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Aufgabe 3

Aufgaben
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Dramatik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Bertolt Brecht (*1898 - †1956): Furcht und Elend des Dritten Reiches
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Fasse den Inhalt der vorliegenden Szene zusammen.
  2. Analysiere das Verhalten der Ehefrau in Bezug auf ihren Mann Hannes, den Pfarrer und ihren Sohn.
  3. Arbeite die Schwierigkeiten heraus, mit denen sich der Pfarrer in dieser Szene konfrontiert sieht.
$\;$
Material
Bertolt Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches
Vorbemerkung: Dieser dramatische Text ist Teil einer Folge von in sich geschlossenen Einzelszenen, die zwischen 1935 und 1938 im Exil entstanden. Darin versucht Brecht auf der Grundlage besonders sprechender Augenzeugenberichte und Zeitungsnotizen, den geistigen und charakterlichen Zustand der Deutschen im Nationalsozialismus abzubilden.
Bild 20
DIE BERGPREDIGT
Lübeck, 1937, Wohnküche eines fischers. Der Fischer liegt im Sterben. An seinem Lager seine Frau und, in SA[1]-Uniform, sein Sohn. Der Pfarrer ist da.
DER STERBENDE: Sagen Sie, gibt es wirklich was danach?
DER PFARRER: Quälen Sie sich denn mit Zweifeln?
5
DIE FRAU: In den letzten Tagen hat er immer gesagt, es wird so viel gerredet und versprochen, was soll man da glauben. Sie dürfen es ihm nicht übelnehmen, Herr Pfarrer.
DER PFARRER: Danach gibt es das ewige Leben.
DER STERBENDE: Und das ist besser?
DER PFARRER: Ja.
10
DER STERBENDE: Das muss es auch sein.
DIE FRAU: Er hat sich so gefrettet, wissen Sie.
DER PFARRER: Glauben Sie mir, Gott weiß das.
DER STERBENDE: Meinen Sie? Nach einer Pause: Da oben kann man dann vielleicht wieder das Maul aufmachen, wie?
15
DER PFARRER etwas verwirrt: Es steht geschrieben: Der Glaube versetzt Berge. Sie müssen glauben. Es wird Ihnen leichter dann.
DIE FRAU: Sie dürfen nicht meinen, Herr Pfarrer, daß es ihm am Glauben fehlt. Er hat immer das Abendmahl genommen. Zu ihrem Mann, dringlich: Der Pfarrer meint, du glaubst gar nicht. Aber du glaubst doch, nicht?
DER STERBENDE: Ja …
20
Stille.
DER STERBENDE: Da ist doch sonst nichts.
DER PFARRER: Was meinen Sie damit? Da ist doch sonst nichts?
DER STERBENDE: Na, da ist doch sonst nichts. Nicht? Ich meine, wenn es irgendwas gegeben hätte …
DER PFARRER: Aber was hätte es denn geben sollen?
25
DER STERBENDE: Irgendwas.
DER PFARRER: Aber Sie haben doch Ihre liebe Frau und Ihren Sohn gehabt.
DIE FRAU: Uns hast Du doch gehabt, nicht?
DER STERBENDE: Ja …
Stille.
30
DER STERBENDE: Ich meine, wenn irgendwas losgewesen wäre im Leben …
DER PFARRER: Ich verstehe Sie vielleicht nicht ganz. Sie meinen doch nicht, daß Sie nur glauben, weil Ihr Leben Mühsal und Arbeit gewesen ist?
DER STERBENDE blickt sich suchend um, bis er seinen Sohn sieht: Und wird es jetzt besser für die?
DER PFARRER: Sie meinen für die Jugend? Ja, das hoffen wir.
35
DER STERBENDE: Wenn wir einen Motorkutter hätten …
DIE FRAU: Aber mach Dir doch nicht noch Sorgen!
DER PFARRER: Sie sollten jetzt nicht an solche Dinge denken.
DER STERBENDE: Ich muß.
DIE FRAU: Wir kommen doch durch.
40
DER STERBENDE: Aber vieleicht gibt's Krieg?
DIE FRAU: Red doch jetzt nicht davon. Zum Pfarrer: In der letzten Zeit hat er immer mit dem Jungen über Krieg geredet. Sie sind aneinandergerate darüber.
Der Pfarrer blickt auf den Sohn.
DER SOHN: Er glaubt nicht an den Aufstieg.
45
DER STERBENDE: Sagen Sie, will der da oben denn, daß es Krieg gibt?
