Inhalt
Smarter Learning!
Inhalt
Bundesland, Schulart & Klasse
Bundesland, Schulart & Klasse
MV, Gymnasium
Baden-Württemberg
Berufl. Gymnasium (AG)
Berufl. Gymnasium (BTG)
Berufl. Gymnasium (EG)
Berufl. Gymnasium (SGG)
Berufl. Gymnasium (TG)
Berufl. Gymnasium (WG)
Berufskolleg - FH
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Hauptschule
Realschule
Werkrealschule
Bayern
Fachoberschule
Gymnasium
Mittelschule
Realschule
Berlin
Gymnasium
Integrierte Sekundarschule
Brandenburg
Gesamtschule
Gymnasium
Oberschule
Bremen
Gymnasium (G8)
Oberschule (G9)
Hamburg
Gymnasium
Stadtteilschule
Hessen
Berufl. Gymnasium
Gesamtschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Haupt- und Realschule
Hauptschule
Realschule
Mecklenburg-Vorpommern
Gesamtschule
Gymnasium
Niedersachsen
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Integrierte Gesamtschule
Kooperative Gesamtschule
Oberschule
Realschule
NRW
Gesamtschule
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Rheinland-Pfalz
Gesamtschule
Gymnasium
Saarland
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Realschule
Sachsen
Gymnasium
Oberschule
Sachsen-Anhalt
Fachgymnasium
Gesamtschule
Gymnasium
Sekundarschule
Schleswig-Holstein
Gemeinschaftsschule
Gymnasium (G8)
Gymnasium (G9)
Thüringen
Berufl. Gymnasium
Gemeinschaftsschule
Gesamtschule
Gymnasium
Regelschule
Klasse 5
Klasse 12
Klasse 11
Klasse 10
Klasse 9
Klasse 8
Klasse 7
Klasse 6
Klasse 5
Fach & Lernbereich
Fachauswahl: Deutsch
Mathe
Deutsch
Englisch
Bio
Chemie
Physik
Geschichte
Geo
Lernbereich
Lektürehilfen
Abitur
VERA 8
Abitur
Prüfung
wechseln
Abitur
VERA 8
Smarter Learning!
Schneller lernen mit deinem SchulLV-Zugang
  • Zugang zu über 1.000 Original-Prüfungsaufgaben mit Lösungen von 2004-2019
  • Alle Bundesländer und Schularten, empfohlen von über 2.300 Schulen in Deutschland
  • Digitales Schulbuch: Über 1.700 Themen mit Aufgaben und Lösungen
  • Monatlich kündbar, lerne solange du möchtest
Jetzt Zugang freischalten!

Teil A

Aufgaben
Download als Dokument:PDF

Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Material:
Adalbert Stifter: Brigitta (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
$\;$
Interpretiere den Textauszug. Gehe dabei auch auf das Tragische im Konflikt der Figuren ein.
