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Aufgabe C

Aufgaben
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Erörterung pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 19. Jahrhundert
$\blacktriangleright\;$ Text:
Arno Holz: Evolution des Dramas (1897)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Erörtere für ein im Unterricht behandeltes Drama des Naturalismus, ob und inwieweit die von Holz dargestellten dramentheoretischen Überlegungen zutreffen.
  • Berücksichtige dabei deine Kenntnisse zu Konzepten realistischen Schreibens.
  • Erarbeite zunächst die Positionen des Autors.
Material 1
Arno Holz: Evolution des Dramas (1897)
$\;$
[…] Noch unlängst hatte auf unserem Theater als ein Inbegriff aller modernen Antiklassik
und Antiromantik die Art der letzten großen Norweger[1] gegolten. Nichtsdestoweniger besteht
zwischen der Diktion zum Beispiel Ibsens[2] und der Rhetorik Schillers[3], ich könnte natürlich
auch beliebig andere nennen, kein Wesensunterschied. Beide Künstler, über das
5
Jahrhundert hinweg, das sie trennt, und so viele Welten auch zwischen ihnen liegen, in der
Überzeugung treffen sie sich: die Sprache des Theaters ist nicht die Sprache des Lebens.
Wie ja auch Shakespeare diese nicht gegeben und überhaupt niemand bisher, zu keiner Zeit
und in keinem Volke.
So oft sich diese Sprache bis jetzt hervorgewagt hatte, und sie wagt sich wiederholentlich
10
hervor, wenn auch überall erst in Ansätzen und noch nirgends durchgebildet, war sie neben
der eigentlich literarischen nie mehr als die sozusagen geduldete gewesen, das
Aschenbrödel neben der Prinzessin; und es war keiner auf die Vermutung verfallen, am
wenigsten natürlich die sogenannte Ästhetik, sie, die Mißachtete, könnte am Ende die
heimlich künstlerische sein und jene Gefeierte die offenbar plumpe.
15
Genau von diesem entgegengesetzten Standpunkt aber gehen bei uns heute die Jungen
aus: die Sprache des Theaters ist die Sprache des Lebens. Nur des Lebens! Und es versteht
sich von selbst, daß damit für jeden, der derartige prinzipielle Umwälzungen in einer Kunst –
die ja allerdings begreiflich nicht zu häufig vorkommen – auch sofort als solche zu erkennen
weiß, ein Fortschritt in dieser Kunst eingeleitet ist, eine neue Entwicklungs-, nicht bloß
20
Möglichkeit, sondern, worauf es vor allem ankommt, -Notwendigkeit, wie sie ähnlich breit in
ihrer Basis bisher noch nicht vorhanden gewesen. Ihr Ziel zeichnet sich klar: die aus dem
gesamten einschlägigen Reproduktionsmaterial[4] sich nun einmal ergebenden
Unvermeidlichkeiten möglichst auf ein Minimum herabzudrücken, statt des bisher überliefert
gewesenen posierten[5] Lebens damit mehr und mehr das nahezu wirkliche zu setzen, mit
25
einem Wort, aus dem Theater allmählich das »Theater« zu drängen.
[…] die Menschen auf der Bühne sind nicht der Handlung wegen da, sondern die Handlung
der Menschen auf der Bühne wegen. Sie ist nicht der Zweck, sondern nur das Mittel. Nicht
das Primäre, sondern das Sekundäre. Mit anderen Worten: nicht Handlung ist also das
Gesetz des Theaters, sondern Darstellung von Charakteren. Und dieses Gesetz, dieses
30
Fundamentalgesetz alles Dramatischen, in aller Klarheit aus den Dingen als erste
empfunden zu haben, nachdem das gesamte Akademikertum zweier Jahrtausende sich wie
das Tier auf der Heide vergeblich im Kreise gedreht, war, ich gebe es zu, allerdings unser
Pech! Daß man dann aber gleich das Kind mit dem Bade ausschüttete, und uns unterhob,
wir perhorreszierten[6] nun überhaupt jede Handlung, als ob ein Drama ohne Handlung auch
35
nur denkbar wäre, und wir wollten nur noch Stücke ohne Anfang, Mitte und Ende, fällt nicht
uns zur Last, die wir solches Blech nie gewalzt[7] haben, sondern war lediglich Folge der
vielen, uns ach, so überlegenen Intelligenzen auf den Redaktionssesseln, denen es natürlich
ein leichtes war, uns sofort besser und gründlicher zu verstehen, als wir uns selbst
verstanden. Man kennt ja den Vorgang. Er wiederholt sich fast täglich auf allen Gebieten.
