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Aufgabe 3

Aufgaben
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Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Thomas Mann: Tonio Kröger (1903)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Interpretiere den folgenden Ausschnitt aus Thomas Manns Erzählung „Tonio Kröger“.
  2. Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie die Figur eines Außenseiters bzw. einer Außenseiterin in einem anderen literarischen Werk gestaltet wird.
Der Schwerpunkt liegt auf Teilaufgabe 1.
Vorbemerkung:
Thomas Manns Erzählung „Tonio Kröger“ umfasst neun Kapitel. Beim folgenden Auszug handelt es sich um den Schluss des zweiten Kapitels.
Die Erzählung beschreibt die Entwicklung des in sich gekehrten Tonio Kröger, der nicht in die Fußstapfen seines Vaters, eines Kaufmanns, treten möchte, sondern Künstler werden will. Am Beispiel seines Werdegangs zum Schriftsteller wird der Gegensatz zwischen Künstlertum und bürgerlichem Leben deutlich. Als Vierzehnjähriger ist Tonio mit dem sportlichen und beliebten Hans Hansen befreundet, den er um seine Unkompliziertheit beneidet. Doch bleiben sie sich letztlich fremd. Als Sechzehnjähriger ist Tonio in Inge Holm verliebt. Gemeinsam mit anderen Gleichaltrigen besuchen sie einen Tanzkurs beim Tanzlehrer François Knaak, dessen affektierte Art Tonio befremdlich findet.
#interpretieren#thomasmann#kurzprosa
Thomas Mann

Tonio Kröger (1903)

