Inhalt
Smarter Learning!
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
HH, Stadtteilschule
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 13
Klasse 13
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Digitales Schulbuch
Abitur eA
Abitur gA
Mittlerer Schulabschluss
Lernstandserhebung 8 E-Ku...
Lernstandserhebung 8 G-Ku...
Abitur gA
Prüfung
wechseln
Abitur eA
Abitur gA
Mittlerer Schulabschluss
Lernstandserhebung 8 E-Kurs
Lernstandserhebung 8 G-Kurs
Smarter Learning!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!

Aufgabe 2

Aufgaben
Download als Dokument:PDF

Amerika im Kopf

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Charlie Chaplin (1889-1977): Die Wurzeln meiner Komik
Franz Kafka (1883-1942): Der Verschollene
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Fasse Chaplins Text (Text a) zu den Wurzeln seiner Komik zusammen.
#charliechaplin#zusammenfassen
2.
Analysiere, inwiefern die folgende Textstelle (Text b) aus dem Roman Der Verschollene Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht.
#analysieren#roman#charliechaplin

Charlie Chaplin: Die Wurzeln meiner Komik (Text a)

$\;$
Weil es eine harte Arbeit ist, andere das Lachen zu lehren, und weil ich sehr viel
gearbeitet habe, werde ich wahrscheinlich einmal daran sterben. Ich habe dem
Menschen den Menschen gezeigt in seiner angeborenen Tragikkomik. Am meisten
stützte sich meine Menschenkenntnis auf die Tatsache, daß beim Publikum immer ein
5
Mensch wirkt, der sich gleichzeitig in einer lächerlichen und in einer peinlichen
Situation befindet. Daß einem der Hut im Winde wegfliegt, das ist noch nicht
lächerlich. Aber der Besitzer des Hutes ist lächerlich, wenn er ihm mit flatterndem
Rockschößen nachstolpert, sinnlos und willenlos dem Zickzack des Wirbelwindes
folgend. Denn alle elementare Komik gründet sich darauf, daß der Mensch in einer
10
lächerlichen und peinlichen Lage handeln muß.
Noch komischer aber ist ein Mensch, dem Lächerliches und Peinliches widerfährt, der
sich aber hartnäckig weigert, das Mißgeschick anzuerkennen und hinzunehmen, der
vielmehr krampfhaft so tut, als ob seine Würde gar nicht verletzt worden sei. Das
beste und häufigste Beispiel dafür ist der betrunkene, der uns durch eine besonders
15
aufgereckte und gesammelte Haltung von seiner Nüchternheit überzeugen will. Er ist
viel komischer als der harmlose Angeheiterte, der sich nicht darum kümmert, ob man
seinen Zustand merkt oder nicht. Deshalb werden auf der Bühne Betrunkene meistens
mit Würde dargestellt - weil alle Schauspieler diese Menschenkenntnis haben. Und
deshalb beruhen alle meine Filme auf derm höchst simplen Gedanken, daß ich in die
20
peinlichsten Verlegenheiten geriet, aber verzweifelt versuchte, in allen
diesen Angelegenheiten ein ernsthafter Gentleman zu bleiben. Deshalb bemühte ich mich
also, wie widerwärtig auch meine Lage sein mochte, zu allererst zierlich mein
Stöckchen zu fassen, elegant die Krawatte in Ordnung zu bringen, den Hut korrekt
zurechtzurücken - auch wenn ich gerade heftig auf den hinterkopf gefallen war. Ich
25
war mir dieser komischen Wirkungen so sicher, daß ich in meinen Filmen nicht nur
mich, sondern auch meine Mitspiele abwechselnd in solche Lagen brachte.
Dabei bemühte ich mich stehts, so sprasam wie möglich zu bleiben. Statt zwei
Vorgänge zu ersinnen, die zwei Gelächter erregen, ist es besser, einen Vorgang zu
haben, der zweimal Gelächter auslöst, denn das ist dann gesteigerte Fortsetzung.
