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Aufgabe 2

Aufgaben
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Epik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Alfred Komarek (*1945): Die Villen der Frau Hürsch (2004)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Fasse den Inhalt des Romanauszugs kurz zusammen.
  2. Charakterisiere Daniel Käfer.
  3. Hältst du Daniel Käfers Entscheidung für nachvollziehbar?
    oder
    Verfasse einen inneren Monolog, in dem daniel auf dem Weg zurück nach München seine Entscheidung reflektiert.
$\;$
Material
Alfred Komarek: Die Villen der Frau Hürsch (2004)
Einer von diesen unwirklich schönen Sommertagen. Andachtsblau der Himmel, lustblau der See. Dazwischen helles Kalkgebirge, Wiesengrün und Waldgrün.
Der kleine Daniel Käfer zitterte, weil er vom Schwimmen und Tauchen nie genug bekommen konnte. Jetzt aber spürte er warmes Holz unter sich und Sonnenhitze auf dem Rücken. Er hob den Kopf, schaute zum
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anderen Ufer hinüber und sah gleißende Lichter auf dem Wasser tanzen.
Der große Daniel Käfer schloss die Augen und ließ die alten Bilder leuchten. Ferienzeit im Salzkammergut. Privatquartier beim Schulrat Köberl, am Ortsrand von Bad Aussee. Das Zimmer mit den schrägen Wänden und dem fast immer offenen Fenster. Über den Gemüsegarten hinweg ging der Blick zu einer Blumenwiese, auf der Obstbäume standen. Die Eltern wohnten im Erdgeschoß, im komfortableren Gästezimmer, wo es
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fließendes Wasser gab. So konnte er ungestört in den Romanheften lesen, die ihm sein hiesiger Freund, der Toni, zusteckte. Noch viel lieber saß er einfach da und schaute in die Nacht hinaus. Nur eine entfernte Straßenleuchte brannte einen gelben Fleck in die Dunkelheit. Die Luft roch nach Gras und Wald. Das leise Plätschern und Rauschen des nahen Baches störte die Stille nicht. Nie wieder hatte sich Daniel Käfer so sehr in der Welt und in sich geborgen gefühlt.
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Gut drei Jahrzehnte waren seit damals vergangen. Diesmal war die Nacht hell und laut und die Fenster blieben besser geschlossen. Frankfurt ist eine aufdringliche Stadt, dachte Käfer, zu viel Geld, zu viel Kriminalität und zu viele schlechte Bücher zur Messezeit. Unwillig öffnete er die Augen. Und dann noch dieses gnadenlos stilsichere Designerhotel. Kühle Ästhetik, funktionell, originell und von anmaßender Schlichtheit. Was zum Teufel hatte er hier zu suchen? Er blickte auf seine abgetragene Cordhose und sah
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auch den Rotweinfleck am Hemd. Er hatte erst gar nicht versucht, ihn auszuwaschen. Wozu auch? Immerhin stammte der Fleck von einem Barbaresco Asili, Riserva 1996, aus dem Piemont – und er markierte einen denkwürdigen Wendepunkt im Berufsleben des Daniel Käfer.
Kaum zwei Stunden war es her, als sein Freund und Vorgesetzter, Bernd Rösler, vorsichtig den Korken gezogen hatte und dunklen Wein in eine Dekantierkaraffe gleiten ließ.
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„Guten Flug gehabt, Daniel? Mehr als Business Class ist auch für leitende Mitarbeiter des Hauses nicht drin. Sparsamkeit ist angesagt.“
Käfer roch an der Flasche und las das Etikett.
„Von wegen. Unter hundert Euro ist so einer kaum zu haben. Und dann noch der Sondergastraum nur für uns beide? Ich muss schon sagen!“
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Rösler hob das inzwischen gefüllte Glas.
„Ehre, wem Ehre gebührt. Stoßen wir darauf an, Daniel. Und auf dein neues Leben.“ Käfer hob sein Glas, schwieg und neigte fragend den Kopf.
