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Aufgabe 4

Aufgaben
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Verfassen eines Essays

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Die Macht des Sports
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Verfasse einen Essay zu diesem Thema.
Die vorgelegten Materialien sind als Anregung, nicht als Vorgabe zu verstehen.
Material 1
Aufgabe 4
Quelle: http://evkirchepfalz.de/uploads/tx_aspresse/lk_presse_karikatur.jpg, Stand: 10.06.2014
Aufgabe 4
Quelle: http://evkirchepfalz.de/ uploads/tx_aspresse/ lk_presse_karikatur.jpg, Stand: 10.06.2014
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Johan Huizinga: Homo ludens – Vom Ursprung der Kultur im Spiel
Als es klar wurde, daß der Name Homo sapiens für unsere Art doch nicht so gut paßte, wie man einst gemeint hatte, weil wir am Ende doch gar nicht so vernünftig sind, wie das achtzehnte Jahrhundert in seinem naiven Optimismus zu glauben geneigt war, stellte man neben diese Bezeichnung für unsere Spezies den Namen Homo faber, der schaffende Mensch. Dieser Name aber ist weniger zutreffend als der frühere, denn faber ist auch manches Tier. Was vom Schaffen gilt, gilt auch vom Spielen: recht viele Tiere spielen. Dennoch scheint mir Homo ludens, der spielende Mensch, eine ebenso wesentliche Funktion wie das Schaffen anzugeben und neben Homo faber einen Platz zu verdienen. […]
Damit hat man also ein erstes Hauptkennzeichen des Spiels: Es ist frei, es ist Freiheit. Unmittelbar damit hängt ein zweites Kennzeichen zusammen.
Spiel ist nicht das ‚gewöhnliche‘ oder das ‚eigentliche‘ Leben . Es ist vielmehr das Heraustreten aus ihm in eine zeitweilige Sphäre von Aktivität mit einer eigenen Tendenz. Schon das kleine Kind weiß genau, daße es ‚ bloß so tut‘, daß alles ‚bloß zum Spaß‘ ist. […]
Die Frage lautet: Inwieweit entfaltet sich die Kultur, in der wir leben, in den Formen des Spiels? Inwieweit kommt der spielhafte Geist über den Menschen, der die Kultur erlebt? […]
Auf den ersten Blick scheint eine höchst bedeutsame Kompensationserscheinung den Verlust an Spielformen im Gesellschaftsleben mehr als gutgemacht zu haben. Der Sport hat als Gemeinschaftsfunktion seine Bedeutung im Zusammenleben der Gesellschaft stets mehr ausgebreitet und hat stets mehr Gebiet in seinen Bereich gezogen.
Wettkämpfe in Gewandtheit, Kraft und Ausdauer haben von alters her in jeder Kultur einen wichtigen Platz eingenommen, entweder verbunden mit dem Kult oder nur als Knabenspiele und Festbelustigung. Die feudale Gesellschaft des Mittelalters hatte eigentlich nur für das Turnier besonders Interesse. In seiner starken Dramatisierung und aristokratischen Ausschmückung ist das Turnier nicht schlechthin Sport zu nennen. Es erfüllte gleichzeitig eine Funktion des Theaters.






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Johan Huizinga: Homo ludens – Vom Ursprung der Kultur im Spiel
Als es klar wurde, daß der Name Homo sapiens für unsere Art doch nicht so gut paßte, wie man einst gemeint hatte, weil wir am Ende doch gar nicht so vernünftig sind, wie das achtzehnte Jahrhundert in seinem naiven Optimismus zu glauben geneigt war, stellte man neben diese Bezeichnung für unsere Spezies den Namen Homo faber, der schaffende Mensch. Dieser Name aber ist weniger zutreffend als der frühere, denn faber ist auch manches Tier. Was vom Schaffen gilt, gilt auch vom Spielen: recht viele Tiere spielen. Dennoch scheint mir Homo ludens, der spielende Mensch, eine ebenso wesentliche Funktion wie das Schaffen anzugeben und neben Homo faber einen Platz zu verdienen. […]
Damit hat man also ein erstes Hauptkennzeichen des Spiels: Es ist frei, es ist Freiheit. Unmittelbar damit hängt ein zweites Kennzeichen zusammen.
Spiel ist nicht das ‚gewöhnliche‘ oder das ‚eigentliche‘ Leben . Es ist vielmehr das Heraustreten aus ihm in eine zeitweilige Sphäre von Aktivität mit einer eigenen Tendenz. Schon das kleine Kind weiß genau, daße es ‚ bloß so tut‘, daß alles ‚bloß zum Spaß‘ ist. […]
Die Frage lautet: Inwieweit entfaltet sich die Kultur, in der wir leben, in den Formen des Spiels? Inwieweit kommt der spielhafte Geist über den Menschen, der die Kultur erlebt? […]
Auf den ersten Blick scheint eine höchst bedeutsame Kompensationserscheinung den Verlust an Spielformen im Gesellschaftsleben mehr als gutgemacht zu haben. Der Sport hat als Gemeinschaftsfunktion seine Bedeutung im Zusammenleben der Gesellschaft stets mehr ausgebreitet und hat stets mehr Gebiet in seinen Bereich gezogen.
Wettkämpfe in Gewandtheit, Kraft und Ausdauer haben von alters her in jeder Kultur einen wichtigen Platz eingenommen, entweder verbunden mit dem Kult oder nur als Knabenspiele und Festbelustigung. Die feudale Gesellschaft des Mittelalters hatte eigentlich nur für das Turnier besonders Interesse. In seiner starken Dramatisierung und aristokratischen Ausschmückung ist das Turnier nicht schlechthin Sport zu nennen. Es erfüllte gleichzeitig eine Funktion des Theaters.
Aus: Johann Huizinga, Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel.
Reinbek bei Hamburg 1956 (Rowohlt Taschenbuch Verlag), S. 7, 15, 186
Material 3






