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Aufgabe A

Aufgaben
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Erörterndes Erschließen pragmatischer Texte - Texterörterung

Aufgabe:
  • Erörtere, ob bzw inwiefern die Figurengestaltung in E.T.A. Hoffmanns Märchenerzählung Klein Zaches genannt Zinnober (1819) den Auffassungen Johann Caspar Lavaters zur Physiognomik entspricht.
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#erörtern#etahoffmann
  • Erarbeite dafür zunächst die Argumentation Lavaters zur Beziehung zwischen der äußeren Erscheinung un den Charaktereigenschaften.
#argumentationsstruktur

Johann Caspar Lavater: Von der Physiognomik (1772) (Auszug)

 
Physionomik ist die Wissenschaft, den Charakter (nicht die zufälligen Schicksale) des Menschen im weitläuftigsten Verstande aus seinem Aeußerlichen zu erkennen; Physiognomie im weitläuftigen Verstande wäre also alles Aeußerliche an dem Körper des Menschen und den Bewegungen desselben, in sofern sich daraus etwas von dem
5
Charakter des Menschen erkennen läßt. […]
Sagt uns die Vernunft nicht, daß jedes Ding in der Welt eine äußere und innere Seite habe, welche in einer genauen Beziehung gegen einander stehen? daß jedes Ding eben darum, weil es das und kein anders Ding ist, etwas an sich haben müsse, wodurch sein Unterschied von jedem andern erkannt werden kann? […]
10
Der moralische Charakter oder die sittliche Gemüthsbeschaffenheit des Menschen, sollte nicht auch diese, nach dem bloßen Urtheile der Vernunft, aus dem Aeußerlichen des Menschen erkennbar seyn? Sollte eine sanftmüthige, bescheidene, friedfertige Seele den Muskeln des Angesichts diejenige Wildheit, Strenge, Furchtbarkeit geben können, welche das Gesicht eines rohen harten zornigen, und unerbittlichen Menschen verunstalten? […]
15
Die gute Physiognomie eines Menschen ist für den Kenner eine der besten Empfehlungen, und ich mache mir kein Bedenken zu sagen, eine der sichersten, die Gott ihm selbst anhängt, oder aufgedrückt hat; die das Herz zugleich einnimmt, und mit Freude und Liebe erfüllt. […]
Die Physiognomik verschwistert Herzen und Herzen; sie stiftet die dauerhaftesten und
20
edelsten Freundschaften; sie erhöhet das Vergnügen des Umganges; sie sagt dem Herzen, wo es reden und schweigen, warnen und ermuntern, trösten und strafen soll.
Sie ist zu der Erziehung der Kinder oder Lehrlinge schlechterdings unentbehrlich. Denn sie zeigt mehr, als alle Handlungen und Worte; sie zeigt die intellectuellen und moralischen Anlagen. […]
25
Hundert physiologische Regeln1 […]
XIX. Stirnfalten.
Verworrene, stark gegrabene, gegen einander streitende Falten in der Stirn - sind immer ein sicheres Zeichen eines rohen, verworrenen, und schwer zu behandelnden Charakters.
Zwischen den Augenbrauen noch eine gevierte2 Fläche - oder eine thorförmige,
30
faltenlose Breite, die faltenlose bleibt, wenn um sie her sich alles roh3 furcht - o, da ist ein sicheres Zeichen der höchsten Schwachheit und Verworrenheit.
Quelle: Johann Caspar Lavater: Von der Physignomik. Leipzig 1772, S.7 ff.
1Hundert physiognomische Regeln: Lavater listet hundert physiognomische Regeln auf, von denen hier eine zu Illustrationszwecken angeführt wird.
2gevierte: viereckige
3roh: hier im Sinne von stark
#romanauszug
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$\blacktriangleright$ Du sollst die Argumentation Lavaters zur Beziehung zwischen der äußeren Erscheinung und den Charaktereigenschaften erarbeiten.
