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Teil B

Aufgaben
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Träume und Visionen in der Literatur

Erlaubte Hilfsmittel:
  1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung
  2. eine Liste der fachspezifischen Operatoren
  3. Süskind: Das Parfum
  4. Kleist: Prinz Friedrich von Homburg
Tipp
Erlaubte Hilfsmittel:
  1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung
  2. eine Liste der fachspezifischen Operatoren
  3. Süskind: Das Parfum
  4. Kleist: Prinz Friedrich von Homburg
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Fasse den Inhalt von Friedrich Hebbels Erzählung „Der Traum“ zusammen und analysiere, wie die Gefühle des Ich-Erzählers in dem Text zum Ausdruck gebracht werden. Berücksichtige dabei inhaltliche und sprachlich-formale Aspekte. (Material 1)
(35 BE)
#ich-erzähler#zusammenfassen#kurzprosa#analysieren
2.
In Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ werden unter anderem auch traumhafte Visionen dargestellt.
Untersuche, wodurch sich die Darstellung einer solchen Vision in Material 2 inhaltlich und sprachlich-formal von der Darstellung des Traums in Hebbels Erzählung (Material 1) unterscheidet.
(35 BE)
#untersuchen#süskind
3.
Beurteile, inwiefern die Kenntnis der Visionen Grenouilles aus Süskinds „Das Parfum“ und des Prinzen aus Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ die Einschätzung dieser literarischen Figuren und ihrer Handlungen durch die Leser beeinflusst.
(30 BE)
#beurteilen#kleist#süskind
Material 1

Friedrich Hebbel: „Der Traum“ (1829 anonym veröffentlicht)

$\,$
Einsam wanderte ich durch die helle Winternacht. Unter meinen Tritten knarrte eintönig der übereiste Schneepfad; ringsum lag die ganze Landschaft in ein weites, weißes Gewand gehüllt, und die Sterne schimmerten am klaren Himmel wie bewegliche Irrlichter, als zitterten sie vor Frost, wie ich selber. Ich wollte an wallende Ähren, an duftende Blumen, an freundliche Hütten, an betriebsame Menschen denken, aber ich
5
konnte es nicht, ich konnte mit aller Mühe nicht Augen und Gedanken losreißen von dem Leichentuch um mich her. Die Dächer, die Bäume, die Felder, die Ströme, alles war weiß: nirgends eine Farbe, denn dies blendende, starre, tote Weiß konnte nicht dafür gelten. Was hätte ich in diesem Augenblick nicht dafür geben mögen, um nur irgendeinen schwarzen Punkt, wenn es auch nur eine Krähe gewesen wäre, in dies weiße Gefild1 hineinzuzaubern. Ich blickte unwillkürlich auf mich selbst, ich meinte, ich sollte einen schwarzen Rock anhaben:
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ich wußte gewiß, er war schwarz gewesen; ja gewesen! - nun aber ganz übersilbert von Reif und Schnee. Gräßliches, entsetzliches Weiß allenthalben rings um mich, und in mir alles so öde, so leer, die Glieder so kalt, das Herz erfroren, das Gehirn Eis; ich meine, ich bin nicht Ich, bin kein Mensch mehr, ich bin ein wandelnder Schneemann, den die spielenden Knaben aufstellten, und der nun scheu und zitternd durch die einsame Nacht davonschreitet. Wie werden die Knaben mir nachrennen und die Hunde hinterdrein bellen. Die Knaben und die
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Hunde? Sie schlafen ja alle, alle Tiere, alle Menschen schlafen, die ganze Welt schläft, ist gestorben, ist erfroren. Sie wollte sich vor der Kälte schirmen unter der Schneedecke und hat sich in ihr Leichentuch gewickelt. Und vor mir dehnen sich alle Länder und Reiche der Erde aus, und alle Berge und alle Fluren, und alle Städte und alle Dörfer sind in einerlei Totenkleid gewunden, unter einerlei Grabesfrost gehalten. Alle Meere und Ströme breiten sich vor mir aus, eine unermeßliche Spiegelfläche, und die Schiffe stehen wie Eisfelsen in
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der gefrorenen Flut, die weißen Segel sind weit ausgespannt, aber steif und regungslos. Nirgends eine Bewegung, nirgends Fortgang und Leben, überall der starre Tod. Nun versteh ich euer Glimmern und Flimmern, ihr Sterne, ihr suchet und sehnet wie ich nach einem, ach! nur nach einem lebendigen Wesen in dem allgemeinen Stillstand, und findet keins. Seht doch mich, blickt doch zu mir her, schaut noch nur einmal still und fest auf mich, ich bin ja doch Leben, ich bin ja doch nicht starr und tot; ich hüpfe, seht, ich tanze ja noch, nein,
