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Aufgabe B

Aufgaben
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Untersuchendes Erschließen literarischer Texte – Textinterpretation

Aufgabe:
  • Interpretiere die Szene II,7 aus Lessings bürgerlichem Trauerspiel Emilia Galotti.
  • Beurteile dabei die Funktion der Szene im Rahmen der Gesamthandlung.

Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti (1772)

SIEBENTER AUFTRITT
Graf Appiani. Die Vorigen.




5




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Appiani.


Emilia.

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Claudia.

Appiani.






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Claudia.
Appiani.


Claudia.

Appiani.
Claudia.
Appiani.

Emilia.





Claudia.
Emilia.

Claudia.

Emilia.
Appiani.
Emilia.
Appiani.

Emilia.

Appiani.

Emilia.

Appiani.
Emilia.
Appiani.
Emilia.

(tritt tiefsinnig, mit vor sich hingeschlagenen Augen herein und kömmt näher, ohne
sie zu erblicken; bis Emilia ihm entgegen springt)
Ah, meine Theuerste! – Ich war mir
Sie in dem Vorzimmer nicht vermuthend.
Ich wünschte Sie heiter, Herr Graf, auch wo Sie mich nicht vermuthen. – So
feyerlich? so ernsthaft? – Ist dieser Tag keiner freudigern Aufwallung werth?
Er ist mehr werth, als mein ganzes Leben. Aber schwanger1 mit so viel
Glückseligkeit für mich, – mag es wohl diese Glückseligkeit selbst seyn, die mich so
ernst, die mich, wie Sie es nennen, mein Fräulein, so feyerlich macht. – (indem er die
Mutter erblickt
) Ha! auch Sie hier, meine gnädige Frau! – nun bald mir mit einem
innigern Namen zu verehrende!
Der mein größter Stolz seyn wird! – Wie glücklich bist du, meine Emilia! – Warum
hat dein Vater unsere Entzückung nicht theilen wollen?
Eben habe ich mich aus seinen Armen gerissen: – oder vielmehr er, sich aus
meinen. – Welch ein Mann, meine Emilia, Ihr Vater! Das Muster aller männlichen
Tugend! Zu was für Gesinnungen erhebt sich meine Seele in seiner Gegenwart! Nie ist
mein Entschluß immer gut, immer edel zu seyn, lebendiger, als wenn ich ihn sehe –
wenn ich ihn mir denke. Und womit sonst, als mit der Erfüllung dieses Entschlusses
kann ich mich der Ehre würdig machen, sein Sohn zu heißen; – der Ihrige zu seyn,
meine Emilia?
Und er wollte mich nicht erwarten!
Ich urtheile2, weil ihn seine Emilia, für diesen augenblicklichen Besuch, zu sehr
erschüttert, zu sehr sich seiner ganzen Seele bemächtiget hätte.
Er glaubte dich mit deinem Brautschmucke beschäfftiget zu finden: und hörte –
Was ich mit der zärtlichsten Bewunderung wieder von ihm gehört habe. – So recht,
meine Emilia! Ich werde eine fromme Frau an Ihnen haben; und die nicht stolz auf ihre
Frömmigkeit ist.
Aber, meine Kinder, eines thun, und das andere nicht lassen! – Nun ist es hohe
Zeit; nun mach', Emilia!
Was? meine gnädige Frau.
Sie wollen sie doch nicht so, Herr Graf, so wie sie da ist, zum Altare führen?
Wahrlich, das werd' ich nun erst gewahr. – Wer kann Sie sehen, Emilia, und auch
auf Ihren Putz3 achten? – Und warum nicht so, so wie sie da ist?
Nein, mein lieber Graf, nicht so; nicht ganz so. Aber auch nicht viel prächtiger; nicht
viel. – Husch, husch, und ich bin fertig! – Nichts, gar nichts von dem Geschmeide, dem letzten Geschenke Ihrer verschwenderischen Großmuth! Nichts, gar nichts, was sich nur zu solchem Geschmeide schickte! – Ich könnte ihm gram seyn, diesem
Geschmeide, wenn es nicht von Ihnen wäre. - Denn dreymal hat mir von ihm
geträumet –
Nun! davon weiß ich ja nichts.
Als ob ich es trüge, und als ob plötzlich sich jeder Stein desselben in eine Perle
verwandele. – Perlen aber, meine Mutter, Perlen bedeuten Thränen.
Kind! Die Bedeutung ist träumerischer, als der Traum. – Warest du nicht von je her
eine grössere Liebhaberinn von Perlen, als von Steinen? –
Freylich, meine Mutter, freylich –
(nachdenkend und schwermüthig) Bedeuten Thränen – bedeuten Thränen!
Wie? Ihnen fällt das auf? Ihnen?
Ja wohl; ich sollte mich schämen. – Aber, wenn die Einbildungskraft einmal zu traurigen Bildern gestimmt ist –
Warum ist sie das auch? – Und was meynen Sie, das ich mir ausgedacht habe? –
Was trug ich, wie sah ich, als ich Ihnen zuerst gefiel? – Wissen Sie es noch?
Ob ich es noch weiß? Ich sehe Sie in Gedanken nie anders, als so; und sehe Sie
so, auch wenn ich Sie nicht so sehe.
Also, ein Kleid von der nehmlichen4 Farbe, von dem nehmlichen Schnitte; fliegend
und frey –
Vortrefflich!
Und das Haar –
In seinem eignen braunen Glanze; in Locken, wie sie die Natur schlug –
Die Rose darinn nicht zu vergessen! Recht! recht! – Eine kleine Geduld, und ich
stehe so vor Ihnen da!
Die Zeilenangaben beziehen sich auf die Orginalprüfungsaufgabe und können in der mobilen Darstellung daher abweichen.
Appiani. (tritt tiefsinnig, mit vor sich hingeschlagenen Augen herein und kömmt näher, ohne
sie zu erblicken; bis Emilia ihm entgegen springt) Ah, meine Theuerste! – Ich war mir
Sie in dem Vorzimmer nicht vermuthend.
Emilia. Ich wünschte Sie heiter, Herr Graf, auch wo Sie mich nicht vermuthen. – So
5 feyerlich? so ernsthaft? – Ist dieser Tag keiner freudigern Aufwallung werth?
Appiani. Er ist mehr werth, als mein ganzes Leben. Aber schwanger1 mit so viel
Glückseligkeit für mich, – mag es wohl diese Glückseligkeit selbst seyn, die mich so
ernst, die mich, wie Sie es nennen, mein Fräulein, so feyerlich macht. – (indem er die
Mutter erblickt) Ha! auch Sie hier, meine gnädige Frau! – nun bald mir mit einem
10 innigern Namen zu verehrende!

