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Aufgabe 2

Aufgaben
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Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Heinrich von Kleist: Amphitryon
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Interpretiere die vorliegende Szene aus Heinrich von Kleists Drama „Amphitryon“. Arbeite dabei vor allem heraus, wie der Diener Sosias im Verlauf des Dialoges die anfängliche Gewissheit über seine Identität verliert.
  2. Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie in einem anderen literarischen Werk die Identiät einer Figur problematisiert wird.
Der Schwerpunkt der Aufgabenstellung liegt auf Teilaufgabe 1.
Vorbemerkung:
Das von Heinrich von Kleist als Lustspiel bezeichnete Drama „Amphitryon“, das in drei Akten einen antiken Sagenstoff aufgreift, ist ein Stück über Verführung und Verwechslung, über Sein und Schein. Göttervater Jupiter beabsichtigt, die Gestalt des thebanischen Feldherrn Amphitryon anzunehmen, um mit dessen Ehefrau Alkmene eine Liebesnacht zu verbringen. Amphitryon selbst befindet sich noch auf dem Schlachtfeld, wird aber am kommenden Tag nach Hause zurückkehren und hat seinen Diener Sosias als Boten vorausgeschickt, um Alkmene seine Heimkehr für den folgenden Tag anzukündigen. Damit Jupiter als Amphitryon die Nacht mit Alkmene verbringen kann, muss er ein Zusammentreffen zwischen Sosias und Alkmene verhindern. Dazu verwandelt sich Merkur als göttlicher Helfer Jupiters in den Diener Sosias. In der folgenden Szene treffen der echte Sosias und Merkur in der Gestalt des Sosias aufeinander. Merkur versucht, auch unter Anwendung von Gewalt, Sosias vom Betreten des Hauses Amphitryons abzuhalten.
#interpretieren#dramenauszug#kleist
Heinrich von Kleist

Amphitryon (1807)