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gewiß, glaubt mir, ich bin noch am Leben. Hu! mir graust vor dem Schneemann, der ja so wunderlich vor mir hertanzt. Ich bin ja selber dieser Schneemann, bin ja doch miterfroren mit der ganzen weiten Welt! - Was scharrt da mein Fuß aus dem Schnee! Ein Knochengerippe vom Frost gebleicht! Von einem Vogel nur, vom letzten Vogel vielleicht! Tritt leiser auf, wo ein Gerippe liegt, können mehr liegen. Für einen Vogel ist das Leichentuch zu groß und zu weit. Tritt leiser auf, mein Fuß, alles, alles liegt ja unter der dünnen Winterdecke,
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das ganze kindische, spielende, tändelnde Geschlecht der Menschen, alle geschäftigen Hände sind erstarrt, alle warmen schlagenden Herzen stehn für immer still, alle feurigen Wünsche, alle glühenden Hoffnungen sind erkaltet, die Freudentränen und Kummerzähren2 zu blitzenden Eistropfen geworden, alle Zwietracht, aller Haß und Streit in Grabesfrieden entschlafen, und über das ganze gefrorne Getriebe der Thronenbesitzer und Hünenbewohner deckt eine ewige Winternacht ihren weißen Schleier. Und ich selber liege mit darunter, alle
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meine Sehnsucht, meine Liebe, meine Sorge, alles was ich war, ist gewesen, gewesen, um nie wieder zu werden. Hätte ich das nicht schon längst wissen können, daß es so kommen würde! Und meinte doch etwas zu sein im Leben, es war mir so wohl und war mir so wehe, ich hatte so vieles im Sinn, mein Dichten und Trachten war so eitel, mein Streben und Mühen so nichtig. Ja, da konnte denn wohl am Ende nichts anders daraus werden, als ein Schneemann, der nichts ist und in nichts zerfließt, wenn die Sonne aufgeht am Tage des
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Gerichts3. Und es ward mir, als ginge sie schon auf, als schmölze ich schon hinweg vor ihr, und ich rannte vorwärts, ihr zu entfliehen, und die warmen Strahlen hinterdrein, und es schmolz, es schmolz immer mehr von meiner Gestalt herab, und in entsetzlicher Angst vor den gefährlichen Strahlen stürzte ich über den knarrenden Schnee hinweg, und - da lag meine Heimat mit den weißen Dächern, mit dem eisumreiften Tor, und ich schrie mit dem letzten aus der wegtauenden Brust hervorgellenden Ton: Door aapen4! […]

1Gefild(e): Gegend, Landschaft
2Kummerzähren: Tränen des Kummers
3am Tage des Gerichts: Gemeint ist das Weltende und das damit verbundene göttliche Gericht, in dem über die Lebenden und die Toten gerichtet wird, die von Gott entweder erlöst oder verdammt werden. Der Tag des Gerichts ist verbunden mit der Vorstellung von der Auferstehung der Toten.
4Door aapen: plattdeutsch für „Tür auf“
Hinweis: Friedrich Hebbel (1813-1863) war ein bedeutender deutschsprachiger Autor im 19. Jahrhundert.
Aus: Friedrich Hebbel: Werke. Dritter Band
München 1965,
S.233ff.
#kurzprosa
Material 2

Patrick Süskind: „Das Parfum“ (1985), Auszug aus Kapitel 26

$\,$
Und Grenouille erhob sich […] und schüttelte den Schlaf aus seinen Gliedern. Er stand auf, der große innere Grenouille, wie ein Riese stellte er sich hin, in seiner ganzen Pracht und Größe, herrlich war er anzuschauen - fast schade, daß ihn keiner sah! -, und blickte in die Runde, stolz und hoheitsvoll:
Ja! Dies war sein Reich! Das einzigartige Grenouillereich! Von ihm, dem einzigartigen Grenouille erschaffen
5
und beherrscht, von ihm verwüstet, wann es ihm gefiel, und wieder aufgerichtet, von ihm ins Unermeßliche erweitert und mit dem Flammenschwert verteidigt gegen jeden Eindringling. Hier galt nichts als sein Wille, der Wille des großen, herrlichen, einzigartigen Grenouille. Und […] nun [wollte er], daß es dufte in seinem Reich. Und er ging mit mächtigen Schritten über die brachen Fluren und säte Duft der verschiedensten Sorten, verschwenderisch hier, sparsam dort, in endlos weiten Plantagen und kleinen intimen Rabatten, den Samen
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faustweise verschleudernd oder einzeln an eigens ausgewählten Plätzen versenkend. Bis in die entlegensten Regionen seines Reiches eilte der Große Grenouille, der rasende Gärtner, und bald war kein Winkel mehr, in den er kein Duftkorn geworfen hätte.