Rösler lächelte unsicher. „Du ahnst was, wie? Also dann: Wir können uns den IQ nicht mehr leisten.“
„Das hast du wirklich schön gesagt.“
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„Deine Ironie habe ich erwartet, sie steht dir zu und sei dir gegönnt. Aber du weißt doch so gut wie ich, dass die schöngeistigen Verlags-Flaggschiffe eines nach dem anderen gegen den Eisberg der Rentabilitätsrechnung gesteuert werden. Das trifft jetzt auch dein Blatt, den IQ. Der Redaktionssitz in München ist sauteuer. Das überqualifizierte Personal ist purer Luxus. Und für die Honorare, die du an deine zugegebenermaßen brillanten Gastautoren zahlst, fehlen nicht nur mir die Worte.“
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„War früher kein Thema, das alles, nicht wahr?“
„Früher, früher! Das war noch unsere Zeit, Daniel. Wir elitären Wichte sitzen heute als Säulenheilige hoch oben und sind extrem absturzgefährdet. Wenn ich nicht mein relativ weich gepolstertes Nest im Vorstand hätte … Quote oder Auflage adeln jeden Schwachsinn. Und Qualität, die nichts oder wenig einbringt, hat keinen Wert.“
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„Dann bin ich also freigestellt?“
„Eben nicht, Daniel. Im Gegenteil. Du machst Karriere.“
„Aber ohne IQ.“
„Nicht einmal ganz ohne. Dein Magazin wird weiterhin erscheinen, fallweise wenigstens, wenn sich intellektuell, aber auch kaufmännisch relevante Themen finden. Special Interest, du verstehst.“
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„Redaktioneller Lockstoff für Inserate.“
„So ähnlich. Muss deswegen ja nicht schlecht gemacht sein. Außerdem wird dein wichtigstes Aufgabengebiet woanders liegen.“
„In der Ablage?“
„Sehr witzig. Wir machen dich zum Kreativdirektor, hier, in der Konzernzentrale.“
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„Gut. Dann wird es den IQ wieder geben.“
„Wird es nicht. Statt auf teure Ideen zu kommen, sollst du die schöpferische Kraft im Hause bündeln, straffen und profilieren. Und zwar medienübergreifend.“
„Damit noch mehr Mist mit noch weniger Aufwand ausgestreut werden kann.“
„Mist bringt reiche Ernte, Daniel. Und vielleicht ist die Zeit irgendwann wieder einmal reif für edlere
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Produkte.“
„Nein.“
„Was soll das heißen?“
„Nein danke.“
„Wir haben noch gar nicht über das Geld gesprochen und über andere, ziemlich unwiderstehliche Details
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deines Vertrages.“
„Ich weiß was Besseres, Bernd. Wir leeren jetzt miteinander in aller Ruhe diese Flasche, reden von alten Zeiten, lästern über die Gegenwart und bleiben gute Freunde.“
„Deine Entscheidung wird auf blankes Unverständnis und Befremden stoßen. Ich sag dir was, Daniel …“
„Was denn?“
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Jetzt grinste Rösler.
„Ich freu mich schon auf die blöden Gesichter.“
Der Zimmerkühlschrank war ein Kubus aus poliertem Edelstahl. Nach einigen Versuchen hatte Käfer herausgefunden, dass man leicht gegen die Vorderseite drücken musste, um ihn zu öffnen. Das tat er ziemlich oft in dieser Nacht. Nicht weil sein Lebenswerk in wenigen Wochen nur noch Erinnerung sein
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würde. Er hatte diese Entwicklung kommen gesehen und zunehmend lästige Einmischungen hatten ihm die Freude an der Arbeit mehr und mehr verdorben. Nein, es ging nicht darum, Kummer wegzutrinken.
Daniel Käfer erlebte sich nach vielen erfolgreichen, aber auch mühsamen Berufsjahren unvermutet als freier Mann. Es gab zwar keine nennenswerten Ersparnisse, aber Rösler hatte ihm eine wirklich großzügige Abfertigung zugesagt. Den Kolleginnen und Kollegen aus der Redaktion würden im Konzern neue Aufgaben
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angeboten werden. Er konnte also unbeschwert über sein künftiges Leben bestimmen.