Claudia. Der mein größter Stolz seyn wird! – Wie glücklich bist du, meine Emilia! – Warum
hat dein Vater unsere Entzückung nicht theilen wollen?

Appiani. Eben habe ich mich aus seinen Armen gerissen: – oder vielmehr er, sich aus
meinen. – Welch ein Mann, meine Emilia, Ihr Vater! Das Muster aller männlichen
15 Tugend! Zu was für Gesinnungen erhebt sich meine Seele in seiner Gegenwart! Nie ist
mein Entschluß immer gut, immer edel zu seyn, lebendiger, als wenn ich ihn sehe –
wenn ich ihn mir denke. Und womit sonst, als mit der Erfüllung dieses Entschlusses
kann ich mich der Ehre würdig machen, sein Sohn zu heißen; – der Ihrige zu seyn,
meine Emilia?

20 Emilia. Und er wollte mich nicht erwarten!

Appiani. Ich urtheile2, weil ihn seine Emilia, für diesen augenblicklichen Besuch, zu sehr
erschüttert, zu sehr sich seiner ganzen Seele bemächtiget hätte.
Claudia. Er glaubte dich mit deinem Brautschmucke beschäfftiget zu finden: und hörte –

Appiani. Was ich mit der zärtlichsten Bewunderung wieder von ihm gehört habe. – So recht,
25 meine Emilia! Ich werde eine fromme Frau an Ihnen haben; und die nicht stolz auf ihre
Frömmigkeit ist.
Claudia. Aber, meine Kinder, eines thun, und das andere nicht lassen! – Nun ist es hohe
Zeit; nun mach', Emilia!