Und als er sah, daß es gut war und daß das ganze Land von seinem göttlichen Grenouillesamen durchtränkt war, da ließ der Große Grenouille einen Weingeistregen herniedergehen, sanft und stetig, und es begann
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allüberall zu keimen und zu sprießen, und die Saat trieb aus, daß es das Herz erfreute. Schon wogte es üppig auf den Plantagen, und in den verborgenen Gärten standen die Stengel im Saft. Die Knospen der Blüten platzten schier aus ihrer Hülle.
Da gebot der Große Grenouille Einhalt dem Regen. Und es geschah. Und er schickte die milde Sonne seines Lächelns über das Land, worauf sich mit einem Schlag die millionenfache Pracht der Blüten erschloß, von
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einem Ende des Reichs bis zum anderen, zu einem einzigen bunten Teppich, geknüpft aus Myriaden von köstlichen Duftbehältern. Und der Große Grenouille sah, daß es gut war, sehr, sehr gut. Und er blies den Wind seines Odems über das Land. Und die Blüten, liebkost, verströmten Duft und vermischten ihre Myriaden Düfte zu einem ständig changierenden und doch in ständigem Wechsel vereinten universalen Huldigungsduft an Ihn, den Großen, den Einzigen, den Herrlichen Grenouille, und dieser, auf einer goldduftenden Wolke thronend,
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sog den Odem schnuppernd wieder ein, und der Geruch des Opfers war ihm angenehm. Und er ließ sich herab, seine Schöpfung mehrmals zu segnen, was ihm von dieser mit Jauchzen und Jubilieren und abermaligen herrlichen Duftausstößen gedankt wurde. Unterdessen war es Abend geworden, und die Düfte verströmten sich weiter und mischten sich in der Bläue der Nacht zu immer phantastischeren Noten. Es stand eine wahre Ballnacht der Düfte bevor mit einem gigantischen Brillantduftfeuerwerk.
Aus: Patrick Süskind: Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders.
Zürich 1994, (Diogenes Verlag AG),
S.160ff.
#romanauszug
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Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu beachten.
Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
Aufgabenstellung:
1.
Fasse den Inhalt von Friedrich Hebbels Erzählung „Der Traum“ zusammen und analysiere, wie die Gefühle des Ich-Erzählers in dem Text zum Ausdruck gebracht werden. Berücksichtige dabei inhaltliche und sprachlich-formale Aspekte. (Material 1)
(35 BE)
In dieser Teilaufgabe sollst du sowohl auf den Inhalt, als auch auf die sprachliche Gestaltung der Erzählung eingehen. Du solltest daher einerseits besprechen, wie der Träumende die Winterlandschaft und sich selbst wahrnimmt. Achte außerdem darauf, dass du dich auch zur Erzählperspektive und dem Einsatz verschiedener Tempusformen äußerst.
2.
In Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ werden unter anderem auch traumhafte Visionen dargestellt.
Untersuche, wodurch sich die Darstellung einer solchen Vision in Material 2 inhaltlich und sprachlich-formal von der Darstellung des Traums in Hebbels Erzählung (Material 1) unterscheidet.
(35 BE)
Als Überleitung zu dieser Teilaufgabe kannst du zunächst die Handlung in Süskinds Roman schildern und die zu überprüfende These nennen. Gehe vor allem auf die Unterschiede in der Textform und der allgemeinen Stimmung in beiden Texten ein.
Schließe die Teilaufgabe ab, indem du deine Ergebnisse im Schluss zusammenfasst.
3.
Beurteile, inwiefern die Kenntnis der Visionen Grenouilles aus Süskinds „Das Parfum“ und des Prinzen aus Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ die Einschätzung dieser literarischen Figuren und ihrer Handlungen durch die Leser beeinflusst.
(30 BE)
Auf dieser Teilaufgabe liegt am wenigsten Gewichtung, weshalb du nicht zu viel Zeit für die Lösung einplanen solltest. Da du die beiden Texte nicht direkt miteinander vergleichen sollst, kannst du dich zunächst auf den Traum in Süskinds Roman beziehen und dich anschließend zu Kleists Drama äußern.
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Träume und Visionen in der Literatur

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Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu beachten.
Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
Tipp
Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu beachten.
Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Fasse den Inhalt von Friedrich Hebbels Erzählung „Der Traum“ zusammen und analysiere, wie die Gefühle des Ich-Erzählers in dem Text zum Ausdruck gebracht werden. Berücksichtige dabei inhaltliche und sprachlich-formale Aspekte. (Material 1)
(35 BE)
Tipp
In dieser Teilaufgabe sollst du sowohl auf den Inhalt, als auch auf die sprachliche Gestaltung der Erzählung eingehen. Du solltest daher einerseits besprechen, wie der Träumende die Winterlandschaft und sich selbst wahrnimmt. Achte außerdem darauf, dass du dich auch zur Erzählperspektive und dem Einsatz verschiedener Tempusformen äußerst.
Tipp
In dieser Teilaufgabe sollst du sowohl auf den Inhalt, als auch auf die sprachliche Gestaltung der Erzählung eingehen. Du solltest daher einerseits besprechen, wie der Träumende die Winterlandschaft und sich selbst wahrnimmt. Achte außerdem darauf, dass du dich auch zur Erzählperspektive und dem Einsatz verschiedener Tempusformen äußerst.
Die Erzählung Friedrich Hebbels „Der Traum“ wurde 1829 veröffentlicht und beschreibt die Sicht eines Ich-Erzählers auf eine kalte Winterlandschaft. Aus den Beschreibungen wird schnell deutlich, dass er sich in einem Totenreich befindet.
Aufgabe 1
Einleitung
Titel, Autor, Jahr, Inhalt
Zu Beginn berichtet er lediglich davon, dass die „Landschaft in ein weites, weißes Gewand gehüllt“ sei (Z. 2) und die Sterne am Himmel vor Frost zitterten, wie er selbst. Seine Gedanken an fröhliche, erwärmende Dinge können ihn jedoch nicht von dem „Leichentuch“ (Z. 5) um ihn herum ablenken. In Z. 1-16 entwickelt sich langsam das Bild eines Totenreichs, in dem der Ich-Erzähler sich zu befinden scheint. Bei dieser Beschreibung spielt vor allem die Farbe Weiß eine bedeutende Rolle, denn er sieht nur das „blendende, starre, tote Weiß“ (Z. 6f.) und „gräßliches, entsetzliches Weiß“ (Z. 11). Hinzu kommt die Erkenntnis des Erzählers über seine eigene Verwandlung, denn er sei „so öde, so leer, die Glieder so kalt, das Herz erfroren, das Gehirn Eis“ (Z. 11f.) und stellt fest, dass er „ein wandelnder Schneemann“ (Z. 12f.) geworden sei. Daher könne er von Knaben und Hunden verfolgt werden, doch er müsse zugleich feststellen, dass es Nacht ist und jeder schläft: „Sie schlafen ja alle, alle Tiere, alle Menschen schlafen, die ganze Welt schläft, ist gestorben, ist erfroren“ (Z. 15f.). Es breitet sich ein Gefühl von Einsamkeit über die nächtliche Winterlandschaft aus, das im nächsten Abschnitt weiter ausgeführt wird.
Hauptteil
Beschreibung der Winterlandschaft
Der Ich-Erzähler wechselt in Z. 16-34 zu einer Vogelperspektive, von der aus er die ganze Welt im Blick hat. Er erkennt, dass sich die gesamte Welt unter die Schneedecke, „in ihr Leichentuch gewickelt“ (Z. 16f.) hat. „Alle Länder und Reiche der Erde […], und alle Berge und alle Fluren, und alle Städte und alle Dörfer“ sind gefroren, was mit einigen Vergleichen verdeutlicht wird: Die Meere erscheinen wie eine „Spiegelfläche“ (Z. 19), Schiffe sehen aus wie „Eisfelsen in der gefrorenen Flut“ (Z. 19f). Für den Ich-Erzähler scheint die Welt „steif und regungslos“ (Z. 20) und er sei darin das einzig Lebendige (vgl. Z. 24). Die Welt, in der er sich befindet, wirkt schauerlich, denn sogar vor seiner eigenen Gestalt gruselt er sich (vgl. Z. 25). Durch die Erkenntnis, dass er selbst ein Schneemann ist, wird ihm folglich klar, dass auch er schon „miterfroren mit der ganzen weiten Welt“ (Z. 26) ist. Dass er in diesem Winterreich einsam ist, wird dann durch den Knochenfund im Schnee deutlich, der zu seiner Befürchtung führt, dass „unter der dünnen Winterdecke, das ganze kindische, spielende, tändelnde Geschlecht der Menschen“ (Z. 29f.) liege.
