Gegensatz der Ruhe und Gespanntheit
  • Bewegung entsteht erst, als „feuchtes Weib“ (V.8) auftaucht
    $\rightarrow$ Ausdruck sehr negativ; impliziert die schlechten Absichten der Nixe
  • Nixe hält Fischer für Mörder; versucht ihn deshalb auf den Grund des Meeres zu locken, indem sie das Meer beschönigt
  • Nixe kann reden; Fischer sagt die ganze Zeit nichts
  • „Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll, […]“ (V. 1, 25)
    $\rightarrow$ bildet Rahmen des Gedichts; rauschen des Wasser zum einen beruhigend, zum anderen lockt es den Fischer in die Tiefe und erzeugt Spannung
  • Nixe „angelt“ sich Fischer am Ende
  • Nixe verkörpert Wunsch des Fischers, ins Wasser zu gehen
Stilmittel
  • Metapher: „Fischlein“ (V. 13)
    $\rightarrow$ stehen für die Fischer, die sich die Nixe schon geangelt hat
  • Alliteration: „Mit Menschenwitz und Menschenlist“ (V. 11)
    $\rightarrow$ das Wort „Mensch“ wird hier betont und hervorgehoben; dabei ist List der Nixe viel größer
  • Parallelismus: „Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm“ (V. 9,29); „Und wie er sitzt, und wie er lauscht“ (V. 5)
    $\rightarrow$ durch Gesang lockt Nixe Fischer in die Tiefe; wirkt auf Leser einprägsam durch Wiederholung
    $\rightarrow$ Fischer ist zu Beginn ganz ruhig, lauscht der Umwelt und hört das lockende Rauschen des Wassers
  • Rhetorische Fragen: „Labt sich die liebe Sonne nicht, Der Mond sich nicht im Meer? Kehrt wellenatmend ihr Gesicht, Nicht doppelt schöner her? Lockt dich der tiefe Himmel nicht, Das feuchtverklärte Blau? Lockt dich dein Angesicht Nicht her in ew'gen Tau?“ (V. 17 - 24)
    $\rightarrow$ Nixe erwartet keine Antwort des Fischers auf rhetorische Fragen, da sie Antwort schon kennt
  • Anapher: „Lockt dich […] Lockt dich“ (V. 21, 23)
    $\rightarrow$ wirkt auf Leser einprägsam; ähnelt dem Singsang welchen Nixe anstimmt
Vergleich der Mensch - Wasserwesen - Beziehung
$\blacktriangleright\;$ Winternacht
  • „die Nix“ (V. 7)
    $\rightarrow$ taucht plötzlich, eher zufällig auf
  • lebt im See
  • kann nicht sprechen, nur jammern
  • zum einen „weiße Schönheit“ (V. 12), zum anderen „dunkle[s] Antlitz“ (V. 15)
    $\rightarrow$ gespenstische Erscheinung für Mensch; Surrealität
  • man kennt ihre Absichten nicht, und ob sie dem Menschen schaden will
  • verkörpert die geheimen Wünsche und Sehnsüchte des Menschen
  • Wasserwesen als nicht greifbare Instanz für Menschen, da es keinerlei Berührung gibt
$\blacktriangleright\;$ Der Fischer
  • „feuchtes Weib“ (V. 7)
    $\rightarrow$ Begriff von Anfang an negativ besetzt; taucht auf um mit Fischer zu reden
  • lebt im Meer
  • kann sprechen und singen; lockt Fischer damit ins Meer
  • keine äußerliche Beschreibung
  • will den Fischer ins Meer locken; keine guten Absichten
  • Fischer tötet andere Meereswesen, weshalb Nixe eine Art Racheakt verübt
  • verkörpert die geheimen Wünsche und Sehnsüchte des Menschen
  • Wasserwesen als reale Gefahr für Menschen

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du zum Schluss nochmals dein Ergebnis des Vergleichs zusammenfasst.
  • „Winternacht“
    $\rightarrow$ allgemein eher positives Verhältnis zwischen Mensch und Wasserwesen
  • „Der Fischer“
    $\rightarrow$ allgemein eher negatives Verhältnis zwischen Menschen und Wasserwesen
    $\rightarrow$ da Fischer Meereswesen tötet, will sich Nixe rächen
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Login
Lösungen
Download als Dokument:PDF

Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
  • Gottfried Keller: Winternacht
  • Carl Gustav Carus: Psyche. Zur Entwicklung der Seele.
  • Johann Wolfgang von Goethe: Der Fischer

Teilaufgabe 1

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht „Winternacht“ von Gottfried Keller. Überprüfe dabei, inwiefern die in Carl Gustav Carus' Text formulierte Aussage für die Interpretation des Gedichtes zutrifft.