In diesem ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Text von Lavater verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation von Lavatar aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Argumente konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Stellen farbig markierst. Worauf du besonders achten solltest, ist, dass dein Sprachstil sachlich, und distanziert bleibt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander. Achte bei diesem Teil der Aufgabe darauf, die Gedanken des Autors indirekt, also im Konjunktiv, wiederzugeben. Gehe nun wie folgt vor:
    1. Lies den Text mehrmals aufmerksam durch, markiere wichtige Begriffe und mache Thesen und Argumente des Autors kenntlich.
    2. Überlege dir kurz eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch vor (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten).
    3. Schreibe deinen Text kurz und prägnant. Fasse dabei die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Wichtig ist, dass du nicht nur eine reine Textzusammenfassung verfasst, sondern auch kurz auf den Schreibstil des Autors eingehst.
    Wichtig: Vergiss nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe oder einer vergleichenden Zeilenangabe zu versehen.
$\blacktriangleright$ Deine Aufgabe ist es, zu erörtern, ob bzw. inwiefern die Figurengestaltung in E.T.A Hoffmanns Märchenerzählung „Klein Zaches genannt Zinnober“ (1819) den Auffassungen Johann Caspar Lavaters zur Physiognomik entspricht.
Im zweiten Aufgabenteil sollst du die Ergebnisse aus der ersten Aufgabe nutzen, um sie auf die Märchenerzählung anzuwenden. Der Operator erörtern setzt voraus, dass du dich auf Basis deines Textverständnisses kritisch mit den Gedankengängen auseinandersetzt. Dazu musst du die dargelegten Thesen und Argumente durchleuchten, überprüfen und sinnvoll auf E.T.A. Hoffmanns Text anwenden. Es ergibt Sinn, die Theorie von Lavater auf verschiedene Personen der Mächenerzählung anzuwenden und dann Vergleiche zu ziehen. Berücksichtige auch, an welchen Punkten du mit Lavaters Theorie an Grenzen stößt.
Es geht jetzt auch darum, dass du eine eigene Position beziehst und diese darlegst. Du bist völlig frei in der Ausgestaltung deiner eigenen Meinung, du musst diese nur argumentativ und vor allem mit Textbelegen untermauern. Dafür kann es hilfreich sein, wenn du auf einem Blatt Papier Pro- und Kontra-Argumente sammelst und sie sinnvoll anordnest. Dann kannst du sofort loslegen! Wichtig ist hier, dass du – obwohl du nun kommentieren und bewerten sollst – einen sachlichen Schreibstil beibehältst.
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Thema:
Johann Caspar Lavater: Von der Physiognomik. Leipzig 1772, S. 7 ff.
E.T.A. Hoffmann: Klein Zaches genannt Zinnober, 1819.
Erste Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Du sollst die Argumentation Lavaters zur Beziehung zwischen der äußeren Erscheinung und den Charaktereigenschaften erarbeiten.
Tipp
In diesem ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Text von Lavater verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation von Lavater aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Argumente konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Stellen farbig markierst. Worauf du besonders achten solltest, ist, dass dein Sprachstil sachlich, und distanziert bleibt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander. Achte bei diesem Teil der Aufgabe darauf, die Gedanken des Autors indirekt, also im Konjunktiv, wiederzugeben. Gehe nun wie folgt vor:
    1. Lies den Text mehrmals aufmerksam durch, markiere wichtige Begriffe und mache Thesen und Argumente des Autors kenntlich.
    2. Überlege dir kurz eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch vor (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten).
    3. Schreibe deinen Text kurz und prägnant. Fasse dabei die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Wichtig ist, dass du nicht nur eine reine Textzusammenfassung verfasst, sondern auch kurz auf den Schreibstil des Autors eingehst.
    Wichtig: Vergiss nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe oder einer vergleichenden Zeilenangabe zu versehen.
Tipp
In diesem ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Text von Lavater verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation von Lavater aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Argumente konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Stellen farbig markierst. Worauf du besonders achten solltest, ist, dass dein Sprachstil sachlich, und distanziert bleibt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander. Achte bei diesem Teil der Aufgabe darauf, die Gedanken des Autors indirekt, also im Konjunktiv, wiederzugeben. Gehe nun wie folgt vor:
    1. Lies den Text mehrmals aufmerksam durch, markiere wichtige Begriffe und mache Thesen und Argumente des Autors kenntlich.
