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Aufgaben
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Der Mensch zwischen Natur und Zivilisation

Erlaubte Hilfsmittel:
  1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung
  2. eine Liste der fachspezifischen Operatoren
Tipp
Erlaubte Hilfsmittel:
  1. ein Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung
  2. eine Liste der fachspezifischen Operatoren
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Fasse den Inhalt der Kurzgeschichte von Sibylle Berg zusammen und interpretiere den vorliegenden Text. (Material 1)
(35 BE)
#kurzprosa#interpretieren#zusammenfassen
2.
Vergleiche die Kurzgeschichte (Material 1) mit dem expressionistischen Gedicht von Alfred Lichtenstein (Material 2) im Hinblick auf das Verhältnis des Menschen zur Natur.
(35 BE)
#vergleichen#expressionismus#gedicht#kurzprosa#naturlyrik
3.
„In Sachen Natursehnsucht und Waldliebe hatte bereits die romantische Tradition den Ton vorgegeben. […] Zu diesem kulturellen Muster, wie es in romantischer Literatur, Malerei und Musik vermittelt wird, gehört von Anfang an die Erfahrung des Verlustes. Natürliche Wälder gab es damals längst nicht mehr. Die romantische Natursehnsucht war eine Erfindung von Stadtbewohnern, von Dichtern und Malern, die zu den wirtschaftlich intensiv genutzten, schon damals sorgfältig hergerichteten Waldlandschaften räumlich und emotional auf Distanz gegangen waren. Das war die Voraussetzung dafür, die harmonische Geschlossenheit und geordnete Wildheit der Wälder wahrzunehmen und zu preisen.“
Aus: Albrecht Lehmann: Der deutsche Wald.
In: Etienne Francois/Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte,
Bd. 3, München: C.H. Beck 2009.
Erläutere unter Berücksichtigung des Zitats typische Züge der romantischen Natursehnsucht und überprüfe vor dem Hintergrund deine Epochenkenntnisse, inwieweit die moderne Kurzgeschichte von Sibylle Berg (Material 1) als romantisch gelten kann.
(30 BE)
#erläutern#sekundärtext#romantik#kurzprosa
Material 1

Sibylle Berg: „Nacht“ (2001)

$\,$
Sie waren mit Tausenden aus unterschiedlichen Türen in den Abend geschoben. Es
war eng auf den Straßen, zu viele Menschen müde und sich zu dicht, der Himmel war
rosa. Die Menschen würden den Himmel ignorieren, den Abend und würden nach
Hause gehen. Säßen dann auf der Couch, würden Gurken essen und mit einem klei-
5
nen Schmerz den Himmel ansehen, der vom Rosa ins Hellblaue wechseln würde,
dann lila, bevor er unterginge. Eine Nacht wie geschaffen, alles hinter sich zu lassen,
aber wofür? Sie funktionierten in dem, was ihnen Halt schien, die Menschen in der
Stadt, und Halt kennt keine Pausen, Regeln, keine stille Zeit, in der Unbekanntes
Raum hätte zu verunsichern mit dummen Fragen.
10
Das Mädchen und der Junge gingen nicht nach Hause. Sie waren jung, da hat man
manchmal noch Mut. Etwas ganz Verrücktes müsste man heute tun, dachten beide
unabhängig voneinander, doch das ist kein Wunder, denn bei so vielen Menschen auf
der Welt kann es leicht vorkommen, dass sich Gedanken gleichen. Sie gingen auf
einen Berg, der die Stadt beschützte. Dort stand ein hoher Aussichtsturm, bis zu den
15
Alpen konnte man schauen und konnte ihnen Namen geben, den Alpen. Die hörten
dann darauf, wenn man sie rief. Die beiden kannten sich nicht, wollten auch nieman-
den kennen in dieser Nacht, stiegen die 400 Stufen zum Aussichtsturm hinauf. Saßen
an entgegengesetzten Enden, mürrisch zuerst, dass da noch einer war. So sind die
Menschen, Revierverletzung nennt man das. Doch dann vergaßen sie die Anwesen-
20
heit und dachten in die Nacht. Vom Fliegen, vom Weggehen und Niemals-Zurück-
kommen handelten die Gedanken, und ohne dass es ihnen bewusst gewesen wäre,
saßen sie bald nebeneinander und sagten die Gedanken laut.