In dem Gedicht Winternacht von Gottfried Keller werden die geheimen Wünsche oder Sehnsüchte eines Menschen, die im Unterbewusstsein verborgen sind und nun zum Vorschein kommen, thematisiert. Zentrum dieser Thematik ist die Begegnung des lyrischen Ichs mit einer Nixe während einer winterlichen Nacht.
Inhaltlich gesehen geht es um das lyrische Ich, dass während einer Winternacht spazieren geht. Die Welt scheint erstarrt, nur im See bemerkt es eine Bewegung. Daraufhin sieht es einen Seebaum aufsteigen, an welchem eine Nixe empor klettert. Diese Begegnung mit der Nixe geht dem lyrischen Ich nicht mehr aus dem Kopf. Winternacht besteht aus vier Strophen mit jeweilgs vier Versen, die im Kreuzreim geschrieben sind und in einer männlichen Kadenz enden. Das Metrum wird von einem fünfhebigen Trochäus beschrieben. Die Zeilen sind jeweils identisch, jeder Vers besteht aus einem Hauptsatz; dies unterstützt zusammen mit dem Metrum die im Gedicht beschriebene Winterstarre, weil die Verse selbst starr wirken. Keller löst diesen Zeilenstil im Verlauf des Gedichts jedoch auf. In den letzten beiden Versen besteht wieder der bestimmte Zeilenstil. Dies korrespondiert mit dem Inhalt: beim Kontaktversuch der Nixe wird versucht, die Verse durch Enjambements zu verschmelzen. Doch dies scheitert am Metrum, beziehungsweise der Kontaktversuch der Nixe scheitert am Eis. Bereits im ersten Vers wird versucht, das Metrum zu durchbrechen. Das Aufbegehren gegen das Metrum kann als Etablierungsversuch des eigentlichen Metrums gesehen werden. Das kann ein Hinweis an den Leser sein, besondere Aufmerksamkeit zu zollen, um auf das Ungewöhnliche vorzubereiten. Allerdings kann auch angebracht werden, dass im Metrum des ersten Verses der Grundkonflikt des Gedichts ausgetragen wird. Bis auf die letzte Strophe sind auch alle Strophen in der Zeitform der Vergangenheit geschrieben.
Gottfried Keller baut in seiner ersten Strophe das Bild der schon im Titel genannten Winternacht auf. Durch den Satzbau und das Metrum wird dieses Bild der starren Winternacht zusätzlich unterstützt. Die Welt scheint erstarrt und unbewegt. Auch die Farben wirken kalt: der weiße Schnee steht gegenüber der schwarzen Nacht. Insgesamt erscheint der Ort wenig einladend. Die Personifikationen „[…] Flügelschlag ging […]“ (V. 1); „[…] lag der weiße Schnee“ (V. 2); „[…] Wölklein hing […]“(V. 3);„[…] Welle schlug […]“ (V. 4) dienen der Veranschaulichung der Situation und der Umwelt. Die Anapher „Nicht ein […]. Nicht ein […]“ (V. 1-3) betont dabei die Struktur des Gedichts und wirkt für den Leser einprägend. Auch der s-Laut der Alliteration „[…] schlug im starren See […]“ (V. 4) betont die Starrheit der Winterlandschaft und verdeutlicht das Bildnis zusätzlich, genauso wie die oftmals wiederholte Negation „Nicht ein […].“ (V. 1), die die nächtliche Szenerie in Kontrast zum lebendigeren Tag setzt.
In der zweiten Strophe kommt plötzlich Bewegung in die starre Landschaft, da ein Seebaum aus dem See heraus wächst und eine Nixe daran empor klettert und das lyrische Ich durch die Eisschicht anschaut. Dass die Nixe klettern kann und der Baum unter Wasser wächst lässt zunächst eher auf Traum schließen, der dem Leser als Realität erscheint. Symbolisch steht die Winterlandschaft für die Außenwelt und die Nixe für die Innenwelt des lyrischen Ichs, beziehungsweise für dessen Bewusstsein und dessen Unterbewusstsein. Denn eigentlich sieht das lyrische Ich gar keine Winterlandschaft, sondern die Welt kommt ihm kalt und starr vor. Im Unterbewusstsein des lyrischen Ichs wachsen nun gewisse Wünsche oder Sehnsüchte nach Leben oder dem Ausbruch aus der kalten Welt. Dies hebt die Metapher der grünen Eisschicht (vgl. V. 8) hervor, denn die Farbe Grün steht für das Leben, die Hoffnung und den Frühling. Gleichzeitig steht diese Metapher für die Grenze zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein - beide können nicht ineinander übergreifen. Der Neologismus „Seebaum“ (V. 5) kann zusätzlich als Idee des Unterbewusstseins gesehen werden, gar als Kontrast zur Winternacht, als irrealistischer Traum.
