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Aufgabe 3

Aufgaben
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Dramatik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Lutz Hübner (*1964): Creeps (2000)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Fasse den Inhalt des Dramenauszugs kurz zusammen.
  2. Charakterisiere Lilly unter Berücksichtigung ihrer Gesprächsführung.
  3. Untersuche, weshalb Maren im Casting scheitert.
    oder
    Verfasse einen persönlichen Brief Marens an ihre beste Freundin, in dem sie ihre Enttäuschung und Selbstzweifel niederschreibt.
$\;$
Material
Lutz Hübner: Creeps(2000)
Vorbemerkung: „The world is waiting for you!“ Mit dieser Ankündigung lädt ein TV-Sender drei Mädchen zum Casting für die Moderatorenstelle der neuen Music-Show „Creeps“ ein. Maren, Lilly und Petra werden von der Stimme der Regie (im Text gekennzeichnet durch OV - Offvoice) un einen Wettkampf getrieben, in dem sie sich gegenseitig interviewen sollen.
OV. […] Okay, genug geblödelt, jetzt wird's ernst, die Funrunde ist vorbei, ihr könnt performen, haben wir gesehen, jetzt mal eine Personalityrunde.
Keine Sorge, wird nicht wehtun.
Wir werden ja Studiogäste haben, und da wollen wir ja auch ein bisschen was über die Leute wissen.
5
Hardware können wir zaubern, Software läuft von Mensch zu Mensch.
Who are you, nicht die facts, real talk, attitudes.
Tell me how you feel.
Okay, Lilly, willst du das Interview führen?
LILLY. Klar.
10
OV. Okay, Maren, deine Runde, okay?
Maren. Worum geht es da?
LILLY. Das lass mal meine Sorge sein.
MAREN. Ich will wissen …
OV. Okay, […].
15
Lichtwechsel, ein Jingle.
LILLY. Ja, hallo Maren, live bei uns im Studio.
Wir haben ja vorhin im Porträt gehört, dass du dich für Umweltschutz engagierst, dich mit Esoterik beschäftigst, Theater … ich habe so den Eindruck, dass du versuchst, den Dingen auf den Grund zu gehen.
MAREN. Ja, ich finde es wichtig, dass man nicht nur auf die Oberfläche achtet, in der Gesellschaft und auch
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bei Menschen, mit denen man es zu tun hat, sondern dass man rauskriegt, was das für ein Mensch ist, dass man sich respektiert, sich von Ängsten befreit und versucht, hinter die Maske zu sehen.
Das ist extrem wichtig.
LILLY. Also weg von den Lügen, der Verstellung, den Trends…
MAREN. Genau.
25
LILLY. Wo ist denn da die Gefahr für dich?
MAREN. Dass man sich wirklich mit diesem Modezeug verwechselt und nicht mehr weiß, was man wirklich will.
LILLY. Und warum bewirbst du dich dann bei einer Show, die Mode, Musik und Trends vermitteln will?
Maren schweigt, sieht irritiert in Richtung Kamera.
30
LILLY. Weißt du es nicht?
MAREN. Ich will etwas bewegen, ich habe gerne mit Menschen zu tun, dass man über Sachen reden kann.
LILLY. Was sagt denn deine Familie dazu?
MAREN. Meine Mutter … die … ja … ja, mal sehen. Ist das wichtig?
LILLY. Und in der Schule drücken alle kräftig die Daumen?
35
Maren schüttelt den Kopf, sie beginnt zu zittern.
MAREN. Doch. Schon. Ich weiß nicht.
LILLY. Aber dein Freund, oder?
MAREN. Hab ich nicht.
LILLY. Ist okay.
40
Ich finde es echt mutig, dass du so ganz ohne Unterstützung dein Ding durchziehst. Letzte Frage: Sag doch mal, warum glaubst du, dass du für diesen Job richtig bist.
MAREN. zur Kamera Ich will diese Frage nicht.
