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Aufgabe D

Aufgaben
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Untersuchendes Erschließen pragmatischer Texte – Textanalyse

Aufgabe:
  • Analysiere die Radioansprache Thomas Manns vom 24. Dezember 1941.
  • Berücksichtige die Kommunikationssituation und die eingenommene Perspektive.

Thomas Mann: Deutsche Hörer! (1941)





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(Sonder-Sendung) 24. Dezember 1941
Deutsche Hörer!
Und Weihnachten wieder, deutsche Hörer, Kriegsweihnacht wieder, zum drittenmal und nicht zum letzten – ach, lange noch nicht zum letzten Mal. Eure Machthaber halten es nun ja für das beste, euch wenigstens dies zu gestehen, daß ein langer und harter Krieg euch bevorsteht, mit blutigen Weihnachten Jahr für Jahr. Die Weltlage, sagen sie, bringe das mit sich – die Weltlage, die sie geschaffen haben. Ihr dürft ihnen ausnahmsweise glauben, was sie sagen, und was sie nicht sagen, das ahnt euch: daß kein Sieg–Friede steht am Ende eures Krieges, denn Deutschlands Sieg wäre kein Friede, und die Menschheit muß und wird den Frieden verhindern, den eure Führer planen.
Kriegsweihnacht wieder, eine von vielen, – erbärmlich zu begehen. Wünschtet ihr nicht, es gäbe das Fest gar nicht mehr, und man brauchte es nicht kümmerlich zuzurüsten1, einander nicht mit Gaben zu bedenken, denen man den Verfall des äußeren Lebens ja doch ansieht, – vom Zustande des Gemüts zu schweigen, in dem man sie gibt und empfängt? Wie ist euch zumute, Deutsche, beim Fest des Friedens, dem Fest der Lichtgeburt2, dem Fest der niedergestiegenen, den Menschen geborenen Barmherzigkeit? Rate ich recht, daß Scham und grenzenlose Sehnsucht euch dabei erfüllen: Sehnsucht nach Unschuld – aus der Verstrickung in irrsinnige Schuld, in der ihr euch windet; Scham, heiße Scham vor dem Liebesgeist dieses Festes? Seht um euch, was ihr getan habt! In Griechenland3 sterben täglich zweihundert Menschen Hungers – das ist nur ein Einzelbeispiel für das zum Himmel schreiende Elend, das Völkersterben, die Menschenschändung, die Agonien des Leibes und der Seele rings um euch her, die eure Verführbarkeit, eure schreckliche Folgsamkeit verschuldet haben. Was soll aus Europa, was aus euch selber werden im Laufe des „langen und harten“ Krieges, den man euch mit falscher Redlichkeit ankündigt? Wenn Verzweiflung begönne, sich in eure Seelen zu schleichen, es wäre gut, Deutsche, es wäre der Anfang des Guten. Verzweiflung ist gut, sie ist besser als feige Prahlerei. Aus der Verzweiflung, ist sie nur tief genug, kommt die Erhebung, die neue Hoffnung, die Wiedergeburt des Lichtes. Seht, der Weihnachtsstern4, nach dem die Menschheit wandert, brennt und leuchtet auch durch den dicken Blutnebel dieser Zeit. Es ist der Stern des Friedens, der Brüderlichkeit und des Rechtes.
Die Zeilenangaben beziehen sich auf die Orginalprüfungsaufgabe und können in der mobilen Darstellung daher abweichen.
(Sonder-Sendung) 24. Dezember 1941
Deutsche Hörer!
Und Weihnachten wieder, deutsche Hörer, Kriegsweihnacht wieder, zum drittenmal und
nicht zum letzten – ach, lange noch nicht zum letzten Mal. Eure Machthaber halten es nun
5 ja für das beste, euch wenigstens dies zu gestehen, daß ein langer und harter Krieg euch
