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Aufgaben
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Zur-Welt-Kommen

$\blacktriangleright$  Aufgaben
1.
Geben Sie den Inhalt des Textes wieder und analysieren Sie seine erzählerische und sprachliche Gestaltung. (Material 4)
2.
Vergleichen Sie die Figuren Oskar Matzerath (Material 4) und Jean-Baptiste Grenouille im vorliegenden Textauszug (Material 5) aus Süskinds Roman „Das Parfum“ hinsichtlich der Umstände ihrer Geburt und ihres Verhältnisses zur Welt.
3.
Mit Bezug auf die Schriften Kafkas schreibt der Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski: „Kafka blickt auf die Welt wie jemand, der noch nicht zur Welt gekommen ist. […] Er zögert, weil er Angst hat. Und weil er zögert, wächst die Angst.“
Überprüfen Sie, inwiefern dieser Blick auf die Welt auch in der literarischen Figur Josef K. aus Kafkas Roman „Der Proceß“ zum Ausdruck kommt.
Brauchst du noch mehr Informationen zu Der Proceß oder Das Parfum?
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Lektürehilfe zu Der Proceß
Lektürenhilfe zu Das Parfum
Brauchst du noch mehr Informationen zu Maria Stuart?
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Lektürehilfe zu Der Proceß
#güntergrass#süskind#kafka#derprozeß
Material 4
$\;$
Günter Grass: Die Blechtrommel (1959)
Der Roman erzählt die Geschichte der polnischen Familie Matzerath von 1899 bis 1954 aus Sicht der Hauptfigur des Romans, des kleinwüchsigen Trommlers Oskar, der als Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt von seinem Leben während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit berichtet. Im Alter von drei Jahren weigert sich Oskar Matzerath weiter zu wachsen, weil er nicht so wie die Erwachsenen werden möchte. Er protestiert gegen das Leben der Erwachsenen, indem er auf seine rotweiße Blechtrommel schlägt und bisweilen seine hohe schrille Stimme so anschwellen lässt, dass Glas zerspringt.
Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt […]
Mein weißlackiertes metallenes Anstaltsbett […] ist das endlich erreichte Ziel, mein Trost ist es und könnte mein Glaube werden, wenn mir die Anstaltsleitung erlaubte, einige Änderungen vorzunehmen: das Bettgitter möchte ich erhöhen lassen, damit mir niemand mehr zu nahe tritt. […]
5
Es ist gar nicht so einfach, hier, im abgeseiften Metallbett einer Heil- und Pflegeanstalt, im Blickfeld eines verglasten und mit Brunos[1] Auge bewaffneten Guckloches liegend, die Rauchschwaden kaschubischer[2] Kartoffelkrautfeuer und die Schraffur eines Oktoberregens nachzuzeichnen. Hätte ich nicht meine Trommel, der bei geschicktem und geduldigem Gebrauch alles einfällt, was an Nebensächlichkeiten nötig ist, um die Hauptsache aufs Papier bringen zu können, […] wäre ich ein armer Mensch ohne nachweisliche Großeltern.
10
[…]
Mama kam zu Hause nieder. Als die Wehen einsetzten, stand sie noch im Geschäft und füllte Zucker in blaue Pfund- und Halbpfundtüten ab. Schließlich war es für den Transport in die Frauenklinik zu spät […]
Ich erblickte das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen. Noch heute kommt mir deshalb der Bibeltext: „Es werde Licht und es ward Licht“ – wie der gelungenste Werbeslogan der Firma
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Osram[3] vor. Bis auf den obligaten Dammriß[4] verlief meine Geburt glatt. Mühelos befreite ich mich aus der von Müttern, Embryonen und Hebammen gleichviel geschätzten Kopflage.
Damit es sogleich gesagt sei: Ich gehörte zu den hellhörigen Säuglingen, deren geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen ist und sich fortan nur noch bestätigen muß. So unbeeinflußbar ich als Embryo nur auf mich gehört und mich im Fruchtwasser spiegelnd geachtet hatte, so kritisch lauschte ich
20
den ersten spontanen Äußerungen der Eltern unter den Glühbirnen. Mein Ohr war hellwach. Wenn es auch klein, geknickt, verklebt und allenfalls niedlich zu benennen war, bewahrte es dennoch jede jener für mich fortan so wichtigen, weil als erste Eindrücke gebotenen Parolen. Noch mehr: was ich mit dem Ohr einfing, bewertete ich sogleich mit winzigstem Hirn und beschloß, nachdem ich alles Gehörte genug bedacht hatte, dieses und jenes zu tun, anderes gewiß zu lassen.
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„Ein Junge“, sagte jener Herr Matzerath, der in sich meinen Vater vermutete. „Er wird später einmal das Geschäft übernehmen. Jetzt wissen wir endlich, wofür wir uns so abarbeiten.“
Mama dachte weniger ans Geschäft, mehr an die Ausstattung ihres Sohnes: „Na, wußt’ ich doch, daß es ein Jungchen ist, auch wenn ich manchmal jesagt hab’‚ es wird ne Marjell[5].“
So machte ich verfrühte Bekanntschaft mit weiblicher Logik und hörte mir hinterher an: „Wenn der kleine
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Oskar drei Jahre alt ist, soll er eine Blechtrommel bekommen.“
Längere Zeit mütterliches und väterliches Versprechen gegeneinander abwägend, beobachtete und belauschte ich, Oskar, einen Nachtfalter, der sich ins Zimmer verflogen hatte. Mittelgroß und haarig umwarb er die beiden Sechzig-Watt-Glühbirnen, warf Schatten, die in übertriebenem Verhältnis zur Spannweite seiner Flügel den Raum samt Inventar mit zuckender Bewegung deckten, füllten, erweiter- ten. Mir blieb
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jedoch weniger das Licht- und Schattenspiel, als vielmehr jenes Geräusch, welches zwischen Falter und Glühbirne laut wurde: Der Falter schnatterte, als hätte er es eilig, sein Wissen los zu werden, als käme ihm nicht mehr Zeit zu für spätere Plauderstunden mit Lichtquellen, als wäre das Zwiegespräch zwischen Falter und Glühbirne in jedem Fall des Falters letzte Beichte und nach jener Art von Absolution[6], die Glühbirnen austeilen, keine Gelegenheit mehr für Sünde und Schwärmerei.
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Heute sagt Oskar schlicht: Der Falter trommelte. Ich habe Kaninchen, Füchse und Siebenschläfer trommeln hören. Frösche können ein Unwetter zusammentrommeln. Dem Specht sagt man nach, daß er Würmer aus ihren Gehäusen trommelt. Schließlich schlägt der Mensch auf Pauken, Becken, Kessel und Trommeln. Er spricht von Trommelrevolvern, vom Trommelfeuer, man trommelt jemanden her- aus, man trommelt zusammen, man trommelt ins Grab. […]
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Wer aber schickte den Falter und erlaubte ihm und dem oberlehrerhaften Gepolter eines spätsommerlichen Donnerwetters, in mir die Lust zur mütterlicherseits versprochenen Blechtrommel zu steigern, mir das Instrument immer handlicher und begehrlicher zu machen?
Äußerlich schreiend und einen Säugling blaurot vortäuschend, kam ich zu dem Entschluß, meines Vaters Vorschlag, also alles was das Kolonialwarengeschäft betraf, schlankweg abzulehnen, den Wunsch meiner
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Mama jedoch zu gegebener Zeit, also anläßlich meines dritten Geburtstages, wohlwollend zu prüfen. […]
Einsam und unverstanden lag Oskar unter den Glühbirnen, folgerte, daß das so bleibe, bis sechzig, siebenzig Jahre später ein endgültiger Kurzschluß aller Lichtquellen Strom unterbrechen werde, verlor deshalb die Lust, bevor dieses Leben unter den Glühbirnen anfing; und nur die in Aussicht gestellte Blechtrommel hinderte mich damals, dem Wunsch nach Rückkehr in meine embryonale Kopflage stärkeren
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Ausdruck zu geben.
Zudem hatte die Hebamme mich schon abgenabelt; es war nichts mehr zu machen.
Günter Grass: Die Blechtrommel, Darmstadt und Neuwied 1981, S. 9, 17, 35 ff.
Hinweise:
Günter Grass (1927–2015), deutschsprachiger Schriftsteller, erhielt 1999 den Nobelpreis für Literatur.
Bei dem Textauszug handelt es sich um den Beginn des Romans.
Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.

