Inhalt
Smarter Learning!
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
BW, Gymnasium (G9)
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 13
Klasse 13
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Digitales Schulbuch
Abitur
VERA 8
Abitur
Prüfung
wechseln
Abitur
VERA 8
Smarter Learning!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!

Aufgabe 5

Aufgaben
Download als Dokument:PDFWord

Analyse und Erörterung nicht fiktionaler Texte

$\blacktriangleright\;$ Schwerpunkt: Erörterung
Rebekka Reinhard: Haltung bewahren




5




10




15




20




25




30




35




40




45




50




55




Bis zu seinem vierzigsten Geburtstag führte Marc Aurel (121-180 n. Chr.) ein ziemlich angenehmes Leben. Der Kaiser, sein Adoptivvater Antoninus Pius (86 -161 n. Chr.), der ihn zum Mitregenten machte, gab ihm Freiräume, das zu tun, was er am liebsten tat: philosophieren. Kaum aber hatte Antoninus Pius' Zögling selbst den Kaiserthron bestiegen, versetzten Parther* und Germanenvölker das Römische Reich in Schrecken. Marc Aurel, der mit Militärischem nichts am Hut hatte, musste ins Feld ziehen. Um inmitten des Waffengetümmels nicht wahnsinnig zu werden, notierte er, so oft es ging, auf einem Wachstäfelchen die Erkenntnisse seiner Lieblingsphilosophen – der Stoiker. In seinen legendären ‚Selbstbetrachtungen‘ ermutigt er sich, angesichts widrigster Umstände gelassen zu bleiben: „Man sollte aufrecht stehen, ohne aufrecht gehalten zu werden.“
Die Probleme und Krisen, mit denen wir uns herumschlagen, sind Gott sei Dank weit weniger lebensgefährlich. Was uns heute Angst macht, sind nicht die Quaden* oder die Markomannen*. Es ist die Unübersichtlichkeit einer globalisierten Welt. Demographischer Wandel, Klimawandel, Wandel der Vermögensverteilung, technologischer Wandel: Wenn sich alles verändert, was bleibt denn dann eigentlich noch? Wenn wir fern von unseren Liebsten sind, die in irgendeiner anderen Stadt, auf irgendeinem anderen Kontinent ihren Geschäften nachgehen – woran können wir uns überhaupt noch festhalten?
An uns selbst. Vorausgesetzt, wir entwickeln eine innere Haltung, einen Ethos, der uns durch alle Veränderungen hindurch trägt. Und zwar durch die Aufmerksamkeit auf den Augenblick, eine von Marc Aurels Lieblingsstrategien. Nach Meinung des Kaiser-Philosophen und aller Stoiker lohnen die meisten Aufregungen nicht, das sie sich immer entweder auf Vergangenes oder Zukünftiges beziehen. Selbst wenn früher alles besser war und morgen alles schrecklich wird: Auf die Vergangenheit haben wir ohnehin keinen Einfluss mehr (sie steht ja schon fest), und die Zukunft können wir noch nicht beeinflussen (sie ist ja noch nicht). Nur die Gegenwart gehört uns, nur über sie können wir – zumindest teilweise – bestimmen. Aber wie lernt man Gegenwärtigsein?
Indem man dem Multitasking ab und zu die kalte Schulter zeigt und sich nur einer einzigen Sache widmet. Dem (Briefe- oder Tagebuch-) Schreiben, dem Lesen, dem Spazierengehen oder dem Zuhören zum Beispiel. Konzentration ist die Essenz des Gegenwärtigseins. Eine Gabe, die es zu pflegen gilt wie ein vom Aussterben bedrohtes Pflänzchen. Besonders in einer Zeit, in der niemand mehr sein Wachstäfelchen durch die Gegend schleppt. Wozu auch? Marc Aurels „tabula“* ist längst dem Tablet-PC gewichen. Aber während das Beschriften eines Wachstäfelchen ungeteilte Aufmerksamkeit erforderte, verführt das Herumwischen auf einem Tablet-PC zu geteilter Unaufmerksamkeit. Wir können das „Touch and Feel“ noch so kompetent beherrschen – wir werden kein einziges App finden, das uns innere Haltung beschert…
“Aufrecht stehen, ohne aufrecht gehalten zu werden“ hieß es für Marc Aurel: Bloß nicht auf irgendwas warten, erst recht nicht auf das Glück. Wer jetzt nicht glücklich ist, ist es (möglicherweise) nie. Er wird sich immer an Erfolgen und Misserfolgen aufreiben, die irgendwann einmal wichtig waren oder sein werden. Wahres Glück kann niemals nur ein vorübergehender Zustand sein. Glück ist immer genau jetzt. Denn es ist eben keine Frage der richtigen Umstände, sondern der geistigen Haltung.
Zu einer solchen Haltung gehört auch, eine Antwort auf die vielleicht grundlegenste aller lebensphilosophischen Frage zu haben: Wofür lebe ich? Oder mit anderen Worten: Was motiviert mich eigentlich, jeden Tag aus dem Bett zu steigen? Unsere ganz persönliche Antwort darauf gleicht einem inneren Kompass, der uns zuverlässiger als sämtliche Navigationssysteme durch die Stürme dieses Lebens führt.
„Wenn du eines Morgens nicht gern aufstehen magst, denke: Ich erwache, um als Mensch zu wirken“, heißt es in den „Selbstbetrachtungen“. In einer Zeit, in der man uns ständig zuruft: „Grenzen hab's gestern – also stellt euch nicht so an, seid perfekt, arbeitet hart, macht so viel wie möglich gleichzeitig und wehe, ihr habt keinen Spaß dabei!“, kostet es natürlich etwas Mühe, den Wert des Nur-Mensch-Seins zu erkennen. Man muss nämlich erst einmal das jeweilige internetfähige Gerät, das einen gerade noch in Aufregung versetzte, weglegen und in einen schweigenden Dialog mit sich selbst treten. Denn nur auf diese Weise kann man herausfinden, was wirklich zählt. Ob es die Familie ist, der Roman, den man schon seit Jahren schreiben will, oder die Schönheit der Natur. Persönlichkeiten wir Marc Aurel inspirieren uns dazu, das Leben nicht ohnmächtig zu erleiden, sondern Haltung zu zeigen, aktive Gestalter unserer Existenz zu werden. Mit dem entsprechenden Wertebewusstsein, mit dem entsprechenden Respekt für die Kostbarkeit jeden Moments.
Worterklärungen:
Z. 5: Parther: Stamm des Perserreichs
Z. 12 f.: Quaden – Markomannen: germanische Stämme
Z. 32: tabula (lat.): Wachstafel