30
Dafür ein praktisches Beispiel:
In meinem anno 1917 gedrehten Film "Der Abenteurer" sieht man mich in einer Szene
auf der Galerie eines Festsaals mit einer jungen Dame. Wir löffeln beide Eis. Unter
uns im Parkett sitzt eine würdige, stattliche, füllige Dame in einem großen, tief
ausgeschnittenen Abendkleid. Mir rutscht ein Klumpen Eis vom Löffel, fällt hinter
35
meinen zu weiten Hosenbund, ruttscht mein Bein entlang, fällt unten heraus vom
Balkon hinab in den Rückenausschnitt der Dame, an der entlang das Eis schließlich
den Weg zum Boden findet. Das erste Gelächter wird durch meine eigene
"eisige" Betroffenheit erregt, das zweite, viel heftigere Gelächter durch den wütenden
Schreckenstanz der überraschten Dame unten. Und es ist nur ein verlängerter
40
Vorgang, ein einziger Klumpen Eis, der zwei Lacherfolge erzielt. So einfach und
albern er ist, berührt er doch zwei Elemntareigenschaften des menschlichen
Charakters: die Bosheit des Publikums gegen Reichtum und Luxus; und das
vollkommene Mitempfinden fremder drastischer Ereignisse.
Auf dem Theater lernt man sehr schnell, daß das Publikum nichts so sehr liebt, wie
45
reiche und privilegierte Leute das schlechtere Ende bekommen zu sehen, denn neun
Zehntel der Menschheit sind arm und neiden dem zehnten Zehntel seinen protzigen
Reichtum. Hätte ich den Eisklumpen in den Hals eines armen Diensboten fallen
lassen, so hätte das Publikum wahrscheinlich nicht gelacht, sondern wäre empört
aufgesprungen. Fällt aber das Eis in den Ausschnitt einer aufgetakelten Reichen, so
50
hat das Publikum das Gefühl, daß ihr das eigentlich ganz recht geschieht.
Und was das Mitempfinden betrifft: Fast jeder im Publikum fühlt das Eis an sich
selbst so schauerlich hinabgleiten, und so schauert e smit mir und mit der
unglücklichen Reichen. Und dieses Mitempfinden, dieses Miterleben des Schauers
entsühnt wiederum die Eisheit des Publikums und befreit sein Lachen. Natürlich muß
55
ein solcher Vorgang dem Publikum bekannt und vertraut sein, sonst bleibt die
Mitempfindung und damit ein Element der Komik aus. Man muß also, um des
Erfolges sicher zu sein, immer ganz einfacher, allgemein bekannte Empfindungen, wie
die des kalten Eises auf dem warmen Körper, wählen. […]
Aus: Charlie Chaplin: Die Wurzeln meiner Komik.
In: Jüdische Allgemeine Zeitung.