Die Gedanken ähnelten sich, was nicht verwundert, bei so vielen Menschen auf der
Welt, und doch ist es wie Schicksal, einen zu treffen, der spricht, was du gerade
25
sagen möchtest. Und die Worte wurden weich, in der Nacht, klare Sätze wichen dem
süßen Brei, den Verliebte aus ihren Mündern lassen, um sich darauf zum Schlafen zu
legen. Sie hielten sich an der Hand, die ganze Nacht, und wussten nicht, was schöner
war. Die Geräusche, die der Wind machte, die Tiere, die sangen, oder der Geruch des
anderen. Dabei ist es so einfach, sagte der Junge, man muss nur ab und zu mal nicht
30
nach Hause gehen, sondern in den Wald. Und das Mädchen sagte, wir werden es wie-
der vergessen, das ist das Schlimme. Alles vergisst man, das einem gut tut, und dann
steigt man wieder in die Straßenbahn, morgens, geht ins Büro, nach Hause, fragt
sich, wo das Leben bleibt. Und sie saßen immer noch, als der Morgen kam, als die
Stadt zu atmen begann. Tausende aus ihren Häusern, die Autos geschäftig geputzt,
35
und die beiden erkannten, dass es das Ende von ihnen wäre, hinunterzugehen ins
Leben. Ich wollte, es gäbe nur noch uns, sagte der Junge. Das Mädchen nickte, sie
dachte kurz: So soll das sein, und im gleichen Moment verschwand die Welt. Nur
noch ein Aussichtsturm, ein Wald, ein paar Berge blieben auf einem kleinen Stern.
Aus: Sibylle Berg: Das Unerfreuliche zuerst. Herrengeschichten, Köln: Kiepenheuer und Witsch 2001, S. 155f.
#kurzprosa
Material 2

Alfred Lichtenstein: „Der Ausflug“ (1912)

$\,$
Du, ich halte diese festen
Stuben und die dürren Straßen
Und die rote Häusersonne,
Die verruchte Unlust aller
5
Längst schon abgeblickten Bücher
Nicht mehr aus.
Komm, wir müssen von der Stadt
Weit hinweg.
Wollen uns in eine sanfte
10
Wiese legen.
Werden drohend und so hilflos
Gegen den unsinnig großen,
Tödlich blauen, blanken Himmel
Die entfleischten, dumpfen Augen,
15
Die verwunschnen,
Und verheulte Hände heben. -
Aus: Alfred Lichtenstein: Der Ausflug. In: Menschheitsdämmerung.
Ein Dokument des Expressionismus, hrsg. v. Kurt Pinthus. Hamburg 1959. S. 60.
Hinweise:
zu Material 1 und 2: Sibylle Berg, geboren 1962, ist Autorin zahlreicher Romane, Kolumnen und Theaterstücke.
Alfred Lichtenstein (1889-1914) war ein deutscher Schriftsteller des Expressionismus.
Die Rechtschreibung beider Texte entspricht den Textvorlagen.
#gedicht#expressionismus#naturlyrik
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Tipps
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Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu bachten.
Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
Aufgabenstellung:
1.
Fasse den Inhalt der Kurzgeschichte von Sibylle Berg zusammen und interpretiere den vorliegenden Text. (Material 1)
(35 BE)
Bei der Zusammenfassung solltest du darauf achten, eigene Worte zu verwenden und im Präsens zu schreiben. Fasse dich kurz und beschränke dich auf das Wesentliche.
Die Interpretation solltest du chronologisch angehen und dabei sowohl sprachliche als auch strukturelle Auffälligkeiten beachten. Deren Wirkung im Text und Bedeutung für den Gesamtzusammenhang ist wichtig.
2.
Vergleiche die Kurzgeschichte (Material 1) mit dem expressionistischen Gedicht von Alfred Lichtenstein (Material 2) im Hinblick auf das Verhältnis des Menschen zur Natur.
(35 BE)
Das Gedicht sollst du zum Vergleich nutzen, dennoch ist es wichtig, formale und inhaltliche Auffälligkeiten kurz zu interpretieren und das Thema des Gedichts darzustellen. Im Anschluss kannst du das jeweilige Verhältnis von Mensch und Natur vergleichen. Hierzu nimmst du am Besten einzelne Aspekte und stellst sie gegenüber, dann verlierst du nicht den Überblick und vermeidest redundante Passagen.
3.
„In Sachen Natursehnsucht und Waldliebe hatte bereits die romantische Tradition den Ton vorgegeben. […] Zu diesem kulturellen Muster, wie es in romantischer Literatur, Malerei und Musik vermittelt wird, gehört von Anfang an die Erfahrung des Verlustes. Natürliche Wälder gab es damals längst nicht mehr. Die romantische Natursehnsucht war eine Erfindung von Stadtbewohnern, von Dichtern und Malern, die zu den wirtschaftlich intensiv genutzten, schon damals sorgfältig hergerichteten Waldlandschaften räumlich und emotional auf Distanz gegangen waren. Das war die Voraussetzung dafür, die harmonische Geschlossenheit und geordnete Wildheit der Wälder wahrzunehmen und zu preisen.“
Aus: Albrecht Lehmann: Der deutsche Wald.
