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Aufgabe C

Aufgaben
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Untersuchendes Erschließen literarischer Texte mit Textvergleich – Textinterpretation und Textvergleich

Aufgabe:
  • Interpretiere und vergleiche die Gedichte von Bertolt Brecht und Max Hermann-Neiße.
  • Berücksichtige dabei besonders die Gestaltung der Exilsituation.
#gedichtinterpretation#vergleichen#interpretieren

Text 1: Bertolt Brecht: Sonett in der Emigration (1941)

 
Verjagt aus meinem Land muß ich nun sehn
Wie ich zu einem neuen Laden komme, einer Schenke1
Wo ich verkaufen kann das, was ich denke
Die alten Wege muss ich wieder gehen
5
Die glatt geschliffenen durch den Tritt der Hoffnungslosen!
Schon gehend weiß ich noch nicht: zu wem?
Wohin ich komme, hör ich: spell your name!
Ach, dieser „name“ gehörte zu den großen!
Ich muß noch froh sein, wenn sie ihn nicht kennen
10
Wie einer, hinter dem ein Steckbrief läuft.
Sie würden kaum auf meine Dienste brennen
Ich hatt zu tun mit solchen schon wie ihnen
Wohl möglich, daß sich der Verdacht da häuft
Ich möcht auch sie nicht allzu gut bedienen.
Quelle: Bertolt Brecht: Sonett in der Emigration In: Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Band 15. Bearbeitet von Jan Knopf u.a., Berlin und Frankfurt/Main: Aufbau-Verlag und Suhrkamp, 1993, S.48

1Schenke: Gasthaus, Kneipe
#lyrik#exilliteratur#brecht

Text 2: Max Herrmann-Neiße: Heimatlos (1936)

 
Wir ohne Heimat irren so verloren
und sinnlos durch der Fremde Labyrinth.
Die Eingebornen plaudern vor den Toren
vertraut im abendlichen Sommerwind.
5
Er macht den Fenstervorhang flüchtig wehen
und läßt uns in die lang entbehrte Ruh
den sichren Friedens einer Stube sehen
und schließt sie vor uns grausam wieder zu.
Die herrenlosen Katzen in den Gassen,
10
die Bettler, nächtigend im nassen Gras,
sind nicht so ausgestoßen und verlassen
wie jeder, der ein Heimatglück besaß
und hat es ohne seine Schuld verloren
und irrt jetzt durch der Fremde Labyrinth.
15
Die Eingebornen träumen vor den Toren
und wissen nicht, daß wir ihr Schatten sind.
Quelle: Max Herrmann-Neiße:Heimatlos In: Max Herrmann-Neiße: Gesammelte Werke. Um uns die Fremde. Gedichte 2. Hrsg. von Klaus Völker. Frankfurt am Main: Verlag Zweitausendeins, 1986, S.428
#lyrik#exilliteratur
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Tipps
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$\blacktriangleright$ Interpretiere die Gedichte.
Du sollst die beiden Gedichte interpretieren. Die Aufgabe besteht also darin, die vorliegenden Texte zu deuten. Natürlich kannst du beide Gedichte zusammen interpretieren, aber wir empfehlen dir, jeweils eine Interpretation zu einem Gedicht zu schreiben. So behältst du besser den Überblick und kannst dich auf diese Weise auf die Details konzentrieren. Es empfiehlt sich, den Vergleich anschließend als eigenen Text zu schreiben.
Da du die Gedichte vergleichen sollst, liegt der Schluss nahe, dass sie sich in bestimmten Bereichen sehr ähneln oder das gleiche Thema haben. Während der Interpretation solltest du das im Hinterkopf behalten und die Gedichte daher auch in Bezug auf dieses Thema deuten.
Es ist nützlich, dein Wissen über den Autor oder die dazugehörige Epoche für die Interpretation zu verwenden. In der Aufgabenstellung wird dir ein Aspekt, den du besonders beachten sollst, vorgegeben: Die Gestaltung der Exilsituation.
Versuche den sprachlichen Stil und die Form der Gedichte auf den Inhalt zu beziehen. Außerdem ist die Position des lyrischen Ichs ein Interpretations- und Vergleichsaspekt. Du solltest die Erläuterung zu dem Autor Herrmann-Neiße nutzen und mit deinem Wissen zu Bertolt Brecht ergänzen, um ihre beiden Ausgangssituationen vergleichend zu betrachten. Falls du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Gedichtinterpretation schreibt, dann kannst du dies in unserem Skript Methodik: Interpretation: Gedichtinterpretation tun.
$\blacktriangleright$ Vergleiche die Gedichte.
