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Aufgabe D

Aufgaben
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Erörterung pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 20./21. Jahrhundert
$\blacktriangleright\;$ Text:
Mario Andreotti: Die Struktur der modernen Literatur (2014)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Erörtere für einen im Unterricht behandelten Erzähltext, ob und inwiefern es sich dabei um moderne Literatur im Sinne Mario Andreottis handelt.
  • Berücksichtige in deiner Argumentation auch die Rolle neuer Medien in dem von dir gewählten Werk.
  • Erarbeite zunächst, was Mario Andreotti unter moderner Literatur versteht.
$\blacktriangleright\;$ Erläuterungen:
  • Mario Andreotti (geb. 1947), Sprach- und Literaturwissenschaftler an der Universität St. Gallen
  • Andreotti veröffentlichte das Sachbuch Die Struktur der modernen Literatur, das im Jahr 2014 in fünfter, überarbeiteter und erweiterter Auflage in der wissenschaftlichen Taschenbuchreihe UTB erschien.
Text
Mario Andreotti: Die Struktur der modernen Literatur (2014)
$\;$
1. Woran lässt sich literarische Modernität festmachen, und wie erklären Sie diese?
Unter „literarischer Modernität“ verstehen wir heute ganz allgemein jene Dichtung, die der
veränderten Realität des Daseins und dem gewandelten Lebensgefühl des modernen
Menschen verpflichtet ist und die daher nach neuen Möglichkeiten dichterischer Gestaltung
5
sucht. Das gewandelte Lebensgefühl äußert sich in einem völlig neuen Selbstverständnis
des modernen Menschen: Der Mensch erlebt sich nicht mehr als ‚feste‘ in sich ruhende
Größe, sondern als ein sich dauernd wandelndes, radikal in die Geschichte, in den Strom der
Zeit hinein genommenes Wesen. Seine Erfahrung der Wirklichkeit ist eine völlig andere als
die seiner Vorfahren: nämlich die Erfahrung einer auseinanderfallenden, sich in isolierte
10
Sphären auflösenden ‚Wirklichkeit‘, die dem Einzelnen das Bruchstück- und Ausschnitthafte
seiner Weltschau bewusst macht. Beide Aspekte, neues Selbstverständnis des Menschen
und veränderte Wirklichkeitserfahrung, finden ihren unmittelbaren Niederschlag in der
literarischen Moderne.
2. Welche (strukturellen) Merkmale kennzeichnen die moderne Literatur?
15
Moderne Literatur meint nicht einfach die Literatur unserer Epoche, der Gegenwart, sondern
nur jene literarischen Texte des 20. und 21. Jahrhunderts, die gegenüber herkömmlichen
Texten eine grundsätzlich veränderte Struktur, d.h. eine neuartige Gestaltung der Figuren
und, mit ihr eng verknüpft, der fiktionalen Wirklichkeit, aufweisen. Während wir es in
traditionellen Texten, etwa in einem bürgerlichen Roman, mit einigermaßen festen,
20
geschlossenen Charakteren zu tun haben, sind die Figuren in modernen Texten weniger
vom Charakterlichen als vielmehr von kollektiven und z.T. ambivalenten Grundkräften (wie
etwa Angst und Machtdrang) aus aufgebaut. An ihrer Stelle treten dann diese existentiellen
und gesellschaftlichen Grundkräfte ins Sinnzentrum. Und während die ‚Wirklichkeit‘, etwa in
einem traditionellen Erlebnisgedicht, als kohärentes Geschehen erscheint, erweist sie sich in
25
modernen Gedichten durch das Disparate, das Unzusammenhängende der Bilder als
dissoziiert, als aufgelöst. So wie in der modernen Erzählprosa der Erzähler als Vermittler der
Sicht zurücktritt und teilweise sogar ausgeschaltet wird, so ist in modernen Gedichten das
lyrische Ich als einheitsstiftende Größe häufig nur noch schwer oder gar nicht mehr fassbar.
3. Inwiefern hatten wissenschaftliche und technische Errungenschaften des 20. Jahrhunderts
30
Einfluss auf die moderne Literatur?