DER PFARRER zögernd: Es heißt, selig sind die Friedfertigen.
DER STERBENDE: Aber wenn es Krieg gibt …
DER SOHN: Der Führer will keinen Krieg!
Der Sterbende macht eine große Bewegung mit der Hand, die das wegschiebt.
50
DER STERBENDE: Wenn es also Krieg gibt …
Der Sohn will etwas sagen.
DIE FRAU: Sei still jetzt.
DER STERBENDE zum Pfarrer, auf seinen Sohn zeigend: Sagen Sie dem das von den Friedfertigen!
DER PFARRER: Wir stehen alle in Gottes Hand, vergessen Sie das nicht.
55
DER STERBENDE: Sagen Sie es ihm?
DIE FRAU: Aber der Herr Pfarrer kann doch nichts gegen den Krieg machen, sei doch vernünftig! Darüber soll man gar nicht reden in diesen Zeiten, nicht, Herr Pfarrer?[2]
DER STERBENDE: Sie wissen doch, es sind alles Schwindler. Ich kann für mein Boot keinen Motor kaufen. In ihre Flugzeuge bauen sie Motoren ein. Für den Krieg, für die Schlächterei, Und ich kann bei Unwetter
60
nicht hereinkommen, weil ich keinen Motor habe. Diese Schwindler! Krieg machen sie ! Er sinkt erschöpft zurück.
DIE FRAU: holt erscrocken eine Schüssel mit Wasser und wischt ihm mit einem Tuch den Schweiß ab: Das müssen Sie nicht hören. Er weiß nicht mehr, was er sagt.
DER PFARRER: Beruhigen Sie sich doch Herr Claasen.
65
DER STERBENDE: Sagen Sie ihm das von den Friedfertigen?
DER PFARRER nach einer Pause: Er kann es selber lesen. Es steht in der Bergpredigt.
DER STERBENDE: Er sagt, das ist alles von einem Juden und gilt nicht.
DIE FRAU: Fang doch nicht wieder damit an! Er meint es doch nicht so. Das hört er eben bei seinen Kameraden!
70
DER STERBENDE: Ja. Zum Pfarrer: Gilt es nicht?
DIE FRAU mit einem ängstlichen Blick auf ihren Sohn: Bring den Herrn Pfarrer nicht ins Unglück, Hannes. Du sollst ihn das nicht fragen.
DER SOHN: Warum soll er ihn nicht fragen?
DER STERBENDE: Gilt es oder nicht?
75
DER PFARRER nach einer langen Pause, gequält: In der Schrift steht auch: Gebt Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist.
Der Sterbende sinkt zurück. Die Frau legt ihm das nasse Tuch auf die Stirn.
Aus: Bertolt Brecht: Furcht und Elend des Dritten Reiches, Suhrkamp Verlag, Berlin 1957, S. 102-105

[1] SA: Abk. für „Sturmabteilung“, paramilitärischer Kampfverband im Nationalsozialismus
[2] Die Aussage ist vor dem Hintergrund zu verstehen, dass die NS-Ideologie dem Christentum feindlich gesinnt war und auch Priester verfolgte.
#zusammenfassen#drama#analysieren
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Dramatik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Bertolt Brecht (*1898 - †1956): Furcht und Elend des Dritten Reiches
1.
In der Sammlung Furcht und Elend des Dritten Reiches - geschrieben im Exil zwischen 1935 und 1938 - charakterisiert Bertolt Brecht in verschiedenen Szenen die Menschen im Alltag des Nationalsozialismus. Ein sterbender Fischer steht im Zentrum der Szene „Die Bergpredigt“. Vor seinem Tod will der Fischer eine Versicherung des anwesenden Pfarrers, dass es Gott tatsächlich gibt und dass die Seligpreisung der Friedfertigen immer noch gültig ist. Da sein Sohn durch seine bloße Anwesenheit und seine Frau durch ihre Einwände jedoch immer wieder intervenieren, bleibt dieser Trost aus.
Auf dem Sterbebett reflektiert der Fischer sein Leben: er empfindet, dass dieses nur von Arbeit, Mühsal und Ereignislosigkeit geprägt war. Er erhofft sich ein schöneres Leben nach dem Tod und denkt dabei auch an seine Familie, die er zurücklässt. Dabei hat er jedoch große Zweifel aufgrund der bevorstehenden Kriegssituation. Obwohl sein Sohn dem Regime treu ist und eine SA-Uniform trägt, entscheidet sich der Fischer, seine Kritik gegenüber den Nationalsozialisten zu äußern - er bezeichnet sie als verlogen und bemängelt, dass er keinen Motor für sein Boot habe kaufen können, da alle Motoren für Kriegsflugzeuge gebraucht würden. Zwar lenkt sein Sohn ein, dass der Führer gar keinen Krieg wolle, doch der Fischer ignoriert diese Aussage und verlangt von dem Pfarrer, dass dieser sich zu der chirstlichen Friedensbotschaft bekennen solle.