Jetzt sollst du die Gedichte vergleichen, also ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten. Wie bei einer Interpretation solltest du die Form, aber hauptsächlich und in erster Linie den Inhalt der Gedichte betrachten. Versuch also deine Formanalyse immer im Kontext zu deiner Inhaltsanalyse zu sehen.
Da in der Aufgabe mit dem Schwerpunkt der Exilsituation ein Leitgedanke angegeben ist, musst du besonders diesen Aspekt in deinem Vergleich berücksichtigen. Hierbei ist sowohl der Hintergrund der Autoren, aber auch die sprachliche und inhaltliche Umsetzung der Exilsituation wichtig. Ziehe am Ende ein Fazit. Dort kannst du auch deine eigene Meinung anbringen, in der Einleitung und dem Hauptteil jedoch solltest du das nicht tun.
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Lösungen
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Thema:
Bertolt Brecht (1898-1956): Sonett in der Emigration (1941)
Max Herrmann-Neiße (1886-1941): Heimatlos (1936)
Quellen:
Bertolt Brecht: Sonett in der Emigration. In: Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Band 15. Bearbeitet von Jan Knopf u.a., Berlin und Frankfurt/Main: Aufbau-Verlag und Suhrkamp, 1993, S. 48.
Max Herrmann-Neiße: Heimatlos. In: Max Herrmann-Neiße: Gesammelte Werke. Um uns die Fremde. Gedicht 2. Hrsg. von Klaus Völker. Frankfurt am Main: Verlag Zweitausendeins, 1986, S. 428.
Erste Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Interpretiere die Gedichte.
Tipp
Du sollst die beiden Gedichte interpretieren. Die Aufgabe besteht also darin, die vorliegenden Texte zu deuten. Natürlich kannst du beide Gedichte zusammen interpretieren, aber wir empfehlen dir, jeweils eine Interpretation zu einem Gedicht zu schreiben. So behältst du besser den Überblick und kannst dich auf diese Weise auf die Details konzentrieren. Es empfiehlt sich, den Vergleich anschließend als eigenen Text zu schreiben.
Da du die Gedichte vergleichen sollst, liegt der Schluss nahe, dass sie sich in bestimmten Bereichen sehr ähneln oder das gleiche Thema haben. Während der Interpretation solltest du das im Hinterkopf behalten und die Gedichte daher auch in Bezug auf dieses Thema deuten.
Es ist nützlich, dein Wissen über den Autor oder die dazugehörige Epoche für die Interpretation zu verwenden. In der Aufgabenstellung wird dir ein Aspekt, den du besonders beachten sollst, vorgegeben: Die Gestaltung der Exilsituation.
Versuche den sprachlichen Stil und die Form der Gedichte auf den Inhalt zu beziehen. Außerdem ist die Position des lyrischen Ichs ein Interpretations- und Vergleichsaspekt. Du solltest die Erläuterung zu dem Autor Herrmann-Neiße nutzen und mit deinem Wissen zu Bertolt Brecht ergänzen, um ihre beiden Ausgangssituationen vergleichend zu betrachten. Falls du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Gedichtinterpretation schreibt, dann kannst du dies in unserem Skript Methodik: Interpretation: Gedichtinterpretation tun.
Tipp
Du sollst die beiden Gedichte interpretieren. Die Aufgabe besteht also darin, die vorliegenden Texte zu deuten. Natürlich kannst du beide Gedichte zusammen interpretieren, aber wir empfehlen dir, jeweils eine Interpretation zu einem Gedicht zu schreiben. So behältst du besser den Überblick und kannst dich auf diese Weise auf die Details konzentrieren. Es empfiehlt sich, den Vergleich anschließend als eigenen Text zu schreiben.
Da du die Gedichte vergleichen sollst, liegt der Schluss nahe, dass sie sich in bestimmten Bereichen sehr ähneln oder das gleiche Thema haben. Während der Interpretation solltest du das im Hinterkopf behalten und die Gedichte daher auch in Bezug auf dieses Thema deuten.
Es ist nützlich, dein Wissen über den Autor oder die dazugehörige Epoche für die Interpretation zu verwenden. In der Aufgabenstellung wird dir ein Aspekt, den du besonders beachten sollst, vorgegeben: Die Gestaltung der Exilsituation.
Versuche den sprachlichen Stil und die Form der Gedichte auf den Inhalt zu beziehen. Außerdem ist die Position des lyrischen Ichs ein Interpretations- und Vergleichsaspekt. Du solltest die Erläuterung zu dem Autor Herrmann-Neiße nutzen und mit deinem Wissen zu Bertolt Brecht ergänzen, um ihre beiden Ausgangssituationen vergleichend zu betrachten. Falls du noch einmal nachlesen möchtest, wie man eine Gedichtinterpretation schreibt, dann kannst du dies in unserem Skript Methodik: Interpretation: Gedichtinterpretation tun.