In: Etienne Franrcois/Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte,
Bd. 3, München: C.H. Beck 2009.
Erläutere unter Berücksichtigung des Zitats typische Züge der romantischen Natursehnsucht und überprüfe vor dem Hintergrund deine Epochenkenntnisse, inwieweit die moderne Kurzgeschichte von Sibylle Berg (Material 1) als romantisch gelten kann.
(30 BE)
In der Erörterung solltest du die Thesen von Lehmann darstellen und diese auf die Kurzgeschichte aber auch auf dein Hintergrundwissen zur Romantik beziehen. In einigen Aspekten wirst du zustimmen können und in anderen wirst du Einwände haben. Denk daran, diese Teilaufgabe gibt weniger Punkte als Teil 1 und 2.
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Der Mensch zwischen Natur und Zivilisation

Tipp
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Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
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Da deine Aufgabe im Abitur in drei Teilaufgaben gegliedert ist, solltest du auch deine Bearbeitungszeit so einteilen, dass du alle Aufgaben bearbeiten kannst. Hierbei ist es wichtig, die Punktevergabe zu bachten.
Versuche alle drei Teilaufgaben so zu verfassen, dass die jeweiligen Einleitungen Übergänge zu den vorherigen Absätzen bilden und der Lesefluss nicht unterbrochen wird.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Fasse den Inhalt der Kurzgeschichte von Sibylle Berg zusammen und interpretiere den vorliegenden Text. (Material 1)
(35 BE)
Tipp
Bei der Zusammenfassung solltest du darauf achten, eigene Worte zu verwenden und im Präsens zu schreiben. Fasse dich kurz und beschränke dich auf das Wesentliche.
Die Interpretation solltest du chronologisch angehen und dabei sowohl sprachliche als auch strukturelle Auffälligkeiten beachten. Deren Wirkung im Text und Bedeutung für den Gesamtzusammenhang ist wichtig.
Tipp
Bei der Zusammenfassung solltest du darauf achten, eigene Worte zu verwenden und im Präsens zu schreiben. Fasse dich kurz und beschränke dich auf das Wesentliche.
Die Interpretation solltest du chronologisch angehen und dabei sowohl sprachliche als auch strukturelle Auffälligkeiten beachten. Deren Wirkung im Text und Bedeutung für den Gesamtzusammenhang ist wichtig.
Sibylle Berg ist die Autorin der Kurzgeschichte „Nacht“, die 2001 veröffentlicht wurde und von der Begegnung zweier jungen Menschen handelt, die Nachts dem Trubel des Stadtlebens entfliehen und auf einem Berg außerhalb der Stadt aufeinandertreffen.
Aufgabe 1
Einleitung
Bei dem Text handelt es sich um eine Kurzgeschichte. Die Erzählung hat ein offenes Ende, das Schicksal der beiden jungen Menschen bleibt ungeklärt. Es gibt nur wenige Protagonisten und eine kurze Sequenz aus deren Leben wird, ohne auf ein finales Handlungende hin konzipiert zu sein, dargestellt.
Hauptteil
Gattung
Aufteilen lässt sie die Handlung in vier Abschnitte. Der erste Teil beschreibt aus Sicht des auktorialen Erzählers die Hektik und den Trubel, der nach Feierabend in der Stadt herrscht. Hier bewertet der auktoriale Erzähler das Verhalten der Massen, die den Blick für den schönen Abendhimmel verloren haben. Daraufhin wird geschildert, wie zwei junge Menschen die Stadt verlassen, um die Einsamkeit auf einem entfernten Berg zu genießen. Erst ärgern sie sich über die Gesellschaft des jeweils anderen, dann kommen sie sich näher und verbringen die Nacht auf dem Berg. Sie kommen sich näher, unterhalten sich gut und verhalten sich wie Verliebte. Dann bricht der Morgen an, die Realität holt die beiden ein und sie Blicken auf die Stadt, in der der Alltagstrott erneut begonnen hat und sie befürchten, die Erfahrung der Nacht vergessen zu werden.
