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Teil C

Aufgaben
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Gott und Mensch

$\blacktriangleright$  Aufgaben
1.
Interpretieren Sie das vorliegende Gedicht auch unter Berücksichtigung epochenspezifischer Merkmale. (Material 3)
2.
Untersuchen Sie das Verhältnis des Menschen zu Gott im vorliegenden Textauszug aus Büchners „Lenz“ und vergleichen Sie es mit dem Verhältnis des Menschen zu Gott in Loerkes Gedicht. (Material 3 und 4)
3.
Begründen Sie im Hinblick auf inhaltliche und sprachlich-formale Aspekte, inwiefern Büchner als Vorläufer des Expressionismus angesehen werden kann.
#expressionismus#gedichtinterpretation#büchner
Material 3
$\;$
Oskar Loerke: Die Ebene (1917)
Ins Ungewisse bleicht das Himmelshaus,
Die Ebne klingt ins Ungewisse aus.
So spricht der Wind zu mir: „Sie haben
Den lieben Gott der Welt begraben,
5
Ein rotes Pferd fuhr ihn mit düsteren Schabracken[1].“
Nah liegen Hügel Sandes hingeduckt wie Weinende,
Ihr Sand ergraut, der Scheinende.
Nun stehe ich auf ihrem Nacken.
Wie ist die Ebene so groß!
10
Wie ist die Welt so heimatlos!
Oskar Loerke: Sämtliche Gedichte, hg. v. Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel, Göttingen 2010, Bd. 1, S. 174.

[1] Schabracke: Pferdedecke, Satteldecke
Material 4
$\;$
Georg Büchner: Lenz (1839)
Unterdessen ging es fort mit seinen religiösen Quälereien. Je leerer, je kälter, je sterbender er sich innerlich fühlte, desto mehr drängte es in ihn, eine Glut in sich zu wecken, es kamen ihm Erinnerungen an die Zeiten, wo Alles in ihm sich drängte, wo er unter all’ seinen Empfindungen keuchte; und jetzt so tot. Er verzweifelte an sich selbst, dann warf er sich nieder, er rang die Hände, er rührte Alles in sich auf; aber tot! tot! Dann
5
flehete er, Gott möge ein Zeichen an ihm tun, dann wühlte er in sich, fastete, lag träumend am Boden. Am dritten Hornung hörte er, ein Kind in Fouday sei gestorben, er faßte es auf, wie eine fixe Idee. Er zog sich in sein Zimmer und fastete einen Tag. Am vierten trat er plötzlich in’s Zimmer zu Mad. Oberlin, er hatte sich das Gesicht mit Asche beschmiert, und forderte einen alten Sack; sie erschrak, man gab ihm, was er verlangte. Er wickelte den Sack um sich, wie ein Büßender, und schlug den Weg nach Fouday ein. Die
10
Leute im Tale waren ihn schon gewohnt; man erzählte sich allerlei Seltsames von ihm. Er kam in’s Haus, wo das Kind lag. Die Leute gingen gleichgültig ihrem Geschäfte nach; man wies ihm eine Kammer, das Kind lag im Hemde auf Stroh, auf einem Holztisch.
Lenz schauderte, wie er die kalten Glieder berührte und die halbgeöffneten gläsernen Augen sah. Das Kind kam ihm so verlassen vor, und er sich so allein und einsam; er warf sich über die Leiche nieder; der Tod
15
erschreckte ihn, ein heftiger Schmerz faßte ihn an, diese Züge, dieses stille Gesicht sollte verwesen, er warf sich nieder, er betete mit allem Jammer der Verzweiflung, daß Gott ein Zeichen an ihm tue, und das Kind beleben möge, wie er schwach und unglücklich sei; dann sank er ganz in sich und wühlte all seinen Willen auf einen Punkt, so saß er lange starr. Dann erhob er sich und faßte die Hände des Kindes und sprach laut und fest: Stehe auf und wandle! Aber die Wände hallten ihm nüchtern den Ton nach, daß es zu spotten
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schien, und die Leiche blieb kalt. Da stürzte er halb wahnsinnig nieder, dann jagte es ihn auf, hinaus in’s Gebirg. Wolken zogen rasch über den Mond; bald Alles im Finstern, bald zeigten sie die nebelhaft verschwindende Landschaft im Mondschein. Er rannte auf und ab. In seiner Brust war ein Triumph-Gesang der Hölle. Der Wind klang wie ein Titanenlied, es war ihm, als könne er eine ungeheure Faust hinauf in den Himmel ballen und Gott herbei reißen und zwischen seinen Wolken schleifen; als könnte er die Welt mit den
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Zähnen zermalmen und sie dem Schöpfer in’s Gesicht speien; er schwur, er lästerte. So kam er auf die Höhe des Gebirges, und das ungewisse Licht dehnte sich hinunter, wo die weißen Steinmassen, und der Himmel war ein dummes blaues Aug, und der Mond stand ganz lächerlich drin, einfältig. Lenz mußte laut lachen, und mit dem Lachen griff der Atheismus in ihn und faßte ihn ganz sicher und ruhig und fest. Er wußte nicht mehr, was ihn vorhin so bewegt hatte, es fror ihn, er dachte, er wolle jetzt zu Bette gehn, und er
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ging kalt und unerschütterlich durch das unheimliche Dunkel – es war ihm Alles leer und hohl, er mußte laufen und ging zu Bette.
Am folgenden Tag befiel ihn ein großes Grauen vor seinem gestrigen Zustande, er stand nun am Abgrund, wo eine wahnsinnige Lust ihn trieb, immer wieder hineinzuschauen, und sich diese Qual zu wiederholen. Dann steigerte sich seine Angst, die Sünde und der heilige Geist stand vor ihm.
Georg Büchner: Werke und Briefe, hg. v. Karl Pörnbacher u. a., München 2. Aufl. 1990, S. 150 f.
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Gott und Mensch

Gedichtinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Oskar Loerke: Die Ebene
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht.

Einleitung

Deine Interpretation beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Die Ebene
  • Autor: Oskar Loerke
  • Erscheinungsjahr: 1917
  • Inhalt: In dem Gedicht „Die Ebene“ von Oskar Loerke, das auf das Jahr 1917 datiert ist, geht es um eine landschaftliche Ebene, die sich dem lyrischen Ich als tote Szenerie zeigt.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, das Gedicht zu interpretieren. Führe dazu zunächst die formale Analyse durch. Dazu gehört, dass du die Anzahl der Strophen und Verse, das Metrum, das Reimschema und die Kadenz ermittelst und angibst.
Gib dann den Inhalt wieder - neben dem Inhalt sind aber auch die sprachlichen Mittel, die Loerke verwendet, essenziell. Lasse diese aber nicht so stehen, sondern erkläre immer, warum die Mittel eingesetzt werden, denn sie heben immer den Inhalt hervor und unterstreichen ihn.
Berücksichtige auch epochenspezifische Merkmale.
Formale Analyse
  • 1 Strophe
  • Metrum: Jambus
  • Reimschema: Schweifreim, Paarreim
  • Kadenz: männlich
1. Strophe
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • lyrisches Ich beschreibt eine Ebene, die offenbar kein Ende hat („ins Ungewisse“ - vgl. Z. 2) und die sich bis zum Horizont erstreckt
  • Information des Windes, dass jemand den Gott der Welt begraben hat und dass ein rotes Pferd ihn fuhr - wohin wird nicht genannt (vgl. Z. 4-5)
  • Beschreibung des Umlandes, Sanddünen erstrecken sich über Ebene, dem einstmals scheinenden Sand ist die Farbe gewichen (vgl. Z. 7)
  • lyrisches Ich gibt bekannt, dass es auf dem Kamm der Sanddünen steht
  • auf die Ebene blickend beschreibt das lyrische Ich die Größe eben derer und macht auf die Heimatlosigkeit der Welt aufmerksam
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Metapher: „Himmelshaus“ (Z. 1)
    $\rightarrow$ steht für das Jenseits
    $\rightarrow$ bleicht, also passt sich der farblosen Ebene an
    $\rightarrow$ es gibt keinen Übergang vom Leben (Ebene) zum Tod (Himmelshaus) mehr, ein Paradies im Jensseits ist nicht mehr existent
  • Wiederholung: „Ungewisse“ (Z. 1-2)
    $\rightarrow$ Ebene hat kein sichtbares Ende, ist für das lyrische Ich unendlich
    $\rightarrow$ Übergang zum Jensseits (Himmelshaus) ist ungewiss
  • Personifikation: „Die Ebne klingt ins Ungewisse aus.“ (Z. 2)
    $\rightarrow$ Stille, die mit der Stille nach dem Sturm oder nach dem Krieg vergleichbar ist
  • Personifikation: „So spricht der Wind zu mir“ (Z.3)
    $\rightarrow$ Stille wird unterbrochen vom Wind, der eine omnipotente Funktion hat
  • Metapher: „Sie haben den lieben Gott der Welt begraben“ (Z. 3-4)
    $\rightarrow$ Gott wurde umgebracht, es gibt keinerlei Hoffnung mehr, daher auch kein Paradies mehr
    $\rightarrow$ Krieg als Gottlosigkeit
  • Symbol: „rotes Pferd“ (Z. 5)
    $\rightarrow$ steht für den Kommunismus, der Gott bzw. die Religion umgebracht hat
    $\rightarrow$ könnte als Totenkarren fungieren, Kommunismus für Krieg verantwortlich
  • Vergleich: „wie Weinende“ (Z. 6)
    $\rightarrow$ Hoffnungslosigkeit, trauern um verlorerene Lebensfreude der Welt
    $\rightarrow$ nach dem Krieg kommt das Nichts
  • Metapher: „der (s)cheinende [Sand]“ (Z. 7)
    $\rightarrow$ zeigt Transformation von einstmals scheinendem Sand zu jetzigem grauen Staub
  • Anapher/Parallelismus: „Wie ist die Ebene so groß! Wie ist die Welt so heimatlos!“ (Z. 9-10)
    $\rightarrow$ Krieg hat Ebene und somit das tote Leben vergrößert, hat Heimaten zerstört
Titel
  • eine Ebene ist eine lang ausgestreckte, flache, hügelfreie Landschaft
  • gleicht im Gedicht dem Nichts, fühlt sich grau und staubig an, dürr und karg
  • erstreckt sich ins Unermeßliche, könnte als Symbol für das zerstörende Kriegsleben sein
  • Endlosigkeit des Elends, in dem sich das lyrische Ich befindet
Bezug zur Epoche
  • Kriegsexpressionismus
  • generelle Themen wie Krieg, Großstadt, Zerfall und die Angst vor dem Ich-Verlust
  • das Aufgeben der traditionellen Weltbilder und das moralische Chaos spielt eine große Rolle
  • geprägt von Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit
  • Katastrophenstimmung als Merkmal

