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Aufgabe D

Aufgaben
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Untersuchendes Erschließen pragmatischer Texte - Textanalyse

Aufgabe:
  • Analysiere die Rede von Navid Kermani.
  • Berücksichtige dabei insbesondere den Zusammenhang von Redeanlass und rhetorischer Gestaltung.
#analysieren#rhetorik#rede

Rede von Dr. Navid Kermani zur Feierstunde 65 Jahre Grundgesetz (Mai 2014)

Es gilt das gesprochene Wort
 
Sehr geehrte Herren Präsidenten! Frau Bundeskanzlerin! Meine Damen und Herren
Abgeordnete! Exzellenzen! Liebe Gäste!
Das Paradox gehört nicht zu den üblichen Ausdrucksmitteln juristischer Texte, die schließlich größstmögliche Klarheit anstreben. Einem Paradoxon ist notwendig der Rätselcharakter zu
5
eigen, ja, es hat dort seinen Platz, wo Eindeutigkeit zur Lüge geriete. Deshalb ist es eines
der gängigsten Mittel der Poesie.
Und doch beginnt ausgerechnet das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland mit
einem Paradox. Denn wäre die Würde des Menschen unantastbar, wie es im ersten Satz
heißt, müsste der Staat sie nicht achten und schon gar nicht schützen, wie es der zweite
10
Satz verlangt. Die Würde existierte unabhängig und unberührt von jedweder Gewalt. Mit
einem einfachen, auf Anhieb kaum merklichen Paradox - die Würde ist unantastbar und
bedarf dennoch des Schutzes - kehrt das Grundgesetz die Prämisse der vorherigen
deutschen Verfassungen ins Gegenteil um und erklärt den Staat zum Telos1 nunmehr
zum Diener der Menschen, und zwar grundsätzlich aller Menschen, der Menschlichkeit im
15
emphatischen Sinn. Sprachlich ist das - man mag es nicht als brillant bezeichnen, weil man
damit einen eminent normativen Text ästhetisierte - es ist vollkommen, nichts anderes.
Überhaupt wird man die Wirkmächtigkeit, den schier unfassbaren Erfolg des Grundgesetzes nicht erklären können, ohne auch seine literarische Qualität zu würdigen. Jedenfalls in seinen wesentlichen Zügen und Aussagen ist es ein bemerkenswert schöner Text und sollte
20
es sein. Bekanntlich hat Theodor Heuss2die ursprüngliche Fassung des ersten Artikels mit dem Argument verhindert, dass sie schlechtes Deutsch sei. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ hingegen ist ein herrlicher deutscher Satz, so einfach, so schwierig, auf Anhieb einleuchtend und doch von umso größerer Abgründigkeit, je öfter man seinen Folgesatz
bedenkt: Sie muss dennoch geschützt werden. Beide Sätze können gleichzeitig wahr
25
sein, aber sie können sich gemeinsam, nur gemeinsam, bewahrheiten und haben sich in
Deutschland in einem Grade bewahrheitet, wie es am 23.Mai 1949 kaum jemand für
möglich gehalten hätte. Im deutschen Sprachraum vielleicht nur mit der Luther-Bibel
vergleichbar, hat das Grundgesetz Wirklichkeit geschaffen durch die Kraft des Wortes.
„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“: Wie abwegig muss den
30
meisten Deutschen, die sich in den Trümmern ihrer Städte und Weltbilder ums nackte
Überleben sorgten, wie abwegig muss ihnen die Aussicht erschienen sein, so etwas Luftiges wie die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Aber was für ein verlockender Gedanke es zugleich war!
„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“: Die Juden, die Sinti und Roma, die
35
Homosexuellen, die Behinderten, überhaupt alle Randseiter, Andersgesinnten und Fremden,
sie waren ja vor dem Gesetz gerade nicht gleich - also mussten sie es werden.
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“: Der Wochen und Monate währende Widerstand just gegen diesen Artikel zeigt am deutlichsten, dass Männer und Frauen 1949 noch keineswegs als gleichberechtigt galten, seine Wahrheit wurde dem Satz erst in der
40
Anwendung zuteil.
„Die Todesstrafe ist abgeschafft“: Das war gerade nicht der Mehrheitswunsch der
Deutschen, die in einer Umfrage zu drei Vierteln für die Beibehaltung der Todesstrafe
plädierten, und wird heute weithin bejaht.
„Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet“: Der Satz war den
45
Mitgliedern des Parlamentarischen Rates angesichts der Flüchtlingsnot und des
Wohnungsmangels fast peinlich und gilt 65 Jahre später nicht nur im wiedervereinigten
Deutschland, sondern in halb Europa. Der Bund kann „in die Beschränkungen seiner
Hoheitsrechte einwilligen, die eine friedliche und dauerhafte Ordnung in Europa“
herbeiführen. Das dachte - 1949!- ein vereinigtes Europa, ja: die Vereinigten Staaten von
50
Europa voraus.
Und so weiter: das Diskriminierungsverbot, die Religionsfreiheit, die Freiheit von Kunst und
Wissenschaft, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit - das waren, als das Grundgesetz
vor 65 Jahren verkündet wurde, eher Bekenntnisse, als dass sie die Wirklichkeit in
Deutschland beschrieben hätten. Und es sah zunächst keineswegs danach aus, als würde
55
der Appell, der in diesen so schlichten wie eindringlichen Glaubenssätzen lag, von den
Deutschen gehört. Das Interesse der Öffentlichkeit am Grundgesetz war aus heutiger Sicht beschämend gering, die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung marginal. Befragt, wann es Deutschland am besten gegangen sei, entschieden sich noch 1951 in einer repräsentativen Umfrage 45 Prozent der Deutschen für das Kaiserreich, 7 Prozent für die Weimarer Republik,
60
42 Prozent für die Zeit des Nationalsozialismus und nur 2 Prozent für die Bundesrepublik.
2 Prozent! Wie froh müssen wir sein, dass am Anfang der Bundesrepublik Politiker standen,
die ihr Handeln nicht nach Umfragen, sondern nach ihren Überzeugungen ausrichteten.
(Beifall)
Und heute? […]
65
Dies ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir kennen. Statt sich zu verschließen, darf es
stolz darauf sein, dass es so anziehend geworden ist.
Meine Eltern sind nicht aus dem Iran geflohen. Aber nach dem Putsch gegen die demokratische
Regierung Mossadegh 1953 waren sie wie viele Iraner ihrer Generation froh, in einem freieren, gerechteren Land studieren zu können. Nach dem Studium haben sie Arbeit
70
gefunden. Sie haben Kinder, Kindeskinder und sogar Urenkel aufwachsen sehen. Sie sind
alt geworden in Deutschland. Diese ganze große Familie - 26 Menschen inzwischen, wenn
ich nur die direkten Nachkommen und Angeheirateten zähle - ist glücklich geworden in
diesem Land. Und nicht nur wir: Viele Millionen Menschen sind seit dem Zweiten Weltkrieg in die Bundesrepublik eingewandert, die Vertriebenen und Aussiedler berücksichtigt mehr als
75
die Hälfte der heutigen Bevölkerung. Das ist auch im internationalen Vergleich eine gewaltige demografische Veränderung, die das Land innerhalb einer einzigen Generation zu
bewältigen hatte, und ich meine, dass Deutschland sie insgesamt gut bewältigt hat.
Es gibt, gerade in den Ballungsräumen, kulturelle, religiöse und vor allem soziale Konflikte. Es gibt Ressentiments bei Deutschen, und es gibt Ressentiments bei denen,
80
die nicht nur deutsch sind.
Leider gibt es auch Gewalt und sogar Terror und Mord. Aber aufs Ganze betrachtet geht es in Deutschland ausgesprochen friedlich, immer noch verhältnismäßig gerecht und sehr viel toleranter zu als noch in den 90er-Jahren. Ohne es eigentlich zu
merken, hat die Bundesrepublik - und da spreche ich noch gar nicht von der
85
Wiedervereinigung - eine grandiose Integrationsleistung vollbracht.
Vielleicht hat es hier und dort an Anerkennung gefehlt, einer deutlichen, öffentlichen Geste
besonders der Generation meiner Eltern, der Gastarbeitergeneration gegenüber, wie viel sie
für Deutschland geleistet hat.
(Beifall)
90
Doch umgekehrt haben vielleicht auch die Einwanderer nicht immer genügend deutlich
gemacht, wie sehr sie die Freiheit schätzen, an der sie in Deutschland teilhaben,
(Beifall)
den sozialen Ausgleich, die beruflichen Chancen, kostenlose Schulen und Universitäten,
übrigens auch ein hervorragendes Gesundheitssystem, Rechtsstaatlichkeit, eine bisweilen
95
quälende und doch so wertvolle Meinungsfreiheit, die freie Ausübung der Religion.