Generell sichert der Pfarrer dem Fischer ein Leben nach dem Tod zu und auch, dass der Glaube eine große Stütze sei. Allerdings kann er keine eindeutige Aussage darüber treffen, inwiefern die nationalsozialistischen Ideologien mit dem christlichen Glauben vereinbar seien. Die Frau des Fischers unterstützt den Pfarrer dabei, da sie Angst davor hat, dass der Pfarrer denken könnte, dass ihr Mann sich vom Glauben abgewendet habe. Sie verhindert auch, dass der Pfarrer sich durch seine Antworten in ein ungünstiges Licht rückt, denn schließlich ist ihr Sohn anwesend. Diesen fürchtet sie und trotzdem rügt sie ihn für manche Aussagen.
2.
Die Frau des Fischers in der Szene „Die Bergpredigt“ in Bertolt Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches fungiert als eine Art Aufpasserin, die die Gesprächsrichtungen zwischen dem Pfarrer, ihrem sterbenden Mann und ihrem Sohn zu lenken versucht, um größeres Unheil abzuwenden.
Die Frau übt gegenüber ihrem Mann ein recht dominantes Gesprächsverhalten aus. Hauptsächlich bevormundet sie diesen. So übernimmt sie für ihn teilweise das Antworten auf die Fragen des Pfarrers (vgl. Z. 5f.). Gleich zu Beginn entschuldigt sie sich quasi für die wirren Aussagen und Fragen ihres Mannes (vgl. Z. 5f.). Im Prinzip versucht sie hiermit, vor dem Pfarrer ein gutes Bild abzugeben, da sie Angst davor hat, dass der Pfarrer die Gottesfurcht ihres Mannes durch seine kritischen Aussagen anzweifelt. Als er beispielsweise fragt, ob es ein Leben nach dem Tod gebe, entschuldigt die Frau seine Verwirrung damit, dass „so viel geredet und versprochen“ (Z. 5) wird und dass der Pfarrer ihrem Mann dies „nicht übelnehmen“ dürfe (Z. 6). Das hoffnungslose Verhalten ihres Mannes und dessen Sehnsucht nach einem Paradies erklärt sie damit, dass er sein ganzes Leben über sich abgemüht habe (vgl. Z. 11). Generell ist die Frau fürsorglich gegenüber ihrem Mann, sie wischt ihm den Schweiß von der Stirn (vgl. Z. 62) und kümmert sich um ihn. Trotzdem ignoriert sie die dringlichen Fragen ihres Mannes und versucht zu ihren Gunsten das Gespräch von diesen abzulenken. Dass die möglichen Antworten auf die Fragen des Mannes - beispielsweise ob das Leben nach dem Tod besser sei (vgl. Z. 8) - ihm die Angst vor dem Tod nehmen sollen, beachtet sie gar nicht. Das Seelenheil ihres Mannes ist für sie elementarer als dass dieser sich auf seinen Tod vorbereitet.