1. Akt, 2. Szene
Merkur tritt in der Gestalt des Sosias aus Amphitryons Haus. Sosias.
$\,$
[…]
MERKUR Du sprachst, du hättest dich Sosias sonst genannt?
SOSIAS Wahr ist's, daß ich bis diesen Augenblick gewähnt,
Die Sache hätte ihre Richtigkeit.
5
Doch das Gewicht hat deiner Gründe[1] mich
Belehrt: ich sehe jetzt, daß ich mich irrte.
MERKUR Ich bin's, der sich Sosias nennt.
SOSIAS Sosias -?
Du -?
10
MERKUR Ja Sosias. Und wer Glossen macht[2],
Hat sich vor diesem Stock in Acht zu nehmen.
SOSIAS für sich: Ihr ew’gen Götter dort! So muß ich auf
Mich selbst Verzicht jetzt leisten, mir von einem
Betrüger meinen Namen stehlen lassen?
15
MERKUR Du murmelst in die Zähne, wie ich höre?
SOSIAS Nichts, was dir in der Tat zu nahe träte,
Doch bei den Göttern allen Griechenlands
Beschwör’ ich dich, die dich und mich regieren,
Vergönne mir, auf einen Augenblick,
20
Daß ich dir offenherz’ge Sprache führe.
MERKUR Sprich.
SOSIAS Doch dein Stock wird stumme Rolle spielen?
Nicht von der Unterhaltung sein? Versprich mir,
Wir schließen Waffenstillstand.
25
MERKUR Gut, es sei.
Den Punkt bewill’g’ ich.
SOSIAS Nun so sage mir,
Wie kommt der unerhörte Einfall dir,
Mir meinen Namen schamlos wegzugaunern?
30
Wär’ es mein Mantel, wär’s mein Abendessen;
Jedoch ein Nam’! Kannst du dich darin kleiden?
Ihn essen? trinken? oder ihn versetzen?
Was also nützet dieser Diebstahl dir?
MERKUR Wie? Du – du unterstehst dich?
35
SOSIAS Halt! halt! sag ich.
Wir schlossen Waffenstillstand.
MERKUR Unverschämter!
Nichtswürdiger!
SOSIAS Dawider hab ich nichts.
40
Schimpfwörter mag ich leiden, dabei kann ein
Gespräch bestehen.
MERKUR Du nennst dich Sosias?
SOSIAS Ja, ich gesteh’s, ein unverbürgtes
Gerücht hat mir –
45
MERKUR Genug. Den Waffenstillstand
Brech’ ich, und dieses Wort hier nehm’ ich wieder[3].
SOSIAS Fahr’ in die Höll’! Ich kann mich nicht vernichten,
Verwandeln nicht, aus meiner Haut nicht fahren,
Und meine Haut dir um die Schultern hängen.
50
Ward, seit die Welt steht, so etwas erlebt?
Träum’ ich etwa? Hab ich zur Morgenstärkung
Heut mehr, als ich gewöhnlich pfleg’, genossen?
Bin ich mich meiner völlig nicht bewußt?
Hat nicht Amphitryon mich hergeschickt,
55
Der Fürstin seine Rückkehr anzumelden?
Soll ich ihr nicht den Sieg, den er erfochten,
Und wie Pharissa überging[4], beschreiben?
Bin ich so eben nicht hier angelangt?
Halt’ ich nicht die Laterne? Fand ich dich
60
Vor dieses Hauses Tür herum nicht lungern,
Und als ich mich der Pforte nähern wollte,
Nahmst du den Stock zur Hand nicht, und zerbläutest[5]
Auf das unmenschlichste den Rücken mir,
Mir ins Gesicht behauptend, daß nicht ich,
65
Wohl aber du Amphitryons Diener seist.
Das Alles, fühl ich, leider, ist zu wahr nur;
Gefiel’s den Göttern doch, daß ich besessen wäre.
MERKUR Halunke, sieh, mein Zorn wird augenblicklich,
Wie Hagel wieder auf dich niederregnen!
70
Was du gesagt hast, Alles, Zug vor Zug[6],
Es gilt von mir: die Prügel ausgenommen.
SOSIAS Von dir? – Hier die Laterne, bei den Göttern,
Ist Zeuge mir –
MERKUR Du lügst, sag’ ich, Verräter.
75
Mich hat Amphitryon hieher geschickt.
Mir gab der Feldherr der Thebaner gestern,
Da er vom Staub der Mordschlacht noch bedeckt,
Dem Temp’l enttrat, wo er dem Mars[7] geopfert,
Gemeßnen Auftrag[8], seinen Sieg in Theben,
80
Und daß der Feinde Führer Labdakus
Von seiner Hand gefallen, anzukünd’gen;
Denn ich bin, sag’ ich dir, Sosias,
Sein Diener, Sohn des Davus, wackern Schäfers