So möchte ich zum Schluss meiner Rede tatsächlich einmal in Stellvertretung sprechen, und
im Namen von - nein, nicht im Namen von allen Einwandern, nicht im Namen von Djamaa
Isu, der sich fast auf den Tag genau vor einem Jahr im Erstaufnahmelager Eisenhüttenstadt
mit einem Gürtel erhängte aus Angst, ohne Prüfung seines Asylantrages in ein sogenanntes
100
Drittland abgeschoben zu werden, nicht im Namen von Mehmet Kubasik und den anderen
Opfern des Nationalsozialistischen Untergrunds, die von den ermittelnden Behörden und den
größten Zeitungen des Landes über Jahre als Kriminelle verleumdet wurden, nicht im Namen
auch nur eines jüdischen Einwanderers oder Rückkehrers, der die Ermordung beinahe
seines ganzen Volkes niemals für bewältigt halten kann -, aber doch im Namen von vielen,
105
von Millionen Menschen, im Namen der Gastarbeiter, die längst keine Gäste mehr sind, im
Namen ihrer Kinder und Kindeskinder, die wie selbstverständlich mit zwei Kulturen und
endlich auch zwei Pässen aufwachsen, im Namen meiner Schriftstellerkollegen, denen die
deutsche Sprache ebenfalls ein Geschenk ist, im Namen der Fußballer, die in Brasilien alles
für Deutschland geben werden, auch wenn sie die Nationalhymne nicht singen,
110
(Beifall)
im Namen auch der weniger Erfolgreichen, der Hilfsbedürftigen und sogar der Straffälligen,
die gleichwohl - genauso wie die Özils und Podolskis - zu Deutschland gehören, im Namen
zumal der Muslime, die in Deutschland Rechte genießen, die zu unserer Beschämung
Christen in vielen islamistischen Ländern heute verwehrt sind, im Namen also auch meiner
115
frommen Eltern und einer inzwischen 26-köpfigen Einwandererfamilie möchte ich sagen und
mich dabei auch wenigstens symbolisch verbeugen: Danke, Deutschland.
(Langanhaltender Beifall - Die Anwesenden erheben sich)
Quelle: Rede von Dr. Navid Kermani zur Feierstunde „65 Jahre Grundgesetz“ (Mai 2014). Zitiert nach:
https://www.bundestag.de/ dokumente/textarchiv/ 2014/-/280688, Zugriff am 01.03.2015

1Telos : Zweck, Ziel
2Theodor Heuss : erster Bundespräsident der BRD
#rede
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$\blacktriangleright$  Die Rede von Navid Kermani unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs von Redeanlass und rhetorischer Gestaltung zu analysieren.
In dieser Aufgabe sollst du den vorliegenden Text unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs von Redeanlass und rhetorischer Gestaltung analysieren. Der Operator analysieren bedeutet, dass du sowohl elementare inhaltliche, als auch formale und sprachliche Merkmale der Rede von Navid Kermani aufzeigst.
Der erste Teil der Textanalyse ist die Vorarbeit. Dabei kannst du mit der Drei-Schritte-Lesemethode arbeiten. Im ersten Schritt „scannst“ du den Text, überfliegst ihn also, um einen ersten Eindruck von ihm zu bekommen. Im zweiten Schritt wird sorgfältiger gelesen, jetzt kannst du wichtige Stellen oder rhetorische Stilmittel markieren. Im dritten Schritt achtest du nun auf Details, die dir bisher noch nicht aufgefallen sind.
Der zweite Teil ist dann das Verfassen deiner Redeanalyse. Gliedere deine Rede dabei bestenfalls in drei Teile: Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Die Einleitung deiner Analyse sollte folgende Elemente enthalten:
  • Autor, Titel und Textart
  • Ort und Datum der Erscheinung
  • Was ist der Leitbegriff (der zentrale Begriff) des Textes?
  • Darstellung des Leitgedankens
Folgende Elemente sollten auf jeden Fall in deinem Hauptteil stehen:
  • Die Wiedergabe der Gedankenstruktur
  • Die Erläuterung sprachlicher Merkmale (Wortwahl, Satzstruktur, rhetorische Mittel, …)
  • Die Intention des Autors; möchte dieser kritisieren, warnen, informieren, unterhalten, …?
