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Aufgabe 5

Aufgaben
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Textbezogenes Argumentieren

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Roman Herzog: Brauchen wir einen neuen Kanon?
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Analysiere, wie der damalige Bundespräsident Roman Herzog seine Position zur Notwendigkeit eines literarischen Kanons entwickelt. Berücksichtige dabei auch ausgewählte sprachliche Mittel.
  2. Erörtere vor dem Hintergrund unserer heutigen Mediengesellschaft die von Roman Herzog 1997 erhobene Forderung nach einem literarischen Kanon. Beziehe dabei deine eigenen Lese- und Medienerfahrungen ein.
#analysieren#erörtern#essay

Roman Herzog, Brauchen wir einen neuen Kanon[1]?

Roman Herzog (1934-2017), Bundespräsident von 1994 bis 1999, hielt am 20. Juni 1997 die folgende Rede anlässlich der Wiedereröffnung des Frankfurter Goethe-Museums in Goethes Geburtshaus.
$\,$
[…] Es paßt nicht schlecht zum heutigen Tag, daß Goethe vor kurzem einmal wieder einen ersten Platz belegt hat. Vor einigen Wochen hat eine große deutsche Wochenzeitung[2] – es ist die, die sich im Zug oder Flugzeug so schlecht aufklappen läßt – eine Debatte darüber eröffnet, ob wir einen neuen literarischen Kanon brauchen. „Was sollen Schüler lesen?“ lautet die
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Frage[3]. Mit großem Abstand gewann Goethe diese Umfrage, an der zu viele belesene Leute beteiligt waren, als daß man vermuten müßte, sie hätten Goethe – und vor allem „Faust I“ – nur genannt, weil er jedem einfallen würde, der vor diese Frage gestellt wird. Ich selbst habe vor einiger Zeit, und zwar vor dem Internationalen Germanisten-Tag drüben in der Paulskirche, dieselbe Frage aufgeworfen. Ich habe das sehr vorsichtig getan, da manche allein beim Wort
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Kanon sofort zusammenschrecken. Sie sehen dann sofort das Gespenst einer autoritären Wertsetzung, die von oben herab festlegen will, was schlechtere oder bessere Literatur ist. Es geht mir aber nicht um den Dünkel der Exklusivität. Jeder Mensch hat das Recht zu lesen, was er will, und er hat auch das Recht darauf, daß ihn andere mit ihren künstlerischen Meinungen nicht bevormunden.
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Die Phase der Infragestellung des Kanons, oder des Begriffs der Klassizität, die wir hinter uns haben, war gewiß notwendig, um die Dinge neu in den Blick zu nehmen. Inzwischen hat sich aber wohl herausgestellt, daß Literatur nicht nur eine „Textsorte“ unter anderen ist und daß es nicht ganz egal ist, ob man das menschliche Schicksal mit Hedwig Courths-Mahler[4] oder mit Büchners „Woyzeck“ zu verstehen versucht. Und wenn auch das Kursbuch der Deutschen
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Bahn[5] sicher mehr Informationen enthält als ein Gedicht von Brecht oder Rilke, lohnt sich das Auswendiglernen wohl eher bei den letztgenannten.
Dennoch geht es mir bei der Diskussion um einen Kanon nicht um einen „ewigen Vorrat deutscher Poesie“[6], der unumstößlich feststehen würde. Ich möchte vielmehr auch heute, wie ich es in der Paulskirche getan habe, ein ganz pragmatisches Argument einbringen, das mit unserer demokratischen Gesprächskultur zu tun hat. Wir brauchen alle – und zwar gerade in
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einer immer pluralistischer werdenden Gesellschaft – eine gemeinsame Kenntnis von bestimmten menschlichen Erfahrungen, Wünschen, Ängsten oder Träumen. In der Literatur sind solche Erfahrungen Form geworden. Ein Kanon ist für mich deswegen die Basis, auf der man miteinander streiten, auf jeden Fall aber ins Gespräch kommen kann. Wir erleben ja täglich, wie sehr sich die verschiedenen gesellschaftlichen Szenen immer weiter ausdifferenzieren, ja
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voneinander entfernen. Noch vor wenigen Jahren konnte man sich mit ungefähr fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit wenigstens noch über das Fernsehprogramm des letzten Abends unterhalten. Bei der Vielzahl der Kanäle ist das heute kaum mehr möglich. Umso wichtiger wird es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wenn es einige formulierte Erfahrungen gibt, die die Gesellschaft miteinander teilt. Nicht als alltägliches Gesprächsthema –