OV. Das ist doch eine gute Frage, oder?
Stille.
45
MAREN. Weil ich…
Sie bricht ab, Stille.
LILLY. Okay, und jetzt Musik. Danke Maren.
Maren steht auf und geht zurück zum Sofa, Petra steht auf.
OV. Okay, Petra, interviewst du Lilly?
50
Petra setzt sich, Jingle.
PETRA. Unterstützen das deine Eltern, dass du dich hier beworben hast?
LILLY. Vielleicht stell ich mich erst mal kurz vor.
Ich bin Lilly Marie Teetz hier aus Hamburg, aber nenn mich einfach Lilly. Hallo Petra.
PETRA. Hallo Lilly.
55
LILLY. Ich hab schon immer mit Medien zu tun gehabt, mein Vater ist art director bei … 'ner ziemlich guten Adresse. Ich interessiere mich für Mode, ich mag Musik, das passt alles wunderbar zusammen, also, warum nicht.
PETRA. Hast du einen Freund?
LILLY. Ich will mal in den Staaten Journalismus studieren. Da lohnt es sich nicht, hier noch ein Herz zu
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brechen, long distance-Beziehungen, da hat keiner was von, höchstens die Telekom.
PETRA. Und was für Musik hörst du gerne?
LILLY. zur Kamera Das ist doch ein bisschen öde, oder?
Wollen wir nicht was Verrücktes machen, Petra?
PETRA. Ja, klar.
65
LILLY. Machen wir es auf Englisch?
Petra überlegt.
PETRA. What music are you hearing?[1]
LILLY. At the moment I don't hear any music at all.
But I like Triphop. Next question.
70
PETRA. Why do you think you do the job here good?[2]
LILLY. Because my English is good enough for outstanding[3] interviews with international superstars. Thank you.
OV. Und gleich weiter in die nächste Runde.
Maren, machst du das Interview mit Petra?
75
Maren schüttelt den Kopf.
OV. Kein Problem, wir machen das später.
Wir haben da auch schon mal eine Menge Material, wir haben viel über euch erfahren.
Jetzt mal ein Päuschen.
Wenn ihr in die Kantine wollt, zweite Tür links und dann den Pfeilen nach, oder rechts runter, hinter der
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ersten Tür rechts haben wir ein bisschen frische Luft für euch besorgt. Hängt einfach ein bisschen ab, das ist ja alles auch irgendwie anstrengend, oder?
Auch wenn es einen Riesenspaß macht, unter uns, mein Nikotinpegel hängt im Keller.
Baut euch auf, ihr seid super.
Ich drück euch, bis gleich.
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Stille.
PETRA. Warum hast du das gemacht?
LILLY. Was denn? Das englische Interview?
Ganz einfach. Copy kills. Nur meine Fragen nachplappern ist ein bisschen arm.
PETRA. Warum lässt du es mich nicht auf meine Art machen? Es war meine Runde.
90
LILLY. Musik, was? Was wäre denn dann gekommen? Lieblingsfarbe? Schönstes Ferienerlebnis?
Dann mach lieber „Einsame Herzen“.
PETRA. Du wolltest mich doch nur …
LILLY. Jetzt lass mal die geqäulte Ossiseele stecken. Wenn du dir das Interview aus der Hand nehmen lässt, bist du falsch für den Job, alte Journalistenregel.
95
Dranbleiben, es ist deine Nummer.
MAREN. Jetzt tu doch nicht so.
LILLY Mit dir rede ich gerade nicht.
MAREN. So eine Arroganz hab ich noch nie erlebt, so eine Gemeinheit, du eitle Schnepfe, Hauptsache du, egal, was andere Leute machen …
100
LILLY. laut Das ist ein Casting! Hier geht es um einen Job!
Kriegt ihr das nicht in die Birne?