#interpretieren
Material - Adalbert Stifter: Brigitta (Textauszug)
$\;$
[…]
So war es mit dem Kinde Brigitta geschehen. Als es geboren ward, zeigte es sich nicht als der
3
schöne Engel, als der das Kind gewöhnlich der Mutter erscheint. Später lag es in dem schönen goldenen Prunkbettchen in den schneeweißen Linnen mit einem nicht angenehm verdüsterten Gesichtchen, gleichsam als hätte es ein Dämon angehaucht. Die Mutter wandte, von sich selber
6
unbemerkt, das Auge ab und heftete es auf zwei kleine, schöne Engel, die auf dem reichen Teppiche des Bodens spielten. Wenn fremde Leute kamen, tadelten sie das Kind nicht, lobten es nicht und fragten nach den Schwestern. So wurde es immer größer. Der Vater ging öfter durch
9
das Zimmer nach seinen Geschäften, und wenn die Mutter wohl manchmal gleichsam aus verzweiflungsvoller Brünstigkeit1 die andern Kinder herzte, sah sie nicht das starre, schwarze Auge Brigittas, das sich hinheftete, als verstünde das winzige Kind schon die Kränkung. Wenn sie
12
weinte, half man ihrem Bedürfnisse ab; weinte sie nicht, ließ man sie ruhig liegen, alle hatten für sich zu tun, und sie richtete die großen Augen auf die Vergoldung des Bettchens oder auf die Schnörkel der Wandtapeten. Da die Glieder stark geworden waren und ihre Wohnung nicht mehr
15
in dem engen Bettchen bestand, saß sie in einem Winkel, spielte mit Steinchen und sagte Laute, die sie von niemanden gehört hatte. Als sie in ihren Spielen vorrückte und behender2 ward, verdrehte sie oft die großen, wilden Augen, wie Knaben tun,die innerlich bereits dunkle Taten
18
spielen. Auf die Schwestern schlug sie, wenn sie sich in ihre Spiele einmischen wollten - und wenn jetzt die Mutter in einer Anwandlung verspäteter Liebe und Barmherzigkeit das kleine Wesen in die Arme schloß und mit Tränen benetzte, so zeigte dasselbe keineswegs Freude, sondern
21
weinte und wand sich aus den umfassenden Händen. Die Mutter aber wurde dadurch noch mehr zugleich liebend und erbittert, weil sie nicht wußte, daß die kleinen Würzlein, als sie einst den warmen Boden der Mutterliebe suchten und nicht fanden, in den Fels des eigenen Herzens
24
schlagen mußten und da trotzen.
So ward die Wüste immer größer.
Als die Kinder emporwuchsen und schöne Kleider ins Haus kamen, waren jene Brigittas immer
27
recht, die der Schwestern wurden mannigfach geändert, bis sie paßten. Die andern bekamen Verhaltungsregeln und Lob, sie nicht einmal Tadel, wenn sie auch ihr Kleidchen beschmutzt oder zerdrückt hatte. Da das Lernen kam und die Stunden des Vormittags ausgefüllt waren, saß sie
30
untenan und starrte mit dem einzigen Schönen, das sie hatte, mit den in der Tat schönen, düstern Augen auf die Ecke des fernen Buches oder der Landkarte; und wenn der Lehrer eine seltene, rasche Frage an sie tat, erschrak sie und wußte keine Antwort. Aber an langen Abenden, oder
33
sonst, wenn man im Gesellschaftszimmer saß und sie nicht vermißte, lag sie auf der Erde über durcheinandergeworfenen Büchern oder über Bildern und zerrissenen Karten, die die andern nicht mehr brauchten. Sie mochte eine phantastische,verstümmelte Welt in ihr Herz hinein brüten.
36
Sie hatte von den Büchern ihres Vaters, da der Schlüssel immer stak, beinahe die Hälfte gelesen, ohne daß man es ahnte. Darunter waren die meisten, die sie nicht verstehen konnte. In der Wohnung fand man oft Papiere, auf denen seltsame, wilde Dinge gezeichnet waren, die von ihr
39
sein mußten.
Als die Mädchen in das Jungfrauenalter getreten waren, stand sie wie eine fremde Pflanze unter ihnen. Die Schwestern waren weich und schön geworden, sie bloß schlank und stark. In ihrem
42
Körper war fast Manneskraft, was sich dadurch erwies, daß sie eine Schwester, wenn sie ihr Tändeleien sagen3 oder sie liebkosen wollte, mit dem schlanken Arme bloß ruhig wegbog oder daß sie, wie sie gerne tat, Hand an knechtliche Arbeit legte, bis ihr die Tropfen auf der Stirne
45
standen. Musik machen lernte sie nicht, aber sie ritt gut und kühn, wie ein Mann, lag oft mit dem schönsten Kleide auf dem Rasen des Gartens und tat halbe Reden und Ausrufungen in das Laub der Büsche. Nun kam es auch, daß der Vater begann, ihr Ermahnungen über ihr störriges und
48
stummes Wesen zu geben. Dann, wenn sie auch eben redete, hörte sie plötzlich auf, wurde noch stummer und noch störriger. Es half nichts, daß ihr die Mutter Zeichen gab und zur Kundgebung ihres Unmutes in bittrer Ratlosigkeit die Hände rang.