Aus dieser Gegend, Bruder Harpagons,
85
Der in der Fremde starb, Gemahl der Charis,
Die mich mit ihren Launen wütend macht;
Sosias, der im Türmchen saß[9], und dem man
Noch kürzlich funfzig auf den Hintern zählte,
Weil er zu weit die Redlichkeit getrieben[10].
90
SOSIAS für sich: Da hat er Recht! Und ohne daß man selbst
Sosias ist, kann man von dem, was er
Zu wissen scheint, nicht unterrichtet sein.
Man muß, mein Seel, ein Bißchen an ihn glauben.
Zu dem, da ich ihn jetzt ins Auge fasse,
95
Hat er Gestalt von mir und Wuchs und Wesen
Und die spitzbübsche Miene, die mir eigen.
– Ich muß ihm ein Paar Fragen tun, die mich
Aufs Reine bringen[11].
laut: Von der Beute,
100
Die in des Feindes Lager ward gefunden,
Sagst du mir wohl, wie sich Amphitryon
Dabei bedacht, und was sein Anteil war?
MERKUR Das Diadem ward ihm des Labdakus[12],
Das man im Zelt desselben aufgefunden.
105
SOSIAS Was nahm mit diesem Diadem man vor?
MERKUR Man grub den Namenszug Amphitryons
Auf seine goldne Stirne[13] leuchtend ein.
SOSIAS Vermutlich trägt er’s selber jetzt –?
MERKUR Alkmenen
110
Ist es bestimmt. Sie wird zum Angedenken
Des Siegs den Schmuck um ihren Busen tragen.
SOSIAS Und zugefertigt[14] aus dem Lager wird
Ihr das Geschenk –?
MERKUR In einem goldnen Kästchen,
115
Auf das Amphitryon sein Wappen drückte.
SOSIAS für sich: Er weiß um Alles. – Alle Teufel jetzt!
Ich fang im Ernst an mir zu zweifeln an.
Durch seine Unverschämtheit ward er schon
Und seinen Stock, Sosias, und jetzt wird er,
120
Das fehlte nur, es auch aus Gründen noch.
Zwar wenn ich mich betaste, wollt’ ich schwören,
Daß dieser Leib Sosias ist
– Wie find ich nun aus diesem Labyrinth? –
Was ich getan, da ich ganz einsam war,
125
Was Niemand hat gesehn, kann Niemand wissen,
Falls er nicht wirklich Ich ist, so wie ich.
– Gut, diese Frage wird mir Licht verschaffen.
Was gilt’s? Dies fängt ihn – nun wir werden sehn.
laut: Als beide Heer’ im Handgemenge waren,
130
Was machtest du, sag’ an, in den Gezelten[15],
Wo du gewußt, geschickt dich hinzudrücken[16]?
MERKUR Von einem Schinken –
SOSIAS für sich: Hat den Kerl der Teufel –?
MERKUR Den ich im Winkel des Gezeltes fand,
135
Schnitt ich ein Kernstück mir, ein saftiges,
Und öffnete geschickt ein Flaschenfutter[17],
Um für die Schlacht, die draußen ward gefochten,
Ein wenig Munterkeit mir zu verschaffen.
SOSIAS für sich: Nun ist es gut. Nun wär’s gleich viel, wenn mich
140
Die Erde gleich von diesem Platz verschlänge,
Denn aus dem Flaschenfutter trinkt man nicht,
Wenn man, wie ich, zufällig nicht im Sacke
Den Schlüssel, der gepaßt, gefunden hätte[18].
laut: Ich sehe, alter Freund, nunmehr, daß du
145
Die ganze Portion Sosias bist,
Die man auf dieser Erde brauchen kann.
Ein Mehreres scheint überflüssig mir.
Fern sei mir, den Zudringlichen zu spielen,
Und gern tret’ ich vor dir zurück. Nur habe die
150
Gefälligkeit für mich, und sage mir,
Da ich Sosias nicht bin, w e r ich bin?
Denn e t w a s, gibst du zu, muß ich doch sein.
MERKUR Wenn ich nicht mehr Sosias werde sein,
Sei du’s, es ist mir recht, ich will’ge drein.
155
Jedoch so lang’ ich’s bin, wagst du den Hals,
Wenn dir der unverschämte Einfall kommt.
SOSIAS Gut, gut. Mir fängt der Kopf zu schwirren an,
Ich sehe jetzt, mein Seel’, wie sichs verhält,
Wenn ich’s auch gleich noch völlig nicht begreife.
160
Jedoch – die Sache muß ein Ende nehmen;
Und das Gescheideste, zum Schluß zu kommen,
Ist, daß ich meiner Wege geh’. – Leb wohl.
[…]


