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Aufgaben
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Nächtliche Reflexionen

Erlaubte Hilfsmittel:
  1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung
  2. eine Liste der fachspezifischen Operatoren
  3. Goethe: Faust I
  4. Kafka: Der Prozess
Tipp
Erlaubte Hilfsmittel:
  1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung
  2. eine Liste der fachspezifischen Operatoren
  3. Goethe: Faust I
  4. Kafka: Der Prozess
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Beschreibe die Situation und den psychischen Zustand des Protagonisten aus dem Theaterstück ZWEI UHR NACHTS von Falk Richter und analysiere den Aufbau und die sprachliche Gestaltung des Textauszuges. (Material 1)
(30 BE)
#beschreiben#analysieren
2.
Stelle den Monolog aus Richters ZWEI UHR NACHTS (Material 1) inhaltlich und sprachlich dem Monolog Fausts in der Szene „Nacht“ (Material 2) aus Goethes Drama „Faust I“ gegenüber.
(40 BE)
Brauchst du noch mehr Informationen zu Faust I?
Schau doch in unserer Lektürehilfe nach!
Lektürehilfe zu Faust I
Brauchst du noch mehr Informationen zu Maria Stuart?
Schau doch in unserer Lektürehilfe nach!
Lektürehilfe zu Faust I
#gegenüberstellen#goethe#faust#monolog#drama
3.
Verfasse einen inneren Monolog, den Josef K. aus Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ um zwei Uhr nachts über seine Situation kurz vor seinem 31. Geburtstag gehalten haben könnte, bevor er am nächsten Abend von zwei Herren abgeholt wird (zehntes Kapitel).
Begründe die inhaltlich-thematische und sprachlich-formale Gestaltung deines Textes.
(30 BE)
Brauchst du noch mehr Informationen zu Das Fräulein von Scuderi?
Schau doch in unserer Lektürehilfe nach!
Lektürehilfe zu Der Proceß
Brauchst du noch mehr Informationen zu Maria Stuart?
Schau doch in unserer Lektürehilfe nach!
Lektürehilfe zu Der Proceß
#innerermonolog#kafka#derprozeß#begründen
Material 1

Falk Richter: „ZWEI UHR NACHTS. DER MANN OHNE ERINNERUNG“ (2015)

$\,$
Bei dem folgenden Textauszug handelt es sich um den Eingangsmonolog des Protagonisten aus dem im Frühjahr 2015 im Schauspiel Frankfurt uraufgeführten Theaterstück „ZWEI UHR NACHTS“ von Falk Richter. Der Protagonist arbeitet als Unternehmensberater, der für die Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit häufig in anderen Städten in Hotels übernachtet.
WER IST DIESER MANN? Wieso hat er seit drei Tagen sein Handy nicht mehr ein-
geschaltet? Warum hat er gestern Nacht um 1 Uhr 57 seinen Skype Account gelöscht
und anschließend unter einem anderen Namen neu eingerichtet? Warum sitzt er jetzt
unterhalb des Fensters eines Hotelzimmers in einer Stadt, in der er in diesem Augen-
5
blick laut seines Google Calendars NICHT sein sollte und - ja was?
Weint?
Er wirkt angespannt, müde,
vielleicht hat er irgendetwas vor,
in seinem Gesicht erkenne ich den Wunsch, seinem Leben eine radikale Wendung zu
10
geben.
Vermisst er etwas in seinem Leben?
Was vermisst er?
Kann er das
benennen,
15
was das ist,
und hat diese Zigarette, diese Musik, die er jetzt in diesem Moment hört, hat diese
Stadt, in der er sich jetzt aufhält, irgendetwas mit dem Leben zu tun, das er sich in
den nächsten Jahren für sich vorstellen könnte?
Träumt er von irgendeinem Leben, das -
20
ja was?
Was genau?
Was denkt er jetzt in diesem Augenblick?
Was fühlt er?
Wieso liegen Reiseführer unterschiedlicher südamerikanischer Länder immer noch
25
eingeschweißt auf dem Tisch? Er hat gestern um 1 Uhr 23 einen Schlafsack gekauft.
Für wen hat er den gekauft? FÜR SICH SELBST? Aber er lebt doch im HOTEL?
Was hat er vor? Wieso löscht er jetzt alle Kontakte in seinem l Phone? Wieso zögert
er immer wieder? Einige Nummern löscht er nicht. Welche Nummern sind das? Wie-
so schreibt er sich einige Nummern auf die letzte Seite der Hölderlin-Gesamtaus-
30
gabe1? Wen ruft er nachts an, wenn er sich allein fühlt?