Zusammenfassung
Die gesamte Handlung wird im Präteritum verfasst und so wird zu Beginn die Ausgangssituation geschildert, bei der von „Tausenden“ (Z. 1) die Rede ist. Die Menschen sind eine solche Masse, dass hier das Zahlenwort alleine steht. Die Menschen sind außerdem nicht selbstständig handlungsfähig, was die Passivkonstruktion „waren […] geschoben“ (Z. 1) verdeutlicht, sie laufen in der Masse mit ohne ihr Handeln zu hinterfragen. Die Ellipse „zu viele Mensche müde und sich zu dicht“ (Z. 2) greift dieses Gefühl der Hektik und des Gedränges auf. Die Menschen sind nicht objektiv betrachtet zu dicht, sondern subjektiv, sie sind „sich zu dicht“ und empfinden diese Enge auch persönlich. Der rosane Himmel, der dieser Situation durch die Farbmetaphorik eigentlich eine schöne Atmosphäre geben könnte, wird nicht beachtet.
Nun wechselt der Modus der Verben zum Konjunktiv. Der auktoriale Erzähler stellt ironisch den weiteren Abendverlauf der Menschen dar. Sie „[s]äßen dann auf der Couch, würden Gurken essen“ (Z. 4) und dabei würden sie hinausschauen, wie sich der Abendhimmel verändert. Die Distanz zu dieser Naturwahrnehmung beschreibt die Situation in der sich die Menschen in der Stadt befinden. Sie sind in ihrer Welt und nehmen die alternativen Lebenswelten nur aus der Distanz wahr.
Abgelöst wird diese Sequenz durch eine rhetorische Frage - „Eine Nacht wie geschaffen, alles hinter sich zu lassen, aber wofür?“ (Z. 6f.) - die einerseits eine Vorausdeutung auf die folgende Handlung ist aber auch nochmal darstellt, wie gefangen die Stadtmenschen in ihrem Leben sind. Sie haben alle jederzeit die Möglichkeit aus der Situation auszubrechen, doch wissen nicht, wofür sie das tun sollten.
Das Verhalten wird mit mechanischen Prozessen verglichen, wenn festgestellt wird, dass „[s]ie funktionierten in dem, was ihnen Halt schien“ (Z. 7). Dieser Begiff ‚Halt‘ wird mehrmals wiederholt, es scheint sich aber um keinen sicheren Halt zu handeln. Die Leute lassen hingegen „keine stille Zeit“ (Z. 8) zu, in der sie zum Nachdenken kämen, denn dann müssten sie ihre Abläufe hinterfragen.
Interpretation
Abschnitt 1
Diesen Mut, aus dem Alltag in der Stadt auszubrechen, haben zwei junge Menschen und genau so wird ihr Verhalten auch begründet, denn „[s]ie waren jung, da hat man manchmal noch Mut“ (Z. 10f.). Ihren Abendspaziergang bezeichnen beide unabhängig voneinander als „[e]twas ganz Verrücktes“ (Z. 11), was zeigt, wie fixiert schon sie auf den Alltag in der Stadt sind.
Genau hier greift der Erzähler mit der ernüchternden Feststellung bezüglich ihrer parallelen Überlegungen ein, denn „das ist kein Wunder, denn bei so vielen Menschen auf der Welt kann es leicht vorkommen, dass sich Gedanken gleichen“. (Z. 12f.).
Nun werden das erste Mal Fakten in der Geschichte verwendet, die Protagonisten sind ohne bedeutende Charaktereigenschaften dargestellt und der Handlungsort bleiben offen. Die Geschehnisse könnten also theoretisch immer und überall und vor allem jedem Leser passieren. Durch die Nennung von Details wie dem Blick auf die Alpen (vgl. Z. 15) und die Turmbesteigung mit „400 Stufen“ (Z. 17) diese Erzählhaltung unterbrochen. Die Möglichkeit, den Alpen Namen zu geben (vgl. Z. 15), unterstreicht die enge Verbindung zwischen der Natur und den Betrachtern in der entsprechenenden Situation. Wohingegen die Menschen in der Stadt und die Protagonisten selbst anonym bleiben, besteht hier die Möglichkeit, etwas genau zu betrachten und zu benennen.
Der Wandel ihrer Beziehung von „mürrisch zuerst“ (Z. 18), über eine erste Annäherung, bis sie „bald nebeneinander“ (Z. 22) sitzen wird in einem klaren chronologischen Prozess erzählt. Die körperliche Annäherung geht hier mit den vertieften Gesprächsinhalten einher.