    2. Überlege dir kurz eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch vor (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten).
    3. Schreibe deinen Text kurz und prägnant. Fasse dabei die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Wichtig ist, dass du nicht nur eine reine Textzusammenfassung verfasst, sondern auch kurz auf den Schreibstil des Autors eingehst.
    Wichtig: Vergiss nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe oder einer vergleichenden Zeilenangabe zu versehen.
Der Textausschnitt aus Johann Caspar Lavaters Werk „Von der Physiognomik “wurde 1772 veröffentlicht. Lavater erörtert darin seine Vorstellung zur Beziehung zwischen der äußeren Erscheinung eines Menschen und dessen Charaktereigenschaften. Er veröffentlicht ein Regelwerk, bestehend aus einhundert physiognomischen Grundsätzen zur Interpretation von körperlichen Merkmalen hinsichtlich der daraus hervorgehenden Charakterzüge.
Einleitung
Der Auszug aus dem Text lässt sich in vier Sinnabschnitte gliedern. Zunächst wird die Wissenschaft der Physiognomik vorgestellt (Z. 1-5), um anschließend die Leitfragen aufzuzeigen, die zu einer Beschäftigung mit dem Thema führen (Z. 6-14). Darauf folgt eine Darstellung der Vorteile dieser Wissenschaft, wobei hierzu verschiedene Beispiele genutzt werden (Z. 15-24). Im letzten Teil des Auszugs ändert sich die Struktur und exemplarisch wird Regel 19 aus dem hundertteiligen Regelwerk formuliert.
Hauptteil
Struktur des Textes
Zu Beginn wird dem Leser die Ernsthaftigkeit der Thematik durch verschiedene sprachliche Aspekte deutlich gemacht. Zunächst wird die Physiognomik als eine „Wissenschaft“ (Z. 1) vorgestellt. Durch diese präzise Definition wird eine Zuverlässigkeit und Wissenschaftlichkeit versichert. Durch den Einschub in Klammern, es handle sich um den Charakter und nicht um Zufall oder Schicksal, wird ebenfalls der Aberglaube oder das Unberechenbare ausgeschlossen und die Faktizität der folgenden Studie belegt (vgl. Z. 1). Bei der Erläuterung des Prinzips relativiert der Autor allerdings seine zuvor so unumstößlich dargestellte Wissenschaft. Durch die Verwendung des Konjunktivs „wäre“ (Z. 3) und durch den Nebensatz „in sofern sich daraus etwas von dem Charakter des Menschen erkennen lässt“ (Z. 4-5) weist er vorsichtig auf die Grenzen seiner Theorie hin: Die Merkmale des Äußerlichen, die zur Charakteranalyse genutzt werden sollen, müssen Aufschlüsse über den Charakter zulassen.
Sinnabschnitt 1
(Z. 1-5)
Nachdem die Grundidee der Ausführung formuliert wurde, werden nun die Leitfragen, die zur Beschäftigung mit der Thematik führen, benannt. Hierbei müssen zwei verschiedene Arten von rhetorischen Fragen unterschieden werden. Die ersten zwei Fragen stellen für den Autor logisches Grundlagenwissen dar und beziehen den Leser des Textes mit ein. Bei den anderen Fragen wird die Vernunft des Lesers involviert. Dadurch, dass Lavater schreibt, die Vernunft sage uns, die erläuterten Zusammenhänge seien nachvollziehbar, wird der Leser kaum widersprechen wollen (vgl. Z. 6). Jeder, der das anders sieht, kann als unvernünftig gelten. Durch die Verwendung des Personalpronomens „uns“ (Z. 6) werden die Leser, die der Theorie des Autors zustimmen, mit ihm zusammen als die vernünftigen Menschen klassifiziert. Der Leser wird Lavaters Fragen also bejahen und ihm zustimmen.