51
Das Mädchen redete nicht. Als sich der Vater einmal so weit vergaß, daß er sie, die Erwachsene, weil sie durchaus nicht in das Gesellschaftszimmer gehen wollte, körperlich strafte, sah sie ihn bloß mit den heißen, trockenen Augen an und ging doch nicht hinüber, er hätte ihr tun
54
können, was er wollte.
Wenn nur einer gewesen wäre, für die verhüllte Seele ein Auge zu haben und ihre Schönheit zu sehen, daß sie sich nicht verachte. - Aber es war keiner: die andern konnten es nicht, und sie
57
konnte es auch nicht.
$\;$
[…]


1aus verzweiflungsvoller Brünstigkeit: hier für eifrig, leidenschaftlich
2behend, behende: hier für flink, gewandt und geschickt
3Tändeleien sagen: hier für scherzen
(e 1843)
Aus: Adalbert Stifter: Studien. Zweiter Band.
Herausgegeben von Jürgen Jahn.
Leipzig (Insel-Verlag) 1968.
#tragödie#kurzgeschichte
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Tipps
Download als Dokument:PDF

Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Material:
Adalbert Stifter: Brigitta (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
$\;$
Interpretiere den Textauszug. Gehe dabei auch auf das Tragische im Konflikt der Figuren ein.
Die Aufgabe Textinterpretation verbindet die objektive Analyse eines Textes (Inhalt, Struktur, Sprachmittel) mit der eher subjektiven Deutung dieses Textes: der eigentlichen Interpretation. Folgende Punkte musst du bei dem Verfassen deiner Textinterpretation beachten:
- die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Interpretation eingehen musst: hier handelt es sich um das Tragische im Konflikt der Figuren.
- aus dem Material musst du bei der Vorarbeit alle Elemente der Analyse herausarbeiten, die als Grundlage für deine Interpretation fungieren werden.
- folgender Aufbau soll in deiner Arbeit deutlich erkennbar sein: Einleitung - Hauptteil - Schluss.
- eine Interpretationshypothese muss verfasst werden, sie setzt das Ziel der Interpretation.
- diese Hypothese widerspiegelt deine Meinung zum Text und ist erstmal unbegründet. Im interpretierenden Teil deiner Arbeit wirst du sie anhand von Argumenten und Zitaten aus dem Text begründen.
- der Hauptteil besteht aus vier Unterteilen: einer kurzen Inhaltsangabe, der Formulierung der Interpretationshypothese, der formalen Analyse des Textes, der eigentlichen Interpretation (chronologische oder thematische Interpretation).
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Lösungen
Download als Dokument:PDF

Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Material:
Adalbert Stifter: Brigitta (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
$\;$
Interpretiere den Textauszug. Gehe dabei auch auf das Tragische im Konflikt der Figuren ein.
Tipp
Die Aufgabe Textinterpretation verbindet die objektive Analyse eines Textes (Inhalt, Struktur, Sprachmittel) mit der eher subjektiven Deutung dieses Textes: der eigentlichen Interpretation. Folgende Punkte musst du bei dem Verfassen deiner Textinterpretation beachten:
- die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Interpretation eingehen musst: hier handelt es sich um das Tragische im Konflikt der Figuren.
- aus dem Material musst du bei der Vorarbeit alle Elemente der Analyse herausarbeiten, die als Grundlage für deine Interpretation fungieren werden.
- folgender Aufbau soll in deiner Arbeit deutlich erkennbar sein: Einleitung - Hauptteil - Schluss.
