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Aufgabe 2

Aufgaben
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Textanalyse und Textvergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
„Denk ich an Deutschland …“ - Momentaufnahmen aus dem 19. und dem 21. Jahrhundert
$\blacktriangleright\;$ Texte:
  • Heine, Heinrich: Deutschland. Ein Wintermärchen. Stuttgart 2001, S. 3 ff.
    (Auszüge aus dem Vorwort zum Einzeldruck).
  • Link, Max: Interview: Frauke Finsterwalder über Finsterworld. In: Spex Nr. 348/Okt. 2013.
    (http://www.spex.de/2013/10/11/frauke-finsterwalder-finsterworld).
  • Mangold, Ijoma: „Gott sagt: Dies geschieht“. Interview mit Christian Kracht. In: DIE ZEIT Nr. 42/2013.
    (http://www.zeit.de/2013/42/film-finsterworld-christian-kracht).
$\blacktriangleright\;$ Zulässiges Arbeitsmittel:
Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Fasse zusammen, wie Heinrich Heine, Frauke Finsterwalder und Christian Kracht in den drei vorliegenden Texten ihre eigenen Werke (Deutschland. Ein Wintermärchen bzw. Finsterworld) deuten.
  • Vergleiche die Selbstdeutungen der Autoren und der Autorin mit deiner eigenen Deutung der jeweiligen Werke. Wählen für deinen Vergleich geeignete Aspekte aus.
Text a
Heinrich Heine: Vorwort
$\;$
[…] Ach, ich vergesse, dass wir in einer sehr bürgerlichen Zeit leben, und ich sehe leider
voraus, dass viele Töchter gebildeter Stände an der Spree, wo nicht gar an der Alster, über
mein armes Gedicht die mehr oder minder gebogenen Näschen rümpfen werden! Was ich
aber mit noch größerem Leidwesen voraussehe, das ist das Zetern jener Pharisäer der
5
Nationalität, die jetzt mit den Antipathien der Regierungen Hand in Hand gehen, auch die
volle Liebe und Hochachtung der Zensur genießen und in der Tagespresse den Ton
angeben können, wo es gilt, jene Gegner zu befehden, die auch zugleich die Gegner ihrer
allerhöchsten Herrschaften sind. Wir sind im Herzen gewappnet gegen das Missfallen
dieser heldenmütigen Lakaien in schwarz-rot-goldner Livree. Ich höre schon ihre
10
Bierstimmen: Du lästerst sogar unsere Farben, Verächter des Vaterlands, Freund der
Franzosen, denen du den freien Rhein abtreten willst! Beruhigt euch. Ich werde eure
Farben achten und ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder
knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarz-rot-goldne Fahne auf die Höhe des
deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschtums, und ich will mein
15
bestes Herzblut für sie hingeben. Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebenso sehr wie
ihr. Wegen dieser Liebe habe ich dreizehn Lebensjahre im Exile verlebt, und wegen eben
dieser Liebe kehre ich wieder zurück ins Exil, vielleicht für immer, jedenfalls ohne zu
flennen oder eine schiefmäulige Duldergrimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der
Franzosen, wie ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut sind, und
20
weil ich selber nicht so dumm oder so schlecht bin, als dass ich wünschen sollte, dass
meine Deutschen und die Franzosen, die beiden auserwählten Völker der Humanität, sich
die Hälse brächen zum Besten von England und Russland und zur Schadenfreude aller
Junker und Pfaffen dieses Erdballs. Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den
Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der Rhein gehört. Ja,
25
mir gehört er, durch unveräußerliches Geburtsrecht, ich bin des freien Rheins noch weit
freierer Sohn, an seinem Ufer stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der
Rhein irgend einem Andern gehören soll als den Landeskindern. Elsass und Lothringen
kann ich freilich dem deutschen Reiche nicht so leicht einverleiben, wie ihr es tut, denn
die Leute in jenen Landen hängen fest an Frankreich wegen der Rechte, die sie durch die
30
französische Staatsumwälzung gewonnen, wegen jener Gleichheitsgesetze und freien
Institutionen, die dem bürgerlichen Gemüte sehr angenehm sind, aber dem Magen der
großen Menge dennoch Vieles zu wünschen übrig lassen. Indessen, die Elsasser und
Lothringer werden sich wieder an Deutschland anschließen, wenn wir das vollenden, was
die Franzosen begonnen haben, wenn wir diese überflügeln in der Tat, wie wir es schon
35
getan im Gedanken, wenn wir uns bis zu den letzten Folgerungen desselben
emporschwingen, wenn wir die Dienstbarkeit bis in ihrem letzten Schlupfwinkel, dem
Himmel, zerstören, wenn wir den Gott, der auf Erden im Menschen wohnt, aus seiner
Erniedrigung retten, wenn wir die Erlöser Gottes werden, wenn wir das arme,
glückenterbte Volk und den verhöhnten Genius und die geschändete Schönheit wieder in
40
ihre Würde einsetzen, wie unsere großen Meister gesagt und gesungen, und wie wir es
wollen, wir, die Jünger – ja, nicht bloß Elsass und Lothringen, sondern ganz Frankreich
wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die ganze Welt – die ganze Welt wird deutsch
werden! Von dieser Sendung und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn
ich unter Eichen wandle. Das ist mein Patriotismus. […]
45
Hamburg, d. 17. Sept. 1844, Heinrich Heine
Die Rechtschreibung folgt der Textquelle.