[1] Bruno ist Oskars Pfleger.
[2] Kaschuben: Bevölkerungsgruppe in der Nähe von Danzig (heutiges Polen)
[3] Osram: Unternehmen, das u. a. Glühbirnen herstellt
[4] Dammriß: Riss der Beckenmuskulatur
[5] Marjell: ostpreußisch Mädchen
[6] Absolution: Los-, Freisprechung, Sündenvergebung
Material 5
$\;$
Patrick Süskind: Das Parfum (1985)
Hier nun, am allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs, wurde am 17. Juli 1738 Jean-Baptiste Grenouille geboren. Es war einer der heißesten Tage des Jahres. Die Hitze lag wie Blei über dem Friedhof und quetschte den nach einer Mischung aus fauligen Melonen und verbranntem Horn riechenden Verwesungsbrodem in die benachbarten Gassen. Grenouilles Mutter stand, als die Wehen einsetzten, an
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einer Fischbude in der Rue aux Fers und schuppte Weißlinge, die sie zuvor ausgenommen hatte. Die Fische, angeblich erst am Morgen aus der Seine gezogen, stanken bereits so sehr, daß ihr Geruch den Leichengeruch überdeckte. Grenouilles Mutter aber nahm weder den Fisch- noch den Leichengeruch wahr, denn ihre Nase war gegen Gerüche im höchsten Maße abgestumpft, und außerdem schmerzte ihr Leib, und der Schmerz tötete alle Empfänglichkeit für äußere Sinneseindrücke.
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Sie wollte nur noch, daß der Schmerz aufhöre, sie wollte die eklige Geburt so rasch als möglich hinter sich bringen. Es war ihre fünfte. Alle vorhergehenden hatte sie hier an der Fischbude absolviert, und alle waren Totgeburten oder Halbtotgeburten gewesen, denn das blutige Fleisch, das da herauskam, unterschied sich nicht viel von dem Fischgekröse, das da schon lag, und lebte auch nicht viel mehr, und abends wurde alles mitsammen weggeschaufelt und hinübergekarrt zum Friedhof oder hinunter zum Fluß. So sollte es auch
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heute sein, und Grenouilles Mutter, die noch eine junge Frau war, […] wünschte, daß alles schon vorüber wäre. Und als die Preßwehen einsetzten, hockte sie sich unter ihren Schlachttisch und gebar dort, wie schon vier Mal zuvor, und nabelte mit dem Fischmesser das neugeborene Ding ab. Dann aber, wegen der Hitze und des Gestanks, den sie als solchen nicht wahrnahm, sondern nur als etwas Unerträgliches, Betäubendes – wie ein Feld von Lilien oder wie ein enges Zimmer, in dem zuviel Narzissen stehen –, wurde
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sie ohnmächtig, kippte zur Seite, fiel unter dem Tisch hervor mitten auf die Straße und blieb dort liegen, das Messer in der Hand. […]
Für den kleinen Grenouille war das Etablissement der Madame Gaillard ein Segen. Wahrscheinlich hätte er nirgendwo anders überleben können. Hier aber, bei dieser seelenarmen Frau gedieh er. […] Ein minimales Quantum an Nahrung und Kleidung brauchte er für seinen Körper. Für seine Seele brauchte er nichts.
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Geborgenheit, Zuwendung, Zärtlichkeit, Liebe – oder wie die ganzen Dinge hießen, deren ein Kind angeblich bedurfte – waren dem Kinde Grenouille völlig entbehrlich. Vielmehr, so scheint uns, hatte er sie sich selbst entbehrlich gemacht, um überhaupt leben zu können, von Anfang an. Der Schrei nach seiner Geburt, der Schrei unter dem Schlachttisch hervor, mit dem er sich in Erinnerung und seine Mutter aufs Schafott gebracht hatte, war kein instinktiver Schrei nach Mitleid und Liebe gewesen. Es war ein wohlerwogener, fast
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möchte man sagen ein reiflich erwogener Schrei gewesen, mit dem sich das Neugeborene gegen die Liebe und dennoch für das Leben entschieden hatte. Unter den obwaltenden Umständen war dieses ja auch nur ohne jene möglich, und hätte das Kind beides gefordert, so wäre es zweifellos alsbald elend zugrunde gegangen. Es hätte damals allerdings auch die zweite ihm offenstehende Möglichkeit ergreifen und schweigen und den Weg von der Geburt zum Tode ohne den Umweg über das Leben wählen können, und
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es hätte damit der Welt und sich selbst eine Menge Unheil erspart. […] Er entschied sich für das Leben aus reinem Trotz und aus reiner Boshaftigkeit.
Selbstverständlich entschied er sich nicht, wie ein erwachsener Mensch sich entscheidet, der seine mehr oder weniger große Vernunft und Erfahrung gebraucht, um zwischen verschiedenen Optionen zu wählen. Aber er entschied sich doch vegetativ, so wie eine weggeworfene Bohne entscheidet, ob sie nun keimen soll oder ob sie es besser bleiben läßt.
Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders, Zürich 1985, S. 7 f., S. 27 ff.
Hinweis: Rechtschreibung und Kursivdruck entsprechen der Textvorlage.
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Zur-Welt-Kommen