Dies zeigt sich auch daran, dass sie immer wieder versucht, den Pfarrer von der Gläubigkeit ihres Mannes zu überzeugen. So versichert sie ihm, dass es ihm nicht am Glauben fehle und dass er „immer das Abendmahl genommen“ (Z. 17) habe und bittet den Pfarrer immer wieder um Verständnis für die Situation ihres Mannes und dessen Verwirrung (vgl. Z. 56/63). Des Weiteren will die Frau verhindern, dass ihr Mann sensible Themen anspricht, die ihn und alle Anwesenden in eine ungünstige Lage bringen könnten. Sie kennt ihren Mann offenbar sehr gut, denn sie unterbricht ihn beschwichtigend, als er beginnt, von seinem Motorkutter zu reden (vgl. Z. 36). Demnach weiß sie, welches Thema ihr Mann ansprechen will und schätzt dies als Gefahr ein, weshalb sie ihn auffordert, dies zu unterlassen (vgl. Z. 41). Immer wieder versucht sie, von diesem Thema abzulenken, ihr Mann kritisiert jedoch die Rüstungspolitik und die damit verbundene Tatsache, dass er keinen Motor habe kaufen können (vgl. Z. 59). Ihre Beschwichtigungen sind jedoch nicht von Erfolg gekrönt, weshalb sie an ihren Mann appelliert, als dieser vom Krieg zu sprechen beginnt. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, der Mann drängt den Pfarrer dazu, seinem Sohn von den Friedfertigen in der Bergpredigt zu erzählen (vgl. Z. 53/65). Vom Fischer verlangt sie, Einsicht zu zeigen, denn „der Herr Pfarrer kann doch nichts gegen den Krieg machen“ (Z. 56). Als der Fischer schließlich ihrem Sohn vorwirft, das Wort Gottes zu verleugnen, befiehlt seine Frau ihm, dies zu unterlassen (vgl. Z. 68), denn sie will keine Diskussion vom Zaun brechen und auch keine mißliche Lage hervorrufen. Trotz ihrer vieler Versuche gelingt es ihr nicht, ihren Mann davon abzuhalten, das Thema Krieg anzusprechen und den Pfarrer zu einer Antwort in Bezug auf die Gültigkeit des Wortes Gottes zu drängen.
Durch die Aussagen und Fragen bringt der Fischer den Pfarrer in Bedrängnis und auch in große Gefahr. Das wird durch die Bitte der Fischersfrau, den Pfarrer nicht ins Unglück zu stürzen (vgl. Z. 71) deutlich. Sie spricht hier eine explizite Gefahr aus, wodurch ihre Motivation auch klarer wird. Gegenüber dem Pfarrer verhält sich die Frau nämlich durchaus bittstellerisch. Die Meinung des Pfarrers ist ihr äußerst wichtig und sie will um jeden Preis, dass der Pfarrer ihren Mann als Gläubigen anerkennt, damit dieser ins Paradies gelangen kann. Sie geht sogar so weit, ihren Mann als verrückt einzustufen und als nicht mehr klar im Kopf zu bezeichnen, um dessen Seelenheil zu retten. Kritische Fragen ihres Mannes unterbindet sie, denn sie will den Pfarrer nicht in eine mißliche Lage bringen aufgrund der Anwesenheit ihres Sohnes. Denn würde der Pfarrer dem Mann zustimmen, dass Jesus nur die Friedfertigen selig sprechen würde, würde er so indirekt das NS-Regime kritisieren und so als Vaterlandsverräter gelten. Die Frau versucht also, eine politische Auseinandersetzung zu verhindern. Im Gegensatz zu ihrem Mann, der sich danach sehnt, Kritik auszusprechen (vgl. Z. 13f.) - und dies auch tut, da er keinerlei Konsequenzen mehr fürchtet - kann es den Pfarrer allerdings das Leben kosten, regimekritische Äußerungen anzustellen.
Insgesamt versucht die Ehefrau des Fischers jegliche Auseinandersetzung oder Streit zu vermeiden. Dieses Verhalten zeigt sich auch in dem Umgang mit ihrem Sohn. Im Verlauf des Gesprächs erklärt sie dem Pfarrer, dass ihr Mann und ihr Sohn immer wieder „aneinandergeraten“ (Z. 42) seien aufgrund der NS-Regime-kritischen Einstellung ihres Mannes. Dabei nimmt sie ihren Sohn jedoch noch in Schutz, denn sie gibt den Kameraden des Sohnes die Schuld, ihm solche Ansichten eingetrichtert zu haben (vgl. Z. 69). Durch diese Aussage suggeriert sie, dass auch sie nicht mit diesen Ansichten einverstanden ist. Unterstrichen wird dies, als sie es dem Sohn verbietet, zu sprechen (vgl. Z. 52). Trotzdem fürchtet sie sich auch vor ihrem Sohn und dessen Linientreue, was durch ihren „ängstlichen Blick“ (Z. 71) in die Richtung dessen unterstrichen wird.
3.