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Hans Ulrich Gumbrecht: Lob des Sports
Wir können also sagen, daß das Aufgehen in der Zuschauermenge bei Sportereignissen Anlässe geboten hat, die ein Eintauchen in die Sphäre der Präsenz ermöglichen. Denken Sie noch einmal an die Arenen für die römischen Gladiatorkämpfe und Wagenrennen seit der Mitte des ersten Jahrhunderts oder an die Boxkämpfe in London während des 18. Jahrhunderts, zu denen bis zu 30.000 Zuschauer kamen – und das in einem kulturellen Umfeld, das ansonsten keine sportliche Begeisterung kannte. Diese Zuschauermengen waren die Vorläufer der Massen, die seit dem späten 19. Jahrhundert in einer bis heute ständig wechselnden Zahl die riesigen Sportarenen füllen und die Kulisse für Sportveranstaltungen (zumindest im Mannschaftssport) bilden – was so alltäglich geworden ist, daß wir vergessen haben, wie sehr es, historisch gesehen, die Ausnahme ist. Was den entscheidenden Unterschied bei diesen Zuschauermassen ausmacht, ist der Lärm, das ‚Dröhnen‘, das mehreren zehntausend Kehlen gleichzeitig entsteigt und nicht nur die eigene Mannschaft beflügelt. Der Lärm wird zu einem physischen Punkt der Selbstreferenz, in dem die Masse der Zuschauer zu einem einzigen Körper verschmilzt. In den vergangenen Jahrzehnten war zu beobachten, wie die Zuschauer sich zunehmend als sichtbare Einheit präsentieren (und zwar vor allem für sich selbst), da eine immer größere Zahl von Fans die Trikots ihrer Mannschaften tragen und sogar ihre Gesichter in Farben bemalen. […] Die Zuschauer jedenfalls sehnen sich nach einem Zustand, in dem ihre physische Energie eins wird, mit der Energie der Spieler – und dadurch wächst. Dabei handelt es sich um ein Erleben, das, weit entfernt von einer rein geistigen Vereinigung, eine physische Realität begründen kann. Jedesmal, wenn wir diese kollektive Energie verspüren, wird sie einen bestimmten Raum einnehmen und besetzen, da sie an Körper gebunden ist. Unter psychologischer Perspektive ist dieses Gemeinschaftserleben unabhängig von Sieg oder Niederlage. Natürlich wollen die Zuschauer ihrer Mannschaft zum Sieg verhelfen. Aber die echten Fans bleiben selbst bei einer vernichtenden Niederlage im Stadion, vereint mit ihrer Mannschaft.