5




10




15




20




25




30




35




40




45




50




55




Bis zu seinem vierzigsten Geburtstag führte Marc Aurel (121-180 n. Chr.) ein ziemlich angenehmes Leben. Der Kaiser, sein Adoptivvater Antoninus Pius (86 -161 n. Chr.), der ihn zum Mitregenten machte, gab ihm Freiräume, das zu tun, was er am liebsten tat: philosophieren. Kaum aber hatte Antoninus Pius' Zögling selbst den Kaiserthron bestiegen, versetzten Parther* und Germanenvölker das Römische Reich in Schrecken. Marc Aurel, der mit Militärischem nichts am Hut hatte, musste ins Feld ziehen. Um inmitten des Waffengetümmels nicht wahnsinnig zu werden, notierte er, so oft es ging, auf einem Wachstäfelchen die Erkenntnisse seiner Lieblingsphilosophen – der Stoiker. In seinen legendären ‚Selbstbetrachtungen‘ ermutigt er sich, angesichts widrigster Umstände gelassen zu bleiben: „Man sollte aufrecht stehen, ohne aufrecht gehalten zu werden.“
Die Probleme und Krisen, mit denen wir uns herumschlagen, sind Gott sei Dank weit weniger lebensgefährlich. Was uns heute Angst macht, sind nicht die Quaden* oder die Markomannen*. Es ist die Unübersichtlichkeit einer globalisierten Welt. Demographischer Wandel, Klimawandel, Wandel der Vermögensverteilung, technologischer Wandel: Wenn sich alles verändert, was bleibt denn dann eigentlich noch? Wenn wir fern von unseren Liebsten sind, die in irgendeiner anderen Stadt, auf irgendeinem anderen Kontinent ihren Geschäften nachgehen – woran können wir uns überhaupt noch festhalten?
An uns selbst. Vorausgesetzt, wir entwickeln eine innere Haltung, einen Ethos, der uns durch alle Veränderungen hindurch trägt. Und zwar durch die Aufmerksamkeit auf den Augenblick, eine von Marc Aurels Lieblingsstrategien. Nach Meinung des Kaiser-Philosophen und aller Stoiker lohnen die meisten Aufregungen nicht, das sie sich immer entweder auf Vergangenes oder Zukünftiges beziehen. Selbst wenn früher alles besser war und morgen alles schrecklich wird: Auf die Vergangenheit haben wir ohnehin keinen Einfluss mehr (sie steht ja schon fest), und die Zukunft können wir noch nicht beeinflussen (sie ist ja noch nicht). Nur die Gegenwart gehört uns, nur über sie können wir – zumindest teilweise – bestimmen. Aber wie lernt man Gegenwärtigsein?
Indem man dem Multitasking ab und zu die kalte Schulter zeigt und sich nur einer einzigen Sache widmet. Dem (Briefe- oder Tagebuch-) Schreiben, dem Lesen, dem Spazierengehen oder dem Zuhören zum Beispiel. Konzentration ist die Essenz des Gegenwärtigseins. Eine Gabe, die es zu pflegen gilt wie ein vom Aussterben bedrohtes Pflänzchen. Besonders in einer Zeit, in der niemand mehr sein Wachstäfelchen durch die Gegend schleppt. Wozu auch? Marc Aurels „tabula“* ist längst dem Tablet-PC gewichen. Aber während das Beschriften eines Wachstäfelchen ungeteilte Aufmerksamkeit erforderte, verführt das Herumwischen auf einem Tablet-PC zu geteilter Unaufmerksamkeit. Wir können das „Touch and Feel“ noch so kompetent beherrschen – wir werden kein einziges App finden, das uns innere Haltung beschert…
“Aufrecht stehen, ohne aufrecht gehalten zu werden“ hieß es für Marc Aurel: Bloß nicht auf irgendwas warten, erst recht nicht auf das Glück. Wer jetzt nicht glücklich ist, ist es (möglicherweise) nie. Er wird sich immer an Erfolgen und Misserfolgen aufreiben, die irgendwann einmal wichtig waren oder sein werden. Wahres Glück kann niemals nur ein vorübergehender Zustand sein. Glück ist immer genau jetzt. Denn es ist eben keine Frage der richtigen Umstände, sondern der geistigen Haltung.
Zu einer solchen Haltung gehört auch, eine Antwort auf die vielleicht grundlegenste aller lebensphilosophischen Frage zu haben: Wofür lebe ich? Oder mit anderen Worten: Was motiviert mich eigentlich, jeden Tag aus dem Bett zu steigen? Unsere ganz persönliche Antwort darauf gleicht einem inneren Kompass, der uns zuverlässiger als sämtliche Navigationssysteme durch die Stürme dieses Lebens führt.
„Wenn du eines Morgens nicht gern aufstehen magst, denke: Ich erwache, um als Mensch zu wirken“, heißt es in den „Selbstbetrachtungen“. In einer Zeit, in der man uns ständig zuruft: „Grenzen hab's gestern – also stellt euch nicht so an, seid perfekt, arbeitet hart, macht so viel wie möglich gleichzeitig und wehe, ihr habt keinen Spaß dabei!“, kostet es natürlich etwas Mühe, den Wert des Nur-Mensch-Seins zu erkennen. Man muss nämlich erst einmal das jeweilige internetfähige Gerät, das einen gerade noch in Aufregung versetzte, weglegen und in einen schweigenden Dialog mit sich selbst treten. Denn nur auf diese Weise kann man herausfinden, was wirklich zählt. Ob es die Familie ist, der Roman, den man schon seit Jahren schreiben will, oder die Schönheit der Natur. Persönlichkeiten wir Marc Aurel inspirieren uns dazu, das Leben nicht ohnmächtig zu erleiden, sondern Haltung zu zeigen, aktive Gestalter unserer Existenz zu werden. Mit dem entsprechenden Wertebewusstsein, mit dem entsprechenden Respekt für die Kostbarkeit jeden Moments.
Worterklärungen:
Z. 5: Parther: Stamm des Perserreichs
Z. 12 f.: Quaden – Markomannen: germanische Stämme
Z. 32: tabula (lat.): Wachstafel
Aus: Süddeutsche Zeitung – Beilage ‚Wohlfühlen‘ Nr. 4/ November 2012. S. 6 f.
(bearbeitet)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Arbeite die Kernaussagen des Textes heraus.
  • Setze dich mit den Ausführungen der Verfasserin auseinander.
Bitte beachte, dass der Schwerpunkt der Gewichtung auf der zweiten Teilaufgabe liegt.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Tipps
Download als Dokument:PDF