Erkenntnis des Erzählers
Totenreich
Im letzten Abschnitt der Erzählung von Z. 34-44 gibt der Ich-Erzähler sich schließlich dem Totenreich hin. Er erkennt, dass er sich selbst mit all seiner „Sehnsucht, […] Liebe, […] Sorge“ (Z. 35) unter dem weißen Schleier der Winternacht befinde. In den letzten Zeilen der Erzählung übermittelt der Erzähler das Gefühl der Vanitas, denn all sein Streben und Mühen zu Lebzeiten sei nun „so nichtig“ (Z. 38). Er blickt zurück auf sein Leben und erkennt, dass er als Schneemann nicht vor dem jüngsten Gericht bestehen würde. Er rennt vor den Sonnenstrahlen weg, die den „Tage des Gerichts“ (Z. 39f.) ankündigen und sieht in der Ferne die Tore seiner Heimat. Mit letzten Kräften schreit er die Worte „Door aapen!“ (Z. 44), die seinen Alptraum schließlich beenden.
Rücklblick auf sein Leben
Vanitas
Schon aus dem ersten Satz wird die Stimmung der gesamten Erzählung deutlich: ein unbekannter Erzähler wandert „einsam […] durch die helle Winternacht“ (Z. 1) und wird dabei mit dem Tod der gesamten Welt, sowie mit seinen eigenen Ängsten vor dem Tod konfrontiert. Sprachlich zeichnet der Text sich vor allem durch viele Vergleiche und Wiederholungen aus. Die Sterne erscheinen ihm „wie bewegliche Irrlichter“ (Z. 3), der Schnee in der Landschaft wird als „Leichentuch“ (Z. 16) bezeichnet und in sich selbst sieht der Ich-Erzähler einen Schneemann. Die Erzählperspektive spielt für den Fortgang der Erzählung eine wichtige Rolle, denn der Ich-Erzähler reflektiert nicht nur ständig seine Umgebung, sondern auch sich selbst: „Ich blickte unwillkürlich auf mich selbst, […] ich meine, ich bin nicht Ich, bin kein Mensch mehr […]“ (Z. 9f.).
Sprachliche Gestaltung
Erzählperspektive
Sprachlich fällt an der Erzählung ebenfalls auf, dass die Verwendung verschiedener Tempusformen mit einer Schwerpunktverlagerung des Inhalts einhergeht. Die ersten Beschreibungen der Winterlandschaft sind im Präteritum verfasst, doch ab Z. 11 wechselt die Tempusform zum Präsens. Ab diesem Punkt sind die Ansichten und Empfindungen des Ich-Erzählers zentral. Seine Gedanken drückt der Erzähler mit Ausrufen (z. B. Z. 22 „ach!“ und Z. 25 „Hu!“) und Fragen (Z. 14f. „Die Knaben und die Hunde?“) aus. Darüber hinaus gestaltet sich der Text durch Aufforderungen, die der Erzähler an sich selbst stellt (z. B. Z. 28f. „Tritt leiser auf, […]. Tritt leiser auf, […]“) und zahlreichen Wiederholungen, wie in Z. 29f.: „[…] alles, alles liegt ja unter der dünnen Winterdecke, […] alle geschäftigen Hände […], alle warmen schlagenden Herzen […], alle feurigen Wünsche, alle glühenden Hoffnungen […], […] alle Zwietracht, aller Haß und Streit […]“.
Tempusformen
Erst ab Z. 40 kehrt die Erzählung zurück in die Form des Präteritums, was die Auflösung des Traums andeutet. Ab Z. 40 „Und es ward mir, […]“ stehen die Zeilen nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich im Kontrast zu der vorangegangenen Erzählung. Die kalte und starre Welt wird nun durch die Bewegungen des Ich-Erzählers unterbrochen, denn er schmilzt, rennt und versucht der Sonne zu entfliehen. Abgeschlossen wird die Erzählung durch den Ausruf „Door aapen!“ (Z. 44), der aus dem Plattdeutschen stammt und „Tür auf!“ bedeutet.
Auflösung des Traums
Dieser abschließende plattdeutsche Schrei wirkt in Zusammenhang der gesamten Erzählung eher kindlich und unpassend, ebenso wie das Bild eines Schneemans, als welchen der Ich-Erzähler sich selbst bezeichnet. Die Beschreibung eines einsamen und verlassenen Totenreichs steht zunächst in der Tradition der Romantik, doch diese abschließend genannten Aspekte irritieren im Gesamtverlauf der Erzählung. Zu begründen wäre dieser Bruch mit dem jungen Alter des Autors Friedrich Hebbel, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 1829 erst 16 Jahre alt war.
Schluss
Bruch in der Erzählung
#stilmittel
2.
In Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ werden unter anderem auch traumhafte Visionen dargestellt.
Untersuche, wodurch sich die Darstellung einer solchen Vision in Material 2 inhaltlich und sprachlich-formal von der Darstellung des Traums in Hebbels Erzählung (Material 1) unterscheidet.