30 Appiani. Was? meine gnädige Frau.

Claudia. Sie wollen sie doch nicht so, Herr Graf, so wie sie da ist, zum Altare führen?

Appiani. Wahrlich, das werd' ich nun erst gewahr. – Wer kann Sie sehen, Emilia, und auch
auf Ihren Putz3 achten? – Und warum nicht so, so wie sie da ist?

Emilia. Nein, mein lieber Graf, nicht so; nicht ganz so. Aber auch nicht viel prächtiger; nicht
35 viel. – Husch, husch, und ich bin fertig! – Nichts, gar nichts von dem Geschmeide, dem letzten Geschenke Ihrer verschwenderischen Großmuth! Nichts, gar nichts, was
sich nur zu solchem Geschmeide schickte! – Ich könnte ihm gram seyn, diesem
Geschmeide, wenn es nicht von Ihnen wäre. - Denn dreymal hat mir von ihm
geträumet –

40 Claudia. Nun! davon weiß ich ja nichts.

Emilia. Als ob ich es trüge, und als ob plötzlich sich jeder Stein desselben in eine Perle
verwandele. – Perlen aber, meine Mutter, Perlen bedeuten Thränen.

Claudia. Kind! Die Bedeutung ist träumerischer, als der Traum. – Warest du nicht von je her
eine grössere Liebhaberinn von Perlen, als von Steinen? –

45 Emilia. Freylich, meine Mutter, freylich –

Appiani. (nachdenkend und schwermüthig) Bedeuten Thränen – bedeuten Thränen!

Emilia. Wie? Ihnen fällt das auf? Ihnen?

Appiani. Ja wohl; ich sollte mich schämen. – Aber, wenn die Einbildungskraft einmal zu
traurigen Bildern gestimmt ist –

50 Emilia. Warum ist sie das auch? – Und was meynen Sie, das ich mir ausgedacht habe? –
Was trug ich, wie sah ich, als ich Ihnen zuerst gefiel? – Wissen Sie es noch?

Appiani. Ob ich es noch weiß? Ich sehe Sie in Gedanken nie anders, als so; und sehe Sie
so, auch wenn ich Sie nicht so sehe.

Emilia. Also, ein Kleid von der nehmlichen4 Farbe, von dem nehmlichen Schnitte; fliegend
55 und frey –

Appiani. Vortrefflich!

Emilia. Und das Haar –

Appiani. In seinem eignen braunen Glanze; in Locken, wie sie die Natur schlug –

Emilia. Die Rose darinn nicht zu vergessen! Recht! recht! – Eine kleine Geduld, und ich
stehe so vor Ihnen da!
Quelle: Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti. In: Gotthold Ephraim Lessing Sämtliche Schriften. Hrsg. von Karl Lachmann. Dritte, auf's neue durchgesehene und vermehrte Auflage, besorgt von Franz Muncker. Band II, Stuttgart: Göschen'sche Verlagshandlung 1886. S. 402-404.

1schwanger: hier im Sinne von ,erfüllt sein von etwas'
2urtheile:hier im Sinne von ,denken, glauben'
3Putz: hier im Sinne von ,Aussehen, Aufmachung'
4nehmlichen: selben
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$\blacktriangleright$ Die vorgegebene Szene aus Lessings bürgerlichem Trauerspiel interpretieren und die Funktion der Szene im Rahmen der Gesamthandlung beurteilen

In dieser Aufgabe sollst du die vorliegende Szene interpretieren und dabei ihre Bedeutung für die Gesamthandlung beurteilen.
$\blacktriangleright$ Vorarbeit
Es empfiehlt sich bei der Interpretation, ein Thesenpapier anzufertigen, auf dem du stichpunktartig festhältst, welche Argumente du nennen, welche Charaktereigenschaften der Figuren du aufzeigen möchtest, usw.
Ein Thesenpapier für diese Aufgabe kann beispielsweise so aussehen:

Aufgabe B
Aufgabe B


$\blacktriangleright$ Interpretiere die Szene II,7 aus Lessings bürgerlichem Trauerspiel Emilia Galotti.
Wenn du nicht mehr genau weißt, wie man eine Interpretation verfasst, kannst du das hier nachlesen.
Dies sind die wichtigsten Punkte:
Eine Textinterpretation ist in drei Teile gegliedert: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Die Einleitung deiner Interpretation sollte folgende Elemente enthalten:
  • Autor, Titel des Werks, Gattung, zu der das Werk gehört
  • Was ist der Leitgedanke des Werkes?
Diese Punkte sollten in deinem Hauptteil zu finden sein:
  • Eine sehr kurze Wiedergabe des Inhalts des gesamtes Werkes mit besonderer Berücksichtigung der zu interpretierenden Szene
  • Die Nennung deiner Interpretationshypothese
  • Das Belegen der Interpretationshypothese mit Argumenten (also die eigentliche Interpretation)
  • Die Einordnung in den Gesamtzusammenhang des Werks
  • Die Begründung, warum die Szene wichtig bzw unwichtig für das gesamte Trauerspiel ist
In den Schlussteil gehört:
  • Zusammenfassung der wichtigsten Hypothesen und der zugehörigen Argumente
$\blacktriangleright$ Schwerpunkt der Interpretation: Beurteile dabei die Funktion der Szene im Rahmen der Gesamthandlung.
Der Schwerpunkt deiner Interpretation soll gemäß der Aufgabenstellung die Einordnung in die Gesamthandlung des Dramas sein. Achte deswegen darauf, eine ausführliche Begründung zu verfassen, warum du die Szene für wichtig bzw unwichtig hältst und ordne sie in den Gesamtzusammenhang ein.
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Text:

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781): Emilia Galotti (1772)

$\blacktriangleright$ Die vorgegebene Szene aus Lessings bürgerlichem Trauerspiel interpretieren und die Funktion der Szene im Rahmen der Gesamthandlung beurteilen

Tipp

In dieser Aufgabe sollst du die vorliegende Szene interpretieren und dabei ihre Bedeutung für die Gesamthandlung beurteilen.
$\blacktriangleright$ Vorarbeit
Es empfiehlt sich bei der Interpretation, ein Thesenpapier anzufertigen, auf dem du stichpunktartig festhältst, welche Argumente du nennen, welche Charaktereigenschaften der Figuren du aufzeigen möchtest, usw.
Ein Thesenpapier für diese Aufgabe kann beispielsweise so aussehen:

Aufgabe B
Aufgabe B


$\blacktriangleright$ Interpretiere die Szene II,7 aus Lessings bürgerlichem Trauerspiel Emilia Galotti.
Wenn du nicht mehr genau weißt, wie man eine Interpretation verfasst, kannst du das hier nachlesen.
Dies sind die wichtigsten Punkte:
Eine Textinterpretation ist in drei Teile gegliedert: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Die Einleitung deiner Interpretation sollte folgende Elemente enthalten:
  • Autor, Titel des Werks, Gattung, zu der das Werk gehört
  • Was ist der Leitgedanke des Werkes?
Diese Punkte sollten in deinem Hauptteil zu finden sein:
  • Eine sehr kurze Wiedergabe des Inhalts des gesamtes Werkes mit besonderer Berücksichtigung der zu interpretierenden Szene
  • Die Nennung deiner Interpretationshypothese
  • Das Belegen der Interpretationshypothese mit Argumenten (also die eigentliche Interpretation)
  • Die Einordnung in den Gesamtzusammenhang des Werks
  • Die Begründung, warum die Szene wichtig bzw unwichtig für das gesamte Trauerspiel ist
In den Schlussteil gehört:
  • Zusammenfassung der wichtigsten Hypothesen und der zugehörigen Argumente
$\blacktriangleright$ Schwerpunkt der Interpretation: Beurteile dabei die Funktion der Szene im Rahmen der Gesamthandlung.
Der Schwerpunkt deiner Interpretation soll gemäß der Aufgabenstellung die Einordnung in die Gesamthandlung des Dramas sein. Achte deswegen darauf, eine ausführliche Begründung zu verfassen, warum du die Szene für wichtig bzw unwichtig hältst und ordne sie in den Gesamtzusammenhang ein.