40
Keine Kunstform darf leisten wollen, was eine andere Gattung durch die ihr eigentümlichen
Mittel noch wirksamer zu leisten vermag. Gewiß. Ich gebe das vollständig zu. Nur eben, weil
dieser Satz von so unwiderleglicher Wahrheit ist, deshalb, gerade deshalb, ich wiederhole,
ist Handlung nicht das Gesetz des Theaters. In eine Novelle von drei Seiten ist es technisch
möglich, mehr Begebenheit zu pfropfen als in ein Drama von zehn Akten. Und umgekehrt
45
durch eine Szene von fünf Minuten ist es selbst dem mittelmäßigen Dramatiker […]
technisch möglich, mehr unmittelbar wirkende Menschendarstellung zu geben als selbst dem
genialsten Romancier in einem ganzen Kapitel. Den einen hindern eben seine Mittel, und
den anderen tragen sie. Das ist der Unterschied.
[…] Und ferner, worauf es als Schlußfolgerung hier ankommt: wäre der alten Ästhetik
50
hypostasierte[8] Gesetz, Handlung ist die letzte Absicht des Theaters, wirklich das richtige
gewesen, das der Realität parallele: unsere technische Neuerung – die Sprache des Lebens,
die wir an die bisherige von Papier setzten – wäre von absolut keiner Bedeutung gewesen.
Denn eine Handlung bleibt naturgemäß die selbe, ob ich sie durch eine primitive oder eine
differenzierte Ausdrucksweise begleite. Verhält es sich aber gewissermaßen umgekehrt, und
55
ist, wie ich behaupte, der Mensch selbst und seine möglichst intensive Wiedergabe das
Kerngesetz des Dramas, so liegt auf der Hand, daß unsere Revolutionierung des dann
zentralsten Mittels dieser Kunst eine so tiefgründige war, wie sie als Basis einer neuen
Entwicklungsmöglichkeit tiefgründiger nicht einmal gedacht werden konnte. […]


[1] großer Norweger: Sammelbegriff für norwegische Dramatiker
[2] Ibsen: Henrik Ibsen (1818-1906), Norwegischer Dramatiker und Lyriker
[3] Schiller: Friedrich Schiller (1759-1805), deutscher Dichter, Philosoph und Historiker
[4] Reproduktionsmaterial: für die künstlerische Produktion nötige Mittel
[5] posierten: von Pose, gekünstelt, gestellt
[6] perhorreszieren: mit Abscheu zurückweisen, ablehnen
[7] solches Blech nie gewalzt haben: nicht auf eine solche Weise gehandelt, solche Positionen nicht vertreten haben
[8] hypostasiert: vergegenständlicht, als gegenständlich aufgefasst
Quelle: Holz, Arno: Evolution des Dramas In: Naturalismus. Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur 1880-1900 Hrsg. von Manfred Brauneck und Christine Müller. Stuttgart: J.B. Metzler Verlag 1987, S. 295-298.
Erläuterung: Arno Holz (1863-1929), Dramatiker des Naturalismus
#drama#erörtern
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Erörterung pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 19. Jahrhundert
$\blacktriangleright\;$ Text:
Arno Holz: Evolution des Dramas (1897)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Erörtere für ein im Unterricht behandeltes Drama des Naturalismus, ob und inwieweit die von Holz dargestellten dramentheoretischen Überlegungen zutreffen.
  • Berücksichtige dabei deine Kenntnisse zu Konzepten realistischen Schreibens.
  • Erarbeite zunächst die Positionen des Autors.
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Erörterung pragmatischer Texte geht es zunächst darum, die wichtigen inhaltlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Themen auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
Erörtere dann, inwiefern diese Meinung des Autors auf das von dir gewählte Drama zutrifft. Strukturiere deinen Text mit Absätzen: z. B. solltest du nach jedem Argument einen Absatz machen. Baue deine Argumente sauber auf mit Behauptung, Begründung und einem Beispiel.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzich muss deine Erörterung folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Intention des Autors, Erörterung seiner Argumente, Beispiele und Belege aus dem Drama bzw. Gegenargumente aus dem Drama
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Fazit der Erörterung
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Erörterung pragmatischer Texte geht es zunächst darum, die wichtigen inhaltlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Themen auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
Erörtere dann, inwiefern diese Meinung des Autors auf das von dir gewählte Drama zutrifft. Strukturiere deinen Text mit Absätzen: z. B. solltest du nach jedem Argument einen Absatz machen. Baue deine Argumente sauber auf mit Behauptung, Begründung und einem Beispiel.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzich muss deine Erörterung folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Intention des Autors, Erörterung seiner Argumente, Beispiele und Belege aus dem Drama bzw. Gegenargumente aus dem Drama
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Fazit der Erörterung

Vorarbeit

Bevor du beginnst, musst du den Text von Arno Holz genau lesen, relevante Textstellen markieren und dir Notizen zur Hauptaussage und den dramentheoretischen Überlegungen machen.