bevorsteht, mit blutigen Weihnachten Jahr für Jahr. Die Weltlage, sagen sie, bringe das mit
sich – die Weltlage, die sie geschaffen haben. Ihr dürft ihnen ausnahmsweise glauben, was
sie sagen, und was sie nicht sagen, das ahnt euch: daß kein Sieg–Friede steht am Ende
eures Krieges, denn Deutschlands Sieg wäre kein Friede, und die Menschheit muß und
10 wird den Frieden verhindern, den eure Führer planen.
Kriegsweihnacht wieder, eine von vielen, – erbärmlich zu begehen. Wünschtet ihr nicht, es
gäbe das Fest gar nicht mehr, und man brauchte es nicht kümmerlich zuzurüsten1,
einander nicht mit Gaben zu bedenken, denen man den Verfall des äußeren Lebens ja
doch ansieht, – vom Zustande des Gemüts zu schweigen, in dem man sie gibt und
15 empfängt? Wie ist euch zumute, Deutsche, beim Fest des Friedens, dem Fest der
Lichtgeburt2, dem Fest der niedergestiegenen, den Menschen geborenen Barmherzigkeit?
Rate ich recht, daß Scham und grenzenlose Sehnsucht euch dabei erfüllen: Sehnsucht
nach Unschuld – aus der Verstrickung in irrsinnige Schuld, in der ihr euch windet; Scham,
20 heiße Scham vor dem Liebesgeist dieses Festes? Seht um euch, was ihr getan habt! In
Griechenland3 sterben täglich zweihundert Menschen Hungers – das ist nur ein
Einzelbeispiel für das zum Himmel schreiende Elend, das Völkersterben, die
Menschenschändung, die Agonien des Leibes und der Seele rings um euch her, die eure
Verführbarkeit, eure schreckliche Folgsamkeit verschuldet haben. Was soll aus Europa,
25 was aus euch selber werden im Laufe des „langen und harten“ Krieges, den man euch mit
falscher Redlichkeit ankündigt? Wenn Verzweiflung begönne, sich in eure Seelen zu
schleichen, es wäre gut, Deutsche, es wäre der Anfang des Guten. Verzweiflung ist gut, sie
ist besser als feige Prahlerei. Aus der Verzweiflung, ist sie nur tief genug, kommt die
Erhebung, die neue Hoffnung, die Wiedergeburt des Lichtes. Seht, der Weihnachtsstern4,
30 nach dem die Menschheit wandert, brennt und leuchtet auch durch den dicken Blutnebel
dieser Zeit. Es ist der Stern des Friedens, der Brüderlichkeit und des Rechtes.
Quelle: Thomas Mann: Deutsche Hörer! Sondersendung vom 24. Dezember 1941. In: Thomas Mann: Gesammelte Werke in Einzelbänden, hg. v. Peter de Mendelssohn, Bd. An die gesittete Welt. Politische Schriften und Reden im Exil. Frankfurt am Main: Fischer Verlag 1986, S. 500 f.
Erläuterungen: Thomas Mann (1875, Lübeck – 1955, Zürich), Schriftsteller, v. a. Romanautor, Essayist; 1929 Nobelpreis für Literatur, 1936 Emigration in die USA, wo Thomas Mann zum Repräsentanten des deutschen Exils wurde.
Der britische Rundfunk BBC hatte 1938 begonnen, Sendungen in deutscher Sprache zu verbreiten, vor allem Nachrichten und politische Kommentare. Die Sendungen konnten in Deutschland mit einem normalen Radiogerät empfangen werden und wurden trotz Strafandrohung eingeschaltet.
Thomas Mann hielt für die BBC von 1940 bis 1945 monatlich Rundfunkansprachen an „Deutsche Hörer!“. Sie wurden in Kalifornien, wo Thomas Mann lebte, aufgezeichnet.
Auf den Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 folgte am 11. Dezember 1941 die Kriegserklärung an die USA. Hitler forderte in seiner Ansprache dazu ausdrücklich „Opfer“ auch von der deutschen Zivilbevölkerung.