Abschnitt 2
Die Gedanken, die zuvor jeder selbst hatte, teilen sie nun. Hier greift der auktoriale Erzähler wieder wertend ein und wiederholt, es sei nicht verwunderlich, bei „so vielen Menschen auf der Welt“ (Z. 23) jemanden zu finden, der gleiche Gedanken hat. Dieser nüchternen Feststellung steht ein deutlicher Kontrast gegenüber, denn jemanden zu finden, der diese Gedanken ausspricht, ist „wie Schicksal“ (Z. 24).
Zwar ist hier nur ein Vergleich mit dem Schicksal ausformuliert, doch wechselt die Erzählung ins Präsens, wobei einerseits die Perspektive der beiden Protagonisten eingenommen wird und andererseits deutlich wird, dass die Aussage zum Schicksal unabhängig von der Handlung jederzeit Gültigkeit hat.
Der realistische Sprachstil aus Parataxen und ironischen Darstellungen des städischen Lebens wechselt nun. Diese Änderung entspricht auch der Handlung, denn auch hier werden klare Sätze von süßem Brei (vgl. Z. 25f.) abgelöst.
Die Metapher, die Worte würden den Verliebten eine Unterlage bilden, um sich darauf schlafen zu legen, bildet neben der Romantik eine gewisse Komik, steht das doch in einem überzeichneten Kontrast zum Feierabend in der Stadt (vgl. Z. 4f.).
Dieser Kontrast wird noch verstärkt, indem die Sinneswahrnehmung der Beiden in den Vordergrund rückt. „[D]ie Geräusche, die der Wind machte, die Tiere, die sangen, oder der Geruch des anderen“. (Z. 27f.) Mit Relativsätzen, im Gegensatz zu den parataktischen Sätzen im restlichen Text, werden hier Naturelemente näher beschrieben.
Abschnitt 3
Diese Ausflucht in eine andere Welt endet mit dem Morgen. Die Vorstellung des Jungen, man müsse „nur ab und zu man nicht nach Hause gehen, sondern in den Wald“ (Z. 29f.) stellt einerseits den Gegesatz zwischen Natur und Stadt, beziehungsweise noch deutlicher zwischen Natur und dem Zuhause, in den Mittelpunkt. Auf der anderen Seite wird durch den Konjunktiv deutlich, dass es sich bei diesem Vorhaben um einen Wunsch handelt. Auch das neutrale ‚man‘ zeigt, dass sich der Junge selbst von dem konkreten Vorhaben distanziert.
Das Mädchen stimmt zwar zu, verweist allerdings darauf, dass sie ihr Vorhaben wieder vergessen werden. Hier wechselt das Erzähltempus erneut ins Präsens und die Aussage, „Alles vergisst man, das einem gut tut“ (Z. 31) erscheint zum einen als direkte Rede und zum anderen als allgemeingültige Lebensweisheit.
Am Morgen ergibt sich eine Parallele zum Beginn der Geschichte, wenn erneut „Tausende“ (Z. 1 und Z. 34) die Häuser verlassen und zur Arbeit gehen. Statt wie in der Abenddämmerung in die Alpen zu schauen, blicken die Beiden runter in die Stadt. Der Blick richtet sich in die Zukunft, wobei beide erkennen, „dass es das Ende von ihnen wäre, hinunterzugehen ins Leben“ (Z. 35f.). Zwar wird hier die Realität in der Stadt als Leben bezeichnet, allerdings ist die vergangene Nacht auf dem Berg eher mit dem zu vergleichen, was Leben bedeutet.
Beide sprechen nun im Konjunktiv, erneut um Eventualitäten abzusprechen. Sie scheinen aber zu wissen, dass die Realität anders aussehen wird, denn „im gleichen Moment verschwand die Welt“ (Z. 37). Aus dem, was sich die beiden um die Einzelheiten herum geschaffen haben und wodurch sie sich von der Realität entfernt hatten, werden wieder einzelne Wahrnehmungen.
Abschnitt 4
Der Text ist geprägt von Gegensätzen, von denen der zwischen Stadt und Natur sicherlich der prägenste ist. Der Stadt werden Gebundenheit, Enge und Gedränge aber auch die Tageszeiten Abend und Morgen zugeordnet.
Die Nacht hingegen gehört den beiden Protagonisten, der Natur, der Weite und der Beobachtung. Eine echte Begegnung mit offenen Gesprächen und geteilten Gedanken ist in dieser freien, natürlichen Umgebung möglich.
Die großen Themen der Literatur und des Lebens, wie Schicksal, Wunder und Liebe werden thematisiert, obwohl der Text kurz und schlicht gehalten ist.
Schluss
#stilmittel#erzählperspektive
2.
