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Aufgabe 2

Aufgaben
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Epik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Benedict Wells (*1984): Fast genial (2011)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Fasse den Inhalt des Romanauszugs zusammen.
  2. Charakterisiere Francis Dean.
  3. „Ich wollte etwas schreiben, wovon sich Leute mit 18, 19, 20 Jahren berührt und verstanden fühlen.“
    - Benedict Wells
    Diskutiere, ob dies dem Schriftsteller mit dem vorliegenden Romanbeginn gelungen ist.
    oder
    Verfasse einen inneren Monolog, in dem Francis Dean auf dem Weg durch die Station die Beziehung zu seiner Mutter reflektiert.
$\;$
Text
Benedict Wells - Fast genial (2011)
„Ich werde fliehen!“
Wie so oft saß Francis in der Klinik, neben ihm seine Mutter. Der Stuhl war zu klein für ihn, die Lehne drückte ihm in den Rücken. Er schloss die Augen und stellte sich vor, wie er von einer Klippe sprang und mit dem Kopf voran ins Meer tauchte. Das ist Freiheit, dachte er.
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Währenddessen redete seine Mutter weiter: „Ich werde hier abhauen oder mich rausklagen. Das ist alles deine Schuld, Francis, du hast mein Leben kaputt gemacht!“
Seit er sie mit Hilfe des psychiatrischen Notdienstes in die Klinik gebracht hatte, war sie nicht besonders gut auf ihn zu sprechen. Er nahm ein Zehncentstück aus der Tasche und warf es in die Luft. Zahl bedeutete, dass alles gut ausging, Kopf, dass alles schlecht endete. Gespannt fing er die Münze wieder
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auf, doch gerade als er nachsehen wollte, was oben lag, kam jemand ins Zimmer.
Es war Dr. Sheffer, der neue behandelnde Oberarzt. Er nickte Francis zu und berührte die Scultern der vierzigjährigen Frau, die auf dem Stuhl saß und nun völlig abwesend wirkte.
„Seit wann ist sie in diesem Zustand?“
Francis rieb sich die Augen. „Seit ungefähr einer Woche“, antwortete er. „Seitdem ist sie vollkommen irre,
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wenn man das so sagen kann.“
Ja, das konnte man so sagen.
Der Arzt machte sich Notizen und studierte die Unterlagen. „Hier steht, Ihre Mutter hat eine manische Depression[1]?“
Francis zuckte mit den Achseln. „So geht das jedenfalls schon seit Jahren. Und wenn sie dann noch ihre
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Medikamente absetzt, kommt der totale Zusammenbruch.“
Dr. Sheffer blickte die Mutter an, sie sah lächelnd zurück. Sie schien überhaupt keine Ahnung zu haben, dass von ihr die Rede war. Die dunklen Haare hingen ihr ins Gesicht, sie hatte Augenringe und schnaufte. Trotzdem sah sie selbst in diesem Zustand noch einigermaßen gut aus.
Francis begann von ihrer Krankheit zu erzählen, der unerklärlichen Aggressivität ihm gegenüber, dem
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Schlafmangel und ihrem Verfolgungswahn. So hielt sie ihre Nachbarn für geheime Regierungsmitarbeiter, die sie ausspionieren wollten. Sie hatte sogar ihr Handy weggeworfen, weil sie dachte, darin seien Peilsender eingebaut.
Francis sah zu seiner Mutter, die ihn regungslos anblickte und dann seine Hand drückte. Und für einen Moment vergaß er den Wahnsinn und fühlte sich ihr nahe wie vor Jahren als kleines Kind, und es brach
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ihm fast das Herz, sie wieder hier sitzen zu sehen.
„Wie alt sind Sie?“, fragte ihn der Arzt.
„Ich bin fast achtzehn.“
„Sie wirken älter.“
Francis hörte das öfter, und er wusste noch immer nicht, was er darauf sagen sollte.
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Dr. Sheffer ging weiter die Akte durch. Katherine Angela Dean stand auf dem Deckblatt. Seine Mutter war bereits das dritte Mal in dieser Klinik, bis auf den neuen Arzt kannte sie jeder. Und ihn leider auch.