Der Einfluss auf die Entstehung einer literarischen Moderne setzt schon in der Mitte des 19.
Jahrhunderts ein, und zwar im Zusammenhang mit der Expansion der Naturwissenschaften
und der damit verbundenen Industrialisierung. […] Dazu gesellen sich die epochalen
Entdeckungen in der Physik (Atomtheorie, Quanten- und Relativitätstheorie), die zur
35
Preisgabe des alten, deterministischen Weltbildes[1], des Kausalitätsprinzips führen - ein
Vorgang, der in der Literatur mit dem Übergang von einer linearen, chronologischen zu einer
diskontinuierlichen Erzählweise vergleichbar ist. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang
auch das kurz vor 1900 einsetzende Medium des Films, das durch seinen künstlerischen
Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg die Entstehung einer modernen Montageliteratur
40
stark beeinflusst hat. Und schließlich ist es der Computer, dessen Entwicklung stetig
voranschreitet, bis er es mit der Komplexität des menschlichen Gehirns aufnehmen kann, ja,
den Menschen in allen Bereichen der Intelligenz überflügelt. Zu seinem Spiegelbild, ja, zum
Spiegelbild der modernen technischen Welt überhaupt ist vor allem die experimentelle
Literatur geworden, die sich in ihren Sprachspielen, vom Geist des wissenschaftlichen
45
Experiments angeregt, an den Vorstellungen einer entpoetisierten, technischen Sprache
orientiert.


[1] deterministisches Weltbild: Grundannahme, dass jedes Ereignis eine Ursache hat bzw. allem Werden ein Bewirktwerden zugrunde liegt
Quelle: Mario Androtti: Die Struktur der modernen Literatur. UTB-Autoren-Interview vom 17.9.2014.
http://www.utb.de/autoren/autoreninterviews/details-autoreninterviews/archiv/2014/september/17/artikel/die-struktur-der-modernen-literatur/, Zugriff am 5. Januar 2016
#erörterung#analysieren
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Erörterung pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 20./21. Jahrhundert
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Erörtere für einen im Unterricht behandelten Erzähltext, ob und inwiefern es sich dabei um moderne Literatur im Sinne Mario Andreottis handelt.
  • Berücksichtige in deiner Argumentation auch die Rolle neuer Medien in dem von dir gewählten Werk.
  • Erarbeite zunächst, was Mario Andreotti unter moderner Literatur versteht.
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Erörterung pragmatischer Texte geht es zunächst darum, die wichtigen inhaltlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Themen auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
Erörtere dann, inwiefern diese Meinung des Autors auf den von dir gewählten Erzähltext zutrifft. Strukturiere deinen Text mit Absätzen: z. B. solltest du nach jedem Argument einen Absatz machen. Baue deine Argumente sauber auf mit Behauptung, Begründung und einem Beispiel.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzlich muss deine Erörterung folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Intention des Autors, Erörterung seiner Argumente, Beispiele und Belege aus dem Erzähltext bzw. Gegenargumente aus dem Erzähltext
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Fazit der Erörterung
Tipp
$\blacktriangleright\;$ Bei einer Erörterung pragmatischer Texte geht es zunächst darum, die wichtigen inhaltlichen Merkmale des Textes zu erschließen. Die Analyse bleibt im Gegensatz zur Interpretation objektiv.
Pragmatische Texte sind nicht fiktional, sondern greifen reale Themen auf. Sie sind logisch, pragmatisch und funktional. Aber sie können auch appellierend, argumentativ und kommentierend sein, also die Meinung eines Autors zu einem Sachverhalt wiedergeben.
Erörtere dann, inwiefern diese Meinung des Autors auf den von dir gewählten Erzähltext zutrifft. Strukturiere deinen Text mit Absätzen: z. B. solltest du nach jedem Argument einen Absatz machen. Baue deine Argumente sauber auf mit Behauptung, Begründung und einem Beispiel.
  • Vorarbeit: Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Ort und Datum der Erscheinung, Hauptaussage, formale Merkmale. Diese Elemente werden die Grundlage deiner Analyse bilden.