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Hans Ulrich Gumbrecht: Lob des Sports
Wir können also sagen, daß das Aufgehen in der Zuschauermenge bei Sportereignissen Anlässe geboten hat, die ein Eintauchen in die Sphäre der Präsenz ermöglichen. Denken Sie noch einmal an die Arenen für die römischen Gladiatorkämpfe und Wagenrennen seit der Mitte des ersten Jahrhunderts oder an die Boxkämpfe in London während des 18. Jahrhunderts, zu denen bis zu 30.000 Zuschauer kamen – und das in einem kulturellen Umfeld, das ansonsten keine sportliche Begeisterung kannte. Diese Zuschauermengen waren die Vorläufer der Massen, die seit dem späten 19. Jahrhundert in einer bis heute ständig wechselnden Zahl die riesigen Sportarenen füllen und die Kulisse für Sportveranstaltungen (zumindest im Mannschaftssport) bilden – was so alltäglich geworden ist, daß wir vergessen haben, wie sehr es, historisch gesehen, die Ausnahme ist. Was den entscheidenden Unterschied bei diesen Zuschauermassen ausmacht, ist der Lärm, das ‚Dröhnen‘, das mehreren zehntausend Kehlen gleichzeitig entsteigt und nicht nur die eigene Mannschaft beflügelt. Der Lärm wird zu einem physischen Punkt der Selbstreferenz, in dem die Masse der Zuschauer zu einem einzigen Körper verschmilzt. In den vergangenen Jahrzehnten war zu beobachten, wie die Zuschauer sich zunehmend als sichtbare Einheit präsentieren (und zwar vor allem für sich selbst), da eine immer größere Zahl von Fans die Trikots ihrer Mannschaften tragen und sogar ihre Gesichter in Farben bemalen. […] Die Zuschauer jedenfalls sehnen sich nach einem Zustand, in dem ihre physische Energie eins wird, mit der Energie der Spieler – und dadurch wächst. Dabei handelt es sich um ein Erleben, das, weit entfernt von einer rein geistigen Vereinigung, eine physische Realität begründen kann. Jedesmal, wenn wir diese kollektive Energie verspüren, wird sie einen bestimmten Raum einnehmen und besetzen, da sie an Körper gebunden ist. Unter psychologischer Perspektive ist dieses Gemeinschaftserleben unabhängig von Sieg oder Niederlage. Natürlich wollen die Zuschauer ihrer Mannschaft zum Sieg verhelfen. Aber die echten Fans bleiben selbst bei einer vernichtenden Niederlage im Stadion, vereint mit ihrer Mannschaft.
Aus: Hans Ulrich Gumbrecht, Lob des Sports.
Frankfurt/M. 2005 (Suhrkamp Verlag), S. 139 ff.
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George Orwell: Sportgeist
Fast jeder Sport, der heutzutage betrieben wird, beruht auf Wettbewerb. Man spielt, um zu gewinnen, und das Spiel hat wenig Bedeutung, sofern man nicht sein Äußerstes tut, um zu gewinnen. Auf dem Dorfanger, wo man Mannschaften wählt und keine lokalpatriotische Gesinnung im Spiel ist, ist es möglich, einfach spaßes- und übungshalber zu spielen; aber sobald die Frage des Prestiges auftaucht, sobald man das Gefühl hat, dass bei einer Niederlage man selbst und irgedeneine größere Einheit in Ungnade fällt, werden die wildesten Kampfinstinkte geweckt. Jeder, der auch nur in einem Schulfußballspiel mitgewirkt hat, weiß das. Auf internationaler Ebene ist der Sport, offen gesagt, ein Kriegsspiel. Aber das Wesentliche ist nicht das Verhalten der Spieler, sondern die Haltung der Zuschauer; und, hinter den Zuschauern, der Nation, die sich wegen dieser absurden Wettkämpfe in Wutanfälle hineinsteigern und im Ernst glauben – zumindest für kurze Zeitabschnitte –, dass Wettlaufen, Springen und Balltreten Kriterien der nationalen Tugend sind. […]
Sobald starke Rivalitätsgefühle geweckt werden, verschwindet der Gedanke, das Spiel nach den Regeln zu spielen. Die Leute wollen die eine Seite obenauf und die andere erniedrigt sehen, und sie vergessen, dass ein Sieg, den man durch Betrügen oder das Eingreifen der Menge erringt, bedeutungslos ist. Selbst wenn die Zuschauer nicht physisch eingreifen, versuchen sie doch, das Spiel zu beeinflussen, indem sie ihrer eigenen Seite zujubeln und die Spieler der Gegenseite mit Buhrufen und Beleidigungen nervös machen. Seriöser Sport hat nichts mit Fairplay zu tun. Er ist eng verbunden mit Hass, Eifersucht, Prahlerei, Missachtung aller Regeln und mit einem sadistischen Vergnügen, Gewalt mitzuerleben, verknüpft; Mit anderen Worten, er ist ein Krieg ohne das Schießen. […]





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George Orwell: Sportgeist
Fast jeder Sport, der heutzutage betrieben wird, beruht auf Wettbewerb. Man spielt, um zu gewinnen, und das Spiel hat wenig Bedeutung, sofern man nicht sein Äußerstes tut, um zu gewinnen. Auf dem Dorfanger, wo man Mannschaften wählt und keine lokalpatriotische Gesinnung im Spiel ist, ist es möglich, einfach spaßes- und übungshalber zu spielen; aber sobald die Frage des Prestiges auftaucht, sobald man das Gefühl hat, dass bei einer Niederlage man selbst und irgedeneine größere Einheit in Ungnade fällt, werden die wildesten Kampfinstinkte geweckt. Jeder, der auch nur in einem Schulfußballspiel mitgewirkt hat, weiß das. Auf internationaler Ebene ist der Sport, offen gesagt, ein Kriegsspiel. Aber das Wesentliche ist nicht das Verhalten der Spieler, sondern die Haltung der Zuschauer; und, hinter den Zuschauern, der Nation, die sich wegen dieser absurden Wettkämpfe in Wutanfälle hineinsteigern und im Ernst glauben – zumindest für kurze Zeitabschnitte –, dass Wettlaufen, Springen und Balltreten Kriterien der nationalen Tugend sind. […]
Sobald starke Rivalitätsgefühle geweckt werden, verschwindet der Gedanke, das Spiel nach den Regeln zu spielen. Die Leute wollen die eine Seite obenauf und die andere erniedrigt sehen, und sie vergessen, dass ein Sieg, den man durch Betrügen oder das Eingreifen der Menge erringt, bedeutungslos ist. Selbst wenn die Zuschauer nicht physisch eingreifen, versuchen sie doch, das Spiel zu beeinflussen, indem sie ihrer eigenen Seite zujubeln und die Spieler der Gegenseite mit Buhrufen und Beleidigungen nervös machen. Seriöser Sport hat nichts mit Fairplay zu tun. Er ist eng verbunden mit Hass, Eifersucht, Prahlerei, Missachtung aller Regeln und mit einem sadistischen Vergnügen, Gewalt mitzuerleben, verknüpft; Mit anderen Worten, er ist ein Krieg ohne das Schießen. […]
Aus: Tribune, 14. Dezember 1945
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Holger Kreitling: Olympia-Eröffnung – „Chinesen inszenieren in einer opulenten Oper“
Mit einem grandiosen Schauspiel sind die Olympischen Spiele eröffnet worden. In diesem herrlichen Stadion, an diesem Glückstag der Chinesen, an dem mindestens 10.000 Paare im Land geheiratet haben, gelingt die ganz große Show, eine Peking-Oper der Superlative. Altes und Neues verbinden sich zu Überwältigungskunst: Laserblitze und Feuerwerk, Schauspiel und Elektronik, Zukunft und Geschichte. Die Masse leuchtet und strahlt. Die Masse ist alles. Vier volle Stunden lang. […]
Die Gigantomanie kennt keine Grenzen
Der rasante Aufbruch des Landes, sein hastender technologischer Fortschritt, der Drang zu wirtschaftlicher Prosperität sind in der Show zu sehen. Sie ist größer, perfekter, prunkender als frühere Feiern. Ambitionen und Fortschritt und die Theorie der ungezügelten Globalisierung lassen sich in die Tänze und Bilder hineininterpretieren. Die Gigantomanie kennt keine Grenzen: Chinesische Erfindungen wie Feuerwerk und Papier werden dargestellt, aus der Darstellung der Seidenstraße erwächst die chinesische Flotte, die die Seefahrernation symbolisiert. Wale sind zu sehen und Wasserfälle. Süße Popmusik erklingt, der Pianist Lang Lang müht sich am Flügel. Asiens heikler Hang zum Kitsch wird gebührend berücksichtigt. Vielleicht hätten die Friedenstaube aus Licht und die vielen Kinderszenen nicht sein müssen.
14.000 Mitwirkende lassen die Jahrhunderte mit Licht und Figuren durchs Stadion purzeln. Dabei müssen auch Opfer gebracht werden: Das 20. Jahrhundert und die maoistische Revolution kommen irgendwie nicht vor. Nur die Soldaten, die im perfekten Stechschritt die chinesische Fahne bringen, erinnern direkt an den Kommunismus. Die mehr als 20.000 im Publikum verteilten Winkleucht-Elemente gemahnen einige im Stadion an kleine Schlagstöcke. Sie werden bunt durch die Luft geschwenkt.