$\,$
[…] Was für ein unbegreiflicher Affe, dachte Tonio Kröger in seinem Sinn. Aber er sah wohl, daß Inge Holm, die lustige Inge, oft mit einem selbstvergessenen Lächeln Herrn Knaaks Bewegungen verfolgte, und nicht dies allein war es, weshalb alle diese wundervoll beherrschte Körperlichkeit ihm im Grunde etwas wie Bewunderung abgewann. Wie ruhevoll und
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unverwirrbar Herrn Knaaks Augen blickten! Sie sahen nicht in die Dinge hinein, bis dorthin, wo sie kompliziert und traurig werden; sie wußten nichts, als daß sie braun und schön seien. Aber deshalb war seine Haltung so stolz! Ja, man mußte dumm sein, um so schreiten zu können wie er; und dann wurde man geliebt, denn man war liebenswürdig. Er verstand es so gut, daß Inge, die blonde, süße Inge, auf Herrn Knaak blickte, wie sie es tat.
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Aber würde denn niemals ein Mädchen so auf ihn selbst blicken? O doch, das kam vor. Da war Magdalena Vermehren, Rechtsanwalt Vermehrens Tochter, mit dem sanften Mund und den großen, dunklen, blanken Augen voll Ernst und Schwärmerei. Sie fiel oft hin beim Tanzen; aber sie kam zu ihm bei der Damenwahl, sie wußte, daß er Verse dichtete, sie hatte ihn zweimal gebeten, sie ihr zu zeigen, und oftmals schaute sie ihn von weitem mit gesenktem Kopfe an.
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Aber was sollte ihm das? Er, er liebte Inge Holm, die blonde, lustige Inge, die ihn sicher darum verachtete, daß er poetische Sachen schrieb … er sah sie an, sah ihrem schmalgeschnittenen, blauen Augen, die voll Glück und Spott waren, und eine neidische Sehnsucht, ein herber, drängender Schmerz, von ihr ausgeschlossen und ihr ewig fremd zu sein, saß in seiner Brust und brannte …
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„Erstes Paar en avant!“[1] sagte Herr Knaak, und keine Worte schildern, wie wunderbar der Mann den Nasal-Laut hervorbrachte. Man übte Quadrille, und zu Tonio Krögers tiefem Erschrecken befand er sich mit Inge Holm in ein und demselben Carré[2]. Er mied sie, wie er konnte, und dennoch geriet er beständig in ihre Nähe; er wehrte seinen Augen, sich ihr zu nahen, und dennoch traf sein Blick beständig auf sie … Nun kam sie an der Hand des
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rotköpfigen Ferdinand Matthiessen gleitend und laufend herbei, warf den Zopf zurück und stellte sich aufatmend ihm gegenüber; Herr Heinzelmann, der Klavierspieler, griff mit seinen knochigen Händen in die Tasten, Herr Knaak kommandierte, die Quadrille begann.
Sie bewegte sich vor ihm hin und her, vorwärts und rückwärts, schreitend und drehend, ein Duft, der von ihrem Haar oder dem zarten, weißen Stoff ihres Kleides ausging, berührte ihn
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manchmal, und seine Augen trübten sich mehr und mehr. Ich liebe dich, liebe, süße Inge, sagte er innerlich, und er legte in diese Worte seinen ganzen Schmerz darüber, daß sie so eifrig und lustig bei der Sache war und sein nicht achtete. Ein wunderschönes Gedicht von Storm fiel ihm ein: „Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.“ Der demütigende Widersinn quälte ihn, der darin lag, tanzen zu müssen, während man liebte …
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„Erstes Paar en avant!“ sagte Herr Knaak, denn es kam eine neue Tour[3]. „Compliment! Moulinet des dames! Tour de main!“[4] Und niemand beschreibt, auf welch graziöse Art er das stumme e vom „de“ verschluckte. „Zweites Paar en avant!“ Tonio Kröger und seine Dame waren dran. „Compliment!“ und Tonio Kröger verbeugte sich. „Moulinet des dames!“ Und Tonio Kröger, mit gesenktem Kopfe und finsteren Brauen, legte seine Hand auf die Hände der vier
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Damen, auf die Inge Holms, und tanzte ‚moulinet‘.
Ringsum entstand ein Kichern und Lachen. Herr Knaak fiel in seine Ballett-Pose, welche ein stilisiertes Entsetzen ausdrückte. „O weh!“ rief er. „Halt, halt! Kröger ist unter die Damen geraten! En arrière, Fräulein Kröger, zurück, fi donc![5] Alle haben es nun verstanden, nur Sie nicht. Husch! Fort! Zurück mit Ihnen!“ Und er zog ein gelbseidenes Taschentuch und scheuchte
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Tonio Kröger damit an seinen Platz zurück.
Alles lachte, die Jungen, die Mädchen und die Damen jenseits der Portieren[6], denn Herr Knaak hatte etwas gar zu Drolliges aus dem Zwischenfall gemacht, und man amüsierte sich wie im Theater. Nur Herr Heinzelmann wartete mit trockener Geschäftsmiene auf das Zeichen zum Weiterspielen, denn er war abgehärtet gegen Herrn Knaaks Wirkungen.
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Dann ward die Quadrille fortgesetzt. Und dann war Pause. Das Folgmädchen[7] klirrte mit einem Teebrett voll Weingelee-Gläsern zur Tür herein, und die Köchin folgte mit einer Ladung Plumcake in ihrem Kielwasser. Aber Tonio Kröger stahl sich fort, ging heimlich auf den Korridor hinaus und stellte sich dort, die Hände auf dem Rücken, vor ein Fenster mit herabgelassener Jalousie, ohne zu bedenken, daß man durch diese Jalousie gar nichts sehen konnte, und daß
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es also lächerlich sei, davorzustehen und zu tun, als blicke man hinaus.