[1] Merkur hat Sosias gerade mit einem Stock verprügelt
[2] wer Glossen macht: wer etwas dagegen sagt, eine Bemerkung macht
[3] dieses Wort hier nehm' ich wieder: Er nimmt die Zusage des „Waffenstillstandes“ zurück
[4] wie Pharissa überging: wie die Stadt Pharissa von Amphitryon erobert wurde
[5] zerbläuen: verprügeln, grün und blau schlagen
[6] Zug vor Zug: Punkt für Punkt, in allen Einzelheiten
[7] Mars: römischer Gott des Krieges
[8] Gemeßnen Auftrag: der Sosias zugedachte, ehrenvolle Auftrag
[9] im Türmchen saß: im Gefängnis saß
[10] Merkur spielt offensichtlich auf eine unlängst an Sosias vollzogene Prügelstrafe an.
[11] Aufs Reine bringen: Klarheit verschaffen
[12] Das Diadem ward ihm des Labdakus: Er hat das Diadem des Labdakus an sich genommen
[13] goldne Stirne: auf der Vorderseite des Diadems
[14] zugefertigt: überbracht
[15] in den Gezelten: in den Zelten
[16] hinzudrücken: zu verstecken
[17] Flaschenfutter: verschließbarer Stoffbehälter für einen Weinbeutel
[18] Denn aus dem […] hätte: Sosias hat heimlich einen verschlossenen Weinbeutel geöffnet und aus diesem getrunken.
Aus: Heinrich von Kleist: Amphitryon, in ders., Sämtliche Werke und Briefe in vier Bänden, hrsg. von Ilse-Marie Barth u. a., Bd. 1: Dramen 1802-1807, hrsg. von Ilse-Marie Barth und Heinrich C. Seeba, Frankfurt/M. 1991, S. 391-395.
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Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Heinrich von Kleist: Amphitryon (1807)

Teilaufgabe 1

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere die vorliegende Szene aus Heinrich von Kleists Drama „Amphitryon“. Arbeite dabei vor allem heraus, wie der Diener Sosias im Verlauf des Dialogs die anfängliche Gewissheit über seine Identität verliert.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, lies dir aufmerksam die Szene aus „Amphitryon“ durch, markiere dir wichtige Stellen und mache dir Notizen. Überlege dir eine vorläufige Deutungshypothese.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen Basissatz, in welchem du die wichtigsten Informationen zu dem Drama nennst, sowie auch eine kurze Inhaltsangabe über das Stück wiedergibst.
Basissatz
  • Titel: Amphitryon
  • Autor: Heinrich von Kleist
  • Erscheinungsjahr: 1807
  • Inhalt: Das als Lustspiel bezeichnete Drama Amphitryon ist ein Stück über Verführung und Verwechslung, über Sein und Schein. Im Stück möchte Jupiter Alkeme, die Ehefrau des Feldherren Amphitryon, verführen und in Gestalt Amphitryons eine Liebesnacht mit ihr verbringen. Um den Diener Sosias zu verwirren, welcher sich gerade auf dem Weg zu Alkeme befindet, schickt Jupiter seinen göttlichen Helfer Merkur, der sich in Sosias verwandelt.
  • Deutungshypothese: Während seinem Gespräch mit Merkur verliert der Diener Sosias die anfängliche Gewissheit über seine eigene Identität.

