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Aufgabe C

Aufgaben
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Untersuchendes Erschließen literarischer Texte – Textinterpretation

Aufgabe:
  • Interpretiere das Gedicht von Bertolt Brecht.
  • Berücksichtige dabei besonders die Gestaltung der Exilerfahrung.

Bertolt Brecht: [Nachdenkend, wie ich höre, über die Hölle] (1941)





5






10




15




20

Nachdenkend, wie ich höre, über die Hölle
Fand mein Bruder Shelley1, sie sei ein Ort
Gleichend ungefähr der Stadt London. Ich
Der ich nicht in London lebe, sondern in Los Angeles
Finde, nachdenkend über die Hölle, sie muß
Noch mehr Los Angeles gleichen.
Auch in der Hölle
Gibt es, ich zweifle nicht, diese üppigen Gärten
Mit den Blumen, so groß wie Bäume, freilich verwelkend
Ohne Aufschub, wenn nicht gewässert mit sehr teurem Wasser.
Und Obstmärkte
Mit ganzen Haufen von Früchten, die allerdings
Weder riechen noch schmecken. Und endlose Züge von Autos
Leichter als ihr eigener Schatten, schneller als
Törichte2 Gedanken, schimmernde Fahrzeuge, in denen
Rosige Leute, von nirgendher kommend, nirgendhin fahren.
Und Häuser, für Glückliche gebaut, daher leerstehend
Auch wenn bewohnt.
Auch die Häuser in der Hölle sind nicht alle häßlich.
Aber die Sorge, auf die Straße geworfen zu werden
Verzehrt die Bewohner der Villen nicht weniger als
Die Bewohner der Baracken.
Die Zeilenangaben beziehen sich auf die Orginalprüfungsaufgabe und können in der mobilen Darstellung daher abweichen.
Nachdenkend, wie ich höre, über die Hölle
Fand mein Bruder Shelley1, sie sei ein Ort
Gleichend ungefähr der Stadt London. Ich
Der ich nicht in London lebe, sondern in Los Angeles
5 Finde, nachdenkend über die Hölle, sie muß
Noch mehr Los Angeles gleichen.
Auch in der Hölle
Gibt es, ich zweifle nicht, diese üppigen Gärten
10 Mit den Blumen, so groß wie Bäume, freilich verwelkend
Ohne Aufschub, wenn nicht gewässert mit sehr teurem Wasser.
Und Obstmärkte
Mit ganzen Haufen von Früchten, die allerdings
Weder riechen noch schmecken. Und endlose Züge von Autos
Leichter als ihr eigener Schatten, schneller als
Törichte2 Gedanken, schimmernde Fahrzeuge, in denen
Rosige Leute, von nirgendher kommend, nirgendhin fahren.
15 Und Häuser, für Glückliche gebaut, daher leerstehend
Auch wenn bewohnt.
Auch die Häuser in der Hölle sind nicht alle häßlich.
Aber die Sorge, auf die Straße geworfen zu werden
Verzehrt die Bewohner der Villen nicht weniger als
20 Die Bewohner der Baracken.
Quelle: Bertolt Brecht: [Nachdenkend, wie ich höre, über die Hölle]. In: Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 15: Gedichte 5. Hrsg. v. Werner Hecht, Jan Knopf u.a. Berlin und Frankfurt/Main: Aufbau Verlag und Suhrkamp Verlag 1993, S. 46.
Erläuterungen: Das Gedicht erschien ohne Titel. Daher wurde hier der erste Vers des Gedichts als Titelangabe verwendet.

