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Aufgabe 4

Aufgaben
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Verfassen eines Essays

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Sprache - leicht gemacht
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Verfasse einen Essay zu diesem Thema.
Material 1
Gudrun Kellermann: Die Rolle der Leichten Sprache aus wissenschaftlicher Sicht
Leichte Sprache ist u.a. gekennzeichnet durch kurze Hauptsätze, weitgehenden Verzicht auf Nebensätze, die Verwendung von bekannten Wörtern, während schwierige Wörter erklärt werden müssen. Das Schriftbild sollte klar, ohne Schnörkel (Serifen) und ausreichend groß sein, und nach jedem Satzzeichen sowie bei sinnvollen Satzabschnitten wird ein Absatz gemacht. Die Optik von Bild und Schrift muss übersichtlich sein. Farben sind eher sparsam einzusetzen. Einfache Illustrationen sind besser als Fotos, auf denen zu viele Details zu sehen sind.
Aus: G. Kellermann: Die Rolle der Leichten Sprache aus wissenschaftlicher Sicht. Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Behinderung ohne Behinderte?! Perspektiven der Disability Studies“, Hamburg, zit. nach: www.zedis-ev-hochschule-hh.de/files/kellermann_08042013. pdf (Zugriff am 23.04.2017
Material 2
Konrad Paul Liessmann: Nur keine Komplexität. Schöne neue Sprachwelt
Heute muss alles leicht gehen. Sich anzustrengen, ist verpönt, noch verpönter ist es, jemandem eine Anstrengung abzuverlangen. Bis zu 40 Prozent der Erwachsenen, so lesen wir, sind des Lesens und Schreibens so entwöhnt, dass sie normalen schriftlichen Kommunikationen nicht mehr folgen können. Zwar sollten diese Menschen in der Schule einmal die grundlegenden Kulturtechniken erworben haben, aber wer diese nicht ständig nützt, verliert offenbar diese Fähigkeiten wieder.
Nun könnte man versuchen, davon Betroffene wieder an die Sprache, an anspruchsvollere Texte, an Bücher heranzuführen – aber das wäre für alle Beteiligten viel zu anstrengend. Einfacher ist es, alles zu vereinfachen. Da kommt das für geistig Behinderte und sprachunkundige Migranten entwickelte Konzept der „Leichten Sprache“ gerade recht.
Was aber soll man unter „Leichter Sprache“ verstehen? Die Duden-Redaktion legte soeben ein Handbuch «Leichte Sprache» vor, das die theoretischen Grundlagen und die Orientierung für die Praxis liefern soll. Unter Aufbietung aller Raffinements, die der Jargon der Soziolinguistik[1] bietet – also in ziemlich schwerer Sprache –, wird die These propagiert, dass Leichte Sprache eine Varietät der deutschen Sprache unter vielen sei, irgendwo angesiedelt zwischen Dialekten, Fachsprachen, Jugendsprachen und Xenolekten[2]. Diese These mutet einigermassen kühn an, handelt es sich bei Leichter Sprache doch um ein reines Kunstprodukt, das vom Netzwerk Leichte Sprache entwickelt wurde. Leichte Sprache ist dann auch im Wesentlichen durch einen Katalog von Verboten charakterisiert. Nicht erlaubt sind unter anderem Nebensätze, zusammengesetzte Hauptwörter, Passivkonstruktionen, Zeitenfolgen, Jahreszahlen, Metaphern, der Konjunktiv und der Genitiv. […]
Schöne neue Sprachwelt. Zahlreiche Behörden sind mittlerweile verpflichtet, ihre Verlautbarungen auch in Leichter Sprache zu veröffentlichen, einige gehen dazu über, alle Bürger nur noch in Leichter Sprache zu informieren, um die Stigmatisierung[3] von Menschen, die auf Leichte Sprache angewiesen sind, zu verhindern. Übersetzungsbüros schiessen aus dem Boden, die Nachfrage ist gross, das Geschäft mit der Vereinfachung läuft bestens. […]
Sprache, so suggerieren es diese Konzepte, diene nur der Übermittlung simpler Informationen. Wenn man alles Notwendige wie Formulare, Parteiprogramme und Wahlaufrufe gleich in Leichter Sprache verfasse und alles Unnötige wie Goethes „Faust“, die Bibel und Thomas Manns „Zauberberg“ in Leichte Sprache „übersetze“, sei niemand mehr von den Segnungen der Politik und Kultur ausgeschlossen. „Übersetzen“ ist hier aber ein gefährlicher Euphemismus. Denn es handelt sich nicht darum, einen Text mit all seinen Nuancen und Bedeutungsebenen von einer in eine andere Sprache zu übertragen, sondern um den Versuch einer radikalen Reduktion, Verflachung und Vereinfachung. Leichte Sprache ist seichte Sprache.
Aus: : https://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/kolumne-rundum-leichte-sprache-schoene-neue-sprachwelt-ld.106533 (Veröffentlichung am 20.07.2016; Zugriff am 23.04.2017)
Der Text stammt aus einer Schweizer Tageszeitung, daher finden sich vereinzelte Abweichungen von der bundesdeutschen Schreibweise.