1zurüsten: sinngemäß für ‚ausstatten‘
2Lichtgeburt: gemeint ist die Geburt Christi, die mit dem Weihnachtsfest gefeiert wird.
3Griechenland: Griechenland wurde am 4. April 1941 von der Wehrmacht besetzt.
4Weihnachtsstern: Himmelserscheinung, die nach neutestamentarischer Überlieferung die Geburt Christi angekündigt bzw. begleitet haben soll.
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Text:

Thomas Mann (1875-1955): Deutsche Hörer! (1941)

$\blacktriangleright$ Die Radioansprache Thomas Manns unter Berücksichtigung der Kommunikationssituation und der eingenommenen Perspektive analysieren

In dieser Aufgabe sollst du den vorliegenden Text unter besonderer Berücksichtigung der Kommunikationssituation und der eingenommenen Perspektive analysieren. Der Operator analysieren bedeutet, dass du sowohl elementare inhaltliche, als auch formale und sprachliche Merkmale der Radioansprache Thomas Manns aufzeigst. Eine Textanalyse orientiert sich gewöhnlich an bestimmten Aspekten, die du berücksichtigen sollst. In dieser Aufgabe ist das die Kommunikationssituation und die Sprecherperspektive.

Eine Textanalyse ist bestenfalls in drei Teile gegliedert: Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Die Einleitung deiner Analyse sollte folgende Elemente enthalten:
  • Autor, Titel und Textart
  • Ort und Datum der Erscheinung
  • Was ist der Leitbegriff (der zentrale Begriff) des Textes?
  • Darstellung des Leitgedankens
Folgende Elemente sollten auf jeden Fall in deinem Hauptteil stehen:
  • Die Wiedergabe der Gedankenstruktur
  • Die Erläuterung sprachlicher Merkmale (Wortwahl, Satzstruktur, rhetorische Mittel, …)
  • Die Intention des Autors; möchte dieser kritisieren, warnen, informieren, unterhalten, …?
Im Schlussteil berücksichtigst du folgende Aspekte:
  • Deinen Eindruck vom Text
  • Die Rolle des Autors
  • Eigene Stellungnahme
  • Überzeugt der Text?
  • Besitzt der Text Aktualität?
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Text:

Thomas Mann (1875-1955): Deutsche Hörer! (1941)

$\blacktriangleright$ Die Radioansprache Thomas Manns unter Berücksichtigung der Kommunikationssituation und der eingenommenen Perspektive analysieren

Tipp

In dieser Aufgabe sollst du den vorliegenden Text unter besonderer Berücksichtigung der Kommunikationssituation und der eingenommenen Perspektive analysieren. Der Operator analysieren bedeutet, dass du sowohl elementare inhaltliche, als auch formale und sprachliche Merkmale der Radioansprache Thomas Manns aufzeigst. Eine Textanalyse orientiert sich gewöhnlich an bestimmten Aspekten, die du berücksichtigen sollst. In dieser Aufgabe ist das die Kommunikationssituation und die Sprecherperspektive.

Eine Textanalyse ist bestenfalls in drei Teile gegliedert: Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Die Einleitung deiner Analyse sollte folgende Elemente enthalten:
  • Autor, Titel und Textart
  • Ort und Datum der Erscheinung
  • Was ist der Leitbegriff (der zentrale Begriff) des Textes?
  • Darstellung des Leitgedankens
Folgende Elemente sollten auf jedenfall in deinem Hauptteil stehen:
  • Die Wiedergabe der Gedankenstruktur
  • Die Erläuterung sprachlicher Merkmale (Wortwahl, Satzstruktur, rhetorische Mittel, …)
  • Die Intention des Autors; möchte dieser kritisieren, warnen, informieren, unterhalten, …?
Im Schlussteil berücksichtigst du folgende Aspekte:
  • Deinen Eindruck vom Text
  • Die Rolle des Autors
  • Eigene Stellungnahme
  • Überzeugt der Text?
  • Besitzt der Text Aktualität?