1Shelley: Percy Bysshe Shelley (1792-1822), britischer Schriftsteller der Romantik, u.a. gesellschaftskritischer politischer Lyriker; verfasste 1819 mit Peter Bell the Third eine Polemik gegen den britischen Großstadt-Moloch, den er „Hölle London“ nannte
2Törichte: naiv, dumm
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Der Operator interpretieren verlangt, dass du einen Sachverhalt oder einen gegebenen Text deuten kannst. In diesem Fall sollst du das vorliegende Gedicht von Bertolt Brecht interpretieren. Wie die Aufgabenstellung bereits verdeutlicht, sollst du dich bei deiner Deutung vor allem auf die dichterische Gestaltung der Exilerfahrung beziehen: Wie steht das lyrische Ich zu der amerikanischen Gesellschaft? Welche Perspektive nimmt das lyrische Ich ein? Wie fühlt sich das lyrische Ich – fühlt es sich zuhause oder fremd? Ist es glücklich? Behalte bei deiner Interpretation diese Fragen im Hinterkopf.
Bei deiner Interpretation kann dir dein Wissen über Brecht sehr nützlich sein, denn anhand der Jahreszahl kannst du erkennen, dass das Gedicht in Brechts Exil entstanden ist. Dieses Gedicht beinhaltet daher auch Brechts eigene Erfahrungen als Exilant in Amerika. Der Sozialist Brecht fühlte sich im kapitalistischen Amerika nicht zuhause. Daher kritisiert er Amerika in diesem Gedicht, drückt aber auch seine Heimatlosigkeit aus.
Falls du dein Wissen über Brecht und das Schreiben von guten Gedichtinterpretation auffrischen möchtest, kannst du dies mit einem Blick in unsere Skripte Autoren: Brecht und Methodik: Interpretation: Gedichtinterpretation tun!
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Der Operator interpretieren verlangt, dass du einen Sachverhalt oder einen gegebenen Text deuten kannst. In diesem Fall sollst du das vorliegende Gedicht von Bertolt Brecht interpretieren. Wie die Aufgabenstellung bereits verdeutlicht, sollst du dich bei deiner Deutung vor allem auf die dichterische Gestaltung der Exilerfahrung beziehen: Wie steht das lyrische Ich zu der amerikanischen Gesellschaft? Welche Perspektive nimmt das lyrische Ich ein? Wie fühlt sich das lyrische Ich – fühlt es sich zuhause oder fremd? Ist es glücklich? Behalte bei deiner Interpretation diese Fragen im Hinterkopf.
Bei deiner Interpretation kann dir dein Wissen über Brecht sehr nützlich sein, denn anhand der Jahreszahl kannst du erkennen, dass das Gedicht in Brechts Exil entstanden ist. Dieses Gedicht beinhaltet daher auch Brechts eigene Erfahrungen als Exilant in Amerika. Der Sozialist Brecht fühlte sich im kapitalistischen Amerika nicht zuhause. Daher kritisiert er Amerika in diesem Gedicht, drückt aber auch seine Heimatlosigkeit aus.
Falls du dein Wissen über Brecht und das Schreiben von guten Gedichtinterpretation auffrischen möchtest, kannst du dies mit einem Blick in unsere Skripte Autoren: Brecht und Methodik: Interpretation: Gedichtinterpretation tun!
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Thema:

Bertolt Brecht: [Nachdenkend, wie ich höre, über die Hölle]. In: Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 15: Gedichte 5. Hrsg. v. Werner Hecht, Jan Knopf u.a. Berlin und Frankfurt/Main: Aufbau Verlag und Suhrkamp Verlag 1993, S. 46.

$\blacktriangleright$ Das Gedicht interpretieren, dabei vor allem die Gestaltung der Exilerfahrung untersuchen

Tipp
Der Operator interpretieren verlangt, dass du einen Sachverhalt oder einen gegebenen Text deuten kannst. In diesem Fall sollst du das vorliegende Gedicht von Bertolt Brecht interpretieren. Wie die Aufgabenstellung bereits verdeutlicht, sollst du dich bei deiner Deutung vor allem auf die dichterische Gestaltung der Exilerfahrung beziehen: Wie steht das lyrische Ich zu der amerikanischen Gesellschaft? Welche Perspektive nimmt das lyrische Ich ein? Wie fühlt sich das lyrische Ich – fühlt es sich zuhause oder fremd? Ist es glücklich? Behalte bei deiner Interpretation diese Fragen im Hinterkopf.
Bei deiner Interpretation kann dir dein Wissen über Brecht sehr nützlich sein, denn anhand der Jahreszahl kannst du erkennen, dass das Gedicht in Brechts Exil entstanden ist. Dieses Gedicht beinhaltet daher auch Brechts eigene Erfahrungen als Exilant in Amerika. Der Sozialist Brecht fühlte sich im kapitalistischen Amerika nicht zuhause. Daher kritisiert er Amerika in diesem Gedicht, drückt aber auch seine Heimatlosigkeit aus.
Falls du dein Wissen über Brecht und das Schreiben von guten Gedichtinterpretation auffrischen möchtest, kannst du dies mit einem Blick in unsere Skripte Autoren: Brecht und Methodik: Interpretation: Gedichtinterpretation tun!
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Der Operator interpretieren verlangt, dass du einen Sachverhalt oder einen gegebenen Text deuten kannst. In diesem Fall sollst du das vorliegende Gedicht von Bertolt Brecht interpretieren. Wie die Aufgabenstellung bereits verdeutlicht, sollst du dich bei deiner Deutung vor allem auf die dichterische Gestaltung der Exilerfahrung beziehen: Wie steht das lyrische Ich zu der amerikanischen Gesellschaft? Welche Perspektive nimmt das lyrische Ich ein? Wie fühlt sich das lyrische Ich – fühlt es sich zuhause oder fremd? Ist es glücklich? Behalte bei deiner Interpretation diese Fragen im Hinterkopf.
Bei deiner Interpretation kann dir dein Wissen über Brecht sehr nützlich sein, denn anhand der Jahreszahl kannst du erkennen, dass das Gedicht in Brechts Exil entstanden ist. Dieses Gedicht beinhaltet daher auch Brechts eigene Erfahrungen als Exilant in Amerika. Der Sozialist Brecht fühlte sich im kapitalistischen Amerika nicht zuhause. Daher kritisiert er Amerika in diesem Gedicht, drückt aber auch seine Heimatlosigkeit aus.
Falls du dein Wissen über Brecht und das Schreiben von guten Gedichtinterpretation auffrischen möchtest, kannst du dies mit einem Blick in unsere Skripte Autoren: Brecht und Methodik: Interpretation: Gedichtinterpretation tun!
Bertolt Brechts Gedicht Nachdenkend, wie ich höre, über die Hölle, das 1941 ursprünglich ohne Titel erschienen ist, spiegelt die Unzufriedenheit des deutschen Dichters im Exil in Los Angeles wider. Indem er die Stadtkritik eines englischen Dichters aus dem 19. Jahrhunderts auf seine Situation überträgt, bezeichnet Brecht Los Angeles als Hölle, die er als oberflächlich und falsch kritisiert. Das Gedicht beginnt mit einem Verweis auf den Dichter Percy Bysshe Shelley, der London Anfang des 19. Jahrhunderts eine Hölle nannte. Das lyrische Ich meint, dass eher Los Angeles eine Hölle zu nennen sei. Anschließend führt es den Glanz und den Luxus von Los Angeles auf, den es auch in der Hölle geben könne. Der Lebensstil der Bewohner Los Angeles' wird als oberflächlich entlarvt. Am Schluss behauptet das lyrische Ich, alle Menschen in der Großstadt seien von Abstiegsängsten geplagt.