Er blickte aber in sich hinein, wo so viel Gram und Sehnsucht war. Warum, warum war er hier? Warum saß er nicht in seiner Stube am Fenster und las in Storms ‚Immensee‘[8] und blickte hie und da in den abendlichen Garten hinaus, wo der alte Walnußbaum schwerfällig knarrte? Das wäre sein Platz gewesen. Mochten die anderen tanzen und frisch und geschickt bei der Sache
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sein! … Nein, nein, sein Platz war dennoch hier, wo er sich in Inges Nähe wußte, wenn er auch nur einsam von ferne stand und versuchte, in dem Summen, Klirren und Lachen dort drinnen ihre Stimme zu unterscheiden, in welcher es klang von warmem Leben. Deine länglich geschnittenen, blauen, lachenden Augen, du blonde Inge! So schön und heiter wie du kann man nur sein, wenn man nicht ‚Immensee‘ liest und niemals versucht, selbst dergleichen zu machen;
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das ist das Traurige! …
Sie müßte kommen! Sie müßte bemerken, daß er fort war, müßte fühlen, wie es um ihn stand, müßte ihm heimlich folgen, wenn auch nur aus Mitleid, ihm ihre Hand auf die Schulter legen und sagen: Komm herein zu uns, sei froh, ich liebe dich. Und er horchte hinter sich und wartete in unvernünftiger Spannung, daß sie kommen möge. Aber sie kam keines Weges.
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Dergleichen geschah nicht auf Erden. Hatte auch sie ihn verlacht, gleich allen anderen? Ja, das hatte sie getan, so gern er es ihret- und seinetwegen geleugnet hätte. Und doch hatte er nur aus Versunkenheit in ihre Nähe ‚moulinet des dames‘ mitgetanzt. Und was verschlug das?[9] Man würde vielleicht einmal aufhören zu lachen! Hatte etwa nicht kürzlich eine Zeitschrift ein Gedicht von ihm angenommen, wenn sie dann auch wieder eingegangen war, bevor das
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Gedicht hatte erscheinen können? Es kam der Tag, wo er berühmt war, wo alles gedruckt wurde, was er schrieb, und dann würde man sehen, ob es nicht Eindruck auf Inge Holm machen würde … Es würde keinen Eindruck machen, nein, das war es ja. Auf Magdalena Vermehren, die immer hinfiel, ja, auf die. Aber niemals auf Inge Holm, niemals auf die blauäugige, lustige Inge. Und war es also nicht vergebens? …
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Tonio Krögers Herz zog sich schmerzlich zusammen bei diesem Gedanken. Zu fühlen, wie wunderbare spielende und schwermütige Kräfte sich in dir regen, und dabei zu wissen, daß diejenigen, zu denen du dich hinübersehnst, ihnen in heiterer Unzugänglichkeit gegenüberstehen, das tut sehr weh. Aber obgleich er einsam, ausgeschlossen und ohne Hoffnung vor einer geschlossenen Jalousie stand und in seinem Kummer tat, als könne er
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hindurchblicken, so war er dennoch glücklich. Denn damals lebte sein Herz. Warm und traurig schlug es für dich, Ingeborg Holm, und seine Seele umfaßte deine blonde, lichte und übermütig gewöhnliche kleine Persönlichkeit in seliger Selbstverleugnung.
Mehr als einmal stand er mit erhitztem Angesicht an einsamen Stellen, wohin Musik, Blumenduft und Gläsergeklirr nur leise drangen, und suchte in dem fernen Festgeräusch deine
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klingende Stimme zu unterscheiden, stand in Schmerzen um dich und war dennoch glücklich. Mehr als einmal kränkte es ihn, daß er mit Magdalena Vermehren, die immer hinfiel, sprechen konnte, daß sie ihn verstand und mit ihm lachte und ernst war, während die blonde Inge, saß er auch neben ihr, ihm fern und fremd und befremdet erschien, denn seine Sprache war nicht ihre Sprache; und dennoch war er glücklich. Denn das Glück, sagte er sich, ist nicht, geliebt zu
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werden; das ist eine mit Ekel gemischte Genugtuung für die Eitelkeit. Das Glück ist, zu lieben und vielleicht kleine, trügerische Annäherungen an den geliebten Gegenstand zu erhaschen. Und er schrieb diesen Gedanken innerlich auf, dachte ihn völlig aus und empfand ihn bis auf den Grund.
Treue! dachte Tonio Kröger. Ich will treu sein und dich lieben, Ingeborg, solange ich lebe! So
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wohlmeinend war er. Und dennoch flüsterte in ihm eine leise Furcht und Trauer, daß er ja auch Hans Hansen ganz und gar vergessen habe, obgleich er ihn täglich sah. Und es war das Häßliche und Erbärmliche, daß diese leise und ein wenig hämische Stimme recht behielt, daß die Zeit verging und Tage kamen, da Tonio Kröger nicht mehr so unbedingt wie ehemals für die lustige Inge zu sterben bereit war, weil er Lust und Kräfte in sich fühlte, auf seine Art in der Welt
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eine Menge des Merkwürdigen[10] zu leisten.
Und er umkreiste behutsam den Opfer-Altar, auf dem die lautere[11] und keusche Flamme seiner Liebe loderte, knieete davor und schürte und nährte sie auf alle Weise, weil er treu sein wollte. Und über eine Weile, unmerklich, ohne Aufsehen und Geräusch, war sie dennoch erloschen.
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Aber Tonio Kröger stand noch eine Zeitlang vor dem erkalteten Altar, voll Staunen und Enttäuschung darüber, daß Treue auf Erden unmöglich war. Dann zuckte er die Achseln und ging seiner Wege.


