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Aufgabe 3

Aufgaben
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Poetik und Poesie: Robert Gernhardt

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Robert Gernhardt (1937-2006): Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Erläutere anhand des vorliegenden Textauszugs aus Gedanken zum Gedicht Robert Gernhardts Vorstellungen von Lyrik.
#lyrik#erläutern
2.
Interpretiere das Gedicht Paargesang unter Berücksichtigung deiner Ergebnisse aus Teilaufgabe 1.
#gedichtinterpretation#interpretieren#gedicht

Robert Gernhardt: Gedanken zum Gedicht (Text a)

$\,$
[…]
Ist es denn überhaupt die Aufgabe der Dichter, Hits zu schreiben? Ist nicht Lyrik
diejenige Gattung, die es dem Dichtenden nicht nur erlaubt, Ich zu sagen, sondern ihm
die Subjektivität geradezu abverlangt? Und folgt daraus nicht, daß solch dichterischem
Reden all jene Qualitäten zwangsläufig fehlen müssen, die dem Hit eigen sind:
5
Attraktivität, Plausibilität und Suggestivität?
[…] Zu den erfolgreichsten Gedichten aller Zeiten gehören selbstredend jene, in
welchen ein liebendes, häufiger leidendes Ich ebenjene Empfindungen gebündelt zum
Ausdruck brachte. Von „Du bist mîn, ich bin dîn“1 bis „Einsamer nie als im
August“2 spannt sich die ununterbrochene Kette ebenso eindringlicher wie
10
erfolgreicher Versuche, die ungestalte Welt wirrer Gefühle auf den Begriff zu bringen.
[…]

1„Du bist mîn, ich bin dîn“: der erste Vers eines Minnesangs aus dem Mittelalter (Dichter unbekannt)
2„Einsamer nie als im August“: der erste Vers des Gedichts Einsamer nie von Gottfried Benn
Aus: Robert Gernhardt: Gedanken zum Gedicht.
Zürich, 1990.
S.87-88.
#lyrik#sekundärtext

Robert Gernhardt: Paargesang (Text b)

$\,$
Paargesang
Was mir gehört
Was dir gehört
Wir scheren uns nicht drum
Ich nehme, denn ich bin gescheit
5
Du gibts, denn du bist dumm.
Was mir gefällt
Was dir gefällt
Das ist doch alles eins
Ich kriege schon mein Stück vom Glück
10
Und wenn ich will, auch deins.
Was mir gebricht 1
Was dir gebricht
Uns ist das einerlei
Ich weiß ja nicht was Mangel ist
15
Denn du entsagst 2 für zwei.

1gebrechen: fehlen
2entsagen: verzichten
Aus: Robert Gernhardt: Paargesang.
In: ders.: Gedichte, Zürich, 1990.
S.87-88.
#gedicht
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Thema:
Robert Gernhardt (1937-2006): Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik.
Erste Teilaufgabe:
$\blacktriangleright\;$ Erläutere anhand des vorliegenden Textauszugs Robert Gernhardts Vorstellungen von Lyrik.
Der Operator „Erläutern“ verlangt von dir, etwas nachvollziehbar und verständlich zu veranschaulichen. Lies den Text einige Male genau durch und markiere dir die Hauptaspekte, die der Autor nennt. Überlege dir dann, was genau er mit diesen Aspekten meint und versuche, sie in deinen eigenen Worten verständlich wiederzugeben.
Zweite Teilaufgabe:
$\blacktriangleright\;$ Interpretiere das Gedicht „Paargesang“unter Berücksichtigung deiner Ergebnisse aus der ersten Teilaufgabe.
Der Operator „Interpretieren“ verlangt von dir, aufgrund der Elemente und Strukturen des Textes zu einer resümierenden Gesamtdeutung des Textes zu kommen.
Da dein vorliegender Text ein Gedicht ist, musst du auf jeden Fall erst einmal angeben, wie viele Verse und Strophen es gibt. Falls es ein durchgängiges Versmaß gibt, solltest du auch dieses nennen. Überlege dir, was die Hauptaussage des Gedichts ist und untersuche das Gedicht auf Stilmittel und gib diese immer im Zusammenhang mit ihrer Wirkung auf den Inhalt an. Am einfachsten ist es, wenn du das Gedicht Strophe für Strophe und Vers für Vers durchgehst. So stellst du sicher, keine wichtige Aussage zu vergessen. Bedenke bei deiner Interpretation, dass du die Ergebnisse aus der ersten Teilaufgabe dabei berücksichtigen sollst. Halte dir die Ergebnisse vor Augen und beziehe sie entweder direkt bei den einzelnen interpretierten Punkten oder am Ende in einer Zusammenfassung mit in die Interpretation ein.
Überlege dir ein sinnvolle Überleitung von Teilaufgabe eins zu Teilaufgabe zwei, um einen unschönen Bruch in deinem Text zu vermeiden.
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Poetik und Poesie: Robert Gernhardt