Die Struktur des Gedichts ist ungewöhnlich und wendet sich von dichterischen Traditionen ab. Es gibt keinen Reim, keinen festen Rhythmus und auch keine Strophen. Stattdessen ist das Gedicht in zwei Abschnitte geteilt, von dem der eine 16 und der andere 4 Zeilen fasst. Die einzelnen Zeilen sind meist unüblich lang. Im ersten Abschnitt des Gedichts gibt es zudem zwei Zeilen (Z. 7 u. 9), die nach rechts vom Rest des Gedichts abgesetzt sind.
Sprachlich zeichnet sich das Gedicht durch Brechts Hakenstil und seinen hypotaktischen Stil aus, wodurch das ganze Gedicht wie ein Gebilde aus verschachtelten Sätzen wirkt. So offenbaren sich die Orientierungs- und Teilnahmlosigkeit des lyrischen Ichs bereits durch die Sprache: Das lyrische Ich erscheint als Beobachter und nicht als aktiver Bewohner Los Angeles'.

Zu Anfang des Gedichts spricht das lyrische Ich die Stadtkritik Percy Bysshe Shelleys an und bezeichnet den Dichter dabei als seinen Bruder (Z. 2). Es wiederholt Shelleys Kritik, doch ist für das lyrische Ich nicht London die Hölle, sondern sein eigener Wohnort, Los Angeles. Hiermit offenbart sich Bertolt Brecht selbst als das lyrische Ich. Der in Los Angeles lebende Exilant schreibt also über sein eigenes Leben. Dass das lyrische Ich Los Angeles als eine Hölle bezeichnet, zeigt seine große Unzufriedenheit mit seiner Lebenssituation.

Die Beschreibung der „Hölle“ ist ungewöhnlich, da der lyrische Sprecher die oberflächlich schöne und glänzende Seite von Los Angeles betont. Schönheit ist für ihn offensichtlich kein Widerspruch zu seiner Behauptung, dass Los Angeles die Hölle sei. Er macht deutlich, dass die Schönheit von Los Angeles falsch ist, dass die Stadt nur nach außen hin prachtvoll wirkt, aber es in Wahrheit nicht ist. So gibt es „Blumen, so groß wie Bäume“ (Z. 8), die also schon auf einen lächerlichen Größenwahn hinweisen. Diese Blumen sind aber nicht natürlich und müssen verwelken, wenn sie nicht „mit sehr teurem Wasser“ gewässert werden (Z. 9). Nur der Reichtum kann diese Blumen am Leben erhalten, sie sind also ein Zeichen für den Ehrgeiz der Reichen, sich selbst zur Schau zu stellen. Auch das verkaufte Obst zeigt den Wohlstand in Amerika, werden doch ganze „Haufen von Früchten“ (Z. 10) angeboten, die aber „weder riechen noch schmecken“ (Z. 11). Hier macht der lyrische Sprecher erneut einen Unterschied zwischen Schein und Sein fest.