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, die Intention, des Gedichts noch einmal kurz zusammenfassen. Du kannst hier auch sagen, welche Gefühle das Lesen des Gedichts in dir ausgelöst und in welche Stimmung es dich versetzt hat.

Vergleich Verhältnis Gott zu Mensch

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Oskar Loerke: Die Ebene (1917)
Georg Büchner: Lenz (1839)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Untersuche das Verhältnis des Menschen zu Gott im Textausschnitt aus Büchners „Lenz“ und vergleiche es mit dem Verhältnis zu Gott in Loerkes Gedicht.

Einleitung

In deiner Einleitung solltest du kurz die Inhalte beider Materialien darstellen. Nenne dabei auch Autoren, Titel, Textgattung und Erscheinungsjahr. Gehe anschließend auf die Verhältnisse zwischen Mensch und Gott ein.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun zuerst das Verhältnis zwischen Mensch und Gott in Georg Büchners „Lenz“ herausarbeiten. Erläutere dabei die Rolle, die Religion für den Protagonisten einnimmt und welche Einstellung er zu Gott hat. Anschließend beschreibst du das Verhältnis des lyrischen Ichs zu Gott in Loerkes „Die Ebene“.
Georg Büchner „Lenz“
$\blacktriangleright$  Inhalt
  • Lenz fühlt sich gespalten, hat früher viele Emotionen empfunden, fühlt sich jetzt aber wie tot und wartet auf ein Zeichen Gottes
  • als er von einem toten Kind hört, sieht er dies als Zeichen und macht sich auf, es wiederzubeleben
  • Betet, dass Gott ihm helfen möge, das Kind zum Leben zu erwecken. Das Zeichen bleibt aus und Lenz wird halb wahnsinnig, hegt Groll gegen Gott
  • Er stürmt auf die spitze eines Gebirges und schwört dort Gott ab
  • empfindet Leere
  • bereut sein Verhalten am nächsten Tag, steht vor Abgrund des Abschwörens der Religion, in den er sich immer wieder und wieder stürzen will
  • Sünde und der heilige Geist stehen vor diesem Abgrund
$\blacktriangleright$  Verhältnis zu Gott
  • Lenz versucht zu Gott zu finden, was ihm allerdings nicht gelingt
  • bekommt kein Zeichen von Gott und streikt, indem er fastet (was auch als eine Art Selbstkasteiung gelten kann)
    $\rightarrow$ eventuell ist er in seinen Augen Gottes nicht würdig
  • erfährt vom Tod des Kindes, wird übermütig, will Buße tun (wird durch die Kohle im Gesicht und dem Sack als Kleidung deutlich)
  • will sich dadurch Gott gegenüber zu beweisen und stellt sich letztlich mit Gott gleich, indem er versucht das Kind wieder zu erwecken
    $\rightarrow$ stellt sich eigentlich schon über Gott, da er davon ausgeht, Menschen zum Leben erwecken zu können
    $\rightarrow$ nur ein christlicher Fall, in dem ein Mensch zum Leben erweckt wurde (Jesus)
  • missglückte Erweckungsversuch lässt Lenz dann wie so oft wahnsinnig ins Gebirge steigen
  • Gefühl der Allmacht und des Glücks überfallen ihn, er empfindet Triumphgesang der Hölle, wendet sich also dem Teufel zu
  • wird übermütig und stellt sich erneut über Gott, da er Gott von seinem „Thron“ stürzen will (vgl. 24) und da er sich als Herrscher der Welt wähnt und sie mit einem Wink „zermalmen“ könnte (vgl. 25)
  • indem er die Welt zerstören will und diese in Gottes Gesicht speien will, zeigt er, was er von Gottes Kreation (der Welt) hält
  • schwört, lästert über Gott
  • im Gebirge verliert er letzten Endes den Glauben an Gott ganz und wird vom Atheismus gepackt
  • am nächsten Tag die Reue, sieht sich vor einem Abgrund, könnte als jüngstes Gericht gedeutet werden
Oskar Loerke „Die Ebene“
$\blacktriangleright$ Verhältnis von Mensch zu Gott
  • Gott wurde vom Mensch getötet (von den Kommunisten)
  • dadurch schwindet das Bild des Paradieses und alles (Leben, Tod und Jenseits) wird zu einer Masse, die sich nicht voneinander abgrenzen lässt
  • Gott, der über die Welt richtet und Geschehen beeinflusst, hat Krieg zugelassen
  • Gott ist Schuld am Leiden der Welt $\rightarrow$ Theodizee-Problem
Vergleich
  • Landschaft ähnlich, lyrisches Ich und Lenz stehen beide vor einer Art Abgrund und blicken hinab (Gebirge vs. Ödland)
  • direkte Beziehung eines Einzelnen zu Gott (Büchner) vs. gesamte Menschheit zu Gott (Loerke)
  • Versuch, Gott zu finden vs. Frustration darüber, dass Gott die Welt verlassen hat
  • Wandel zum Atheismus vs. Theodizee
  • Bereuen des Tuns vs. Verzweiflung über Geschehniss