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Robert Gernhardt (1937-2006): Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Erläutere anhand des vorliegenden Textauszugs aus Gedanken zum Gedicht Robert Gernhardts Vorstellungen von Lyrik.
Tipp
In der ersten Teilaufgabe sollst du Robert Gernhardts Vorstellungen von Lyrik erläutern. Der Operator „Erläutern“ verlangt von dir, etwas nachvollziehbar und verständlich zu veranschaulichen. Lies den Text einige Male genau durch und markiere dir die Hauptaspekte, die der Autor nennt. Überlege dir dann, was genau er mit diesen Aspekten meint und versuche, sie in deinen eigenen Worten verständlich wiederzugeben.
Tipp
In der ersten Teilaufgabe sollst du Robert Gernhardts Vorstellungen von Lyrik erläutern. Der Operator „Erläutern“ verlangt von dir, etwas nachvollziehbar und verständlich zu veranschaulichen. Lies den Text einige Male genau durch und markiere dir die Hauptaspekte, die der Autor nennt. Überlege dir dann, was genau er mit diesen Aspekten meint und versuche, sie in deinen eigenen Worten verständlich wiederzugeben.
In seinem Buch „Gedanken zum Gedicht“ beschreibt Robert Gernhardt seine persönliche Vorstellung, wie Lyrik zu sein hat. In dem vorliegenden Textauszug aus seinem Werk werden seine Grundüberzeugungen zu diesem Thema bereits mehr als deutlich.
erste Teilaufgabe
Gernhardt sieht es nicht als Aufgabe des Dichters an, „Hits zu schreiben“ (Z. 1). Die Lyrik sei die Art von Gattung, die dem Dichtenden erlaube, egoistisch zu sein, „Ich zu sagen“ (Z. 2), und darüber hinaus Subjektivität verlange. Damit will er sagen, dass die Lyrik gerade von diesen zwei Komponenten lebt: Dem Bezug auf das eigene Ich, dieser egoistische Selbstbezug, und die subjektive Beurteilung der Situation, die mit viel persönlichen, individuellen Gefühlen und Empfindungen dargestellt werden sollte.
Egoismus und Subjektivität
Aus diesem Grund würden „dichterischen Reden“ (Z. 3f) logischerweise alle Qualitäten fehlen, die einem Hit innewohnen würden. Gernhardt bezieht sich bei diesen Qualitäten auf „Attraktivität, Plausibilität und Suggestivität“ (Z. 5). Da es für ihn in der Lyrik vor allem um die Suggestivität, die eigenen Eindrücke, geht, ist klar, dass er in der Lyrik nicht auf Attraktivität abzielen will. Er möchte seine individuellen Empfindungen darstellen und die sind nicht immer unbedingt solche, die dem Leser als attraktiv erscheinen.
Plausibel müssen die Gedanken auch nicht immer sein, Gedankensprünge und logische Lücken gehören zu Subjektivität und Egoismus dazu. Auch die Suggestivität fällt für ihn in der Lyrik heraus. Mit Lyrik möchte er niemanden beeinflussen, es geht ihm nur darum, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, aufzwingen möchte er sie niemandem.
keine Hit-Eigenschaften
Als Beweis für diese Auffassung von Lyrik führt er an, dass der erste Vers eines Minnesangs von einem unbekannten Dichter aus dem Mittelalter „Du bist mîn, ich bin dîn“ (Z. 8) zu einem der erfolgreichsten Gedichte aller Zeiten zählt. In diesem Minnesang geht es vorrangig um das liebende Ich, das egoistisch und subjektiv seine eigenen Empfindungen zum Ausdruck bringt.