- eine Interpretationshypothese muss verfasst werden, sie setzt das Ziel der Interpretation.
- diese Hypothese widerspiegelt deine Meinung zum Text und ist erstmal unbegründet. Im interpretierenden Teil deiner Arbeit wirst du sie anhand von Argumenten und Zitaten aus dem Text begründen.
- der Hauptteil besteht aus vier Unterteilen: einer kurzen Inhaltsangabe, der Formulierung der Interpretationshypothese, der formalen Analyse des Textes, der eigentlichen Interpretation (chronologische oder thematische Interpretation).
Tipp
Die Aufgabe Textinterpretation verbindet die objektive Analyse eines Textes (Inhalt, Struktur, Sprachmittel) mit der eher subjektiven Deutung dieses Textes: der eigentlichen Interpretation. Folgende Punkte musst du bei dem Verfassen deiner Textinterpretation beachten:
- die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Interpretation eingehen musst: hier handelt es sich um das Tragische im Konflikt der Figuren.
- aus dem Material musst du bei der Vorarbeit alle Elemente der Analyse herausarbeiten, die als Grundlage für deine Interpretation fungieren werden.
- folgender Aufbau soll in deiner Arbeit deutlich erkennbar sein: Einleitung - Hauptteil - Schluss.
- eine Interpretationshypothese muss verfasst werden, sie setzt das Ziel der Interpretation.
- diese Hypothese widerspiegelt deine Meinung zum Text und ist erstmal unbegründet. Im interpretierenden Teil deiner Arbeit wirst du sie anhand von Argumenten und Zitaten aus dem Text begründen.
- der Hauptteil besteht aus vier Unterteilen: einer kurzen Inhaltsangabe, der Formulierung der Interpretationshypothese, der formalen Analyse des Textes, der eigentlichen Interpretation (chronologische oder thematische Interpretation).
Der vorliegende Textauszug aus „Brigitta“, der von Adalbert Stifter verfasst wurde und 1843 erschien, handelt von der Figur von Brigitta. In diesem Kurzprosatext wird die Entwicklung von der Figur seit ihrer Geburt beschrieben.
Einleitung
Titel, Autor, Jahr, Textsorte, Thema
Brigitta wird in diesem Auszug aus der gleichnamigen Novelle ausführlich beschrieben. Ihr Aussehen, ihr Charakter, ihre Beziehungen zu den anderen Familienmitgliedern werden thematisiert. Rahmen dieser Beschreibung stellt das Elternhaus da. Dieser Rahmen schafft eine häusliche Stimmung, die für die Epoche der Novelle und insbesondere für den Biedermeier kennzeichnend ist. Brigitta hat von Geburt an ein unvorteilhaftes Aussehen und wird mit der Zeit immer männlicher. Deshalb wenden sich die Menschen um sie herum, angefangen mit ihrer Mutter, von ihr ab. Sie lebt infolgedessen sehr einsam und zurückgezogen. Sie sucht in Büchern den zwischenmenschlichen Kontakt, der ihr fehlt und entwickelt darüber hinaus einen eigensinnigen Charakter, der Differenzen mit ihrem Vater hervorruft. Aus diesen Elementen ensteht eine Spannung zwischen Brigitta und ihrer Außenwelt. Aus diesem Grund wird im Nachstehenden untersucht, inwiefern das unschöne Aussehen von Brigitta zu verschiedenen Konflikten führt. Des Weiteren wird die Frage nach der tragischen Dimension dieser Konflikte gestellt.
Hauptteil
Inhaltsangabe
Wer? Wo? Wann? Was?
Interpretationshypothese
Der Textauszug lässt sich in vier Teile gliedern, die den größeren Abschnitten des Textes entsprechen. Diese Gliederung ist chronologisch konzipiert. Jeder größere Abschnitt beschreibt in diesem Sinne einen Lebensabschnitt von Brigitta. In den Zeilen 1 bis 25 wird ihre frühe Kindheit erläutert („Als es geboren ward“ Z.1), dann wird ihre Kindheit (Z.26-39) und schließlich
„ das Jungfrauenalter“ (Z.40) beschrieben.