Worterklärungen:
Pharisäer: hier: selbstgerechter Mensch, Heuchler
Lakaien: hier: Kriecher
Standarte: Feldzeichen
Text b
Frauke Finsterwalder (Interviewauszüge)
$\;$
SPEX: […] Gab es eine bestimmte Idee davon, wie Sie Deutschland abbilden woll-
ten?
Frauke Finsterwalder: Ich wollte Deutschland jedenfalls nicht so abbilden „wie es
ist“. Zum Beispiel scheint in Finsterworld ständig die Sonne und auf den Straßen fah-
5
ren keine Autos […]. Außerdem gibt es keine Komparsen, also Menschen, die im
Hintergrund herumlaufen. Es sind gewissermaßen immer leere Orte, an denen man
sich befindet. Das ist nun an sich noch keine Utopie, aber sicherlich auch nicht die
Realität. Ich denke, dass diese menschenleere Atmosphäre einem Unbehagen zuträgt,
das der, sagen wir, Schönheit der Bilder entgegensteht. Mir wurde oft gesagt, dass
10
man im Film von vornherein spürt, dass etwas nicht stimmt, und ich glaube, das liegt
daran, dass man zwar nicht direkt, aber hintergründig spürt, dass irgendetwas in dieser
Welt fehlt.
[…]
SPEX: Viele Figuren müssen in Ihrem Film ihre gesellschaftlich verurteilten Vorlie-
ben wie unter einer zweiten Haut verstecken. Wieso tun sich die Figuren so schwer,
15
aus ihren Verstecken herauszukommen?
Finsterwalder: Eine Idee war es, Menschen zu zeigen, die in ihren eigenen, von ihnen
selbst geschaffenen Welten eigentlich glücklich sind. Der Fußpfleger Claude zum
Beispiel ist mit dem, was er ist, ziemlich glücklich. Er hat seinen Fetisch und hat nicht
den Plan ihn zu offenbaren, kurz: er hat sich seine Nische geschaffen, in der er sich
20
ganz wohl fühlt, und das gilt mehr oder weniger für alle Figuren. Der Einsiedler im
Wald lebt zurückgezogen in der Natur. Das Paar Georg und Inga ist natürlich zum Teil
unerträglich und zynisch, aber als Paar befinden sie sich in einer harmonierenden Be-
ziehung.
SPEX: Viele Menschen sind jedoch auch einsam in Ihrem Film.
25
Finsterwalder: Na ja, aber es geht ja auch um Annäherung. Der Einsiedler findet
einen Vogel. Claude und Frau Sandberg nähern sich an, zum Beispiel sehr stark in der
Szene, die man bereits im Trailer sieht, in der sie sich über ihr Unwohlsein gegenüber
deutschen Volksliedern austauschen. Aber einsam, nun ja, natürlich sind das alles
Menschen, die nicht wirklich Teil der Gesellschaft sind, oder sich vielleicht am Rande
30
dessen befinden, was von einem erwartet wird, was man zu sein hat. Ich würde sagen,
Finsterworld ist ein Film über Einsamkeit, aber auch über die Möglichkeiten von An-
näherung.
[…]
SPEX: Geht es auch um Erlösung, oder anders gesagt, zumindest um Selbstüberwin-
dung?
35
Finsterwalder: Nun, zunächst können die meisten Figuren nicht aus ihrer Haut her-
aus, aber sie können in andere Häute schlüpfen, wie der Furry Tom, der in ein Bären-
kostüm schlüpft. Diese Fetische sind eine Übersprungshandlung, die ja passiert, wenn
man in einer Gesellschaft lebt, in der man zu wenig Zuneigung und Nähe erfährt.
Text c
Christian Kracht (Interviewauszüge)
$\;$
DIE ZEIT: Finsterworld erzählt von Deutschlands Verhältnis zu seiner Vergangen-
heit. Kann man das so sagen?