Lessings 1772 uraufgeführtes bürgerliches Trauerspiel Emilia Galotti beschäftigt sich mit dem Konflikt zwischen dem übermächtigen Adel und dem dessen Intrigen vollkommen ausgelieferten Bürgertum. In Lessings Werk, dessen Aufführungen er nie besuchte, wird kritisiert, dass der Adel seine Macht willkürlich ausnutze, was vor allem durch eine der Hauptpersonen, den Prinzen Hettore Gonzage, an den Leser getragen wird.
Das Stück soll außerdem Mitleid beim Rezipienten hervorrufen, welches vor allem durch den Tod der schönen, tugendhaften Emilia und die Bestürzung ihres rechtschaffenen Vaters erzeugt wird. Lessing folgt damit der Poetik des Aristoteles, der éleos und phóbos, also Jammer bzw. Rührung und Schrecken bzw. Schauder als zentral für ein Drama ansieht. Der Rezipient soll diese Regungen spüren, die von Lessing irreführenderweise mit Mitleid und Furcht übersetzt wurden. Durch das Fühlen dieser Regungen würde beim Rezipienten eine Art Reinigung (Katharsis) der Seele stattfinden.
In dem Drama Emilia Galotti ist der Prinz Hettore Gonzage in die gleichnamige Hauptperson verliebt, seit er sie das erste Mal gesehen hat und möchte sie zu seiner Geliebten machen. Die schöne Tochter des Bürgerlichen Odoardo Galotti ist jedoch bereits dem Grafen Appiani versprochen.
Die vorliegende Szene (zweiter Aufzug, siebte Szene) findet kurz vor der geplanten Hochzeit statt: Der Graf unterhält sich mit seiner Verlobten und Emilias Mutter. Emilias Mutter fällt auf, dass ihre Tochter noch keine besondere Kleidung für die bevorstehende Hochzeit trägt und Emilia entschließt sich daraufhin, sich noch schnell umzuziehen. Zu der Hochzeit wird es jedoch nie kommen, da der intrigante Prinz gemeinsam mit seinem Kammerherrn, Marinelli, den Überfall der Kutsche, in der Emilia mit ihrem Verlobten und ihrer Mutter sitzt, organisiert hat. Bei dem Überfall wird Graf Appiani umgebracht. Der Prinz und sein Kammerherr haben dann bereits die zweite Intrige geplant: Unter dem Vorwand, sie zu retten, bringen sie Emilia auf das Lustschloss des Prinzen. Dort wird sie dann mit Hilfe einer Lüge (der Tod des Grafen müsse überprüft werden) festgehalten. Sie bittet ihren Vater schließlich, sie mit dem Dolch zu töten, da sie fürchtet, den amourösen Bekundungen des Prinzen aufgrund ihrer Unerfahrenheit nicht mehr lange stand halten zu können. Nach kurzem Zögern ersticht Odoardo Galotti seine verzweifelte Tochter schließlich mit der die Tat für ihn rechtfertigenden Begründung, dass er sie so vor schlimmeren Taten bewahre.