[1] en avant!: (frz.) vorwärts!
[2] Quadrille […] Carré: Die Quadrille ist ein Gesellschaftstanz, bei dem sich vier Paare in Feldern, sog. Carrés, gegenüberstehen.
[3] Tour: (frz.) Tanzrunde
[4] „Compliment! Moulinet des dames! Tour de main!“: (frz.) Befehle des Tanzlehrers, der den Tanzenden die anstehende Tanzfigur der Damen zuruft
[5] en arrière […] fi donc!: (frz.) Zurück! … Pfui!
[6] Portieren: schwere Türvorhänge
[7] Folgmädchen: Dienstmädchen
[8] Storms ‚Immensee‘: Novelle von Theodor Storm, in der sich der Protagonist an seine unerfüllte Jugendliebe erinnert
[9] Und was verschlug das?: hier: Was machte das?
[10] des Merkwürdigen: hier: des Bemerkenswerten
[11] lauter: rein, ungetrübt
Aus: Thomas Mann: Tonio Kröger, in ders., Tonio Kröger. Mario und der Zauberer, Frankfurt/M. 1973, S. 20-24.
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Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Thomas Mann: Tonio Kröger (1903)

Teilaufgabe 1

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere den Textausschnitt aus Thomas Manns Erzählung „Tonio Kröger“.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, lies dir den Textauszug aus „Tonio Kröger“ aufmerksam durch und markiere dir wichtige Stellen. Mache dir Notizen für eine mögliche Deutungshypothese.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen Basissatz, sowie eine Deutungshypothese. Auch solltest du kurz den Inhalt der gesamten Geschichte in 2 - 3 Sätzen beschreiben.
Basissatz
  • Titel: Tonio Kröger
  • Autor: Thomas Mann
  • Erscheinungsjahr: 1903
  • Inhalt: In der Erzählung wird die Entwicklung des Außenseiters Tonio Kröger beschrieben, der lieber Künstler werden will, anstatt in die Fußstapfen seines Vaters, eines Kaufmanns, zu treten.
  • Deutungshypothese: In dem vorliegenden Textausschnitt geht es um den künstlerischen Außenseiter Tonio Kröger, der beschließt seiner geheimen Liebe Inge ewig treu zu sein, aber feststellt, dass Treue auf der Welt unmöglich ist.