Die beiden vorliegenden Gedichte Sonett in der Emigration von Bertolt Brecht und Heimatlos von Max Herrmann-Neiße werden im Folgenden getrennt interpretiert und anschließend vergleichend betrachtet.
Textgrundlagen
Das literarische Werk Bertolt Brechts, der zwischen 1898 und 1956 lebte, ist sehr umfangreich. Das vorliegende Gedicht Sonett in der Emigration fällt in die Epoche der sogenannten Exilliteratur. Hierbei handelt es sich um Literatur, die von deutschsprachigen Autoren im Ausland verfasst wurde, da die Autoren selbst aufgrund des Nationalsozialismus ihr Heimatland verließen. Somit lässt sich die Epoche durch die historischen Gegebenheiten auf die Zeit des Dritten Reichs von 1933 bis 1945 eingrenzen. Auch Bertolt Brecht verließ schon 1933 Deutschland in Richtung Skandinavien und schließlich lebte er ab 1941, also dem Entstehungsjahr des Gedichts, in Kalifornien. Erst 1949 kehrten Brecht und seine Familie nach Deutschland zurück.
Gedicht 1
Einleitung
Thematisch setzt sich das Gedicht mit den ersten Eindrücken eines Fremden in einem anderen Land auseinander. Der Titel erfasst die Ausgangssituation. Emigration, also die politisch oder religiös bedingte Auswanderung aus dem eigenen Land, trifft auch das lyrische Ich und die Exilsituation wird thematisiert.
Hauptteil
Thema des Gedichts
Typische Gattungen der Exilliteratur waren Gedichte und hier im Speziellen Sonette, die festen Regeln folgen und eine Struktur aufweisen. Die klare äußere Form der Gattung gibt den Autoren in Extremsituationen, wie die einer Emigration, eine scheinbare Sicherheit und Struktur vor. Somit können emotionale Unsicherheiten und verworrene Gedankengänge in einer gegliederten Textform umgesetzt werden.
So ist auch der vorliegende Text als Sonett verfasst, also in vier Strophen mit zweimal vier und zweimal drei Versen gegliedert. Das Reimschema abba cddc efe gfg ist grundsätzlich passend zur Gestaltung eines Sonetts, weicht allerdings von der strengen Form, nach der die Quartette das Reimschema abba, abba und die Terzette entweder cdc cdc oder cde cde aufweisen, ab. Der fünfhebige Jambus als typisches Metrum der Gattung wird weitestgehend eingehalten, aber in Vers 2 durch einen siebenhebigen Jambus und in Vers 5 und 8 durch Einschub eines Daktylus aufgebrochen.
Formanalyse
  • Strophenstruktur
  • Versstruktur
  • Reimschema
  • Metrum
  • Gattung
Inhaltlich ist bei Sonetten im eigentlichen Sinne das erste Quartett die These, das zweite die Antithese und durch die Terzette entsteht die Synthese. Obwohl dies bei Brechts Text anders ist, geben die Strophen eine Form für die inhaltliche Gliederung vor. Zunächst dienen die Quartette zur Darstellung einer vergangenen Zeit. Vers 8 bildet anschließend einen Übergang zu den beiden Terzetten, die zur Erläuterung der aktuellen Situation des lyrischen Ichs dienen. Außerdem wird hier das Handeln gegenüber den Machthabern im neuen Land beschrieben, sozusagen die Konsequenz, die das lyrische Ich aus vergangenen und gegenwärtigen Erfahrungen zieht.
Gliederung des Gedichts
Bei einer chronologischen Betrachtung des Gedichts fällt zunächst auf, dass der erste Vers mit dem Verb „verjagt“ (V. 1) beginnt und somit den Fokus durch eine Inversion, die Anfangsstellung des Verbs, direkt auf die Ausgangssituation des lyrischen Ichs lenkt. Externe Einflüsse auf das lyrische Ich bewegen es dazu, das eigene Land, verdeutlicht durch das Pronomen „mein“(V. 1), zu verlassen.
Die erste Aufgabe im neuen Land ist es, das Einkommen zu sichern, einen „Laden“ oder eine „Schenke“ (V. 2) zu finden, wo das Angedachte verkauft werden kann. Eingeleitet wird diese Suche durch das Fragewort „wie“ (V. 2), verstäkt durch „wo“ und „was“ (V. 3) im darauffolgenden Vers wird die Ratlosigkeit des lyrischen Ichs deutlich. Es gibt viele ungeklärte Fragen und die Zukunft scheint unsicher.