Das ist keine Klassenfahrt mit Schnitzeljagd, das ist ein Job beim TV für Acht im Monat, Markenklamotten frei Haus, Home storys, VIP Lounge, Trips zu allen Events, das ist ein knallhartes Ding.
Was wollt ihr denn in der Sendung machen? Sackhüpfen?
105
Ihr müsst mal checken, dass ihr was bringen müsst!
MAREN. Darum geht es doch nicht, du verlogenes Miststück, das weißt du genau!
LILLY. Worum geht es denn? Worum?
MAREN. Diese Scheißfragen nach meiner Mutter, nach der Schule, du hast mich reingeritten, mit voller Absicht.
LILLY schreit Du stehst doch auf Theater, dann mach doch einen auf Kelly Family, dann lüg doch.
110
Das ist denen doch scheißegal, ob deine Eltern geschieden sind oder nciht, lass doch die Psychokacke. Wo ist denn das Problem, wenn du ein Loser in der Schule bist, ist das meine Schuld?
Soll ich dich aufbauen? Ich?
Nachdem du mich so übel angeschissen hast? Ich?
Du blöde Votze, ist das mein Problem, wenn du kaputt bist?
115
Maren geht auf Lilly los, ohrfeigt sie, Lilly schreit.
Petra geht dazwischen.
Maren will wieder zuschlagen.
PETRA. Aufhören, sofort!
Petra trennt die beiden, Maren bricht zusammen, beginnt hysterisch zu heulen.
120
LILLY. Bist du verrückt? Du bist ja total verrückt!!
Du gehörst doch in die Klapse!!
PETRA. Halt die Schnauze! Hau ab! Lass sie doch in Ruhe!
LILLY. Die soll mich in Ruhe lassen!
Lilly schnappt ihre Tasche, setzt sich in die Ecke, wühlt in ihrer Tasche, holt den Player heraus, die
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Zigaretten, sucht das Feuerzeug u.Ä.
Petra geht zu Maren.
PETRA. Das kannst du doch nicht machen.
MAREN. Hau ab, lass mich in Frieden, das kapierst du nicht.
PETRA. Ich will ja nur …
130
MAREN. Das kapierst du nicht!
PETRA. Das ist doch nur … ich meine … klar, ich hab auch gedacht, dass ich es bin … aber so voll ernst darf man das doch nicht nehmen, oder?
MAREN. Das geht schief, das weiß ich. Aus. Vorbei. Gelaufen.
Kaputt … weg … fertig … erledigt … jetzt ist es passiert.
135
Oh Scheiße, und ich hab gedacht, ich schaff das noch. Jetzt ist es schlimmer, es ist noch schlimmer.
Sie beginnt zu hyperventilieren, ein Würgereiz.
PETRA. Ruhig, Mensch Maren, du musst ins Bett, leg dich hin oder so.
Maren beginnt auf und ab zu laufen.
MAREN. Mein Kopf, jetzt geht das wieder los.
140
Petra geht zu Maren.
PETRA. Komm, leg dich hier auf das Sofa, oder geh ein bisschen raus an die frische Luft.
Ich sag denen, dass du krank bist und dass du andermal kommst, oder so.
MAREN. Nein! Nein! Alles, bloß das nicht.
Ich kann nicht noch mal … ich muss das heute. Unbedingt, sonst ist alles gelaufen.
145
Ich kann nicht zurück, wenn das heute nicht … ich zieh das durch und dann ist alles egal …
Maren setzt sich aufs Sofa, schlägt mit beiden Händen auf den Kopf, immer stärker.
PETRA. Hör sofort auf damit!
MAREN. Ich muss mal aufs Klo … muss mal gucken, wo das ist, muss hier ja eins sein … ich guck mal, wo das ist.