Hauptteil

Im Hauptteil gibst du nun eine kurze Zusammenfassung des vorliegenden Textausschnitts wieder. Daraufhin analysierst du den Text zunächst inhaltlich sowie formal und gibst die wichtigsten Stilmittel in ihrer Funktion wieder. Anschließend solltest du die Hauptpersonen anhand des Textausschnitts charakterisieren.
Zusammenfassung
  • Tonio Kröger ist 16 Jahre alt und besucht Tanzkurs
  • Inge, seine geheime Liebe, besucht Tanzkurs ebenfalls
  • Tonio versucht, der lustigen Inge nahe zu kommen, doch es gelingt ihm nicht
  • bei der Damenwahl tanzt er mit Magdalena Vermehren, Anwalt Vermehrens Tochter
  • als die Quadrille (ein Gesellschaftstanz) geübt wird, macht er beim Tanzen einen Fehler, weshalb ihn alle auslachen
  • während der folgenden Tanzpause stiehlt sich Tonio aus dem Zimmer und versinkt in Gedanken über seine Außenseiterrolle und seine nicht erwiderte Liebe zu Inge
  • Tonio wünscht sich, dass sie nach ihm sucht, ihm sagt, dass sie ihn ebenfalls liebt und ihn wieder herein bittet
  • Tonio will ihr für immer treu sein, doch stellt fest, dass Treue auf der Welt unmöglich sei, und geht
Inhaltliche Analyse
  • Textausschnitt setzt direkt während der Tanzstunde ein
  • der 16-jährige Tonio ist verliebt in Inge, die ihn jedoch nicht beachtet;
    $\rightarrow$ Er selbst beachtet jedoch auch Magdalena wenig, die in ihn verliebt zu sein scheint
  • beim Tanzen der Quadrille unterläuft Tonio ein Fehler, weshalb er vom Tanzlehrer Herr Knaak zurück gescheucht wird an seinen Platz und von allen anwesenden Personen ausgelacht wird
  • als sich für Tonio die Gelegenheit ergibt, stiehlt er sich aus dem Zimmer
  • einerseits möchte er alleine sein und über seine verschmähte Liebe zu Inge nachdenken, andererseits sehnt er sich danach, dazu zu gehören und dass Inge ihn bittet, zurück in den Raum zu kommen
  • vor allem in diesem letzten Abschnitt des Textes werden die zwei großen Themen der Geschichte deutlich: Tonios Außenseiterrolle und sein sehnsüchtiger Wunsch nach Liebe und Anerkennung
  • Tonio fasst den Entschluss, Inge ewig treu zu sein; versucht, die Liebe zu erhalten, aber sie erlischt
  • als er feststellt, dass Treue auf der Welt unmöglich ist, geht er
Formale Analyse
  • Text setzt direkt in der Handlung ein
  • chronologisch; manchmal Ausblicke in die Zukunft
  • personaler Erzähler mit teilweise kommentierender Funktion
  • im Präteritum (Vergangenheit) geschrieben
Stilmittel
  • Anapher: „Warum […] Warum […]?“ (Z. 56 - 57) ; „Und […] Und […] Und […] Und […] Und […].“ (Z. 97 - 109)
    $\rightarrow$ erste Anapher betont Tonios Verzweiflung und das Unverständnis bezüglich seiner Situation als Außenseiter
    $\rightarrow$ erste Anapher wird zusätzlich noch durch Wiederholung gestützt
    $\rightarrow$ Aneinanderreihung mehrerer Sätze, die alle mit „Und“ beginnen, wirken betonend auf den Leser und wie eine Aufzählung
    $\rightarrow$ Leser kann Tonios Gedankengang besser folgen
  • Wiederholung: „Warum, warum war er hier?“ (Z. 56)
    $\rightarrow$ doppelte Betonung des „Warum“; wirkt eindringlich auf Leser
    $\rightarrow$ Tonios Verzweiflung spürbar; unterstützt durch Anapher
  • Antithese: „Aber obgleich er einsam […] war er dennoch glücklich.“ (Z. 83 - 85)
    $\rightarrow$ kontrastiert Tonios Zwiespalt
    $\rightarrow$ will eigentlich gehen, aber auch in Inges Nähe sein
    $\rightarrow$ Einsamkeit durch Außenseiterrolle; glücklich, weil er Inge immer noch heimlich lieben kann
  • Parallelismus: „Sie müßte kommen! Sie müßte bemerken […] müßte fühlen, […] müßte ihm heimlich folgen, […]“ (Z. 66 - 67); „Aber niemals auf Inge Holm, niemals auf die […]“ (Z. 78)
    $\rightarrow$ verdeutlicht Tonios insgeheime Hoffung, dass Inge, wenn sie ihn auch liebt, zu ihm kommen müsste
    $\rightarrow$ da Inge Tonio aber nicht liebt und weil Tonio ein Außenseiter ist, kommt niemand, um ihn zurück in die Tanzstunde zu holen und seine Wünsche bleiben unerfüllt
    $\rightarrow$ zeigt, wie endgültig es plötzlich für Tonio ist, dass Inge ihn niemals wertschätzen oder lieben wird
  • Antiklimax: „Alles lachte, die Jungen, die Mädchen und die Damen jenseits der Portieren, […]“ (Z. 46)
    $\rightarrow$ dass die Damen jenseits der Portieren über Tonio lachen scheint für ihn weniger von Bedeutung zu sein, als die Tatsache, dass alle über den tollpatschigen Außenseiter Tonio Kröger lachen
  • Symbol: „Opfer-Altar“ (Z. 106)
    $\rightarrow$ kann symbolisch als Tonios Herz verstanden werden, in welchem seine Liebe zu Inge brennt; als die Liebe erlischt, erkaltet nicht der Altar, sondern sein Herz und seine Gefühle
  • Personifikation: „[…] drängender Schmerz […] saß in seiner Brust und brannte …“ (Z. 18 - 19)
    $\rightarrow$ Tonio personifiziert seinen Schmerz, wodurch er seine Gefühle versucht zum Ausdruck zu bringen
Charakterisierung der Hauptpersonen
$\blacktriangleright\;$ Tonio Kröger
  • sehnt sich verzweifelt nach Liebe:
    $\rightarrow$ „Aber würde denn niemals ein Mädchen so auf ihn selbst blicken?“ (Z. 10)
    $\rightarrow$ „[…] eine neidische Sehnsucht, ein herber, drängender Schmerz, von ihr ausgeschlossen und ihr ewig fremd zu sein, saß in seiner Brust und brannte…“ (Z. 17 - 19)
    $\rightarrow$ „Er blickte aber in sich hinein, wo so viel Gram und Sehnsucht war.“
  • künstlerisch / poetisch begabt:
    $\rightarrow$ „Ein wunderschönes Gedicht von Storm fiel ihm ein: […]“ (Z. 32)
    $\rightarrow$ „[…] sie wußte, daß er Verse dichtete, […]“ (Z. 13)
    $\rightarrow$ „[…] die ihn sicher darum verachtete, daß er poetische Sachen schrieb…“ (Z. 15 - 16)
  • macht sich durch seine Melancholie teilweise selbst zum Außenseiter:
    $\rightarrow$ „Warum saß er nicht in seiner Stube am Fenster und las in Storms Immensee und blickte hie und da in den abendlichen Garten hinaus, wo der alte Walnußbaum schwerfällig knarrte?“ (Z. 67 - 68)
    $\rightarrow$ „So schön und heiter wie du kann man nur sein, wenn man nicht ‚Immensee‘ liest und niemals versucht, selbst dergleichen zu machen; das ist das Traurige!“ (Z. 63 - 65)
    $\rightarrow$ „Mehr als einmal stand er mit erhitztem Gesicht an einsamen Stellen […] Mehr als einmal kränkte es ihn […].“ (Z. 88 - 94)
$\blacktriangleright\;$ Inge
  • blond
  • süß
  • lustig
  • „ein Duft, der von ihrem Haar oder dem zarten, weißen Stoff ihres Kleides ausging […]“ (Z. 28 - 29)
  • lieb
  • „[…] länglich geschnittenen, blauen, lachenden Augen […]“ (Z. 63)
$\blacktriangleright\;$ Magdalena
  • interessiert sich für Tonios Gedicht
  • scheint heimlich in Tonio verliebt zu sein; ihre Liebe wird aber nicht erwidert
  • tollpatschig wie Tonio
  • sanfter Mund
  • große, dunkle, blanke Augen „voll Ernst und Schwärmerei“ (Z. 12)
  • bildet Gegenpart zu Inge