Christian Kracht: In dem Film geht es um Schichten, die abgetragen werden und
somit dekuvriert[1]. Aber was ist die Thematik? Es heißt einmal in dem Film, man
5
schmiere die kaputt gebombten deutschen Städte mit Beton voll. Diese eingetrockne-
ten Schmierschichten abzuhobeln, darum geht es. Im Film gibt es den Fußpfleger
Claude, der seine kleine Fußschleifmaschine ansetzt und das alles freireibt, diese
Hornhautschichten. Claude ist gewissermaßen mein Avatar.
[…]
ZEIT: In Faserland [2]gibt es die berühmte Stelle, wo es heißt: So wie das Wort
10
Neckarauen klingt, könnte Deutschland sein, wenn die Juden nicht vergast worden
wären. In Finsterworld erzählt Fußpfleger Claude, wie ihn bestimmte deutsche Volks-
lieder geradezu verhexen mit ihrem geheimnisvollen Refrain wie „Fiderallalla“ in Ein
Vogel wollte Hochzeit machen oder „Sim sa la bim, bam ba, sa la du, sa la dim“ in Auf
einem Baum ein Kuckuck. Wie er sich das immer wieder vorsingen müsse und wie es
15
sich für ihn zugleich heimelig und eklig anfühle.
Kracht: Claude sagt dann auch, es sei wie mit dem Schorf an einer Wunde, bei dem
man auch nicht aufhören könne, daran zu zupfen. Es gibt in Deutschland eine Schorf-
schicht, die über alles gelegt worden ist. Es gibt ja keine Vergangenheit. Man schüttet
das alles zu. Es wird über nichts geredet, es wird einfach vergessen, und dann kommt
20
eine Schicht drüber.
[…]
ZEIT: Man kann doch nicht sagen, Deutschland verdränge die Verbrechen des Natio-
nalsozialismus. Wir thematisieren sie doch ununterbrochen.
Kracht: Finde ich überhaupt nicht. Es gibt sicherlich so staatlich verordnete Gedächt-
nistage, aber eine wirkliche Auseinandersetzung mit dieser unfasslichen Maschinisie-
25
rung der Vernichtung, der Auslöschung eines ganzen Volkes – da redet doch kein
Mensch tatsächlich darüber.
ZEIT: Finsterworld zeigt ein anderes Bild. Der Film zeigt eine Schulklasse, die mit-
nichts anderem beballert wird.
Kracht: Aber, Moment mal, der Lehrer beballert doch nicht!
30
ZEIT: Okay, er thematisiert es. Der ganze Film thematisiert es in jedem seiner Hand-
lungsstränge, das kann man quasi mit der Stoppuhr messen. Es gibt den Diskurs des
Geschichtslehrers. Es gibt das linkshedonistische Ehepaar Sandberg, von Corinna
Harfouch und Bernhard Schütz gespielt. Die zeichnen sich aus durch einen ganz expli- ziten Antifaschismus, zumindest auf rhetorischer Ebene. Sie hassen Deutschland und
35
wollen auf keinen Fall ein Naziauto fahren, also keinen BMW, Mercedes oder Por-
sche. Aber man hat nicht das Gefühl, dass diese Form der Deutschland-Distanzierung
moralisch wertvoll wäre.
Kracht: Die sind in ihren Cadillac eingeschlossen wie in einen Kokon. In dem Film
geht es überhaupt sehr stark um hermetische Zustände. Um das Fehlen von Berührun-
40
gen, das Fehlen von Umarmungen. Das ist das Kernthema.


[1] dekuvriert (Z. 4): aufgedeckt
[2] Faserland (Z. 9): Roman von Christian Kracht (1995)
#heinrichheine#vergleichen#textanalyse
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Textanalyse und Textvergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
„Denk ich an Deutschland …“ - Momentaufnahmen aus dem 19. und dem 21. Jahrhundert
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Fasse zusammen, wie Heinrich Heine, Frauke Finsterwalder und Christian Kracht in den drei vorliegenden Texten ihre eigenen Werke (Deutschland. Ein Wintermärchen bzw. Finsterworld) deuten.
  • Vergleiche die Selbstdeutungen der Autoren und der Autorin mit deiner eigenen Deutung der jeweiligen Werke. Wählen für deinen Vergleich geeignete Aspekte aus.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, solltest du dir die Auszüge aus Heines Vorwort und die Interview-Auszüge von Finsterwalder und Kracht genau durchlesen. Markiere dir wichtige Stellen und mache dir Notizen zu den Werk-Deutungen der Autoren.