    Pragmatische Texte sind oft argumentierende Texte. Deswegen ist es wichtig, dass du bei der Vorarbeit die Gedankenstruktur und die Intention des Autors herausarbeitest.
  • Gliederung: Grundsätzlich muss deine Erörterung folgende Teile aufweisen:
    Einleitung - Hauptteil - Schluss
    Jeder Teil deiner Arbeit sollte folgende Bestandteile beinhalten:
    Einleitung: Autor, Titel, Ort und Datum der Erscheinung, Textart, Hauptaussage des Textes
    Hauptteil: Analyse der Gedankenstruktur oder Argumentationsweise, Intention des Autors, Erörterung seiner Argumente, Beispiele und Belege aus dem Erzähltext bzw. Gegenargumente aus dem Erzähltext
    Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Fazit der Erörterung

Vorarbeit

Bevor du beginnst, musst du den Text von Mario Andreotti genau lesen, relevante Textstellen markieren und dir Notizen zur Hauptaussage und den dramentheoretischen Überlegungen machen. Überlege dir dann, welchen Erzähltext du für die Erörterung heranziehen möchtest. Mache dir außerdem noch einmal bewusst, was du im Unterricht über moderne Literatur und den Einfluss neuer Medien gelernt hast.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen kurzen Basissatz, der folgende Informationen enthält: Autor, Ort und Datum der Erscheinung. Fasse dann kurz die Hauptaussage des Textes zusammen und nennen auch die wichtigsten Daten zu dem Erzähltext, den du für deine Erörterung ausgewählt hast.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du zuerst einmal den Text von Mario Andreotti analysieren. Überlege dir, welches die zentralen Aussagen seines Textes sind und arbeite seine Position heraus. Schließlich musst du die Richtigkeit und die Gültigkeit der Aussagen in Bezug auf deinen ausgewählten Erzähltext überprüfen. Beziehe dich hierfür auf deine Kenntnisse zur modernen Literatur sowie auf dein Wissen über den Einfluss neuer Medien. Es ist wichtig, dass du beim Erörtern immer beide Seiten einer Behauptung beleuchtest und sowohl zustimmende als auch kritische Belege anbringst.
Position des Autors - was ist moderne Literatur für ihn?
  • Zunächst definiert Andreotti, was literarische Modernität bedeutet
  • Damit sei Dichtung gemeint, die neue Gestaltungsmöglichkeiten sucht, um sich der veränderten Realität und dem modernen Lebensgefühl anzupassen
  • Moderne Menschen sehen sich laut Andreotti nicht mehr als feste Größe, sondern als ein Wesen, das sich im Laufe der Zeit wandelt
  • Der moderne Mensch nehme die Wirklichkeit als auseinanderfallende Bruchstücke wahr und weiß um sein Nichtwissen
  • Im zweiten Abschnitt geht Andreotti auf die strukturellen Merkmale moderner Literatur ein
  • Moderne Literatur weise eine grundsätzlich veränderte Struktur gegenüber herkömmlicher Texte auf
  • Veränderte Struktur meint: neuartige Figurengestaltung und fiktionale Wirklichkeit
  • Charaktere sind nicht mehr fest und geschlossen, sondern vielmehr von ihrem Umfeld und ambivalenten Gefühlen wie Angst und Machtdrang geprägt
  • Die Wirklichkeit in modernen Gedichten ist durch unzusammenhängende Bilder nicht mehr als kohärentes Geschehen wahrnehmbar
  • In moderner Erzählprosa sei der Erzähler kaum noch vorhanden; in modernen Gedichten sei das lyrische Ich nicht mehr greifbar
  • Im dritten Absatz beschäftigt sich Andreotti mit dem Einfluss technischer Errungenschaften des 20. Jahrhunderts auf die Literatur
  • Schon Mitte des 19. Jahrhunderts sei durch die Industrialisierung ein Einfluss feststellbar
  • Durch wichtige Entdeckungen der Physik habe auch das deterministische Weltbild an Bedeutung verloren
  • Laut Andreotti gab es daher einen Wechsel von einer linearen zu einer diskontinuierlichen Erzählweise
  • Das neue Medium Film habe die Entstehung der Montageliteratur gefördert