Hat er Freunde? Wie oft sieht er diese Freunde? Sind es gute Freunde? Stehen sie
ihm nahe? Gibt es überhaupt jemanden in seinem Leben, der ihm nahe steht, der ihn
liebt, ihn kennt, der da ist, wenn es ihm schlecht geht, wenn er ihn braucht. Kann er
es für Außenstehende verständlich kommunizieren, wenn es ihm schlecht geht, wenn
35
er etwas braucht? ODER VERSTEHT IHN EINFACH KEINER UND DESHALB
KANN ER SICH NICHT VERSTÄNDLICH MACHEN? KANN ER SAGEN WAS
ER DENKT FÜHLT BEGEHRT WAS IHM WICHTIG IST WORUNTER ER LEI-
DET WONACH ER SICH SEHNT?
Wer bist du?
40
Was WILLST du?
Irgendetwas WILL NICHT MEHR.
Irgendetwas IN ihm wird lauter und lauter. Eine Stimme die er JAHRELANG nicht
hören konnte, weil DA IMMER SO VIEL LÄRM WAR HIER IN MIR.
So viele Ansagen gleichzeitig. ALLES WICHTIG ALLES IMMER DIE HÖCHSTE
45
PRIORITÄT das schaffst du noch das schaffst du auch noch das auch noch das auch
noch WEITER WEITER NICHT STEHENBLEIBEN BLOSS NICHT ZUR RUHE
KOMMEN JETZT BLOSS NICHT ZUR RUHE KOMMEN JETZT wenn du einmal
zur Ruhe kommst IST ALLES VORBEI DANN BRICHST DU ZUSAMMEN UND
STEHST NIE WIEDER AUF das kannst du noch das kannst du auch noch das auch
50
noch das auch noch IMMER DIESES GEFÜHL nie zu genügen den Anforderungen
die an mich gestellt werden NIE GERECHT ZU WERDEN immer HINTER DEM
ZURÜCKZUBLEIBEN WAS VON EINEM ERWARTET WIRD WIEDER NICHT
GESCHAFFT WIEDER NICHT GESCHAFFT WEITER WEITER MORGEN BES-
SER MORGEN KLAPPTS WEITER NUR NICHT AUFGEBEN NUR NICHT
55
STEHEN BLEIBEN WEITER WEITER DA IST IMMER NOCH MEHR IMMER
NOCH MEHR MÖGLICH DA IST NOCH MEHR DRIN!
Wie bin ich in dieses Leben hineingeraten? Ist das MEIN Leben? Oder lebe ich das
FÜR JEMAND ANDERES? BIN ICH JEMAND ANDERES? Jemand, den ich nicht
kenne, dessen Leben ich jetzt lebe. Lebe ich ein Leben, das ich ÜBERHAUPT
60
NICHT VERSTEHE, und sage ich hier unentwegt auswendig gelernte Sätze, folge
ich hier unentwegt einem SKRIPT DAS JEMAND ANDERES IRGENDWANN
EINMAL FÜR MICH ENTWORFEN HAT und WIESO SIND ALL DIESE SZE-
NEN WEG DIE MIR SO VIEL FREUDE GEMACHT HABEN wo sind die hin wa-
rum wurden die rausgestrichen das sind doch DIE SZENEN FÜR DIE ICH DIESE
65
ROLLE DAMALS ANGENOMMEN HABE, ODER?

1 Friedrich Hölderlin (1770-1843): deutscher Schriftsteller, der nach einer psychiatrischen Zwangsbehandlung die letzten beiden Jahrzehnte seines Lebens vereinsamt in einem Turmzimmer (Hölderlinturm in Tübingen) verbrachte.
Aus: Falk Richter: ZWEI UHR NACHTS. DER MANN OHNE ERINNERUNG.
In: Programmheft Schauspiel Frankfurt, Frankfurt/Main 2015. S. 12f.
Hinweise: Falk Richter, geboren 1969, ist ein deutscher Regisseur, Autor und Übersetzer, der in Hamburg lebt.
Rechtschreibung und Typografie entsprechen der Textvorlage.
Bei Zitaten in der Abiturklausur kann auf die durchgängige Großschreibung verzichtet werden.