Als Chefredakteur und Herausgeber war er kaum noch zum Schreiben gekommen. Vielleicht wagte er sich jetzt an ein ehrgeiziges Werk? Oder sollte er einen kleinen Verlag gründen, als Antithese zu umsatzgeilen Medienfabriken? Es stand ihm frei, sich als Aussteiger am Rande der Leistungsgesellschaft zu versuchen, als Quereinsteiger in der Politik, was immer. Er konnte es sich leisten, Weinbauer zu werden, Olivenzüchter
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oder Gastwirt. Daniel Käfer sah sich unvermutet mit einer großen, reich gefüllten Spielzeugkiste beschenkt. Darüber freute er sich, war fast schon übermütig. Er konnte sich nicht erinnern, in den letzten Jahren je in einer solchen Stimmung gewesen zu sein.
Morgen, mit dem Rückflug nach München, fing vorerst noch einmal der Ernst des Lebens an. Heute war eine kleine Orgie fällig, auch wenn sie nicht ins Hoteldesign passte.
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Er trank, aß salzige Erdnüsse und süße Schnitten, dachte nach und lachte halblaut, wenn eine besonders verrückte Idee des Weges kam. Allmählich wurde er müde, verfing sich in Träumen, holte Erinnerungen hervor und fand sich zwischendurch in der Gegenwart wieder. Ein seltsamer Tag. Rösler hatte nicht ohne Grund von einem neuen Leben gesprochen.
Erst nach und nach nahm Käfer ein wohltönendes, metallisch sprödes Geräusch wahr. Ach so, das Telefon,
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Klangdesign, was sonst. Unwillig griff er zum Hörer.
„Wer ruft mir?“
„Als faustischer Erdgeist bist du nicht sehr überzeugend, Daniel, schon gar nicht betrunken.“
„Sabine! Wie schön …“
„Schon gut. Ich konnte nicht früher anrufen. Sag, was war heute?“
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„Mein IQ ist ab sofort verzichtbar.“
„War zu befürchten. Und weiter?“
„Ein unkeusches Angebot. Kreativdirektor. So etwas wie ein Trommler für Galeerensträflinge.“
„Soll das heißen, du hast abgelehnt?“
„Ja.“
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„Das sieht dir ähnlich, Daniel.“
„Du meinst, es war idiotisch?“
„So deutlich wollte ich nicht sein.“
„Es geht mir gut dabei. Gut wie selten zuvor.“
„Das ändert sich spätestens mit einem verkaterten Morgen.“
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„Vorübergehend vielleicht. Aber nicht wirklich. Laß es dir erklären.“
„Laß uns in München darüber reden, nüchtern.“
„Wie es so deine Art ist.“
„Ja. Und ab ins Bett mit dir.“
Aus: Alfred Komarek: Die Villen der Frau Hürsch, Haymon-Verlag 2004, S. 5-12
#dialektischeerörterung#innerermonolog#zusammenfassen#charakterisierung
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Epik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Alfred Komarek (*1945): Die Villen der Frau Hürsch (2004)
1.
Der Roman Die Villen der Frau Hürsch von Alfred Komarek, datiert auf das Jahr 2004, handelt von dem Chefredakteur Daniel Käfer, der von seinem Vorgesetzten als Chefredakteur gekündigt wird, aber gleichzeitig das Angebot bekommt, Kreativdirektor des Verlages zu werden. Dieses schlägt er allerdings aus, um seine neue berufliche Freiheit auszukosten.
Daniel Käfer, der Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift IQ, befindet sich in einem Hotelzimmer und sinniert über die Sommerurlaube, die er als Kind im Salzkammergut verbracht hat - die damalige Freiheit hinterlässt bleibende Eindrücke bei ihm. Zuvor hat er seinen Freund und Vorgesetzten Bernd Rösler getroffen. Bereits ahnend, dass es nicht gut um die Zeitschrift IQ steht, ist er nicht überrascht, als Rösler ihm mitteilt, dass die Zeitschrift IQ aufgrund von Sparmaßnahmen eingestampft wird. Käfer soll jedoch weiterhin als Kreativdirektor in der Zentrale arbeiten. Käfer lehnt dieses Angebot jedoch wegen des fehlenden intellektuellen Anspruches ab - dies ist ihm wichtiger als Geld oder Ansehen. Im Hotelzimmer denkt Käfer über seine berufliche Zukunft nach und verspürt ein Gefühl der Freiheit, vermutlich aufgrund der recht hohen Abfindung. Selbst das Telefongespräch mit seiner Partnerin Sabine, die seiner Entscheidung kritisch gegenübersteht, kann ihn nicht von seiner Hochstimmung abbringen.