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Holger Kreitling: Olympia-Eröffnung – „Chinesen inszenieren in einer opulenten Oper“
Mit einem grandiosen Schauspiel sind die Olympischen Spiele eröffnet worden. In diesem herrlichen Stadion, an diesem Glückstag der Chinesen, an dem mindestens 10.000 Paare im Land geheiratet haben, gelingt die ganz große Show, eine Peking-Oper der Superlative. Altes und Neues verbinden sich zu Überwältigungskunst: Laserblitze und Feuerwerk, Schauspiel und Elektronik, Zukunft und Geschichte. Die Masse leuchtet und strahlt. Die Masse ist alles. Vier volle Stunden lang. […]
Die Gigantomanie kennt keine Grenzen
Der rasante Aufbruch des Landes, sein hastender technologischer Fortschritt, der Drang zu wirtschaftlicher Prosperität sind in der Show zu sehen. Sie ist größer, perfekter, prunkender als frühere Feiern. Ambitionen und Fortschritt und die Theorie der ungezügelten Globalisierung lassen sich in die Tänze und Bilder hineininterpretieren. Die Gigantomanie kennt keine Grenzen: Chinesische Erfindungen wie Feuerwerk und Papier werden dargestellt, aus der Darstellung der Seidenstraße erwächst die chinesische Flotte, die die Seefahrernation symbolisiert. Wale sind zu sehen und Wasserfälle. Süße Popmusik erklingt, der Pianist Lang Lang müht sich am Flügel. Asiens heikler Hang zum Kitsch wird gebührend berücksichtigt. Vielleicht hätten die Friedenstaube aus Licht und die vielen Kinderszenen nicht sein müssen.
14.000 Mitwirkende lassen die Jahrhunderte mit Licht und Figuren durchs Stadion purzeln. Dabei müssen auch Opfer gebracht werden: Das 20. Jahrhundert und die maoistische Revolution kommen irgendwie nicht vor. Nur die Soldaten, die im perfekten Stechschritt die chinesische Fahne bringen, erinnern direkt an den Kommunismus. Die mehr als 20.000 im Publikum verteilten Winkleucht-Elemente gemahnen einige im Stadion an kleine Schlagstöcke. Sie werden bunt durch die Luft geschwenkt.
Aus: Die Welt, 8.8.2008
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Michael Ashelm: Fußball-WM 2014 in Brasilien – „Der Protest wird explodieren“
Er ist dreißig Jahre alt, studierter Stadtplaner und einer der Organisatoren des sogenannten Volkskomitees WM und Olympia – des Comité Populat. […]
Mehl gehört zu den wichtigsten Stimmen der Protestbewegung. Sie kritisiert das Milliardengeschäft mit dem WM-Turnier, prangert Korruption und Misswirtschaft der Politiker und Funktionäre an. Die Bewegung fordert den Staat, aber auch den Internationalen Fußball-Verband (Fifa) als Veranstalter der WM 2014 so sehr heraus, dass die Politik fürchtet, die WM könne im Chaos enden. […]
Die Aufgabe für das WM-Organisationsbüro der Brasilianer (Loc), welches für die Fifa das Turnier umsetzt, wird dadurch nicht leichter. Diese Woche krachte noch ein Kran auf die Tribüne des Stadions in Sao Paulo und beschädigte Teile der neuen Arena. Zwei Arbeiter kamen ums Leben. Der Zeitplan hängt hinterher. Auch an anderen WM-Orten gibt es Verzögerungen.
Und dann die Proteste. […]
An Rios Vorzeigestrand ist von den ganzen Problemen nichts zu spüren. Die Menschen an der Copacabana genießen das vorsommerliche Wetter, räkeln sich in den Liegestühlen, bräunen sich oder treiben Sport. Aber auch hier ist von einer Vorfreude auf die WM nichts zu spüren. Nur die Straßenhändler preisen ihre billigen Trikotimitate der brasilianischen Nationalelf aufdringlich an.
Im nächsten Juni werden die hohen Fußballfunktionäre der Fifa direkt an der Promenade im Luxushotel Copacabana Palace logieren. Ein mondänes Kolonialgebäude mit langer Geschichte. Dem Protestler Gaffney fällt dazu ein: „Wir befinden uns bei der WM nicht im Jahr 2014, sondern im Jahr 1814. Einziger Unterschied: Die Herrschaften werden nicht auf Sänften herumgetragen, sondern in dunklen Limousinen durch die Stadt chauffiert.“ Und das über speziell freigehaltene Spuren, vorbei am stockenden Verkehr. Das wird bei den Menschen sicher gut ankommen.