Der Appell an die Vernunft der Leser wird auch im zweiten Abschnitt der rhetorischen Fragen aufgegriffen (vgl. Z. 11). Beide Fragen werden mit „sollte“ (Z. 10 und Z. 12) eingeleitet. Die offenen Fragen, die der Autor mit seiner Theorie zu klären versucht, erscheinen dadurch auch dem Leser als klärbar. Es folgt logisch, dass es eine wissenschaftliche Auflösung zu den gestellten Fragen geben muss.
Sinnabschnitt 2
(Z. 6-14)
Nachdem diese rhetorischen Fragen den Leser zum Nachdenken angeregt haben, kann sich der Autor sicher sein, dass die Leser seine Gedankengänge nachvollziehen. Nun versucht er, über drei weitere Argumente den Leser von den Vorteilen der Physiognomik zu überzeugen.
Die Wissenschaft der Physiognomik beherrschen demnach nur „Kenner“ (Z. 15) und für diese ist es eine große Hilfe, um Menschen einschätzen zu können. Nun nutzt er sich selbst als Referenz, indem er versichert „[er] mache [sich] kein Bedenken zu sagen“ (Z. 16), seine Theorie sei „eine der sichersten “(Z. 16). Als weitere Instanz, die das bestätigt, nennt er Gott (vgl. Z. 16). Wenn die Physiognomie eines Menschen von Gott vorherbestimmt ist, ist sie auf der einen Seite nicht mehr veränderbar und vor allem nicht zu hinterfragen, da Gott als allwissende Instanz ein starkes Argument für seine Theorie darstellt.
Nun werden Vorteile der Physiognomik genannt und mit Beispielen untermalt. Alltagsnahe Beispiele, wie das Versprechen zu den „dauerhaftesten und edelsten Freundschaften“ (Z. 19-20) durch die richtige Auffassung der Physiognomie zu gelangen, sind Argumente, die die Hoffnungen und Bedürfnisse der Leser bedienen. Durch die Personifizierung des Herzens (vgl. Z. 20) wird die Gefühlsebene der Leser angesprochen. Die bildliche Sprache ist besonders verständlich. Die Vorteile der Theorie sollen nicht mit dem Verstand hinterfragt, sondern durch Emotionen nachempfunden werden.
Ein weiteres Beispiel zeigt einen Vorteil seiner Theorie auf, der ebenfalls für jeden Leser und für die Gesellschaft wichtig ist: „Sie ist zu der Erziehung der Kinder oder Lehrlinge schlechterdings unentbehrlich.“ (Z. 22) Es ist in jedermanns Interesse, die Jugend einer Gesellschaft bestmöglich auszubilden. Wenn Lavater garantiert, dass die Physiognomik dabei hilft, gute Anlagen der Kinder zu entdecken und zu fördern, ist das sicherlich ein überzeugendes Argument.
Sinnabschnitt 3
(Z. 15-24)
Nun wird beispielhaft die 19. Regel seiner hundert Regeln formuliert. Hierdurch ergibt sich der Eindruck, die Wissenschaft der Physiognomik sei zu erlernen und jeder könnte zum „Kenner“ (Z. 15) werden, wenn er sich nur an die Regeln hält. Außerdem wird durch dieses Regelwerk die Wissenschaftlichkeit und Überprüfbarkeit von Lavaters Ansatz verdeutlicht.
Das Regelwerk ist nummeriert und durch prägnante Titel, hier beispielsweise „Stirnfalten“ (Z. 26), leicht zugänglich. Es wird jeweils das äußere Merkmal genauestens beschrieben und im Anschluss genannt, welche Charaktereigenschaft sich durch das eben dargestellte Merkmal ableiten lässt. Für den Leser dieser Regeln ergibt sich daraus die Möglichkeit einer nahezu fehlerfreien Interpretation von äußeren Merkmalen.
Sinnabschnitt 4
(Z. 25-31)
Johann Caspar Lavater nutzt für die Darstellung seiner Theorie verschiedene Argumentationsansätze, um die Beziehung zwischen äußerer Erscheinung und den Charaktereigenschaften deutlich zu machen. Er formuliert rhetorische Fragen, stellt eine Vertrauensebene zum Leser her, beruft sich auf Wissenschaftlichkeit, höhere Instanzen und überzeugt durch die Verwendung anschaulicher Beispiele.