Im Schlussteil berücksichtigst du folgende Aspekte:
  • Deinen Eindruck vom Text
  • Die Rolle des Autors
  • Eigene Stellungnahme
  • Überzeugt der Text?
  • Besitzt der Text Aktualität?
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Thema:
Analyse politischer Reden
Aufgabe:
$\blacktriangleright$  Die Rede von Navid Kermani unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs von Redeanlass und rhetorischer Gestaltung zu analysieren.
Tipp
In dieser Aufgabe sollst du den vorliegenden Text unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs von Redeanlass und rhetorischer Gestaltung analysieren. Der Operator analysieren bedeutet, dass du sowohl elementare inhaltliche, als auch formale und sprachliche Merkmale der Rede von Navid Kermani aufzeigst.
Der erste Teil der Textanalyse ist die Vorarbeit. Dabei kannst du mit der Drei-Schritte-Lesemethode arbeiten. Im ersten Schritt „scannst“ du den Text, überfliegst ihn also, um einen ersten Eindruck von ihm zu bekommen. Im zweiten Schritt wird sorgfältiger gelesen, jetzt kannst du wichtige Stellen oder rhetorische Stilmittel markieren. Im dritten Schritt achtest du nun auf Details, die dir bisher noch nicht aufgefallen sind.
Der zweite Teil ist dann das Verfassen deiner Redeanalyse. Gliedere deine Rede dabei bestenfalls in drei Teile: Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Die Einleitung deiner Analyse sollte folgende Elemente enthalten:
  • Autor, Titel und Textart
  • Ort und Datum der Erscheinung
  • Was ist der Leitbegriff (der zentrale Begriff) des Textes?
  • Darstellung des Leitgedankens
Folgende Elemente sollten auf jeden Fall in deinem Hauptteil stehen:
  • Die Wiedergabe der Gedankenstruktur
  • Die Erläuterung sprachlicher Merkmale (Wortwahl, Satzstruktur, rhetorische Mittel, …)
  • Die Intention des Autors; möchte dieser kritisieren, warnen, informieren, unterhalten, …?
Im Schlussteil berücksichtigst du folgende Aspekte:
  • Deinen Eindruck vom Text
  • Die Rolle des Autors
  • Eigene Stellungnahme
  • Überzeugt der Text?
  • Besitzt der Text Aktualität?
Tipp
In dieser Aufgabe sollst du den vorliegenden Text unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs von Redeanlass und rhetorischer Gestaltung analysieren. Der Operator analysieren bedeutet, dass du sowohl elementare inhaltliche, als auch formale und sprachliche Merkmale der Rede von Navid Kermani aufzeigst.
Der erste Teil der Textanalyse ist die Vorarbeit. Dabei kannst du mit der Drei-Schritte-Lesemethode arbeiten. Im ersten Schritt „scannst“ du den Text, überfliegst ihn also, um einen ersten Eindruck von ihm zu bekommen. Im zweiten Schritt wird sorgfältiger gelesen, jetzt kannst du wichtige Stellen oder rhetorische Stilmittel markieren. Im dritten Schritt achtest du nun auf Details, die dir bisher noch nicht aufgefallen sind.
Der zweite Teil ist dann das Verfassen deiner Redeanalyse. Gliedere deine Rede dabei bestenfalls in drei Teile: Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Die Einleitung deiner Analyse sollte folgende Elemente enthalten:
  • Autor, Titel und Textart
  • Ort und Datum der Erscheinung
  • Was ist der Leitbegriff (der zentrale Begriff) des Textes?
  • Darstellung des Leitgedankens
Folgende Elemente sollten auf jeden Fall in deinem Hauptteil stehen:
  • Die Wiedergabe der Gedankenstruktur
  • Die Erläuterung sprachlicher Merkmale (Wortwahl, Satzstruktur, rhetorische Mittel, …)
  • Die Intention des Autors; möchte dieser kritisieren, warnen, informieren, unterhalten, …?
Im Schlussteil berücksichtigst du folgende Aspekte:
  • Deinen Eindruck vom Text
  • Die Rolle des Autors
  • Eigene Stellungnahme
  • Überzeugt der Text?
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Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine Rede zur Feierstunde „65 Jahre Grundgesetz“. Anlässlich dieses Jubiläums wurde Navid Kermani vom Bundestagspräsidenten Norbert Lammert am 23. Mai 2014 in den Bundestag in Berlin eingeladen, um dort eine Festrede zu halten. Der Schriftsteller Navid Kermani wurde am 27. November 1967 als Sohn iranischer Eltern geboren.