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das wäre eine unsinnige Erwartung. Aber als fundierte Kenntnis über Figuren, Konstellationen und Erfahrungen, die die Kultur und auch die Mentalität unserer Erfahrungsgemeinschaft zum Ausdruck bringen und geprägt haben. Insofern halte ich – ohne die Diskussion jetzt inhaltlich prägen zu wollen – die Figuren und Geschichten von Dr. Faust und Effi Briest, von Josef K. und Mutter Courage, von Oskar Matzerath und den Buddenbrooks[7] für unverzichtbar. Ich will aber
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gleich hinzufügen, daß auch die Gestalten von Max und Moritz, von Winnetou und Old Shatterhand, von Lukas dem Lokomotivführer oder Momo[8] sicher dazugehören. Gerade eine plurale Gesellschaft braucht Bezugsgeschichten und Bezugsfiguren. Ich habe hier nicht von Identifikationsfiguren gesprochen. Ich meine lediglich die Notwendigkeit gemeinsamer Bezüge, von denen man sich ja auch, wenn man will, absetzen kann.
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Nun kommt aber eine Frage hinzu: Was soll inmitten der medialen Revolution noch die Diskussion um einen literarischen Kanon? Ist mit Kino, Fernsehen und Internet die klassische Literatur nicht längst gestorben? Ist die Kanon-Diskussion nicht im Grunde eine Gespenster-Debatte? Ich erlaube mir, auf einen kleinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen einer Fernsehproduktion und einem Roman aufmerksam zu machen. In einem Roman wird man
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immer, wie differenziert auch die Figuren dargestellt werden, mit einem schreibenden Individuum konfrontiert, einem Autor. Insofern muß man sich auch mit seiner individuellen Sicht auf die Welt auseinandersetzen. Die individuelle Schöpfung, die erkennbare Handschrift des einzelnen Ich ist vielleicht unser wichtigster Beitrag zur Weltkultur. Genau diese Autorschaft hat aber unter den zeitgenössischen Produktionsbedingungen der modernen Medien kaum noch
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eine Chance. Jeder weiß, daß ein Film ein kompliziertes Teamwork voraussetzt und daß eine Soap-Opera im Fernsehen von einem Autorenteam geschrieben wird, in dem sich eine individuelle Handschrift gar nicht mehr zeigen darf. Die Individualität eines Menschen aber, erst recht eines jungen Menschen, wird am besten herausgefordert durch ein individuelles Werk. Hauptsächlich ein solches Werk fördert einen Zuspruch oder einen Widerspruch, an dem
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Individualität und Persönlichkeit reifen können.
Eine Kultur, die die Literatur aufgäbe, die die Lektüre nicht mehr förderte, nicht mehr darüber diskutierte, welche literarischen Werke man kennen sollte, hätte ein Menschenbild, in dem Individualität nur noch am Rande vorkommt.
Lesen muß man lernen. Natürlich kann man jedem Schüler den Spaß vertreiben, indem man
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Literatur als Objekt der jeweils neuesten germanistischen Methode mißbraucht. Mit pädagogischen „Kanonen“ kann man, wenn der Kalauer gestattet ist, jeden Kanon sturmreif schießen. Ziel der Beschäftigung mit Literatur sollte es jedoch sein, genau und mit persönlicher Bereicherung lesen zu lernen.
Je anspruchsvoller die Literatur ist, umso fähiger macht sie zur Kritik. Wer die großen
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Erzählungen kennt, fällt nicht mehr auf jedes schlicht gestrickte Zeug herein. Ein literarischer Kanon hätte also auch eine aufklärerische Funktion. Er würde – unter anderem – die Augen öffnen für das oft erbärmlich schlechte Erzählen gerade in manchen neuen Medien.
Das sind für mich die beiden Hauptargumente für die Debatte um einen Kanon: gemeinsame Kenntnisse der Grunderzählungen unserer Kultur und die an Qualität geschulte Kritikfähigkeit.
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Wir sind hier versammelt im Namen Goethes, und ich habe mir erlaubt, vom Anlaß des heutigen Tages etwas abzuschweifen. Ich bin mir aber sicher, daß das in seinem Sinne gewesen wäre.