Analyse des Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Günter Grass: Die Blechtrommel
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Gib den Inhalt des Textes wieder und analysiere seine erzählerische und sprachliche Gestaltung.

Einleitung

Deine Analyse beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Die Blechtrommel
  • Autor: Günter Grass
  • Erscheinungsjahr: 1959
  • Inhalt: In dem Textauszug des Romanes „Die Blechtrommel“ von Günter Grass, der auf das Jahr 1959 datiert ist, geht es um den kleinwüchsigen Trommler Oskar, der die Geschichte seiner Geburt und des damit einhergehenden Versprechens seiner Mutter, zu seinem dritten Geburtstag eine Blechtrommel zu bekommen.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, den Inhalt des Textauszuges zusammenzu fassen. Du kannst diesen in drei Sinnabschnitte unterteilen. Anschließend gehst du auf sprachliche und erzählerische Besonderheiten ein, wie Beispielsweise rhetorische Mittel und Erzählzeit.
1. Abschnitt
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Beschreibung der Anstalt, in der sich Oskar befindet (Z. 1-10)
  • Beschreibung seines Bettes, an dem er Änderungen vorlassen nehmen will, damit niemand ihm mehr zu nahe treten kann
  • fühlt sich durch seinen Pfleger Bruno permanent beobachtet und durch Nüchternheit und Sterilität der Anstalt in seiner Kreativität eingeschränkt
  • Oskar berichtet vom Einfluss seiner Blechtrommel
$\blacktriangleright$ Sprache und Erzählung
  • personeller Ich-Erzähler Oskar, Zeitform Präsens
  • recht nüchterner Syntax
  • Personifikation der Trommel: „(…) meine Trommel, der bei geschicktem und geduldigem Gebrauch alles einfällt, (…), um die Hauptsache aufs Papier bringen zu können.“ (Z. 8)
    $\rightarrow$ Trommel ist wie ein Freund für Oskar und gleichzeitig eine Art Memoirenband, mit dem er sich Dinge merken kann
  • Repetitio: „Heil- und Pflegeanstalt“ (Z. 1, 2, 5)
    $\rightarrow$ Oskar wertet es nicht, dass er in dieser Anstalt ist, allerdings scheint sie durch die oftmalige Wiederholung eine besondere Bedeutung für ihn zu haben
2. Abschnitt
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Beschreibung seiner Geburt (Hausgeburt) (Z. 11-30)
  • vergleicht seine Geburt mit biblischer Stelle (Licht)
  • Erklärung, dass er schon seit seiner Geburt über einen voll ausgeprägten Verstand verfügte und bereits Entscheidungen aufgrund von gehörten Aussagen seiner Eltern traf
  • Versprechen der Mutter, Oskar zu seinem dritten Geburtstag eine Blechtrommel zu schenken
$\blacktriangleright$ Sprache und Erzählung
  • anfänglich kurzer Syntax, ab seiner Beschreibung über ihn als Säugling längerer, wertender Syntax
  • direkte Rede der Figuren, Mutter hat einen ostpreußischen Dialekt
  • Oskar spricht oftmals über sich selbst in der dritten Person
  • Metapher: „Licht der Welt“ (Z. 13)
    $\rightarrow$ Oskar vergleicht Geburt bzw. Eintritt ins Leben recht nüchtern mit dem Sehen zweier Glühbirnen, empfindet Geburt nicht als Wunder
  • Zitat: „Es werde Licht und es ward Licht“ (Z. 14)
    $\rightarrow$ biblischer Text Genesis wird abgewertet durch Nebeneinanderstellung mit Werbeslogan
  • Personifikation: „Mein Ohr war hellwach.“ (Z. 20)
    $\rightarrow$ zeigt, wie weit entwickelt Oskar schon als Säugling war
  • Klimax: „klein, geknickt, verklebt und allenfalls niedlich“ (Z. 21)
    $\rightarrow$ obschon Oskars Ohr wie eben beschrieben aussieht, hat es doch eine immense Bedeutung für ihn, fängt alles auf, was um ihn herum gesagt wird, woraus er dann wieder Schlussfolgerungen zieht
3. Abschnitt
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Schilderung Oskars erster Eindrücke (Z. 31-56)
  • Beobachtung eines Nachtfalters, der im Zimmer umherfliegt
  • Funktionen des Trommelns
  • Verlust der Lust am Leben, die nur die Blechtrommel wieder herstellen kann
$\blacktriangleright$ Sprache und Erzählform
  • Oskar redet von sich selbst in der 3. Person („Heute sagt Oskar schlicht“ - Z. 40)
  • Personifizierung des Nachtfalters: „Der Falter schnatterte, als hätte er es eilig, sein Wissen los zu werden“ (Z. 36)
    $\rightarrow$ Oskar nimmt Dinge anders wahr, schreibt Dingen menschliche Fähigkeiten zu und hebt sie somit auf eine Stufe mit sich selbst
  • Personifizierung der Glühbirne: „Zwiegespräch zwischen Falter und Glühbirne“ (Z. 37-38)
    $\rightarrow$ Glühbirne als wichtiges Symbol für Oskar, dazu fähig, Absolution zu erteilen, kann eventuell als Erleuchtung gesehen werden, die Oskar ja schon seit seiner Geburt verspürt und durch diese er schließlich gar keine Lust mehr aufs Leben hat, da er ja schon alles weiß
  • Klimax: „(…) Trommelrevolver, vom Trommelfeuer, man trommelt jemanden heraus, man trommelt zusammen, man trommelt ins Grab.“ (Z. 43-44)
    $\rightarrow$ verdeutlicht Relevanz des Trommelns für Oskar

Schluss

Am Schluss solltest du noch einmal kurz deine Ergebnisse zusammenfassen. Du kannst auch einen möglichen Ausblick über Oskars Zukunft geben oder beschreiben, welchen Eindruck der Textauszug auf dich gemacht hat.

Figurenvergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Günter Grass: Die Blechtrommel
Patrick Süskind: Das Parfum
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche Oskar Matzerath und Jean-Baptiste Grenouille hinsichtlich der Umstände ihrer Geburt und ihres Verhältnisses der Welt.

Einleitung

Deine Vergleich beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt beider Romane kurz und knapp zusammenfassen.
In dem Textauszug des 1959 erschienenen Romanes „Die Blechtrommel“ von Günter Grass beschreibt der Protagonist Oskar Matzerath den Ablauf seiner Geburt und darauf folgende Eindrücke. Auch Patrick Süskind beschreibt in seinem Roman „Das Parfum“ die Geburt des Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille. Im folgenden sollen die Umstände der Geburt beider Protagonisten verglichen werden sowie ihr Verhältnis zur Welt.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, die beiden Protagonisten zu vergleichen. Zuerst solltest du dazu die Umstände der Geburt jedes Einzelnen beschreiben und danach auf deren Verhältnis oder Verständnis zur Welt eingehen. Anschließend kannst du die Unterschiede und Gemeinsamkeiten hervorheben.
Oskar
$\blacktriangleright$  Geburt
  • Oskars Mutter bekam ihre Wehen während der Arbeit im Kolonialwarengeschäft, es war keine Zeit mehr, um in die Frauenklinik zu fahren, weshalb Oskar zu Hause zur Welt gebracht wurde
  • Geburt verlief bis auf den obligatorischen Dammriss glatt, Oskar hatte sich mühelos „aus der von Müttern, Embryonen und Hebammen gleichviel geschätzten Kopflage“ befreit (Z. 15-16)
  • Eltern waren beide bei der Geburt anwesend, freuen sich über die Geburt ihres Sohnes und rätseln bereits über Oskars Zukunft, versprechen Geschenke zu Geburtstagen $\rightarrow$ Aufwachsen im familiären Umfeld
  • Hebamme war auch anwesend, durchtrennte die Nabelschnur
$\blacktriangleright$  Verhältnis zur Welt
  • Verhältnis zur Welt birgt Kontrast zur eher normalen Geburt
  • sieht sich bereits als Säugling als Mensch mit voll ausgeprägtem Verstand, welcher sich reflektieren und anderes auch bewerten kann
  • eher neutrales Verhältnis zu seinen Eltern, will ihre Aussagen über seine Zukunft nicht annehmen und schmiedet eigene Pläne
  • favorisiert den Gedankengang seiner Mutter, ihm eine Blechtrommel zu schenken gegenüber dem Plan seines Vaters, ihm das Kolonialwarengeschäft einmal zu übergeben
  • sieht Parallelen zu dem Nachtfalter und sich selbst: beide sind an ein Symbol gebunden (Glühbirne/Trommel) und beide sind abhängig von diesem Symbol
    $\rightarrow$ dessen beraubt, verlieren sie die Lust am Leben
    $\rightarrow$ nur Gedanke an Blechtrommel hindert Oskar daran, wieder zurück in den mütterlichen Leib zu wollen
  • trifft Entscheidungen, die auf Evaluationen basieren
  • Oskar weist eine stark akustisch geprägte Anschauung der Welt auf
  • weigert sich, erwachsen zu werden
Grenouille
$\blacktriangleright$  Geburt
  • Grenouille kommt „am allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs“ zur Welt
  • Wehen der Mutter setzten während der Arbeit am Fischstand ein
  • routiniert, hatte schon mehrere Geburten, sucht keinen Arzt und auch keine Hebamme auf
  • schmerzhafte Geburt, Mutter wurde danach ohnmächtig
  • Mutter wird hingerichtet aufgrund der Aussetzung Grenouilles $\rightarrow$ wird bei der Amme Madame Gaillard groß gezogen
  • mehrere Tot- oder Halbtotgeburten der Mutter $\rightarrow$ ging davon aus, dass auch Grenouille eine Totgeburt wird, Säugling als Ding, nicht als Lebewesen
    $\rightarrow$ Grenouille entschied sich aber vegetativ und aus purer Bosheit für das Leben, aber gleichzeitig gegen die Liebe
$\blacktriangleright$  Verhältnis zur Welt
  • hat der Liebe, Zuneigung und Geborgenheit abgeschworen $\rightarrow$ gedeiht bei seelenloser Amme
  • braucht nur das minimale Quantum an Kleidung und Nahrung um zu überleben
  • entwickelt sich eher langsam
  • besitzt vornehmlich eine olfaktorische Wahrnehmung
  • ist besessen von Gerüchen, hat eine olfaktorische Ausdrucksweise
Vergleich
$\blacktriangleright$  Gemeinsamkeiten
  • Umstände der Geburt, beide Mütter bekommen ihre Wehen am Arbeitsplatz
  • beide Säuglinge haben Alleinstellungsmerkmal der Sinne (Gehör / Geruch)
  • tätigen früh in ihrem Leben Entscheidungen, die zu ihrer Obsession beitragen (Trommel / Parfum)
  • Entscheidung dafür, zu leben
$\blacktriangleright$  Unterschiede
  • Oskar war gewollt, beide Eltern anwesend, im Haus unter hygienischen Umständen vs. Grenouille, der von der Mutter als totgeborenes Ding erwartet wird, im Dreck geboren
  • komplikationslose Geburt vs. schmerzhafte Geburt und Ohnmacht
  • Aufwachsen in familiärer Umgebung vs. Tod der Mutter - Aufwachsen im Waisenhaus
  • Hebamme durchtrennt Nabelschnur vs. Nabelschnur wird mit Fischmesser durchtrennt
  • Oskar soll das Geschäft des Vaters übernehmen vs. Grenouille hätte laut der Mutter niemals eine Zukunft haben sollen
  • rationale und gut überlegte Entscheidungen vs. vegetative Entscheidungen
  • Kleinwüchsigkeit aus Trotz vs. langsame Entwicklung kognitiver Fähigkeiten

Schluss

Am Schluss solltest du deine Ergebnisse nochmals kurz zusammenfassen. Du kannst auch auf die weitere Entwicklung der Figuren eingehen, die im direkten Kontrast zueinander stehen und doch diverse Gemeinsamkeiten haben.

Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Franz Kafka: Der Proceß
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Überprüfe, inwiefern das Zitat Safranskis auf die literarische Figur Josef K. zutrifft.

Einleitung

Deine Erörterung beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Der Proceß
  • Autor: Franz Kafka
  • Erscheinungsjahr: 1925
  • Inhalt: In dem 1925 erschienenen Roman „Der Proceß“ von Franz Kafka, geht es um den Prokuristen Josef K., der verhaftet wird, ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein. Im Laufe der Geschichte kann festgestellt werden, dass die Weltansichten des Protagonisten durchaus naiv und unwissend erscheinen.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, zuerst die These des Zitates herauszuarbeiten. Anschließend solltest du Szenen finden, mit denen du die These belegst und aber auch Situationen, mit denen du der These widersprichst.
These Rüdiger Safranski
  • Safranski geht davon aus, dass Kafkas Schilderungen denen eines ungeborenen Säuglings entspricht
  • Säugling weiß noch nicht, was ihn erwartet und auch nicht was er von der Welt erwarten soll
  • Blick auf die Welt ist von Ungewissheit und Unsicherheit geprägt
  • zögert aus Ängstlichkeit und dadurch wächst die Angst noch viel mehr
Argumente, die für die These sprechen
  • versetzt man sich in die Situation Josef K.s, wirken die Atmosphäre und die Situationen sehr verunsichernd
    $\rightarrow$ Josef K. wird einfach so, ohne Angabe von Gründen verhaftet
    $\rightarrow$ Prüglerszene: K. verdrängt eigene Schuld an der Szene und sucht die Schuld im System, entzieht sich allerdings bei erneutem Eintritt in die Prügelkammer jeglicher Verantwortung aus Angst, überträgt Verantwortung sogar den Dienern
  • biographischer Ansatz: Kafka arbeitete für eine Versicherung (Beruf voller Bürokratie)
    $\rightarrow$ K. arbeitet in einer Bank, ist mit Bürokratie vertraut, Perspektive des Ungeborenen kann auf Blick auf das Gericht übertragen werden
    $\rightarrow$ Gericht als unerreichbar, nicht greifbar und unverständlich mit zusätzlicher undurchsichtiger Herachie stellt verwirrende Welt dar $\rightarrow$ Abläufe des Gerichts sind im nicht vertraut und sind ungewohnt für ihn, quasi etwas ganz Neues, wie bei einem Ungeborenen
    $\rightarrow$ K. ist zögerlich, fragt nicht richtig nach, warum er verurteilt wurde, kommt mit der Gerichtswelt nicht zurecht
  • Türhüterparabel: bündelt die komplette Handlung des Prozesses
    $\rightarrow$ Josef K. fokussiert sich nur auf den Prozess und hinterfragt nicht die Gründe
    $\rightarrow$ klagt zu Beginn der Verhandlung das Gericht an, aber frägt nicht nach den Gründen
    $\rightarrow$ zieht auch nicht den Maler Titorelli zu Rate, der ja angeblich alles über das Gericht weiß
    $\rightarrow$ zeugt von Angst und respektiver Unsicherheit
    $\rightarrow$ Kaplan ermutigt ihn ja auch noch, gehen zu können, weil das Gericht nichts von ihm wolle
    $\rightarrow$ befragt Helferinnen $\rightarrow$ zeugt von geringem Selbstvertrauen und von der Angst, nicht selber verantwortlich sein zu wollen
  • Josef K. stellt sich seiner eigenen Hinrichtung und erwartet sie, ohne dass sie je verifiziert wurde
  • Kafkaeske Ausgangslage: Welt zwischen Trieb und Vernunft, Alltag und Bürokratie, zwischen Realität und übergeordnetem Sinn
    $\rightarrow$ kann für Ungeborenes nur verwirrend wirken
  • K. zögert generell (frägt nicht nach dem Grund seiner Anklage, geht keine Beziehung mit einer Frau ein)
  • K. besitzt kein allumfassendes Bild über seine eigene Situation, ähnlich wie jemand, der noch nicht geboren wurde
  • der Prozess als existenzialistische Instanz
    $\rightarrow$ das Gericht steht für das Leben und der Prozess für die Suche nach dem Sinn des Lebens, K. steht für das einzelne Individuum
    $\rightarrow$ Sinn des Lebens ist nicht erreichbar, man ist auf der ewigen Suche, hat unbegrenzte Möglichkeiten und darum umso mehr Angst davor
Argumente, die gegen die These sprechen
  • K. könnte sich tief in seinem Inneren einer Schuld bewusst sein, der er sich stellen will
    $\rightarrow$ Suizidgedanken, zeigen eine Art Mut und sprechen gegen das Zitat