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine Radioansprache des deutschen Schriftstellers Thomas Mann, welche dieser als Sondersendung zum Weihnachtsfest 1941 über den britischen Sender BBC an die Öffentlichkeit brachte. Mann, der seit 1936 als Exilant in den USA lebte, gab mehrere Radioansprachen in der Reihe Deutsche Hörer! heraus, welche die BBC in seinem deutschen Programm zwischen 1940 und 1945 zumeist regelmäßig einmal monatlich ausstrahlte. Den vorgegebenen Text verlas der Autor an Heiligabend des dritten Kriegsjahres. Erst einige Tage zuvor hatte Hitler die Deutschen durch die Kriegserklärung an die USA (11. Dezember 1941) auf einen langen Krieg eingestimmt. Das sorgte für Ernüchterung bei der deutschen Bevölkerung, war man bis dato doch von raschen Kriegshandlungen, schnellen Siegen und einer kurzen Kriegsdauer ausgegangen. Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung rundeten das Bild einer allgemein gedrückten vorweihnachtlichen Stimmung in Deutschland ab.
Manns Ausführungen haben die Situation Deutschlands zur Zeit des Nationalsozialismus zum Gegenstand, wobei der Schriftsteller das gegenwärtige Kriegsgeschehen kommentiert und oftmals mahnende Worte an seine Landsleute sendet. Dabei ist immer wieder die Überzeugung des Autors herauszuhören, dass kein Weg an der Niederlage Deutschlands vorbeiführen wird. Auch deshalb versucht er den Deutschen zu verdeutlichen, was für einen sinnlosen und unmenschlichen Krieg sie führen: Laut Mann nämlich einen deutschen Welteroberungskrieg mit dem Ziel, alle Völker zu unterwerfen (Vgl. Z. 20-23).
Der Leitbegriff des Textes ist der Krieg, der nun noch lange andauern und zermürbend sein wird (Vgl. Z. 5/6). Das hat eine weitere Kriegsweihnacht (Vgl. Z. 2) zur Folge, die laut Autor noch viele Jahre blutig (Vgl. Z. 6) ausfallen wird.

Der Text lässt sich in drei größere Sinnabschnitte unterteilen: Der erste Sinnabschnitt (Z. 1-10) beschreibt das nun schon dritte bevorstehende Weihnachtsfest in Kriegszeiten, das im Unterschied zu den vorherigen dadurch eingeläutet wird, dass den Deutschen seitens der Wehrmacht zumindest eingestanden wurde, der Krieg werde sich noch auf mehrere Jahre hinziehen (Vgl. Z. 4-6). Grund dafür sei laut Wehrmacht die Weltlage, die diesen langen Krieg als Konsequenz mit sich bringe. Zwar überlässt der Autor den Deutschen es selbst, was sie glauben und was sie nicht glauben, doch appelliert er ausdrücklich an seine Landsleute, dass es keinen Frieden im Sinne der deutschen Nationalsozialisten geben werde, da die Menschheit diesen nicht zulassen werde, „denn Deutschlands Sieg wäre kein Friede, und die Menschheit muß und wird den Frieden verhindern, den eure Führer planen“ (Z. 9/10).

Der zweite Sinnabschnitt, in dem der Autor wieder gleich zu Beginn das markante Wort Kriegsweihnacht (Z. 1) aufnimmt, besteht im Wesentlichen aus drei rhetorischen Fragen, die sich um die Erwartungen seiner Landsmänner an das bevorstehende Weihnachten drehen und mit denen sich der Schriftsteller direkt an den Adressaten, die deutsche Bevölkerung, wendet. Hervorstechend ist folgende Frage, die auch im Gesamttext eine zentrale Position einnimmt: „Wie ist euch zumute, Deutsche, beim Fest des Friedens, dem Fest der Lichtgeburt, dem Fest der niedergestiegenen, den Menschen geborenen Barmherzigkeit?“ Die Antwort gibt Mann selbst, der sich sicher ist, es bestehe unter den Deutschen eine „Sehnsucht nach Unschuld“ und ein Bewusstsein dafür, Teil sinnloser und größenwahnsinniger Kriegstreibereien geworden zu sein (Vgl. Z. 17/18).

Der dritte Sinnabschnitt behandelt die konkreten Folgen der deutschen Aggression, welche die feindlichen Länder zu spüren bekommen. Hier führt der Autor Griechenland als Beispiel für Elend, Ausrottung und Misshandlung von Menschen an, die unter der deutschen Besatzungszeit erfolgte (Vgl. Z. 19-21). Wohin diese Politik führen soll und welches Ende eine solche Aggression hinterlässt, weiß der Schriftsteller selbst nicht und fragt: „Was soll aus Europa, was aus euch selber werden? “ (Z. 23/24). Die einzige Möglichkeit, dem Schrecken ein Ende zu machen, sieht Mann in dem Aufkommen von Verzweiflung, welche die Deutschen veranlassen könnte, sich zum Guten zu wenden (Vgl. Z. 24-26). Diese Verzweiflung müsse aber tief genug sein, damit sich neue Hoffnung aus ihr schöpfen ließe. Zum Schluss nimmt der Autor noch einmal Bezug auf das bevorstehende Weihnachstsfest, genauer genommen auf den Weihnachtsstern als Sinnbild des Hochfestes. Auch dieser, so der Autor, erstrahle über dem dicken „Blutnebel dieser Zeit“ (Z. 29).