[1] Kanon: Zusammenstellung derjenigen Werke, denen in der Literatur ein herausgehobener Wert bzw. eine wesentliche, normsetzende und zeitüberdauernde Stellung zugeschrieben wird
[2] Wochenzeitung: Gemeint ist DIE ZEIT
[3] Die Frage nach einem Kanon stellt sich auch im schulischen Kontext, z.B. im Zusammenhang mit verbindlichen Lektüren im Lehrplan. Im Lehrplan für das Gymnasium in Bayern sind über alle Jahrgangsstufen hinweg exemplarische Werke zu behandeln, die einzige vorgeschriebe Pflichtlektüre ist Goethes Faust I in der Q11.
[4] Hedwig Courths-Mahler: ehemals sehr bekannte deutsche Schriftstellerin, die mit ihren zahlreichen Trivialromanen grße Erfolge erzielte.
[5] Kursbuch der Deutschen Bahn: Anspielung auf Hans Magnus Enzenbergers (*1929) Gedicht ins lesebuch für die oberstufe (1957), das mit der provokanten Aufforderung beginnt: „lies keine oden, mein sohn, lies die fahrpläne: sie sind genauer“
[6] Unter dem Titel Ewiger Vorrat deutscher Poesie gab 1926 der deutsche Dichter Rudolf Borchardt (1877-1945) eine Sammlung von Gedichten heraus, die aus seiner Sicht überzeitliche Gültigkeit beanspruchen können.
[7] Dr. Faust […] Buddenbrooks: bedeutende und berühmte Figuren von als klassisch angesehenen Dichtungen der deutschsprachigen Literatur
[8] Max und Moritz […] Momo: bekannte literarische Figuren, v. a. aus dem Bereich der Kinder- und Jugendliteratur
Aus: Roman Herzog: Brauchen wir einen neuen Kanon?, in ders., Freiheit des Geistes. Reden zur Kultur, hrsg. von Manfred Bissinger, Hamburg 1999, S. 85-89.
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Kurzlösungen
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Textbezogenes Argumentieren

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Roman Herzog: Brauchen wir einen neuen Kanon?

Teilaufgabe 1

Vorarbeit

Bevor du beginnst, lies dir die Rede aufmerksam durch. Mache dir Notizen zur Argumentationsstruktur und arbeite Herzogs Hauptargumente heraus.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen kurzen Basissatz. Erkläre kurz, um was es in der Rede geht.
Basissatz
  • Titel: Brauchen wir einen neuen Kanon?
  • Redner: Roman Herzog; Bundespräsident von 1994 bis 1999
  • Anlass: Wiedereröffnung des Frankfurter Goethe-Museums in Goethes Geburtshaus
  • Inhalt: Roman Herzog erklärt, warum er einen literarischen Kanon für notwendig hält.