(35 BE)
Tipp
Als Überleitung zu dieser Teilaufgabe kannst du zunächst die Handlung in Süskinds Roman schildern und die zu überprüfende These nennen. Gehe vor Allem auf die Unterschiede in der Textform und der allgemeinen Stimmung in beiden Texten ein.
Schließe die Teilaufgabe ab, indem du deine Ergebnisse im Schluss zusammenfasst.
Tipp
Als Überleitung zu dieser Teilaufgabe kannst du zunächst die Handlung in Süskinds Roman schildern und die zu überprüfende These nennen. Gehe vor allem auf die Unterschiede in der Textform und der allgemeinen Stimmung in beiden Texten ein.
Schließe die Teilaufgabe ab, indem du deine Ergebnisse im Schluss zusammenfasst.
Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ erschien erst 1985 und damit über ein ganzes Jahrhundert später als Hebbels Erzählung. Süskinds Protagonist Grenouille, der einen ausgesprägten Geruchssinn besitzt, aber keinen Eigengeruch, entwickelt als junges Waisenkind das Ziel, alle Gerüche der Welt zu sammeln. Dabei faszinieren ihn besonders die Gerüche von Mädchen mit vollkommener Schönheit, die er ermordert, um ihren Geruch für immer zu bewahren. Im vorgegebenen Auszug aus Kapitel 26 des Romans erlebt Grenouille eine Vision, in der er sein eigenes Reich mit seinen verzaubernden Düften besprüht. Aus dem Vergleich zwischen diesem Auszug und der Erzählung Hebbels wird deutlich, dass die Texte sich nicht nur in ihrer Entstehungszeit unterscheiden, sondern auch darin, wie die Visionen der Protagonisten dargestellt werden.
Aufgabe 2
Überleitung
Titel, Autor, Jahr, Inhalt, These
Ein grundsätzlicher Unterschied, der beim Vergleich von Hebbels Erzählung und Süskinds Roman auffällt, bezieht sich auf die Textform. Hebbel hat mit seiner Erzählung eine in sich geschlossene Handlung erstellt, die er sogar als Traum betitelt. Der Auszug aus „Das Parfum“ bildet hingegen nur einen Unterteil der Handlung, die sich durch den gesamten Roman hinweg zieht. Überdies ist nicht unmissverständlich deutlich, dass es sich um eine Vision handelt, denn die Worte „Grenouille […] schüttelte den Schlaf aus seinen Gliedern“ (M2, Z. 1) lassen zunächst vermuten, dass der Protagonist aus dem Schlaf erwacht. Erst im folgenden Satz lässt sich erkennen, dass es sich um eine Vision handelt: „[…] der große innere Grenouille, wie ein Riese […]“ (M2, Z. 1f.). Das Adjektiv „innere“ deutet an, dass die Handlung im Inneren Grenouilles, also in seiner Vorstellung, stattfindet. Darüber hinaus wird er im Roman als Gnom beschrieben; es handelt sich bei ihm also keineswegs um einen Riesen.
Unterschied
Textform
In Hebbels Erzählung berichtet der Protagonist aus Ich-Perspektive von seinen Emotionen und Beobachtungen der Winterlandschaft. Mit Hilfe von Ausrufen, Wiederholungen und Vergleichen erschafft er dem Leser das Bild eines einsamen, verlassenen Totenreichs. Süskinds Vision ist hingegen aus Sicht eines auktorialen Erzählers verfasst, der die Perspektive Grenouilles in der dritten Person Singular wiedergibt. Stilistisch werden hier Wiederholungen, Steigerungen und Häufungen verwendet, um das einzigartige und prächtige Reich Grenouilles abzubilden (z. B. M2, Z. 4f.: „[…] sein Wille, der Wille des großen, herrlichen, einzigartigen Grenouille“). Dabei wirkt die Wiedergabe des Erzählers dieser Vorstellungen Grenouilles jedoch stets ironisch, was er beispielsweise in Z. 2f. ausrückt: „[…] herrlich war er anzuschauen - fast schade, daß ihn keiner sah!“
Sprachliche Gestaltung
Auch auf inhaltlicher Ebene unterscheiden sich Hebbels Erzählung und Süskinds Roman voneinander. Auf der einen Seite steht das düstere Totenreich, das Hebbels Ich-Erzähler beschreibt und in dem er selbst als Schneemann auftritt. Auf der anderen Seite befindet sich Grenouille, der von seinem herrlichen, aufblühenden Reich erzählt, in dem er der Gott ist. Die weiße, erfrorene Winterlandschaft steht einem farbenfrohen, duftenden Reich gegenüber. Der umherwandernde, einsame Protagonist bildet die Gegenüberstellung zu dem großen, einzigartigen Grenouille. Letzterer tritt in seinem Reich als gottesgleiche Erscheinung auf, der überall, wo es ihm beliebt, Düfte versprüht (vgl. M2, Z. 8f.), „Weingeistregen herniedergehen“ (Z. 14) lässt und „die milde Sonne seines Lächelns über das Land“ (M2, Z. 18f.) schickt. Der Romanauszug zeichnet sich durch die Vielzahl an huldigenden Adjektiven und Substantiven aus, die dieses Bild verstärken sollen: „die millionenfache Pracht der Blüten“ (M2, Z. 19), die „goldduftende[n] Wolke“ (M2, Z. 24) oder das „gigantische[n] Brillantduftfeuerwerk“ (M2, Z. 29). Ein weiterer auffallender Faktor, der sich in dieser Darstellung der Vision wiederholt, sind die Beschreibungen Grenouilles. Der Protagonist wird beispielsweise als „rasende[r] Gärtner“ (M2, Z. 11) betitelt, über den als „den Großen, den Einzigen, den Herrlichen Grenouille“ gesprochen wird.