Schluss

Zum Schluss solltest du deine Ergebnisse noch einmal kurz zusammenfassen.

Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Georg Büchner: Lenz
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Begründe im Hinblick auf inhaltliche und sprachlich-formale Aspekte, inwiefern Büchner als Vorläufer des Expressionismus angesehen werden kann.

Einleitung

Deine Begründung beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Lenz
  • Autor: Georg Büchner
  • Erscheinungsjahr: 1839
  • Inhalt: In dem Textausschnitt aus „Lenz“ von Georg Büchner aus dem Jahre 1839 geht es um den Protagonisten Lenz, der sich verzweifelt nach einem Zeichen Gottes sehnt, dieses dann selber induzieren will, indem er plant, ein totes Kind zum Leben wieder zum Leben zu erwecken, daran scheitert und letztendlich den Verstand verliert. Er schwört Gott ab, wird sogar zum Atheisten. Am Tage darauf bereut er seine Entscheidung bitterlichst.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, die Inhalte und sprachlich-formalen Aspekte herauszuarbeiten, die als charakteristisch für den Expressionismus gesehen werden. Beginne damit, die generellen Merkmale des Expressionismus aufzuführen und belege diese dann anhand von Beispielen aus dem Textausschnitt. Erörtere dann, inwiefern diese Merkmale ausreichen, um Büchner als Vorreiter des Expressionismus zu bezeichnen.
Merkmale Expressionismus
  • Aufgabe der traditionellen Weltbilder
  • moralisches Chaos, ausgelöst durch Industrialisierung und Revolution
  • Rolle der Umwelt und der Großstadt
  • gesellschaftliche Veränderungen und Angstgefühle sind ebenfalls ein Motiv der Epoche
  • Themen wie Tod, Verfall, Zerstörung, Hinrichtung, Untergang und Wahnsinn
  • zynisch, nihilistische Kälte
  • Ausdruck des Ich-Zerfalls durch das Leben in den Großstädten und der Verlust des Individuums in der Umwelt
  • Hauptthematik: das menschliche Individuum, das Ende der Welt, Verlust der Persönlichkeit
  • Ablehnung jeglicher Logik und Erklärbarkeit
  • Thematisierung des Hässlichen und des Abstoßenden
  • Sprache ist subjektiv, übersteigert, überhöht, verzerrt $\rightarrow$ versuchte die traditionelle Bildungssprache zu zerstören
  • Verkürzung von Sätzen
  • stark metaphorische Sprache
  • rhetorische Figuren zusammen mit Reduzierung der Wörter
Büchners „Lenz“
  • es kann nicht wirklich von einer Aufgabe des Weltbildes in „Lenz“ gesprochen werden, da sich die bisherigen Strukturen der Gesellschaft oder des Glaubens nicht verändern
  • moralisches Chaos vorhanden, allerdings nicht durch Industrialisierung und Revolution ausgelöst
    $\rightarrow$ hält sich für etwas Größeres als Gott, schwört ihm ab und bereut es im Nachhinein
  • Umwelt/Großstadt spielt keinerlei Rolle im vorliegenden Textausschnitt (nicht erwähnt)
  • Lenz hat große Angstgefühle
    $\rightarrow$ als er das tote Kind anfasst, schrickt er auf (vgl. Z. 15)
    $\rightarrow$ Angst steigert sich, als er vor dem metaphorischen Abgrund steht und das jüngste Gericht erblickt (vgl. Z. 34)
  • thematisch deckt „Lenz“ fast alle negativen Extreme des Expressionismus ab
    $\rightarrow$ Tod: Lenz selbst fühlt sich tot (vgl. Z. 4), totes Kind, dass er wieder zum Leben erwecken will (vgl. Z. 6)
    $\rightarrow$ Zerstörung: Lenz zeigt Zerstörungswut, nachdem er nicht fähig ist, das Kind zu retten, will Gott vom Himmel reißen und Welt zermalmen (vgl. Z. 24-25)
    $\rightarrow$ Hinrichtung: Anspielung auf das Jüngste Gericht, das ihn erwartet, nachdem er die Sünde begangen hat, Gott abgeschworen zu haben (vgl. Z. 34)
    $\rightarrow$ Wahnsinn: nachdem Lenz aus des toten Kindes Haus stürmt, stürzt er halb wahnsinnig nieder, fühlt die Hölle nach ihm rufen, lacht irr, will sich in Abgrund der Abschwörung Gottes immer wieder stürzen, selbiges Leid über und über erfahren
  • fühlt Kälte zu Beginn des Ausschnittes, als ob er selber sterben würde, es friert ihn, nachdem er Gott in seinem Kopf zerstört hat, fühlt aber auch Leere (vgl. Z. 30)
  • verliert seine Persönlichkeit indem er immer wahnsinniger wird, will immer wieder dieselbe Hölle durchleben (vgl. Z. 33)
  • man kann nicht wirklich erklären, was in Lenz' Kopf vorgeht, es widerspricht jeglicher Logik, warum er denkt, er könne einen Toten heilen
  • Sprache durchaus gewöhnlich bei Büchner, wenig Überspitzung, wenig verzerrt
  • nur wenig Metaphern: Abgrund als Metapher für den Wahnsinn