#dramenauszug
Material 2

Johann Wolfgang von Goethe: „Faust. Der Tragödie erster Teil“ (1808)
NACHT

In einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer Faust unruhig auf seinem Sessel am Pulte.
$\,$
FAUST. Habe nun, ach! Philosophie,
355
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh' ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
360
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr'
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
365
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als alle die Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel -
370
Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab' ich weder Gut noch Geld.
375
Noch Ehr' und Herrlichkeit der Welt;
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab' ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
380
Daß ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau' alle Wirkenskraft und Samen,
385
Und tu' nicht mehr in Worten kramen.
O sähst du, voller Mondenschein,
Zum letztenmal auf meine Pein,
Den ich so manche Mitternacht
An diesem Pult herangewacht:
390
Dann über Büchern und Papier,
Trübsel'ger Freund, erschienst du mir!
Ach! könnt' ich doch auf Bergeshöhn
In deinem lieben Lichte gehn,
Um Bergeshöhle mit Geistern schweben,
395
Auf Wiesen in deinem Dämmer weben,
Von allem Wissensqualm entladen,
In deinem Tau gesund mich baden!
Weh! steck' ich in dem Kerker noch?
Verfluchtes dumpfes Mauerloch,
400
Wo selbst das liebe Himmelslicht1
Trüb durch gemalte Scheiben bricht!
Beschränkt von diesem Bücherhauf,
Den Würme2 nagen, Staub bedeckt,
Den, bis ans hohe Gewölb' hinauf,
405
Ein angeraucht Papier umsteckt;
Mit Gläsern, Büchsen rings umstellt,
Mit Instrumenten vollgepfropft,
Urväter-Hausrat drein gestopft -
Das ist deine Welt! das heißt eine Welt!
410
Und fragst du noch, warum dein Herz
Sich bang in deinem Busen klemmt?
Warum ein unerklärter Schmerz
Dir alle Lebensregung hemmt?
Statt der lebendigen Natur,
415
Da Gott die Menschen schuf hinein,
Umgibt in Rauch und Moder nur
Dich Tiergeripp' und Totenbein3.
Flieh! auf! hinaus ins weite Land!
[…]

1 Himmelslicht: Licht der Sonne
2 Würme: alte Mehrzahlbildung von Wurm
3 Totenbein: Totenknochen, ein Skelett

Aus: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, hrsg. v. Erich Trunz.
Band III, 11. Aufl. München 1981, S. 20f.
Hinweise: Die Rechtschreibung enrspricht der Textvorlage.
#goethe#dramenauszug#faust
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Tipps
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Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu beachten. Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
Aufgabenstellung:
1.
Beschreibe die Situation und den psychischen Zustand des Protagonisten aus dem Theaterstück ZWEI UHR NACHTS von Falk Richter und analysiere den Aufbau und die sprachliche Gestaltung des Textauszuges. (Material 1)
(30 BE)
Bei der Beschreibung der Situation des Protagonisten bietet es sich an, diese Beschreibung in die Analyse des Textauszugs zu integrieren. So kannst du chronologisch vorgehen, übersiehst nichts und kannst die sprachliche Gestaltung des Texts auf die Situation des Protagonisten beziehen.
2.
Stelle den Monolog aus Richters ZWEI UHR NACHTS (Material 1) inhaltlich und sprachlich dem Monolog Fausts in der Szene „Nacht“ (Material 2) aus Goethes Drama „Faust I“ gegenüber.
(40 BE)
Vergleichst du nun die beiden Monologe inhaltlich und sprachlich, dann achte darauf, dass du den roten Faden nicht aus den Augen verlierst. Nimm dir Schritt für Schritt einen Vergleichaspekt, der dir aufgefallen ist vor und nenne dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Texte, die du mit Zitaten belegst.
Achte darauf, dass diese Aufgabe mehr Punkte gibt als die beiden anderen Aufgaben.
3.
Verfasse einen inneren Monolog, den Josef K. aus Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ um zwei Uhr nachts über seine Situation kurz vor seinem 31. Geburtstag gehalten haben könnte, bevor er am nächsten Abend von zwei Herren abgeholt wird (zehntes Kapitel).
Begründe die inhaltlich-thematische und sprachlich-formale Gestaltung deines Textes.