Die Rede von Navid Kermani handelt von dem Grundgesetz, welches zu diesem Zeitpunkt sein 65-jähriges Jubiläum feierte. Daher thematisiert er die Veränderungen, die die Staatsverfassung in den 65 Jahren durchlebte und stellt die Ansichten um 1949 den Standpunkten heute gegenüber. Kermani spricht dabei nicht nur in seinem Namen, als Sohn einer Einwandererfamilie, sondern auch im Namen vieler Millionen Menschen.
Einleitung
Textgrundlagen
Der Leitbegriff des Textes ist das Grundgesetz, welches nun seit 65 Jahren besteht, aber nicht von Anfang an umgesetzt wurde. Die Entwicklungen der Staatsverfassung macht sich Kermani zunutze, indem er das damalige Deutschland mit dem gegenwärtigen vergleicht.
Leitbegriff
Die Rede lässt sich in drei größere Sinnabschnitte einteilen.
Im ersten Sinnabschnitt (Z.$\;$1-62) geht Navid Kerami auf die ersten beiden Sätze des Grundgesetzes ein und stellt fest, dass es sich dabei um ein Paradoxon handelt. Sie können nicht beide wahr sein, aber sich nur gemeinsam bewahrheiten, so Kerami. Er zieht Vergleiche zwischen dem Grundgesetz 1949 und heute. Dabei merkt er an, dass das Grundgesetz 1949 eher ein Bekenntnis war und heute die Wirklichkeit darstellt (vgl Z.$\;$52-54.)
Der zweite Sinnabschnitt (Z.$\;$64-95) handelt von dem heutigen Deutschland aus der Sicht von Einwanderern, auch aus der Sicht seiner Eltern. Kermani spricht aus persönlicher Sicht und geht auf die Integrationssituation Deutschlands ein und wie diese sich innerhalb von 65 Jahren verändert hat.
Im letzten Sinnabschnitt (Z.$\;$96-116) möchte er sich symbolisch vor Deutschland verbeugen und danke sagen. Er spricht nun nicht mehr aus seiner Sicht, sondern möchte im Namen von vielen Millionen Menschen sprechen. Er nimmt dabei auch aktuellen Bezug auf die Fußballer, die zur Weltmeisterschaft in Brasilien antreten werden und alles geben werden, auch wenn sie nicht die Nationalhymne singen.
Sinnabschnitte
In der Ansprache von Navid Kermani lässt sich ein Spannungsbogen feststellen. Gleich zu Beginn baut er Spannung auf, indem er von dem Paradox spricht, welches nicht in juristische Texte gehört (vgl.Z.$\;$3-8). Er spricht fast schon im Rätsel, weshalb das Publikum neugierig darauf wird, weiterzuhören, um welches Paradoxon es sich handelt. Dadurch beschafft sich Kermani direkt am Anfang viel Aufmerksamkeit. Entscheidend ist auch, wie er das Interesse im Mittelteil seiner Rede bei den Zuhörern weckt. Durch den Gebrauch vieler Vergleiche wird seine Rede fesselnd, gut verständlich und anschaulich. Am Ende seiner Rede spricht der Autor Dank aus, nicht nur in seinem Namen, sondern im Namen von Millionen Menschen, die in Deutschland leben und nimmt dabei Bezug zur Gegenwart. Er thematisiert die aktuelle Fußball-Weltmeisterschaft, die zu diesem Zeitpunkt kurz bevorstand. So kann er sein Publikum fesseln, gespannt zuzuhören. Denn ein Teil des Publikums fühlt sich direkt angesprochen und mit Fußball ist er ein Thema eingegangen, das viele Menschen anspricht und interessiert.
Hauptteil
Spannungsbogen
Hervorzuheben sind die Empfänger, an die die Rede Kermanis gerichtet ist. Obwohl direkt zu Beginn hauptsächlich Präsidenten, die Bundeskanzlerin, Abgeordnete und Exzellenzen angesprochen, und andere Gäste nur kurz erwähnt werden, macht es den Anschein, als sei die Rede gerade nicht an die Erfolgreichen gerichet. Es wird der Eindruck erweckt, dass sich die Rede viel eher an weniger Erfolgreiche, Hilfsbedürftige und Einwanderer richtet, um ihnen Hoffnung zu geben und aufzuweisen, in welche positive Richtung sich das Grundgesetz in den letzten 65 Jahren verändert hat. Natürlich lobt er dabei auch die Politiker, die eine erfolgreiche Arbeit geleistet haben (vgl. Z.$\;$61f). Dennoch kommt das Gefühl auf, dass die Rede nicht direkt an die Politiker gerichtet ist. Auch zum Schluss spricht er bewusst ganz Deutschland an, nicht mehr nur die Politiker (vgl. Z.$\;$116).