Teilaufgabe A

$\blacktriangleright$  Die Kernaussagen des Textes herausarbeiten

In diesem ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Artikel von Rebekka Reinhard verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation von Rebekka Reinhard aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Kernthesen konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Argumente und Belege farbig markierst. Worauf du besonders achten solltest ist, dass dein Sprachstil sachlich und distanziert bleibt. Erst im zweiten Aufgabenteil ist deine eigene Meinung gefragt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander. Achte bei diesem Teil der Aufgabe darauf, die Gedanken von Rebekka Reinhard im Konjunktiv wiederzugeben. Gehe nun also wie folgt vor:

    1. Lies den Text mehrmals aufmerksam durch, markiere wichtige Begriffe und mache Thesen und Argumente des Autors kenntlich.
    2. Überlege dir kurz eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten) vor.
    3. Schreibe deinen Text kurz und prägnant. Fasse dabei einfach die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Gehe dabei auch kurz auf den Schreibstil ein. Vergiss dabei nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe zu versehen.

Der Schwerpunkt der gesamten Aufgabe liegt bei der zweiten Teilaufgabe. Das heißt für dich: Fasse dich kurz und gestalte deine Ausführungen präzise. Wenn du dich noch unsicher fühlst, schau ruhig noch einmal in unserem Skript Methodik: Erörterung: Textgebundene Erörterung nach, wie du die Aufgabe am besten erledigst.

Teilaufgabe B

$\blacktriangleright$  Dich mit Reinhards Ausführung auseinandersetzen

Jetzt sollst du dich mit Rebekka Reinhards Ausführungen auseinandersetzen, d.h. du sollst den Text erörtern. Gemeint ist damit, dass du dich auf Basis deines Textverständnisses (Teilaufgabe A) kritisch mit den Gedankengängen auseinandersetzen sollst. Dazu musst du ihre dargelegten Thesen und Argumente kritisch durchleuchten. Überprüfe also, ob Reinhards Ausführungen schlüssig und sinnvoll sind. Folgende Fragestellungen können dir dabei helfen:

  • Sind Reinhards Argumente nachvollziehbar und stichhaltig? Wo siehst du strittige oder anfechtbare Punkte? Erscheint dir der Aufbau des Artikels schlüssig?
  • Kannst du persönlich den Ansichten Reinhards zustimmen? Oder lehnst du sie eher ab? Fallen dir eigene Argumente ein, die Reinhards Thesen untermauern oder widerlegen können?
  • Es geht jetzt also darum, dass du eine eigene Position beziehst und diese darlegst. Du bist völlig frei in der Ausgestaltung deiner eigenen Meinung, du musst diese nur argumentativ untermauern. Dafür kann es hilfreich sein, wenn du auf einem Blatt Papier Pro- und Contraargumente sammelst und sie sinnvoll anordnest. Dann kannst du sofort loslegen! Wichtig ist hier, dass du - obwohl du nun kommentieren und bewerten sollst - einen sachlichen Schreibstil beibehältst.

    Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
    Jetzt freischalten
    Infos zu SchulLV PLUS
    Ich habe bereits einen Zugang
    Zugangscode einlösen
    Login
    Lösungen
    Download als Dokument:PDF

    Thema:

    Rebekka Reinhard: Haltung bewahren. In: Süddeutsche Zeitung - Beilage Wohlfühlen, November 2012, S.6 f. (bearbeitet).