Schluss

Am Schluss solltest du noch einmal kurz deine Ergebnisse zusammenfassen und ausführen, inwiefern Büchner als Vorläufer des Expressionismus gewertet werden kann.
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Gott und Mensch

Gedichtinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Oskar Loerke: Die Ebene
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht.
In dem Gedicht „Die Ebene“ von Oskar Loerke, das auf das Jahr 1917 datiert, geht es um eine landschaftliche Ebene, die sich dem lyrischen Ich als tote Szenerie zeigt.
Das Gedicht besteht aus einer Strophe, deren Verse im Metrum des Jambus geschrieben sind. Das Reimschema besteht aus Schweifreimen und Paarreimen und die Verse enden in einer männlichen Kadenz. Das lyrische Ich beschreibt eine Ebene, die offenbar kein Ende hat - die also „ins Ungewisse“ (vgl. Z. 2) geht- und die sich bis zum Horizot erstreckt. Der Wind informiert anschließend das lyrische Ich, dass jemand den Gott der Welt begraben hat und dass ein rotes Pferd ihn fuhr - wohin wird allerdings nicht genannt (vgl. Z. 4ff.). Danach wird das Umland beschrieben: Sanddünen erstrecken sich über die Ebene, dem einstmals scheinenden Sand ist die Farbe gewichen (vgl. Z. 7). Nun wird auch dem Leser bewusst, wo das lyrische Ich sich befindet, denn es gibt bekannt, dass es auf dem Kamm der Sanddünen steht und deshalb einen weitreichenden Blick auf seine Umgebung hat. Auf die Ebene blickend beschreibt das lyrische Ich die Weite eben derer und macht auf die Heimatlosigkeit der Welt aufmerksam.
Loerke nutzt diverse rhetorische Mittel, um die Atmosphäre und die Tragweite des Gedichts zum Ausdruck zu bringen. Einige religiöse Elemente werden durch Metaphern ausgedrückt. So steht das „Himmelshaus“ (Z. 1) für das Jenseits. Doch es ist bleich, es passt sich also der farblosen Ebene an. Es zeigt außerdem dass es keinen wirklichen Übergang oder keine klare Abgrenzung von Leben - also der Ebene - und Tod - also dem Himmelshaus - mehr gibt. Ein Paradies im Jenseits ist nicht mehr möglich oder gar existent. Ausgangslage hierfür ist, dass es Gott gar nicht mehr gibt, denn „[der] liebe[…] Gott der Welt [wurde] begraben“ (Z. 3-4). Gott ist also tot, man kann auch theoretisch davon ausgehen, dass er umgebracht wurde, oder er sich abgewandt hat, weshalb sich die Menschheit selbst von der Religion oder dem Glauben entfernt hat. Die Menschheit hat keinen Halt mehr, was durch die Wiederholung des Wortes „ das Ungewisse“ (Z. 1ff.) deutlich wird. So hat die Ebene beispielsweise kein sichtbares Ende, sie ist für das lyrische Ich unendlich - der Übergang vom Diesseits ins Jenseits ist ungewiss. Der Leser stellt sich hier die Frage „Wo hört die Ebene, das Leben auf? Wo fängt das Himmelshaus, der Tod an?“ Zudem wird diese Ebene auch vermenschlicht, denn sie „ klingt ins Ungewisse aus.