Aus: Lutz Hübner: Creeps. Ein Jugendtheaterstück, Stuttgart/Leipzig: Klett Schulbuchverlag 2006, S. 24-29

[1] idiomatisches Englisch: What kind of music do you like? Vokabelfehler: „to hear“ = etwas mit dem Hörsinn wahrnehmen, „to listen to“ = anhören
[2] korrektes Englisch: „Why do you think you are suitable for this job?“
[3] „outstanding“: idiomatisch korrektes Wort für „herausragend“
#brief#charakterisierung#lineareerörterung#zusammenfassen
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Dramatik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Lutz Hübner (*1964): Creeps (2000)
1.
Das von Lutz Hübner geschriebene Jugendtheaterstück Creeps, datiert auf das Jahr 2000, dreht sich um drei jugendliche Mädchen, die an einem Casting um eine Moderatorenstelle für eine neue TV-Show teilnehmen. Während des Castings spielt ein Mädchen die beiden anderen aus, um sich in den Mittelpunkt zu drängen. Danach kommt es zu einer Auseinandersetzung in der Pause.
Die drei Mädchen Lilly, Maren und Petra befinden sich in einem Aufnahmestudio, um an einem Casting teilzunehmen. Es geht hier um die Moderation eines neuen TV-Formates, in dem Trends, Musik und Fashion thematisiert werden. Das Porträt - die Vorstellungsrunde fand schon statt, jetzt geht es darum, sich gegenseitig zu interviewen. Lilly moderiert das erste Gespräch und stellt äußerst subtile Fragen, um Maren bloßzustellen. Offenbar befindet sich Maren in schwierigen familiären Verhältnissen und scheint auch nicht sonderlich beliebt in der Schule zu sein. Maren ist sehr verunsichert und kann keine Fragen mehr beantworten. Das Interview wird abgebrochen, die zweite Runde beginnt und Petra soll Lilly interviewen. Auch während dieser Runde stellt sich Lilly in den Mittelpunkt und stellt Petra und deren geringe Englischkenntnisse bloß. Anschließend weigert sich Maren, das nächste Interview zu führen und die Regie setzt eine Pause an. In dieser kommt es zu einer Diskussion, in der Petra Lilly zur Rede stellt und daraufhin zu handlichen Auseinandersetzungen, Maren kann ihre Wut nicht mehr zurückhalten und schlägt Lilly. Lilly wendet sich ab, Maren bricht zusammen und verlässt den Raum völlig aufeglöst.
Aufgabe 3
2.
Lilly trägt den Namen Lilly Marie Teetz und kommt aus Hamburg. Innerhalb des Interviews erzählt sie, das ihr Vater art director bei einem scheinbar bekannten Unternehmen ist. Somit hebt sie ihren gesellschaftlichen Status hervor. Sie hat offenbar viel mit Medien zu tun, will später Journalismus in den USA studieren und kennt auch Journalistenregeln und das Verhalten von Journalisten. In diesem Zusammenhang spricht sie von „copy kills“ und der „alten Journalistenregel“, dass man niemals das Interview aus der Hand geben solle. Außerdem spricht sie korrektes Englisch, was sie im Interview mit Petra zur Schau stellt. Lilly ist bestens vorbereitet auf den Job, sie weiß, was sie anschließend verdienen wird, dass sie viele Trips machen würd, Stars hautnah zu sehen bekommen wird. Die Hard Skills, also ihren Hintergrund und ihre Kenntnisse hat sie durch diese Ereignisse gut profiliert. Im Prinzip will sie auch prominent werden und sieht in diesem Job das perfekte Mittel, um selbst VIP-Status zu erreichen und ihren gesellschaftlichen Status weiter zu erhöhen. Der zukünftige Luxus und Status heben hervor, dass Lilly materialistisch und oberflächlich ist.