Hauptteil

Im Hauptteil fasst du zunächst die zu interpretierende Szene zusammen und interpretierst sie anschließend im Hinblick auf Sosias Identitätsverlust.
Zusammenfassung
  • Merkur, in der Gestalt Sosias, trifft auf Amphitryons Diener Sosias
  • Merkur versucht, auch unter Anwendung von Gewalt, Sosias vom Betreten des Hauses Amphitryons abzuhalten
  • Merkur will in Sosias Zweifel über seine Identität wecken
  • Dialog entwickelt sich, durch welchen Sosias immer mehr seine Identität in Frage stellt
  • Merkur gelingt sein Vorhaben, Sosias gibt auf
Inhaltliche Analyse
  • „[…] ich seh jetzt, daß ich mich irrte.“ (Z. 6)
    $\rightarrow$ zu Beginn der Szene ist Sosias durch Merkurs Schläge verunsichert
  • „Sosias -? Du -?“ (Z.8-9)
    $\rightarrow$ Sosias ist verwirrt, als Merkur behauptet, dass er Sosias heißt
  • „Wie kommt der unerhörte Einfall dir, Mir meinen Namen schamlos wegzugaunern?“ (Z. 28 ff)
    $\rightarrow$ Sosias wird über Namensraub wütend, was er durch rhetorische Fragen äußert, woraufhin ihn Merkur beleidigt und ihm mit Schlägen droht, um Sosias noch mehr zu verunsichern
  • „Träum' ich etwa?“ (Z. 51)
    $\rightarrow$ Sosias ist zunehmend verwirrter und geht das zuvor Geschehene nochmals laut durch; fühlt sich wie in einem Traum
  • „Das Alles, fühl ich, leider, ist zu wahr nur; Gefiel's den Göttern doch, daß ich besessen wäre.“ (Z. 66-67)
    $\rightarrow$ Sosias fühlt, dass er der richtige Sosias ist, er ist jedoch verunsichert und nicht sicher ob er träumt oder gar besessen ist
  • Merkur wiederholt daraufhin selbst nochmals Sosias Geschichte sowie Amphitryons Auftrag, von welchem aber eigentlich nur der echte Sosias wissen kann; Merkur weiß davon durch seine göttlichen Kräfte
  • durch Erzählung von Sosias Herkunft verunsichert er Sosias zunehmend, da ein Fremder davon ebenfalls nichts wissen kann
  • „Da hat er Recht! Und ohne daß man selbst Sosias ist, kann man von dem, was er zu wissen scheint, nicht unterrichtet sein.“ (Z. 90 ff)
    $\rightarrow$ Sosias beginnt mit inneren Monologen, um Merkur seine Zweifel nicht zu offenbaren; da Merkur auch sein Aussehen angepasst hat, um den Schein zu wahren, will Sosias ihm Fragen stellen, um sicher zu sein, dass Merkur der echte Sosias ist
  • „Er weiß um alles. […] Ich fang im Ernst an mir zu zweifeln an.“ (Z. 116 -117)
    $\rightarrow$ da Merkur alle Fragen korrekt beantworten konnte, fängt Sosias an, in seiner Identität zu schwanken; er ist jedoch noch nicht überzeugt, dass Merkur der wahre Sosias ist
  • „Durch seine Unverschämtheit […] und seinen Stock […] auch aus Gründen noch.“ (Z. 118 ff)
    $\rightarrow$ Sosias war zunächst entrüstet, dass Merkur durch Unverschämtheit und Schläge seine Identität rauben kann; nun kann er ihm jedoch logische Gründe nennen
  • „Was Niemand hat gesehn, kann Niemand wissen, falls er nicht wirklich Ich ist, so wie ich.“ (Z. 125 - 126)
    $\rightarrow$ Sosias beschließt in einem inneren Monolog, Merkur mit einer List in die Enge zu treiben; er stellt ihm eine Frage, die niemand außer Sosias beantorten kann; es wird auch deutlich, dass Sosias weiß, dass er auch tatsächlich selbst Sosias ist
  • Merkur kann jedoch auch diese Frage dank seiner göttlichen Kräfte wahrheitsgetreu beantworten
  • „[…] da ich Sosias nicht bin, wer ich bin?“ (Z. 151)
    $\rightarrow$ Sosias gibt nun zu, einsehen zu müssen, dass er nicht der wahre Sosias sein kann; er fragt sich jedoch, wer er dann ist
  • Merkur kann ihm darauf keine befriedigende Antwort geben, da Sosias immer noch er selbst ist, und von Merkur seiner Identität beraubt wurde
  • „Jedoch - die Sache muß ein Ende nehmen; […]“ (Z. 160 ff)
    $\rightarrow$ zum Schluss gibt Sosias das Gespräch auf, da er sonst noch seinen Verstand verlieren würde; jedoch kann man vermuten, dass er von Merkur immer noch nicht überzeugt ist
Formale Analyse
  • Alliteration: „Wuchs und Wesen“ (Z. 95)
    $\rightarrow$ Sosias will dem Leser verdeutlichen, wie ähnlich er und Merkur sich sehen
  • Anapher: „Nun ist es gut. Nun wär's gleich […]“ (Z. 139)
    $\rightarrow$ Sosias beginnt zu resignieren; er verliert die Gewissheit über seine Identität
  • Rhetorische Fragen: „Kannst du dich darin kleiden? Ihn essen? trinken? oder ihn versetzen?“ (Z. 31 ff)
    $\rightarrow$ Sosias erwartet von Merkur keine Antworten auf diese Fragen, da er die Antworten schon kennt; drückt Sosias Unmut über Namensraub aus
  • Metapher: „Ich kann mich nicht vernichten, verwandeln nicht, aus meiner Haut nicht fahren, und meine Haut dir um die Schultern hängen.“ (Z. 47 ff)
    $\rightarrow$ vergleichbar mit dem Ausdruck „Aus der Haut fahren“ , „[…] wird mir Licht verschaffen.“ (Z. 127)
    $\rightarrow$ steht für Sosias Unverständnis, wie er jemandem seine Identität übergeben soll; man kann seine Identität nicht wie einen Mantel abstreifen und einem anderen geben
    $\rightarrow$ soll Sosias „Klarheit“ verschaffen
  • Labyrinth als Sinnbild (Z. 124)
    $\rightarrow$ steht für Verwirrung Sosias, aus der er nicht mehr herauszufinden scheint