Schluss

Am Besten wäre es, wenn, du am Ende nochmals deine Ergebnisse zusammenfasst. Du kannst auch eine objektive Stellungnahme schreiben zum Thema „Außenseiter“.
  • Tonio nimmt die Rolle eines Außenseiters ein, welche er durch sein Handeln und seine melancholische Denkweise teilweise selbst verschuldet
  • Tonio sehnt sich nach Liebe, verschmäht aber auch gleichzeitig Magdalenas Liebe und Aufmerksamkeit

Teilaufgabe 2

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie die Figur eines Außenseiters bzw. einer Außenseiterin in einem anderen literarischen Werk gestaltet wird.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, überlege dir welche literarischen Werke du kennst, in denen die Rolle eines Außenseiters vorkommt.
$\rightarrow$ Exemplarisch sind hier einige Werke aufgeführt und die Gestaltung des Außenseiters ist kurz zusammengefasst.
Beispielhafte Werke
  • Tschick
    $\rightarrow$ Maik Klingenberg, 14 Jahre alt und aus einem zwar wohlhabenden, aber zerrütteten Elternhaus in Marzahn, einem Stadtteil von Ost-Berlin, ist in seiner Klasse ein Außenseiter. Deshalb wird er zu Beginn der Sommerferien auch nicht zum Geburtstag der Klassenschönheit Tatjana Cosic eingeladen, in die er heimlich verknallt ist. Er begibt sich auf ein Abenteuer mit seinem Klassenkameraden Tschick.
  • Der Vorleser
    $\rightarrow$ Michael Berg ist ebenfalls ein Außenseiter in seiner Schule. Als er die 35-jährige Hannah kennen und lieben lernt, muss er dies vor seinen KLassenkameraden und seiner Familie verschweigen. Um Hannah zu sehen, unternimmt er nichts mehr mit seinen Freunden und wird so noch mehr zum Außenseiter.
  • Gregs Tagebuch
    $\rightarrow$ Greg macht sich selbst zum Außenseiter, weil er denkt, dass der Rest der Welt gegen ihn ist: seine Eltern und Geschwister, ebenso wie seine Mitschüler und Lehrer
    $\rightarrow$ durch seine Denkweise wehrt er Annäherungsversuche anderer Menschen ab
  • Harry Potter
    $\rightarrow$ Harry ist, trotz seiner Berühmtheit in der magischen Welt, ein Außenseiter, da er noch nicht viele Freunde hat und keine Eltern hat
    $\rightarrow$ zu Beginn hat er keine Ahnung von der magischen Welt, da er ohne seine Eltern aufwachsen musste und kann deshalb oft bei magischen Themen nicht mitreden
    $\rightarrow$ im Verlauf der Geschichte verdient er sich durch seine Abenteuer mit Hilfe seiner Freunde Anerkennung und ist kein Außenseiter mehr sondern der Mittelpunkt seines Freundeskreises
  • Der Hobbit
    $\rightarrow$ Bilbo Beutlin ist ein Außenseiter in der Hobbit- sowie der Zwergengemeinschaft
    $\rightarrow$ in der Hobbitgemeinschaft ist er ein Außenseiter, weil er viel abenteuerlustiger ist, als die anderen Hobbits
    $\rightarrow$ in der Zwergengemeinschaft ist er teilweise ein Außenseiter, weil er ängstlich ist und oft eine andere Denkweise hat als die Zwerge
    $\rightarrow$ erst durch seine erlebten Abenteuer erfährt er Anerkennung von den Zwergen und den Hobbits
  • Verschiedene Superhelden
    $\rightarrow$ Spiderman
    $\rightarrow$ Batman
    $\rightarrow$ Deadpool
Natürlich gibt es noch viele weitere Werke mit einem Außenseiter. Egal welches Werk du wählst, der Aufbau des restlichen Vergleichs ist immer gleich:
  1. Einführung
    $\rightarrow$ Basissatz
    $\rightarrow$ Was vergleichst du?
  2. Hauptteil
    $\rightarrow$ kurze Inhaltsangabe deines gewählten Werks
    $\rightarrow$ Beschreibung der Gestaltung der Außenseiterrolle in deinem Werk
    $\rightarrow$ kurze Beschreibung der Gestaltung in „Tonio Kröger“
  3. Schluss
    $\rightarrow$ kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Vergleichs
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Interpretieren eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Thomas Mann: Tonio Kröger (1903)