    Teilaufgabe A

    $\blacktriangleright$  Die Kernaussagen des Textes herausarbeiten

    Tipp

    In diesem ersten Teil der Aufgabe geht es darum, zu zeigen, dass du den Artikel von Rebekka Reinhard verstanden hast. Nachdem du dir den Text mehrmals durchgelesen hast, solltest du also in der Lage sein, den Sachverhalt in eigenen Worten wiederzugeben und die Argumentation von Rebekka Reinhard aufzuzeigen. Damit du dich hierbei auf die wesentlichen Kernthesen konzentrierst, ist es am besten, wenn du während des Lesens die wichtigsten Argumente und Belege farbig markierst. Worauf du besonders achten solltest ist, dass dein Sprachstil sachlich und distanziert bleibt. Erst im zweiten Aufgabenteil ist deine eigene Meinung gefragt. Vermeide außerdem unbedingt eine bloße Inhaltsangabe des Textes und setze dich auch mit der stilistischen Gestaltung (Sprache, Stilmittel etc.) auseinander. Achte bei diesem Teil der Aufgabe darauf, die Gedanken von Rebekka Reinhard im Konjunktiv wiederzugeben. Gehe nun also wie folgt vor:

      1. Lies den Text mehrmals aufmerksam durch, markiere wichtige Begriffe und mache Thesen und Argumente des Autors kenntlich.
      2. Überlege dir kurz eine Struktur für deinen Text. Am besten gehst du chronologisch vor (d.h. du folgst dem Text der Reihe nach von oben nach unten).
      3. Schreibe deinen Text kurz und prägnant. Fasse dabei die wichtigsten Aussagen zusammen, stelle Thesen und Argumente vor. Wichtig ist, dass du nicht nur eine reine Textzusammenfassung verfasst, sondern auch kurz auf den Schreibstil des Autors eingehst. Wichtig: Vergiss nicht, wichtige Textstellen als Zitat in deinen Text einzubauen und diese mit einer Zeilenangabe (z.B.: Z. 16; bei direkten Zitaten) oder einer vergleichenden Zeilenangabe (vgl. Z. 21; bei indirekten Zitaten) zu versehen.

    Der Schwerpunkt der gesamten Aufgabe liegt bei der zweiten Teilaufgabe. Das heißt für dich: Fasse dich kurz und gestalte deine Ausführungen präzise. Wenn du dich noch unsicher fühlst, schau ruhig noch einmal in unserem Skript Methodik: Erörterung: Textgebundene Erörterung nach, wie du die Aufgabe am besten erledigst.

    Rebekka Reinhard setzt sich in ihrem Artikel Haltung bewahren, der aus der Beilage Wohlfühlen der Süddeutschen Zeitung stammt, mit den Problemen des Menschen in der modernen Welt auseinander. Sie fragt sich ganz allgemein, wie die Menschen inmitten der unüberschaubaren globalisierten Welt, in der sich ständig alles wandelt, überhaupt zurecht kommen sollen und wo es noch so etwas wie Halt und Stabilität geben kann. Die Antwort auf diese Frage liegt, laut Rebekka Reinhard, beim Menschen und seiner ihm innewohnenden Einstellung selbst. Die Verfasserin nennt kurz die zentralen Problemfelder, die mit der „Unübersichtlichkeit einer globalisierten Welt“ (Z. 14) einhergehen, bevor sie dann verschiedene Strategien beschreibt, mit denen es gelingen kann, eine stetige „innere Haltung“ (Z. 20) zu entwickeln.

    Zu Beginn ihres Artikels vergleicht Rebekka Reinhard die Situation des Menschen in der heutigen Welt, die einem ständigen Wandel unterlegen ist, mit derjenigen Marc Aurels. So wie der antike römische Kasier und Philosoph einst die Gedanken seiner Lieblingsphilosophen aufschrieb, um „nicht wahnsinnig zu werden“(Z.7), benötige auch der moderne Mensch eine Strategie, mit der er sich im Leben behaupten könne. Reinhard schlägt mit dieser Darstellung zu Beginn ihres Artikels eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart. Sie zieht eine Parallele zwischen der Welt Marc Aurels, der, obwohl es nicht seiner Natur entsprach, schließlich in den Krieg ziehen musste und sich dann „ inmitten des Waffengetümmels“ (Z. 7) behaupten musste und dem Menschen des 21. Jahrhunderts, dessen Welt voller Schwierigkeiten und Krisen sei. Hier nennt sie beispielsweise moderne Phänomene wie „Klimawandel“(Z. 15) oder „technologischer Wandel“ (Z. 15-16). Diese Gegenüberstellung zwischen der Welt des antiken Marc Aurels und des heutigen modernen Menschen des 21. Jahrhunderts zieht sich dabei wie ein roter Faden durch ihren Text. Allerdings hält Reinhard dabei die modernen Krisen für „weit weniger gefährlich“ (Z. 13) als die der Vergangenheit. Die Verfasserin beendet diese Hinführung zum Thema mit rethorischen Fragen (Z. 16-19), die den Leser anregen sollen, sich selbst in der Problematik zu verorten. Ihr zentrales Anliegen mündet in der Fragestellung, ob der Mensch in der heutigen Zeit überhaupt noch so etwas wie Konstanz oder Regelmäßigkeit in seinem eigenen Leben finden kann, wenn sich um ihn herum doch alles laufend verändert.