Die Metapher des alten Weges (vgl. V. 4) macht deutlich, dass das lyrische Ich schon einmal sein Einkommen auf diese Art erlangte, wobei das verwendete Modalverb ‚müssen‘ darauf schließen lässt, dass es sich hierbei nicht um den bevorzugten Beruf handelt. Es scheint ein Rückschlag zu sein, wieder von vorne beginnen zu müssen.
Sprachlich ist in der ersten Strophe besonders auffällig, dass der Satz über alle vier Verse und darüber hinaus geht. Die Enjambements lassen diesen langen Satz zu, der somit die vorgegebene Form des Sonetts inhaltlich sprengt. Tatsächlich wird der vierte Vers erst im darauffolgenden Quartett vervollständigt, da hier der metaphorisch dargestellte Weg, den das lyrische Ich durch den Neuanfang zu bestreiten hat, näher beschrieben wird.
Interpretation
Strophe 1
Der Weg ist „glatt geschliffen[en] durch den Tritt der Hoffnungslosen“ (V. 5). Es wird hierdurch bildlich verdeutlicht, wie viele Menschen das Schicksal des lyrischen Ichs teilen und sie alle werden nicht als Menschen ohne Hoffnung, sondern als Hoffnungslose bezeichnet. Durch diese prägnante Formulierung rückt der Aspekt der Hoffnungslosigkeit in den Vordergrund und scheint das Einzige zu sein, dass die Menschen charakterisiert. Der glatte Weg entsteht dadurch, dass über einen langen Zeitraum viele Menschen immer und immer wieder den gleichen Weg beschreiten. Diese monotone Bewegung findet sich sprachlich in der Umsetzung durch den Daktylus wieder. Dadurch, dass hier der normale sechshebige Jambus verändert wird, ist im Metrum der inhaltlich beschriebene Prozess umgesetzt. Dass der Weg glatt geschliffen ist, bringt für denjenigen, der ihn beschreitet, eine gewisse Unsicherheit. Das Ausrutschen auf dem glatten Untergrund verbildlicht die Gefahren und Risiken, die ein Neuanfang in einem anderen Land mit sich bringt.
Danach ändert sich die Struktur. Statt langer Sätze über mehrere Verse, gibt es Ausrufe und Fragen in jeweils einem Vers auf den Punkt gebracht. Das lyrische Ich kennt sein Ziel nicht und durch die Verwendung des Partizip I bei „gehend“ (V. 6) wird deutlich, dass die mentalen Prozesse, die Fragen und Gedanken über die Zukunft, auch in physischen Prozessen wiederzufinden sind.
Im fremden Land, offensichtlich ein englischsprachiges Land, wird häufig die Aufforderung „spell your name“ (V. 7) formuliert. Dieser Wechsel in der Sprache unterstreicht die verschiedenen Einflüsse, die auf das lyrische Ich wirken. Die innere Unruhe und die Notwendigkeit eines regelkonformen Einfindens in die neue Umgebung wird auch sprachlich verarbeitet, indem die korrekte Aussprache der englischen Textstelle zur korrekten Umsetzung des Reimschemas benötigt wird.
Strophe 2
Der Einschub eines Daktylus in Vers 8 und die Interjektion „Ach“ (V. 8) bilden den Übergang zu den Terzetten. Das lyrische Ich verfällt in Gedanken und erinnert sich an die Vergangenheit. Der berichtende Stil der Quartette wandelt sich hin zu einer privateren Schilderung von Gedanken und Erinnerungen. Die Tatsache, dass sein Name unbekannt ist, erscheint dem lyrischen Ich, das wohl einmal eine berühmte Person, die im alten Heimatland „zu den großen“ (V. 8) gehörte, war, sehr ungewöhnlich.
Strophe 3
Das lyrische Ich versucht die Vorteile dieser ungewöhnlichen Situation zu sehen. Es wird nicht mehr wahrgenommen, „wie einer, hinter dem ein Steckbrief läuft“ (V. 10). Ein Vergleich seiner selbst mit der Personifikation des Steckbriefs, die den Blick nicht mehr auf den ganzen Menschen, sondern nur auf zentrale Daten und Fakten der Person lenkt, stellt den Vorteil der Anonymität dar. Er kann neu anfangen, was nötig zu sein scheint, da seine bisherige Tätigkeit nicht zu Anerkennung führen würde (vgl. V. 11). Das Personalpronomen „sie“ (V. 11) stellt hier erstmals einen Interaktionspartner dar. Unklar bleibt, welche Charakteristika die Gesellschaft in dem neuen Land hat.