Die dritte Strophe beschreibt, wie das lyrische Ich die Nixe und deren Schönheit betrachtet. Das lyrische Ich steht dabei auf dem Eis des Sees und blickt hinunter, sozusagen in seine eigene Seele oder sein Unterbewusstsein und dadurch erblickt er seine Sehnsüchte und Wünsche. Dabei wirken die Farben recht trostlos - schwarz und weiß -, welche im Gegensatz zum vorherigen Grün stehen. Das lyrische Ich wird sich also niemals seine bunten Träume und Wünsche erfüllen können. Stilistisch versucht Keller durch Enjambements die Verse zu verschmelzen, so wie das Eis schmelzen soll um den Kontakt zwischen dem lyrischen Ich und der Nixe zu erschaffen. Durch das Metrum wird das Enjambement jedoch unterbrochen, weshalb weder die Verschmelzung noch der Kontaktversuch gelingt. Abschließend wird in der vierten Strophe erzählt, wie die Nixe sich am Eis entlang tastet. Sie kann es jedoch nicht durchbrechen und jammert deshalb. Die Metapher „harten Decke“ (V. 9) steht dabei für das dicke Eis, das undurchtrennbar ist und den Wünschen und Träumen gleichzusetzen ist. Dieses Erlebnis hinterlässt einen prägenden Eindruck beim lyrischen Ich, weshalb es das Erlebnis nicht vergessen kann und will. Seine Wünsche dringen also nicht ganz bis zum Bewusstsein durch, bleiben aber im Gedächtnis verankert. Keller nutzt hierfür das Wort „liegen“ (V. 16) als Kompromiss zwischen den Ausdrücken „kommen“ oder „gehen“. Der Wechsel der Zeitform steht für die Rückkehr des lyrischen Ichs in die Realität.
Eine These des deutschen Arztes und Naturphilosophen Carl Gustav Carus besagt, dass „[d]er Schlüssel zur Erkenntniß vom Wesen des bewußten Seelenlebens […] in der Region des Unterbewußtseins [liegt].“. Der größte Teil der Seele ruht im Unterbewusstsein, also auch die Wünsche, Träume und Sehnsüchte. Das Bewusstsein ist hingegen ein kleiner erleuchteter Teil und das Unbewusste ist eine dunkle Tiefe. Carus vergleicht anschließend die Seele mit einem Strom, denn Wünsche, Träume und Sehnsüchte ruhen im Unterbewusstsein und müssen erst an die Oberfläche kommen, damit wir uns ihrer bewusst werden. So trifft Carus' These vollständig auf Kellers Gedicht Winternacht. zu.
Auf den ersten Blick - wie auch der Titel bezeugt - geht es in Kellers Gedicht um eine Winternacht. Doch geht man mehr in die Tiefe des Werkes, so wird klar, dass zum einen eine märchenhafte Welt geschildert wird, zum anderen ein Einblick in die geheimen Wünsche, Sehnsüchte und Träume des lyrischen Ichs. Alle Menschen haben jedoch insgeheim im Unterbewusstsein Wünsche, die zum Bewusstsein aufsteigen müssen, doch nicht sofort greifbar sind. Carl Gustav Carus' Aussage unterstützt diese Hypothese zusätzlich.
#gedichtanalyse#gedichtinterpretation#gottfriedkeller

Teilaufgabe 2

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche ausgehend von deinen Ergebnissen die Gestaltung der Beziehung zwischen Mensch und Wasserwesen in den Gedichten „Winternacht“ von Gottfried Keller und „Der Fischer“ von Johann Wolfgang von Goethe. Berücksichtige dabei sowohl inhaltliche als auch ausgewählte sprachliche Aspekte
Die Ballade Der Fischer von Johann Wolfgang von Goethe, datiert auf das Jahr 1779, thematisiert wie ein Fischer beim Angelns auf eine Nixe trifft, die sich mit ihm unterhält und ihn schließlich auf den Grund des Meeres zieht.
Goethes Ballade beginnt recht harmlos und unspektakulär: Ein Fischer sitzt am Meeresufer und angelt. Er ist vorerst fasziniert von den Bewegungen des Wassers und sinniert über diese. Plötzlich taucht jedoch eine Nixe auf und beginnt ein Streitgespräch mit dem Fischer, da er Meeresbewohner tötet. Schließlich versucht sie, den Fischer ins Meer zu locken; da dieser wie berauscht ist, lässt er sich schließlich von ihr ins Meer ziehen. Formal gesehen besteht die Ballade aus vier Strophen mit jeweils acht Versen, die einen drei- und vierhebigen Jambus als Metrum aufweisen und im Kreuzreim geschrieben sind. Die erste und letzte Strophe sind jeweils im unreinen Reim verfasst.