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du am Schluss nochmals deine Ergebnisse zusammenfasst.
  • Sosias verliert durch Allwissenheit Merkurs die Gewissheit über seine Identität
  • durch Merkurs Argumentation wird Sosias verunsichert und gibt am Ende auf
  • jedoch nicht sicher, ob er Merkur wirklich glaubt oder die Diskussion nur beendet, um seinen Verstand nicht völlig zu verlieren

Teilaufgabe 2

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie in einem anderen literarischen Werk die Identität einer Figur problematisiert wird.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, überlege dir ein literarisches Werk, in welchem ebenfalls die Identität einer Figur problematisiert wird.
$\rightarrow$ Das Werk „Die Verwandlung“ von Franz Kafka ist in diesem Fall als ein Beispiel gewählt. Natürlich gibt es noch andere Werke, die du nach dem selben Schema vergleichen kannst.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen Basissatz, in welchem du die wichtigsten Informationen zu deinem Vergleichswerk nennst. Fasse in 2-3 Sätzen den Inhalt des Werks zusammen.
Basissatz
  • Titel: Die Verwandlung
  • Autor: Franz Kafka
  • Inhalt: Die Geschichte handelt von Gregor Samsa, dessen plötzliche Verwandlung in ein Ungeziefer die Kommunikation seines sozialen Umfelds mit ihm immer mehr hemmt, bis er von seiner Familie aus Ekel vor ihm entmenschlicht wird und er schließlich daran zugrunde geht.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend aufzeigen, wie in deinem gewählten Werk die Identität einer Figur problematisiert wird. Beschreibe den Prozess des Verlusts der Identität.
Verlust der Identität
  • Gregor Samsa verwandelt sich über Nacht in einen Käfer
  • sein soziales Umfeld ekelt sich vor ihm und er bleibt in sein Zimmer eingeschlossen
  • Gregor ist nicht fähig, mit seiner Familie zu kommunizieren
    $\rightarrow$ weshalb Gregor im Verlauf der Geschicht oft psychisch und physisch verletzt wird
  • seine Familie sieht irgendwann nicht mehr Gregor Samsa in ihm, sondern ein Ungeziefer, weshalb er auch nur noch wie ein Tier behandelt wird und seine Identität als Mensch verliert
  • aufgrund dieser Entmenschlichung stirbt Gregor Samsa am Ende
Vergleich der Werke
$\blacktriangleright$ Amphitryon
  • Identitäsdiebstahl durch Merkur
    $\rightarrow$ Merkur verwandelt sich selbst in Sosias
  • Verunsicherung Sosias' durch Diskussion mit Merkur
    $\rightarrow$ Merkur versucht Sosias durch Gewalt einzuschüchtern
    $\rightarrow$ da Gewalt nicht viel bringt, versucht Merkur Sosias durch seine Allwissenheit zu überzeugen
  • durch Merkurs Allwissenheit verliert Sosias Gewissheit über seine eigene Identität und weiß nicht mehr wer er ist
    $\rightarrow$ Merkur weiß Dinge, wie Herkunft, Geburt und den Auftrag Amphitryons, über die nur der echte Sosias Bescheid wissen kann
    $\rightarrow$ Sosias versucht, Merkur durch List zu täuschen; es gelingt ihm jedoch nicht
  • Sosias wird nicht wirklich seiner Identität beraubt, da er immer noch er selbst ist
    $\rightarrow$ fällt jedoch auf Täuschung Merkurs herein, weshalb er sich seiner Identität beraubt fühlt
  • Sosias stirbt nicht durch Identitätsverlust
  • Sosias besitzt noch seinen menschlichen Körper; ihm wird nur der Name gestohlen
$\blacktriangleright$ Die Verwandlung
  • Gregor Samsa verliert zunächst seinen Körper und erwacht als Käfer
  • durch Angst und Ekel wird Gregor ausgegrenzt von seinem sozialen Umfeld
  • es kommt durch Kommunikationsstörungen zu physischen und psychischen Verletzungen Gregors
  • Gregors soziale Identität wird durch seine Familie verleugnet; ihm wird die Identität eines Käfers zugewiesen
  • Gregor stirbt letztendlich an seinem Identitätsverlust
  • Gregor verwandelt sich in einen Käfer und verliert seinen menschlichen Körper; ihm wird sein Name nicht gestohlen
    $\rightarrow$ wird von Schwetser immer noch Gregor genannt