Vergleiche die Kurzgeschichte (Material 1) mit dem expressionistischen Gedicht von Alfred Lichtenstein (Material 2) im Hinblick auf das Verhältnis des Menschen zur Natur.
(35 BE)
Tipp
Das Gedicht sollst du zum Vergleich nutzen, dennoch ist es wichtig, formale und inhaltliche Auffälligkeiten kurz zu interpretieren und das Thema des Gedichts darzustellen. Im Anschluss kannst du das jeweilige Verhältnis von Mensch und Natur vergleichen. Hierzu nimmst du am Besten einzelne Aspekte und stellst sie gegenüber, dann verlierst du nicht den Überblick und vermeidest redundante Passagen.
Tipp
Das Gedicht sollst du zum Vergleich nutzen, dennoch ist es wichtig, formale und inhaltliche Auffälligkeiten kurz zu interpretieren und das Thema des Gedichts darzustellen. Im Anschluss kannst du das jeweilige Verhältnis von Mensch und Natur vergleichen. Hierzu nimmst du am Besten einzelne Aspekte und stellst sie gegenüber, dann verlierst du nicht den Überblick und vermeidest redundante Passagen.
Der Kontrast zwischen der Stadt in Zeiten der Industrialisierung und der Natur als Fluchtort war auch im Expressionismus ein zentrales Thema. Alfred Lichtenstein, ein bekannter Autor dieser Epoche, veröffentlichte in der berühmten Anthologie „Menschheitsdämmerung“ 1912 das Gedicht „Der Ausflug“.
Aufgabe 2
Einleitung
Das Gedicht ist in zwei unterschiedlich langen Strophen unterteilt, wobei das lyrische Ich mit einem Du kommuniziert.
In der ersten Strophe wird die Stadt beschrieben, feste Gebäude, die immer gleich aussehen und starr sind, dürre Straßen und die „rote Häusersonne“ (V. 3), die entweder das Sonnenlicht reflektieren oder rötliche Fassaden haben. Wie die „abgeblickten Bücher“ (V. 5) hat das lyrische Ich alles bereits gesehen und hält das Leben in der Stadt nicht mehr aus.
Im Gegensatz dazu steht die Flucht, oder wie es der Titel ausdrückt der Ausflug, in die Natur. „Weit hinweg“ (V. 8) von der Stadt will das lyrische Ich in der Wiese liegen. Der eigentlich schöne weite Himmel wird hier allerdings als tödlich blauer, blanker Himmel (vgl. V. 13) beschrieben. Die aus der Stadt stammenden Menschen können die Weite des Himmels nicht einordnen und sind überfordert.
Hauptteil
Gedichtinhalt
Vergleicht man nun das Verhältnis von Mensch und Natur in den beiden Texten ist das erste Gegensatzpaar zwischen Stadt und Natur zu sehen. In beiden Texten gilt der natürliche Rückzugort aus der Stadt als Sehnsuchtsort. Die Stadt wird als lebensfeindlich dargestellt. Entfremdung und Isolation, aber nicht zwangsläufig Industrialisierung ist Grund für den Wunsch nach Befreiung. Bei Lichtenstein liegt dies einerseits an der beengten Bauweise aber auch daran, dass der Alltagstrott, die „verruchte Unlust“ (V. 4) der Menschen. Bei Berg ist daneben die Anonymität und das Engegefühl der Menschen beschrieben.
Vergleich
Stadt vs. Natur
Der ausschlaggebende Punkt, warum die beiden Protagonisten die Stadt verlassen ist hier das sie jung waren und junge Menschen manchmal noch Mut (Z. 11) haben. Bei Lichtenstein will das lyrische Ich die Stadt verlassen, weil es die Situation nicht mehr aushält (vgl. V. 6). Bei Lichtenstein wird die Idee von der Natur als Sehnsuchtsort deutlich, wobei ein faktischer Aufbruch zum Sehnsuchtsort, hier der Wiese, nicht stattfindet. Das lyrische Ich stellt nur fest, „wir müssen von der Stadt / weit hinweg“ (V. 7f.), setzt dies aber nicht um. Die beiden Protagonisten der Kurzgeschichte hingegen haben auf dem Berg einen realen Zufluchtsort und der Ausbruch aus der Stadt ist nicht nur Wunsch.
Aufbuch
Die Vorstellung von der Natur im Gedicht ist nach der ersten Idealvorstellung auf der Wiese ernüchternd. Das lyrische Ich stellt sich die Weite des Himmels als drohend und sich selbst gegenüber dessen als hilflos dar (vgl. V. 11). Die Natur ist für das lyrische Ich kein perfekter Zufluchtsort mehr und somit seine Situation ausweglos. Es gibt keine Lösung durch die Natur und darum wird der Ausbruchversuch nur gedanklich duchgeführt.