Aufgabe 2
2.
Der Protagonist Daniel Käfer ist zwischen 30 und 40 Jahren alt - seine Sommerurlaube im Salzkammergut sind drei Jahrzehnte her. Er ist der Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift IQ und hat dementsprechend ein recht hohes Einkommen. Dies ist daran erkennbar, dass er Weinkenner ist und auch edle Tropfen zu erkennen und schätzen weiß. Trotzdem scheint Käfer eher moderat zu leben, da er den Wein, der ihm beim Treffen mit Rösler angeboten wird, nicht kennt. Generell sind materielle Dinge oder Ansehen irrelevant für ihn, er hat kaum nennenswerte Ersparnisse. Dass er das Anstellungsangebot zum Kreativdirektor ausschlägt spricht zudem für diese Tatsache. Ihm geht es um ideelle Werte und so fühlt er sich auch in Frankfurt, der Stadt des Geldes nicht wohl. Die lukrativen Details und das Gehalt, das er als Kreativdirektor bekommen würde, interessieren ihn nicht. Selbstverwirklichung bei gleichzeitigem hohen Anspruch ist für ihn wichtig, auch dass er sich selbst treu bleibt - das Angebot würde diese Aspekte nicht beeinhalten, weshalb er es ablehnt. Zeitschriften, die er verlegt, müssen seinem intellektuellen Anspruch gerecht werden und dadurch erfolgreich sein. Käfer will sich nun einem anderen ehrgeizigen Werk widmen, wie beispielsweise dem Schreiben eines Buches. Er ist ein typischer Intellektueller nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich. Sein Hemd hat Weinflecken, die ihm egal sind, er trägt eine abgewetzte Cordhose.
Käfer zeigt durch sein Verhalten seinen Mut, seinen Optimismus und auch, dass er zu seinen Prinzipien steht. Er hat keine Angst vor einem beurflichen Neuanfang, er sieht diesem ja sogar erfreut und hoffnungsvoll entgegen, empfand die alte Arbeit zunehmend als Last. Ihm geht es so gut wie selten zuvor, was er auch seiner skeptischen Partnerin Sabine mitteilt. Trotzdem denkt er auch an seine ehemaligen Mitarbeiter, die nicht arbeitslos auf der Straße stehen werden, sondern weiß, dass sie im Konzern neue Aufgaben zugewiesen bekommen werden. Somit muss er sich dieser Last nicht zusätzlich annehmen und kann unbeschwert über seine Zukunft nachdenken.
Ganz im Sinne seiner intellektuellen, freigeistigen Einstellung findet der Protagonist den Materialismus und auch die Leistungsgesellschaft abstoßend. Dies wird deutlich, als er die Stadt Frankfurt beschreibt. Sie ist ihm zu hell, zu laut, zu aufdringlich, zu sehr am Geld und Gewinn orientiert. Er setzt sie in Beziehung zu den Sommerurlauben, die er in Österreich verbracht hat, wodurch sich ein starker Kontrast ergibt. Hier umgaben ihn blaue Seen, grüne Wälder, das ruhige Plätschern eines Baches, nur das entfernte Licht einer Straßenlaterne erleuchtete die Nacht. Er fühlt sich dort heimisch, ganz im Gegensatz zu dem kühlen Designhotel, in dem er sich im Moment befindet. Früher war für ihn alles besser, auch den Entwicklungen in der Medienbranche steht er kritisch gegenüber. Als Kreativdirektor würde er sich gleich einem Trommler für Galeerensträflinge fühlen, er wäre im Prinzip dafür verantwortlich, dass noch mehr triviale Zeitschriften verbreitet würden - etwas, wofür er aufgrund seiner Prinzipien nicht einstehen kann.