    Im Anschluss daran bringt Rebekka Reinhard ihre zentrale These vor. Sie behauptet, dass der Mensch selbst es sei, der durch eine „innere Haltung, einen Ethos“ (Z. 20) dem Chaos in der Welt trotzen könne. Ihrer Meinung nach könne man durch eine Konzentration auf das Hier und Jetzt zu einer Art inneren Ruhe und Gelassenheit gelangen, mit der man das Leben in all seiner Komplexität besser meistern und genießen könne. Mit der Methode, die „Aufmerksamkeit auf den Augenblick“ (Z. 21-22) zu lenken und nicht zu sehr über das Gestern oder Morgen nachzudenken, mache man sich das Leben – so Reinhard – deutlich einfacher, als zu sehr an die Sorgen und Probleme zu denken, die sich ergeben könnten. Sie begründet diese Haltung mit der Feststellung, dass man sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Zukunft keinen Einfluss habe und jedes Grübeln, Zweifeln und Nachdenken über etwaige Möglichkeiten demnach unsinnig seien. Abschließend fragt Reinhard dann weiter, mit welchen Strategien es möglich sei, sich das „Gegenwärtigsein“ (Z. 29) beizubringen und danach zu handeln.

    Im Folgenden führt Rebekka Reinhard dann zwei Lösungsvorschläge an, mit denen dem modernen Menschen diese Fokussierung auf die Gegenwart gelingen könne, die ja in den Augen der Verfasserin unabdingbar ist, um das Leben in der heutigen Welt zu meistern. Hierfür wählt sie eine Sprache, die eine breite Leserschaft verstehen kann und bemüht sich immer um einen Bezug zur Alltagswelt, damit ihre Argumente plausibel bleiben. Zuerst plädiert sie dafür, sich im Alltagsleben auch einmal nur auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, statt – wie es heute so üblich sei – seine Fühler immer nach allen Seiten hin auszustrecken. Sie fordert, dem allgegenwärtigen „Multitasking“ (Z. 30) abzuschwören und sich stattdessen vermehrt auf eine Sache zu fokussieren. Hier nimmt sie besonders auf den Umgang mit modernen Technologien Bezug: Sie kritisiert, dass „das Herumwischen auf einem Tablet-PC“ (Z. 37) zu „geteilter Unaufmerksamkeit“ (Z. 38) führe und damit verhindere, dass es überhaupt möglich sei, sich langfristig mit einer Sache zu beschäftigen. Sie spricht sich dafür aus, sich von einer ablenkenden Technik nicht vereinnahmen zu lassen. Sie führt an, dass es bei der Vielzahl an existierenden Apps keine einzige gäbe, die dem Menschen helfen könne, zu innerer Ruhe und Konzentration zu gelangen. Im Zuge ihres zweiten Lösungsansatzes kommt Reinhard auf das Thema Glück zu sprechen. Hier ist es ihr besonders wichtig zu betonen, dass auch das Glück als ein gegenwärtiger Zustand zu begreifen sei und nicht als ein Ideal, das sich zu irgendeinem – noch nicht definierbaren Zeitpunkt – einstelle. Für sie stellt Glück einen Teil einer „geistigen Haltung“ (Z. 46) dar. Eng verbunden mit ihrem Plädoyer, nicht auf das Glück zu warten, sondern es im jetzigen Augenblick zu erkennen, sind für Reinhard auch diejenigen Fragen, die die Menschheit schon seit Anbeginn der Zeit beschäftigen. Hier fordert sie ihre Leser auf, persönliche und individuelle Antworten auf die Frage nach dem ‚Warum‘ des Lebens zu finden. Nur wenn man sich selbst im Klaren darüber ist, welche Triebfedern hinter dem eigenen Tun und Machen stünden, sei es möglich, sich unbeschädigt und stark durch „die Stürme dieses Lebens“ (Z. 51) zu bewegen.

    Abschließend kommt Rebekka Reinhard zu einer Zusammenfassung ihrer bisher dargelegten Überlegungen. Sie kritisiert die Normen und Werte der modernen Gesellschaft, in der es stets nur darum ginge, makellos, erfolgreich und schnell zu sein und gleichzeitig darum, alle Möglichkeiten, die das Leben biete, vollends auszuschöpfen. Statt sich dem Strom der Zeit anzuschließen und nur hochgesteckten Zielen hinterher zu laufen, solle man vielmehr in einen „Dialog“ mit sich selbst treten. Um herauszufinden, was für jeden tatsächlich persönlich wichtig ist und zählt – im Gegensatz zu dem, was die Gesellschaft einem vorgibt – müsse man in sich hinein horchen und alle Energie und Konzentration von den äußeren Einflüssen auf sich selbst lenken. Man solle – so Reinhard – all die Schwierigkeiten und Probleme im alltäglichen Leben nicht still ertragen, sondern könne durch die beschriebenen Strategien zu einem Zustand des ‚Wohlfühlens‘ (so heißt ja auch die Beilage, in der Reinhards Artikel erschien) gelangen. Marc Aurel und seine Selbstbeschreibungen dienen der Autorin hier als Quelle der Inspiration. Am Ende ihres Textes nimmt sie noch einmal Bezug auf den antiken römischen Kaiser. Schon er habe demonstriert, dass es auf eine Fokussierung aufs Wesentliche ankomme, um sich in der schnelllebigen Welt zu behaupten. Zuallerletzt appelliert Reinhard noch einmal an den „Respekt für die Kostbarkeit jeden Moments“ (Z.65).