Reichtum ist für das lyrische Ich kein paradiesischer Zustand, sondern Gegenstand der Kritik. Es befindet sich in einer reichen und aufstrebenden Stadt, die vor zur Schau gestelltem Wohlstand nur so strotzt. Das lyrische Ich fühlt sich hier allerdings nicht wohl, als Exilant ist es ein Außenstehender, der für seine neue Umgebung nichts übrig hat. Offensichtlich hat das lyrische Ich Schwierigkeiten, sich in seiner neuen Situation zurechtzufinden und wirklich anzukommen. Daher hat es ein Gefühl der Sinnlosigkeit, denn die Ergebnisse des amerikanischen Reichtums sind für das lyrische Ich allesamt wert- und damit sinnlos. Die ganze Stadt kommt ihm falsch vor, wie eine künstlich erschaffene Welt oder eine Illusion. Die verkauften Früchte sind vielleicht beispielhaft für die Gefühle des lyrischen Ichs insgesamt: Überall gibt es Überfluss, Reichtum und Glanz, aber das lyrische Ich kann an keinem davon Gefallen finden.

Folglich kritisiert das lyrische Ich auch die „endlose[n] Züge von Autos“ (Z. 11), die schließlich erst durch den amerikanischen Wohlstand ermöglicht werden. An ihnen zeigt sich noch einmal das Wesen LAs, das Beste von allem haben zu wollen: Die Autos schimmern, sind leichter als ihre Schatten und „schneller als / Törichte Gedanken“ (Z. 12-13). Letzteres ist doppeldeutig. Auf der einen Seite drückt die Stelle aus, dass die amerikanischen Autos besonders schnell sind, andererseits eilen sie den törichten, also dummen Gedanken voraus. Ihre Schnelligkeit überwindet das Denken, ihre Fahrer werden somit gedankenlos. Das lyrische Ich verdeutlicht, dass es keine Sympathie für die Amerikaner oder die Fahrer dieser Autos empfindet, bezeichnet es sie doch als dumm und behauptet, sie würden inmitten ihres Reichtums aufhören zu denken. Es sind „rosige Leute“ (Z. 14), aber ohne Gedanken und ohne Bedeutung, die aus dem Nichts kommen und dorthin wieder zurückkehren (ebd.).

Die Beobachtung dieser Leute offenbart zudem die Orientierungslosigkeit des lyrischen Ichs, das als Exilant seine Heimat verloren hat und in LA nicht ankommen kann. Es findet sich nicht zurecht, für das lyrische Ich kommen die Autofahrer alle „nirgendher“ und fahren „nirgendhin“ (Z. 14). Die Haltlosigkeit, die das lyrische Ich im Exil empfindet, führt zu einer Gleichgültigkeit gegenüber der amerikanischen Bevölkerung und zur Unfähigkeit des lyrischen Ichs, sich in LA zurechtzufinden. Zwar lebt es in einer reichen Stadt, empfindet sie jedoch als Hölle, da es sich fremd fühlt. Der letzte Teil des Abschnitts zeigt eine tiefe Traurigkeit des lyrischen Sprechers: Es denkt, dass niemand in LA wirklich glücklich ist, dass hinter allem Wohlstand nur innere Leere steckt (Z. 15-16).

Der letzte Abschnitt des Gedichts gibt vielleicht den Grund, warum niemand in LA wirklich glücklich ist: „Die Sorge, auf die Straße geworfen zu werden / Verzehrt die Bewohner der Villen nicht weniger als / Die Bewohner der Baracken.“ (Z. 18-20) Die Amerikaner sind geplagt von Abstiegsängsten, was vielleicht auch dazu führen mag, dass sie ihren Reichtum so offen zur Schau stellen. Mit diesem Ausspruch stellt das lyrische Ich Reiche und Arme auf eine Stufe. Reichtum ändert laut dem lyrischen Ich nichts am Charakter und am Glück im Leben. Als Exilant blickt es von außen auf die amerikanische Gesellschaft und legt ihre Fehler offen. Brecht, ein überzeugter Sozialist, hat für das kapitalistische Amerika, das sein Glück im Wohlstand sowie im Besitz sucht, nur Kritik übrig. Da für ihn alles an LA falsch und eine Illusion ist, ist die Stadt für ihn trotz ihres Glanzes eine Hölle.

Im Gedicht Nachdenkend, wie ich höre, über die Hölle drückt Bertolt Brecht seine Gefühle von Heimat- und Haltlosigkeit zur Zeit seines amerikanischen Exils aus. Der Sozialist Brecht lebte 1941 in einer Gesellschaft, die seinen Idealen widersprach. Das Gedicht zeigt deutlich, wie sich Brecht als Außenstehender in Los Angeles gefühlt haben mag, dessen provokativer Reichtum für ihn nur ein Anzeichen von Gedankenlosigkeit, innerer Leere und Abstiegsängsten ist.

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