Die Szene, die auf den Höhepunkt des Dramas hinführt, findet kurz vor der geplanten, aber nie stattfinden werdenden Hochzeit statt: Die beiden Verlobten und Emilias Mutter unterhalten sich über die Hochzeit. Emilia bemerkt die eher ernste und nicht freudige Stimmung ihres Verlobten, die vermutlich der Tatsache zu schulden ist, dass er dem Prinzen die geplante Hochzeit mitteilen müssen wird.
Den Höhepunkt des Dramas stellt die Entführung Emilias und ihre anschließende verzweifelte rhetorische Frage „Was soll ich tun“ (III,5) dar.
Die Szene ist essentiell für die Gesamthandlung des bürgerlichen Trauerspiels, da sie auf den Höhepunkt des Dramas hinführt und sich außerdem die Katastrophe anhand der Handlung bereits vorausdeuten lässt. Bei Lessings bürgerlichem Trauerspiel handelt es sich um ein geschlossenes Drama. Es beginnt mit einer einleitenden Szene und führt über ein erregendes Moment hin zum Höhepunkt, dem das retardierende Moment und schließlich die Katastrophe folgen. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, es gibt eine übersichtliche Anzahl handelnder Figuren und diese stammen nicht nur aus der Schicht des Adels. Dies ist das Charakteristische an einem geschlossenen Drama.
Lessing wahrt die drei Einheiten, nämlich die Geschlossenheit des Ortes, die Einheit der Zeit und die Einheit der Handlung. Emilia Galotti spielt in einem absolutistisch regierten Kleinstaat in Italien, in der Residenzstadt Guastalla. Die Orte, an denen die Handlung stattfindet, sind das Haus der Familie Galotti und das Lustschloss des Prinzen. Die Figuren können also schnell den Handlungsort wechseln, da die Entfernungen nicht allzu weit und daher auch für damalige Verhältnisse leicht zu bewältigen sind. Dadurch bleibt der Ort der Handlung leicht nachvollziehbar und für den Rezipienten die Geschlossenheit des Ortes gewahrt.
Das bürgerliche Trauerspiel beginnt am frühen Morgen eines Tages in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als der Prinz Hettore Gonzage lustlos seinen täglichen Pflichten nachgeht. Es endet am späten Nachmittag, als Emilias Vater seine Tochter auf deren Flehen hin umbringt, da diese fürchtet, den amourösen Bekundungen des Prinzen nicht länger widerstehen zu können. Somit wird auch die Einheit der Zeit vom Autor gewahrt.
Die Szene führt, wie bereits erwähnt, auf den Höhepunkt des Dramas hin. Dieser ist in Lessings Trauerspiel die Entführung Emilias, der ihre verzweifelte und keine Antwort erwartende Frage „Was soll ich tun“ folgt. Dass die Handlung in einer Katastrophe enden wird, lässt sich natürlich bereits am Untertitel bzw. der Gattung (Drama) erkennen. Doch auch in der Handlung finden sich Hinweise auf das dramatische Ende, ebenfalls in der zu interpretierenden Szene: Obwohl Appiani am Tag seiner Hochzeit eigentlich freudig und gespannt sein sollte, betritt er das Zimmer eher lethargisch, nachdenklich und ernst („tritt tiefsinnig, mit vor sich hingeschlagenen Augen herein und kömmt näher, ohne sie zu erblicken; bis Emilia ihm entgegen springt“, Regieanweisung, Z. 1 f.). Dies stellt schon eine erste Vorausdeutung auf das tragische Ende der Handlung dar. Außerdem wird in der Szene deutlich, dass der Graf sich eher darauf freut, der Schwiegersohn Odoardos zu werden, als darauf, bald Emilias Mann zu sein („Welch ein Mann, Emilia, ihr Vater! Das Muster aller männlichen Tugend! Zu was für Gesinnungen erhebt sich meine Seele in seiner Gegenwart!