  • Experimentelle Literatur mit Sprachspielen orientiert sich am komplexen Computer bzw. der technischen Sprache
Bezug zu einem gewählten Erzähltext - hier Franz Kafkas Die Verwandlung (1912)
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Die Handlung dreht sich um den Prager Handelsreisenden Gregor Samsa, der mit fleißiger Arbeit seinen Eltern und seiner Schwester ein gutes Leben ermöglichen möchte
  • Gleich zu Beginn der Erzählung verwandelt sich Gregor plötzlich in ein Ungeziefer
  • Die Familie versucht nach der Verwandlung Gregors den normalen Familienalltag weiterzuleben
  • Gregor verbringt die Tage einsam in seinem Zimmer und kann das Familienleben nur noch beobachten
  • Nach anfäglicher Hoffnung, dass er wieder ein Mensch wird, nimmt er seine Verwandlung als Tatsache hin und sorgt sich weniger um sich selbst, als um seine Familie, für die er keine Last sein möchte
  • Dass seine Familie sich immer mehr von ihm abwendet, belastet Gregor, der letztlich in seinem Zimmer stirbt
$\blacktriangleright$ Übereinstimmung mit Andreottis Position
  • Die Verwandlung weist eine neuartige dichterische Gestaltung auf
  • Gregor ist als Mensch keine feste Größe, sondern wandelt sich - überspitzt als Verwandlung in ein Ungeziefer dargestellt
  • Seine neue Wirklichkeit ist extrem bruchstückhaft; er lebt nur noch in seinem Zimmer und kann den Familienalltag nur noch beobachten
  • Die geforderte fiktionale Wirklichkeit wird mit der Verwandlung in einen Käfer erfüllt; die Handlung vermischt Absurdes mit Realistischem
  • Die neuartige Figurengestaltung ist ebenfalls im Werk zu finden:
    Gregors Verhalten ist von der Sorge um seine Familie und der Angst vor dem Verlust des Wohlstandes bestimmt;
    Gleichzeitig empfindet er ambivalente Gefühle: einerseits fühlt er sich vernachlässigt, andererseits fühlt er sich schuldig
  • Erzählt wird aus der Sicht von Gregor; der Erzähler verschwindet hinter dieser unzuverlässigen Wahrnehmung, was wiederum zu Andreottis Forderung passt
  • Die von Andreotti postulierte Aufgabe des deterministischen Weltbildes ist auch bei Kafkas Die Verwandlung zu erkennen; Gregor fragt sich zu keinem Zeitpunkt, warum er sich in ein Ungeziefer verwandelt hat und auch die Familie sucht nicht nach Gründen
  • Die Erzählweise ist diskontinuierlich; Kafka arbeitet mit dem Prinzip der Simultaneität, außerdem setzt die Handlung unvermittelt ein und hat ein offenes Ende
$\blacktriangleright$ Abweichung von Andreottis Position
  • Kafka hat keinen unverständlichen Sprachgebrauch; Die Verwandlung zeichnet sich durch einen klaren und nüchternen Stil aus, der im Gegensatz zu der verstörenden Handlung steht
$\blacktriangleright$ Rolle neuer Medien
  • In der Handlung an sich spielen neue Medien keinerlei Rolle; Gregor und seine Familie schauen weder Fernsehen, noch hören sie Radio, Gregor pflegte vor seiner Verwandlung lediglich täglich die Zeitung zu lesen
  • In Sachen Struktur und Erzählweise hat der Film allerdings großen Einfluss auf Kafkas Werk; Die Verwandlung ist entsprechend des neuen Mediums im Montage-Stil verfasst
  • Es gibt ein Neben- und Durcheinander, sowie Rückblenden; die erzählte Zeit ist dadurch sehr unterschiedlich
  • Die Handlung beginnt mit der Verwandlung, erst nach und nach erfährt der Leser etwas über Gregors Vergangenheit, die Frage nach dem Warum bleibt aber offen

Schluss

Am Schluss solltest du ein Fazit ziehen und noch einmal kurz zusammenfassen, zu welchem Ergebnis du bei deiner Erörterung gekommen bist. Greife die für dich interessantesten Argumente noch einmal auf, um Andreottis Position zu bewerten. Hier darfst du auch deine eigene Meinung zu moderner Literatur und den Überlegungen von Andreotti anbringen.