(30 BE)
Für den inneren Monolog aus Sicht von Josef K. solltest du dich gut im Lektürestoff auskennen. Versuch inhaltliche Apskete aus dem Roman mit einzubauen und zeige so, dass du die Handlung einordnen kannst. Außerdem ist es sinnvoll, verschiedene sprachliche Gestaltungsmittel, die du in Aufgabe 1 und 2 bereits kennengelernt hast, zu verwenden. Beispielsweise rhetorische Fragen, Auslassungen, Aufzählungen oder kontinuierliche Großschreibung.
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Lösungen
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Nächtliche Reflexionen

Tipp
Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu beachten. Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
Tipp
Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu beachten. Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Beschreibe die Situation und den psychischen Zustand des Protagonisten aus dem Theaterstück ZWEI UHR NACHTS von Falk Richter und analysiere den Aufbau und die sprachliche Gestaltung des Textauszuges. (Material 1)
(30 BE)
Tipp
Bei der Beschreibung der Situation des Protagonisten bietet es sich an, diese Beschreibung in die Analyse des Textauszugs zu integrieren. So kannst du chronologisch vorgehen, übersiehst nichts und kannst die sprachliche Gestaltung des Texts auf die Situation des Protagonisten beziehen.
Tipp
Bei der Beschreibung der Situation des Protagonisten bietet es sich an, diese Beschreibung in die Analyse des Textauszugs zu integrieren. So kannst du chronologisch vorgehen, übersiehst nichts und kannst die sprachliche Gestaltung des Texts auf die Situation des Protagonisten beziehen.
Dramen sind im 21. Jahrhundert nicht die Hauptgattung in der Literatur, dennoch gibt es immer wieder Uraufführungen aktueller Theaterstücke, so auch das Stück „ZWEI UHR NACHTS. DER MANN OHNE ERINNERUNG“. Das Stück von Falk Richter, Schriftsteller, Regisseur und Übersetzer, wurde im Frühjahr 2015 im Schauspiel Frankfurt uraufgeführt.
Aufgabe 1
Einleitung
Der Protagonist des Dramas scheint durch seinen Arbeitsalltag überfordert zu sein und versucht auszubrechen. Er ist Unternehmensberater, häufig in unterschiedlichen Städten unterwegs und übernachtet dort in Hotels.
Hauptteil
Inhalt des Dramas
Der Protagonist wird abgesehen von dieser Ausgangsituation faktisch nicht weiter beschrieben. Es bleibt offen, welche genauen Aufgaben er im Beruf hat, ob er Familie hat oder wo er seinen festen Wohnsitz hat. Deutlich mehr Einblick erhält man in seine psychische Situation.
Zu Beginn spricht der Protagonist über sich in der dritten Person. Die Ausgangsfrage „Wer ist dieser Mann?“ (Z. 1) steht über dem gesamten Monolog. Die Ausgangssituation zeigt ihn Nachts „unterhalb des Fensters eines Hotelzimmers in einer Stadt“ sitzend, in der er nicht seien sollte. Er scheint also in einer Situation zu sein, die nicht der Planung entspricht. Deutlich wird seine neue Lage anhand des Verweises auf den „Google Calendar“ (Z. 5). Fakten wie dieser aber auch die genaue Uhrzeit und die genaue Lage geben sprachlich wieder, wie sehr das Leben des Protagonisten getaktet ist. Er ist mit sozialen Netzwerken, seinem Handy und seinem Kalender im dauerhaften Kontakt und scheint dadurch dirigiert zu werden.
Protagonist und Gestaltung
Abschnitt 1
(Z. 1-6)
Nun beschreibt der Protagonist sich selbst aus der Distanz. Er kann diesen Zustand noch nicht annehmen. „Er wirkt angespannt und müde“ (Z. 7) und sehnt sich nach einer Wendung in seinem Leben. Rhetorische Fragen sind ausschlaggebend für die gesamte Szene. Aus verschiedenen Perspektiven werden Fragen aufgeworfen, umformuliert und immer wieder wiederholt. Antworten auf die Fragen bleiben allerdings meistens aus, sodass die Fragen lediglich im Raum stehen. Der Zuschauer kann so die Gedanken des Protagonisten, seine Hilflosigkeit und seine vielen Fragen, ähnlich eines Gedankenstroms nachvollziehen. Die Wiederholung „ja was? Was genau? Was denkt er jetzt in diesem Augenblick? Was fühlt er?“ (Z. 20-23) stellt eine Klimax dar und verbindet das Denken mit dem Fühlen des Protagonisten.