“, Z. 14 f.). Er hat gar keine Augen für seine wunderschöne Verlobte, was besonders deutlich wird, als Emilias Mutter bemerkt, dass Emilia sich noch nicht umgezogen und hübsch gemacht hat für die Hochzeit. Als sie es anspricht („Nun ist es hohe Zeit; nun mach', Emilia!“, Z.28), reagiert der Graf verwirrt: „Was? meine gnädige Frau“ (Z. 29). Er ist eher verliebt in die Vorstellung, der Schwiegersohn des von ihm hochgeschätzten Odoardo Galotti zu sein, als in Emilia.
Auch über Emilias Charaktereigenschaften bzw. Verhaltensmuster verrät die Szene viel. Während des gesamten bürgerlichen Trauerspiels ist Emilia fremdbestimmt; souverän wird sie erst mit dem Tod, der ihr eigener Beschluss ist. Auch in dieser Szene zeigt sich, wie abhängig sie von Anderen ist und wie unselbstständig beim Treffen eigener Entscheidungen: Die Feststellung, dass Emilia nicht in ihrer Alltagskleidung heiraten kann, wird von ihrer Mutter getroffen: „Nun ist es hohe Zeit; nun mach', Emilia! […] Sie wollen sie doch nicht so, Herr Graf, so wie sie da ist, zum Altare führen?“ (Z. 27 - 30). Emilia fügt sich der Entscheidung ihrer Mutter und ist auch bei der Wahl der Kleidung für die Hochzeit nicht selbstständig: Sie fragt den Grafen, ob er sich an die Kleidung erinnere, die sie trug, als er sie das erste Mal sah (Vgl. Z. 50) und beschließt dann, sich ähnlich für die Hochzeit zu kleiden.
Emilias Mutter, Claudia, hält ihre Entscheidung, die Tochter in der Stadt großzuziehen, für umso besser, jetzt, da Emilia und der Graf heiraten werden: „Der mein größter Stolz sein wird“ (Z. 11, auf die Erwähnung Appianis, dass er bald ihr Schwiegersohn sein wird). Sie ist der Meinung, dass der Graf wahrscheinlich nie auf Emilia aufmerksam geworden wäre, wenn sie ihre Tochter, wie es ihr Mann wollte, auf dem Land großgezogen hätte. Sie hat sich damit der Entscheidung ihres Mannes widersetzt, der gegenüber Menschen misstrauischer ist als sie. Claudia ist vertrauenswürdiger und sogar fast ein wenig naiv. Diese Charaktereigenschaft zeigt sich nicht in der zu interpretierenden Szene, aber in der Szene davor (II, 6). Emilia kehrt in diesem Auftritt vollkommen verwirrt von der Messe zurück. Ein Mann, den sie nachträglich als den Prinzen Hettore Gonzage erkennt, hat sie während der Messe angesprochen und ihr anschließend Liebesworte zugeflüstert. Claudia legt Emilia nahe, weder dem Grafen noch Emilias Vater von diesem Vorfall zu erzählen. Auch sie heißt das aufdringliche Verhalten des absolutistischen Herrschers nicht gut, ist jedoch sehr naiv, was das Verhalten ihrer Tochter angeht. Dass Emilia nicht fähig war, dem Prinzen die kalte Schulter zu zeigen und ihm dadurch zu signalisieren, was sie von seinem Verhalten hält, wundert Emilias Mutter nicht.
Die vorliegende Szene ist für die Gesamthandlung des Trauerspiels also sehr wichtig, da sie auf den Höhepunkt hinführt. Außerdem zeigt sie viele der zentralen Charaktereigenschaften der darin handelnden Figuren.