Ebenso führt er den ersten Vers des Gedichts „Einsamer nie“ von Gottfried Benn an, der folgendermaßen lautet: „Einsamer nie als im August“ (Z. 8f.). Hier geht es vor allem um das leidende Ich, das mit seiner Situation nicht zufrieden ist, was in dem Gedicht zum Ausdruck gebracht wird. Wenn alle diese Gefühle, egoistisch und subjektiv, gebündelt vom Dichtenden herausgelassen werden, ist dies für Gernhardt optimal und entspricht seinen Vorstellungen von Lyrik. Dass gerade diese beiden Gedichte zu den erfolgreichsten Gedichten aller Zeiten zählen, ist für ihn der Beweis seiner eigenen Auffassung davon, wie Lyrik zu sein hat.
das liebende und leidende Ich
Als Beispiele zählt er diese beiden Gedichte auf, die er als Eckpfeiler von weiteren Gedichten sieht, durch die sich die „ununterbrochene Kette ebenso eindringlicher wie erfolgreicher Versuche, die ungestalte Welt wirrer Gefühle auf den Begriff zu bringen“ (Z. 8f.), spannt. Für ihn entsprechen also ebendiese Gedichte seiner persönlichen Vorstellung von Lyrik, die versuchen, Ordnung in die Gefühle zu bringen, die jedes menschliche Individuum hegt. Gernhardt ist also der Meinung, dass Gedichte sowohl die eigenen Empfindungen subjektiv widerspiegeln, als auch den Versuch starten sollen, ebendiese Gefühle zu erklären. Seiner Ansicht nach solle kein Wert darauf gelegt werden, dem Publikum zu gefallen. Das einzig Wichtige in der Lyrik sei, sich selbst treu zu bleiben.
sich selbst treu bleiben
#argumentationsstruktur
2.
Interpretiere das Gedicht Paargesang unter Berücksichtigung deiner Ergebnisse aus Teilaufgabe 1.
Tipp
In der zweiten Teilaufgabe sollst du das Gedicht „Paargesang“ unter Berücksichtigung deiner Ergebnisse aus Teilaufgabe 1 interpretieren. Der Operator „Interpretieren“ verlangt von dir, aufgrund der Elemente und Strukturen des Textes zu einer resümierenden Gesamtdeutung des Textes zu kommen. Da dein vorliegender Text ein Gedicht ist, musst du auf jeden Fall erst einmal angeben, wie viele Verse und Strophen es gibt. Falls es ein durchgängiges Versmaß gibt, solltest du auch dieses nennen. Überlege dir, was die Hauptaussage des Gedichts ist und untersuche das Gedicht auf Stilmittel und gib diese immer im Zusammenhang mit ihrer Wirkung auf den Inhalt an. Am einfachsten ist es, wenn du das Gedicht Strophe für Strophe und Vers für Vers durchgehst,. So stellst du sicher, keine wichtige Aussage zu vergessen. Bedenke bei deiner Interpretation, dass du die Ergebnisse aus der ersten Teilaufgabe dabei berücksichtigen sollst. Halte dir die Ergebnisse vor Augen und beziehe sie entweder direkt bei den einzelnen interpretierten Punkten oder am Ende in einer Zusammenfassung mit in die Interpretation ein.
Überlege dir ein sinnvolle Überleitung von Teilaufgabe eins zu Teilaufgabe zwei, um einen unschönen Bruch in deinem Text zu vermeiden.
Tipp
In der zweiten Teilaufgabe sollst du das Gedicht „Paargesang“ unter Berücksichtigung deiner Ergebnisse aus Teilaufgabe 1 interpretieren. Der Operator „Interpretieren“ verlangt von dir, aufgrund der Elemente und Strukturen des Textes zu einer resümierenden Gesamtdeutung des Textes zu kommen. Da dein vorliegender Text ein Gedicht ist, musst du auf jeden Fall erst einmal angeben, wie viele Verse und Strophen es gibt. Falls es ein durchgängiges Versmaß gibt, solltest du auch dieses nennen. Überlege dir, was die Hauptaussage des Gedichts ist und untersuche das Gedicht auf Stilmittel und gib diese immer im Zusammenhang mit ihrer Wirkung auf den Inhalt an. Am einfachsten ist es, wenn du das Gedicht Strophe für Strophe und Vers für Vers durchgehst,. So stellst du sicher, keine wichtige Aussage zu vergessen. Bedenke bei deiner Interpretation, dass du die Ergebnisse aus der ersten Teilaufgabe dabei berücksichtigen sollst. Halte dir die Ergebnisse vor Augen und beziehe sie entweder direkt bei den einzelnen interpretierten Punkten oder am Ende in einer Zusammenfassung mit in die Interpretation ein.