Schluss
#argumentationsstruktur
Zweite Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Deine Aufgabe ist es, zu erörtern, ob bzw. inwiefern die Figurengestaltung in E.T.A Hoffmanns Märchenerzählung „Klein Zaches genannt Zinnober“ (1819) den Auffassungen Johann Caspar Lavaters zur Physiognomik entspricht.
Tipp
Im zweiten Aufgabenteil sollst du die Ergebnisse aus der ersten Aufgabe nutzen, um sie auf die Märchenerzählung anzuwenden. Der Operator erörtern setzt voraus, dass du dich auf Basis deines Textverständnisses kritisch mit den Gedankengängen auseinandersetzt. Dazu musst du die dargelegten Thesen und Argumente durchleuchten, überprüfen und sinnvoll auf E.T.A. Hoffmanns Text anwenden. Es ergibt Sinn, die Theorie von Lavater auf verschiedene Personen der Mächenerzählung anzuwenden und dann Vergleiche zu ziehen. Berücksichtige auch, an welchen Punkten du mit Lavaters Theorie an Grenzen stößt.
Es geht jetzt auch darum, dass du eine eigene Position beziehst und diese darlegst. Du bist völlig frei in der Ausgestaltung deiner eigenen Meinung, du musst diese nur argumentativ und vor allem mit Textbelegen untermauern. Dafür kann es hilfreich sein, wenn du auf einem Blatt Papier Pro- und Kontra-Argumente sammelst und sie sinnvoll anordnest. Dann kannst du sofort loslegen! Wichtig ist hier, dass du – obwohl du nun kommentieren und bewerten sollst – einen sachlichen Schreibstil beibehältst.
Tipp
Im zweiten Aufgabenteil sollst du die Ergebnisse aus der ersten Aufgabe nutzen, um sie auf die Märchenerzählung anzuwenden. Der Operator erörtern setzt voraus, dass du dich auf Basis deines Textverständnisses kritisch mit den Gedankengängen auseinandersetzt. Dazu musst du die dargelegten Thesen und Argumente durchleuchten, überprüfen und sinnvoll auf E.T.A. Hoffmanns Text anwenden. Es ergibt Sinn, die Theorie von Lavater auf verschiedene Personen der Mächenerzählung anzuwenden und dann Vergleiche zu ziehen. Berücksichtige auch, an welchen Punkten du mit Lavaters Theorie an Grenzen stößt.
Es geht jetzt auch darum, dass du eine eigene Position beziehst und diese darlegst. Du bist völlig frei in der Ausgestaltung deiner eigenen Meinung, du musst diese nur argumentativ und vor allem mit Textbelegen untermauern. Dafür kann es hilfreich sein, wenn du auf einem Blatt Papier Pro- und Kontra-Argumente sammelst und sie sinnvoll anordnest. Dann kannst du sofort loslegen! Wichtig ist hier, dass du – obwohl du nun kommentieren und bewerten sollst – einen sachlichen Schreibstil beibehältst.
E.T.A Hoffmann veröffentlichte 1819, also 47 Jahre nach dem Text „Von der Physiognomik,“ sein Kunstmärchen „Klein Zaches genannt Zinnober“. Zu erörtern ist, inwieweit die Figurengestaltung des Märchens der Auffassung von Johann Caspar Lavater entspricht.
Einleitung
Anders als viele zum Großteil mündlich überlieferte Volksmärchen der Romantik ist „Klein Zaches genannt Zinnober“ ein Kunstmärchen dieser Epoche. Das ist deshalb bedeutend, da Kunstmärchen von den Autoren mit einer bestimmten Absicht oder aufgrund eines bestimmten Einflussfaktors und damit über den Unterhaltungsaspekt hinaus verfasst wurden. Hoffmann ist dabei für einen besonders ausgeprägten ironisierenden Humor bekannt und nutzt dazu das grundsätzliche Personal und die Struktur von Märchenerzählungen, jedoch mit satirischem Zug.