Anmerkung: Dieser Teil der Interpretation ist in der Aufgabenstellung nicht vorgegeben; da es sich aufgrund der Personenkonstellation dieser Szene jedoch anbietet (viele Hauptpersonen kommen nicht vor), kannst du diesen Teil gerne mit dazu nehmen.
Du kannst aber auch den ersten Teil der Interpretation noch ausführlicher gestalten und auf die Handlung und die darin handelnden Personen noch genauer eingehen.


Viele der Hauptpersonen kommen jedoch in dieser Szene auch überhaupt nicht vor, so zum Beispiel der Prinz, Emilias Vater, der intrigante Kammerherr Marinelli und die Gräfin Orsina. Da sie eine wichtige Rolle für die Gesamthandlung des Dramas spielen, sollen auch sie hier kurz charakterisiert werden.
Der Prinz ist ein sehr willkürlich und verantwortungslos handelnder Herrscher. Er ist niemandem Rechenschaft schuldig, keinem Gesetz und keinem Parlament verpflichtet. Diese Willkürherrschaft nutzt er voll und ganz aus, um so die schöne Emilia zu seiner Geliebten zu machen. Bereits in der ersten Szene des Dramas wird deutlich, wie sehr der Herrscher seine Pflichten vernachlässigt. Lustlos geht er die Bittschriften und Klagen durch und beschwert sich über seine Verpflichtungen, für die er von Anderen auch noch beneidet wird. Er ist jedoch nicht nur wenig diszipliniert, was die täglichen Pflichten als Herrscher anbelangt, sondern auch verantwortungslos und skrupellos. Der Höhepunkt seines verantwortungslosen Handelns ist erreicht, als er quasi im Vorbeilaufen bereit wäre, ein Todesurteil zu unterschreiben (I, 8). Um Emilia auf seinem Lustschloss gefangen zu halten, nutzt er seine Stellung aus und hält sie mit Hilfe des Vorwands, er müsse den Todesfall ihres Verlobten prüfen, dort fest. Zusammen mit seinem Kammerherrn schmiedet er den intriganten Plan, in dessen Verlauf der Graf getötet wird. Er betont, dass er gegen kleinere Verbrechen nichts einzuwenden hat; als jedoch dann sogar ein Mord begangen wird, schreckt er auch vor einem Kapitalverbrechen nicht zurück. Obwohl Marinellis Handlanger den Mord ausgeführt haben, ist doch der Prinz dafür verantwortlich, da er den Plan ins Leben gerufen hat. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass es sich bei dem Prinzen um einen willkürlich handelnden, verantwortungslosen Tyrannen handelt, der alles tun würde, um seine Ziele zu erreichen.
Emilias Vater ist das exakte Gegenteil des Prinzen, was einer der Gründe dafür sein könnte, dass die Beiden sich nicht besonders gut verstehen und nur wenig Sympathie für den jeweils Anderen hegen. Emilias Vater Odoardo Galotti ist ein rechtschaffener, Anderen und vor allem dem Hofleben gegenüber stets misstrauischer Bürger. Er legt noch deutlich stärker als seine Frau Wert auf Tugend und Glauben. Deswegen wollte er auch, dass seine Tochter auf dem Land aufwächst; seine Frau konnte sich jedoch gegen ihn durchsetzen. Er liebt seine Tochter von ganzem Herzen und geht in der Rolle als Vater seines einzigen Kindes voll auf. Dass er seine geliebte Emilia schlussendlich umbringen muss, hält er für furchtbar, aber unausweichlich, da er nur so ihre Reinheit und Tugend, auf die er so großen Wert legt, bewahren kann.
Der Kammerherr des Prinzen, Marinelli, schreckt vor nichts zurück. Während der Prinz den Mord nicht geplant und eher billigend hingenommen als aktiv herbeigeführt hat, hat Marinelli alles in die Wege geleitet. Nur durch seine Bekanntschaft mit kriminellen Kreisen wird der Plan überhaupt erst möglich. Der Prinz übergibt seinem Kammerherrn hier die ganze Verantwortung, als er ihm freie Hand lässt. Marinelli ist eine in sich widersprüchliche Person: Auf der einen Seite hegt er Kontakt zu kriminellen Personen und ist so kalblütig, dass er nicht einmal vor Verbrechen zurück schreckt; auf der anderen Seite jedoch achtet er beinahe peinlich darauf, die höfischen Umgangsformen und angemessene Sprache einzuhalten.
Die Gräfin Orsina ist die abgeklärte, emanzipierte, intelligente Frau des Stücks. Obwohl der Prinz sie nur als seine Geliebte benutzt und jetzt, da er keine Lust mehr auf sie hat, wieder abgewiesen hat, ist sie eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit. Außerdem möchte sie sich nicht so einfach abfertigen lassen und durchschaut die Intrigen, die der Prinz und Marinelli gesponnen haben, als Erste.
Wie die Analyse gezeigt hat, ist die Szene wichtig für die Gesamthandlung des Dramas, da die auf den Höhepunkt zuführt und außerdem grundlegende Charaktereigenschaften der handelnden Personen zeigt.
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