Die Arbeit hat Käfer zunehmend als Last empfunden: zum Schreiben kam er als Chefredakteur fast gar nicht mehr, immer wurde sich in Entscheidungen seinerseits eingemischt. So fühl er sich ungemein befreit, als er seinen Job komplett kündigt, er ist fröhlich und ermutigt. Er stellt sich sogar vor, Gastwirt oder Weinbauer zu werden, etwas, das überhaupt nichts mit seinem bisherigen Berufsfeld zu tun hat. Trotzdem ist er der Literatur sehr verbunden. Er nimmt Bezug auf Goethes Faust I in seinem Telefonat mit seiner Partnerin Sabine, hat bereits früh angefangen, sich für Bücher zu interessieren und hat als Verleger der IQ nur die besten Gastautoren für etwaige Artikel ausgesucht.
Der Textausschnitt stellt zwei weitere, für Käfer elementare Figuren vor: Käfers Freund und Vorgesetzter Bernd und seine Partnerin Sabine. Sabine scheint ihren Partner und seine Einstellung gut zu kennen, sie ahnt bereits, dass die Zeitschrift IQ abgesetzt wurde und ist auch nicht überrascht, als Daniel ihr erzählt, dass er das Angebot zum Kreativdirektor abgelehnt hat. Rösler und Käfer haben ein vertrautes Verhältnis zueinander, sie nennen sich beim Vornamen. Rösler teilt außerdem Käfers Meinung zur Qualität von Zeitschriften, die viel elementarer ist als deren Auflage und doch sieht er, dass Qualität eben keinen Umsatz oder gar Gewinn bringt. Das freundschaftliche Verhältnis zwischen Rösler und Käfer wird außerdem bei Röslers Reaktion auf die Ablehnung des Angebots auf Seiten Käfers deutlich: er will befreundet bleiben, von alten Zeiten reden und über die Gegenwart lästern. Rösler verspürt sogar eine gewisse Bewunderung für Käfer und freut sich bereits über die blöden Gesichter der anderen Mitarbeiter, wenn er ihnen von der Ablehnung des Angebots erzählt.
Insgesamt lässt sich Daniel Käfer als schöngeistiger, den Materialismus verachtenden Intellektuellen beschreiben, der sich von der Leistungsgesellschaft abwendet, um sich noch mehr selbst zu verwirklichen und seinen Träumen und Ambitionen nachzugehen.
Aufgabe 2
3a.
Der vorliegende Textauszug aus Alfred Komareks Roman Die Villen der Frau Hürsch beschreibt, wie Daniel Käfer sich angesichts seiner Aufgabe seines Jobs als Chefredakteur und Verleger von einer Last befreit fühlt. Im Folgenden soll erörtert werden, inwiefern Käfers Entscheidung, ein Jobangebot als Kreativdirektor abzulehnen, für den Leser nachvollziehbar ist.
Daniel Käfers Entscheidung, den Job als Kreativdirektor seiner bisherigen Firma abzulehnen ist durchaus nachvollziehbar. Durch dieses Ablehnen kann er nun endlich versuchen, berufliche Erfüllung zu erlangen. Bei seinem bisherigen Job hatte er keinen Spaß mehr an der Arbeit. Obwohl er Chefredakteur ist, schreibt er nicht mehr viel und Entscheidungen kann er nicht mehr alleine treffen, denn er muss mit der Einmischung anderer zurechtkommen. Käfer ist nicht der Meinung, dass er bei einem Job als Kreativdirektor mehr Entscheidungsfreiheit haben würde, im Gegenteil, er müsse noch mehr auf die Kosten achten und sich noch mehr am Gewinn der Zeitschriften orientieren - seine Leitprinzipien der Intellektualität kämen hierbei viel zu kurz.