Bei Sybille Berg finden die beiden Protagonisten in der Natur die Lösung für ihre Situation. Der Mut zahlt sich aus, sie lernen einander kennen und nehmen die Natur wahr. Allerdings „verschwand die Welt“ (Z. 37) wieder, als die Nacht endete und das Ende bleibt offen. Die Möglichkeit der Ausflucht besteht aber die Protagonisten „werden es wieder vergessen“ (Z. 30f.).
Natur als Lösung
Die beiden Texte stellen zwar jeweils den Menschen in der Natur und wiederum die Natur im Gegensatz zur Stadt dar, doch unterschieden sich einige Punkte der Darstellung. Letztendlich ist die Kurzgeschichte von Sibylle Berg durchaus versöhnlicher als das Gedicht. Hier findet die Wahrnehmung der Natur real statt, die jungen Menschen erleben die Naturwahrnehmung und erinnern sich vielleicht daran. Bei Lichtenstein bleibt die Natur ein Sehnsuchtsort, wobei selbst an diesem Ort die Erfüllung der Wünsche nicht möglich zu sein scheint.
Schluss
#großstadtlyrik#naturlyrik
3.
„In Sachen Natursehnsucht und Waldliebe hatte bereits die romantische Tradition den Ton vorgegeben. […] Zu diesem kulturellen Muster, wie es in romantischer Literatur, Malerei und Musik vermittelt wird, gehört von Anfang an die Erfahrung des Verlustes. Natürliche Wälder gab es damals längst nicht mehr. Die romantische Natursehnsucht war eine Erfindung von Stadtbewohnern, von Dichtern und Malern, die zu den wirtschaftlich intensiv genutzten, schon damals sorgfältig hergerichteten Waldlandschaften räumlich und emotional auf Distanz gegangen waren. Das war die Voraussetzung dafür, die harmonische Geschlossenheit und geordnete Wildheit der Wälder wahrzunehmen und zu preisen.“
Aus: Albrecht Lehmann: Der deutsche Wald.
In: Etienne Franrcois/Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte,
Bd. 3, München: C.H. Beck 2009.
Erläutere unter Berücksichtigung des Zitats typische Züge der romantischen Natursehnsucht und überprüfe vor dem Hintergrund deine Epochenkenntnisse, inwieweit die moderne Kurzgeschichte von Sibylle Berg (Material 1) als romantisch gelten kann.
(30 BE)
Tipp
In der Erörterung solltest du die Thesen von Lehmann darstellen und diese auf die Kurzgeschichte aber auch auf dein Hintergrundwissen zur Romantik beziehen. In einigen Aspekten wirst du zustimmen können und in anderen wirst du Einwände haben. Denk daran, diese Teilaufgabe gibt weniger Punkte als Teil 1 und 2.
Tipp
In der Erörterung solltest du die Thesen von Lehmann darstellen und diese auf die Kurzgeschichte aber auch auf dein Hintergrundwissen zur Romantik beziehen. In einigen Aspekten wirst du zustimmen können und in anderen wirst du Einwände haben. Denk daran, diese Teilaufgabe gibt weniger Punkte als Teil 1 und 2.
Diese großen Themen wurden auch in der Epoche der Romantik behandelt. Hierzu äußert sich der Literaturwissenschaftler Albrecht Lehmann 2009 in seiner Ausführung über die Natursehnsucht in der Romantik.
Aufgabe 3
Einleitung
Er stellt in seinem Text zwei Thesen zum Naturverständnis in der Romantik auf. Zunächst weist er darauf hin, dass die „Natursehnsucht und Waldliebe“ (Z. 1) in der Romantik Thema war. Allerdings hält er fest, dass die „Literatur, Malerei und Musik“ (Z. 2) nicht natürliche Wälder thematisiert. Die gab es damals schon nicht mehr, denn die Natur wurde bereits „wirtschaftlich intensiv genutzt“ (Z. 4). Die Natursehnsucht der Stadtbewohner war in diesem Kontext ein Ausdruck von Verlustängsten.
Außerdem sind des in der Romantik gerade diese Stadtbewohner, die die Natur aus der Distanz sehen und die „Wildheit der Wälder“ (Z. 6) romantisieren.