[1] Jargon der Soziolinguistik: sprachwissenschaftliche Fachsprache
[2] Xenolekt: Art und Weise, wie Sprecher einer bestimmten Sprache mit Ausländern kommunizieren
[3] Stigmatisierung: negaative Kennzeichnung
Material 3
Moritz Kohl: Lernen könnte so einfach sein
Der Weg durch die Bleiwüste ist weit, es geht verschwundene Bandwurmsätze entlang, vorbei an Hürden aus Fremdwörtern, bis sich endlich – irgendwann, wenn überhaupt – der Pfad der Erkenntnis auftut. Das Gefühl dazu kennt jeder, der sich fürs Studium durch Fachliteratur kämpfen muss: Bin ich zu doof? Zu müde? Oder ist das, was da steht, einfach zu kompliziert?
Im Alltag geistig behinderter Menschen schwingt dieses Gefühl häufig mit. Die meisten von ihnen haben ohnehin Schwierigkeiten, Sprache aufzunehmen. Wenn dann auch noch ein Behördenbrief in Amtsdeutsch daherkommt oder ein Redner mit Fremdwörtern jongliert und Sätze verschachtelt, wird es sehr anstrengend. Seit den 1990er Jahren setzen sich Vereine wie „Mensch zuerst“ deshalb dafür ein, solche Sprachbarrieren abzubauen.
Zur Zielgruppe gehören Migranten, Kinder, Menschen mit geringem Bildungsstand — und manchmal auch Studenten. "Studierende lesen ab und zu gerne Kurzzusammenfassungen in Leichter Sprache, um schnell an Informationen zu kommen — sie sollen aber auch die schwierigen Texte lesen und verstehen", sagt Simone Seitz, Professorin für Inklusive Pädagogik an der Universität Bremen. Unter ihrer Leitung wurde dieses Jahr erstmals ein wissenschaftliches Fachbuch in Leichte Sprache übersetzt. Sein Titel: Ist Inklusion gerecht? […]
Auch die Wissenschaftssprache ist eine Hürde. Darum konnte sich das Team von Simone Seitz bei ihrem Fachbuch nicht immer an die Regeln der Lebenshilfe halten. Besonders problematisch, sagt Seitz, seien Fachwörter. Das Wort "Inklusion" lasse sich noch leicht umschreiben, etwa mit "Alle Menschen gehören zur Gesellschaft dazu, niemand wird ausgeschlossen, alle Kinder dürfen in die normale Schule gehen". Termini wie Vielfalt, Diversität und Heterogenität hingegen seien in der Wissenschaft klar bestimmt, würden aber oft nicht korrekt angewendet, beklagt Seitz. "Unsere schwierige didaktische Aufgabe war es, komplexe Begriffe zu umschreiben, ohne oberflächlich zu werden." […]
Abgesehen vom Fachjargon der Wissenschaftler sieht Volker Uhle vom Büro für Leichte Sprache noch viel Handlungsbedarf: "Was Leichte Sprache angeht, ist Deutschland ein relatives Entwicklungsland." Andere Länder seien da deutlich weiter. In Schweden etwa würden regelmäßig Bestseller in Leichter Sprache veröffentlicht, in den Niederlanden bekämen neue Bürger eine Infoschrift in Leichter Sprache. Und auch Österreich sei weiter, was Bescheide und Anträge angeht. Die englischsprachige Wikipedia gibt es mittlerweile sogar in einer Simple-English-Version. Vielleicht ist im Land der Dichter und Denker die Angst vor der Sprachverstümmelung zu groß. "Dabei müssen wir uns ja nicht dem schwächeren Niveau anpassen", sagt Uhle, "sondern Leute von dort aus fördern und sie mitnehmen."
https://www.zeit.de/studium/uni-leben/2013-07/leichte-sprache-fachbuch-inklusion (Veröffentlichung am 24.7.2013, Zugriff am 23.4.2017)
Material 4
Die Regeln für Leichte Sprache: vier Beispiele
Der Ratgeber Leichte Sprache wurde 2013/2014 durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Leichte Sprache“ erstellt. Die Regeln sollen den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Ämtern und Behörden u.a. beim Schreiben von Texten in Leichter Sprache helfen.