Die Einhaltung seiner eigenen Prinzipien ist Daniel Käfer äußerst wichtig. Für ihn zählt Qualität mehr als Masse und Intellektualität vor umsatzstarken Themen. Er interessiert sich nicht für den Gewinn oder den Umsatz der Firma, er will nur seine eigene Kreativität und Intellektualität ausleben. Alles andere ist ihm relativ egal, auch die Mitarbeiter zählen für ihn nicht sonderlich viel, allein deren Unterkommen im Mutterkonzern liegt im am Herzen bei seinem Abgang.
Selbstverwirklichung - für Daniel Käfer das ultimative Ziel seiner beruflichen Laufbahn. Ob er diese als Gastwirt, Winzer, oder Olivenbauer erfährt, ist ihm gleichgültig. Die Überlegung, eine andere Branche einzuschlagen, zeigt Käfers Unabhängigkeit. Er kann sich jedoch auch vorstellen, einen eigenen kleinen Verlag zu gründen, quasi als Kampfansage gegen die großen Verlagskonzerne. Er freut sich sogar regelrecht über die Entlassung und über die vielen Möglichkeiten, die sich ihm jetzt auftun.
Trotz dieser positiven Aspekte steht trotzdem die finanzielle Unsicherheit, die noch im Raum steht. Natürlich bekommt Käfer eine recht hohe Abfindung, doch diese ist schließlich endlich. Und bei einem vermutlich relativ unlukrativen Job als Weinbauer braucht man eine finanzielle Absicherung. Da er keine großen Ersparnisse hat, ist ein lukrativer Job essentiell, um seine Träume zu verwirklichen. Außerdem hat Käfer einen durchaus gehobenen Lebensstil, was man an seinen Weinkenntnissen sieht. Zudem bringt der Job als Kreativdirektor einige interessante Vorteile mit sich, die im Text nicht genauer erläutert werden. Um sich selbst zu verwirklichen, könnte Käfer auch in seiner Freizeit beispielsweise an einem Buch schreiben.
Außerdem weiß Daniel Käfer ja gar nicht, ob der neue Job als Kreativdirektor nicht auch zu seiner Selbstverwirklichung beitragen könnte. Er hätte zum einen viel mehr Verantwortung und könnte so auch gewisse Projekte umsetzen, die seinen Interessenbereich abdeckten. Er könnte außerdem in ganz andere Medienzweige Einblick haben und dort seinen Wirkungsbereich vergrößern. So könnte er außerdem seine schöpferische Kraft und Kreativität voll ausleben - es scheint also nicht wirklich plausibel, dass Käfer den Job ablehnt.
Auf der einen Seite ist Käfers Entscheidung durchaus nachvollziehbar: er wünscht sich berufliche Verwirklichung, die er momentan nicht spürt und weswegen er unglücklich ist und seine Arbeit als Belastung empfindet. Als Kreativdirektor in derselben Firma wird er wahrscheinlich die gleichen Gefühle haben - an den Strukturen innerhalb dieser Organisation wird sich ja nichts ändern, und auch nicht am Tätigkeitsbereich. Käfer will seiner Schreibleidenschaft nachgehen; im jetzigen wie auch im angebotenen Job würde er diese nicht ausleben können. Auch seine Leitprinzipien würde er nicht verwirklichen können, denn der Verlag ist konsumkonzentriert und am Gewinn ausgerichtet - egal ob der Inhalt nützlich, interessant, oder informativ ist. Dies kann Käfer nicht dulden und schon gar nicht verantworten. Natürlich ist der finanzielle Aspekt nicht zu ignorieren. Ohne Geld kann auch keine Verwirklichung stattfinden. Doch da Käfer eine hohe Abfindung bekommen wird und da er als Intellektueller und auch als Chefredakteur und Herausgeber sehr erfolgreich war, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er bei seinem neuen Job - egal ob als Schriftsteller, Olivenbaumzüchter oder ähnlichem - genauso erfolgreich werden wird. Leidenschaft ist das was ihn antreibt, und diese ist einem Erfolgsgaranten gleichzusetzen.
Aufgabe 2
3b.