Strophe 4
Das ganze Gedicht ist geprägt von verkürzten Sätzen und einem einfachen Sprachstil. Eine typische Schreibweise für die Texte der Exilliteratur, wo künstlerische Inspiration und kreative Impulse nur geringen Einfluss auf die Texte hatten. Stattdessen sind Ratlosigkeit, politische Unzufriedenheit und die Bewältigung privater Situationen als Antriebskräfte der Exilliteratur anzusehen. Das wird auch dadurch deutlich, dass das Gedicht keinen direkten Adressaten hat, sondern die Erlebnisse und Eindrücke des lyrischen Ichs zentral sind. Ob und inwieweit das lyrische Ich und der Autor Bertolt Brecht gleichzusetzen sind, lässt sich schlussendlich nicht sagen. Dennoch sind biografische Gemeinsamkeiten, wie die Flucht in ein englischsprachiges Land und der berufliche Wandel vom berühmten Schriftsteller zum Arbeiter in Existenznot, nicht zu leugnen. Es ist also davon auszugehen, dass die Erfahrungen Brechts deutlichen Einfluss auf die Handlung im Gedicht haben, ob nun das lyrische Ich und der Autor gleichzusetzen sind bleibt Spekulation. Eindeutig ist die Ratlosigkeit und Ziellosigkeit in einer Fluchtsituation. Die kulturellen Unterschiede und die Befürchtung, die Ereignisse, die zur Flucht geführt haben, könnten sich wiederholen, prägen alle Menschen im Exil und sind in dem Gedicht im Bezug auf Gegenwärtiges und Vergangenes dargestellt.
Schluss
  • Bezug zur Epoche
  • Verhältnis vom Autor zum lyrischen Ich
Vergleichend zum ersten Gedicht von Bertolt Brecht wird das Gedicht Heimatlos von Max Herrmann-Neiße betrachtet. Dieses Gedicht thematisiert ebenfalls Menschen im Exil, allerdings unter anderen Gesichtspunkten. Zunächst wird das Gedicht allerdings isoliert betrachtet und interpretiert.
Überleitung
Heimatlos ist ein Gedicht, das 1936 von Max Herrmann-Neiße verfasst wurde. Sein literarisches Werk ist zu der Zeit ebenfalls der Exilliteratur zuzuordnen, da er Deutschland 1933 nach England verließ. In London lebte er als Exilant und wurde tatsächlich 1938 von den Nationalsozialisten ausgebürgert.
Gedicht 2
Einleitung
Das zentrale Thema der Heimatlosigkeit wird schon im Titel deutlich. Dargestellt ist das Zusammenleben und die Distanz zwischen Exilanten und den Bewohnern der neuen Heimat. Konflikte und die unterschiedlichen Lebensbedingungen werden geschildert. Zwischen sorgenfreiem Glück auf der einen und Entwurzelung auf der anderen Seite besteht eine scheinbar unüberwindbare Barriere.
Hauptteil
Thema des Gedichts
Obwohl das Gedicht aus nur einem Textblock besteht, lässt es sich sowohl inhaltlich als auch anhand des Reimschemas in vier Strophen mit jeweils vier Versen im Kreuzreimschema unterteilen. Hierbei ist die Form streng eingehalten. Der fünfhebige Jambus mit abwechselnd weiblicher und männlicher Kadenz ist das gesamte Gedicht über einheitlich. Auffällig ist der formale Rahmen durch die Wiederholung der Reime von Vers 1-4 in Vers 13-16.
Formanalyse
  • Strophenstruktur
  • Versstruktur
  • Reimschema
  • Metrum
Die vier Strophen lassen sich abgesehen von der Kreuzreimstrukur auch inhaltlich festmachen. In Vers 1 bis 4 wird das Leben der Exilanten dem der Eingeborenen gegenübergestellt und damit die zwei wichtigen Personengruppen im Gedicht vorgestellt. Im Anschluss wird der Sommerwind personifiziert und die Heimatlosen bekommen Einblicke in die Wohnungen der Eingeborenen. In der dritten Strophe wird das Gefühl der Verlassenheit bei den Heimatlosen mit dem Leben der Bettler und Katzen verglichen. Die vierte Strophe ist inhaltlich und strukturell parallel zur ersten Strophe gestaltet und schließt den Rahmen.