Überlege dir ein sinnvolle Überleitung von Teilaufgabe eins zu Teilaufgabe zwei, um einen unschönen Bruch in deinem Text zu vermeiden.
Gernhardts Vorstellungen von Lyrik kann man natürlich am besten an seinen eigenen lyrischen Werken erkennen, da er sie dort zum Ausdruck bringt. Vorliegend ist das Gedicht „Paargesang“, das er 1996 in einem Gedichtband veröffentlichte. In diesem Gedicht geht es um eine Beziehung, in der die Partner nicht gleichwertig sind und der Egoismus des lyrischen Ichs scheinbar nicht zu übertreffen ist.
zweite Teilaufgabe
Das Gedicht besteht aus 3 Strophen à 5 Verse. Bei den ersten beiden Versen wird in allen Strophen dieselbe Anapher verwendet („Was“). In den jeweils ersten beiden Versen werden ebenfalls Epiphern genutzt. Der einzige Unterschied, der zwischen den ersten beiden Versen erkennbar ist, ist der, dass immer zwischen „mir“ und „dir“ gewechselt wird ("Was mir gehört / Was dir gehört" Z.1f.). Dieser Punkt zieht sich durch alle Strophen hindurch. Damit wird der im Gedichttitel angesprochene „Paargesang“ deutlich gemacht und es soll der Schein von Gleichwertigkeit erzeugt werden, da konsistent nicht nur das lyrische Ich, sondern auch das lyrische Du angesprochen wird.
Allgemeines
Dieser Schein fliegt aber relativ bald auf und der Leser erkennt, dass das lyrische Du eindeutig benachteiligt wird. Zwar wird bereits im dritten Vers der ersten Strophe von „wir“ (Z. 3) und nicht mehr nur von „mir“ und „dir“ gesprochen, allerdings wird im vierten und fünften Vers klar, dass das lyrische Ich positiv und das lyrische Du im Gedicht negativ konnotiert ist: „Ich nehme, denn ich bin gescheit / Du gibst, denn du bist dumm“ (Z. 4f.).
Daraus wird auch die zunächst positiv aufgefasste „Wir“-Aussage („Wir scheren uns nicht drum“ Z. 3) umgekehrt. Durch die folgende Aussage wird klar, dass das lyrische Ich sich nur nicht darum kümmert, wem was gehört, weil es sowieso alles haben kann, was es möchte und das lyrische Du sich nicht darum zu kümmern hat, weil es sowieso kein Anrecht darauf hätte.
Auffällig ist auch die Aufteilung der verwendeten Verben, denn normalerweise sollte eine Beziehung ein ‚geben und nehmen‘ sein. Im Gedicht nimmt aber das lyrische Ich und das lyrische Du gibt.
1. Strophe
In der nächsten Strophe, wird von den Dingen gesprochen, die dem lyrischen Ich und dem lyrischen Du gefallen. Die Aussage „Das ist doch alles eins“ (Z. 8) könnte auf den ersten Blick positiv aufgefasst werden, da es gerade am Anfang einer Beziehung so ist, dass beide Partner vorgeblich für das Gleiche schwärmen und ihnen das Gleiche gefällt. Wenn man allerdings die vorher und nachher getätigten Aussagen betrachtet, wird klar, dass dies vom lyrischen Ich höchstwahrscheinlich wieder negativ gemeint ist. Dem lyrischen Ich ist die persönliche Meinung des lyrischen Dus egal, das lyrische Du hat zu mögen, was das lyrische Ich mag.