Die Aufgabe des Pfarrers in der Szene „Die Bergpredigt“ aus Bertolt Brechts Sammlung Furcht und Elend des Dritten Reiches ist es eigentlich, dem sterbenden Fischer Trost zu spenden und ihn auf den Übergang vom Leben in den Tod vorzubereiten. Allerdings ist es äußerst schwierig, diese Aufgabe zu erfüllen, da der Fischer aufgrund seines harten und bitteren Lebens Glaubenszweifel hegt (vgl. Z. 3-15). In seinem Leben habe es schließlich nichts gegeben; diese Aussage verwirrt den Pfarrer. Er entgegnet: „Aber Sie haben doch Ihre liebe Frau und Ihren Sohn gehabt“ (Z. 26). Der Pfarrer fürchtet sogar, dass der Fischer „nur glaube[…], weil [sein] Leben Mühsal und Arbeit gewesen ist“ (Z. 31f.). Über diese Hoffnungslosigkeit ist der Pfarrer entsetzt. Die Szene scheint also vordergründig die Sorge eines Sterbenden zu thematisieren, der darum bittet, eine Bestätigung für die Existenz eines Paradieses zu bekommen.
Jedoch kommt hinzu, dass die Frau des Fischers das Gespräch ständig unterbricht und sich in den Dialog einmischt - so wird verhindert, dass sich der Pfarrer den kritischen Fragen des Fischers stellen muss. Dadurch kann der Pfarrer allerdings auch recht unverbindlich die Fragen beantworten. Zudem versucht die Frau, den Pfarrer vor einer eigenen kritischen Aussage zu schützen, indem sie ihrem Mann verbietet, über sensible Themen wie die Rüstungspolitik zu sprechen. Schließlich ist ihr Sohn im Raum anwesend, der regimetreu ist und der Sturmabteilung angehört. Der Fischer fordert den Pfarrer immer wieder dazu auf, Stellung im Bezug auf die Gegensätzlichkeit seines eigenen pazifistischen Glaubens und der Kriegs-Ideologie der Nazis zu beziehen. Dies und die Tatsache, dass die Nationalsozialisten das Wort Jesus aufgrund seiner jüdischen Religion für nichtig erklären, zwingt den Pfarrer in eine Art emotionalen Konflikt. Menschen, die sich damals offen gegen das NS-Regime wandten, wurden oftmals verfolgt und mit dem Tod bestraft. Eigentlich kann der Pfarrer die nationalsozialistische, kriegsverherrlichende Ideologie durch die Position als Geistlicher nicht mit seinem eigenen Glaubensgrundsatz vereinen.
Diese Problematik erkennt der Fischer und nutzt sie für sich aus. Er bringt das Beispiel der Bergpredigt an und impliziert, dass der Krieg, den die Nazis führen, gegen jeglichen christlichen Glauben geht. Um sich nicht selber zu denunzieren kann sich der Pfarrer nur in nichtssagende, allgemein gehaltene Antworten flüchten. So benutzt er christliche Redewendungen wie „Der Glaube versetzt Berge“ (Z. 15) oder „Wir stehen alle in Gottes Hand“ (Z. 54). Auf provozierend-konfrontierende Aussagen, wie dass es Krieg geben werde und wie dies mit dem pazifistischen Glauben zu vereinen sei und inwiefern dies der Wille Gottes sein soll (vgl. Z. 45), antwortet der Pfarrer zögerlich mit einem Bibelzitat: „Es heißt, selig sind die Friedfertigen.“ (Z. 46). Dieses greift der sterbende Fischer immer wieder auf und will so den Pfarrer zu einer konkreten Aussage drängen. Doch darauf weicht der Pfarrer aus, indem er erklärt, dass der Sohn die Bergpredigt selber in der Bibel nachlesen könne (vgl. Z. 66). Schlussendlich beendet der Pfarrer den Dialog mit dem religiösen Zitat „Gebt Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ (Z. 75f.). Damit trennt er eindeutig Religion von Politik und gibt im Prinzip den Machthabern das Recht, Entscheidungen wie die über den Krieg selber zu treffen und zieht so die Kirche aus der moralischen Problematik heraus. Der Pfarrer kann sich also nicht zu seinem eigenen Glauben bekennen - damit enttäuscht er den Sterbenden und steht auch so im starken Kontrast mit anderen christlichen Widerstandsbewegungen wie die Bekennende Kirche beispielsweise. Er ist zu feige, in der Anwesenheit zum christlichen Pazifismus zu stehen, da er Angst vor den Konsequenzen dessen hat.
Geistliche werden zu Menschen im Sterbebett gerufen, um diese auf den Tod vorzubereiten, ihnen die letzte Beichte abzunehmen und um für diese als Seelsorger zu agieren. Der Pfarrer in dieser Szene verfehlt seine Aufgabe allerdings, da ihm seine eigene Sicherheit wichtiger ist. Er ist also ein Heuchler und kann die christliche Botschaft, zu der er sich ursprünglich berufen hatte, nicht übertragen.
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