Unterschied
Totenreich vs. aufblühendes Reich
Bei all diesen Beschreibung fallen die zunehmenden Anspielungen auf die Bibel auf. Die Großschreibung des „Große[n] Grenouille“ (M2, Z. 11), ebenso Begriffe wie „göttliche[n] Grenouillesamen“ (M2, Z. 13) und „seine Schöpfung“ (M2, Z. 26) sind unmissverständlich als Anmerkung zu verstehen, dass Grenouille ein Reich erschafft, wie Gott die Welt erschaffen hat. Sogar der Satzbau, der im Satzanfang wiederholt „Und“ enthält, erinnert stark an die Bibel: „Und es geschah. Und er schickte […]. Und der Große Grenouille sah, […]. Und er bließ […]“ (M2, Z. 18f.).
Grenouille als Gott
Mit diesem Bezug zu Gott und der Bibel lässt sich eine Gemeinsamkeit zu dem Traum in Hebbels Erzählung feststellen. Zwar tritt der Protagonist hier nicht selbst als Gott auf, doch das Ende des Traumes bildet mit dem „Tage des Gerichts“ (M1, Z. 39) ebenfalls eine eindeutige, göttliche Anspielung.
Gemeinsamkeit
Biblischer Bezug
Im Großen und Ganzen weisen die Visionen von Hebbel und Süskind jedoch mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten auf. Diese unterschiedliche Darstellung liegt vor allem darin begründet, dass Hebbels Erzählung von einem Totenreich handelt, das dem Leser das Gefühl der Vanitas vermittelt. Die Vision aus Süskinds Romanauszug sprüht hingegen vor Heiterkeit und positiven Gefühlen. Der Protagonist tritt nicht vor dem jüngsten Gericht auf, sondern ist in der Position Gottes und erschafft sein eigenes Reich. Dass diese Beschreibung ein ironisches Licht auf den Protagonisten wirft, unterscheidet ihn zunehmends von Hebbels Erzählung, in der die ernstzunehmenden Sorgen eines Ich-Erzählers besprochen werden.
Schluss
Unterschiede überwiegen
3.
Beurteile, inwiefern die Kenntnis der Visionen Grenouilles aus Süskinds „Das Parfum“ und des Prinzen aus Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ die Einschätzung dieser literarischen Figuren und ihrer Handlungen durch die Leser beeinflusst.
(30 BE)
Tipp
Auf dieser Teilaufgabe liegt am wenigsten Gewichtung, weshalb du nicht zu viel Zeit für die Lösung einplanen solltest. Da du die beiden Texte nicht direkt miteinander vergleichen sollst, kannst du dich zunächst auf den Traum in Süskinds Roman beziehen und dich anschließend zu Kleists Drama äußern.
Tipp
Auf dieser Teilaufgabe liegt am wenigsten Gewichtung, weshalb du nicht zu viel Zeit für die Lösung einplanen solltest. Da du die beiden Texte nicht direkt miteinander vergleichen sollst, kannst du dich zunächst auf den Traum in Süskinds Roman beziehen und dich anschließend zu Kleists Drama äußern.
Auch Kleists Protagonist in dem Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ erlebt einen Traum, der dem Leser Einblick in dessen Inneres ermöglicht. Obwohl sich die Textform hier erheblich von Süskinds Roman unterscheidet, schaffen es beide Autoren durch die Schilderung einer Vision, die Gedanken und Wünsche der Protagonisten zu skizzieren. Inwiefern der Leser die literarischen Figuren und deren Handlungen mit Hilfe dieser Informationen näher einschätzen kann, soll im Folgenden beurteilt werden.