Hauptteil

Im Hauptteil nennst du nun Herzogs Hauptargumente und verfolgst seine Argumentationsstruktur. Beachte dabei auch ausgewählte sprachliche Mittel.
Hauptargumente
  1. gemeinsame Kenntnis der Grunderzählungen der Kultur
  2. an Qualität geschulte Kritikfähigkeit
Argumentationstsruktur
  • beginnt damit, dass Goethe auf Platz 1 des Literaturkanons gewählt wurde
  • Literaturkanon kritisches Thema, da viele Literatur nicht in besser und schlechter unterteilen wollen
  • Herzog geht es jedoch nicht um besser oder schlechter, sondern um gemeinsame gesellschaftliche Grundlage
  • Figuren sollen nicht Ideale darstellen, sondern Bezugsfiguren sein
  • Unterschied zwischen Roman und Fernsehproduktion:
    $\rightarrow$ Roman konfrontiert einen mit einem einzelnen Autor; individuelle Meinung und Gesellschaftsbild
    $\rightarrow$ Film entsteht durch Autorenteam; individuelle Handschrift dabei nicht vorhanden
  • durch das Lesen von ausgewählter Literatur sollen Jugendliche in ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer Rechtschreibung bereichert werden
  • Zusammenfassung seiner zwei Hauptargumente
  • schließt den Kreis wieder, indem er wieder auf Goethe zu sprechen kommt indem er anführt, dass seine Abschweifungen zum literarischen Kanon in Goethes Sinn gewesen wäre
Sprachliche Mittel
  • Ironie: „ Und wenn auch das Kursbuch der Deutschen Bahn sicher mehr Informationen enthält als ein Gedicht […]“ (Z.19-20)
    $\rightarrow$ betont den Inhalt der Aussage, dass ein Gedicht kulturell wertvoller ist als ein anderes Schriftstück, auch wenn es weniger informativ ist
  • Alliteration: „Bezugsgeschichten und Bezugsfiguren“ (Z. 42); „modernen Medien“ (Z.54)
    $\rightarrow$ wirken betonend und einprägsam
    $\rightarrow$ betont, dass die Figuren und Geschichten nicht idealisiert werden sollen, sondern einen Bezug zum Leser herstellen sollen
    $\rightarrow$ moderne Medien werden hier betont, da Herzog sie als schlechten Einfluss auf die Autorenschaft sieht
  • Einbezug der Zuhörer: „Wir brauchen alle […] Wir erleben ja täglich […]“ (Z.24-28)
    $\rightarrow$ Herzog bezieht seine Hörer mit ein und gibt ihnen ein Gefühl, ihre Probleme verstehen zu können und einer von ihnen zu sein
    $\rightarrow$ weckt damit Sympathie der Leser

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du zum Schluss nochmals deine Ergebnisse zusammenfasst.
  • Herzog ist der Meinung, dass ein literarischer Kanon notwendig ist
  • Hauptargumente:
    $\rightarrow$ literarischer Kanon bildet für alle Menschen eine Grundlage ihrer Kultur
    $\rightarrow$ nur an qualitativ hochwertiger Literatur können die Menschen ihre Kritikfähigkeit schulen
  • führt durch Beispiele zu Hauptargumenten hin; weckt durch Einbezug der Zuhörer deren Sympathie und Interesse für das Thema

Teilaufgabe 2

Vorarbeit

Bevor du beginnst, lies dir Roman Herzogs Rede nochmals ausführlich durch. Überlege dir was für seine Argumente spricht und was dagegen.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen kurzen Basissatz, in welchem du etwas über Roman Herzog und über den Inhalt seiner Rede sagst.
Basissatz
  • Titel: Brauchen wir einen neuen Kanon?
  • Redner: Roman Herzog; Bundespräsident von 1994 bis 1999
  • Anlass: Wiedereröffnung des Frankfurter Goethe-Museums in Goethes Geburtshaus
  • Inhalt: Roman Herzog erklärt, warum er einen literarischen Kanon für notwendig hält.