Lillys Ziele werden während des Interviews deutlich: großspurig erklärt sie, dass sie keine Beziehung hat, weil sie in Amerika Journalismus studieren will und in diesem Falle keine Zeit und auch keine Nerven dazu hat, eine Fernbeziehung zu führen. Sie gibt sich hier als angeberisch, da sie davon ausgeht, dem etwaigen Partner das Herz zu brechen (vgl. Z. 60), sie ist demnach auch kaltblütig und emotionslos. Ihre Ambition stellt sie über alles, das wird durch die Art, wie sie spricht, bewusst - sie versucht dadurch, cool rüberzukommen. So benutzt sie oftmals Anglizismen (vgl. Z. 60/88), den anderen beiden Mädchen wirft sie an den Kopf, dass sie doch beide keine Ahnung davon hätten, um was es bei dem Job geht, dass sie das doch gar „in die Birne“ (Z. 101) kriegen könnten und sie „was bringen [müssen]“ (Z. 105). Durch diese Aussprüche zeigt Lilly, dass sie sich scheinbar genau in der Medienbranche auskennt, die beiden anderen keinerlei Chance gegen sie hätten, und dass nur sie dem harten Business dort stand halten könnte.
Dass sie sich schon den Begebenheiten der Medienbranche angepasst hat, zeigt sie dadurch, dass sie ganz selbstbewusst Interviews an sich reißen kann und diese auch manipulativ steuern kann. Hierbei zeigt sie ihre hinterlistige Seite: sie stellt ihre Mitstreiterinnen vor der Kamera absichtlich bloß. Zuerst baut sie bei Maren Vertrauen auf, fragt sie nach ihren Hobbies und kommentiert diese mit „ich habe so den Eindruck, dass du versuchst, den Dingen auf den Grund zu gehen“ (Z. 18). Sie lockt Maren absichtlich in eine Falle, so dass sich Maren gegen genau das ausspricht, wofür die Show wirbt, die sie moderieren könnte (vgl.Z. 23-27). Lilly stellt daraufhin die provokante Frage „Und warum bewirbst du dich dann bei einer Show, die Mode, Musik und Trends vermitteln will?“ (Z. 28). Zudem weiß Lilly um Marens prekäre familiäre Situation und auch wie Maren auf diese reagiert. So spricht sie dies im Interview an, worauf Maren schockiert reagiert und nicht mehr weitersprechen kann (vgl. Z. 42). Lilly kennt Marens wunde Punkte und spielt diese völlig gegen sie aus mithilfe von Sarkasmus (vgl. Z. 34/37). Scheinheilig sagt Lilly, dass sie es echt mutig von Maren findet, sich so ganz ohne Unterstützung zu so einem Casting zu trauen (vgl. Z. 40). Den finalen Schlag führt Lilly aus, als sie Maren fragt, warum sie für diese Stelle richtig sei. Maren kann darauf gar nicht mehr authentisch antworten und sagt daraufhin gar nichts mehr. Dadurch steht Maren als wenig wortgewandt und unsicher da. Auch Petra schaltet Lilly nach kurzer Zeit aus, denn sie fragt, ob sie das Interview nicht auf Englisch halten wollen. Durch Petras schlechtes Englisch steht diese nun auch als inkompetent da (vgl. Z. 65-72). Lilly spielt also ihre Gegenspielerinnen aus, in dem sie hinterlistige Fragen stellt, bei der ihre Konkurrentinnen nur schlecht und auch untauglich für den Job dastehen.
Dass Lilly alles selber lenkt und somit permanent im Mittelpunkt steht, zeigt sich auch daran, dass sie Petras ungeschickten Einstieg (vgl. Z. 51) für sich ausnutzt und ihr aus der Hand nimmt: „Vielleicht stell ich mich erst mal kurz vor“ (Z. 52). So rückt sie auch Petra in ein ungünstiges Licht und stellt nebenbei ihre eigenen Vorzüge vor. Wie vermeintlich lahm doch Petra als Moderatorin sei, zeigt Lilly, als sie Petra fragt, ob sie nicht mal etwas Verrücktes machen wollten (vgl. Z. 63) - sie übernimmt also die volle Verantwortung für das Interview und lenkt es so. Petras Englisch-Kenntnisse spielt Lilly auch gegen sie aus. So antwortet sie auf Petras grammatikalisch inkorrekt gestellte Frage überheblich, dass sie im Moment gar keine Musik höre (vgl. Z. 68). Ein weiterer Seitenhieb auf Petra erfolgt, als Lilly ausspricht, dass sie aufgrund ihrer besonderen Englisch-Kenntnisse für den Job gut geeignet sei. Außerdem beendet sie eigenmächtig das Interview, indem sie sich knapp mit einem „Thank you“ (Z. 71f.) bedankt.