3. März 1967, Nr. XXI/49, S. 20.
Anmerkung zum Autor
Charlie Chaplin (1889-1977) war ein britischer Komiker, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Komponist und Filmproduzent. Chaplin zählt zu den einflussreichsten Komikern des 20. Jahrhunderts und der Filmgeschichte. Seine bekannteste Rolle ist der „Vagabund“ (im Original „The Tramp“), ein verarmter Wanderarbeiter mit den Manieren und der Würde eines Gentleman. Diese Figur mit Zweifingerschnurrbart (auch „Chaplinbart“ genannt), übergroßer Hose und riesigen Schuhen, enger Jacke, Bambusstock in der Hand und Melone auf dem Kopf wurde zu einer Filmikone. Charakteristisch für seine Filme wurde die enge Verknüpfung von Slapstick-Komödie und ernsten bis tragischen Elementen. Das American Film Institute wählte Chaplin auf Platz 10 der größten amerikanischen Filmlegenden. Chaplin begann seine Karriere schon als Kind bei Auftritten in der Music Hall. Als Komiker in den frühen Stummfilmkomödien Hollywoods feierte er bald große Erfolge. Als beliebtester Stummfilmkomiker seiner Zeit erarbeitete er sich künstlerische und finanzielle Unabhängigkeit. 1919 gründete er zusammen mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks und David W. Griffith die Filmgesellschaft United Artists. (Nach: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Charlie_Chaplin)
#primärtext#charliechaplin

Franz Kafka: Der Verschollene (Text b)

$\;$
Aber auch Karl vergaß bald Brunelda und duldete die Last ihrer Arme auf seinen
Achseln, denn die Vorgänge auf der Straße nahmen ihn sehr in Anspruch. Auf
Anordnung einer kleinen Gruppe gestikulierender Männer, die knapp vor dem
Kandidaten marschierten und deren Unterhaltungen eine besondere Bedeutung haben
5
mußten, denn von allen Seiten sah man lauschende Gesichter sich ihnen zuneigen,
wurde unerwarteterweise vor dem Gasthaus Halt gemacht. Einer dieser maßgebenden
Männer machte mit erhobener Hand ein Zeichen, das sowohl der Menge als auch dem
Kandidaten galt. Die Menge verstummte und der Kandidat, der sich auf den Schultern
seines Trägers mehrmals aufzustellen suchte und mehrmals in den Sitz zuruückfiel,
10
hielt eine kleine Rede, während welcher er seinen Zylinder in Windeseile hin- und
herfahren ließ. Man sah das ganz deutlich, denn während seiner Rede waren alle
Automobillaternen auf ihn gerichtet worden, so daß er in der Mitte eines hellen
Sternes sich befand.
Nun erkannte man aber auch schon das Interesse, welches die ganze Straße an der
15
Angelegenheit nahm. Auf den Balkonen, die von Parteigängern des Kandidaten
besetzt waren, fiel man mit in das Singen seines Namens ein und ließ die weit über das
Geländer vorgestreckten Hände maschinenmäßig klatschen. Auf den übrigen
Balkonen, die sogar in der Mehrzahl waren, erhob sich ein starker Gegengesang, der
allerdings keine einheitliche Wirkung hatte, da es sich um die Anhänger verschiedener
20
Kandidaten handelte. Dagegen verbanden sich weiterhin alle Feinde des anwesenden
Kandidaten zu einem allgemeinen Pfeifen und sogar Grammophone wurden vielfach
wieder in Gang gesetzt. Zwischen den einzelnen Balkonen wurden politische
Streitigkeiten mit einer durch die nächtliche Stunde verstärkten Erregung ausgetragen.
Die meisten waren schon in Nachtkleidern und hatten nur Überröcke
25
umgeworfen, die Frauen hüllten sich in große dunkle Tücher, die unbeachteten Kinder
kletterten beängstigend auf den Einfassungen der Balkone umher und kamen in
immer größerer Zahl aus den dunklen Zimmern, in denen sie schon geschlafen hatten,
hervor. Hie und da wurden einzelne unkenntliche Gegenstände von besonders
Erhitzten in der Richtung ihrer Gegner geschleudert, manchmal gelangten sie an ihr
30
Ziel, meist aber fielen sie auf die Straße herab, wo sie oft ein Wutgeheul hervorriefen.
Wurde den führenden Männern unten der Lärm zu arg, so erhielten die Trommler und
Trompeter den Auftrag, einzugreifen, und ihr schmetterndes, mit ganzer Kraft
ausgeführtes, nicht endenwollendes Signal unterdrückte alle menschlichen Stimmen
bis zu den Dächern der Häuser hinauf. Und immer, ganz plötzlich – man glaubte es
35
kaum – hörten sie auf, worauf die hiefür offenbar eingeübte Menge auf der Straße in
die für einen Augenblick eingetretene allgemeine Stille ihren Parteigesang emporbrüllte
– man sah im Lichte der Automobillaternen den Mund jedes Einzelnen weit
geöffnet – bis dann die inzwischen zur Besinnung gekommenen Gegner zehnmal so
stark wie früher aus allen Balkonen und Fenstern hervorschrien und die Partei unten
40
nach ihrem kurzen Sieg zu einem für diese Höhe wenigstens gänzlichen Verstummen
brachten.