Schluss

Am Schluss solltest du deine Ergebnisse noch einmal kurz zusammenfassen und erklären, warum für dich die These plausibel/nicht plausibel ist. Hier kannst du auch deine eigenen Leseeindrücke mit einbeziehen.
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Analyse des Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Günter Grass: Die Blechtrommel
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Gib den Inhalt des Textes wieder und analysiere seine erzählerische und sprachliche Gestaltung.
In dem Textauszug des Romanes Die Blechtrommel von Günter Grass, der auf das Jahr 1959 datiert ist, geht es um den kleinwüchsigen Trommler Oskar, der die Geschichte seiner Geburt und des damit einhergehenden Versprechens seiner Mutter, zu seinem dritten Geburtstag eine Blechtrommel zu bekommen, widergibt.
Der vorliegende Textauszug besteht aus drei Abschnitten. Im ersten Abschnitt wird die Anstalt beschrieben, in welcher sich Oskar befindet, der auch gleichzeitig der personelle Ich-Erzähler ist. Er schildert, dass er an seinem Bett Änderungen vornehmen lassen will, damit ihm niemand mehr zu nahe treten kann. Durch seinen Pfleger Bruno fühlt er sich permanent beobachtet und durch die Nüchternheit und Sterilität der Anstalt in seiner Kreativität eingeschränkt. Der Begriff „Heil- und Pflegeanstalt“ (Z. 1, 2, 5) wird öfters wiederholt. Oskar wertet es dabei nicht, dass er in dieser Anstalt ist, allerdings scheint sie durch die oftmalige Wiederholung eine besondere Bedeutung für ihn zu haben. Zudem berichtet Oskar mit recht nüchterner Syntax vom Einfluss seiner „(…) Trommel, der bei geschicktem und geduldigem Gebrauch alles einfällt, (…)“ (Z. 8), die für ihn einem menschlichen Wesen gleicht. Die Blechtrommel ist wie ein Freund für Oskar und gleichzeitig eine Art Memoirenband, mit dem er sich Dinge merken kann.
Im zweiten Abschnitt beschreibt Oskar seine Geburt, die eine Hausgeburt war. Er vergleicht sie sogar mit der biblischen Stelle, die im Buch Mose zu finden ist: „Es werde Licht und es ward Licht“ (Z. 14). Es scheint, als hätte Oskar von seinem ersten Lebenstag an ein besonders ausgeprägtes Verständnis seines Umfeldes. Mit der Metapher des Lichts vergleicht Oskar seine Geburt beziehungsweise seinen Eintritt ins Leben recht nüchtern mit dem Sehen zweier Glühbirnen - er empfindet die Geburt nicht wirklich als Wunder. Der biblische Text Genesis wird außerdem abgewertet durch die Nebeneinanderstellung mit dem Werbeslogan für Glühbirnen. Zudem erklärt er, dass er schon seit seiner Geburt über einen voll ausgeprägten Verstand verfügte und bereits Entscheidungen aufgrund von gehörten Aussagen seiner Eltern traf (vgl. Z. 17ff.). Oskar geht auch auf das Versprechen seiner Mutter, ihm zu seinem dritten Geburtstag eine Blechtrommel zu schenken, ein. Anfänglich schildert er seine Erlebnisse noch in relativ kurzer Syntax, die sich dann aber ab seiner Beschreibung über ihn als Säugling in einer längeren, wertenden Syntax verwandeln. Der Protagonist personifiziert neben seiner Trommel auch sein Ohr, welches „hellwach.“ (Z. 20) ist. Dies zeigt, wie weit entwickelt Oskar schon als Säugling war. Seine Beschreibung seines eigenen Ohrs gleicht einer Klimax: „klein, geknickt, verklebt und allenfalls niedlich“ (Z. 21). Obschon Oskars Ohr wie eben beschrieben aussieht, so hat es doch eine immense Bedeutung für ihn. Es fängt alles auf, was um ihn herum gesagt wird, woraus er dann wieder Schlussfolgerungen zieht. Dinge, die Oskar äußerst viel bedeuten, vermenschlicht er also. Hinzu kommt die direkte Rede der Figuren - Oskar hält fest, dass seine Mutter einen ostpreußischen Dialekt besitzt. Es fällt zudem auf, dass Oskar oftmals über sich selbst in der dritten Person spricht.
Der dritte Abschnitt besteht aus der Schilderung Oskars erster Eindrücke. So beobachtet er einen Nachtfalter, der im Zimmer umherfliegt und er erläutert die verschiedenen Funktionen des Trommelns. Auch den Nachtfalter personifiziert er, denn „Der Falter schnatterte, als hätte er es eilig, sein Wissen los zu werden“ (Z. 36). Oskar nimmt demnach die Dinge anders wahr, er schreibt ihnen menschliche Fähigkeiten zu und hebt sie somit auf eine Stufe mit sich selbst. Die Glühbirne wird auch personifiziert: „Zwiegespräch zwischen Falter und Glühbirne“ (Z. 37-38). Für Oskar ist die Glühbirne ein wichtiges Symbol. Sie ist dazu fähig, Absolution zu erteilen und kann eventuell als Erleuchtung gesehen werden, die Oskar ja schon seit seiner Geburt verspürt und durch diese er schließlich gar keine Lust mehr aufs Leben hat, da er ja schon alles weiß. Oskar geht hiersogar so weit, zu sagen, dass er jetzt schon die Lust am Leben verloren hat und nur die Blechtrommel diese wieder herstellen kann.
Oskar berichtet von seinen Erlebnissen insgesamt sehr nüchtern und freudlos. Das einzige, was ihn zu faszinieren scheint, sind seine Blechtrommel und gelegentliche, zufällige Begegnungen mit etwaigen Nachtfaltern. Die Tatsache, dass er in einer Heilanstalt ist und auch wie er von seiner eigenen Geburt berichtet, wirkt sehr steril, so als ob er über jemanden anderen, unbekannten berichten würde. Der Textauszug macht den Eindruck, als ob Oskar schlichtweg seinen Lebensweg erzählt, ohne jegliche Emotionen und ohne Wertung.
Vorschlag C