Hauptteil
Naturwahrnehmung in der Romantik (Lehmann)
In der vorliegenden Kurzgeschichte gibt es zwei Orte außerhalb der Stadt, die als Kontrastraum beschrieben werden. Einerseits der Handlungsort am Turm und die Alpen, die betrachtet werden. Die Natur ist also, wie durch Lehmann auch in der Romantik beschrieben, Kontrastraum zur Stadt. Allerdings keine „Erfindung der Stadtbewohner“ (Z. 4), sondern realer Ausfluchtort der beiden Protagonisten.
Die in der Romantik idealisierte „Wildheit der Wälder“ (Z. 6) findet man auch bei Berg nicht. Der Aussichtspunkt ist ein Naturraum, der vom Menschen gemacht ist aber dennoch seinen Zweck, die Fluchtmöglichkeit aus dem städtischen Raum, erfüllt.
Die von Lehmann so bezeichnete Waldliebe (Z. 1) findet sich bei Sibylle Berg nur in der Formulierung des Jungen, man müsse „nur ab und zu mal nicht nach Hause, sondern in den Wald gehen“ (Z. 29f.). Der Wald wird hier nur einmal genannt und allein daraus werden beim Leser viele Motive der Romatnik in Erinnerung gerufen. In der Romantik werden Naturelemente aber nicht alleine stehengelassen, sondern mit Adjektiven und vor allem Verben der Bewegung ausgeschmückt und zur Herstellung einer Atmosphäre genutzt. Das entfällt in der Kurzgeschichte, passiert aber im Kopf des Lesers durch entsprechende Assoziationen.
Am Abend, als die Stimmung romantisch aufgeladen ist, steht die Naturbetrachtung, „bis zu den Alpen konnte man schauen“ (Z. 14f.) im Mittelpunkt. Am Morgen richtet sich der Blick wieder auf die Stadt (Z. 30). Bei der Naturbetrachtung treten die Protagonisten, anders als in der Romantik, nicht in einen dialogischen Austausch mit der Natur. Die Natur wird nicht besonders idealisiert oder ausgeschmückt beschrieben. Durch die Benennung der Alpen kommt ihnen dennoch eine gewisse Bedeutung zu und sie bilden als Natur einen Gegenpol zur Stadt.
Wie in vielen romantischen Gedichten ist der Abend beziehungsweise die Nacht genau wie in der Kurzgeschichte die Zeit der Natursehnsucht und Naturbetrachtung. Hier ergibt sich eine Parallele zwischen der Epoche und der Umsetzung von Sibylle Berg. Naturelemente, die in der Romantik ausgeschmückt werden, sind in der Kurzgeschichte präsent aber nicht mehr weiter spezifiziert. Die Vorstellung wird nicht gelenkt, sondern bleibt offen für die Phantasie der Leser.
Die These, Romantiker hätten wilden Wälder romantisiert aus der Distanz eines Stadtbewohners ist zu ergänzen. Auch in der Romantik sind Schluchten, Gärten, Parks und vom Menschen beeinflusste Naturräume Handlungsorte. Die Erfahrung des Verlusts (Z. 3) in der vom Menschen genutzten Natur ist bei Berg nicht thematisiert. Es geht ihr, genau wie in vielen romantischen Texten, um den Ausbruch aus der Stadt in einen stadtfernen Raum, unabhängig, ob dieser nun verwildert oder vom Menschen gestaltet ist.
Es geht nicht um die Wirklichkeit. Auch in der Romantik, gerade in der Gattung der Volksmärchen ist Realitätsflucht aus dem Vernunftraum typisch. Magische Elemente werden genutzt, um die Wissenschaftlichkeit und die Politisierung des Alltags in der Literatur zu vergessen. So erscheint es auch ein bisschen bei Sibylle Berg. Die fast magische Begegnung der Protagonisten ist ein zeitlich kleiner Ausbruch aus der der realen Welt und wird auch sprachlich so ausgeschmückt, dass Erlebtes und Erträumtes wie in der Romantik ineinander übergehen.
Romantik vs. Kurzgeschichte
Die Kurzgeschichte hat durchaus Elemente der Romantik. Nicht nur die Aspekte aus Lehmanns Text, sondern auch weitere Merkmale der Epoche können in der Kurzgeschichte wiedergefunden werden. Allerdings ist der Ausbruch aus der Stadt nicht nur auf die Stadt an sich, sondern auch auf die Menschen, die in der Stadt ihrem Alltagstrott nachgehen, bezogen. Berg nutzt Elemente der Romantik, schmückt diese aber nicht so weit aus, wie es in der Romantik typisch war. Aufgrund des literarischen Hintergrundwissens assoziiert der Leser diese Punkte mit der Romantik.
Schluss
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