“ (Z. 2) - es herrscht also eine alles vernichtende Stille, die mit der Stille nach einem Sturm oder Krieg vergleichbar ist. Die Ebene steht hier also zusätzlich für eine Leere, die nach einem zerstörerischen Ereignis folgt. Diese Stille wird jedoch vom Wind unterbrochen, der auch personifiziert wird: „So spricht der Wind zu mir“ (Z.3). Der Wind hat also eine omnipotente Funktion, er erklärt dem lyrischen Ich das Geschehene. Das rote Pferd im Kommentar des Windes (vgl. Z. 5) kann ein Symbol für den Kommunismus, der Gott bzw. die Religion umgebracht hat. Es könnte so als Totenkarren fungieren und demnach wird von Autor Loerke der Kommunismus für den Krieg verantwortlich gemacht. Die Stimmung ist generell sehr düster, was auch durch den Vergleich der Hügel mit Weinenden (vgl. Z. 6) klar wird. Das lyrische Ich ist von Hoffnungslosigkeit umgeben, selbst die Natur trauert um die verlorene Lebensfreude der Welt. Dies unterstützt die These, dass nach dem Krieg das große Nichts, also die Leere - im Hinblick auf die Natur, aber auch auf die Religiösität der Menschen oder der Hoffnung der Menschen generell - kommt. Die Metapher „der (s)cheinende [Sand]“ (Z. 7) unsterstreicht dies: einstmals scheinte der Sand, die Welt war also glänzend, strahlend, fröhlich, und jetzt ist der Sand nur noch grauer Staub. Dass die Ebene für die Welt steht, zeigt auch die Anapher bzw. der Parallelismus „Wie ist die Ebene so groß! Wie ist die Welt so heimatlos!“ (Z. 9f.). Der Krieg hat die Ebene und somit das tote Leben vergrößert, er hat Heimaten zerstört und nur trostlose Trümmerlandschaft hinterlassen.
Betrachtet man den Titel genauer, so steht erst einmal die Ebene im Vordergrund. Eine Ebene ist eine lang ausgestreckte, flache, hügelfreie Landschaft. Sie kann in verschiedenen Umgebungen gefunden werden, z.B. als Weide, als Wüste oder als Bergplateau. Im Gedicht gleicht sie jedoch dem Nichts, sie fühlt sich grau und staubig an und ist dürr und karg. Zudem erstreckt sie sich ins Unermeßliche und könnte daher als Symbol für das zerstörende Kriegsleben sein. Dies symbolisiert die Endlosigkeit des Elends, in dem sich das lyrische Ich befindet.
Das Gedicht kann der Epoche des Kriegsexpressionismus zugeordnet werden, in welcher Themen wie Krieg, Zerfall und die Angst vor dem Ich-Verlust verbreitet wurden. Sowohl das Aufgeben traditioneller Weltbilder als auch das moralische Chaos spielen hier eine große Rolle. Literatur dieser Epoche ist geprägt von Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit und hat die Katastrophenstimmung als Merkmal. „Die Ebene“ von Oskar Loerke behandelt diese Themen und ist so eindeutig ein Werk des Kriegsexpressionismus.
Insgesamt gesehen ist Oskar Loerkes Gedicht „Die Ebene“ recht düster - der lyrische Sprecher befindet sich in einer leeren Ebene, die kein Anfang und kein Ende hat. Diese Leere ist auf den Sprecher übertragbar, er befindet sich nicht nur in einem leeren Raum, ihm wurde auch noch sein Glaubensziel in Form von Gott, sein Lebenssinn genommen und hat nunmehr keinerlei Halt. Auf den Leser hinterlässt dies einen Eindruck der Hoffnungslosigkeit und der unendlichen Schwere.
Teil C