Als der Fischer am Meer sitzt ist alles ruhig und entspannt. Zäsuren nach dem 2., 4., 6. und 8. Vers der 1., 3. und vierten Strophe verstärken jedoch den Gegensatz der Ruhe und Gespanntheit. Eine gewisse Bewegung entsteht erst, als ein „feuchtes Weib“ (V.8) auftaucht. Goethe belegt die Nixe mit diesem doch recht negativen Ausdruck; er weist so auf die bösen Absichten der Nixe hin. Durch die Metapher „Fischlein“ (V. 13) wird dies deutlich, denn diese Fischlein stehen für die zahlreichen Fischer, die die Nixe bereits in die Tiefen des Meeres gezogen hat. Die Alliteration „Mit Menschenwitz und Menschenlist“ (V. 11) verdeutlicht zusätzlich, dass die List der Nixe eigentlich viel grausamer ist als die der Menschen. Dies wird auch durch den Parallelismus „Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm“ (V. 9,29) klar. Durch den Gesang lockt die Nixe Fischer in die Tiefe, was auf den Leser durch die vielen Wiederholungen einprägsam wirkt. Die Nixe hät den Fischer für einen Mörder und versucht ihn deshalb auf den Grund des Meeres zu locken, indem sie das Meer beschönigt. Die Nixe ist hier eindeutig der aktive Part, der Fischer spricht nicht. Sie fragt ihn, ob nicht sein eigenes Angesicht ihn in die Wellen lockt (vgl. V. 23f.). Das kann darauf hindeuten, dass sich der Fischer die Erscheinung der Nixe nur einbildet, und eigentlich sein eigenes Spiegelbild in den Wellen sieht. Der Fischer wird letztlich ins Wasser hinabgezogen, wenn auch teils aus freiem Willen.
Vergleicht man nun die Beziehung zwischen den Menschen und den Wasserwesen in den beiden Gedichten Winternacht. von Gottfried Keller und Der Fischer von Johann Wolfgang von Goethe, so finden sich einige Parallelen wie auch Unterschiede. Die Nixe in Winternacht taucht eher zufällig auf. Sie lebt in einem See, kann nur jammern, aber nicht sprechen. Sie besitzt zum einen eine „weiße Schönheit“ (V. 12), zum anderen ein „dunkle[s] Antlitz“ (V. 15) und ist somit für den Menschen eine gespenstische Erscheinung sowie eine Art Surrealität. Man kennt außerdem ihre Absichten nicht, und ob sie dem Menschen schaden will. So verkörpert sie doch schließlich die geheimen Wünsche und Sehnsüchte des Menschen. Das Wasserwesen ist hier also eine nicht greifbare Instanz für den Menschen oder das lyrische Ich, da es keinerlei Berührung gibt. Bei der Ballade Der Fischer wird die Nixe von Anfang an negativ konnotiert - sie ist ein „feuchtes Weib“ (V. 7). Sie lebt außerdem im Meer und nicht in einem See, sie kann sprechen und singen und lockt somit Fischer ins Meer. Sie entspricht also der klassischen Beschreibung einer Nixe.Ihr Äußeres wird nicht genau beschrieben. Des Weiteren pflegt die Nixe keine guten Absichten, sondern will eher einen Racheakt verüben, da die Fischer grundsätzlich andere Meereswesen töten. Doch auch sie verkörpert die geheimen Wünsche und Sehnsüchte des Menschen, denn primär ist es der Fischer, der vom Meer so fasziniert ist, dass er sich die Nixe womöglich einbildet und selbst in die Tiefen des Meeres hinabsteigt und dort seinen Tod findet. Wasserwesen hier sind also eine reale Gefahr für den Menschen.
Stellt man die beiden lyrischen Werke gegenüber, so kann man festellen, dass Winternacht. ein eher positives Verhältnis zwischen Menschen und Wasserwesen beschreibt. Das Wasserwesen ist in diesem Gedicht eher ein semi-greifbarer Bestandteil des Unterbewusstseins des lyrischen Ichs. Der Fischer hingegen pflegt ein eher negatives Verhältnis zwischen Mensch und Wasserwesen. Hier beruht der Kontaktversuch darauf, Rache an der Menschheit für ihre Taten gegenüber den Meeresbewohnern zu üben.
#gottfriedkeller#goethe#vergleichen
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Login
Folge uns auf
SchulLV als App