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Aufgabe D

Erörterung pragmatischer Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Literatur im 20./21. Jahrhundert
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Erörtere für einen im Unterricht behandelten Erzähltext, ob und inwiefern es sich dabei um moderne Literatur im Sinne Mario Andreottis handelt.
  • Berücksichtige in deiner Argumentation auch die Rolle neuer Medien in dem von dir gewählten Werk.
  • Erarbeite zunächst, was Mario Andreotti unter moderner Literatur versteht.
In einem Autoren-Interview mit der UTB von 2014 erklärt der Sprach- und Literaturwissenschaftler der Universität St. Gallen Mario Andreotti sein Verständnis von moderner Literatur und positioniert sich zudem zu eben dieser.
Zunächst definiert Andreotti, was literarische Modernität überhaupt bedeutet. Damit sei für ihn die Dichtung gemeint, die neue Gestaltungsmöglichkeiten sucht, um sich der veränderten Realität und dem modernen Lebensgefühl anzupassen. Moderne Menschen sehen sich laut Andreotti nicht mehr als feste Größe, sondern als ein Wesen, das sich im Laufe der Zeit wandelt und stetig abändert. Der moderne Mensch nehme außerdem die Wirklichkeit als auseinanderfallende Bruchstücke wahr und weiß deshalb auch um sein Nichtwissen über gewisse Dinge. Im zweiten Abschnitt geht Andreotti auf die strukturellen Merkmale moderner Literatur ein. Moderne Literatur weise eine grundsätzlich veränderte Struktur gegenüber herkömmlicher Texte auf. Die veränderte Struktur meint hier eine gewisse neuartige Figurengestaltung und eine fiktionale Wirklichkeit. Des Weiteren sind die Charaktere nicht mehr fest und geschlossen, sondern vielmehr von ihrem Umfeld und ambivalenten Gefühlen wir Angst und Machtdrang geprägt. Die Wirklichkeit in modernen Gedichten ist durch unzusammenhängende Bilder nicht mehr als kohärentes Geschehen wahrnehmbar. Auch die Erzählsituation hat sich prinzipiell geändert, denn in der modernen Erzählprosa sei der Erzähler kaum noch vorhanden; in modernen Gedichten sei das lyrische Ich nicht mehr greifbar so Andreotti. Im dritten Absatz beschäftigt sich Andreotti mit dem Einfluss technischer Errungenschaften des 20. Jahrhunderts auf die Literatur. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts sei durch die Industrialisierung ein gewisser Einfluss feststellbar und durch wichtige Entdeckungen der Physik habe auch das deterministische Weltbild an Bedeutung verloren. Laut Andreotti gab es daher einen Wechsel von einer linearen zu einer diskontinuierlichen Erzählweise. Außerdem, so fährt Andreotti fort, habe das neue Medium Film die Entstehung der Montageliteratur gefördert. Auch ein Einfluss neuer Medien in der Literatur ist verzeichenbar, denn experimentelle Literatur mit Sprachspielen orientiert sich zunehmend am komplexen Computer bzw. der technischen Sprache.