Teilaufgabe 1

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere den Textausschnitt aus Thomas Manns Erzählung „Tonio Kröger“.
In der Erzählung Tonio Kröger von Thomas Mann, datiert auf das Jahr 1903, wird die Entwicklung des Außenseiters Tonio Kröger beschrieben, der lieber Künstler werden will, anstatt in die Fußstapfen seines Vaters, eines Kaufmanns, zu treten. In dem vorliegenden Textausschnitt geht es um den künstlerischen Außenseiter Tonio Kröger, der beschließt seiner geheimen Liebe Inge ewig treu zu sein, aber feststellt, dass Treue auf der Welt unmöglich ist.
Tonio Krögerist 16 Jahre alt und besucht einen Tanzkurz. Inge, seine geheime Liebe, besucht diesen Tanzkurs ebenfalls und Tonio versucht, der lustigen Inge nahe zu kommen, doch es gelingt ihm nicht. Bei der Damenwahl tanzt er schließlich mit Magdalena Vermehren, der Tochter des Anwalts Vermehren. Tonio ist durchaus unbeholfen und als die Quadrille (ein Gesellschaftstanz) geübt wird, macht er beim Tanzen einen Fehler, weshalb ihn alle auslachen. Während der darauffolgenden Tanzpause stiehlt sich Tonio aus dem Zimmer und versinkt in Gedanken über seine Außenseiterrolle und seine nicht erwiderte Liebe zu Inge. Tonio wünscht sich gar, dass sie nach ihm sucht, ihm sagt, dass sie ihn ebenfalls liebt und ihn wieder herein bittet. Er schwört daraufhin, dass er ihr für immer treu sein wird. Doch dann stellt er fest, dass Treue auf der Welt unmöglich sei, und er verlässt die Veranstaltung.
Der Textausschnitt setzt direkt während der Tanzstunde ein. Der 16-jährige Tonio ist verliebt in Inge, die ihn jedoch nicht beachtet - Er selbst beachtet jedoch auch Magdalena wenig, die in ihn verliebt zu sein scheint. Beim Tanzen der Quadrille unterläuft Tonio ein Fehler, weshalb er vom Tanzlehrer Herr Knaak an seinen Platz zurück gescheucht wird und von allen anwesenden Personen ausgelacht wird. Er will daraufhin alleine sein und über seine verschmähte Liebe zu Inge nachdenken, andererseits sehnt er sich danach, dazu zu gehören und dass Inge ihn bittet, zurück in den Raum zu kommen. Vor allem in diesem letzten Abschnitt des Textes werden die zwei großen Themen der Geschichte deutlich: Tonios Außenseiterrolle und sein sehnsüchtiger Wunsch nach Liebe und Anerkennung.
Manns Erzählung findet chronologisch statt und bietet manchmal jedoch Ausblicke in die Zukunft - sie wird von einem personalen Erzähler wiedergegeben, der teilweise eine kommentierende Funktion einnimmt. Zudem ist die Erzählung in der Vergangenheit geschrieben. Thomas Mann nutzt diverse Stilmittel, um Tonios Gefühle deutlich hervorzuheben. So drücken die Anaphern „Warum […] Warum […]?“ (Z. 56f.) und „Und […] Und […] Und […] Und […] Und […].“ (Z. 97ff.) Tonios anwachsende Verzweiflung und das Unverständnis bezüglich seiner Situation als Außenseiter aus. Dadurch wird eine recht verzwickte Lage beschrieben, aus der Tonio nicht mehr herauszufinden weiß. Die Wiederholung „Warum, warum war er hier?“ (Z. 56) bezeichnet die doppelte Betonung des „Warum“ und wirkt eindringlich auf den Leser. Tonios Verzweiflung ist hierbei deutlich spürbar und wird zudem durch die Anapher unterstützt. Tonio befindet sich jedoch in einem Zwiespalt: denn „ […] obgleich er einsam [war], […] war er dennoch glücklich.“ (Z. 83ff.). Diese Antithetik führt sich fort, eigentlich will er gehen, aber gleichzeitig in Inges Nähe sein. Durch seine Außenseiterrolle verspürt er also eine gewisse Einsamkeit, aber er ist dennoch glücklich, da er Inge immer noch heimlich lieben kann. Doch er wird bitter enttäuscht, was sich durch den Parallelismus der Phrase „Sie müßte kommen! Sie müßte bemerken […] müßte fühlen, […] müßte ihm heimlich folgen, […]“ (Z. 66f.) zeigt. Da Inge Tonio aber nicht liebt und weil Tonio ein Außenseiter ist, kommt niemand, um ihn zurück in die Tanzstunde zu holen und seine Wünsche bleiben unerfüllt. Dies zeigt außerdem, wie endgültig es plötzlich für Tonio ist, dass Inge ihn niemals wertschätzen oder lieben wird. Das Symbol des „Opfer-Altar“ (Z. 106) kann hier symbolisch als Tonios Herz verstanden werden, in welchem seine Liebe zu Inge brennt; als diese Liebe erlischt, erkaltet nicht nur der Altar, sondern sein Herz und seine Gefühle.
Tonio sehnt sich verzweifelt nach Liebe. Jedoch glaubt er nicht daran, dass ein hübsches Mädchen ihn jemals anblicken könnte (vgl. Z. 10). Er glaubt außerdem, dass er ihr niemals nahe sein kann, weswegen er schon fast physische Schmerzen hat (vgl. Z. 17f.). Seine Außenseiterrolle wird zusätzlich verstärkt, dass er künstlerisch und poetisch begabt ist. So kennt er Gedichte von Storm und dichtet selbst Verse. Durch seine melancholische Seite macht er sich jedoch selbst zum Außenseiter. Er stellt sich oft vor, wie er ein Werk von Storm liest und dabei auf einen Walnussbaum schaut.
Inge hingegen ist das Gegenteil von Tonio. Sie ist blond, süß, lustig und riecht gut. Außerdem scheint sie auf Tonio einen lieben, sympathischen Eindruck zu machen. Es werden allerdings keinerlei Bemerkungen darüber gemacht, wie sie sich gegenüber Tonio verhält. Magdalena jedoch interessiert sich für Tonios Gedicht und scheint heimlich in Tonio verliebt zu sein. Doch ihre Liebe wird nicht erwidert. Sie ist außerdem genauso tollpatschig wie Tonio. So bildet sie den Gegenpart zu Inge - innerlich, indem sie sich für Tonios künstlerische Seite interessiert, wie auch äußerlich durch ihre dunklen Augen und ihren sanften Mund.
Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass Tonio eine Außenseiterrolle einnimmt, welche er aber durch sein Handeln und seine melancholische Denkweise teilweise selbst verschuldet hat. Er sehnt sich deshalb nach Liebe und verschmäht aber gleichzeitig Magdalenas Liebe und Aufmerksamkeit.
#thomasmann#kurzprosa#interpretieren