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Michael Ashelm: Fußball-WM 2014 in Brasilien – „Der Protest wird explodieren“
Er ist dreißig Jahre alt, studierter Stadtplaner und einer der Organisatoren des sogenannten Volkskomitees WM und Olympia – des Comité Populat. […]
Mehl gehört zu den wichtigsten Stimmen der Protestbewegung. Sie kritisiert das Milliardengeschäft mit dem WM-Turnier, prangert Korruption und Misswirtschaft der Politiker und Funktionäre an. Die Bewegung fordert den Staat, aber auch den Internationalen Fußball-Verband (Fifa) als Veranstalter der WM 2014 so sehr heraus, dass die Politik fürchtet, die WM könne im Chaos enden. […]
Die Aufgabe für das WM-Organisationsbüro der Brasilianer (Loc), welches für die Fifa das Turnier umsetzt, wird dadurch nicht leichter. Diese Woche krachte noch ein Kran auf die Tribüne des Stadions in Sao Paulo und beschädigte Teile der neuen Arena. Zwei Arbeiter kamen ums Leben. Der Zeitplan hängt hinterher. Auch an anderen WM-Orten gibt es Verzögerungen.
Und dann die Proteste. […]
An Rios Vorzeigestrand ist von den ganzen Problemen nichts zu spüren. Die Menschen an der Copacabana genießen das vorsommerliche Wetter, räkeln sich in den Liegestühlen, bräunen sich oder treiben Sport. Aber auch hier ist von einer Vorfreude auf die WM nichts zu spüren. Nur die Straßenhändler preisen ihre billigen Trikotimitate der brasilianischen Nationalelf aufdringlich an.
Im nächsten Juni werden die hohen Fußballfunktionäre der Fifa direkt an der Promenade im Luxushotel Copacabana Palace logieren. Ein mondänes Kolonialgebäude mit langer Geschichte. Dem Protestler Gaffney fällt dazu ein: „Wir befinden uns bei der WM nicht im Jahr 2014, sondern im Jahr 1814. Einziger Unterschied: Die Herrschaften werden nicht auf Sänften herumgetragen, sondern in dunklen Limousinen durch die Stadt chauffiert.“ Und das über speziell freigehaltene Spuren, vorbei am stockenden Verkehr. Das wird bei den Menschen sicher gut ankommen.
Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
#essay
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Die Aufgabe verlangt von dir, dass du einen Essay verfasst. Das heißt, dass du dich mit dem vorgegebenen Thema - Die Macht des Sports - frei und kreativ auseinandersetzen kannst. Im Grunde sind deinem Text kaum Schranken gesetzt: Sowohl die inhaltliche als auch die formale Gestaltung deines Essays richtet sich ganz nach deinen persönlichen Vorlieben und Neigungen.

Beachte nun zunächst: Die vorgegebene Materialsammlung soll dir Denkanstöße liefern, es ist aber keine Pflicht, die Texte und die Abbildung in deine Überlegungen mit einzubauen. Sie bieten dir aber ein breites Panorama an Gedanken und Anregungen rund um das Thema Macht und Sport. Lies dir die Materialien deshalb zunächst gründlich durch und mache dir Notizen zu Abschnitten, die dir für deinen Essay interessant erscheinen.

Jetzt geht es darum, dass du dir für das Thema eine eigene Gedankenwelt erschaffst und dir überlegst, welche Aspekte des Themas du gerne in deinem Essay thematisieren möchtest. Auf Basis deiner Lektüre der Materialsammlung kannst du jetzt deinen Gedanken freien Lauf lassen. Denk dabei an deine persönlichen Erfahrungen und an aktuelle politische Debatten. Am besten machst du dir dafür auf einem einzelnen Blatt Notizen (hier kann es hilfreich sein, wenn du dir z.B. eine Mindmap erstellst), damit du den Überblick behälst. Formuliere zu Beginn - um dich dem Thema zu nähern - einige allgemeine Fragen:

  • Wie definierst du für dich das Spannungsverhältnis zwischen Sport und Macht?
  • Wo findest du aktuelle Beispiele dafür in deinem Umfeld?
  • Welche Schwierigkeiten siehst du bei diesem Umstand?
  • Was bedeutet der Sport für die heutige Gesellschaft?

Wenn du für dich die Themenfelder abgesteckt hast, die du gerne ansprechen möchtest, ordne deine Gedanken kurz. Die literarische Form eines Essays ist ziemlich offen. Du musst hier keine stark analysierende Darstellung des Sachverhalts liefern oder dich streng an einen formalen Aufbau halten. Trotzdem sollten Grundstrukturen wie Einleitung, Hauptteil und Schluss bei deinem Text vorhanden sein. Du hast das Glück, dass du hier frei und assoziativ über ein Thema reflektieren darfst. Deine Kreativität unterliegt keinen formalen Auflagen. Du kannst beispielsweise mit einer Anekdote in deinen Text einsteigen und auch Formen wie Witz oder Ironie mit einbauen. Natürlich musst du trotzdem einen sachlichen (aber eben nicht wissenschaftlichen) Ton wahren.