Hauptteil

Im Hauptteil nennst du nun nochmals Roman Herzogs Hauptargumente. Anschließend erörterst du vor dem Hintergrund unserer heutigen Mediengesellschaft Herzogs Forderung nach einem literarischen Kanon.
Hauptargumente
  1. gemeinsame Kenntnis der Grunderzählungen der Kultur
  2. an Qualität geschulte Kritikfähigkeit
Erörterung
$\blacktriangleright$ Pro Argumente
  • Literatur bildet Basis unserer Kultur; Menschen sollten sich durch Literatur mit Kultur auseinander setzen
  • junge Menschen lesen zu wenig; könnten dabei auch auf Ebook-Readern lesen
    $\rightarrow$ Lesen fördert Grammatik, Wortschatz und allgemeine Bildung
  • literarischer Kanon könnte Lehrpläne in ganz Deutschland vereinheitlichen
    $\rightarrow$ bisher in allen Bundesländern verschiedene Pflichtlektüren, Abschlussthemen usw.
  • literarischer Kanon nur als Empfehlung, was man gelesen haben sollte; niemand wird dazu gezwungen
$\blacktriangleright$ Contra Argumente
  • literarischer Kanon müsste kontinuierlich angepasst werden, da manche Literatur auch nicht mehr zeitgemäß ist
  • nicht nur Literatur fördert Kritikfähigkeit, sondern auch das Lesen oder Ansehen von Nachrichten; Beschäftigung mit dem Weltgeschehen
  • auch wichtig, dass junge Menschen nicht nur Literaturkenntnis haben
    $\rightarrow$ Medienkompetenz ist wichtiger, da Umgang mit Medien im späteren Berufsleben vorausgesetzt wird und Mediengesellschaft auf modernen Medien beruht und nicht nur auf Literatur
  • niemand sollte sich gezwungen sehen, die empfohlene Literatur lesen zu müssen um nur dann Mitglied der Gesellschaft sein zu können
Eigene Erfahrungen
  • Bücher in Schule wurden nur gelesen, weil darüber Klausuren geschrieben wurden
  • Themen in der Literatur oft nicht zeitgenössisch oder modern
  • durch Sprachwandel auch oft Schwierigkeiten beim Lesen der alten Literatur
  • Lesen auf Ebook-Reader genau so gut wie normales Buch
  • heute wird sich wenig über Literatur unterhalten und mehr über Filme oder Fernsehserien

Schluss

Am Besten wäre es, wenn du zum Schluss deine Ergebnisse zusammenfasst. Ebenfalls kannst du auch objektiv persönlich Stellung nehmen zum Thema des literarischen Kanons.
  • literarischer Kanon wichtig, da Literatur zur Kultur gehört und Jugend sich vor allem in Mediengesellschaft noch mit Kultur befassen sollte
  • nützlich für einheitliche schulische Bildung
  • trotzdem sollte sich niemand gezwungen sehen, alle Bücher des literarschen Kanons lesen zu müssen oder sich minderwertig fühlen, weil er es nicht gelesen hat
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$\blacktriangleright\;$ Thema:
Roman Herzog: Brauchen wir einen neuen Kanon?