Insgesamt verhält sich Lilly sehr respektlos gegenüber ihren Konkurrentinnen, sie spielt bewusst deren Schwächen gegen sie aus, um sich selbst als die richtige Kandidatin hervorzuheben. Überheblich und selbstgerecht spricht sie Marens und Petras mangelnde Kompetenzen an, sodass diese vor dem Publikum lächerlich wirken. Dabei kristallisiert sie ihre eigenen Vorzüge heraus - zumindest vor der Kamera. Hinter der Kamera zeigt sie sich doch als wahres Biest, sie ist vulgär, beleidigt ihre Kontrahentinnen (vgl. Z. 114) und zeigt keinerlei Empathie für Marens offensichtliches psychisches Problem. So ist sie außerdem aggressiv und egoistisch, aber auch rachsüchtig, denn es muss ein Ereignis vor der vorliegenden Szene stattgefunden hat, die Lilly dazu bringt, Maren so bloßzustellen.
Aufgabe 3
3a.
Marens Scheitern im Casting scheint keinesfalls zufällig, sondern ist im Prinzip selbstgemacht. Die Medienbranche ist bekannterweise hart, konkurrenzumschwärmt und unbarmherzig. Um in einer solchen Branche zu überleben, muss man psychisch stabil sein und Ungerechtigkeiten auch wegstecken können. Maren scheint beides nicht ertragen zu können und so scheint ihr Scheitern gerechtfertigt. Im Folgenden soll dies näher erläutert werden.
Im Showbusiness geht es hauptsächlich um die Selbstpräsentation. Dies zeigt sich an Lillys Verhalten. Maren hingegen scheint nicht für dies gemacht zu sein. Sie spielt gern Theater, setzt sich für den Umweltschutz ein, respektiert Menschen in ihrer Umgebung und will sich nicht verstellen. Alle vorgestellten Aspekte sprechen gegen eine Anstellung als Moderatorin - vor allem im Mediengeschäft, in der es weder respektvoll noch authentisch zugeht. Lilly weist ihr außerdem familiäre Probleme und Unsicherheit zu; anstatt über diese Schwächen hinwegzusehen, oder sie gar in Stärken umzuwandeln, stottert Maren, findet keine Antworten auf die ihr gestellten Fragen und ist generell sehr unsicher. Deshalb schüttelt sie auch den Kopf, als sie Petra interviewen soll. Doch als Moderatorin kann man ein Interview nicht einfach ablehnen, wenn man zu beschäftigt mit den eigenen Gedanken ist. Maren kann schlichtweg nicht über ihrer eigenen Unsicherheit drüberstehen, sondern ist überfordert damit, vor dem Publikum bloßgestellt zu werden. Sie kommt nicht mal auf die Idee, zu lügen oder Theater zu spielen, um von ihren Schwächen abzulenken. Maren besitzt keinerlei Durchsetzungsvermögen und auch kein souveränes Auftreten - eine Fähigkeit, die man eigentlich in dieser Branche und in dieser Position haben sollte.