Weil das Schreiben eines Essays von dir erwartet, dass du deine ganz persönliche (subjektive) Meinung darlegst, gibt es auch kein Richtig oder Falsch. Trau dich also, deine Gedankengänge offen zulegen und selbstbewusst auszuführen.

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Thema:

Die Macht des Sports

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Beachte nun zunächst: Die vorgegebene Materialsammlung soll dir Denkanstöße liefern, es ist aber keine Pflicht, die Texte in deine Überlegungen mit einzubauen. Sie bieten dir aber ein breites Panorama an Gedanken rund um das Thema Macht und Sport. Lies dir die Materialien deshalb zunächst gründlich durch und mache dir Notizen zu Abschnitten, die dir für deinen Essay interessant erscheinen.

Jetzt geht es darum, dass du dir für das Thema eine eigene Gedankenwelt erschaffst und dir überlegst, welche Aspekte des Themas du gerne in deinem Essay thematisieren möchtest. Auf Basis deiner Lektüre der Materialsammlung kannst du jetzt deinen Gedanken freien Lauf lassen. Denk dabei an deine persönlichen Erfahrungen und an aktuelle politische Debatten. Am besten machst du dir dafür auf einem einzelnen Blatt Notizen (hier kann es hilfreich sein, wenn du dir z.B. eine Mindmap erstellst), damit du den Überblick behälst. Formuliere zu Beginn - um dich dem Thema zu nähern - einige allgemeine Fragen:

  • Wie definierst du für dich das Spannungsverhältnis zwischen Sport und Macht?
  • Wo findest du aktuelle Beispiele dafür in deinem Umfeld?
  • Welche Probleme können sich ergeben, wenn Sport mit Macht zusammenhängt?
  • Was bedeutet der Sport für die heutige Gesellschaft?

Wenn du für dich die Themenfelder abgesteckt hast, die du gerne ansprechen möchtest, ordne deine Gedanken kurz. Die literarische Form eines Essays ist ziemlich offen. Du musst hier keine stark analysierende Darstellung des Sachverhalts liefern oder dich streng an einen formalen Aufbau halten. Trotzdem sollten Grundstrukturen wie Einleitung, Hauptteil und Schluss bei deinem Text vorhanden sein. Du hast das Glück, dass du hier frei und assoziativ über ein Thema reflektieren darfst. Deine Kreativität unterliegt keinen formalen Auflagen. Du kannst beispielsweise mit einer Anekdote in deinen Text einsteigen und auch Formen wie Witz und Ironie mit einbauen. Natürlich musst du trotzdem einen sachlichen (aber eben nicht wissenschaftlichen) Ton wahren.

Weil das Schreiben eines Essays von dir erwartet, dass du deine ganz persönliche (subjektive) Meinung darlegst, gibt es auch kein Richtig oder Falsch. Trau dich also, deine Gedankengänge offenzulegen und selbstbewusst auszuführen.

Uns allen sind die Bilder der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, die ja für das deutsche Team rund um Jogi Löw mit dem sensationellen Sieg am 13. Juli 2014 gegen die argentinische Nationalmannschaft zu einem phänomenalen Ende kam, noch lebhaft vor Augen. Der Empfang der deutschen Nationalmannschaft wenige Tage nach dem Sieg am Brandenburger Tor in Berlin erzeugte Bilder, die jubelnde und feiernde Menschenmassen zeigen, die einzig und allein zu der so genannten „Fanmeile“ pilgerten, um live dabei zu sein, wenn die deutschen Nationalspieler mit dem vergoldeten Pokal „nach Hause“ kamen. Das Gefühl, Teil des Erfolgs sein zu wollen, war wohl der größte Antrieb für die tausenden Menschen, die den Weg nach Berlin auf sich nahmen. Der Sieg der einzelnen Spieler, die sich in den weißen Trikots während des Turniers in die Herzen der ganzen Welt kickten, verwandelte sich in diesen Tagen in Deutschland zu einem kollektiven und sozialen Happening. Die öffentliche Anteilnahme am Geschehen in Rio de Janeiro war in dieser Zeit dermaßen groß, dass die ganze Welt ihren Fokus darauf legte. Und schnell ging es eben nicht mehr nur um Sport: Wenn ca. dreißig Profisportler, Trainer und Betreuer drei Wochen lang ein ganzes Land – oder gar die ganze Welt – in Atem halten können, bleibt die Bühne, auf der sie agieren, nicht länger eine bloß sportliche. Zu Helden und Vorbildern einer ganzen Gesellschaft stilisiert, die im fernen Brasilien mit Mut, Disziplin und Entschlossenheit an ihrem finalen Sieg arbeiteten, werden Verhaltensweisen und Äußerungen stets kritisch bewertet und durchleuchtet. Dabei werden die Akteure, die sich vom Prinzip her in einem rein sportlichen Rahmen bewegen, auch zu Botschaftern anderer Bereiche der Gesellschaft. Sie stehen – ob sie wollen oder nicht – im Fokus einer breiten Weltöffentlichkeit. Sie werden automatisch zu ‚mächtigen‘ Personen des öffentlichen Lebens. Und diese Macht gründet nicht mehr allein darauf, wie viele Tore der Stürmer im Turnier geschossen hat, sondern sie leitet sich aus seiner Position ab, mit der die Gesellschaft ihn betraut. Deshalb ist so ein Sportereignis wie die Fußball-Weltmeisterschaft mit all den Botschaften, die dort vermittelt werden, immer mehr als ein sportlicher Wettkampf im herkömmlichen Sinne. Es geht immer auch um die Verbindung von Sport und Macht.