Teilaufgabe 1

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog erklärt in seiner Rede Brauchen wir wirklich einen neuen Kanon?, die er zum Anlass der Wiedereröffnung des Frankfurter Goethe-Museums in Goethes Geburtshaus vortrug, warum er einen literarischen Kanon für notwendig hält. Zum einen ist Herzog der Meinung, dass ein literarischer Kanon in einer immer pluralistischer werdenden Gesellschaft gemeinsame Kenntnis schaffen kann. Zum anderen empfindet er den Kanon als ein Werkzeug, um eine an Qualität geschulte Kritikfähigkeit zu erlernen.
Herzog beginnt seine Rede mit der Anekdote, dass die Wochenzeitschrift Die Welt vor kurzem seine Leser danach gefragt hatte, was denn Schüler in der Schule lesen sollten. Goethes Faust wurde auf Platz 1 des Literaturkanons gewählt. Herzog selbst empfindet die Frage nach einem Literaturkanon äußerst kritisch, denn Literatur kann nicht so einfach in gut oder schecht kategorisiert werden. Dies drückt er in der Metapher „Dünkel der Exklusivität“ (Z. 12) aus, denn offenbar ist die Literatur, die als exklusiv gewertet wird nur vermeintlich qualitativ hochwertig. Den Kanon an sich umschreibt Herzog mit der Metapher „Gespenst einer autoritären Wertsetzung“ (Z. 10), was darauf hindeutet, dass viele dieses Konzept als deutlich veraltet ansehen und es demnach negativ konnotiert ist. Roman Herzog plädiert jedoch darauf, dass ein klassischer Kanon relevant ist, denn es sei nicht egal, ob man „das menschliche Schicksal mit Hedwig Courths-Mahler oder mit Büchners Woyzeck“ (Z. 18) versucht zu verstehen. Mit dem Vergleich einer Trivialliteratur-Schriftstellerin mit dem tiefgründigen Büchner will Herzog ausdrücken, dass man das menschliche Schicksal nicht verstehen kann, indem man Trivialliteratur liest. Primär geht es ihm um eine gemeinsame gesellschaftliche Grundlage. Natürlich erkennt er durch den ironischen Kommentar „Und wenn auch das Kursbuch der Deutschen Bahn sicher mehr Informationen enthält als ein Gedicht […]“ (Z. 19-20) an, dass sich nicht jeder daran erfreut, ein Gedicht zu lesen, er postuliert jedoch gleichzeitig, dass ein Gedicht kulturell wertvoller ist, als ein anderes literarisches Werk, auch wenn es zuweilen weniger informativ ist.
Roman Herzog will jedoch keinesfalls einen „ewigen Vorrat deutscher Poesie“ (Z. 22f.). An dieser Stelle bezieht er sich auf den Dichter Rudolf Borchardt, der unter gleichem Titel eine Sammlung an bedeutenden deutschen Gedichten zusammentrug. Herzog nutzt diese Referenz auf ironische Weise, um zu zeigen, dass er keinesfalls auf einen immergleichen Kanon besteht. Vielmehr fordert er, dass inmitten einer pluralistischen Gesellschaft eine „gemeinsame Kenntnis von bestimmten menschlichen Erfahrungen, Wünschen, Ängsten oder Träumen“ (Z. 25f.) bestehen müsse. Mit dieser antithetischen Behauptung will Herzog darauf hinweisen, dass die stetig ansteigende Vielfalt, in der sich die Menschheit bewegt, einen gemeinsamen literarischen Konsens benötigt, um auf gleicher Erfahrungsebene in Diskurs gehen zu können. Dass dieses Phänomen alle inkludiert bestätigt die Forderung „Wir brauchen alle […] Wir erleben ja täglich […]“ (Z. 24ff.). Der ehemalige Bundespräsident bezieht hierbei seine Hörer mit ein und gibt ihnen ein Gefühl, ihre Probleme verstehen zu können und einer von ihnen zu sein. Dies weckt zudem Sympathie bei den Zuhörern. Bei seinen Auslassungen über einen literarischen Kanon bleibt Herzog jedoch stets realistisch, denn er meint keinesfalls, dass die Themen der besagten literarischen Werke alltäglicher Gesprächsgegenstand sein sollten (vgl. Z. 32ff.). Die Figuren des Kanon sollten keine Ideale darstellen, mit denen sich keiner identifzieren kann, sondern eher Bezugspersonen sein, wie etwa Lukas der Lokomotivführer oder Winnetou (vgl. Z. 40f.). Trotz allem reißt Herzog eine rhetorische Frage an, die wohl viele Menschen heutzutage bewegt: „Was soll inmitten der medialen Revolution noch die Diskussion um einen literarischen Kanon?“ (Z. 45f.) Er geht sogar soweit, die Literatur zu personifizieren und die Frage zu stellen, ob sie denn nicht schon gestorben sei (vgl. Z. 46). Mit seinen Fragen versucht Herzog, seine Zuhörer darauf aufmerksam zu machen, dass die Literatur immer noch großße Relevanz im Angesicht der heutigen Medien besitzt. Er stellt dabei jedoch einen klaren Unterschied zwischen Roman und Fernsehproduktion fest. Literarische Werke konfrontieren ein Individuum mit einem einzelnen Autor, dessen Meinung und eigentümlich geprägtes Welt- und Gesellschaftsbild. Ein Film hingegen entsteht durch ein Autorenteam, eine individuelle Handschrift ist dabei jedoch nicht vorhanden. Durch das Lesen von ausgewählter Literatur sollen Jugendlich jedoch in ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer Rechtschreibung und Ausdrucksweise bereichert werden. In dem Schlusssatz seiner Rede fasst er nochmals seine zwei Hauptargumente zusammen und schließt somit den Kreis wieder. Er kommt wieder auf Goethe zu sprechen, indem er anführt, dass seine Abschweifungen zum literarischen Kanon in Goethes Sinn gewesen wäre (vgl. Z. 75f.).
Insgesamt ist Roman Herzog der Meinung, dass ein literarischer Kanon notwendig ist, denn er bildet für alle Menschen eine Grundlage ihrer Kultur. Zudem können die Menschen - insbesondere Jugendliche - nur an qualitativ hochwertiger Literatur ihre Kritikfähigkeit schulen. Durch bewusst gewählte Beispiele führt Roman Herzog zu Hauptargumenten hin und durch den Einbezug der Zuhörer weckt er deren Sympathie und Interesse für das Thema.
#analysieren