Aus: Franz Kafka: Der Verschollene.
Stuttgart, 1997
S.226-227
#romanauszug#kafka
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Tipps
Download als Dokument:PDF
Thema:
Charlie Chaplin (1889-1977): Die Wurzeln meiner Komik
Franz Kafka (1883-1942): Der Verschollene
Erste Teilaufgabe:
$\blacktriangleright\;$ Fasse Chaplins Text zusammen.
Der Operator „Zusammenfassen“ verlangt von dir, die wesentlichen Aussagen des Textes komprimiert und strukturiert wiederzugeben. Überlege dir also, welches die Hauptaussagen des Autors sind, und versuche, sie logisch anzuordnen und in deinen eigenen Worten aufzulisten.
Zweite Teilaufgabe:
$\blacktriangleright\;$ Analysiere, inwiefern Text b aus dem Roman Der Verschollene Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht.
Lese den Textauszug mehrere Male unter Berücksichtigung der Aufgabenstellung genau durch und markiere die Stellen, an denen deutlich wird, dass der Text den Vorstellungen von Chaplins Komik entspricht. Fasse dir diese Punkte im Kopf zusammen und liste sie dann - am besten chronologisch - auf. Erläutere nach jedem aufgeführten Punkt, inwiefern dieser Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht. Ende mit einem kurzen Fazit, in dem du Chaplin und Kafka auch allgemein vergleichen kannst.
Überlege dir ein sinnvolle Überleitung von Teilaufgabe eins zu Teilaufgabe zwei, um einen unschönen Bruch in deinem Text zu vermeiden.
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Lösungen
Download als Dokument:PDF

Amerika im Kopf

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Charlie Chaplin (1889-1977): Die Wurzeln meiner Komik
Franz Kafka (1883-1942): Der Verschollene
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Fasse Chaplins Text (Text a) zu den Wurzeln seiner Komik zusammen.
Tipp
In der ersten Teilaufgabe sollst du den vorliegeneden Text zusammenfassen. Der Operator „Zusammenfassen“ verlangt von dir, die wesentlichen Aussagen des Textes komprimiert und strukturiert wiederzugeben. Überlege dir also, welches die Hauptaussagen des Autors sind, und versuche, sie logisch anzuordnen und in deinen eigenen Worten aufzulisten.
Tipp
In der ersten Teilaufgabe sollst du den vorliegeneden Text zusammenfassen. Der Operator „Zusammenfassen“ verlangt von dir, die wesentlichen Aussagen des Textes komprimiert und strukturiert wiederzugeben. Überlege dir also, welches die Hauptaussagen des Autors sind, und versuche, sie logisch anzuordnen und in deinen eigenen Worten aufzulisten.
Der Artikel „Die Wurzeln meiner Komik“ von Charlie Chaplin erschien am 3. März 1967 in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung. Darin beschreibt er seine Vorstellung von Komik und erläutert, wie er diese geschickt einsetzt, um die Menschen zum Lachen zu bringen. Zur besseren Verständlichkeit untermauert er seine Erläuterungen mit Beispielen.
erste Teilaufgabe Einleitung
Chaplin sieht es als eine „harte Arbeit“ (Z. 1) an, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Sein Ansatz ist es, den Menschen den Menschen in seiner „angeborenen Tragikommik“ (Z. 3) zu zeigen. Für ihn liegt die elementare Komik darin, den Menschen in einer lächerlichen und peinlichen Situation zu zeigen, in der er zum Handeln gezwungen wird.