Hintergrundwissen
Wendet man nun die Theorie Lavaters auf das Kunstmärchen Hoffmanns an, lässt sich in der Personengestaltung eine eindeutige Parallele feststellen. Nimmt man die Kritik an einer überzogenen Wissenschaftsbegeistung der Bevölkerung hinzu, nutzt Hoffmann die Umsetzung der Physiognomik zur Ironisierung derer.
Am auffälligsten ist der Charakter bei Zaches „aus seinem Äußerlichen zu erkennen“ (Z. 2). Bei ihm liegen zwei Persönlichkeitsversionen vor, die jeweils sowohl äußerlich als auch charakterlich von der Umgebung unterschiedlich wahrgenommen werden, obwohl sich in der Realität keine der beiden Variablen verändert.
Äußerlich wird Zaches als kleine, groteske Gestalt mit struppigem Haar, Spinnenbeinen und Buckel beschrieben. Er kann zunächst weder sprechen noch laufen und hat fast animalische Züge. Aufgrund dieser Äußerlichkeiten erfährt das Kind keine Liebe und wird von der Gesellschaft ausgeschlossen.
Nachdem Zaches aber verzaubert wurde, wirkt er im Umfeld von hübschen, klugen und liebenswürdigen Menschen selbst als eben dies. Nur manche erkennen den wahren Zaches, für die anderen ist er Zinnober. Er steigt in der Hierarchie des Fürstentums immer weiter auf und aufgrund seines sympathischen Auftretens erkennen viele nicht, dass er einen schlechten Charakter hat. Dies geht mit der Argumentation Lavaters einher. Hierbei wird der Vorteil der Wissenschaft darin gesehen, dass das eigene Herz durch ein richtiges Erkennen des Charakters anhand von Äußerlichkeiten weiß, „wo es reden und schweigen, warnen und ermuntern, trösten und strafen soll“ (Z. 21). Genau das kann bei Zaches nicht mehr korrekt stattfinden, da das Äußerliche durch den Zauber nicht mehr zum Charakter passt und die meisten Leute getäuscht werden. Hierbei ist allerdings auch eine Kritik an der Physiognomik zu spüren, denn offensichtlich führt es zu großen Problemen und Katastrophen, wenn man sich unreflektiert nach den Regeln der Wissenschaft richtet. Denn dann hält man schöne und sympathische Menschen gleichzeitig für klug und dichtet ihnen einen guten Charakter an, ohne es zu hinterfragen - eine Kritik an der Theorie Lavaters.
Hauptteil
Physiognomie Zaches
Balthasar bildet die Gegenfigur zu Zaches; äußerlich ein idealer Mensch, jung, hübsch und dazu ein gebildeter, geistreicher Student und klug, mit tiefsinnigem Gemüt. Hier passen also das Äußerliche und der Charakter nach Lavater perfekt zusammen und erfüllen die Theorie. Die klare und aufrichtige Liebe zu Candida ermöglicht es Balthasar, über den Zauber hinaus, den wahren Zaches zu sehen. Also sowohl den äußerlich schlechten, aber auch innerlich bösen Menschen, ebenfalls passend zur Theorie Lavaters. Balthasar ist also ein „Kenner“ und kann durch seine Fähigkeit, Zaches so zu sehen, wie er ist und so die Physiognomie als Empfehlung nutzen, „die das Herz zugleich einnimmt, und mit Freude und Liebe erfüllt. “(Z. 17f.) Er muss dabei zusehen, wie sich andere täuschen lassen und kämpft für das Gute und die Wahrheit und gegen Zaches Intrigen. Typisch für die Romantik ist Balthasar ein individueller Charakter, der sich von der Verstandeskultur der Gesellschaft nicht blenden lässt und sich vom Kollektiv distanziert.