Teilaufgabe 2

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog erklärt in seiner Rede Brauchen wir wirklich einen neuen Kanon?, die er zum Anlass der Wiedereröffnung des Frankfurter Goethe-Museums in Goethes Geburtshaus vortrug, warum er einen literarischen Kanon für notwendig hält. 20 Jahre ist es nun her, für einen ergänzenden Kanon plädiert hat. Doch innerhalb dieser 20 Jahre hat sich die Medienlandschaft komplett verändert, Internet, Film und soziale Medien bestimmen nun den Entertainment-Alltag der Menschheit. Ist da ein literarischer Kanon überhaupt noch zeitgemäß?
In der heutigen Zeit der Schnellebigkeit wirkt ein Kanon der klassischen Literatur fehl am Platz. Ständig gibt es Neuerungen, neue Medien, Plattformen wie Snapchat sind ein Jahr in, das nächste Jahr werden sie wieder von Instagram überholt, dann gibt es wieder eine andere App. Ein literarischer Kanon ist jedoch sehr statisch und lässt wenig Veränderung zu - ein Attribut, das heutzutage kaum mehr tragbar ist. Die Literatur innerhalb dieses Kanons ist zum Teil bereits mehrere Jahrhunderte alt, die Erlebnisse oder Schicksale der Menschen sind nicht mehr vergleichbar oder gar anwendbar auf heutige Situationen. Die Literatur ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß und der Kanon müsste demnach kontinuierlich angepasst und ergänzt werden. Er darf außerdem nicht rein deutsch-sprachig sein in Zeiten der Globalisierung - Klassiker gibt es auch beispielsweise in anglophonen Kulturkreisen. Shakespeare, Dickens, Austen sollten keinesfalls ignoriert werden, denn sie bringen einen gesamtgeschichtlichen Kontext mit, der in einer globalen Welt für ein gemeinsames kulturelles Verständnis dringend notwendig ist.
Betrachtet man den ureigenen Charakter eines Buches, so geht es primär um das Entdecken eines anderen Lebens, eines anderen Individuums und dessen Ereignisse und Erkenntnisse. Ob das Buch nun ein Klassiker ist oder nicht hat hier keine Relevanz, denn die Analyse und die Kritik eines Buches sollen durch das Lesen dessen gefördert werden. Wird man nun praktisch gezwungen oder dazu aufgefordert, einen Roman zu lesen, der zwar dem literarischen Kanon entspricht, aber mit welchem man sich überhaupt nicht identifizieren kann, so geht der Entdeckungscharakter des Lesens verloren und - schlimmer noch - auch das Interesse am Lesen. Niemand sollte sich gezwungen sehen, die empfohlene Literatur lesen zu müssen, um nur dann ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein zu können. Es ist doch vielmehr wichtiger, sich in einem gemeinsamen Gesprächskonsens bewegen zu können, um sich dort an der Kritikfähigkeit üben zu können.
Roman Herzog führt an, dass der literarische Kanon zur Kritikfähigkeit beitragen würde, doch nicht nur Literatur kann die Kritikfähigkeit fördern, sondern auch das Lesen oder Ansehen von Nachrichten kann zur Kritik befähigen. Beschäftigt man sich mit dem Weltgeschehen, so bildet man sich eine eigene Meinung zu bestimmten Themen und kann so genauso in den Diskurs gehen. Außerdem können beispielsweise Serien genauso Gegenstand einer Kritik sein - zu dieser hätten viel mehr Jugendliche Zugang als zu einem alten Klassiker, den man nicht mal versteht. Generell ist es heutzutage wichtig, dass junge Menschen nicht nut Literaturkenntnis haben, denn Medienkompetenz ist wichtiger, da der Umgang mit Medien im späteren Berufsleben vorausgesetzt wird und eine Mediengesellschaft, wie wir sie heutzutage haben, auf modernen Medien beruht und nicht nur auf Literatur.