„Hier steht, dass Sie einen Halbbruder haben.“
„Ja, Nicky, er ist dreizehn. Er lebt jetzt aber in New York bei meinem Stiefvater Ryan. Mom und ich wohnen allein.“
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„Was ist mit Ihrem leiblichen Vater?“
Francis schaute zu Boden. Er wusste nicht, wer sein Vater war. Seine Mutter hatte es ihm nie sagen wollen, sie hatte nur einmal gemeint, dass es eine kurze Affäre mit jemandem von weit weg gewesen sei. „Weit weg“ konnte vieles bedeuten, sein Vater hätte Australier oder Engländer sein können. Aber wahrscheinlich verbarg sich hinter „weit weg“ nur ein Yuppie[2]-Arsch, der sich L.A. ansehen wollte und
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nach einem Spiel der Lakers seine Mom gevögelt hatte. Sie war bei den Cheerleadern gewesen und hatte viele Verehrer gehabt. Einer von ihnen hatte damals seine Gene in den Ring geworfen und ohne es zu wissen einen Sohn gezeugt, und nun verschwendete er wahrscheinlich keinen einzigen Gedanken mehr daran.
„Ich kenne meinen Vater nicht. Ich weiß auch nicht, wie er heißt.“
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Dr. Sheffer nickte. Er klappte die Akte zu und meinte, dass Francis' Mutter in guten Händen wäre, das Wichtigste sei, dass sie erst mal zur Ruhe kommen und schlafen würde. Was nichts anderes bedeutete, als dass man sie mit Neuroleptika und anderen Medikamenten vollstopfte und auf der Station festhielt.
Es klopfte an der Tür. Steve, ein übergewichtiger Pfleger in einem weißen Shirt, kam ins Zimmer. Er fasste Mrs. Dean bei den Schultern und führte sie hinaus. Francis stand ebenfalls auf und gab Dr. Sheffer die
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Hand. Der sah zu ihm hoch und drückte besonders fest zu, wie die meisten Männer, die nicht groß waren. Francis schnappte sich den Koffer mit den Sachen seiner Mutter und folgte ihr.
Als sie den Flur entlanggingen, fürchtete er sich schon vor den schlechten Witzen, die Steve immer erzählte. Sie betraten Zimmer 039. Während seine Mutter ihre Sachen auspackte, überraschend uhig und gewissenhaft, setzte Francis sich auf das Bett und schloss die Augen. Die letzten Tage hatte er kaum
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geschlafen. Er stellte sich vor, wie seine Mitschüler gerade mit ihren Familien zu Mittag aßen oder in der Mall rumhingen.
Steve versuchte ihn aufzumuntern. „Hey“, fragte er grinsend. „Wie viele Blondinen braucht man, um eine Glühbirne einzuschrauben?“
Francis öffnete die Augen und sah den Pfleger stirnrunzelnd an. Als das nicht reichte, zuckte er auch
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noch mit den Schultern.
„Fünf!“, sagte Steve daraufhin. „Eine hält die Glühbirne, und vier drehen die Leiter!“
Um ihn nicht völlig zu blamieren, deutete Francis ein Lächeln an. Dann bekam er mit, wie seine Mutter ein gerahmtes Foto aus der Tasche zog, auf dem ein großer, breitschultriger Junge mit schwarzen Haaren zu sehen war. Er trug eine Sportjacke und sah erschöpft, aber zufrieden aus. Francis erinnerte sich gut an
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diesen Tag, damals hatte er einen wichtigen Ringkampf gewonnen. War jedoch ziemlich lange her, wie die meisten Bilder, auf denen er zufrieden aussah.