Vermeiden Sie den Genitiv.

Den Genitiv erkennt man oft an dem Wort: des.
Benutzen Sie lieber die Wörter: von, von dem oder vom.
Beispiel:
  • Schlecht: Das Haus des Lehrers. / Des Lehrers Haus.
  • Gut: Das Haus von dem Lehrer. / Das Haus vom Lehrer.

Vermeiden Sie den Genitiv.

Den Genitiv erkennt man oft an dem Wort: des.
Benutzen Sie lieber die Wörter: von, von dem oder vom.
Beispiel:
  • Schlecht: Das Haus des Lehrers. / Des Lehrers Haus.
  • Gut: Das Haus von dem Lehrer. / Das Haus vom Lehrer.

Vermeiden Sie Rede-Wendungen und bildliche Sprache.

Viele Menschen verstehen das falsch.
Sie verstehen diese Sprache wörtlich.
Zum Beispiel:
Das Wort Raben-Eltern ist bildliche Sprache.
Raben-Eltern sind nicht die Eltern von Raben-Küken.
Mit Raben-Eltern meint man: schlechte Eltern.

Vermeiden Sie Rede-Wendungen und bildliche Sprache.

Viele Menschen verstehen das falsch.
Sie verstehen diese Sprache wörtlich.
Zum Beispiel:
Das Wort Raben-Eltern ist bildliche Sprache.
Raben-Eltern sind nicht die Eltern von Raben-Küken.
Mit Raben-Eltern meint man: schlechte Eltern.
Aus: http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a752-ratgeber-leichte-sprache.pdf?__blob=publicationFile (Zugriff am 23.4.2017)
Material 5
Ansichtssache - Kunst im Dialog
Die folgenden Texte sind Auszüge aus dem Katalog der im Sommer 2011 anlässlich des 50jährigen Bestehens der Lebenshilfe Tübingen e.V. gezeigten Ausstellung „Ansichtssache - Kunst im Dialog“, worin Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit und ohne Behinderung präsentiert wurden. Dieser Katalog ist zusätzlich in Leichte Sprache übersetzt worden.
Ausstellungstext (S. 10)
„Nichts oder nur sehr wenig ist neu in der Welt; wichtig ist die verschiedenartige und neue Position, in der ein Künstler die Dinge der so genannten Natur und die Werke, die ihm vorausgegangen sind und ihn beschäftigt haben, auffasst und sieht.“
Dieses Zitat von Giorgio Morandi sei vorangestellt, weil es sehr treffend einen wichtigen Aspekt von „Ansichtssache – Kunst im Dialog“ zum Ausdruck bringt. Dieses Kunst- und Ausstellungsprojekt thematisiert und präsentiert den sehr persönlichen Blick des Künstlers auf die Welt und das Gegenüber. In der Ausstellung zeigen 37 KünstlerInnen ihren ganz eigenen Zugang zur bildnerischen Auseinandersetzung mit selbstgewählten oder vorgefundenen Themen. Der zentrale Aspekt des Projektes ist die bewusst gestaltete oder intuitiv geleitete Auseinandersetzung mit ausgewählten Arbeiten eines anderen Künstlers oder einer Künstlerin, die zu einem Dialog der Kunstwerke führt. Dabei zeigen die Vielfältigkeit und der individuelle Stil im Umgang mit den künstlerischen Mitteln die Kraft und die innovative Wirkung, die von einer veränderten Position und neuen Sicht der Dinge ausgehen kann. […]