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du zum Schluss deine Ergebnisse nochmals in einem Fazit zusammenfasst.
  • Amphitryon
    $\rightarrow$ Identitätsverlust durch Kommunikation mit höherer Instanz (Merkur)
    $\rightarrow$ kein wirklicher Identitätsverlust, da Sosias zweifelt und immer noch er selbst ist
    $\rightarrow$ Sosias beendet das Gespräch bevor er daran geistig zugrunde geht
  • Die Verwandlung
    $\rightarrow$ Identitätsverlust ist real, da durch Verwandlung keine Kommunikation mehr möglich ist
    $\rightarrow$ Gregor ist geistig zwar noch die selbe Person wie früher, körperlich jedoch nicht mehr
    $\rightarrow$ wird seiner Identität nicht beraubt, sondern sie wird ihm abgesprochen von sozialem Umfeld
    $\rightarrow$ Gregor weiß noch wer er ist, kann es jedoch nicht kommunizieren
    $\rightarrow$ Gregor geht an seinem Identitätsverlust psychisch und physisch zugrunde und stirbt
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Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Heinrich von Kleist: Amphitryon (1807)

Teilaufgabe 1

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere die vorliegende Szene aus Heinrich von Kleists Drama „Amphitryon“. Arbeite dabei vor allem heraus, wie der Diener Sosias im Verlauf des Dialogs die anfängliche Gewissheit über seine Identität verliert.
Das als Lustspiel bezeichnete Drama Amphitryon von Heinrich von Kleist, datiert auf das Jahr 1807, ist ein Stück über Verführung und Verwechslung, über Sein und Schein. Im Stück möchte Jupiter Alkeme, die Ehefrau des Feldherren Amphitryon, verführen und in Gestalt Amphitryons eine Liebesnacht mit ihr verbringen. Um den Diener Sosias zu verwirren, welcher sich gerade auf dem Weg zu Alkeme befindet, schickt Jupiter seinen göttlichen Helfer Merkur, der sich in Sosias verwandelt. Während seines Gesprächs mit Merkur verliert der Diener Sosias die anfängliche Gewissheit über seine eigene Identität.
In der vorliegenden Szene tritt Merkur in der Gestalt Sosias' auf und trifft auf Amphitryons Diener Sosias. Merkur versucht, auch unter Anwendung von Gewalt, Sosias vom Betreten des Hauses Amphitryons abzuhalten. Er will in Sosias Zweifel über dessen Identiät wecken - durch den sich entwickelnden Dialog stellt Sosias immer mehr seine Identität in Frage. Letztlich gelingt Merkur sein Vorhaben und Sosias gibt auf.
Zu Beginn der Szene ist Sosias durch Merkurs Schläge verunsichert: „[…] ich seh jetzt, daß ich mich irrte.“ (Z. 6). Er ist regelrecht verwirrt, als Merkur behauptet, dass Sosias heißt (vgl. Z. 8f.). Über diesen Namensraub ist Sosias wütend, was er durch rhetorische Fragen äußert („Wie kommt der unerhörte Einfall dir, Mir meinen Namen schamlos wegzugaunern?“ (Z. 28ff.)). Daraufhin beleidigt Merkur Sosias und droht ihm mit Schlägen, um ihn zusätzlich zu verunsichern. Sosias wird zunehmend verwirrter, fragt sich, ob er gar träume (vgl. Z. 51) und geht das zuvor Geschehne nochmals laut durch. Doch Sosias fühlt, dass er der echte Sosias ist und dass das, was gerade passiert, der Realität entspricht und fragt sich aber gleichzeitig, ob die Götter sich wünschen, er wäre besessen (vgl. Z. 66ff.). Merkur wiederholt daraufhin selbst nochmals Sosias' Geschichte sowie Amphitryons Auftrag, von welchem aber eigentlich nur der echte Sosias wissen kann; Merkur weiß davon durch seine göttlichen Kräfte. Durch die Erzählung von Sosias' Herkunft verunsichert er Sosias zunehmend, da ein Fremder ja kaum davon wissen kann. Denn „ […] ohne daß man selbst Sosias ist, kann man von dem, was er zu wissen scheint, nicht unterrichtet sein.“ (Z. 90ff.). Sosias beginnt sogar mit inneren Monologen, um Merkur seine Zweifel nicht zu offenbaren. Da Merkur auch sein Aussehen angepasst hat, um den Schein zu wahren, will Sosias ihm Fragen stellen, um sicher zu sein, dass Merkur der echte Sosias ist. Durch die korrekte Beantwortung aller Fragen von Sosias fängt dieser an, in seiner Identität zu schwanken. Trotzdem ist er nicht davon überzeugt, dass Merkur der wahre Sosias ist (vgl. Z. 116f.). Sosias gewinnt an Erkenntnis im Laufe des Dialogs: zunächst war er darüber entrüstet, dass Merkur durch Unverschämtheit und Schläge seine Identität rauben kann, nun kann er ihm jedoch logische Gründe dafür nennen. Sosias beschließt letztlich in einem inneren Monolog, Merkur mit einer List in die Enge zu treiben. Er stellt ihm eine Frage, die niemand außer Sosias selbst beantorten kann; hier wird auch deutlich, dass Sosias weiß, dass er auch tatsächlich selbst Sosias ist. Doch wieder fällt Sosias auf die göttliche Allwissenheit Merkurs hinein. Als Merkur die Frage richtig beantwortet, fragt sich Sosias, wer er denn sei, wenn er doch nicht Sosias sei (vgl. Z. 151). Merkur kann ihm darauf keine befriedigende Antwort geben, da Sosias immer noch er selbst ist, und von Merkur seiner Identität beraubt wurde. Zum Schluss gibt Sosias das Gespräch auf, da er sonst noch seinen Verstand verlieren würde; jedoch kann man vermuten, dass er von Merkur immer noch nicht überzeugt ist.
Der verwirrende Dialog wird durch diverse Stilmittel unterstützt. So will Sosias dem Leser durch die Alliteration „Wuchs und Wesen“ (Z. 95) verdeutlichen, wie ähnlich er und Merkur sich sehen. Seinen Unmut über den Namensraub drückt er wie bereits erwähnt über rhetorische Fragen aus. Für Sosias ist es schlichtweg unlogisch, dass jemand anderes seine Identität haben kann, was er über die Metapher „Ich kann mich nicht vernichten, verwandeln nicht, aus meiner Haut nicht fahren, und meine Haut dir um die Schultern hängen.“ (Z. 47 ff.) versucht, deutlich zu machen. Er hält es nicht für möglich, die Identität einfach wie einen Mantel abzustreifen. Doch der Leser merkt, wie Sosias allmählich beginnt zu resignieren, er verliert die Gewissheit über seine Identität, was die Anapher „Nun ist es gut. Nun wär's gleich […]“ (Z. 139) zeigt. Schlussendlich steht das Labyrinth als symbolisches Sinnbild für Sosias' Verwirrung, und seiner Suche nach seiner eigentlichen Identität, aus der er nicht mehr herauszufinden scheint.
Insgesamt kann man die vorliegende Szene als Machtspiel eines Gottes über einen banalen Menschen beschreiben. Durch die Allwissenheit Merkurs verliert Sosias die Gewissenheit über seine Identität. Doch durch Merkurs Argumentation wird Sosias verunsichert und gibt am Ende auf. Es ist jedoch nicht sicher, ob er Merkur wirklich glaubt oder die Diskussion nur beendet, um seinen Verstand nicht völlig zu verlieren.
#kleist#dramenauszug#interpretieren