In Franz Kafkas Die Verwandlung sind diese Elemente der modernen Literatur besonders gut verarbeitet. Die Handlung dreht sich hier um den Prager Handelsreisenden Gregor Samsa, der mit fleißiger Arbeit seinen Eltern und seiner Schwester ein gutes Leben ermöglichen möchte. Gleich zu Beginn der Erzählung verwandelt sich Gregor jedoch plötzlich in ein Ungeziefer. Die Familie versucht nach der Verwandlung Gregors den normalen Familienalltag weiterzuleben, doch Gregor verbringt die Tage einsam in seinem Zimmer und kann das Familienleben nur noch von außen beobachten, allerdings nicht mehr daran teilnehmen. Nach der anfäglichen Hoffnung, dass er wieder ein Mensch wird, nimmt er seine Verwandlung als Tatsache hin und sorgt sich weniger um sich selbst, als um seine Familie, für die er keine Last sein will. Dass seine Familie sich immer mehr von ihm abwendet, belastet Gregor, der letztlich in seinem Zimmer stirbt.
Die Verwandlung weist eine neuartige dichterische Gestaltung auf. Der Protagonist Gregor ist beispielsweise als Mensch keine feste Größe, sondern wandelt sich - was überspitzt als Verwandlung in ein Ungeziefer dargestellt wird. Seine neue Wirklichkeit ist extrem bruchstückhaft; er lebt nur noch in seinem Zimmer und kann den Familienalltag nur noch beobachten; zur Arbeit kann er irgendwann nicht mehr und ein soziales Leben führt er auch nicht mehr. Die geforderte fiktionale Wirklichkeit wird mit der Verwandlung in einen Käfer erfüllt und die Handlung vermischt so Absurdes mit Realistischem. Die neuartige Figurengestaltung ist ebenfalls im Werk zu finden: Gregors Verhalten ist von der Sorge um seine Familie und der Angst vor dem Verlust des Wohlstandes bestimmt. Gleichzeitig empfindet er ambivalente Gefühle, denn einerseits fühlt er sich vernachlässigt, andererseits fühlt er sich auch schuldig. Außerdem wird die Geschichte aus der Sicht von Gregor erzählt; der Erzähler verschwindet hinter dieser unzuverlässigen Wahrnehmung, was wiederum zu Andreottis Forderung passt. Außerdem ist die Erzählweise diskontinuierlich; Kafka arbeitet mit dem Prinzip der Simultaneität, außerdem setzt die Handlung unvermittelt ein und hat ein offenes Ende Die von Andreotti postulierte Aufgabe des deterministischen Weltbildes ist auch bei Kafkas Die Verwandlung zu erkennen - Gregor fragt sich zu keinem Zeitpunkt, warum er sich in ein Ungeziefer verwandelt hat und auch die Familie sucht nicht nach Gründen hierzu. Sie nehmen das Geschehene einfach für gegeben und für wahr an. Natürlich kann hier nun angebracht werden, dass Kafka ja keinen unverständlichen Sprachgebrauch benutzt, schließlich zeichnet seine Erzählung durch einen klaren und nüchternen Stil aus, der im Gegensatz zu der verstörenden Handlung steht.
In der Handlung an sich spielen neue Medien keinerlei Rolle: Gregor und seine Familie schauen weder Fernsehen, noch hören sie Radio. Gregor pflegte vor seiner Verwandlung lediglich täglich die Zeitung zu lesen. In Sachen Struktur und Erzählweise hat der Film allerdings großen Einfluss auf Kafkas Werk; Die Verwandlung ist entsprechend des neuen Mediums im Montage-Stil verfasst, denn es gibt ein Neben- und Durcheinander, sowie Rückblenden; die erzählte Zeit ist dadurch sehr unterschiedlich. Die Handlung beginnt mit der Verwandlung, erst nach und nach erfährt der Leser etwas über Gregors Vergangenheit, die Frage nach dem Warum bleibt aber offen.
Mit jedem neuen Jahrhundert kommen große Veränderung - egal ob geschichtlich, gesellschaftlich oder auch künstlerisch. So kam mit der Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert auch der Sprung in die neue, moderne Literatur, die die Grenzen aufsprengt und mit dem Traditionellen bricht. Mario Andreotti hat diese Wende recht anschaulich auf die Literatur übertragen und bestimmte Merkmale herausgearbeitet. Diese Kriterien treffen insbesondere auf Literatur des frühen 20. Jahrhunderts zu, weshalb Kafkas Die Verwandlung auch als moderne Literatur bezeichnet werden kann.
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