Die Radioansprache Thomas Manns kennzeichnet sich vor allem durch moralische Argumentation. Der tobende Krieg spiegelt sich in einer „erbärmlichen Kriegsweihnacht “ (Z.11) wider, die nur noch verkümmerte Menschen und Geschenke bereithalte (Vgl. Z. 11-14). Nachdem Mann das Bild einer tristen vorweihnachtlichen Stimmung skizziert, appelliert er mit der textzentralen Frage im strategisch guten Moment an den gesunden Menschenverstand seiner Zuhörer (Z. 14-16): „Wie ist euch zumute, Deutsche […]?“), dem er mittels mehrerer rhetorischer Fragen eher Schuldbewusstsein als Kriegsbegeisterung zuschreibt: „Rate ich recht, daß Scham und grenzenlose Sehnsucht euch dabei erfüllen […]“ (Z. 16/17). Bei der Verdeutlichung der Kriegsgräuel für seine deutschen Landsleute verwendet der Autor das Weihnachtsfest als moralischen Rahmen, wodurch seine Appelle und Mahnungen an Intensivität gewinnen. Auf den Appell an das deutsche Gemüt folgt mit dem Beispiel des Vorgehens der Wehrmacht in Griechenland ein weiterer moralischer Punkt, mittels dem der Schriftsteller das Unheil des Krieges seinen Zuhörern zu vergegenwärtigen versucht: „Seht um euch, was ihr getan habt! In Griechenland sterben täglich zweihundert Menschen Hungers […] (Z. 19/20).“

Hervorzuheben ist, wie der Autor die Schuldzuweisung gestaltet: Diese sieht er nicht in der Überzeugung, sondern in der Verführbarkeit (Z. 22), in der schrecklichen Folgsamkeit (Z. 22) der Deutschen und in der falschen Redlichkeit (Z. 24) der Wehrmacht begründet. Die Deutschen sind also nicht per se die Kriegstreiber, wenngleich auch einige Passagen auf ihre Mitschuld anspielen: („Seht um euch, was ihr getan habt!“) Es sind vielmehr die Machthaber (Z. 4), sprich die Wehrmacht, welche unmenschliche Kriegsziele verfolgen.
Durch die moralische und mit dem Appell an die Menschlichkeit getränkte Weihnachtsansprache versucht der Autor, die Deutschen wachzurütteln, indem er glaubt, das Gute im Menschen vorhanden zu wissen und auf einen letzten Funken Hoffnung vertraut, der sich nur noch durch Verzweiflung einstellen kann. Dass sich diese Verzweiflung einstellt, dafür dient ihm das Weihnachtsfest als moralischer Aufhänger. Denn die Menschen verbinden kein anderes Fest mehr mit humanitären Werten wie Liebe, Geborgenheit und Zuneigung. Zum Schluss dient dem Autor die Weihnachtsstern-Metapher (Z. 28) dazu, eine mögliche Wende als Hoffnung auf bessere Zeiten zu projizieren. Denn in diesem sieht er einen „Stern des Friedens, der Brüderlichkeit und des Rechtes“, sprich die Restitution sämtlicher Werte, die in dieser Zeit sukzessive verloren zu gehen scheinen.