Entsprechender Ausstellungstext in leichter Sprache (S. 16)
Ein berühmter Maler aus Italien hat einmal gesagt: Fast nichts ist neu in der Welt. Wichtig ist nur, wie ein Künstler die Dinge sieht und versteht. Und was er neues daraus macht. Künstler machen Kunst. Wie zum Beispiel ein Bild. Oder eine Figur aus Stein oder Holz oder Ton. Mit seiner Kunst möchte der Künstler etwas sagen. Zum Beispiel was er sieht. Oder was er fühlt. […]
Aus: http://www.leicht-gesagt.de/Beispiele/Ansichtssache.pdf (Zugriff am 23.4.2017)
Material 6
Funktionaler Analphabetismus und Fehlerhaftes Schreiben in der deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung
1.
Definition
„Funktionaler Analphabetismus gilt dann als gegeben, wenn die schriftsprachlichen Kompetenzen von Erwachsenen niedriger sind als diejenigen, die minimal erforderlich sind und als selbstverständlich vorausgesetzt werden, um den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.“
Aus: www.faw-notha.de/index/php?id=13 (28.5.2017)
2.
Tabelle
LiteralitätAlpha-LevelAnteil der erwachsenen BevölkerungAnzahl (hochgerechnet)
Funktionaler Analphabetismus $\alpha$ 1 0,6%0,3 Mio.
$\alpha$ 23,9%2,0 Mio.
$\alpha$ 310,0%5,2 Mio.
Zwischensumme14,5%7,5 Mio.
Fehlerhaftes Schreiben$\alpha$ 425,9%13,3 Mio.
$> \alpha$ 459,7%30,8 Mio.
Summe*100,1%51,6 Mio.
Funktionaler Analphabetismus und Fehlerhaftes Schreiben in der deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18 - 64 Jahre), erhoben im Jahr 2011
* Abweichung der Summen von 100 Prozent aufgrund von Rundungsungenauigkeiten
Bei der Betrachtung der Alpha-Levels im Einzelnen zeigt sich, dass nur ein halbes Prozent der erwachsenen Bevölkerung auf dem untersten Alpha-Level liegt, also die Wortebene beim Lesen und Schreiben nicht erreicht (vgl. Tabelle). Weitere 3,9 Prozent liegen auf dem Alpha-Level 2, erreichen also nicht die Satzebene, sondern können nur einige Wörter lesen und schreiben. Auf dem folgenden Level befinden sich weitere 10 Prozent der Bevölkerung, die zwar mit kurzen Sätzen umgehen können, aber an Texten scheitern und sie vor allem vermeiden. Die Größenordnung des Funktionalen Analphabetismus in Deutschland ist mit 7,5 Millionen Menschen deutlich höher als der Schätzwert von etwa vier Millionen. Darüber befinden sich weitere 13,3 Millionen Erwachsene, deren Schriftsprache auch bei gebräuchlichem Wortschatz fehlerhaft ist.
Aus: A. Grotlüschen, W. Riekmann, leo. - Level-One Studie. Presseheft, S. 4 (zit. nach: www. alphabetisierung.de/fileadmin/files/Dateien/Downloads_Texte/leo-Presseheft-web.pdf; Zugriff am 28.5.2017)
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Aufgabe 4