    Teilaufgabe B

    $\blacktriangleright$  Dich mit Reinhards Ausführung auseinandersetzen

    Tipp

    Jetzt sollst du dich mit Rebekka Reinhards Ausführungen auseinandersetzen, d.h. du sollst den Text erörtern. Gemeint ist damit, dass du dich auf Basis deines Textverständnisses (Teilaufgabe A) kritisch mit den Gedankengängen auseinandersetzen sollst. Dazu musst du ihre dargelegten Thesen und Argumente kritisch durchleuchten. Überprüfe also, ob Reinhards Ausführungen schlüssig und sinnvoll sind. Folgende Fragestellungen können dir dabei helfen:

  • Sind Reinhards Argumente nachvollziehbar und stichhaltig? Wo siehst du strittige oder anfechtbare Punkte? Erscheint dir der Aufbau des Artikels schlüssig?
  • Kannst du persönlich den Ansichten Reinhards zustimmen? Oder lehnst du sie eher ab? Fallen dir eigene Argumente ein, die Reinhards Thesen untermauern oder widerlegen können?
  • Es geht jetzt also darum, dass du eine eigene Position beziehst und diese darlegst. Du bist völlig frei in der Ausgestaltung deiner eigenen Meinung, du musst diese nur argumentativ untermauern. Dafür kann es hilfreich sein, wenn du auf einem Blatt Papier Pro- und Contraargumente sammelst und sie sinnvoll anordnest. Dann kannst du sofort loslegen! Wichtig ist hier, dass du – obwohl du nun kommentieren und bewerten sollst – einen sachlichen Schreibstil beibehältst.

    Rebekka Reinhard problematisiert mit ihrem Artikel Haltung bewahren, wie die Veränderungen in der heutigen Zeit dem modernen Menschen zu schaffen machen. Sie fragt sich, mit welcher Strategie er durch diese als krisenhafte Zeit beschriebene Epoche kommt. Dabei bewertet sie Wandel in der globalisierten Welt durchweg negativ und verkennt dabei die positiven Auswirkungen moderner Veränderungsprozesse. Hier sei nur daran erinnert, wie beispielsweise die Fortschritte in der Medizin die Lebensqualität und Lebenserwartung der Menschen verbessert haben. Reinhard geht es darum, den Menschen in der modernen, von Geschwindigkeit geprägten Welt zu verorten und stellt die Schwierigkeiten in den Vordergrund. Dabei legt sie ihren Fokus eindimensional auf die „Probleme und Krisen“ (Z. 12), die aus dieser Beschleunigung der Welt für den Menschen resultieren. Die Veränderungen, die sich daraus ergeben, beschreibt Reinhard durchweg als Krisenphänomene. So gibt sie vor, demographischer Wandel, Klimawandel, Wandel bezüglich der Vermögensverteilung sowie technologischer Wandel (Z. 15-16) seien diejenigen Phänomene unserer Zeit, die „Angst“ (Z. 13) machen. In vielen Fällen ist dieser Zugang Reinhards zu den Tendenzen unserer globalisierten Welt durchaus nachzuvollziehen. Klimawandel, demographischer Wandel etc. sind diejenigen Phänomene, die unser Leben bestimmen und die – ganz allgemein – Ängste in den Gesellschaften schüren. Dass sich daneben auch eine Reihe positiver Veränderungsprozesse in der heutigen Welt erkennen lassen, erwähnt Reinhard nicht. Dies ist aber mit Blick auf ihr Thema, nämlich die negativen Auswirkungen unserer globalisierten Welt auf den Menschen, auch nicht unbedingt notwendig. Der technologische Wandel, der in Reinhards späterer Argumentation einen gewichtigen Stellenwert einnimmt, muss – meiner Meinung nach – jedoch differenzierter bewertet werden. Der technologische Fortschritt bringt nicht nur Schlechtes mit sich , sondern verändert die Welt auch im positiven. In vielen Bereichen erleichtern die wissenschaftlichen Fortschritte im Bereich der Technik das Geschäfts- und auch Alltagsleben enorm. Vormals komplizierte Prozesse können oftmals viel einfacher und schneller durchgeführt werden.

    Als Einstieg wählt Reinhard – wie bereits oben erwähnt – den Vergleich zwischen der Situation des antiken Staatsmanns Marc Aurel und derjenigen des Menschen im 21. Jahrhundert. Als Zugriff ins Thema ist diese Parallele gut gewählt. Sie demonstriert, dass wir es bei der Frage nach dem persönlichen Umgang eines jeden Individuums mit breit gefächerten Problemfeldern mit den existentiellen Grundfragen des Lebens zu tun haben. Es ist also kein neues Phänomen, das Reinhard hier beschreibt, sondern gehört seit jeher zu den zentralen Anliegen der Menschheit. Als Einführung ist diese Erinnerung daran also sinnvoll. Allerdings greift sie mit Blick auf die spätere Entfaltung des Themas zu kurz. Natürlich kann man die Welt eines Marc Aurels nicht mit der heutigen vergleichen. Die Probleme von einst sind ganz anderer Natur als die heutigen. Außerdem stellt sich generell die Frage, inwieweit man die komplexe Welt des 21. Jahrhunderts mit der damaligen vergleichen kann. Nicht immer macht es Sinn, heutige moderne Phänomene mit dem Verweis auf antike Vorbilder zu erklären. So beschreibt Reinhard ja zu Beginn ihres Textes selbst, dass unsere heutigen Ängste andere sind, als die der alten Römer, die sich besonders vor Krieg fürchteten.