Sprachlich fällt auf, dass der Text aus einem Geflecht von Parataxen und Hypotaxen besteht, sodass er gut verständlich ist. Die zahlreichen rhetorischen Mittel machen den Text sehr anschaulich und verstärken bestimmte Passagen, insbesondere die an seine deutschen Zuhörer gerichteten rhetorischen Fragen in der Textmitte, wo Mann fragt, mit welchem Gefühl die Deutschen in die Adventszeit gingen. Aus den Vereinigten Staaten spricht der Exildeutsche Thomas Mann mit Distanzierung zu seinen eigenen Landsleuten. In der zweiten Person richtet er seine Radioansprache an die deutsche Hörerschaft. Interessant ist, dass im ersten Teil des Textes eine sprachliche Abgrenzung zwischen Machthabern und Hörern stattfindet („Ihr dürft Ihnen ausnahmsweise glauben, was sie sagen […]“) (Z. 7/8), die dann aber im weiteren Verlauf zusammenfließt (Seht um euch, was ihr getan habt!) (Z. 19). Zunächst erscheint die Wehrmacht als der eigentliche Aggressor der Deutschen, der falsche Siegesträume propagiert. Daraufhin aber fasst der Schriftsteller die Übeltäter des Krieges in der Form zusammen („was ihr getan habt“)(Z. 19). Prägnant im Text erscheint das Oxymoron Kriegsweihnacht, das zweimal vorkommt (Z. 3, Z. 11). In ihm wird der innere Widerspruch zwischen Krieg und Weihnachten sichtbar, der nach drei Jahren schon zum Normalfall zu werden scheint. Der gesamte Text wirkt vom Tonfall Manns her äußerst pessimistisch. Das fällt bereits zu Beginn der Ansprache in der Wendung „Kriegsweihnacht wieder, zum drittenmal und nicht zum letzten – ach, lange noch nicht zum letzten Mal“ auf (Z. 3/4).

Thomas Mann verfolgt in seiner Radioansprache mehrere Absichten. Neben der allgemeinen Intention in der Sendereihe, seinen Landsleuten zu vergegenwärtigen, was für ein grausamer Krieg unter dem Nazi-Regime geführt wird, nutzt der Autor die Weihnachtsansprache 1941 insbesondere, um die Deutschen in der Weihnachtszeit für Menschlichkeit und Besinnlichkeit zu sensibilisieren. Das gelingt dem Schriftsteller auf verschiedene Art und Weise: Zum einen warnt er in mehreren Passagen seine Zuhörer, nicht auf die falschen Vorhersagen der Nationalsozalisten zu bauen. Diese untermauert er prompt mit der Überzeugung: „Kein Siegfriede steht am Ende eures Krieges“ (Z. 8/9). Der Autor will die Deutschen ihrerVerführbarkeit entziehen, indem er sie durch nüchterne Aussprüche wachzurütteln versucht. Nach Auffassung der Nazis bringe es nämlich die Weltlage mit sich, dass dieser Krieg geführt werden müsse. Überzeugt entgegnet der Autor dieser Unternehmung: Die Menschheit würde diesem Krieg, wird er weitergeführt, ein Ende setzen (Vgl. Z. 6-10). Zur Verdeutlichung der nationalsozialistischen Untaten führt der Autor die Politik der Deutschen in Griechenland an (Z. 19-23). Mittels solch stichhaltiger Beweise für die Unmenschlichkeit des NS-Staates kann der Schriftsteller seine Einstellung gegenüber Deutschland unterstreichen und seine Zuhörer über die Gewaltexzesse der Nazis aufklären.
Im letzten Teil seiner Ansprache spielt das Wort Verzweiflung eine große Rolle. Durch die Emporhebung der Verzweiflung als Hoffnungsschimmer und die gleichzeitige Verwendung des Konjunktivs „begönne“ will der Autor einerseits auf die Auswegmöglichkeit, andererseits auf die Aussichtslosigkeit der Lage verweisen. Eine tiefe Verzweiflung müsste es nämlich sein, aus der erst neue Hoffnung geschöpft werden könne (Vgl. Z. 26/27). Damit könnte gemeint sein, dass die Deutschen den eingeschlagenen Weg zuende gehen müssen, bevor sie, am Tiefpunkt angelangt, zu neuen Ufern stoßen können. Just in diesem stimmungsmäßigen Tiefpunkt der Übertragung bringt Mann die Weihnachtsstern-Metaphorik als ein Beispiel des Optimismus an; denn dieser „leuchtet durch den dicken Blutnebel dieser Zeit“ (Z. 28/29). Ähnlich also wie der Stern den Blutnebel der Zeit durchdrungen hat, besteht für die Deutschen die Möglichkeit, die Schrecken der Zeit zu überwinden.