Teilaufgabe 2

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie in einem anderen literarischen Werk die Identität einer Figur problematisiert wird.
Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung handelt von Gregor Samsa, dessen plötzliche Verwandlung in ein Ungeziefer die Kommunikation seines sozialen Umfelds mit ihm immer mehr hemmt, bis er von seiner Familie aus Ekel vor ihm entmenschlicht wird und er schließlich daran zugrunde geht. Gregor verliert also seine Identität immer mehr und empfindet sich letztlich immer mehr als Käfer.
Gregor Samsa verliert quasi über Nacht seine menschliche Identität, denn am nächsten Morgen wacht er als Käfer auf. Sein soziales Umfeld ekelt sich vor ihm und er bleibt daraufhin meistens in seinem Zimmer eingeschlossen. Außerdem ist er nicht dazu fähig, mit seiner Familie zu kommunizieren, wodurch er zusätzlich leidet. Seine Familie sieht irgendwann nicht mehr Gregor Samsa in ihm, sondern ein Ungeziefer, weshalb er auch nur noch wie ein Tier behandelt wird und seine Identität als Mensch verliert. Durch sein Dasein als Käfer kann er auch nicht mehr seiner Arbeit nachgehen. Zuvor war Gregor als Handlungsreisender tätig, der mit seinem Einkommen die Familie ernährte und deren Lebensstil finanzierte. Er war stolz auf diese Tatsache, doch nun, da diese Fähigkeit ihm genommen wurde, verliert er noch größere Teile seiner Identität. Doch der Verlust Gregors Identität findet in Teilen schon vor seiner Verwandlung statt. Er lebt nur für andere, also seine Familie. Er gibt alles für sie auf: den Respekt, dem ihm damals als Soldat entgegen gebracht wurde, ein potentielles soziales Leben mit Freunden, das er nicht führen kann, weil er so viel arbeiten muss. Als es zunehmend schlechter bei der Arbeit läuft, reagiert auch Gregors Familie zunehmend distanzierter. Einzig seine Schwester Grete kommuniziert noch auf herzliche Weise mit ihm. Seinen Identitätsverlust nimmt er nicht einmal als solchen mehr wahr, sondern akzeptiert ihn eher stillschweigend. So will er wie zuvor am Frühstück teilnehmen und zur Arbeit gehen. Er denkt gar, dass er seine Verwandlung wieder irgendwie rückgängig machen kann. Generell hat Gregor eigentlich keine Identität, er ist nicht mit sich eins, sondern wandelt sich nach Begebenheit. Als Käfer will er so wenig Umstände wie möglich machen, er versteckt sich, so dass seine Familie ihn nicht ansehen muss und er ist tatsächlich noch dankbar, dass seine Familie seine Zimmertür für ein paar Stunden abends offen lässt, damit er von außen dem Familienleben zuschauen kann. Die unwürdige Behandlung, die er durch die Familie erfährt, akzeptiert er in weiten Teilen und stellt nur kleinstmögliche Ansprüche. Schlimmer noch, er gewöhnt sich an sein Dasein als Käfer, seine Identität (die auch vorher nur verstümmelt vorhanden war) wandelt sich in die eines Käfers. Er kriecht gerne Wände hoch und findet Geschmack an Abfall. Beim Violinenspiel seiner Schwester fragt er sich sogar, ob er nun wirklich ein Tier sei. Dennoch möchte er seine Menschlichkeit bewahren: Als sich die Schwester in den Kopf gesetzt hat, Möbel aus Gregors Zimmer herauszuräumen, empfindet Gregor dies nach anfänglicher Zustimmung als Beraubung seiner Andenken und damit seiner menschlichen Vergangenheit, er ist sogar bereit, seiner Schwester ins Gesicht zu springen, um seine Identität zu wahren. Als er einsieht, dass er nur noch eine Last für seine Familie ist, stirbt Gregor bereitwillig.
Im Lustspiel Amphitryon von Heinrich Kleist erleidet eine Figur auch eine Art Verlust der Identität. Dem Diener Sosias wird die Identität durch Merkur gestohlen. So verwandelt sich dieser selbst in Sosias. Durch eine Diskussion mit Merkur wird der wahre Sosias verunsichert und von Merkur unter der Androhung von Gewalt eingeschüchtert. Da Gewalt jedoch nicht viel bringt, versucht Merkur Sosias durch seine Allwissenheit von seinem Dasein als wahrer Sosias zu überzeugen. Durch Merkurs Allwissenheit verliert Sosias Gewissheit über seine eigene Identität und weiß nicht mehr wer er ist. Sosias unternimmt einen letzten Versuch, Merkur durch eine List zu täuschen; dies gelingt ihm jedoch nicht. Sosias wird jedoch nicht wirklich seiner Identität beraubt, da er immer noch er selbst ist. Doch er fällt auf die Täuschung Merkurs herein, weshalb er sich seiner Identität bestohlen fühlt.
Vergleicht man nun Sosias mit Gregor in Hinblick auf den Identitätsverlust, so sind verschiedene Unterschiede auffallend. Zum einen verliert Sosias nicht einmal seine Identität. Merkur gibt sich zwar als Sosias aus, aber der wahre Sosias ist immer noch Sosias und kann auf Informationen wie Familienstand, Geburtsort, usw. zugreifen. Er sieht auch noch genauso aus wie Sosias und er verteidigt sein Dasein und seine Identität als seine eigene. Gregor hingegen nimmt seine Verwandlung und den damit einhergehenden Identitätsverlust einfach für gegeben hin und arrangiert sich damit. Er begehrt nicht dagegen auf, dass seine Familie ihn wie einen Käfer behandelt, nicht so wie Sosias Merkur überlisten will, um sich seine Identität zu bestätigen. Gregor wird über Nacht quasi eine andere Identität gegeben und er nimmt diese Identität nun für seine wahre Identität an, passt sogar seine Lebensweise an und krempelt sich selbst im Prinzip um. Dies geht sogar soweit, dass er durch den Verlust seiner ursprünglichen Identität und durch die Annahme einer anderen Identität letztlich stirbt.
Insgesamt betracht verliert also Sosias seine Identität zeitweise durch die Kommunikation mit einer höheren Instanz, kann aber gleichzeitig nicht als echter Identitätsverlust angesehen werden, da Sosias zweifelt und immer noch er selbst ist. Sosias beendet zusätzlich das Gespräch, bevor er daran geistig zugrunde geht. Der Identitätsverlust von Gregor in Die Verwandlung ist real, da duch die Verwandlung keine Kommunikation mehr möglich ist und da Gregor sein Leben nicht mehr wie gewohnt fortführen kann. Generell kann davon ausgegangen werden, dass Gregor nicht seiner Identität beraubt wird, sondern dass sie ihm von seinem sozialen Umfeld abgesprochen wird. Er weiß zwar noch, wer er ist, kann es jedoch nicht kommunizieren und geht deshalb an seinem Identitätsverlust psychisch und physisch zugrunde.
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