Abschnitt 2
(Z. 7-23)
Diese provokanten Fragen leiten eine neue Situation ein. Der Protagonist schaut sich um und sieht eingeschweißte Reiseführer Südamerikas auf dem Tisch liegen (vgl. Z. 24f.). Die Situation, in der er sein bisheriges Leben hinterfragt, scheint also nicht zum ersten Mal aufgetreten zu sein, denn auch zu dem Zeitpunkt, an dem er die Reiseführer gekauft hat, hatte er wahrscheinlich solche Überlegungen. Den Ausbruchversuchen, wie dem Kauf eines Schlafsacks, stehen dennoch weiter Fakten wie die Bestelluhrzeit von „1 Uhr 23“ (Z. 25) gegenüber. Der Protagonist kann die getaktete Lebensweise nicht ablegen, obwohl er sich nach einem neuen Leben sehnt.
Abschnitt 3
(Z. 24-30)
Eine weitere rhetorische Frage leitet einen neuen Sinnabschnitt ein. „Wen ruft er nachts an, wenn er sich alleine fühlt?“ (Z. 30) Von unwichtigen äußeren Dingen wie den Reiseführern geht es nun über in die wichtigen Themen wie Freundschaft und Gedankenaustausch. Die Aufzählung „Gibt es überhaupt jemanden in seinem Leben, der ihm nahe steht, der ihn liebt, ihn kennt, der da ist, wenn es ihm schlecht geht, wenn er ihn braucht. “ (Z. 32f.) verdeutlicht sprachlich die Gedankenströme des Protagonisten.
Abschnitt 4
(Z. 31-38)
Die Erzählhaltung wechselt von der dritten Person singular, über eine kurze dialogische Anfrage („Wer bist du?“ (Z. 39)) zur Perspektive aus der ersten Person singular. Es gibt weniger rhetorische Fragen und viele Aneinanderreihungen ohne Satzzeichen und Einschübe, elliptische Sätze. Die Drucksituation, „immer dieses Gefühl nie zu genügen“ (Z. 50) und den Erwartungen nicht gerecht werden zu können, beschäftigen den Protagonisten. Der Leistungsdruck kommt nicht aus ihm selbst heraus, sondern wird ihm von außen auferlegt.
Abschnitt 5
(Z. 39-56)
Im abschließenden Sinnabschnitt stellt der Protagonist erneut rhetorische Fragen und fragt sich, „Wie bin ich in dieses Leben hineingeraten?“ (Z. 57). Im Gegensatz zum Beginn, nimmt er nun die Probleme an, spricht aus seiner Sicht und hat die Distanz zu seiner Situation abgebaut. Durch die Metapher des Theaters, aus dem „all diese Szenen weg [sind], die [ihm] so viel Freude gemacht haben“ (Z. 62f.) wird nochmal bildlich dargstellt, wie der Protagonist sich fühlt. Er ist nicht bei sich selbst, schauspielert bzw. funktioniert in einer Rolle, die ihm von außen auferlegt wurde.
Abschnitt 5
(Z. 39-56)
Diese Metapher fasst die Zweifel und Gedankenströme des Protagnosisten zusammen. Sein psychischer Zustand ist von den Erwartungen der Arbeitswelt und äußerem Druck beeinflusst. Er ist nicht in den Hotels zu Hause und sein Privatleben ist relativ unbekannt, eventuell nicht existent. Ob er sich diese Rolle im Leben ausgesucht hat, ist die Abschlussfrage des Dramenauszugs und fasst seine Zweifel zusammen.
Schluss
2.
Stelle den Monolog aus Richters ZWEI UHR NACHTS (Material 1) inhaltlich und sprachlich dem Monolog Fausts in der Szene „Nacht“ (Material 2) aus Goethes Drama „Faust I“ gegenüber.
(40 BE)
Tipp
Vergleichst du nun die beiden Monologe inhaltlich und sprachlich, dann achte darauf, dass du den roten Faden nicht aus den Augen verlierst. Nimm dir Schritt für Schritt einen Vergleichaspekt, der dir aufgefallen ist vor und nenne dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Texte, die du mit Zitaten belegst.
Achte darauf, dass diese Aufgabe mehr Punkte gibt als die beiden anderen Aufgaben.
Tipp
Vergleichst du nun die beiden Monologe inhaltlich und sprachlich, dann achte darauf, dass du den roten Faden nicht aus den Augen verlierst. Nimm dir Schritt für Schritt einen Vergleichaspekt, der dir aufgefallen ist vor und nenne dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Texte, die du mit Zitaten belegst.