Außerdem sieht Maren dieses Casting als einzige Option an, ihrer schwierigen Situation zu entkommen. Ihre Eltern sind geschieden, sie scheint ein Loser in der Schule zu sein, einen Freund hat sie nicht. Durch das Gewinnen des Castings erhofft sie sich, beliebt zu werden, vielleicht auch ihre Eltern wieder zusammenzubringen oder generell einfach erfolgreich zu werden. Das Casting zu verlieren kommt für sie gar nicht infrage - was allerdings bei ihrem Verhalten äußerst unrealistisch gedacht ist. Dies zeigt sich daran, dass sie aufeglöst vor sich hin stottert: „Ich kann nicht noch mal … ich muss das heute. Unbedingt, sonst ist alles gelaufen. Ich kann nicht zurück, wenn das heute nicht … ich zieh das durch und dann ist alles egal …“ (Z. 144f.). Doch mit dem Druck und der Konkurrenz kommt sie nicht klar, sie ist dafür viel zu instabil und auch zu emotional. Das zeigt ihre Reaktion auf Lillys Beschimpfung. Sie wird aggressiv und schlägt Lilly. Sie kann sich gar nicht mehr beruhigen, bricht schließlich sogar zusammen. Sie weiß, dass sie ihre Chance verspielt hat und fügt sich auch noch Schmerzen zu, indem sie sich mit beiden Händen an den Kopf schlägt (vgl. Z. 146). Es scheint so, als ob sie gewusst hätte, dass es so kommen würde. Ihr selbstzerstörerisches Verhalten und ihre fehlende Belastbarkeit sind quasi Voraussetzungen dafür, dass das Casting scheitert.
Doch nicht nur Lillys Bloßstellen und Marens eigene Unsicherheit lassen sie an dem Casting scheitern. Maren ist außerdem nicht gut genug auf das Casting und den Job in der Medienbranche vorbereitet. In einem Interview - und in diesem Falle ist es sogar ein Jobinterview - kann man nicht einfach sagen, dass man eine Frage nicht beantworten will. Damit zeigt man nicht wirkliches Interesse an der Position. Lilly hat zudem Recht, als sie sagt, dass Maren keine Ahnung vom Show-Business hat (vgl. Z. 100) und auch etwas liefern müsse. Natürlich muss man sich auf so ein Casting besser vorbereiten - und Interessen wie Theater oder Umweltschutz haben in einer von Trends getriebenen Showwelt nichts zu suchen. Maren mit ihrer Einstellung ist hier als Moderatorin einfach an der falschen Stelle und das Casting zu gewinnen ist dadurch extrem naiv gedacht. Das Showgeschäft ist weder respektvoll, noch bewegt man etwas, noch kann man sich nicht mit dem Modezeug verwechseln. Die Show ist eine einzige Zurschaustellung - das hätte Maren wissen müssen und sich entsprechend darauf vorbereiten müssen.
Betrachtet man die oben genannten Aspekte, so ist Marens Scheitern sicherlich vorprogrammiert. Sie benimmt sich hilflos und unsicher in einer Welt voller Glamour und Schein - das passt nicht zusammen. Durch den fehlenden familiären Rückhalt kann sich Maren außerdem nicht vor den Attacken Lillys retten und ist ihrer eigenen Instabilität ausgesetzt.
Aufgabe 3
3b.