Verfassen eines Essays

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Sprache - leicht gemacht
Als demokratisches Land bietet Deutschland jedem Einwohner verschiedene Grundrechte - dazu gehört das Recht auf politische Teilhabe, das Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit und das Recht auf allgemeine Gleichbehandlung. Dies nehmen wir als gegeben und selbstverständlich an und stellen diese Rechte oder deren Existenz und Gültigkeit kaum in Frage. Doch etwa 7,5 Millionen Menschen werden fast täglich aus diesen Grundrechten ausgeschlossen, denn sie leiden an funktionalem Analphabetismus - ihre schriftsprachlichen Kompetenzen sind so gering, dass sie den gesellschaftlichen Anforderungen nicht gerecht werden können. Um auch diesen Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen wurde das Konzept der Leichten Sprache entwickelt.
Doch wie soll man sich diese Problematik und das als Lösung dazu eingeführte Konzept als Nicht-Betroffener vorstellen? Wir können uns hier in folgende Situation versetzen: wir sind in ein Land ausgewandert, dessen Amtssprache wir zwar grundsätzlich verstehen, jedoch können wir weder Behördenbriefe oder Stimmzettel lesen oder verstehen, noch die Nachrichten oder Romane lesen. Welches Gefühl würde uns dann beherrschen? Die Problematik ist vermutlich metaphorisch vergleichbar mit einer Tür, die zwar offen ist, durch die wir aber nicht durchgehen können. Frustration und das Gefühl, ausgeschlossen zu sein würden vorherrschen. Dabei besteht doch das Recht, an allem teilhaben zu können und nicht ausgeschlossen zu werden! Und trotzdem ist dies nicht die Realität. Abhilfe schafft hier die Leichte Sprache: Sie ist eine Varietät der deutschen Sprache und im Grunde genommen ist sie eine vereinfachte Sprache, die durch verschiedene Verbote charakterisiert wird. Es dürfen weder lange Sätze, Fremdwörter, bildliche Sprache noch grammatikalische Elemente wie der Konjunktiv verwendet werden, wie Gudrun Kellermann in einer Vorlesung zu Perspektiven der Disabilty Studies anmerkt. Gleichermaßen soll der Text in großer Schrift abgedruckt sein, Illustrationen statt Fotos sollen verwendet werden. Es geht darum, die Quintessenz für Menschen mit Behinderung oder für funktionale Analphabeten greifbar zu machen; der Zugang zu Informationen soll ermöglicht werden. Denn nur so kann auch eine gelingende Kommunikation überhaupt stattfinden! Natürlich ist es schön, dass jeder wählen gehen darf, wenn aber 14,5% der Bevölkerung nicht an der Wahl aufgrund von Verständnisproblemen teilnehmen können, bringt ihnen ihr Stimmrecht herzlich wenig. Mit Leichter Sprache wird die Partizipation dieser Menschen in verschiedenen Lebensbereichen und damit die Herstellung gesellschaftlicher Gerechtigkeit gewährleistet. So haben auch sie eine Chance auf gesellschaftliche und politische Teilhabe und somit auch die Möglichkeit zur Selbstvertretung.
Von der Ermöglichung eines Zugangs zur Standardsprache profitieren jedoch nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten, sondern auch Analphabeten. Insgesamt wird auch für sie beispielsweise der Arbeitsalltag vereinfacht - sie können ihre Arbeitsverträge lesen und verstehen und Fehler aufgrund von Verständigungsproblemen können vermieden werden. Zudem schafft der hohe Bedarf an Leichter Sprache mehr Arbeitsplätze. Obwohl Kritiker wie Konrad Paul Liessmann dem mit Skepsis entgegensehen, indem er in seinem Artikel Nur keine Komplexität. Schöne neue Sprachwelt. zum Beispiel das „Geschäft mit der der Vereinfachung“ als eine Art Unkraut sieht, die geradezu aus dem Boden „schie[ßt]“ und sich rasend vermehrt, bringt der vermehrte Einsatz der Leichten Sprache vor allem weitere Inklusionsmöglichkeiten für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Es benötigt bei dem hohen Aufkommen eine große Anzahl an Prüfer, die die in Leichter Sprache übersetzten Texte auf ihre Verständlichkeit hin begutachten. Diese Prüfer müssen selber von funktionalem Analphabetismus betroffen sein, denn nur sie können bewerten, ob die übersetzten Texte für sie lesbar und verständlich sind. Hinzu kommt, dass natürlich auch viele Übersetzungsbüros oder Fortbildungsinstitutionen sowie Seminartagungen aufgebaut werden müssen, die den deutschen Arbeitsmarkt zusätzlich mit neuen Arbeitsstellen versorgen.