Achte darauf, dass diese Aufgabe mehr Punkte gibt als die beiden anderen Aufgaben.
Der Monolog von Faust aus Johann Wolfgang von Goethes Drama „Faust. Der Tragödie erster Teil“ weist in einigen Punkten sowohl inhaltlich als auch strukturell Parallelen zu dem Monolog aus „ZWEI UHR NACHTS. DER MANN OHNE ERINNERUNG“ auf. Der Monolog Fausts in der Szene „Nacht“ eröffnet das Drama und Faust resümiert hier sein bisheriges Leben. Obwohl er als Universalgelehrter gut gebildet ist, befindet er sich in einer Erkenntniskrise, denn er hat noch nicht erkennen können, „was die Welt / im Innersten zusammenhält“ (Z. 383f.).
Aufgabe 2
Einleitung
Die Abschlussfrage des Protagonisten, ob er in seinem Leben die Rolle spielt, die er angenommen hat (vgl. Z. 65) oder ob er nicht doch nur nach äußeren Einflüssen funktioniert, steht der Frage Fausts, ob Wissenschaften die Lebensfragen beantowrten können und seine Arbeit ihn zum Ziel bringt, gegenüber.
Hauptteil
zentrale Fragen
Beide Protagonisten ziehen die Bilanz ihres bisherigen Lebens bei Nacht. Die Nacht als verbindende Tageszeit, in der die inneren Monologe situiert sind, ist zentral für die Handlung. Der Rückblick auf das bisher erlebte ist bei dem Protagonisten von Richter sprunghaft und emotional bei Faust klarer und fundierter, wobei auch er innerlich aufgewühlt ist.
Faust hat als Universalgelehrter viele verschiedene Disziplinen gelernt und meint dennoch er sei „so klug als wie zuvor!“ (Z. 359). Er lernt und lernt und sieht dabei immer nur, „daß wir nichts wissen können!“ (Z. 364). Faust leidet unter dieser Ausgangssituation, denn „[d]as will [ihm] schier das Herz verbrennen“ (Z. 365). Faust leidet also darunter, seinem eigenen Anspruch und Ziel, durch die Fähigkeiten als Universalgelehrter die Welt zu begreifen, nicht gerecht zu werden.
Hier ist ein Unterschied zu dem Protagonisten. Er leidet ebenfalls aufgrund seiner Lage, allerdings nicht, weil er seinen eigene Ansprüchen nicht gerecht wird, sondern weil er nicht zu erfüllen glaubt, „was von einem erwartet wird“ (Z. 52). Er hinterfragt seine Lebenssituation, da er anderen Ansprüchen nicht gerecht wird, denen er sich nicht wie Faust mit akribischer Ruhe widmet, sondern hinter denen er herläuft und die er nicht zu erfüllen im Stande ist. Der Protagonist richtet sein Handeln an den Weiten der modernen Gesellschaft aus, wohingegen Faust sein Wissen in die Tiefe erweitert.
innerer vs. äußerer Antrieb
Beiden ist „alle Freud´ entrissen“ (Z. 370) beziehungsweise „all diese Szenen [sind] weg, die [ihm] so viel Freude gemacht haben“ (Z. 62f.). Das Ziel, an dessen Erfüllung beide ursprünglich Freude hatten, ist hierbei ein anderes. Fausts Ziel ist es zu belehren, „[d]ie Menschen zu bessern und zu bekehren“ (Z. 373), wohingegen es das Ziel des Protagonisten ist zu funktionieren, denn „Alles wichtig, alles immer die höchste Priorität“ (Z. 44).
Freude und Ziel
Zwei unterschiedliche Ziele, wobei beide das gleiche empfinden. Eine unlösbare Situation und ein alltägliches Ringen, „so manche Mitternacht“ (Z. 388) und das Gefühl „nicht stehenbleiben“ (Z. 46) zu können. Er ist von der Gesellschaft abhängig und nicht eigenständig.
Die Lösung liegt für Faust in der Magie und er fragt sich, „ob [ihm] durch Geistes Kraft und Mund / Nicht manch Geheimnis würde kund“ (Z. 378f.). Er ist von der Gesellschaft unabhängig, hat bereits fast alles studiert und sucht nun die Antwort auf die letzten offenen Fragen in einem noch tiefer gehenden Ansatz. Er versucht mit allen Sinnen, dem tiefen Kern der Menschheit auf die Spur zu kommen. Die Lösung beim Protagonisten sieht anders aus. Er löscht radikal Nummern und Termine, kauft Reiseführer und versucht aus seiner Situation auszubrechen.