Überlege dir dann, welches Drama des Naturalismus du für die Erörterung heranziehen möchtest. Mache dir außerdem noch einmal bewusst, was du im Unterricht über die Konzepte realistischen Schreibens gelernt hast.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen kurzen Basissatz, der folgende Informationen enthält: Autor, Ort und Datum der Erscheinung. Fasse dann kurz die Hauptaussage des Textes zusammen und nennen auch die wichtigsten Daten zu dem Drama, das du für deine Erörterung ausgewählt hast.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du zuerst einmal den Text von Arno Holz analysieren. Überlege dir, welches die zentralen Aussagen seines Textes sind und arbeite seine Position heraus. Schließlich musst du die Richtigkeit und die Gültigkeit der Aussagen in Bezug auf dein ausgewähltes Drama überprüfen. Beziehe dich hierfür auf deine Kenntnisse zur Handlung und zu den einzelnen Figuren sowie auf dein Wissen über Konzepte realistischen Schreibens. Es ist wichtig, dass du beim Erörtern immer beide Seiten einer Behauptung beleuchtest und sowohl zustimmende als auch kritische Belege anbringst.
Position des Autors
  • Arno Holz erklärt, dass die Sprache des Theaters bisher nie lebensnah war
  • Aber: In Wahrheit ist die Sprache des Lebens die wirklich künstlerische und wahre
  • Ziel ist es, die künstlerischen Mittel zu reduzieren und sich nicht mehr auf posiertes, gekünsteltes zu konzentrieren, sondern auf das Wirkliche
  • Das Theater aus dem Theater zu verdrängen, ist laut Holz ein Fortschritt, der längst nötig war
  • Die Handlung soll nur noch Mittel zum Zweck sein
  • Laut Holz sollen die Menschen im Mittelpunkt stehen; die Darstellung der Charaktere ist das neue Gesetz des Theaters
  • Gleichzeitig widerlegt er die Behauptung, es solle keine Handlung mehr geben
  • Drama ohne Handlung ist auch für ihn nicht denkbar
  • Aber: Wäre die Handlung das Gesetz des Theaters, wäre eine Änderung der Sprache nicht von Bedeutung gewesen. Die Handlung wäre dieselbe geblieben
  • Dass die Revolutionierung der Sprache solche Gewalt hatte, zeigt, dass der Mensch und seine Darstellung in Wahrheit schon immer das Kerngesetz des Theaters sind
Konzepte realistischen Schreibens
  • Wirklichkeitsgetreue Schilderung mit vielen Details
  • Soziale Umstände im Mittelpunkt des Interesses; sozialkritische Ausrichtung
  • Die passiven Helden entstammen der Unterschicht
  • Die Persönlichkeit und die Schilderung des Innenlebens stehen im Vordergrund
  • Das Kranke, Nackte, Hässliche wird dargestellt ohne Schleier
  • Oftmals wird mit Humor und Ironie gearbeitet, um von der Tristesse abzulenken
  • Keine Rhetorik, sondern Echtheit und Schlichtheit der Sprache
Erörterung anhand eines Dramas des Naturalismus
$\blacktriangleright$ Beispiel 1: Nachtasyl (Maxi Gorki, 1902)
  • Einleitung: Das Drama Nachtasyl von Maxi Gorki ist auf 1902 datiert und spielt in einem Elendsquartier einer Provinzstadt in Russland. Für die Bewohner ist das Asyl weniger Zufluchtsort als Gefängnis und Ort der Hoffnungslosigkeit.
  • Inhalt: In dem Elendsquartier kommen die verschiedensten Menschen zusammen, die trotz ihres engen Miteinanders kein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln. Stattdessen ist ihr Alltag von Gewalt, Einsamkeit und Streit geprägt und jeder kämpft für sich allein gegen sein ganz eigenes Problem wie Alkoholsucht, Schulden oder Betrug an. Nachdem nicht einmal der fürsorgliche, mitfühlende Pilgerer Luka die Gruppe vereinen kann, kommt es zu einem Mordkomplott und dem Unfalltod des Herbergenbesitzers.