Dass dieses offenbar unauflösliche Verhältnis von Sport und Macht existiert, ließe sich an zahlreichen Beispielen demonstrieren. Dabei weist der Sport ganz viele verschiedene Facetten von Macht auf. Die Fußball-Weltmeisterschaft als sportliches Großereignis zeigt dies in vielerlei Hinsicht. Sie kann daher als Paradebeispiel dienen. Rund um das Turnier in Brasilien konnte man viele Prozesse beobachten, die das Verhältnis von Macht und Sport sichtbar werden ließen. Das eingangs gewählte Beispiel vom Empfang der deutschen Nationalmannschaft durch hunderttausende euphorisierte Fans kann als Einstieg dienen. Was hat also dieses rauschende Fest auf der Berliner Fanmeile mit Macht zu tun? Zunächst muss man sich nur kurz eine kleine Unregelmäßigkeit im Nachgang des Empfang-Festes in Berlin in Erinnerung rufen.

Ein Teil der Fußballer, die sich Mitte Juli in der Bundeshauptstadt für ihren sportlichen Erfolg feiern lassen wollten, wurde – unfreiwillig – zum Politikum. Als harmloser Spaß gedacht, verhöhnten sie in einer Choreographie ihre Gegner aus dem Finale: Der so genannte Gaucho-Song ging, so wie die sportlichen Erfolge, in die Geschichte dieser WM ein. Weil diese „öffentliche Demütigung“, die man nüchtern betrachtet vielleicht eher als dummen Jungenstreich abtun muss, vor einem Millionenpublikum stattfand und nicht im privaten Raum etwa in der Kabine nach dem Spiel, konnte diese unglückliche Aktion politisch aufgeladen werden. Der Aufschrei über die „Respektlosigkeit der arroganten Deutschen“ war groß. Ganz offensichtlich waren sich Jogis Jungs der Macht und dem Einfluss, über den sie im Rampenlicht der Siegesfeier verfügten, nicht bewusst. Sie wurden während des gesamten Wettbewerbs, ohne dass sie dies aktiv betrieben hätten, zu Figuren, die über dermaßen viel Ansehen verfügten, dass ihr Handeln nicht mehr allein im Umfeld des Sport bewertet wurde. Als Angehörige des deutschen Nationalteams wurden sie gleichzeitig zu Vertretern einer Nation - und damit eben zu Repräsentanten einer bestimmten Politik, einem politischen System und so weiter. Durch diese Aufladung - die sich nicht nur allein bei der Weltmeisterschaft in Brasilien beobachten lässt - verfügen Sportler, die eigentlich nur Teil eines sportlichen Wettkampfs sind, plötzlich über Einfluss und Macht in ganz anderen Bereichen.

Gleichzeitig geht es auch oft, und das kann das eingangs angebrachte Beispiel ebenfalls zeigen, um die Macht des Publikums, also um die Macht der Masse . In den letzten Jahren – in Deutschland besonders mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land – ist das Public-Viewing salonfähig geworden. Millionen Menschen verfolgen im Zuge dieser Entwicklung die Fußballspiele nicht mehr allein von zuhause von dem Fernseher aus, sondern es treibt sie raus in die Biergärten und auf öffentliche Plätze in ihrer Stadt. Das Gefühl, zusammen hinter der Mannschaft zu stehen, erzeugt eine Art „kollektive Energie“ (Gumbrecht) und damit das Gefühl, Teil einer großen Sache zu sein. Die Vergemeinschaftungsfunktion, die Sport an dieser Stelle hat, bildet ebenfalls Machtstrukturen aus. Ohne diese machtvolle Unterstützung oder Demonstration der Fans wäre der Sport nicht denkbar. Wer kennt sie nicht, die Macht des zwölften Manns, der sich im Jubeln oder Auspfeifen der Massen im Stadion oder beim öffentlichen Zuschauen zeigt und nicht selten den Spielverlauf beeinflussen kann? In gewissem Sinne ist der reine Wettkampf also abhängig von der großen, unterstützenden Masse. Gleichzeitig definiert sich diese Fangemeinde immer über die Abgrenzung zur gegnerischen Anhängerschaft. Hier haben wir es mit ganz archaischen Machtstrukturen (archaisch = frühzeitlich) zu tun: Es geht immer um Stärke oder Schwäche, Sieg oder Niederlage. Der Schriftsteller George Orwell spricht sogar davon, dass bei den Anhängern der jeweiligen Mannschaft wahre „Kampfinstinkte“ geweckt werden. Dieses Phänomen zeigte sich schon bei Wettkämpfen im alten Rom, bei denen das Publikum in die Spiele mit eingebunden wurde. Die Masse hat also nicht nur die Funktion des distanzierten Zuschauers inne, sondern ist immer auch Teil des sportlichen Spiels. Zwar ist es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien ausgesprochen friedlich zugegangen, aber wir alle kennen trotzdem die Bilder der Ausschreitungen von Fangruppen, die sich vor und nach dem Spiel gewalttätige Straßenschlachten liefern. Machtdemonstrationen im Stadion – beispielsweise in Form von Bengalischem Feuer oder der Massenstürmung des Fußballplatzes – sind auch in deutschen Stadien zu beobachten. Und hier sei noch einmal George Orwell bemüht, der in Bezug auf das Zuschauerverhalten im Sport von einem „sadistischen Vergnügen“ spricht. Neben den Machtbefugnissen, die Profisportler aufgrund ihrer Massenwirksamkeit automatisch besitzen, ist die Macht des Zuschauers ebenfalls Teil des Sports.