Während seine Mom und der Pfleger auspackten, schaute er sich auf der Station um. Die Böden waren mit dunkelgrünem Linoleum ausgelegt, seine Schuhe erzeugten beim Gehen ein knarzendes Geräusch. Die Wände waren weiß gestrichen, trotzdem wirkte die Klinik düster, wie hinter einem Grauschleier. Die
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Schwestern kannten ihn, sie warfen ihm mitleidige Blicke zu, und manchmal hatte Francis das Gefühl, sie taten es nicht, weil er diese Sache mit seiner Mutter hatte, sondern weil er auch noch diese Sache mit seiner Mutter hatte. Er wusste, dass ihn die meisten Leute für einen perspektivlosen Versager oder einen dummen Riesen hielten, und es war ein bisschen bitter, dass er ihnen nicht das Gegenteil beweisen konnte. Dabei war er früher einer der besten Schüler seiner Klasse gewesen. Im Unterricht war ihm immer
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mal wieder ein Satz herausgerutscht, den die Lehrer für bemerkenswert hielten. Das und die Tatsache, dass er als Kind bei einem Schuleignungstest einer der Besten gewesen war, hatte die Leute sogar glauben lassen, er sei vielleicht hochbegabt. Seine Mutter hatte früher jedenfalls immer zu ihm gesagt: „Frankie mein kleines Genie!“ Doch in den letzten Jahren war vieles anders geworden, und inzwischen konnte er froh sein, wenn die Schule sein geringstes Problem war.
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Die Stimmung auf der Station war trostlos. In einem Zimmer saßen Pfleger und schwatzten, im Fernsehraum lief eine Doku auf PBS[3]. Ab und zu schlichen ein paar Patienten wie Zombies über den Flur, sie hatten ungewaschene Haare und trugen Jogginghosen oder Shorts. Einige brabbelten vor sich hin, andere schauten nur traurig oder finster drein. Aus einem der hinteren Zimmer drang Gebrüll. Francis hatte das Gefühl, dass man auf dieser Station auch gut einen Horrofilm hätte drehen können. Die meisten
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Leute hier schienen etwas älter zu sein, mehr Frauen als Männer. Was alle einte, war die Langsamkeit. Sie gingen langsam, sie redeten langsam, und wenn sie aus dem fenster sahen, dann unendlich lange.
Die Patientenzimmer waren geschlossen, nur bei einem war die Tür halb geöffnet. Durch den Spalt entdeckte Francis ein Mädchen, das nichts als eine schwarze Jeans und einen BH trug und sich gerade ein T-Shirt anzog. Ihr Kopf war unter dem Shirt verschwunden, und so betrachtete er ihre Brüste. Kurz
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darauf konnte er ihr Gesicht sehen; weiße Haut, schulterlange schwarze Haare, ein feingeschwungener Mund. Dazu große, dunkle Augen, die nun in Richtung Tür blickten.
In diesem Moment gab es einen gewaltigen Ruck. Francis erschrak, er wusste nicht, was geschehen war. Jemand hatte seinen Kopf gepackt und mehrmals in klares Wasser getaucht. Jemand hatte ihn auf ein Katapult gelegt und tausend Meter in die Höhe geschossen. Jemand hatte ihm mit voller Wucht gegen
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die Brust geschlagen, doch seltsamerweise tat es nicht weh. Alles geschah auf einmal. Es war 14:32, als sich für Francis Dean alles änderte.
Er konnte den Blick noch immer nicht von diesem Mädchen abwenden. Ihm fiel auf, dass sie Piercings im Ohr und an der Nase hatte. Zudem waren ihre Handgelenke bandagiert, wahrscheinlich war das ihre Eintrittskarte für Zimmer 035 gewesen.
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Das alles war in wenigen Millisekunden geschehen, denn längst hatte sie ihn entdeckt. Im ersten Moment schien sie sich zu ärgern, dass sie die Tür offen gelassen hatte, im zweiten Moment fauchte sie ihn an. „Verpiss dich, du Spanner!“
„Ich wollte nicht … Ich bin nur vorbeigelaufen, und da …“
Sie kam auf ihn zu und streckte ihm den Mittelfinger entgegen, dann knallte sie die Tür vor seiner Nase
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zu.
Francis blieb noch einen Augenblick vor dem Zimmerstehen und las, was auf dem Türschild stand: Anne-May Gardener. Den Namen würde er sich merken.