  • Die von Arno Holz geforderte lebensnahe Sprache trifft zu: Umgangssprachliche Worte wie „Was für 'ne große Dame“; viele Beschimpfungen und Beleidigungen; keine korrekte Grammatik
  • Wie von Holz postuliert wenig künstliche Mittel: keine rhetorischen Figuren außer Ellipsen; nur in gesungenen Liedern Reime oder Stilmittel; nicht wie beim klassischen Drama fünf, sondern nur vier Akte
  • Die Handlung ist wie beschrieben nur Mittel zum Zweck: Wenn z.B. die Bewohner sich streiten über Lügen oder sich auf den Weg zum Markt machen, tut das direkt nichts zur Sache; nur dazu da, die sozialen Umstände zu zeigen, die die Psyche der Bewohner beeinflussen
  • Entsprechend Holz' Theorie stehen die Charaktere und ihre Psyche im Mittelpunkt: Es geht darum, wie sehr sich die Bewohner nach ihrem alten Leben sehnen, wie hinterhältig Wassilissa, die Frau des Herbergenbesitzers, ist, wie eiskalt und egoistisch die Bewohner mit dem Tod von Anna umgehen, wie hoffnungslos sich Wassilissas Schwester fühlt, etc.
  • Das Kranke, Hässliche wird gezeigt: Die Situation ist hoffnungslos, die Stimmung düster, das Milieu halbkriminell
  • Fazit: Nachtasyl entspricht den Überlegungen von Arno Holz
$\blacktriangleright$ Beispiel 2: Vor Sonnenaufgang (Gerhart Hauptmann, 1889)
  • Einleitung: Das Sozial-Drama Vor Sonnenaufgang von Gerhart Hauptmann aus dem Jahr 1889 handelt von der Bauernfamilie Krause, die durch Kohlefund reich geworden ist, aber aufgrund des Geldes immer mehr verkommt.
  • Inhalt: Nachdem die Bauernfamilie Krause aus dem schlesischen Witzdorf Ländereien mit Kohle verkauft hatte, wurde sie plötzlich reich. Das Geld verleitete allerdings Bauer Krause und seine Tochter Martha zum Alkohol. Deren erstes Kind starb sogar an Scherben, als es vermeintlich Alkohol trinken wollte. Das zweite Kind von Martha wird durch ihre Sucht tot geboren. Bauer Krause wird außerdem von seiner zweiten Ehefrau mit deren Neffen betrogen. Er wiederum aber fasst seine zweite Tochter unzüchtig an. Helene, die auf einem Internat aufgewachsen ist, kommt mit all dem nur schwer klar. Sie leidet unter dem Milieu ihrer Familie und versucht, auszubrechen. Ihre Liebe zum Studienfreund ihres Schwagers aber scheitert, als dieser von der Alkoholsucht in ihrer Familie erfährt. Aus Angst vor der Vererbbarkeit der Sucht verlässt er Helene, die sich daraufhin umbringt.
  • Die von Arno Holz geforderte lebensnahe Sprache trifft zu: Es findet sich eine Mischung aus Hochdeutsch und schlesischem Dialekt mit vielen unbekannten Wörtern, je nach Bildungsgrad des Sprechers; die Sätze sind teilweise abgebrochen oder grammatikalisch falsch
  • Wenig künstliche Mittel fraglich: Zwar ist die Sprache eine alltagsnahe Prosasprache, was die Form des Dramas angeht, hielt sich Hauptmann allerdings an das klassische Vorbild mit fünf Akten, Einheit der Zeit, Einheit des Orts und geschlossene Handlung, lediglich mit der Ständeklausel hat der Autor entsprechend der Merkmale realistischen Schreibens gebrochen
  • Die Handlung ist mehr Mittel zum Zweck, als selbst der Zweck: Mit der Handlung will Hauptmann aufzeigen, dass der Mensch und seine Psyche durch Milieu, Erziehung und Vererbung geprägt ist. Die Handlung ist also wichtig, wichtiger aber ist die Erklärung der Charaktere, z.B. die Erklärung, warum Helene sich umbringt, weil sie keine Hoffnung mehr hat, ausbrechen zu können
  • Entsprechend Holz' Theorie stehen die Charaktere und ihre Psyche im Mittelpunkt: Es geht hauptsächlich um die Degeneration der Familie und wie die einzelnen Personen so enden konnten
  • Das Kranke, Hässliche wird detailliert dargestellt, ohne etwas zu beschönigen
  • Fazit: Vor Sonnenaufgang hält zwar noch am alten Dramen-Aufbau fest, entspricht aber weitestgehend den Überlegungen von Arno Holz

Schluss

Am Schluss solltest du ein Fazit ziehen und noch einmal kurz zusammenfassen, zu welchem Ergebnis du bei deiner Erörterung gekommen bist. Greife die für dich interessantesten Argumente noch einmal auf, um Holz' Position zu bewerten. Hier darfst du auch deine eigene Meinung zu Dramen des Naturalismus und den dramentheoretischen Überlegungen anbringen.
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