Vergleich Verhältnis Gott zu Mensch

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Oskar Loerke: Die Ebene (1917)
Georg Büchner: Lenz (1839)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Untersuche das Verhältnis des Menschen zu Gott im Textausschnitt aus Büchners „Lenz“ und vergleiche es mit dem Verhältnis zu Gott in Loerkes Gedicht.
In Georg Büchners Lenz ist derer gleichnamige, geistig kranke Protagonist zur Genesung bei dem Sozialreformer und Pfarrer Johann Friedrich Oberlin im elsässischen Waldbach. Aufgrund der unaufhaltsamen Verschlechterung seines geistigen Zustandes, muss er jedoch nach Straßburg zurückkehren. Dort lebt er scheinbar angepasst, aber innerlich völlig leer weiter.
In dem Textausschnitt aus „Lenz“ von Georg Büchner aus dem Jahre 1839 geht es um den Protagonisten Lenz, der sich verzweifelt nach einem Zeichen Gottes sehnt, dieses dann selber induzieren will, indem er plant, ein totes Kind zum Leben wieder zum Leben zu erwecken, daran scheitert und letztendlich den Verstand verliert. Er schwört Gott ab, wird sogar zum Atheisten. Am Tage darauf bereut er seine Entscheidung bitterlichst. Lenz fühlt sich grundsätzlich gespalten: früher hatte er viele Emotionen empfunden, jetzt ist er allerdings wie tot und er wartet auf ein Zeichen Gottes. Als er von einem toten Kind hört, sieht er dies als Zeichen und macht sich auf, es wiederzubeleben. Er betet inständig, dass Gott ihm helfen möge, das Kind zum Leben zu erwecken. Dieses Zeichen bleibt allerdings aus und Lenz wird halb wahnsinnig. Fortan hegt er einen Groll gegen Gott. Dies treibt er soweit, dass er auf die Spitze eines Gebirges stürmt und dort Gott abschwört. Danach empfindet er eine tiefe Leere und er bereut sein Verhalten bereits am nächsten Tag. So steht er erneut vor dem Abgrund des Abschwörens der Religion, in den er sich immer wieder hineinstürzen will. Doch als er wieder in den Abgrund blickt, stehen die Sünde und der heilige Geist vor ihm.
Innerhalb dieser Passage versucht Lenz, Gott zu finden, was ihm allerdings nicht gelingt. Von Gott bekommt er auch kein Zeichen, das ihm bei seiner Suche weiterhilft und so streikt er, indem er fastet. Dies kann als eine Art Selbstkasteiung gelten und auch als Versuch, mit Gott in Kontakt zu treten. Eventuell denkt Lenz an dieser Stelle, dass er Gott nicht würdig ist und bestraft sich aufgrunddessen. Des Weiteren will er sich Gott gegenüber beweisen und stellt sich letztlich mit Gott gleich, indem er versucht, das leblose Kind wieder zu erwecken. So stellt er sich sogar schon über Gott, da er davon ausgeht, Menschen zum Leben erwecken zu können. Der missglückte Erweckungsversuch lässt Lenz dann wie so oft wahnsinnig ins Gebirge steigen. Dort überfallen ihn ein Gefühl der Allmacht und des Glücks, er spürt den Triumphgesang der Hölle und wendet sich also dadurch dem Teufel zu. Er wird daraufhin erneut übermütig und stellt sich wieder über Gott, da er diesen von seinem „Thron“ stürzen will (Z. 24) und da er sich als Herrscher der Welt wähnt und sie mit einem Wink „zermalmen“ könnte (Z. 25). Indem er die Welt zerstören will und diese in Gottes Gesicht speien will, zeigt er, was er tatsächlich von Gottes Kreation, der Welt, hält. Daraufhin schwört er und lästert über Gott. Im Gebirge verliert er letzten Endes den Glauben an Gott ganz und wird vom Atheismus gepackt. Am nächsten Tag bereut er dies jedoch, er steht sprichwörtlich vor einem Abgrund, was als das jüngste Gericht gedeutet werden kann.
In Oskar Loerkes Gedicht „Die Ebene“ existiert das Bild des Paradieses nicht mehr und alles - Leben, Tod und Jenseits - wird zu einer Masse, die sich nicht voneinander abgrenzen lässt. Alles fühlt sich leer an, einsam und verlassen. Gott wurde vom Mensch getötet, genauer von den Kommunisten. Er, der über die Welt richtet und das dortige Geschehen beeinflusst, hat diesen Krieg jedoch zugelassen und so trägt Gott eine Teilschuld am Leiden der Welt und deren Verwüstung. Hier wird die Theodizee-Problematik deutlich - die Welt ist nun gottlos, die Menschheit verloren.
Vergleicht man nun die beiden Texte „Die Ebene“ und den Auszug aus Lenz, so fällt auf, dass die Landschaft doch sehr ähnlich ist, das lyrische Ich und Lenz stehen beide vor einer Art Abgrund und blicken hinab, auch wenn sich die Abgründe voneinander unterscheiden. Lenz blickt auf das Gebirge hinab, während das lyrische Ich nur Ödland sieht. Die beiden Texte unterscheiden sich auch in der Beziehung zu Gott - Lenz führt eine direkte Beziehung zu Gott während bei Loerke eher von der gesamten Menschheit ausgegangen wird. Zudem versucht Lenz, Gott zu finden, während die Menschheit darüber frustriert ist, dass Gott die Welt verlassen hat. Auch gibt es Unterschiede innerhalb der Reaktion auf das Geschehene: Lenz kehrt sich dem Atheismus zu; das lyrische Ich vermittelt bei Loerke hingegen, dass es mit der Theodizee-Problematik hadert. Doch Lenz bereut sein Tun zunehmend - das lyrische Ich ist hier eher verzweifelt über die Geschehnisse. Beide empfinden allerdings dieselben Emotionen, sie empfinden sich als leer und sehen keinen Sinn mehr im Leben.
Offenbar widerfahren sowohl Lenz aus Georg Büchners Lenz und das lyrische Ich aus Oskar Loerkes Gedicht „Die Ebene“ ähnliche Ereignisse, die sie an Gott oder dessen Existenz zweifeln lässt. Während Lenz jedoch versucht, sich gar über Gott zu stellen und im Nachhinein aufgrunddessen tiefe Reue verspürt, verhält sich das lyrische Ich recht passiv, es gibt einfach nur seine Gefühle wieder und beschreibt seine Umgebung. So ist Lenz also extremer in seiner Reaktion gegenüber der Leere, die er durch die Abwesenheit Gottes verspürt.
Teil C

Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Georg Büchner: Lenz
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Begründe im Hinblick auf inhaltliche und sprachlich-formale Aspekte, inwiefern Büchner als Vorläufer des Expressionismus angesehen werden kann.
In dem Textausschnitt aus „Lenz“ von Georg Büchner aus dem Jahre 1839 geht es um den Protagonisten Lenz, der sich verzweifelt nach einem Zeichen Gottes sehnt, dieses dann selber induzieren will, indem er plant, ein totes Kind zum Leben wieder zum Leben zu erwecken, daran scheitert und letztendlich den Verstand verliert. Er schwört Gott ab, wird sogar zum Atheisten. Am Tage darauf bereut er seine Entscheidung bitterlichst. Durch Büchners Schreibstil und die von ihm dargestellten Thematiken kann er durchaus als Expressionist angesehen werden, obwohl er lange vor der Epoche des Expressionismus wirkte.
Ein Merkmal des Expressionismus ist die Aufgabe der traditionellen Weltbilder. Bei Lenz kann jedoch nicht wirklich von einer Aufgabe des Weltbildes gesprochen werden, da sich die bisherigen Strukturen der Gesellschaft oder des Glaubens nicht verändern oder verändert haben. Trotzdem ist bei Büchners Erzählung ein moralisches Chaos verbinden. Im Expressionismus wurde dieses durch die Industrialisierung und die diversen Revolutionen ausgelöst, was bei Büchner natürlich nicht der Fall sein kann, es ist mehr ein Chaos, welches durch die aufgelösten Strukturen des religiösen Glaubens verursacht wird. Der Protagonist Lenz hält sich für etwas Größeres, Mächtigeres als Gott, er schwört ihm ab und bereut es allerdings im Nachhinein, weil er dem moralischen Chaos, welches er selbst verursacht hat, entfliehen will. Während der Epoche des Expressionismus war auch oftmals die Rolle der Umwelt und der Großstadt wichtig, sowie gesellschaftliche Veränderungen und Angstgefühle. Die Umwelt oder die Großstadt spielen allerdings keinerlei Rolle im vorliegenden Textausschnitt und auch generell eher weniger in Büchners Werken - sie werden nicht explizit erwähnt. Doch Lenz hat beispielsweise große Angstgefühle, wie auch andere Charaktere der expressionistischen Literatur. Als er das tote Kind anfasst, schrickt er sogar auf; seine Angst steigert sich sogar, als er vor dem metaphorischen Abgrund steht und das jüngste Gericht erblickt. Thematisch denkt Lenz fast alle negativen Extreme des Expressionismus ab: Lenz fühlt sich wie tot, und will aufgrund der innerlichen Leere ein totes Kind zum Leben wieder erwecken. Lenz zeigt allerdings auch eine Zerstörungswut, nachdem er nicht fähig ist, das Kind zu retten und er will Gott vom Himmel reißen und die Welt zermalmen. Nachdem Lenz aus des toten Kindes Haus stürmt, stürzt er halb wahnsinnig nieder, er hört die Hölle nach ihm rufen, lacht irr, will sich in den Abgrund der Abschwörung Gottes immer wieder stürzen, das selbe Leid immer und immer wieder erfahren. Zudem wird auf das jüngste Gericht als Thema der Hinrichtung angespielt. Es erwartet ihn, nachdem er die Sünde begangen hat, Gott abgeschworen zu haben. Die für den Expressionismus typische zynisch-nihilistische Kälte ist bei Büchner auch präsent. Lenz fühlt die Kälte zu Beginn des Ausschnittes, als ob er selber sterben würde. Es friert ihn, nachdem er Gott in seinem Kopf zerstört hat und er verspürt eine Leere. Auch der Ich-Zerfall und der Verlust des Individuums durch das Leben in der Großstadt oder der Umwelt ist gegeben, denn Lenz verliert seine Persönlichkeit indem er immer wahnsinniger wird und er immer wieder dieselbe Hölle durchleben will. Er lehnt dadurch jegliche Logik oder Erklärbarkeit ab, ein weiteres Merkmal des Expressionismus. Man kann nicht wirklich erklären, was in Lenz' Kopf vorgeht, es widerspricht jeglicher Logik, warum er denkt, er könne einen Toten heilen. Das Hässliche und Abstoßende, das in dieser Epoche außerdem vorherrscht, wird in Lenz' Wahnsinn deutlich und dadurch, dass er ein totes Kind anfassen will. Die Sprache der expressionistischen Literatur ist oftmals subjektiv, übersteigert, überhöht, verzerrt, denn sie versuchte die traditionelle Bildungssprache zu zerstören. Büchners Sprache ist durchaus gewöhnlich, es gibt wenig Überspitzung und der Schreibstil ist klar strukturiert - es finden sich außerdem nur wenige Metaphern.
Betrachtet man die oben genannten Merkmale und Büchners Ausführung derer, so fällt auf, dass Büchner diverse Elemente des Expressionismus in seiner Literatur integriert hat. Obwohl er eigentlich der Epoche der Romantik gehört - rein zeitlich gesehen - so findet man extrem wenige Elemente der Romantik in seinen Werken. Das Beispiel Lenz zeigt wohl auf außerordentliche Weise, was moralisches Chaos und Zerstörungswut anrichten kann.
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