    Besonders kritisch muss man gleich zu Beginn des Artikels Reinhards Schlussfolgerung aus der Auflistung der Krisenphänomene sehen. Zwar ist es grundsätzlich richtig, dass diese genannten Problemfelder unsere moderne Welt charakterisieren, allerdings argumentiert Reinhard hier einseitig. Sie behauptet, die Veränderungen führen dazu, dass dem Menschen der Halt entrissen würde und er sich in der weiten Welt verliere. Diese Annahme ist aber nicht schlüssig, denn nicht immer bringen die beschriebenen Wandlungsprozesse nur Nachteile mit sich. Reinhard bringt hier ein Beispiel an, mit dem sie zeigen will, wie Transformationsprozesse negativ auf den Menschen einwirken. Sie schreibt, dass die Beschleunigung der Welt die Menschen dazu brächte, räumlich immer flexibel zu sein. Sie bezieht sich an dieser Stelle besonders darauf, dass private Bindungen oftmals an verschiedenen Orten stattfänden. Dieser Umstand ist mit Sicherheit richtig. Durch eine neuartige globale Vernetzung pendeln viele Menschen zwischen verschiedenen Orten, sie schaffen sich separate Umgebungen zum Arbeiten und für das Privatleben. Das muss aber nicht zwangsläufig negativ sein. Vielmehr ergibt sich durch diese Öffnung eine bisher noch nie dagewesene Möglichkeit, den persönlichen Horizont über die Stadt- bzw. Landesgrenzen hinaus zu erweitern und sich in anderen Umgebungen zu verwirklichen. Das ausgesprochen hohe Maß an Mobilität, das unsere heutige Gesellschaft kennzeichnet, ist daher nicht einseitig als Fluch zu bewerten, sondern ist ebenso Segen. Und an dieser Stelle greift Reinhards Argumentation zu kurz: Verteufelt sie doch anfangs den technologischen Fortschritt und stellt ihn als eine Belastung für den Menschen dar, so ermöglicht dieser doch eigentlich, räumliche Distanzen spielend einfach zu überbrücken. So muss man es doch gerade positiv bewerten, dass die neuen Technologien es möglich machen, dass man sich schnell und einfach ein weites Netzwerk aufbauen kann und die Kommunikation nicht mehr begrenzt ist. Entgegen Reinhards Argumentation sorgt die Weiterentwicklung moderner Technologien also in vielen Bereichen dafür, dass Menschen Halt finden, obwohl sie weltweit unterwegs und nicht immer nur an einen Ort gebunden sind. Das Kontakthalten zu Menschen, die nicht im persönlichen Umfeld leben, ist so viel einfacher und fördert mitunter soziale Kompetenzen durch den regelmäßigen Austausch beispielsweise auf sozialen Netzwerken oder per Skype. Die Veränderungen in dem Bereich moderner Technologien kann also auch dazu beitragen, dass die Welt näher und damit überschaubarer wird.

    Die Grundannahme, von der Reinhard in ihrem Artikel ausgeht, muss also kritisch beleuchtet werden. Es geht ihr darüber hinaus aber vielmehr darum, zu zeigen, wie man sich in einer Welt voller Veränderungen nicht verliert. Der Schlüssel dazu ist laut Reinhard die Konzentration auf das Gegenwärtige, die es möglich macht, trotz des rasanten Wandels in der Welt zu Ruhe und Gelassenheit zu gelangen. Sie appelliert also zunächst daran, sich vermehrt auf die Gegenwart zu konzentrieren, statt sich von bereits Zurückliegendem oder Anstehendem negativ beeinflussen zu lassen. Auf den ersten Blick kann man Reinhard hier zustimmen. Allerdings muss man sich fragen, ob es nicht auch positive Auswirkungen mit sich bringen kann, wenn man den Blick weitet und sich von Erfahrungen aus der Vergangenheit oder Plänen für die Zukunft leiten lässt. Es kann sehr sinnvoll sein, aus Fehlern oder Erfolgen, die man in der Vergangenheit gemacht hat, zu lernen, weil man sich so weiterentwickelt. Genauso ist es wichtig, dass man sich Ziele für die Zukunft setzt. Egal ob im Beruf oder privat: Es ist wichtig, dass man für sich persönlich Pläne entwickelt, für die es sich lohnt, in der Gegenwart zu leben. Gute Vorsätze und Wünsche sind oftmals der Motor und Ansporn für das Handeln im Hier und Jetzt. Reinhards Ansicht, dass man sich mit allen Gedanken besser auf die Gegenwart statt auf Vergangenheit und Zukunft konzentrieren soll, halte ich daher für nicht sinnvoll, weil man ganz leicht die Perspektive verlieren kann. Auch hier stellt für Reinahrd die moderne Technik – hier nennt sie den Tablet PC (Z. 37) – die Wurzel allen Übels dar. Die ständige Benutzung von PCs mit all den vielschichtigen Möglichkeiten verhindere laut Reinhard, dass man sich angemessen auf eine Sache konzentrieren kann. Sie schlägt daher vor, sich eher auf ‚herkömmliche‘ Dinge zu fokussieren, mit denen man sich die Freizeit vertreiben kann. Auch hier halte in Reinhards Zugriff für unausgewogen. Es ist wenig sinnvoll, die moderne Lebens- und Arbeitsweise mit Tablets etc. zu verteufeln. Es muss darum gehen, die Prioritäten richtig zu setzen. Die neuen Technologien können nicht komplett aus dem alltäglichen Leben verschwinden. „Spazierengehen“ (Z.32), „Schreiben“ (Z. 31) oder „Lesen“ (Z. 31) sind wichtige Tätigkeiten zur Freizeitgestaltung, können aber genauso sinnvoll sein wie beispielsweise Lernprogramme auf dem PC. Statt wie Reinhard radikal gegen die Nutzung von Apps etc. zu wettern, muss es vielmehr darum gehen, ein Gleichgewicht herzustellen. Auch hier gilt wie bereits oben ausgeführt bezüglich der Veränderungsprozesse im 21. Jahrhundert: Nicht alle modernen Phänomene sind nur negativ oder nur positiv zu bewerten. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Und das gilt für die technologischen Veränderungen genauso wie für alle anderen modernen Phänomene, die Reinhard zu Beginn ihres Textes anspricht.