Formale Analyse des Textes
Struktur: chronologische Struktur
Diese Struktur ist aber nicht rein chronologisch zu erfassen: Abschnitt für Abschnitt wird die Beschreibung durch weitere Elemente erweitert und es findet eine deutliche Steigerung im Konflikt mit der Außenwelt statt. Während sich der erste Teil hauptsächlich auf das Aussehen von Brigitta konzentriert, werden im zweiten Teil auch Elemente ihrer inneren Welt hinzugefügt („Sie mochte eine phantastische,verstümmelte Welt in ihr Herz hinein brüten.“ Z.35). Im dritten Teil wird die Außenwelt (Garten Z.46, „knechtliche Arbeit“ Z.44) miteinbezogen. Wie schon erwähnt, ist im Text auch eine Steigerung zu erkennen. Der Konflikt zwischen Brigitta und den anderen Mitgliedern der Familie kommt in den letzten Zeilen des Textes mit der körperlichen Bestrafung durch ihren Vater zum Äußersten (Z.53).
Erweiterung / Steigerung
Der allerletzte Absatz des Textes, der vierte Teil also, fungiert nach diesem Höhepunkt als Zusammenfassung über Brigittas Situation. Der Konflikt mit der Außenwelt und ihr innerer Konflikt werden kurz und bündig zusammengefasst.
Zusammenfassung
Stifter benutzt in der vorliegenden Textstelle den Gegensatz zwischen Licht, Helligkeit einerseits und Dunkelheit andererseits, um den Konflikt zwischen Brigitta und ihrer Außenwelt zu veranschaulichen. Während Brigittas Aussehen wiederholt als „verdürstet“ (Z.4), „schwarz“ (Z.10) oder „düster“ (Z.30) beschrieben wird, wird ihm der Prunk und die Helligkeit ihrer Umgebung gegenübergestellt („in dem schönen goldenen Prunkbettchen“ Z.3-4 „auf dem reichen Teppiche des Bodens“ Z.6-7 „die Vergoldung des Bettchen“ Z.13). Dadurch wirkt der Konflikt anschaulicher und übergreifender: Brigitta und ihre Außenwelt erscheinen als Entitäten, die vom Wesen her in Konflikt stehen.
Sprachmittel:
Gegensätze: düster und prunkvoll
Auffallend ist in der von Stifter verwendeten Sprache die Anhäufung von Negativsätzen. Der Autor fängt nämlich damit an, zu beschreiben, was Brigitta nicht ist („nicht als der schöne Engel“, Z.2-3 „nicht angenehm verdürsteten Gesichtchen“ Z.45). Darüber hinaus beschreibt er in erster Linie, was die anderen Familienmitglieder mit ihr nicht machen („tadelten das Kind nicht, lobten es nicht“ Z.7-8 „sah sie nicht“ Z.10 „sie nicht vermißte“ Z.33). Auf diese Weise entsteht ein eher indirektes Porträt von Brigitta, das unterstreicht, wie sehr sie die an sie gestellten Ansprüche nicht erfüllt.