Hauptteil
lächerliche Situation
Noch komischer sei es, wenn der Mensch sich dann weigere, das Missgeschick, was ihm passiert ist, hinzunehmen und versuche, so zu tun, als sei seine Würde nicht verletzt worden. Als Beispiel hierfür führt er einen Betrunkenen an. Es sei viel komischer, wenn der Betrunkene um jeden Preis versuche, das Publikum davon zu überzeugen, dass er nüchtern sei, als der „harmlose Angeheiterte“ (Z. 16), dem es egal ist, ob das Publikum bemerkt, dass er betrunken ist. Deswegen würden auf der Bühne Betrunkene meistens mit Würde dargestellt werden.
Aus diesem Grund würden alle seine Filme auf dem „höchst simplen Gedanken“ (Z. 19) beruhen, dass er in all den peinlichen Situationen, in die er gelangt, versuche „ein ernsthafter Gentleman zu bleiben“ (Z.21). Er sei sich diesen komischen Wirkungen so sicher, dass er in seinen Filmen nicht nur sich, sondern auch seine Mitspieler in solche Situationen bringe.
würdevolles Verhalten
Er lebt den Gedanken der Sparsamkeit: Das Publikum besser mit einem Vorgang zweimal zum Lachen bringen, als dies mit zwei Vorgängen zu erreichen, denn somit erlange man eine „gesteigerte Fortsetzung“ (Z. 29).
Zum Veranschaulichen führt er ein Beispiel aus seinem 1917 gedrehten Film „Der Abenteurer“ an. Dort sitzt er in einem Festsaal und löffelt Eis. Ihm rutscht ein bisschen Eis vom Löffel, es fällt in seinen Hosenbund, rutscht sein Bein entlang und fällt vom Balkon in den Rückenausschnitt einer eleganten, reichen Dame, von der aus es schließlich ganz zu Boden rutscht.
Diese Szene bringe die Menschen einmal wegen seiner Reaktion auf das kalte Eis zum Lachen, und zum zweiten Mal aufgrund der Reaktion der reichen Dame. Dies liege laut Chaplin darin begründet, dass so etwas zwei elementare Eigenschaften der menschlichen Natur berühre: die menschliche Empathie, das Mitempfinden und die Bosheit gegenüber finanziell Bessergestellten.
Sparsamkeit
Das Publikum würde nicht lachen, wenn ein armer Dienstbote das Eis abbekäme. Da es aber eine reiche Dame sei, hätte es das Gefühl, dass dieser das „eigentlich ganz recht geschieht“ (Z. 50). Dadurch, dass das Publikum aber gleichzeitig den Schauer mitempfinde, der sowohl Chaplin als auch die reiche Dame überläuft, hätte es auch kein schlechtes Gewissen, über die Dame zu lachen, das Lachen sei „befreit“ (Z. 54). Solch einen Vorgang müsse man deshalb aber bewusst so wählen, dass jeder im Publikum den Vorgang kennt und mitempfinden kann, um sich die Lacher zu sichern.
Bosheit und Empathie
#argumentationsstruktur
2.
Analysiere, inwiefern die folgende Textstelle (Text b) aus dem Roman Der Verschollene Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht.
Tipp
In der zweiten Teilaufgabe sollst du analysieren, inwiefern Text b aus dem Romen Der Verschollene Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht. Lese den Textauszug mehrere Male unter Berücksichtigung der Aufgabenstellung genau durch und markiere die Stellen, an denen deutlich wird, dass der Text den Vorstellungen von Chaplins Komik entspricht. Fasse dir diese Punkte im Kopf zusammen und liste sie dann - am besten chronologisch - auf. Erläutere nach jedem aufgeführten Punkt, inwiefern dieser Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht. Ende mit einem kurzen Fazit, in dem du Chaplin und Kafka auch allgemein vergleichen kannst.
Überlege dir ein sinnvolle Überleitung von Teilaufgabe eins zu Teilaufgabe zwei, um einen unschönen Bruch in deinem Text zu vermeiden.