Gliederung des Gedichts
Zu Beginn wird die Gruppe der Heimatlosen als ‚wir‘ vorgestellt, wodurch sich das lyrische Ich selbst zu dieser Gruppe zählt. Statt den Begriff ‚Heimatlose‘ zu verwenden, ist die Rede von dem „wir ohne Heimat“ (V. 1). Die Abgrenzung zu den anderen Mitgliedern der Gesellschaft wird somit verstärkt. Außerdem wird deutlich, dass das Attribut ‚heimatlos‘ den Exilanten nicht von außen gegeben wird, sondern ihrer eigenen Wahrnehmung entspricht.
Das fremde Land, in dem die Heimatlosen nun sind, wird durch die Metapher des Labyrinths näher beschrieben, wobei hier die genutzte Genitivkonstruktion auffällt (vgl. V. 2). Das Labyrinth wird somit noch deutlicher der Fremde in Abgrenzung zum Heimatland zugeordnet.
Nun werden die Eingeborenen als Gegenposition zu den Heimatlosen vorgestellt und ihre Realität, beispielsweise „plaudern vor den Toren“ (V. 3), unterscheidet sich deutlich von dem zuvor Beschriebenen. Dass die Bezeichnung ‚Eingeborene‘ anstelle von ‚Einwohner‘ verwendet wird, unterstreicht die Vertrautheit (vgl. V. 4) und die tiefe Verwurzelung der Menschen mit ihrer Heimat und vergrößert so die Distanz zu den Heimatlosen.
Interpretation
Strophe 1
Die zweite Strophe wird geprägt durch das Bild des Sommerwindes, der personifiziert wird. Er weht die Fenstervorhänge zur Seite und bietet den Heimatlosen Einblicke in die Stuben der Eingeborenen. Die Stuben werden mit den Attributen ‚ruhig‘ und ‚friedlich‘ beschrieben und bilden einen Zufluchts- und Sehnsuchtsort (vgl. V. 5-7). Der Blick durchs Fenster erzeugt dabei metaphorisch einen Rahmen. Das Fenster bietet zwar die Möglichkeit, in die Stube zu sehen, allerdings ist ein Betreten, wie beispielsweise durch eine Tür nicht vorgesehen. Das Fenster stellt also eine unüberwindbare Barriere zwischen den beiden Welten dar. Der Wind „schließt sie vor [den Heimatlosen] wieder zu“ (V. 8). Das Schließen greift dabei den Bildbereich der Tür wieder auf und verschließt nun nicht nur den Zugang, sondern auch wieder den Blick auf den Sehnsuchtsort der Menschen.
Diese metaphorische Darstellung kann als Abbild der gesellschaftlichen Situation gesehen werden. Die Gesellschaft in dem fremden Land, in dem die Flüchtenden Hilfe suchen, ist für diese zwar sichtbar, da sie sich beobachten lässt, aber, ein Teil davon zu werden und dieser Gesellschaft auch aktiv beizutreten, ist nahezu unmöglich. Alles ist wohlgeordnet und strukturiert, wie es schon immer gewesen ist und bietet den Neuankömmlingen keinen Raum, ein Teil der Struktur zu werden.
Strophe 2
Nun erfolgt nochmal ein Wechsel der Blickrichtung von den Eingeborenen im engeren Sinne weg zu anderen Bewohnern des fremden Landes. Hierbei sind Bettler und Katzen im Fokus, also Bewohner, die nach allgemeiner Ansicht am Rande der Gesellschaft leben und die niedrigsten Lebensstandards einer Gemeinschaft haben. Die Bettler werden hierbei „nächtigend im nassen Gras“ (V. 10) beschrieben. Die schreckliche Lebenssituation wird also deutlich der komfortablen Situation der Eingeborenen zuvor gegenübergestellt. Durch die Verwendung des Partizip I wird die Szene praktisch in Echtzeit wiedergegeben, um sie nachvollziehbar und nachempfindbar zu machen. Gerade aufgrund dieser deutlichen Darstellung der schlechten Lebensbedingungen wirkt die Abgrenzung zum Leben der Heimatlosen, das dennoch als verlassener bezeichnet wird (vgl. V. 11), radikal und erschreckend.
Besitz ist der entscheidende Faktor, der den Heimatlosen vom Bettler unterscheidet. Der Bettler hatte keinen Besitz und folglich auch keinen Verlust, er hatte kein „Heimatglück“ (V. 12) und konnte dieses demnach auch nicht verlieren, anders als die Heimatlosen.