Was für eine Katastrophe, dieses Hotel. Dieses Design, da wird mir jetzt noch schlecht. Immerhin hat die Minibar etwas getaugt, aber das wars auch schon… Naja, ich hab's nicht bezahlt, von daher, auch egal. Und das war eines der seltsamsten Meetings, die ich jemals erlebt habe. Der teure Rotwein, das lukrative Angebot, Bernd, mit dem ich schon so lange befreundet bin, und der mir wie ein Bruder ist. Sein Verständnis, ja sogar seine Aussage, dass die anderen ziemlich blöd gucken werden, wenn sie von meiner Entscheidung erfahren. Aber das war doch auch genau richtig so. Ich meine, ich war schon so lange so unglücklich als Chefredakteur… Ich konnte kaum mehr schreiben als das Vorwort, und seien wir mal ehrlich, das kann auch der Praktikant sogar im Schlaf schreiben. Ständig wurde sich in meine Entscheidungen eingemischt, nie konnte ich meine Ideen komplett umsetzen. Es ist wie eine Last, die jetzt von mir fällt, wie eine Unbeschwertheit, die mein Herz jetzt erfüllt, wie damals im Salzkammergut, als meine einzige Sorge der nächste Mückenstich und das Ende meines Lieblingsbuches war. Wobei ich schon ziemlich viel Geld verdienen würde als Kreativdirektor… ich könnte Sabine tolle Geschenke machen, mir ein eigenes Weingut kaufen. Aber halt! Erinner dich an deine Prinzipien! Du würdest nur für den Gewinn des Unternehmens arbeiten! Nicht für deinen eigenen Gewinn! Nicht für die Intellektualität, für all die berühmten Autoren da draußen. Hemingway würde sich vermutlich im Grab umdrehen, wenn ich den Job wegen des Geldes annehmen würde… Ach und diese ganzen Klatschblätter, die will ich sicherlich nicht mit mir verbunden haben. Nur noch Schrott, der da gedruckt werden soll. Und ich noch als Verantwortlicher für das alles - ne, da verzichte ich dankend drauf. Und immer geht es nur ums Geld, Gewinnmaximierung, mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr, mehr, mehr. Immer mehr. Ich will nicht mehr. Ich kann es auch gar nicht mehr hören. Und meine gute IQ, eingestampft. Und für diesen Laden soll ich noch arbeiten? Sicher nicht! Die wissen meine ganze Arbeit doch gar nicht zu schätzen, die langen Stunden, die ich bis nachts in die Zeitschrift investiert habe, die Goldkontakte, die ich mit berühmten Autoren weltweit geknüpft habe, alles, was ich für diese Firma gegeben habe. Und so wird es mir nun gedankt, indem ich jetzt Schrotthefte verwalten soll… Alles umsonst. Aber besser so, als auch nur einen Fuß in den Laden zu setzen. Und was sollten nur meine Literatenfreunde denken, wenn sie erfahren, dass ich nun Kreativdirektor werden soll, von diesen Schundheften. Ohgott, das will ich mir gar nicht vorstellen, da könnte ich mich nie mehr wieder blicken lassen. Nein, nein. Dieses Kapitel schließe ich jetzt ab und lasse es für immer hinter mir. Ich brauche diese Leute ja nicht. Ich kann genauso gut meinen eigenen kleinen Verlag gründen und denen den Kampf ansagen, meine Kontakte zu den ganzen Autoren habe ich ja noch. Aber ne, muss ich auch nicht, brauch ich auch nicht. Ich will mich jetzt nur aufs Schreiben konzentrieren. Vielleicht sollte ich ins Salzkammergut zum Schreiben gehen, damals, im Urlaub, da war ich so imaginativ dort, da hab ich mir ja die außergewöhnlichsten Geschichten ausgedacht. Das wäre doch eine Idee! Und mit der Abfindung habe ich auch keinen Druck, sofort etwas produzieren zu müssen. Und für Sabine hätte ich endlich wieder mehr Zeit, sie ist mir doch so wichtig und während all der Jahre ist unsere Beziehung immer etwas zu kurz gekommen. Das kann ich jetzt ändern! Und am liebsten würde ich sofort von München aus in den Zug steigen und nach Österreich fahren und anfangen zu schreiben, ich bin so aufgeregt…!
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