Hamburg, 15.07.2016
Hallo Lina,
ich hab dir ja versprochen, zu schreiben, sobald das Casting vorbei ist. Ich mach's kurz, es war einfach nur furchtbar. Mir geht es gerade echt schlecht, ich hab die einzige Chance auf eine Flucht aus diesem Leben verspielt. Dabei ist doch Lilly an allem Schuld…
Am Anfang war alles noch gut, ich hab mich ganz normal in einem Porträt vorgestellt, da war noch alles okay. Aber diese Lilly hat sich da schon in den Mittelpunkt gestellt, hat Fragen beantwortet, die gar nicht gestellt wurden und immer dazwischen gequatscht. Völlig unauthentisch war das, ich finde, ich hab mich da viel besser dargestellt - so wie ich eben bin und ich hab mich nicht verstellt. Jedenfalls sollten wir uns nach dem Porträt gegenseitig interviewen und natürlich war Lilly mein Interviewpartner. Und dann meinte sie auch noch, dass ich das Interview nur ihre Sorge sein lassen sollte, was bildet die sich überhaupt ein? Dass sie schon die Moderatorin ist, oder was? Und dann war sie halt mega freundlich zu Beginn und hat dann aber alles, was ich gesagt habe, umgedreht, so dass ich wirklich richtig dumm da stand. Wie 'ne Esoterik-Tante, die sich nur für Umweltschutz einsetzt und kein Deo benutzt oder so. Also gar nicht zum Showbusiness passend, da haben sich die Leute bestimmt gefragt, was ich hier überhaupt mache. Als ob ich mich in das Casting verirrt hätte. Und dann hat sie mich gefragt, warum ich mich überhaupt beworben hab, wenn ich doch Verstellung und Trends hasse. Da war ich ja schon von vornerein raus aus dem Casting, das war richtig unfair.
Und es wurde dann aber noch schlimmer, da hat sie mich fertig gemacht, sie hat auch noch die Situation mit meinen Eltern angesprochen und gesagt, dass ich ein Loser bin!!! Das gibts doch nicht. Das kann die doch nicht machen. Ich hätte im Porträt nicht so gutmütig Informationen über mich preisgeben sollen, da hab ich überhaupt nicht nachgedacht. Lilly hat das dann einfach ausgenutzt, so respektlos war das! Und dann besitzt sie die Dreistigkeit, mich zu fragen, warum ich denke, die Richtige für den Job zu sein. Ich konnte ihr gar nicht mehr richtig antworten, ich war nur sprachlos und wusste gar nicht mehr was ich sagen soll. Am liebsten hätte ich geheult, und ich dumme Nuss habe dann gesagt, dass ich die Frage nicht beantworten will. Dabei will ich doch nur mein Leben hinter mir lassen, alles vergessen, einfach neu anfangen. Und die hat alles kaputt gemacht. Klar, ich hätte auch rumlabern können, die ganze Zeit nur angeben wollen und sowas, aber das bringt doch alles nichts, das kommt früher oder später alles raus!
Ich war einfach so wütend, Lina, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Das Interview mit dem anderen Mädchen Petra konnte ich gar nicht mehr führen. Und in der Pause hatte ich mich absolut nicht mehr unter Kontrolle, und hab Lilly sogar geschlagen, ich konnte einfach nicht anders. Aber sie hat es auch verdient, diese dumm Kuh. Sie hat meinen Traum zerstört, und das mit voller Absicht. Danach hatte ich aber einen kompletten Zusammenbruch, es war einfach alles zu viel, meine einzige Chance war vernichtet. Ich konnte einfach nicht mehr.
Dabei wollt ich es doch allen beweisen, dass ich was kann, dass ich auch beliebt sein kann und erfolgreich werden kann. Und jetzt werden alle schadenfroh über mich lachen, noch mehr als sie es bisher schon tun. Sie werden sagen, dass das ja klar war, und dass sie aber nicht wussten, dass ich wirklich so ein Psycho bin und ja komplett bescheuert sei, dass ich dachte, so ein Casting gewinnen zu können. Ich bin so dumm, Lina. So dumm, dass ich mich beworben habe und dann nicht mal in irgendeine Rolle geschlüpft bin, dabei kann ich das ja eigentlich. Wie naiv war ich doch, unvorbereitet in das Casting zu gehen. Warum hast du mich davor nicht gewarnt? Naja, jetzt ist eh alles zu spät…
Ich hoffe, du bekommst meinen Brief bald, vielleicht kannst du mich ja kurz anrufen, wenn du Zeit und Empfang hast! Oder mal ein Telefon findest. Ich vermisse dich so sehr, ich bin hier ganz alleine - das hasse ich!
Bis hoffentlich bald, ich drück dich!
Maren
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