Figurenvergleich

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Günter Grass: Die Blechtrommel
Patrick Süskind: Das Parfum
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Vergleiche Oskar Matzerath und Jean-Baptiste Grenouille hinsichtlich der Umstände ihrer Geburt und ihres Verhältnisses der Welt.
In dem Textauszug des 1959 erschienenen Romanes „Die Blechtrommel“ von Günter Grass beschreibt der Protagonist Oskar Matzerath den Ablauf seiner Geburt und darauf folgende Eindrücke. Auch Patrick Süskind beschreibt in seinem Roman „Das Parfum“ die Geburt des Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille. Im folgenden sollen die Umstände der Geburt beider Protagonisten verglichen werden sowie ihr Verhältnis zur Welt.
Oskars Mutter bekommt ihre Wehen während der Arbeit im Kolonialwarengeschäft. Weil keine Zeit mehr ist, um in die Frauenklinik zu fahren, wird Oskar zu Hause zur Welt gebracht. Die Geburt verläuft bis auf den obligatorischen Dammriss glatt, Oskar hatte sich mühelos „aus der von Müttern, Embryonen und Hebammen gleichviel geschätzten Kopflage“ befreit (Z. 15-16). Auch eine Hebamme ist anwesend, die Oskars Nabelschnur durchtrennt. Außerdem ist Oskars Vater dort und die Eltern freuen sich über die Geburt ihres Sohnes und rätseln bereits über Oskars Zukunft. Zudem versprechen sie Oskar diverse Geschenke zu bestimmten Geburtstagen. Oskar wächst also in einem liebevollen, familiären Umfeld auf, in dem sich um ihn gekümmert und gesorgt wird.
Oskars Geburt verläuft ziemlich normal - sein Verhältnis zu Welt birgt jedoch einen krassen Kontrast hierzu. Er sieht sich bereits als Säugling als Mensch mit voll ausgeprägtem Verstand, welcher sich reflektieren und anderes auch bewerten kann. Außerdem pflegt er ein eher neutrales Verhältnis zu seinen Eltern, er will ihre Aussagen über seine Zukunft nicht annehmen und schmiedet eigene Pläne. So favorisiert Oskar den Gedankengang seiner Mutter, ihm eine Blechtrommel zu schenken gegenüber dem Plan seines Vaters, ihm das Kolonialwarengeschäft einmal zu übergeben. Sich selbst sieht er als parallel zum Nachtfalter: beide sind an ein Symbol gebunden (Glühbirne/Trommel) und beide sind abhängig von diesem Symbol. Dessen beraubt, verlieren sie die Lust am Leben. Nur Gedanke an Blechtrommel hindert Oskar daran, wieder zurück in den mütterlichen Leib zu wollen. Des Weiteren trifft Oskar Entscheidungen, die rein auf Evaluationen beruhen. Oskar weit außerdem eine stark akustisch geprägte Anschauuen der Welt auf und weigert sich, erwachsen zu werden.
Grenouilles Geburt weicht hier stark von Oskars ab. Der Protagonist aus Patrick Süskinds Roman Das Parfum kommt am „am allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs“ zur Welt. Die Wehen seiner Mutter setzen wie bei Oskars Mutter während der Arbeit ein. Jedoch arbeitet Grenouilles Mutter an einem schmutzigen Fischsstand. Sie ist außerdem routiniert, da sie schon mehrere Geburten hinter sich hatte. Deshalb sucht sie auch keinen Arzt und auch keine Hebamme auf, zumal sie eh davon ausgeht, dass Grenouille eine Totgeburt wird. Jedoch verläuft die Geburt nicht komplikationslos, sie ist schmerzhaft und die Mutter wird danach sogar kurz ohnmächtig. Außerdem trennt sie die Nabelschnur mit einem dreckigen Messer. Ihren Säugling sieht sie als Ding an, und nicht als Lebewesen, weswegen sie es schließlich aussetzt. Aufgrund dieser Tat wird sie hingerichtet und Grenouille wächst bei der Amme Madame Gaillard auf. Später behauptet Grenouille, er habe sich rein vegetativ und aus purer Bosheit für das Leben, aber gleichzeitig gegen die Liebe entschieden.
Der Liebe, Zuneigung und Geborgenheit hat Grenouille von Beginn an abgeschworen, weswegen er auch bei der seelenlosen Amme gedeiht. Er braucht außerdem auch nur das minimale Quantum an Kleidung und Nahrung um zu überleben. Im Vergleich zu anderen Kindern entwickelt er sich eher langsam, jedoch besitzt er eine außerordentliche olfaktorische Wahrnehmung, weswegen er von Gerüchen besessen ist und er über eine olfaktorische Ausdrucksweise verfügt. Des Weiteren verspürt Grenouille keine Liebe zu Menschen, sondern zum Duft - er ekelt sich sogar vor Menschen. Tatsächlich lebt Grenouille nur für seine Bestimmung: Als er mit seinem Plan, Dingen ihre duftende Seele zu rauben, scheitert, wird er lebensbedrohlich krank; als er hingegen von anderen möglichen Verfahren erfährt, wird er wie durch ein Wunder gesund.
Vergleicht man nun Grenouille mit Oskar, so werden viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede deutlich. So sind die Umstände der Geburt beider Protagonisten ähnlich, die Mütter bekommen ihre Wehen am Arbeitsplatz. Beide Säuglinge haben außerdem ein Alleinstellungsmerkmal der Sinne (Gehör / Geruch) und sie tätigen früh in ihrem Leben Entscheidungen, die zu ihrer Obsession beitragen (Blechtrommel / Parfüm). Zudem entscheiden sich beide Säuglinge dafür, zu leben. Oskar wwar jedoch gewollt, beide Eltern waren bei der Geburt anwesen und er wurde in einem Haus unter hygienischen Umständen und im Beisein einer Hebamme geboren, während Grenouille als totgeboren geglaubtes Ding von der Mutter im Dreck geboren wird. Die Geburten verlaufen zudem auch unterschiedlich, Oskar kommt ohne Komplikationen zur Welt, Grenouilles Mutter erleidet jedoch schlimme Schmerzen und wird ohnmächtig. Die Nabelschnur wird bei Oskar von der Hebamme durchtrennt, bei Grenouille von der Mutter mit dem Fischmesser. Grenouille wächst aufgrund des Todes seiner Mutter in einem Waisenhaus auf, Oskar bei seinen Eltern, die bereits Zukunftspläne für ihn schmieden. Oskar soll nämlich später das Geschäft seines Vaters übernehmen während Grenouille laut seiner Mutter niemals eine Zukunft hätte haben sollen. Zudem trifft Oskar rationale und gut überlegte Entscheidungen, während jene von Grenouille rein vegetativer Natur sind.
Bei der Gegenüberstellung der Charaktere wird nochmals deutlich, dass sie zwar mit ähnlichen Einstellungen zum Leben aufwachsen, aber dass ihre Umgebung unterschiedlicher nicht sein könnte. Oskar kann sich auf seine Familie berufen - auch wenn er das nicht will, so hat er trotzdem die Möglichkeit dazu - während Grenouille ein eigenwilliger Einzelgänger und Waise ist. Oskars Schicksal bleibt dem Leser des Textauszuges verborgen, und doch scheint es ähnlich des von Grenouilles zu sein. Man kann davon ausgehen, dass auch Oskar ein tragisches Ende finden wird.
Vorschlag C

Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Franz Kafka: Der Proceß
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Überprüfe, inwiefern das Zitat Safranskis auf die literarische Figur Josef K. zutrifft.
In dem 1925 erschienenen Roman „Der Proceß“ von Franz Kafka, geht es um den Prokuristen Josef K., der verhaftet wird, ohne sich irgendeiner Schuld bewusst zu sein. Im Laufe der Geschichte kann festgestellt werden, dass die Weltansichten des Protagonisten durchaus naiv und unwissend erscheinen.
Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski geht davon aus, dass Kafkas Schilderungen denen eines ungeborenen Säuglings entsprechen. Dieser Säugling weiß noch nicht, was ihn erwartet und auch nicht, was er von der Welt erwarten soll. Kafkas Blick auf die Welt ist von Ungewissheit und Unsicherheit geprägt und er zögert aus Ängstlichkeit und dadurch wächst seine Angst noch viel mehr. Anhand Kafkas Roman Der Proceß soll nun überprüft werden, ob Safranskis These gültig sein kann.
Versetzt man sich in die Situation Josef K.s, so wirken die vorherrschende Atmosphäre und die Situationen sehr verunsichernd. Zum einen wird Josef K. einfach so, ohne die Angabe von Gründen, eines Tages verhaftet. Er weiß nicht, warum er schuldig sein soll und wehrt sich aber gleichzeitig keinerlei gegen die Verhaftung aus Angst, eben doch schuldig zu sein. So führt seine Ungewissheit über die Gründe der Verhaftung zu einer stetig wachsenden Angst und zu Josef K.s Unfähigkeit, sich zu wehren und aktiv der Verhaftung und Verurteilung entgegen zu wirken. Zum anderen zeigt die Prüglerszene, dass K. seine eigene Schuld an der Szene verdrängt und er die Schuld beim System sucht. Beim erneuten Eintritt in die Prügelkammer entzieht er sich allerdings jeglicher Verantwortung aus Angst und überträgt die Verantwortung absurderweise sogar den Dienern. Geht man von einem biographischen Ansatz aus, so muss gesagt werden, dass Kafka für eine Versicherung arbeitete, also einem Beruf voller Bürokratie. K. hingegen arbeitet bei einer Bank, er ist also genauso mit der Bürokratie vertraut. Deshalb kann hier die Perspektive des Ungeborenen auf Blick auf das Gericht übertragen werden kann. Das Gericht zeigt sich demnach als unerreichbar, nicht greifbar und unverständlich und stellt mit seiner zusätzlichen undurchsichtigen Hierarchie eine verwirrende Welt dar. Die Abläufe des Gerichts sind K. nicht vertraut und sind deshalb ungewohnt für ihn. Der Prozess ist quasi etwas Neues für ihn und er gleicht hier einem Ungeborenen, das den Machenschaften dieses Systems hilflos ausgesetzt ist. K. ist hier zögerlich, er fragt nicht wirklich nach, warum er verurteilt wurde und kommt schlichtweg nicht mit der Gerichtswelt zurecht. Die Tühüterparabelt bündelt im Prinzip die komplette Handlung des Prozesses. Josef K. fokussiert sich nur auf den Prozess und hinterfragt nicht die Gründe. Zu Beginn der Verhandlung klagt er das Gericht an, aber er fragt wieder nicht nach den Gründen. Zudem zieht er auch noch den Maler Titorelli zu Rate, der ja angeblich alles über das Gericht zu wissen scheint. Dies zeugt von Angst und Unsicherheit. Doch es wird noch absurder: Der Kaplan ermutigt K. schließlich dazu, die Verhandlung zu verlassen, weil das Gericht ja nichts von ihm wolle. Trotzdem befragt K. die Helferinnen, was auf ein geringes Selbstvertrauen und auf K.s Angst vor der Verantwortung schließen lässt. Aber Josef K. stellt sich letztlich seiner eigenen Hinrichtung und erwartet sie, ohne dass sie je verifiziert wurde. Man spricht hier auch von einer kafkaesken Ausgangslage: die Welt wechselt ständig zwischen Trieb und Vernunft, Alltag und Bürokratie, Realität und übergeordnetem Sinn. Dies kann für ein Ungeborenes oder in dem Fall für K. oder auch für Kafka selbst nur verwirrend und verstörend wirken. K. zögert generell sehr oft - weswegen er auch keine Beziehung mit einer Frau eingeht und weswegen er auch nicht nach dem Grund seiner Anklage fragt. Er besitzt kein allumfassendes Bild über seine eigene Situation, ähnlich wie jemand, der noch nicht geboren wurde.
Außerdem kann der Prozess als existenzialistische Instanz gesehen werden. So steht das Gericht für das Leben und der Prozess für die Suche nach dem Sinn des Lebens. K. steht parallel dazu für das einzelne Individuum. Für ihn ist der Sinn des Lebens nicht erreichbar und er ist auf der ewigen Suche. Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten und darum hat er umso mehr Angst vor der Wahrheit, weswegen er versucht, sie zu vermeiden. Er gleicht also tatsächlich einem Ungeborenen, da er die ihm präsentierte Wahrheit für gegeben und allgemein gültig hält.
Einzig und allein die Vermutung, dass K. sich tief in seinem Inneren einer Schuld bewusst ist, deren er sich stellen will, spricht gegen Safranskis These. K.s Suizidgedanken zeigen eine gewisse Art Mut und machen deutlich, dass K. wohl irgendeinen Grund hat, solche Gedanken zu hegen und sagen so aus, dass K. eben nicht naiv wie ein Ungeborenes auf die Welt blickt.
Betrachtet man die vorangegangenen Argumente, so wird deutlich, dass Safranskis These für Franz Kafkas Romanfragment Der Proceß durchaus gültig ist. K. verhält sich so weltfremd und irrational, als ob er nicht wirklich wisse, was um ihn herum passiere und als ob er auch nicht einschätzen könne, welche Auswirkungen sein Handeln haben könnte. Er reagiert auf gewisse Situationen auf solch unlogische Weise, dass die Leser sich fragen, warum er denn beispielsweise das Gericht nicht einfach verlässt. K. gilt so als naives Wesen, das weder sein Umfeld, noch das dahintersteckende System oder die damit verbundenen Prozesse verstehen kann.
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