Teilaufgabe 2

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Zeige ausgehend von deinen Ergebnissen vergleichend auf, wie die Figur eines Außenseiters bzw. einer Außenseiterin in einem anderen literarischen Werk gestaltet wird.
Nicht nur Tonio Kröger aus Thomas Manns gleichnamigen Werk ist ein Außenseiter. Die literarische Welt ist geprägt von Außenseitern, die durch irgendein bestimmtes Erlebnis zum Insider werden und sich die Anerkennung und Bewunderung ihrer Mitmenschen verdienen - so funktioniert das klassische Prinzip der Heldenreise. Auch Harry Potter aus den gleichnamigen Romanen ist zu Beginn ein Außenseiter.
Harry Potter sollte eigentlich wie ein gewöhnliches Kind aufwachsen. Doch seine Eltern starben bei einem angeblichen Autounfall, als er noch ein Baby war und seitdem lebt er bei seinem Onkel, seiner Tante und dessen schrecklichem Kind. Bereits hier wird er als Außenseiter behandelt: er bekommt keine Geburtstagsgeschenke, muss die abgetragenen Sachen seines Cousins tragen, der Familie Frühstück machen und er wohnt in einer kleinen Kammer unter der Treppe. Auch in der Schule hat er keinerlei Freunde und wird von seinem Cousin und dessen Bande schikaniert. Er ist der klassische Außenseiter und kann sogar noch irgendwie mit Schlangen sprechen, wie er bei einem Besuch im Zoo feststellt. Doch sein Leben ändert sich schlagartig, kurz bevor er 11 Jahre alt wird. Harry bekommt Briefe zugeschickt, die er aber nie lesen kann, weil sein Onkel ihn daran hindert. Schließlich stellt Harry fest, dass er ein Zauberer ist und auf die Zaubererschule Hogwarts gehen darf. So schließt er sich Hagrid an - einem Riesen, der von Hogwarts Schulleiter Dumbledore geschickt wurde - in die Winkelgasse nach London zu gehen und Zaubereibedarf für seinen anstehenden Schulstart zu kaufen. Bereits hier merkt Harry, dass er trotz seinem neuen Status als Zauberer ein Außenseiter ist. Er weiß nicht, wie er sich Eintritt in die Winkelgasse verschaffen soll und fühlt sich dort fremd. Dinge auf seiner Einkaufsliste wie ein Zaubertrankkessel oder ein magisches Haustier scheinen ihm merkwürdig. Zudem verliert er Hagrid in der Menschenmenge und landet in einer dunklen Gasse, wo er sich noch mehr als Außenseiter fühlt. Auch als Harry zum Gleis 9 $\frac{3}{4}$ gehen soll, um den Zug nach Hogwarts zu nehmen, weiß er nicht, wie er dort genau hinkommt. Der Schaffner dort erklärt Harry für geisteskrank, wodurch sich Harry noch mehr als Außenseiter fühlt. Er bemerkt jedoch eine Familie, die durch den Pfeiler zwischen Gleis 9 und 10 verschwinden zu scheint. Von ihr wird er recht herzlich aufgenommen und ihm wird erklärt, wie er zu besagtem Gleis gelangt. Harry fühlt sich nun mehr willkommen in der ihm fremden Welt und kommt langsam zurecht. Alsbald wird ihm auch bekannt, warum seine Eltern tatsächlich gestorben sind und warum er eine blitzförmige Narbe auf seiner Stirn hat. Seine Eltern starben im Kampf gegen den bösen Zauberer Voldemort und die Narbe wurde Harry von Voldemort bei dem Versuch ihn umzubringen, zugefügt. Dadurch erlangt er gleichzeitig einen gewissen Ruhm, denn er ist derjenige, der überlebt hatte. Trotzdem gibt es auch Neider, die ihm deshalb nicht wohlgesonnen sind. Außerdem sucht er sich in einer ihm unbekannten Welt Freunde, die ebenfalls auf gewisse Art und Weise Außenseiter sind: Ron, aufgrund seiner armen Verhältnisse, Hermine, da sie das Kind von Muggeln - also Nicht-Zauberern - ist, und Neville, der schüchtern und tollpatschig ist.
Im Gegensatz zu Tonio macht Harry etwas aus seiner Außenseiterrolle: er findet sich in der Zaubererwelt zurecht und findet Freunde, denen es ähnlich wie ihm ergeht. Tonio hingegen fühlt sich in seiner Außenseiterrolle wohl, er versucht gar nicht, aus ihr auszubrechen, sondern nimmt sein Schicksal als gegeben hin.
#vergleichen
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