Strophe 3
Durch ein Enjambement wird die vierte Strophe an die vorherige angeschlossen und dennoch wird ein inhaltlicher Wandel vorgenommen. Der Aspekt der Schuld wird hinzugezogen. Der Verlust von Besitz und Heimatglück ist so furchtbar, da kein eigenes Verschulden die Ursache ist. Dadurch grenzt das lyrische Ich seine Situation von dem Schicksal des Bettlers ab. Nun bildet die vierte Strophe eine Parallele zur ersten Strophe. Erneut ist die Rede vom Labyrinth der Fremde, von den Eingeborenen vor den Toren und dem verlorenen Dasein der Heimatlosen (vgl. V. 13-16).
Allerdings sind zwei wichtige Unterschiede auffällig, die Eingeborenen plaudern nicht mehr, sondern träumen (vgl. V. 3 und V. 15). Das Träumen steht hier im Gegensatz zur Realität der Exilanten. Die Eingeborenen verschließen die Augen vor dem Schicksal der Geflohenen und bleiben gedanklich in ihrer bisher heilen Welt. Dass ihr Glück eventuell verloren gehen könnte, wie ein Traum, der vorbei geht, wenn man aufwacht, ist ihnen nicht bewusst. Hierzu passt die Metapher des Schattens (vgl. V. 16), der hier im Gegensatz zum „abendlichen Sommerwind“ (V. 4), der ersten Strophe zu sehen ist. Die Heimatlosen bilden diesen Schatten, den Schatten der Eingeborenen, also die negative Seite ihrer glücklichen Existenz. Ohne Sonnenseite gibt es keinen Schatten, doch das scheint laut dem lyrischen Ich den Eingeborenen nicht bewusst zu sein.
Das Gedicht endet also mit den träumenden Eingeborenen und der Leser kann nur vermuten, was nach dem Erwachen passiert. Das Schicksal der Heimatlosen zu ignorieren und weiter im „sichren Frieden[s]“ (V. 7) zu leben, wird auf Dauer nicht funktionieren.
Strophe 4
Durch dieses offene Ende und die Vorausdeutung auf eine zukünftige Entwicklung wird der Leser miteinbezogen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird durch die vielen Enjambements eher eine monologische Erzählsituation aufgebaut. Das Gedicht lebt von den Kontrasten zwischen den zwei Welten. Die Eingeborenen, ihr Plaudern, ihr Frieden ihre sicheren Stuben und Träume auf der einen Seite und die Heimatlosen, verlorenen und schuldlos Entwurzelten auf der anderen Seite. Dazwischen stehen die Bettler und Katzen als Vergleichsebene und zur Verdeutlichung der beiden Gegenpole.
Schluss
#reimschema#stilmittel#metrum#interpretieren#gedichtinterpretation
Zweite Teilaufgabe:
$\blacktriangleright$ Vergleiche die Gedichte.
Tipp
Jetzt sollst du die Gedichte vergleichen, also ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten. Wie bei einer Interpretation solltest du die Form, aber hauptsächlich und in erster Linie den Inhalt der Gedichte betrachten. Versuch also deine Formanalyse immer im Kontext zu deiner Inhaltsanalyse zu sehen.
Da in der Aufgabe mit dem Schwerpunkt der Exilsituation ein Leitgedanke angegeben ist, musst du besonders diesen Aspekt in deinem Vergleich berücksichtigen. Hierbei ist sowohl der Hintergrund der Autoren, aber auch die sprachliche und inhaltliche Umsetzung der Exilsituation wichtig. Ziehe am Ende ein Fazit. Dort kannst du auch deine eigene Meinung anbringen, in der Einleitung und dem Hauptteil jedoch solltest du das nicht tun.
Tipp
Jetzt sollst du die Gedichte vergleichen, also ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten. Wie bei einer Interpretation solltest du die Form, aber hauptsächlich und in erster Linie den Inhalt der Gedichte betrachten. Versuch also deine Formanalyse immer im Kontext zu deiner Inhaltsanalyse zu sehen.
Da in der Aufgabe mit dem Schwerpunkt der Exilsituation ein Leitgedanke angegeben ist, musst du besonders diesen Aspekt in deinem Vergleich berücksichtigen. Hierbei ist sowohl der Hintergrund der Autoren, aber auch die sprachliche und inhaltliche Umsetzung der Exilsituation wichtig. Ziehe am Ende ein Fazit. Dort kannst du auch deine eigene Meinung anbringen, in der Einleitung und dem Hauptteil jedoch solltest du das nicht tun.
Die beiden vorliegenden Gedichte Sonett in der Emigration von Bertolt Brecht und Heimatlos von Max Herrmann-Neiße lassen sich der Kategorie der Exilliteratur zuordnen. In beiden Gedichten werden Eindrücke und Erlebnisse von Exilanten im Ausland geschildert. Dennoch unterscheiden sich die Texte in zentralen Punkten.