Aus: Benedict Wells: Fast genial, Zürich, Diogenes 2013, S. 11-17

[1] manische Depression: psychische Erkrankung mit extremen Stimmungsschwankungen
[2] Yuppie (engl. Abk.: young urban professional people): junger, karrierebewusster Stadtmensch, Aufsteiger
[3] PBS: nichtkommerzielle TV-Senderkette in den USA
#innerermonolog#charakterisierung#zusammenfassen#epik#dialektischeerörterung
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Aufgabe 2

Epik

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Benedict Wells (*1984): Fast genial (2011)
1.
Der vorliegende Textauszug aus Benedict Wells' Roman Fast genial, datiert auf das Jahr 2011, behandelt die Probleme, denen der junge Erwachsene Francis Dean aufgrund der manischen Depression seiner Mutter gegenübergestellt wird.
Die Handlung beginnt in einer Art Krankenhaus - vermutlich in Los Angeles. Francis hat seine Mutter Katherine mithilfe des psychiatrischen Notdienstes einliefern lassen, da sie ihre Medikamente abgesetzt hatte, die ihre Depression lindern sollen. In dem Gespräch mit dem betreuenden Arzt erläutert Francis den sich stetig verschlimmernden Gesundheitszustand seiner Mutter und erklärt die familiären Verhältnisse, in denen er aufgewachsen ist. Francis lebt demnach mit seiner Mutter alleine, hat aber einen jüngeren Bruder, der mit seinem Stiefvater in New York wohnt. Sein eigener Vater ist ihm nicht bekannt. Im Anschluss bezieht die Mutter ihr Zimmer und sie packt ihre Tasche aus. Francis wandert währenddessen auf der Station umher und erblickt einen offenen Türspalt, durch den er schaut. Er erblickt ein halbnacktes Mädchen und beobachtet dieses - sofort fühlt er sich, als ob sich die ganze Welt verändert hätte. Als sie ihn sieht, beschimpft sie ihn und trotzdem will sich Francis ihren Namen einprägen.
2.
Francis Dean ist der 17-jährige Sohn von Katherine Dean - er jedoch oftmals älter geschätzt. Mit seiner Mutter - die eine psychische Krankheit hat - wohnt er in Los Angeles und geht dort noch in die Schule. Diese bezeichnet er selbst als sein geringstes Problem. Francis ist überdurchschnittlich groß, der Stuhl in der Klinik ist ihm zu klein und er wird von anderen als riesig wahrgenommen. Ein Bild zeigt ihn als dunkelhaariger Teenager mit breiten Schultern, er ist Ringkämpfer.
Francis' familiäre Situation ist prekär: er kümmert sich um seine manisch-depressive Mutter, sein Halbbruder lebt bei seinem Stiefvater in New York und seinen eigenen Vater kennt er nicht. Offenbar kümmert sich Francis schon seit einiger Zeit um seine Mutter, denn es ist sein dritter Klinikbesuch mit ihr. Er übernimmt hier die volle Verantwortung für sie, weist sie selbst in die Klinik ein und übernimmt das Anamnesegespräch mit den Ärzten, weil seine Mutter dazu nicht mehr in der Lage ist. Durch diese schwere Belastung wirkt eher sehr reif für einen Teenager.
Allerdings hat die Belastung und die Verantwortung auch Konsequenzen für Francis, denn er ist ständig müde und schläft zu wenig. Er wirkt regelrecht überfordert mit der Situation, das macht auch der Tagtraum bewusst, in welchem er von einer Klippe ins kalte Meer springt. Francis wünscht sich eigentlich Freiheit und gleichermaßen ein geregeltes, normales Familienleben, denn er beneidet seine Mitschüler, die mit ihren Familien zu Mittag essen oder sich in der Mall treffen. Er hingegen wird mit seiner aggressiven, unter Verfolgungswahn leidenden Mutter konfrontiert, was sich natürlich auch auf sein Wohlbefinden auswirkt.