Tipp
In der zweiten Teilaufgabe sollst du analysieren, inwiefern Text b aus dem Romen Der Verschollene Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht. Lese den Textauszug mehrere Male unter Berücksichtigung der Aufgabenstellung genau durch und markiere die Stellen, an denen deutlich wird, dass der Text den Vorstellungen von Chaplins Komik entspricht. Fasse dir diese Punkte im Kopf zusammen und liste sie dann - am besten chronologisch - auf. Erläutere nach jedem aufgeführten Punkt, inwiefern dieser Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht. Ende mit einem kurzen Fazit, in dem du Chaplin und Kafka auch allgemein vergleichen kannst.
Überlege dir ein sinnvolle Überleitung von Teilaufgabe eins zu Teilaufgabe zwei, um einen unschönen Bruch in deinem Text zu vermeiden.
Franz Kafka begann bereits 1911 an seinem Roman „Der Verschollene“ zu schreiben, 1914 schrieb er das letzte zugängliche Kapitel. Vollendet hat er ihn nie. Erst 1927 wurde er aus dem Nachlass herausgegeben und unter dem Namen „Amerika“ veröffentlicht. In seinem Roman geht es um den 17-jährigen Karl Roßmann, der eine Dienstbotin geschwängert hat und deshalb von seinen Eltern in die USA geschickt wird.
zweite Teilaufgabe
Die vorliegende Textstelle stammt aus dem 7. Kapitel „Ein Asyl“ des Romans. Die Szene handelt davon, wie Karl im Zimmer Bruneldas sitzt und unten auf der Straße eine Wahlkampfveranstaltung beobachtet. Die Perspektive von der aus die Szene geschildert wird, ist die von oben. Dadurch, dass Karl im Zimmer sitzt und nach unten schaut, ist die Perspektive, die er sieht verzerrt, dadurch für ihn aber auch gleichzeitig zurechtgerückt.
Zusammenfassung der Szene
Er beobachtet eine "kleine[] Gruppe gestikulierender Männer" (Z.3), die vor dem Kandidaten liefen bis die ganze Gruppe „unerwarteter Weise vor dem Gasthaus Halt“ (Z. 6) macht. Er beschreibt, wie der Kandidat mehrmals versucht, sich auf den Schultern seines Trägers aufzustellen und „mehrmals in den Sitz zurückfiel“ (Z. 9). Dieser Ausschnitt der Szene entspricht genau Chaplins Vorstellung von Komik. Chaplin versucht, seine Zuschauer mehrmals mit einem Vorgang zum Lachen zu bringen, das ist ihm lieber als mehrere Szenen für mehrere Lacher zu entwerfen. In der Szene, die Kafka beschreibt, fühlt der Zuschauer gleichzeitig Bosheit und Empathie. Einmal die Bosheit, die er für diesen Wahlkampfkandidaten, der sich für etwas viel besseres als den Rest hält, empfindet, zum Zweiten die Empathie, die er gleichzeitig mit ihm hat, da er als Zuschauer selbst weiß, wie es sich anfühlt, in dieser Situation zu sein und es nicht zu schaffen aufzustehen sondern ständig wieder hinzufallen.
Sparsamkeit,
Bosheit und
Empathie
Den Wahlkampfkandidaten stellt Kafka ernsthaft und würdevoll da, er lässt „seinen Zylinder in Windeseile hin- und herfahren“ (Z. 10f). Dieser Komik bedient sich auch Chaplin in seinen Filmen, er findet peinliche Situationen viel komischer, wenn der Handelnde so tut, als wäre seine Würde nicht verletzt worden.
Die Rede, die der Kandidat hält, kann in dieser Situation eher wie ein Ruf um Hilfe in großer Not gesehen werden. Es ist so ein Durcheinander auf der Straße und den Balkonen, dass von einer ernsthaften, wichtigen Rede nicht zu sprechen sein kann. Es wird versucht, in diesem Tohuwabohu aus Anhängern und Gegnern, Ernsthaftigkeit und Würde widerzuspiegeln, was allerdings nicht gelingt, und die Komik der Situation, auch nach Vorstellungen Chaplins, nach oben schraubt.