Einleitung
Bei Brechts Gedicht ist das lyrische Ich im Gegensatz zu Heimatlos eine Einzelperson. Dadurch verstärken sich die äußeren Einflüsse, die auf die Person wirken und das lyrische Ich wirkt in der fremden Umgebung verlassener. Das lyrische Ich bei Herrmann-Neiße hingegen ordnet sich selbst einem großen ‚wir‘ zu. Es ist Teil der Gruppe der Heimatlosen und steht somit nicht alleine vor den Eindrücken der neuen Situation.
Hauptteil
Unterschied 1
Rolle des lyrischen Ichs
Hierbei wird allerdings eine klarere Grenze zwischen beiden Gruppen herausgearbeitet als bei Brecht. Diese Grenze wird von beiden Seiten unterstützt. Die Eingeborenen verschließen ihre Stuben vor den Heimatlosen und die Heimatlosen selbst nehmen sich als ein „[w]ir ohne Heimat“ (V. 1) wahr. Sie distanzieren sich also emotional von den Einwohnern des fremden Landes. Bei Bertolt Brechts Text ist die Abgrenzung des lyrischen Ichs mehr aus dem lyrischen Ich heraus zu verstehen. Hier bildet der Frieden des neuen Landes keinen Sehnsuchtsort, der unzugänglich ist, sondern das lyrische Ich beschließt selbst kein Teil der Gesellschaft zu sein. Es möchte nicht ein ähnliches Schicksal wie im Heimatland riskieren und äußert den „Verdacht“ (V. 13), ihm könnten hier die gleichen Machthaber begegnen wie bisher.
Unterschied 2:
Abgrenzung
Die Gesellschaft wird also in beiden Texten unterschiedlich wahrgenommen. Bei dem Text von Herrmann-Neiße bildet die Gesellschaft des Exilortes eine eingeschworene Gemeinde. Die Eingeborenen sind schon immer in dem Ort, an den die Heimatlosen gerade erst anzukommen scheinen. Sie bilden eine feste Gruppe und stehen zusammen. Bei Brecht steht die Gesellschaft nicht dem lyrischen Ich gegenüber, sondern umgibt es völlig. Die fremden Menschen sind überall, sprechen eine andere Sprache und sind ihm suspekt. Sie bilden also keine klar abgegrenzte Front, sondern erscheinen im gesamten fremd und nicht vertrauenswürdig. Die Tatsache, dass sie kaum auf seine Dienste brennen würden (vgl. V. 11), also kein Interesse an den Talenten des lyrischen Ichs besteht, unterstreicht diesen kulturell bedingten Unterschied, der durch die Vorurteile des lyrischen Ichs verstärkt wird.
Unterschied 3:
Darstellung der Gesellschaft
Sprachlich sind die beiden Gedichte auf vielen Ebenen ähnlich. Beide Texte halten sich auf der formalen Ebene an klare Strukturen und vorgegebene Reimschemata und Metren. Dennoch werden diese in beiden Gedichten durch kleine Veränderungen aufgebrochen und Enjambements sprengen immer wieder die durch Verse vorgegebene Satzlänge. In dem Gedicht von Herrmann-Neißen werden allerdings deutlich mehr Personengruppen beachtet und die Sprache ist durch die Metaphern und die Personifikation des Sommerwindes anschaulicher als bei Brecht. Hier wiederum lebt das Gedicht von dem Wechsel zwischen Ausrufen und Fragen.
Unterschied 3:
Sprache
Brechts lyrisches Ich ist isolierter und die Situation im fremden Land wird mehr durch Ratlosigkeit und Planlosigkeit geprägt. Der Leser ist näher an der Person und bekommt privatere Eindrücke. Die Exilsituation der Heimatlosen ist dagegen beschreibender und spricht bewusster einen Adressaten an.
Beide Gedichte entstammen der Zeit des Nationalsozialismus und beide Autoren sind selbst ins Exil gegangen und kennen die Situation, die sie jeweils in ihren Gedichten beschreiben. Inwieweit die Texte darum als autobiografisch angesehen werden können bzw. inwiefern das jeweilige lyrische Ich mit dem Autor gleichzusetzen ist, bleibt ungeklärt. Sicher lässt sich feststellen, dass die Autoren der Exilliteratur literarische Texte nutzen, um eigene Erlebnisse zu verarbeiten und ihre subjektive Sicht auf das Geschehen zum Ausdruck zu bringen. Und genauso wie es viele einzelne Schicksale in dieser Zeit gibt, genauso viele verschieden geprägte Gedichte zu einem Leben im Exil sind entstanden.
#lyrik#vergleichen#exilliteratur
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