Ob er überzeugt genug von diese Ausbruchversuch ist, oder ob die Situation des Monologs nur eine Momentaufnahme ist, lässt sich nicht klären. Faust erscheint in seiner Denkweise durchaus gefestigter. Weniger Gedankenströme und wirre Ausrufe, sondern eher fundierte Überlegungen prägen seinen Monolog.
Lösung
„Weh! steck´ ich in dem Kerker noch?“ (Z. 398) fragt Faust sich. Er fühlt sich gefangen und „[b]eschränkt von diesem Bücherhaufen“ (Z. 402). Diese räumliche Gefangenheit empfindet auch der Protagonist, wenn er sich fragt, „hat diese Stadt, in der er sich jetzt aufhält, irgendwas mit dem Leben zu tun […]?“ (Z. 17f.).
Räumlich ist Faust an einen Ort gebunden, er sitzt in seinem Gelehrtenzimmer, liest und versucht, in den Büchern antworten zu finden. Ein nicht enden wollendes Vorhaben.
Bei dem Protagonisten ist es nicht ein Ort an den er gebunden ist, er im Gegenteil. Er fühlt sich rastlos und heimatlos, da er von Hotel zu Hotel wechselt und keinen festen Standort hat. Er ist immer flüchtig und kommt niergends an.
Handlungsort
Am Ende des Monologs nutzt Faust ein Stilmittel, dass bei dem Protagonisten in Richters Drama von Beginn an auffällt - rhetorische Fragen. „Und fragst du noch […] [w]arum ein unerklärter Schmerz / Dir alle Lebensregung hemmt?“ (Z. 412f.). Die rhetorischen Fragen verdeutlichen die inneren Fragen und Verwirrungen der beiden Protagonisten und dienen dem Zuschauer gleichzeitig dazu, diese Verwirrungen nachzuempfinden.
Beide sind in ihrer Situation unglücklich, wobei sich bei Richters Protagonisten diese Empfindung in Verzweifelung, Bewusstseinsströmen und wirren Aufzählungen zeigt. Faust ist eher Verzweifelt, klar in seiner Ausdrucksweise und melancholisch.
rhetorische Fragen
Der Fluchtinstinkt scheint bei beiden Protagonisten vorhanden zu sein. Bei Faust arktikuliert als Appell an sich selbst, „Flieh! auf! hinaus ins weite Land!“ (Z. 418) wohingegen der Protagonist bei Richter Reiseführer und Schlafsäcke kauft. Er geht die Flucht strategisch an, immer in den Momenten, in denen er sich vorstellen kann, aus seinem Arbeitsalltag auszubrechen.
rhetorische Fragen
Beide Protagonisten resümieren in einem nächtlichen inneren Monolog ihr bisheriges Leben und die wichtigen Lebensfragen. Beide sind dabei menschlich, zweifeln, stellen sich Fragen, suchen Auswege und Lösungen. Fausts Zweifel entstehen, weil er seinem intrinsischen Anspruch nicht gerecht wird, der Protagonist bei Richter scheitert an äußeren Erwartungen. Das Ende bleibt in beiden Fällen offen und es ist unklar, inwieweit die Protagonisten entfliehen oder in der Situation gefangen bleiben werden.
Schluss
3.
Verfasse einen inneren Monolog, den Josef K. aus Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ um zwei Uhr nachts über seine Situation kurz vor seinem 31. Geburtstag gehalten haben könnte, bevor er am nächsten Abend von zwei Herren abgeholt wird (zehntes Kapitel).
Begründe die inhaltlich-thematische und sprachlich-formale Gestaltung deines Textes.
(30 BE)
Tipp
Für den inneren Monolog aus Sicht von Josef K. solltest du dich gut im Lektürestoff auskennen. Versuch inhaltliche Apskete aus dem Roman mit einzubauen und zeige so, dass du die Handlung einordnen kannst. Außerdem ist es sinnvoll, verschiedene sprachliche Gestaltungsmittel, die du in Aufgabe 1 und 2 bereits kennengelernt hast, zu verwenden. Beispielsweise rhetorische Fragen, Auslassungen, Aufzählungen oder kontinuierliche Großschreibung.