Sprechsituation
Interessant ist auch, die eigene Einstellung Kermanis zum Grundgesetz, die er offen anspricht. Nicht nur positive Worte, die er gegenüber dem Grundgesetz verwendet, sondern auch der eigene Bezug Kermanis zum deutschen Gesetz sind auffällig. Er offenbart persönliche Angelegenheiten seiner Familie und erzählt, wie seine Eltern damals aus dem Iran geflohen sind und dank des Grundgesetzes in Deutschland in einem freieren und gerechteren Land leben können (vgl. Z.$\;$68-70). Es wird Stolz und auch Erleichterung über die gute Entwicklung Deutschlands deutlich. Er ist erleichtert, dass das heutige Deutschland existiert und erwähnt die Umfrage, die 1951 gemacht wurde. Auf die Frage, wann es Deutschland am besten gegangen sei, antworteten nur 2$\;$% mit der Bundesrepublik Deutschland. Es scheint ihn zu befreien, dass die Politiker damals nicht nach Umfragen, sondern nach Überzeugung gehandelt haben (vgl. Z.$\;$62f). Wie stolz er auf das heutige Deutschland ist, zeigt der Satz „Dies ist ein gutes Deutschland, das beste, das wir kennen“ (Z.$\;$65).
Einstellung des Redners
Sprachlich gesehen fallen, wie bereits erwähnt, vor allem die positiven Worte Kermanis und die unzähligen Vergleiche auf, die er verwendet. So benutzt er nur positive Worte, wenn er von dem heutigen Deutschland spricht und ist abwertend, wenn er von dem damaligen Deutschland redet. Dabei zitiert Kermani Abschnitte aus dem Grundgesetz und vergleicht die Bedeutung der Sätze heute mit der Vergangenheit. Der einleuchtendste Vergleich, den er dabei zieht, ist die Aussage, dass das Grundgesetz damals eher ein Bekenntnis und heute die Wirklichkeit ist (vgl. Z$\;$53f). Das Zitat „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ (Z.$\;$29), welches heute zutrifft, beschreibt der Autor als damals abwegig. Dabei benutzt er eine Anapher, um die Absurdität, die dieser Satz damals hatte, zu untermalen („Wie abwegig muss […], wie abwegig muss“ (Z.$\;$29-31)). Um die Situation um 1949 noch weiter zu veranschaulichen, benutzt er die Personifikation „nackte[s] Überleben“ (Z.$\;$30f), welchem die Menschen zu dieser Zeit ausgesetzt waren. Kermani will mit seinen Vergleichen den harten Kampf, den Deutschland hinter sich hat, um zu erreichen, was ihm heute zugeschrieben wird, verdeutlichen. Andere Zitate wie „[a]lle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet“ (Z.$\;$44) betitelt er zur Zeit um 1949 als „fast peinlich“(Z.$\;$46), allerdings gelten diese heute nicht nur in Deutschland, sondern auch in halb Europa. So geht es weiter, bis er schließlich seine Vergleiche und Beispiele mit einer rhetorischen Frage abschließt: „Wie froh müssen wir sein, dass am Anfang der Bundesrepublik Politiker standen, die ihr Handeln nicht nach Umfragen, sondern nach ihren Überzeugungen ausrichteten.“ (Z.$\;$61f). Durch diese Frage wird kein Widerstand geduldet und er trifft auf sehr viel Beifall und Zustimmung. Auffallend ist auch der Vergleich und zugleich die Hyperbel, die Kerami verwendet, indem er den „unfassbaren Erfolg“ (Z.$\;$17), den er dem Grundgesetz zuschreibt, mit der Luther-Bibel (vgl. Z.$\;$27) vergleicht. Dieser übertriebene Vergleich veranschaulicht die Größe, die Kermani dem Grundgesetz zuschreibt.