Würde
Weitergehend wird in dem vorliegenden Textausschnitt aus "Der Verschollene" der Mensch dem Menschen in seiner angeborenen Tragikomik gezeigt, was auch Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht. Es wird beschrieben, wie sich auf den Balkonen über der Straße ein Singsang des Namens des Kandidaten bildet, sowie ein „maschinenmäßig[es] [K]latschen“ (Z. 17). Gleichzeitig erhebt sich ein starker Gegengesang von den Anhängern anderer Kandidaten, der „allerdings keine einheitliche Wirkung hatte“ (Z. 19). Kafka beschreibt eine Situationskomik, in der niemand erreicht was er will. Alle handelnden Menschen handeln gegeneinander und doch ensteht hieraus nur Lärm und Unordnung. Das komische daran ist wieder diese Würde, derer sich alle teilnehmenden Personen so sicher sind, obwohl die Situation eher peinlich und unangenehm ist.
angeborene Tragikomik
Noch lächerlicher wird die gesamte Situation durch die Kleidung, die die meisten Mitwirkenden laut Beschreibung Kafkas tragen: „Die meisten waren schon in Nachtkleidern undn hatten nur Überröcke umgeworfen, die Frauen hüllten sich in große dunkle Tücher“ (Z. 24f). In dieser eigentlich wichtigen und ernsthaften Situation - immerhin geht es um einen politischen Wahlkampf - sind diejenigen, die von den Kandidaten überzeugt werden sollen, nicht einmal angemessen gekleidet, solch einer Veranstaltung beizuwohnen. Dadurch wird die Wichtigkeit der Politik und des Wahlkampfes ins Lächerliche gezogen. Dies entspricht auch wieder, gemessen an der Würdelosigkeit, Chaplins Vorstellungen von Komik.
Lächerlichkeit
Die Leute auf der Straße, die zur Unterstützung ihres Kandidaten dort unten sind, geben ab und an an ihren „Trommler und Trompeter den Auftrag, einzugreifen“ (Z. 32), bis ihre nicht endenwollendes lautes Signal die Schreie der Menschen auf den Balkonen komplett unterdrückt. Ganz plötzlich brechen die Musiker ab und in die überraschte Stille brüllt die Menge auf der Straße ihren Parteigesang. Nach der kurz eingesetzten Schockstille schreien die Gegner auf den Balkonen „zehnmal so stark wie früher“ (Z. 39f), um die Partei unten gänzlich zum „gänzlichen Verstummen“ (Z. 40) zu bringen. Hier wird die Auflehnung gegen Bessergestellte, beziehungsweise Menschen, die sich für etwas Besseres handeln, thematisiert. Auch spielt die Bosheit eine große Rolle, denn das Protestgeschrei geht ja eindeutig gegen die Menge auf der Straße und der Leser denkt automatisch, dieser Menge geschehe es ganz recht, dass sie zum Schweigen gebracht wird. Diese zwei Komponenten Auflehnung und Bosheit entsprechen auch wieder Chaplins Vorstellungen von Komik.
Auflehnung gegen Bessergestellte
Allgemein kann man sagen, dass die Textstelle aus Kafkas „Der Verschollene“ enorm Chaplins Vorstellungen von Komik entspricht. Viele Komponenten, die für Chaplins Komik wichtig sind, werden von Kafka an dieser Stelle aufgeführt und selbst benutzt. Kafka und Chaplin weisen in ihrer Arbeit extreme Parallelen auf. Gerade die Figur des Karls ähnelt der Chaplins als wirklicher und fiktiver Immigrant, der sich wie Karl in Amerika, der neuen Welt, zurechtfinden muss. Man könnte sagen, dass Kafkas Roman und insbesondere der vorliegende Textauszug "chaplinlike" sind, dagegen spricht allerdings, dass dieses Werk vor der Bekanntheit Chaplins enstand. Somit müsste man viel eher sagen, dass Kafka ein Vorreiter Chaplins gewesen ist.
#these#beleg#argument
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Folge uns auf
SchulLV als App