Überlege dir im nächsten Schritt, inwieweit du diesen Deutungen zustimmen kannst oder inwiefern du das Werk anders gedeutet hast. Konzentriere dich dabei auf jeweils relevante Aspekte der Werke, um nicht abzuschweifen.

Einleitung

Überlege dir für die Einleitung einen Basissatz, sowie eine Deutungshypothese. Auch solltest du kurz das Thema „Denk ich an Deutschland“ aufgreifen, um die beiden Werke miteinander in Verbindung zu bringen und deren Inhalt in 2 - 3 Sätzen beschreiben.
  • Thema: „Denk ich an Deutschland“
  • mit Momentaufnahmen aus dem 19. und dem 21. Jahrhundert
  • Titel:Deutschland. Ein Wintermärchen bzw. Finsterworld
  • Autoren: Heinrich Heine bzw. Frauke Finsterwalder und Christian Kracht
  • Erscheinungsjahre: 1844 bzw. 2013
  • Inhalte: In dem satirischen Versepos Heines geht es um eine Reise von Paris nach Hamburg, auf der der Ich-Erzähler seine illegalen Gedanken über die kritische Lage in Deutschland als eine Art Schmuggelware mit sich führte.
    Der Film Finsterworld spielt in einem scheinbar aus der Zeit gefallenen, schönen Deutschland. Hinter dieser Fassade offenbaren sich nach und nach seltsame Parallelwelten, in denen die zwölf Protagonisten leben.
  • Deutungshypothesen: Heine versucht gegen die politischen Verhältnisse in der Restaurationszeit anzukämpfen und den Lesern eine humane Position näherzubringen.
    Finsterwalder und ihr Mann Kracht wollen mit ihrem Film die Einsamkeit und Ausgrenzung in Deutschlands Gesellschaft zugespitzt darstellen.

Hauptteil

Im Hauptteil gibst du nun eine kurze Zusammenfassung der vorliegenden Textausschnitte wieder. Daraufhin analysierst du die Texte und ziehst ein Fazit, wie die jeweiligen Autoren ihr eigenes Werk deuten. Bearbeite zunächst Heines Vorwort und anschließend die Interviewauszüge zu Finsterworld.
Nach diesem ersten Teil musst du deine eigene Deutung der beiden Werke ausformulieren und mit denen der Autoren vergleichen. Beziehe dich dabei auf jeweils relevante Punkte der Deutung. Gehe auch dabei so vor, dass du zuerst das eine, dann das andere Werk abhandelst.
Deutung von Heinrich Heine
  • Kündigt mit ironischem Ton an, dass sein Werk nicht in die „sehr bürgerliche Zeit“ passt (Z. 1)
  • Erwartet, dass die Bildungsbürger die Nase rümpfen über sein „armes Gedicht“ (Z. 3)
  • Kündigt an, dass er als Verächter des Vaterlandes und Freund der Franzosen kritisiert werden wird
  • Klagt über die Zensur, die er über sein Werk ergehen lassen muss
  • Erklärt, dass er sein Vaterland liebt und davon träumt, dass Deutschland irgendwann Vorbild in Sachen Humanismus wird
  • Versucht die Leser bezüglich der politischen Verhältnisse wachzurütteln und setzt sich für freies Menschentum ein
  • Macht deutlich, dass sein Werk satirisch überzeichnet ist, indem er schreibt, der Rhein gehöre ihm (Z. 24)
Deutung von Frauke Finsterwalder
  • Sie erklärt, dass sie Deutschland nicht abbilden wollte, wie es ist, aber auch nicht als Utopie
  • Die menschenleere Atmosphäre soll Unbehagen erzeugen und hintergründig aufzeigen, dass etwas in dieser Welt nicht stimmt
  • Ihre Figuren sollen widerspiegeln, dass Menschen sich ihre eigenen Welten schaffen und in diesen glücklich sind
  • Gleichzeitig sind alle irgendwie einsam, weil bestimmte Lebensweisen nicht zur Gesellschaft passen
  • Sie will deutlich machen, dass die Möglichkeit der Annäherung besteht
  • Die Menschen können zwar nicht aus ihrer Haut, sie können sich aber anpassen
  • Sie erklärt, dass Fetische oftmals nur entstehen, weil im Leben Nähe und Zuneigung fehlt
  • Für sie sind Ausgrenzung und Einsamkeit die zentralen Themen
Deutung von Christian Kracht
  • Finsterwalders Mann erklärt, es gehe um die fehlende Beschäftigung mit der deutschen Vergangenheit
  • In Deutschland wurde die Vergangenheit gelöscht und zugeschüttet