Außerdem wird deutlich, dass Francis durchaus melancholisch an seine Kindheit zurückdenkt. Zärtlichkeiten von seiner Mutter wurden ihm schon lange nicht mehr entgegengebracht, weshalb er umso stärker an seine Kindheit erinner wird, als sie seine Hand hält. Manchmal dachte er auch an seinen Vater, doch seine Mutter erzählte ihm nur, dass dieser eine Affäre aus dem Ausland gewesen sei. So ist es ihm unangenehm und er ist unglücklich, als der Arzt ihn nach seinem Vater fragt. Schlimm ist für Francis vor allem der Gedanke, dass sein Vater vielleicht nicht einmal weiß, dass er einen Sohn hat.
Des Weiteren ist Francis äußerst intelligent. Als Kind meldete er sich oft und trug so außerordentlich zum Unterricht bei, bei einem Schuleignungstest war er einer der Besten gewesen. Trotzdem sind seine schulischen Leistungen gerade eher schwach einzustufen, da er hauptsächlich mit den Gedanken bei seiner Mutter ist und sich so nicht auf die Schule konzentrieren kann, was auch durch den Schlafmangel hervorgerufen wird. Für ihn ist es unertragbar, von anderen als perspektivlos oder dummer Riese abgestempelt zu werden, denn dies zeigt, dass Francis im Hinblick auf diese Tatsache durchaus resigniert und hilflos scheint. Seine hohe Auffassungsgabe ist es auch zu verdanken, dass Francis seine Situation besonders intensiv und aufmerksam aufnimmt. Er beschreibt so die Farben der Station und auch das Mädchen im genauen Detail. Als er ihre bandagierten Handgelenke sieht, schließt er sofort darauf, dass diese der Grund für den Aufenthalt des Mädchens in der Klinik seien.
Das Mädchen löst in Francis eine besondere Reaktion aus: da er es gewohnt ist, ständig rationale Entscheidungen für seine Mutter zu treffen, fühlt er sich extrem zu dem halbnackten Mädchen hingezogen. An dieser Stelle wirkt er emotional, und gleichzeitig wird offenbart, dass er nur wenige Erfahrungen dahingehend gesammelt hat. So ist dieses Ereignis für ihn eher schockierend als betörend. Trotz der Beschimpfungen des Mädchens nimmt sich Francis vor, sich ihren Namen zu merken, was darauf hindeutet, dass er nun seine emotionale Seite entdeckt hat.
Generell lässt sich Francis als recht verantwortungsvoller Teenager beschreiben - während er sich vollstens auf das Wohl seiner Mutter konzentriert, stellt er seine eigenen Interessen und Emotionen weitestgehend zurück. Seine glückliche Kindheit scheint nur noch in seinen Erinnerungen zu existieren, auch seine vermutlich erfolgreiche Sportlerkarriere hat er aufgrund der Krankheit seiner Mutter schleifen gelassen. So beherrschen meist negative Gedanken Francis' Gefühle. Doch das Aufeinandertreffen mit dem Mädchen in der Klinik gibt einen hoffnungsvollen Ausblick auf Francis' Zukunft.
Aufgabe 2
3a.
Stellungnahme zu Wells' Zitat
Der Autor Benedict Wells wünscht sich, „etwas [zu] schreiben, wovon sich Leute mit 18, 19, 20 Jahren berührt und verstanden fühlen.“. Inwiefern dieses Ziel im vorliegenden Textauszug zu seinem Roman „Fast genial!“ eingehalten wurde, soll im Folgenden analysiert werden.
Wells beginnt seinen Roman mit den Worten „Ich werde fliehen!“. Francis will einer gewissen Situation entfliehen, will von einer Klippe ins Meer springen und einfach woanders sein. Dieses Gefühl der Gefangenheit kennen viele Jugendliche - in der Pubertät erscheint alles als schwierig und dramatisch. Die Schule nervt und man fragt sich, für was man eigentlich so viel lernt. Die Familie will ständig was von einem und man selbst fühlt sich mit Freunden und den eigenen Gefühlen überfordert und weiß gar nicht, was man eigentlich vom Leben will. Dieses Fluchtgefühl äußert sich meistens darin, dass viele Jugendliche nach ihrem Schulabschluss erst mal ins Ausland gehen, um dem Alltag in Deutschland zu entfliehen. Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wird hiermit erreicht und so können sich etwaige Leser recht gut mit dem Fluchtmotiv Francis' identifizieren.