In Brasilien hat sich aber auch noch ein drittes Phänomen von Macht im Profifußball gezeigt: Die Macht der Veranstalter und der Politiker, die mit der Weltmeisterschaft Prestige und Ansehen für ihr Land erwarteten. Die Entscheidung, die WM 2014 in Brasilien auszutragen, löste in Südamerika unmittelbar vor Beginn des Wettkampfes großen Widerstand aus. Bei großen Protestdemonstrationen kritisierten viele Brasilianer die Milliardenausgaben, die für den Bau der Stadien und einer funktionierenden Infrastruktur ausgegeben werden sollten und letztlich wurden. Sie forderten, dass das Geld stattdessen für eine Verbesserung des Gesundheitssystems oder für den Ausbau des Bildungswesens ausgegeben werden sollte. Hier wird schnell klar, dass es bei solchen sportlichen Großereignissen um mehr geht als nur um Sport, sie haben auch immer eine gesellschaftliche oder politische Dimension. Die Proteste wurden schließlich sogar durch Solidaritätskampagnen von bekannten brasilianischen Fußballern unterstützt, wie zum Beispiel von Bayern-Star Dante oder dem brasilianischen Superstar Neymar. Beide verließen mit ihrem Engagement sozusagen ihre herkömmliche Sphäre, nämlich den Sport, um sich politisch in der Gesellschaft zu positionieren. Wie viel Macht vom Sport ausgeht, wenn er – wie in Brasilien – ein ganzes Land zu politischen Protestaktionen verleitet, muss nicht mehr erklärt werden. Natürlich muss man sich bezogen auf die Akteure, die Frage stellen, ob die Profifußballer nicht auch in der Pflicht sind, sich gesellschaftlich zu engagieren. Die Machtstrukturen wirken also auch wechselseitig. Wer durch seine Position als Profisportler über so viel Macht verfügt, trägt doch auch eine gewisse Verantwortung, oder?

Wenn man zurück auf die drei Wochen Weltmeisterschaft in Brasilien blickt, dominieren die Eindrücke von feiernden und tanzenden Fans auf der Copacabana und Public-Viewing an traumhaften Stränden. Es war doch ein rauschendes Fußballfest, das das südamerikanische Brasilien uns bereitet hat, oder etwa nicht? Auch hier zeigt sich die Macht des Sports: Er inszeniert sich perfekt selbst und scheut dabei keine Opfer. In gewissem Sinne ist der Sport, hier die Weltmeisterschaft, nichts anderes als Theater (Huizinga). Die Darbietung der Veranstalter verschleierte die sozialen und gesellschaftlichen Missstände im Land. Zwar konnte sich kein Fernsehsender leisten, nicht auch mal hin und wieder die Kamera über die Armenviertel (favelas) schweifen zu lassen, aber es dominierte doch durchweg eine positive Berichterstattung über das Gastgeberland Brasilien. Ähnliches konnte man schon 2008 bei den Olympischen Spielen in China erleben, wo sich das Land mit einer bombastischen Eröffnungsfeier selbst erfand und keinen Zweifel an seiner Rolle als offener und moderner Gastgeber ließ. Das gleiche steht uns – vermutlich in noch nie dagewesenem Ausmaß – noch bevor: 2022 soll die Fußball-Weltmeisterschaft im fernen und unbekannten Katar stattfinden.

Der Ausblick auf die gegenwärtige Debatte um die WM-Vergabe an Katar, die momentan die Medien bestimmt, lässt keinen Zweifel daran, dass vom Sport ein großes Maß an Macht ausgeht. Obwohl die Bedingungen, unter denen die Fußballweltmeisterschaft 2022 stattfinden soll, alles andere als günstig sind, soll das Vorhaben verwirklicht werden. Auch hier geht es wieder um Prestige (für Katar und den Weltfußballverband FIFA), Geld und Politik. Die momentanen Entwicklungen sind so skurril, dass sich die Fußballwelt langsam daran gewöhnen muss, dass die Weltmeisterschaft hierzulande nicht wie gewohnt in der Sommerpause, sondern mitten in der laufenden Saison und noch dazu kurz vor Weihnachten stattfinden wird. Was das für die einzelnen Ligen, den Umsatz von Bars und Kneipen und für andere sportliche Großveranstaltungen, die dann verschoben werden oder ausfallen müssen, bedeutet, ist kaum auszumachen. Und hier zeigt sich schon wieder: Der Sport – mit all seinen Akteuren – ist so mächtig, dass er Regelmäßigkeiten und Gesetze völlig außer Kraft setzen kann. Wenn im Winter 2022 die deutschen Nationalspieler bei unmenschlichen Temperaturen in Katar versuchen, ein erfolgreiches Turnier zu spielen, muss man sich unweigerlich fragen, ob es nicht an der Zeit ist, die Macht der Funktionäre im Sport zu beschneiden, damit unsinnige Projekte wie die WM in Katar nicht mehr von wenigen Mächtigen alleine organisiert werden können.

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