  • Der Film will diese Schichten nach und nach abtragen; wie Fußpfleger Claude die Hornhaut abträgt
  • Volkslieder zu singen ist, als würde man am Schorf zupfen, der über die Vergangenheit Deutschlands gewachsen ist. Es fasziniert einen, gleichzeitig will man es nicht
  • Im Film wird immer wieder der Nationalsozialismus thematisiert
  • Eigentliches Thema ist für ihn aber, dass die Menschen in ihrem eigenen Leben eingeschlossen sind
  • Er erklärt, dass in der Gesellschaft Berührungen und Umarmungen fehlen
  • Der Film soll zeigen, dass die Menschen viel zu verschlossen sind, gerade weil die Beschäftigung mit der Vergangenheit fehlt
Vergleich mit der eigenen Deutung
$\blacktriangleright$ Heinrich Heines Deutschland. Ein Wintermärchen
  • Die Kritik, die Heine erwartet hatte, traf tatsächlich so ein; heute aber gilt Deutschland. Ein Wintermärchen als aufklärerisches Werk
  • Proklamierte Vaterlandsliebe:
    Heine als Menschen wahrgenommen, der seine Heimat vermisst; Beispiele: Die Heimkehr rührt ihn zu Tränen (Caput I); er spricht von Heimweh im Exil (Caput XXIV)
    Heine als Vaterlandsverräter gedeutet; Beispiele: Er wettert über das Volk, das immer am Alten festhält (Caput IV); er kritisiert das Selbstmitleid der Hamburger Bürger (Caput XXII); er schwärmt von Napoleon (Caput VIII)
  • Angekündigte Kritik an politischen Verhältnissen:
    Heines Kritik als nachvollziehbar empfunden; Beispiele: Zeigt den extremen Militarismus auf (Caput III); er beschreibt die Unfreiheit des Volkes (Caput II)
    Heines Kritik als übertrieben; Beispiele: Er wettert gegen den Weiterbau am Kölner Dom (Caput IV); tut Zollkontrolle als sinnlos ab, dabei ist diese bis heute wichtig (Caput II)
  • Deutung als Satire:
    Satire als erkennbar empfunden; Beispiele: Er spricht von Schmuggelgut im Kopf (Caput II); Spitze gegen metaphorische Schweinsköpfe (Caput IX); Hammonia-Episode (Caput XXV)
    Nicht als Satire aufgefasst; Beispiele: Heine nennt viele reale Bezüge wie Namen und Orte wie den Besuch bei seinem Verleger (Caput XXIII)
$\blacktriangleright$ Finsterworld
  • Ausgrenzung und Einsamkeit als Hauptthema:
    Isolation der einzelnen Protagonisten deutlich erkennbar; Beispiele: Die Sandbergs vernachlässigen ihren Sohn; die alte Frau Sandberg bekommt nur von Fußpfleger Claude Besuch; Franziska weiß nichts von Toms Leidenschaft für Tierkostüme
    Ausgrenzung so nicht wahrgenommen; Beispiele: Die Leben der einzelnen Protagonisten hängen zusammen; wenig Spielraum für eine detaillierte Figurenzeichnung durch die Vielzahl an Protagnoisten
  • Möglichkeit der Annäherung aufgezeigt:
    Chance auf ein Ende der Isolation sichtbar; Beispiel: Claude und Frau Sandberg nähern sich an; Tom trifft auf ein Mädchen, das sich an ihn lehnt
    Annäherung nicht als solche gedeutet; Beispiele: Beziehung von Claude und Frau Sandberg ist eine seltsame; die Beziehung von Tom und Franziska scheitert; Dominik ist in Natalie verliebt, die das aber nicht erkennt
  • Problematik ist die fehlende Beschäftigung mit der Vergangenheit:
    Beschäftigung mit der Vergangenheit fehlt; Beispiele: ernste Worte des Lehrers zeigen keine Wirkung, Maximilian sperrt Natalie in einen Verbrennungsofen; Inga erkennt nicht, dass nicht die zubetonierten Städte das Problem sind, sondern die zugeschmierten Identitäten
    Die Vergangenheit ist ständig präsent; Beispiele: Die Sandbergs wettern ständig über Nazi-Deutschland; die Schulklasse besucht ein KZ

Schluss

In deinem Schlussteil solltest du die Thematik „Denk ich an Deutschland“ noch einmal aufgreifen und deine eigene Meinung dazu kurz und knapp ausformulieren. Ziehe außerdem ein Fazit zu dem Vergleich der Deutungen von Heine bzw. Finsterwalder und Kracht mit deiner eigenen Interpretation der Werke. Achte dabei aber darauf, nicht wieder ausführlich zu argumentieren.
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