Aufgabe 3
Überleitung
Titel, Autor, These
Aus dem Romanauszug von Süskind wird ersichtlich, dass Grenouille sich selbst als Gott betrachtet, der im Stande ist ein gesamtes Reich zu errichten, in dem er über alles herrscht. Seine Vision offenbart dem Leser den enormen Drang des Protagonisten, sein unwiderstehliches Parfum zu erschaffen. Obwohl er sich selbst als Gott sieht, wirkt Grenouille durch diese Vorstellung wie ein Monster auf den Leser. Als „Riese“ (M2, Z. 2) will er sich seine eigene Welt erschaffen und macht deutlich, dass er bereit ist, sich vor jedem Eindringling zu schützen (vgl. M2, Z. 6). Betrachtet man das Kapitel im gesamten Zusammenhang des Romans, so lässt sich hier eine Vorausdeutung erkennen. Grenouille wird von einem gigantischen Ziel getrieben, für das er zu Allem bereit ist und so wird er in Grasse schließlich zum Massenmörder zahlreicher bildhübscher Mädchen.
Preisgebung von Grenouilles Ziel
Dem Leser ist es somit möglich, durch den Traum Grenouilles sein weiteres Handeln im Roman zu erahnen. Indem Süskind das Innere seines Protagonisten offenbart, lässt er den Leser über Grenouille urteilen. Dabei ist einzuräumen, dass der Autor das Urteil des Lesers stark lenkt. Der Traum stellt ihn als Monster dar, wodurch jegliche Sicht auf ihn als bemitleidenswerten Menschen untergraben wird.
Verurteilung Grenouilles
Anders kommt der Traum in Kleists Drama vor, bei dem der Leser zunächst nur von außen von der Vision des Prinzen erfährt, der im Freien unter einem Baum sitzt, „halb wachend halb schlafend“ (1. Auftritt, Regieanmerkung). Er flechtet in seinem Halbschlaf einen Kranz, den der Kurfürst greift. Dieser fordert anschließend die Prinzessin auf, den Kranz zu nehmen, wodurch die Geschehnisse zu Trauminhalten werden. In genau diesem Moment spricht der Prinz, wodurch alle Beteiligten sich erschrecken und zurück ins Haus rennen. Er ergreift lediglich den Handschuh der Prinzessin, dem er nach Erwachen jedoch keinen Besitzer zuschreiben kann.
Beschreibung des Traums von Außen
Erst im vierten Auftritt des ersten Aktes erzählt der Prinz selbst von dem seltsamen Traum und offenbart dem Leser dadurch seine eigene Perspektive. Der Leser erfährt, dass der Prinz sich in seiner Vision ausgeschlossen fühlt, weil ihm der Eintritt ins Schloss verwehrt wurde und was mit der Beeinflussung seines Halbschlafs zu erklären ist. Als Folge dieses Geschehens sei dem Prinzen im Traum ein Handschuh zugeflogen und zu dessen Verwirrung wacht er tatsächlich mit einem Handschuh in der Hand auf. Sowohl der Kurfürst und die anderen Beteiligten, als auch der Leser wissen in diesem Moment mehr als der Prinz selbst. Er bleibt der einzige Unwissende, der nicht über den Scherz bescheid weiß und grübelt darüber nach, wem der Handschuh gehört, wodurch er in seiner Verwirrtheit sympathisch wirkt. Der Prinz überhört folglich einen wichtigen Kriegsbefehl, aus dem sich der weitere Verlauf des Dramas abzeichnet. Bereits nach diesen ersten Geschehnissen scheint es für den Leser, als würde der Prinz verträumt handeln. Wie sich in der Handlung des Dramas zeigt, überträgt er dieses Verhalten auch auf seine Kriegsentscheidungen, die dadurch sehr emotional gesteuert wirken. Zwar untersützt der anfängliche Traum, dass der Leser ein vertäumtes, sogar bemitleidenswertes Bild vom Prinzen entwickelt, der zudem nicht selbstbewusst oder autoritär wirkt. Doch ebenso spielt hier auch der spätere Handlungsverlauf und das weitere Verhalten des Prinzen eine wichtige Rolle.
Prinz wirkt sympathisch
Kleist bietet dem Leser also eine Hilfe bei der Einschätzung des Prinzen und seinen Handlungen im Drama, indem er seinen Traum bespricht. Ein festes Bild, wie Süskind es von seinem Grenouille abbildet, gibt er jedoch nicht vor und lässt dem Leser damit mehr Freiraum bei der Einschätzung seines Protagonisten.
Schluss
Freiraum bei Kleist
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