Physiognomie Balthasar
E.T.A. Hoffmann spielt mit der Verbindung zwischen Äußerem und Charakter und darüber hinaus mit der Wahrnehmung dieser Zusammenhänge durch die Gesellschaft. Ob er mit der Umsetzung der Physiognomik im Text Kritik an der starken Wissenschaftsbegeisterung der Zeit üben will, ist zwar wahrscheinlich, aber nicht zu belegen. Zwar ist der Charakter des Professors Mosch Terpin ein Beispiel dafür, dass er dieses Thema grundsätzlich aufgreift und ironisiert, doch ist das bei der Physiognomik weniger auffällig. Wenn Professor Mosch Terpin beispielsweise die Dunkelheit als Fehlen des Lichts definiert, ist das eine wissenschaftliche Äußerung zu etwas, das jedem Menschen absolut klar ist. Also eine eindeutige Kritik an der übertriebenen Wissenschaftlichkeit der Zeit. Alles wird reglementiert, untersucht und erklärt. Sogar der Charakter des Menschen gilt nach Lavater plötzlich als vorhersehbar, unveränderbar und für jeden, der die Theorie ein bisschen erlernt, leicht zu erkennen. Dass dies im Märchen nicht ganz aufgeht und das Äußere die Menschen täuscht, kann als Kritik an der wissenschaftlichen Herangehensweise gesehen werden. Dass im Text die breite Masse und auch Professor Mosch Terpin, als Personifikation der Wissenschaft, auf die Täuschung hereinfallen, wohingegen einfühlsame und empathische Menschen wie Balthasar und Doktor Prosper Alpanus den Zauber erkennen, verdeutlicht dies auf Ebene der Figurenkonstellation.
Wissenschaftskritik
Ironie ist hierbei ein wichtiges Mittel, denn nur durch die falsche Interpretation der Zuordnungen von Äußerlichkeit und Charakter entsteht der absurde und komische Handlungsverlauf. Die Ironisierung des Anspruchs positiver Wissenschaften, ein vernünftiges und niveauvolles Leben zu fördern, wird hierdurch mit thematisiert. Außerdem ist Ironie und Satire ein probates Mittel der Romantiker, um gesellschaftliche und politische Situationen der Zeit in den Texten zu kritisieren. Satirisch wird der Wissenschaftler als Opfer des Zaubers dargestellt, indem Mosch Terpin als einzige Figur im Text der Täuschung auch noch dann zum Opfer fällt, als sich der Zauber gegen ihn richtet. Er erkennt nicht, dass Zinnober kein hochbegabter Jurastudent ist.
Ironie
Der Leser ist zunächst dazu geneigt, genau wie die gute Fee auch, Mitleid mit Zaches zu entwickeln. Die erste Erwartung an die Erzählung ist womöglich, dass Zaches mit Hilfe des Zaubers zum Helden der Geschichte wird. Er könnte aus Dankbarkeit und Einsicht zu einem guten Charakter werden und somit die perfekte Geschichte eines aufstrebenden, sich positiv entwickelnden Charakters erzählen. Genau diese Erwartung wird dadurch umgekehrt, dass sich der schlechte Charakter durch das positive Äußerliche nur noch deutlicher zeigen kann und die Einflüsse durch die Täuschungen der Mitmenschen enorm sind. E.T.A. Hoffmann bricht also mit der Tradition eines edlen Charakters in einem hässlichen Körper, wie es beispielsweise beim Glöckner von Notre Dame der Fall ist. Im Gegensatz dazu steht der fast zu perfekte Balthasar, dessen positiver Charakter, untermalt vom idealen Äußeren und Talent, nicht mehr auszureichen scheint, um die Täuschung der Gesellschaft durch den Zauber zu übertrumpfen. E.T.A. Hoffmann nutzt also die Regeln und Ideen der Physiognomik, um mit Balthasar auf der einen Seite eine stimmige Verbindung und mit Zaches auf der anderen Seite eine fehlgeleitete Interpretation zu zeigen. Die Grenzen der Wissenschaft liegen demnach in der Umsetzung der Theorien durch die Allgemeinheit. Genau diese Zusammenhänge bilden den Spannungspunkt des Märchens und stellen satirisch Kritikpunkte an der Gesellschaft dar.
Schluss
#erörtern#these#argument#beleg
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