Doch gerade jene immens große Medienlandschaft macht einen literarischen Kanon auch gleichzeitig notwendig. Das Internet ist allumfassend und durch den Überfluss an Informationen, kann nicht mehr gewertet werden, was tatsächlich relevante, menschliche Erfahrungen sind. Diese Fülle ist auch auf dem Buchmarkt präsent. Mit einem Angebot von über 90.000 Neuerscheinungen bleibt keine Chance, den Überblick zu bewahren. Auch deshalb ist ein Kanon sinnvoll.
Die Gesellschaft braucht einen gemeinsamen kulturellen Resonanzboden, also ein Netz aus allgemein bekannten Geschichten und Zitaten. Die Literatur bildet schließlich die Basis unserer Kultur und Menschen sollten sich generell durch die Literatur mit Kultur auseinandersetzen. Schließlich ist sie verschriftlicht, was eine Analyse durchaus einfacher macht.
Zudem hat ein literarischer Kanon auch Auswirkungen auf die schulische Bildung. Junge Menschen lesen heutzutage tendentiell weniger und so verkümmern Grammatik, Wortschatz und die allgemeine Bildung. Außerdem könnte ein literarischer Kanon Lehrpläne in ganz Deutschland vereinheitlichen. Bisher gibt es in allen Bundesländern unterschiedliche Pflichtlektüren oder Abschlussthemen. Eine Vereinheitlichung wäre daher im Sinne des gemeinsamen kulturellen Resonanzbodens.
Man kennt doch die Situation: Bücher wie Die Verwandlung von Franz Kafka oder Tauben im Gras von Wolfgang Koeppen werden von den Schülern nur gelesen, weil darüber Klausuren geschrieben werden - keinesfalls aus eigener Motivation. Denn die Themen, die dort behandelt werden sind keinesfall zeitgenössisch oder modern und durch den stattgefundenen Sprachwandel kommt es auch oftmals zu Schwierigkeiten beim Lesen der alten Literatur. Aus welchem Grund sollte man also solche Romane freiwillig lesen wollen? Die Relevanz des etwaigen Romanes ist zudem fragwürdig, denn sind die Erlebnisse eines Geschäftsreisenden, der sich in einen Käfer verwandelt, wirklich auf die Lebenssituation eines Jugendlichen übertragbar? Ich denke nicht. Meiner Meinung nach besitzt ein literarischer Kanon insofern eine Daseinsberechtigung, wenn er gemeinsam von verschiedenen Gruppen ausgehandelt wird, wie beispielsweise Jugendlichen, Literaturkritikern oder Lehrern.
Insgesamt ist ein literarischer Kanon wichtig, da Literatur zur Kultur gehört und Jugendliche sich vor allem in Mediengesellschaft noch mit Kultur befassen sollten. Zudem ist ein literarischer Kanon nützlich für eine einheitliche schulische Bildung, die dann wiederum den Eintritt in die Universitäten oder Hochschulen vereinfachen würde. Trotzdem sollte sich niemand dazu gezwungen sehen, alle Bücher des literarischen Kanons lesen zu müssen oder sich minderwertig fühlen, weil keine Werke des Kanons gelesen wurden.
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