    Für die Autorin ist die Konzentration auf das „Gegenwärtigsein“ (Z. 29) die zentrale Methode, mit der man in der schnelllebigen Welt von heute ‚überleben‘ kann. Diese Fokussierung auf das Wesentliche kann aber in meinen Augen nicht allein dadurch erlangt werden, dass man der modernen Technik abschwört, sondern man muss lernen, mit den Fortschritten zurecht zu kommen und ihre Nutzung sinnvoll in den Alltag zu integrieren. Zwar stimme ich Reinhard nicht zu, wenn sie einen Großteil der Schwierigkeiten der globalisierten Welt auf die voranschreitende Digitalisierung schiebt, ihre anschließenden Ausführungen zum Glück erscheinen mir aber sinnvoll. Gemäß dem Motto ‚jeder ist seines eigenen Glückes Schmied‘ plädiere auch ich dafür, dass jeder sein Glück in die Hand nimmt und nicht darauf wartet, dass es irgendwann an seine Tür klopft. An dieser Stelle listet Reinhard einige wesentliche Fragen des Lebens mit dem Appell auf, diese jeden Tag neu für sich zu beantworten. Die Fragestellung „Wofür lebe ich?“ (Z. 48) halte ich dabei für besonders wichtig. Wie bereits ausgeführt, bin auch ich der Meinung, dass man stets für sich selbst definieren muss, warum es sich zu leben lohnt. Zu dieser „Haltung‘ (Z. 47) gelangt man aber meiner Ansicht nach ganz unabhängig davon, ob man sich täglich mit Pcs etc. umgibt oder darauf verzichtet.

    Im letzten Abschnitt ihres Artikels geht Reinhard zusammenfassend auf das ein, was bereits unterschwellig im gesamten Text mitschwingt, nämlich auf die Wertvorstellungen der heutigen Gesellschaft. Ihre Kritik an der angeblich von der Gesellschaft geforderten Schnelllebigkeit und Hektik in allen Lebensbereichen kommt hier noch einmal vollends zum Tragen. Die Autorin demonstriert wiederholt, dass sie sich ausschließlich auf die negativen Nebenerscheinungen des Wandels bezieht. So bewertet sie die grenzenlosen Möglichkeiten, die das Leben für uns bereit hält, als Druck und nicht als Chance, die uns die Moderne bereit hält. Meiner Meinung nach ist ihre skeptische Sicht auf die heutige Gesellschaft zu unausgewogen.

    Insgesamt ist Reinhards Sprache eher zurückhaltend. Obwohl sie die heutige Gesellschaft kritisiert, vermeidet sie polemische Äußerungen. Ihre Ansichten werden vielmehr zwischen den Zeilen transportiert und nicht radikal dargelegt. Ihr Artikel liest sich somit wie ein Gespräch mit der Autorin, in dem sie dem Zuhörer ihre persönliche Sicht auf die Dinge nahe bringt. Reinhard spricht nicht von oben herab zum Leser, sondern bezieht ihn durch die häufige Verwendung der 1. Person Plural in ihre Gedankenwelt mit ein. So fragt sie beispielsweise zu Beginn ihres Textes, um den Leser für ihr Anliegen zu sensibilisieren: „Woran können wir uns überhaupt noch festhalten?“ (Z. 18-19). Mit dieser Schreibtechnik schafft sie es, den Leser miteinzubeziehen. Diese Methode finde ich grundsätzlich gut, denn es handelt sich ja um ein sehr persönliches Thema, das um das Innenleben der Menschen kreist. Der Ton, mit dem Reinhard argumentiert, ist also der Sache angemessen.

    In diesem letzten Abschnitt wird am deutlichsten, dass Reinhard ein Panorama unserer Gesellschaft entwirft, dass sich viel zu sehr auf Negativ-Aspekte konzentriert. Auch hier lässt sie sich nicht davon abbringen, noch einmal auf das Thema Digitalisierung und PC einzugehen. Wiederholt fordert sie den Leser auf, „das jeweils internetfähige Gerät“ (Z. 68) wegzulegen und „in einen schweigenden Dialog mit sich selbst zu treten“ (Z. 60). Ich stimme ihr zu, dass es nicht schaden kann, die Konzentration auch auf andere Dinge als ausschließlich auf den PC zu lenken, allerdings lassen sich nicht alle persönlichen Konflikte damit lösen, dass man sich der modernen Technik verweigert und stattdessen abgeschottet vor sich hin lebt. Ihr abschließender Aufruf, „das Leben nicht ohnmächtig zu erleiden“ (Z. 63) zeigt dabei am besten ihre skeptische Sicht auf die Dinge. Statt ständig auf einen Ausweg aus der modernen Welt hinzuweisen, den sie mithilfe einer inneren Haltung (Konzentration auf das Gegenwärtige) zu finden denkt, wäre es viel hilfreicher, auch die positiven Erscheinungen des 21. Jahrhunderts stärker zu betonen, die ebenfalls dazu beitragen können, dass man aufrecht und glücklich durch das Leben geht.

    Anders als Rebekka Reinhard in ihrem Artikel, plädiere ich dafür, die Prozesse der modernen Zeit in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Es ist nicht hilfreich, wenn man durch eine zu einseitige Sicht auf die Dinge Ängste schürt. Wenn man die negativen Erscheinungen, die die tiefgreifenden Wandlungsprozesse des 21. Jahrhunderts mit sich bringen, überbetont, verstellt dies den Blick auf die positiven Merkmale unserer Zeit, die ebenfalls als Quelle des Glücks und der Zufriedenheit betrachtet werden können.

    Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
    Jetzt freischalten
    Infos zu SchulLV PLUS
    Ich habe bereits einen Zugang
    Zugangscode einlösen
    Login
    Folge uns auf
    SchulLV als App