Generell wird Menschen, die die normale Schriftsprache nicht beherrschen, die Möglichkeit gegeben, komplexe Themen wie Kunst zu verstehen. Ein von der Lebenshilfe Tübingen erstellter Katalog zeigt beispielsweise Werke von Künstlern mit oder ohne Behinderung - er ist zusätzlich in Leichter Sprache geschrieben. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Leichte Sprache neben regulärem Deutsch parallel existieren kann und eine gegenseitige Inklusion stattfinden kann. Gleichzeitig wird so der Erhalt der Lebensqualität garantiert. Wenn man bedenkt, dass Simple English Beiträge in Wikipedia in Englisch-sprachigen Ländern bereits nicht mehr wegzudenken ist, so schreibt der Redakteur Moritz Kohl in seinem Artikel Lernen könnte so einfach sein, dann sollten Formulare oder ähnliches in Leichter Sprache eigentlich alltäglich sein. Genauso sollten Bestseller in Leichte Sprache übersetzt werden, wie es bereits in Schweden der Fall ist. All diese Maßnahmen führen zu einem Leben, das an Qualität maßgeblich gesteigert wird, denn durch Leichte Sprache werden alle gesellschaftlich relevanten Themen auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglich.
Doch bei all den positiven Aspekten der Leichten Sprache wird vergessen, dass es durch deren Einsatz zwangsläufig zu einer Sprachverstümmelung kommt, wie viele Kritiker im „Land der Dichter und Denker“ laut Moritz Kohl befürchten. Bei Leichter Sprache werden beispielsweise wesentliche Informationen vorenthalten - im Bereich der Nachrichten können diese sogar verharmlost werden, was zu einem falschen Verständnis der Sachverhalte führen kann. So werden die Probleme durch deren vereinfachte Erklärung grundlegend verzerrt. Liessmann geht dahingehend davon aus, dass es zwangsläufigzu einer „Reduktion, Verflachung undd Vereinfachung“ der deutschen Sprache kommen wird. Ironischerweise propagiert er, dass es den Initiatoren bei dem Konzept Sprache um die Übermittlung simpler Informationen geht. Doch was wäre Sprache ohne all jene Bedeutungsebenen, die sie übermittelt? Wie würden sich Faust und andere Klassiker in Leichter Sprache anhören? Das kann und will man sich gar nicht vorstellen. Ein solch vielschichtiges Werk wie Faust kann man gar nicht vereinfachen, jeglicher Sinn ginge dadurch verloren. Die innerhalb dieser Tragödie thematisierten, universal anwendbaren und allgemein gültigen Fragen um Liebe, Wahrheit, Willensfreiheit, Verantwortung, Gut und Böse machen den Faust zu einer der bekanntesten deutschen literarischen Werke. Würde man das Werk Goethes auf den bloßen Inhalt reduzieren, so würden all die verschiedenen Bedeutungsebenen und damit auch ein Stück weit Kultur verloren gehen.
Außerdem hört sich das Konzept einfacher an, als es tatsächlich umzusetzen ist - es besteht die Gefahr, dass das Konzept der Leichten Sprache in eine Utopie ausartet, die nicht realisierbar ist. Zum Einen können nicht alle Begriffe in Leichte Sprache übersetzt werden. Simone Seitz - Professorin für inklusive Pädagogik an der Universität Bremen - empfindet es beispielsweise als problematisch, Fachwörter oder „Termini wie Vielfalt, Diversität und Heterogenität“ zu übersetzen, da diese in der Wissenschaft klar bestimmt seien. Zudem gestaltet sich die Umsetzung schwierig aufgrund der personellen Beschaffenheit der Behörden. Diese sind zum Teil dazu verpflichtet, „Verlautbarungen in Leichter Sprache zu veröffentlichen“, wie Konrad Paul Liessmann beschreibt. Das ist für viele Behörden schlicht und ergreifend nicht machbar, weshalb diese wiederum Übersetzungsbüros engagieren müssen. Dadurch steigen jedoch die Ausgaben der Behörden und demnach auch für den Staat, der diese im schlimmsten Fall durch Steuererhöhungen auszugleichen versucht.
Man darf außerdem nicht vergessen, dass die Leichte Sprache zwar für Menschen mit Lernschwierigkeiten vorgesehen wurde, jedoch auch von Menschen, die nicht von davon betroffen sind, zum Teil benutzt wird. Liessmann kritisiert dabei, dass 40% der Erwachsenen des Lesens und Schreiben so entwöhnt [sind], dass sie normalen schriftlichen Kommunikationen nicht mehr folgen können. Laut ihm sei es sogar verpönt, jemandem Anstrengungen abzuverlangen. Unter diesem Aspekt wäre eine Vereinheitlichung oder ein breiteres Angebot an Texten in Leichter Sprache kritisch einzustufen. Sprache gilt schließlich auch als Lernprozess; durch das Lesen von Büchern beispielweise vergrößert sich der Wortschatz um ein Vielfaches, wodurch sich die Fähigkeiten, eine Sprache zu sprechen, vertiefen. Eine Vereinheitlichung aller Verlautbarungen oder Formulare auf die Leichte Sprache kann demnach auch als schädlich bewertet werden.
Insgesamt geht es doch bei Leichter Sprache primär nicht darum, alles sprachlich zu vereinfachen, sondern vielmehr darum, überhaupt eine Option für Menschen mit Lernschwierigkeiten anzubieten, um diesen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben generell zu ermöglichen. Es geht auch nicht darum, mutwillig Goethes Faust sprachlich zu verstümmeln, sondern darum, alle Bestandteile der Kultur für jedermann zugänglich zu machen. Dies führt schließlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität - es geht darum, dass eine gemeinsame Wissensbasis geschaffen wird, von der alle profitieren können.
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