Auch die ungünstige familiäre Situation, in welcher sich Francis befindet, ist nicht gerade ungewöhnlich. Er lebt alleine mit seiner Mutter in L.A., wohingegen sein Halbbruder mit seinem Stiefvater in New York wohnt. Diese Situation ist manchen Lesern der Zielgruppe durchaus vertraut, denn heutzutage gibt es nicht selten Patchworkfamilien oder alleinerziehende Eltern. Demnach können diese sich besonders in die zerrütteten Familienverhätnissen von Francis einfühlen und fühlen sich selbst wiederum verstanden. Auch, dass Francis sich nach seinem eigenen Vater und dessen Interesse für ihn sehnt, ist dem Leser nicht zwingend unbekannt.
Junge Leser sollten sich jedoch hauptsächlich davon angesprochen fühlen, dass die Hauptfigur etwa im selben Alter wie die Zielgruppe ist. Dies erhöht sowohl die Identifikation als auch die Glaubwürdigkeit und die Authentizität erheblich. Die Zielgruppe sieht sich ähnlichen Problemen wie Francis gegenübergestellt: als Kind waren die Noten noch sehr gut, doch nun bewegt man sich eher im Mittelfeld, was die schulischen Leistungen angeht. Dazu kommt dann auch noch eventueller Liebeskummer. Als Kind war eben alles einfacher und die Probleme, die man als Jugendlicher hat, haben direkte Auswirkungen auf die Noten, aber auch auf etwaige Hobbies wie Sport zum Beispiel. Manche Jugendliche hören auf, Sport zu treiben, weil sie dies zusätzlich überfordert und ihnen geht es demnach ähnlich wie Francis.
Doch es gibt auch einige Punkte, die dagegen sprechen, dass es Benedict Wells gelungen ist, einen Roman zu schreiben, der die 18- bis 20-jährigen anspricht. Zum einen ist die Situation nicht wirklich auf die breite Zielgruppe übertragbar. Natürlich ist es möglich, dass die Eltern eine psychische Krankheit haben, aber nur wenige Kinder werden tatsächlich die volle Verantwortung für dies übernehmen, zumindest nicht ansatzweise in dem Ausmaß, wie Francis es handhabt. Dadurch fällt es sicherlich schwerer, sich vollends in Francis' Situation hineinzuversetzen.Hinzu kommt, dass sich der Leser vermutlich fragt, wie Francis die Situation auf finanzieller Ebene stemmt. Kinder sind schließlich in den meisten Fällen noch von ihren Eltern finanziell abhängig.
Zudem ist die Thematik des Romans sehr realistisch gehalten und wirkt wie direkt aus dem Leben herausgegriffen. Francis Probleme sind schwerwiegend und deprimierend, gar fast schon aussichtslos. Doch Jugendliche fühlen sich oft schon mit ihrer eigenen Lebenssituation überfordert und wollen sich daher in ihrer Freizeit nicht auch noch mit den einschneidenden Problemen einer fiktiven Figur auseinandersetzen. Daher flüchten viele Jugendliche sich eher in Fantsay-Romane oder Videospiele, weil sie sich klar von der eigenen Situation abgrenzen und sie so auch eher unterscheidbar werden.
Betrachtet man die vorgetragenen Argumentationspunkte, so wird deutlich, dass es Benedict Wells zumindest in Teilen gelungen ist, etwas zu schreiben, das Jugendliche berührt und was deren Situation widerspiegelt. Der Romanbeginn gibt primär die Gefühle der Hauptfigur wieder - und mit diesen können sich die Leser tatsächlich direkt identifizieren. Natürlich ist die grundlegende Thematik der psychischen Krankheit der Mutter durchaus als schwierig einzustufen. Doch gerade das kann den Roman zum Beispiel zu einer relevanten Schullektüre etablieren. Oftmals behandelt man in der Schule über Lektüren solche Problematiken als gewisse Prävention. Als solches kann ich mir die Lektüre gut verstellen, da sie auch auf eventuelle Situationen und Gefühle vorbereiten kann.