Tipp
Für den inneren Monolog aus Sicht von Josef K. solltest du dich gut im Lektürestoff auskennen. Versuch inhaltliche Apskete aus dem Roman mit einzubauen und zeige so, dass du die Handlung einordnen kannst. Außerdem ist es sinnvoll, verschiedene sprachliche Gestaltungsmittel, die du in Aufgabe 1 und 2 bereits kennengelernt hast, zu verwenden. Beispielsweise rhetorische Fragen, Auslassungen, Aufzählungen oder kontinuierliche Großschreibung.
Wieder ein Jahr. Ein anderes Jahr. Ich bin schuldig - bin ich schuldig? Nein! Nein, nein nein…! Ich war ein guter Mitarbeiter. Die Finanzen haben gestimmt. Ich hatte eine angemessene Position. War zuverlässig. Immer. Eindeutige Aufgaben, Strukturen, Systeme! Ohne sie fühle ich mich verloren. Hilflos. Bin ich nur ein Teil vom System? Ein Rad im Getriebe? Funktioniere ich?
- Mir wird kalt, ich reibe die Hände, kauer mich zusammen, stehe wieder auf. Ich finde keinen Schlaf in dieser Nacht. Schon zwei Uhr schlägt die Kirchturmuhr. Ein Gong, der mich meinem Ende immer näher führt. Eine dunkle Nacht. Düstere Wolken verdecken den Mond. Nicht träumen Josef, konzentrier dich!
Doch worauf? Sinnlosigkeit! Sinnlosigkeit? Nein, alles war richtig. Aufrecht werde ich das Urteil empfangen - es wird kein Urteil geben. Meine Verurteilung war ein schleichender Prozess, jeden Tag Schritt für Schritt zum Ende hin. Ich haben mich gewehrt, mir Hilfe geholt, versucht das System zu verstehen. Versteht jemand das Gericht? Die Akten sind ein Chaos, ich habe den Überblick verloren, die Kontrolle verloren - aus der Hand gegeben habe ich mein Leben.
Dabei habe ich gelebt. Elsa. Elsa habe ich doch gut untergebracht in meinem Leben. Schuld, hier gibt es keine Schuld!
Was war das? Ein Geräusch? Nein, die Stille, es ist die Stille, die mich in den Wahnsinn treibt. Das Ticken der Uhr eine Einbildung? Die Finsternis - draußen und drinnen nichts als Nichts. Meine Ohren lauschen, hören nichts, meine Augen sehen nichts mehr aber fühlen? Nein ich fühle nichts mehr, Resignation! Die Begegnung im Dom war meine letzte Handlung. Der Geistliche, geisterhaft, allmählich wir das Verfahren zum Urteil sagt er. Mit jedem Atemzug mehr zum Ende hin! Ohne Taschenlampe war keine Erläuchtung möglich. Meine Sinne sind blind, ich funktioniere nicht. Genauso dunkel war es wie jetzt, Apokalypse, völlige Stille und Dunkelheit das Ende unausweichlich! Warum ist mir das so bewusst? Was ist passiert? Ein Jahr und alles ist anders! SCHULD! HINRICHTUNG! Ein lautes Lachen. Das Gericht richtet!
Es gibt keinen Ausweg ich werde aufrecht gehen. Wie vor einem Jahr werde ich in schwarz gekleidet sie erwarten. Wen sie wohl senden? Den Großen? Die Gleichen? Wie können sie leben? Sind sie schuldig?
Meine Rettung, mein Ausbrechen aus der Spirale des Prozesses, die mich Schritt für Schritt, Sekunde für Sekunde dem Ende näher bringt, ist es noch möglich? Die Zeit rinnt und sie werden kommen, sie werden da sein - nur gehen werden sie nicht mehr!
Aufgabe 3
Innerer Monolog
Der Roman Kafkas wird aus der Perspektive des Protagonisten geschrieben. Der auktoriale Erzähler wechselt zwischendurch zum personalen Erzählen und beide Erzählformen gehen ineinander über. Erzählt wird meist im Präteritum, wobei erlebte Rede und Präsesn dieses Tempus immer wieder aufbrechen. Josef K. hat im Text wenige nur kurze innere Monologe. Die Erzählung lebt von szenenhafter Darstellung und Gestik und Mimik der Figuren ist wichtig für den Handlungsverlauf.
Rhetorische Fragen, kurzen Bewusstseinsströme, Schwankungen zwischen realen Gedanken und emotionalen Empfindungen sind Schlüsselelemente der vorliegenden inneren Monologe und werden auch in diesem Monolog von Josef K. verwendet.
Kommentar
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