Abschließend halte ich den vorliegenden Text für sehr gelungen. Die Argumentationsweise, die Verwendung rhetorischer Mittel sowie die sprachliche Ausarbeitung gestaltet der Autor sehr treffend, sodass ich mir gut vorstellen kann, dass Mann der Intention dieser Übertragung, nämlich die Zuhörerschaft vor dem Weihnachtsfest für die Schreckenstaten der Nazis zu sensibilisieren, gerecht geworden ist, wenngleich auch ein politisches Umdenken ausblieb und sich der Krieg erst in den Folgejahren zu einem wahren Welt- und Welteroberungskrieg entwickelte. Bei der Zuhörerschaft, das heißt bei jenen, die das Mithören des britischen Senders trotz der Androhung harter Strafen riskierten, kam diese Radiosendung wahrscheinlich sehr gut an, zumal sie ja ihrer bereits bestehenden kritischen Haltung gegenüber dem NS-Regime mehr als entgegenkommt.
Den moralischen und an Menschlichkeit appellierenden Argumentationsschwerpunkt halte ich vor dem Hintergrund des bevorstehenden Weihnachtsfestes für sinnvoll, da es zur besinnlichen Adventszeit der richtige Zeitpunkt ist, zum einen an Humanität zu erinnern, zum anderen die Gräueltaten der Nazis zu verabscheuen.
Der pessimistische Grundton passt zum Thema der Sendung. Gleich zu Beginn macht der Autor den Zuhörer darauf aufmerksam, dass das bevorstehende Weihnachtsfest noch lange nicht die letzte „Kriegsweihnacht“ (Z. 3) sein wird. Diesen Satz finde ich sehr treffend, da es den deutschen Zuhörern schon am Beginn der Sendung jegliche Illusion nimmt, beruhigten Gemüts in die Weihnachtszeit zu gehen.
Bei der Verurteilung der deutschen Verbrechen und dem Appell an die Menschlichkeit verfährt der Autor meiner Meinung nach aber zu pauschal: Die Sendung erweckt den Eindruck, als seien alle Deutschen mit den nationalsozialistischen Verbrechern gleichzusetzen. Mann pauschalisiert zu stark, differenziert nur teilweise zwischen Opfern und Tätern innerhalb der deutschen Bevölkerung, so mein Hauptkritikpunkt. Denn aufgrund von Unterdrückung, Geißelung und Einschüchterung sowie zahlreichen Verboten, sich beispielsweise nicht-systemkonformer Medien zu bedienen (so auch diese BBC-Sendung), sind auch jene deutschen Zuhörer, wenn auch indirekt, Opfer nationalsozialistischer Unterdrückung. Es wäre demnach angemessener gewesen, zwischen den Deutschen und den Nationalsozialisten zu unterscheiden, eine Differenzierung, die zumindest den heimlichen Zuhörern dieser Sendung gerecht würde.
Zum zweiten gilt es, die Kommunikationssituation des Schriftstellers erneut zu berücksichtigen. Thomas Mann gestaltet seine Sendungen im sicheren Exil und bringt diese via britischem Radiosender an die deutsche Hörerschaft. Diese steht, wie bereits angedeutet, angesichts der drohenden Strafen bei Ertappung des Hörens von feindlichen Sendern, sicherlich nicht hinter dem politischen Kurs der Nationalsozialisten. Bestimmt wünschten sich auch viele ein Ende des NS-Regimes, spätestens als einen Monat später mit der Wannseekonferenz (Januar 1942) das Vernichtungsprogramm der Nazis beschlossen wurde. Doch Unterdrückung und Terrorisierung politisch Andersdenkender hielten viele Menschen vom Protest ab, weshalb sich die Frage aufwirft, inwiefern eine solche Radiosendung nicht Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung bei denen vertieft, bei denen sich bereits eine Antipathie gegen die NS-Politik eingestellt hat. Aus heutiger Sicht besitzt der Text insbesondere in Bezug auf die Verbrechen der Nationalsozialisten in Griechenland Aktualität. Im Zuge der Eurokrise forderten griechische Politiker noch im Frühjahr 2015 wegen der Gräueltaten von Seiten der Wehrmacht Reparationszahlungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro.

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