Des Weiteren beschreibt er das Grundgesetz als „brilliant“ (Z.$\;$15) und den ersten Satz als „herrliche[n] deutschen Satz“(Z.$\;$22). Auch Worte wie „ausgesprochen friedlich“ (Z.$\;$82), „grandiose Integrationsleistung“ (Z.$\;$85) und „hervorragendes Gesundheitssystem“ (Z.$\;$94) verbreiten ein positives und gutes Wohlgefühl und Sympathie bei den Zuhörern. Allgemein ist die Stimmung auch durch Anekdoten seiner Familie und den abschließenden Dank im Namen von Millionen Menschen sowie dem Aktualitätsbezug rundum sehr positiv. Zum Ende wird noch einmal deutlich, dass Kermani im Namen vieler Menschen sprechen und danken möchte. Er verwendet dabei Steigerungen sowie Aufzählungen und eine Enumeration „im Namen ihrer Kinder und Kindeskinder“ (Z.$\;$105f), um die Dimensionen Deutschland zu veranschaulichen. Das Grundgesetz hat ganz Deutschland verändert, nicht nur ihn, daher vertritt er die Ansicht von Millionen Menschen. Seine Rede beendet er mit der Apostrophe „Danke, Deutschland.“ (Z.$\;$116). Somit wendet sich ganz zum Schluss noch einmal die Sprechsituation, indem der Redner sich von dem realen Publikum abwendet und sich an ganz Deutschland wendet.
Stilmittel
Die Intention des Autors ist es, das heutige Deutschland zu loben, um so jeden Einzelnen stolz darauf zu machen, im gegenwärtigen Deutschland leben zu können. Dabei nutzt er den direkten Vergleich der Situation Deutschlands heute und damals, um die positiven Veränderungen in Deutschland hervorzuheben. Er selbst spricht dabei viele gelungene Entwicklungen in der Bundesrepublik an und erzeugt dabei eine allgemeine Heiterkeit im Auditorium. Durch seine Rede motiviert er Deutschland, auch in Zukunft an die Bundesrepublik zu glauben, da sie seit 1949 so viel bewältigen konnte.
Intention
Ich halte die Rede von Navid Kermani zur Feierstunde „65 Jahre Grundgesetz“ als überzeugend. Zum einen gelang es ihm, durch seine direkte Ansprache an die Politiker, deren Arbeit und die damit einhergehenden erfolgreichen Entwicklungen zu loben. Auch durch die vielen vergleichenden Beispiele und die Gegenüberstellungen von damals und heute erhält Kermani sehr viel Zustimmung vom Publikum. Aber nicht nur die Politiker werden von ihm motiviert, sondern alle Menschen, die sich von der Bundesrepublik Unterstützung erhoffen. Sie werden von Kermani ermutigt, der Bundesrepublik zu vertrauen, da sie seiner Meinung nach in den letzten 65 Jahren sehr viel geleistet und verbessert hat. Das Grundgesetz ist nun Wirklichkeit und nicht mehr nur ein Bekenntnis, dass sich etwas ändern muss, so Kermani. Die Rede überzeugt zudem durch ihren hohen Aktualitätswert aufgrund der Flüchtlingskrise. Durch seine Ansprache gibt er den Menschen Hoffnung, dass Deutschland auch diese Krise überwinden kann, indem er von „grandiose[r] Integrationsleistung“ (Z.$\;$85) spricht.
Schlussteil
persönliche Stellungnahme
Abschließend gilt es, den Zusammenhang zwischen Redeanlass und rhetorischer Gestaltung genauer zu berücksichtigen. Der Redeanlass ist aufgrund der 65 jährigen Existenz des Grundgesetzes feierlich. Die Rhetorik gestaltet Kermani daher bewusst positiv, anschaulich und motivierend. Die Vergleiche, die er verwendet, stellen das frühere Deutschland ins schlechte Licht und gleichzeitig spricht er vom heutigen Deutschland in den höchsten Tönen. Dadurch erweckt Kermani eine deutliche Emphatie für Deutschland. Durch seine positiven Worte, die er bewusst einsetzt und die Übertreibungen, wie der Vergleich des Grundgesetzes mit der Luther-Bibel, wird das Auditorium noch positiver gestimmt und die feierliche Stimmung bestärkt. Daher hat Kermani die Rhetorik bewusst eingesetzt um den Redeanlass und die damit zusammenhängende positive Gestimmtheit zu untermalen.
Zusammenhang Redeanlass und Rhetorik
#rede#stilmittel#argumentationsstruktur#rhetorik
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