An dieser Stelle wird die unterschiedliche Stellung der beiden Partner deutlich. Noch deutlicher wird sie in den folgenden zwei Versen, in denen das lyrische Ich meint, es kriege schon sein Stück vom Glück „[u]nd wenn ich will, auch deins“ (Z. 10). Der Leser merkt genau, wie wenig Respekt das lyrische Ich vor dem lyrischen Du hat und wie es sich selbst in der Rolle des Übergeordneten, von Natur aus mehr Anrecht auf alles Habende, sieht. Solch ein Selbstbild ist natürlich der Tod jeder gesunden Beziehung, denn in einer gesunden Beziehung sollten beide Partner gleichwertig auf einer Stufe stehen und keiner sollte über den anderen denken wie das lyrische Ich in „Paargesang“.
Es wird ebenfalls deutlich wie leicht manipulierbar und beeinflussbar das lyrische Du ist. Wie kommt es dazu, dem lyrischen Ich alles zu geben, was es hat?
2. Strophe
In der dritten und letzten Strophe spricht das lyrische Ich von dem, was den beiden „gebricht“ (Z. 11) - also das was ihnen fehlt. Dreist spricht es hier für sie beide und sagt „[u]ns ist das einerlei“ (Z. 13). Die Bedürfnisse und Wünsche des lyrischen Dus interessieren das lyrische Ich nicht. Es nimmt sich das Recht heraus, über den Kopf des lyrischen Dus hinweg zu entscheiden, was es zu wollen hat.
Das lyrische Du ist an dieser Situation aber auch mitschuldig. Das lyrische Ich wisse ja nicht, was Mangel sei, „[d]enn du entsagst für zwei“ (Z. 15). Das lyrische Du gibt dem lyrischen Ich also alles, was es haben will. Aus dem Grund großer Verliebtheit ist solch ein Handeln des lyrischen Dus verständlich. Allerdings ist es nicht fair vom lyrischen Ich, diese Situation und das lyrische Du so auszunutzen.
In einer gleichwertigen Beziehung, würde das lyrische Ich entweder genau so viel geben oder das lyrische Du dazu bringen, weniger zu geben, da solch eine Aufopferung, die nur von einem Partner ausgeht, nicht fair ist. Das lyrische Ich versteht die Situation und das Machtgefälle in dem sich die Beziehung befindet und nutzt sie aus, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie sich die Situation auf das lyrische Du auswirkt und ihm helfen zu wollen.
3. Strophe
Der Titel des Gedichts steht im Kontrast zu dessen Inhalt. Von „Paargesang“ ist hier die Rede. Dieses Wort hört sich nett an, ästhetisch, so als hätten beide Mitspracherecht. Im Inhalt wird klar, dass nur das lyrische Ich in der Beziehung etwas zu sagen hat, nicht aber das lyrische Du. Durch die äußere Form wird dies deutlich, denn das lyrische Du kommt nicht selbst zur Sprache. Von einem Paargesang würde man jedoch genau das erwarten.
Das Gedicht „Paargesang“ spiegelt Gernhardts Vorstellungen von Lyrik wieder. Das lyrische Ich ist egoistisch und seine Ansicht von Subjektivität geprägt. Allgemein gehalten ist das lyrische Ich dem Leser extrem unsympathisch, da es das lyrische Du so unverschämt behandelt. So etwas erzeugt auf Leserseite keine Sympathie für das Agens.
Genau das möchte Gernhardt aber auch nicht um jeden Preis erreichen. Er möchte keinen „Hit“ schreiben, er möchte ehrliche, wahre Lyrik, in der das lyrische Ich seine Empfindungen zum Ausdruck bringt. Gernhardts Lyrik muss dem Leser nicht gefallen, er ist vielmehr von seinen Vorstellungen an die Lyrik überzeugt. Es ist ihm egal, wenn dem Leser die Lyrik nicht attraktiv oder plausibel erscheint. Auch beeinflusst er ihn nicht mit seinem Gedicht, er zeigt einfach die wahren Empfindungen des lyrischen Ichs ohne Verschönerungen und versucht nicht, dem Leser das lyrische Ich oder das lyrische Du liebenswert erscheinen zu lassen. In „Paargesang“ bleibt Gernhardt sich selbst und seinen Vorstellungen von Lyrik treu.
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