Aufgabe 2
3b.
Innerer Monolog
Was mache ich hier bloß? Das alles hatte ich mir niemals so vorgestellt und erst recht nicht so gewollt. Warum kann ich nicht einfach ein normaler Junge sein, mit normalen Problemen? Und alles, um was ich mich kümmern müsste, wären meine Noten in der Schule, der Ringkampf und vielleicht noch das ein oder andere Mädchen. Mein größtes Problem wäre, dass ich Samstags nachts betrunken nicht mehr den Weg nach Hause finde und vielleicht gegen ein Verkehrsschild laufe. Aber nein, natürlich wurde ich auserkoren, einfach keine normalen Probleme zu haben.
Stattdessen schlage ich mich mit meiner Mutter rum, die mir auch noch die Schuld an ihrer Situation gibt! Mir?! Was soll denn der Scheiß. Sie. Sie ist doch an allem Schuld. Ich kann auch nichts dafür, dass sie damals nicht intelligent genug war, die Finger von irgendeinem dahergelaufenen Typ aus dem Ausland zu lassen. Und dann nicht mal die Verantwortung für ihre eigene Krankheit zu übernehmen! Für die kann ich nämlich auch nichts. Da kann sie sich nur selbst rausholen und eigentlich sollte sie mir verdammt dankbar sein, dass ich sie in ihren Wahnvorstellungen nicht einfach zu Hause verrückt werden lasse. Das bekomme ich jetzt dafür, dass ich mich um sie kümmere, wie es sonst keiner machen würde. Sie droht mir ja sogar schon mit Schlägen, aber was will sie schon ausrichten? Ich bin größer als sie und zudem ihr Kind… Kein Kind der Welt sollte sich in so einer Situation befinden. Nicht mal meinen schlimmsten Feinden wünsche ich das.
Dabei tut sie mir eigentlich leid… Früher war sie so stolz auf mich, ich war einer der Besten in der Schule, wir haben immer so vieles unternommen, sie hat jeden meiner Wettkämpfe besucht und mich angefeuert. Sie hat sich sogar ein Bild meines ersten Wettkampfes mitgenommen, da waren wir beide noch glücklich… Vielleicht bedeute ich ihr trotz all dem immer noch etwas, tief in ihr drin weiß sie das. Sie muss es wissen. Und wenn ich ihre Hand drücke, dann fühlt es sich an wie früher. Aber jetzt, jetzt ist alles anders. Der Verfolgungswahn macht sie doch zu einer ganz anderen Person. Das ist nicht mehr meine Mutter, die da in dem Zimmer ihre Sachen auspackt. Das ist jemand ganz anderes, jemand fremdes. Und doch meine Mutter. Sie tut mir so leid und ich habe so Angst um sie. In dieser tristen, grau-grünen Klinik wird sie doch völlig ihren Verstand verlieren. Und sie ist noch von den ganzen Verrückten umgeben. Wobei sie ja selber verrückt ist, wenn sie denkt, dass unsere Nachbarn sie ausspionieren und an die Regierung verraten wollen. Das macht doch alles gar keinen Sinn mehr. Aber ich hätte sie auch nicht zu Hause behalten können, wer weiß, was da irgendwann passiert wäre. Sie hätte sich womöglich etwas angetan, wie das Mädchen, das die bandagierten Handgelenke hatte. DAS hätte ich dann wirklich nicht auf mich nehmen können, ich musste doch etwas tun. Ich hoffe, sie wird mich nicht für immer hassen. Doch in dem Zustand, in dem sie sich befindet, hält das auch nicht lange an. Ihr ist doch mittlerweile alles gleichgültig. Sie kann ja nicht mal mehr für sich selbst sprechen… Das war das einzig richtige, was ich getan habe. Ich hoffe, es wird ihr bald etwas besser gehen …
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