Negativsätze
Dieses indirekte, negative Proträt von Brigitta wird durch das Motiv der Zerstückelung und des Chaos verstärkt, das im Text vor allem in der Wortwahl Stifters zu sehen ist. Am deutlichsten ist dieses Motiv in den Zeilen 32-35. In dieser Passage ist die Rede von den „durcheinandergeworfenen Büchern“ und den „zerrissenen Karten“, die sie sich abends anschaut. Diese Elemente werden in einen direkten Zusammenhang mit ihrem Innenleben gesetzt, indem der Autor in dem daraus folgenden Satz die fast einzige Aussage über ihre Innerlichkeit liefert. In diesem Satz ist die Rede von ihrer „verstümmelte[n] Welt“. Diese Verstümmelung findet man auch in der Art und Weise, wie Brigittas Aussehen beschrieben wird. Sehr oft, werden nur einzelne Körperteile, vor allem ihre Augen genannt (Z.11,13,17,31). Diese metonymische Beschreibung reduziert die Figur auf diesen Körperteil und macht die Zerrissenheit der Figur anschaulicher. Die formale Analyse des Textes hat gezeigt, dass das Motiv des Konflikts sich sowohl in der Struktur als auch in der Sprache des Auszugs niederschlägt. Im interpretierenden Teil dieser Arbeit wird dementsprechend auf dieses Motiv näher eingegangen und seine tragische Dimension untersucht.
Zerstückelung, Zerrissenheit
Es gibt keine einheitliche Theorie oder Definition vom Tragischen. In den allermeisten Theorien wird es allerdings als eine unausweichliche Diskrepanz zwischen dem, was ist und dem, was sein sollte, betrachtet. Diese soll bei dem Leser oder Zuschauer bestimmte Gefühle hervorrufen (z.B. „Furcht und Mitleid“ für Lessing). Sie wird je nach Auslegung des Begriffs in einem Fehler des Helden oder einem Konflikt verankert. Dieser Konflikt kann zwischen dem Helden und der Außenwelt bestehen oder ein innerer Konflikt sein. Wie oben schon untersucht, thematisiert der Auszug tatsächlich einen Konflikt.
Interpretation
Definition des Tragischen
Der zentrale Konflikt der vorliegenden Textstelle besteht im allgemeinen zwischen Brigitta und dem Rest ihrer Familie aber spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab. Es handelt sich zuerst um einen Konflikt zwischen Brigitta und ihrer Mutter. In den ersten Zeilen des Textes wird Brigitta aufgrund ihres unvorteilhaften Aussehens als Enttäuschung für ihre Mutter dargestellt. Brigitta ist nicht der „schöne Engel“, den ihre Mutter erwartet hat. Deshalb wendet sie sich früh vom Kind ab (Z.5-6) und ist nicht imstande das Kind zu lieben. Sie bevorzugt die anderen Geschwister (Z.10), ja sogar die schönen Engel auf dem Teppich (Z.6-7), auf die sie ihren Blick lieber richtet. Es entsteht zwischen Mutter und Kind eine unüberbrückbare Distanz, die Mitleid mit Brigitta hervorruft. Der Konflikt mit dem Vater ist lange nur latent. Am Ende des Textes eskaliert er jedoch und artet in körperliche Gewalt aus (Z.51-54). Spätestens zu diesem Zeitpunktbildet sich zwischen Brigitta und ihrem Vater eine Kluft, die nicht mehr wieder gut zu machen ist. Sogar die körperliche Gewalt kann Brigitta nicht dazu bringen, das zu machen, was der Vater von ihr verlangt („ging doch nicht hinüber, er hätte ihr tun können, was er wollte“ Z.53-54). Dieser Konflikt ruft seinerseits eher Furcht bei dem Leser vor.
Die verschiedenen Konflikte: mit dem Mutter, mit dem Vater
Doch bloße Konflikte mit den Eltern sind für sich keine tragischen Konflikte. Dafür muss der Konflikt unausweislich und im Wesen des Helden verankert sein. Im Text kann man zahlreiche Belege finden, die die These untermauern, es sei bei Brigitta der Fall. Zunächst kann man anmerken, dass die Konflikte aufgrund von ihrem Aussehen entstehen: das düstere, unvorteilhafte Aussehen ist dafür verantwortlich, dass sie von den anderen Menschen in ihrem Leben ignoriert oder zurückgewiesen wird. Dabei handelt es sich aber um eine Tatsache, die ihr nicht verschuldet ist und die sie nicht ändern kann. Der Ursprung ihres Konflikts und somit ihres Leidens ist also unausweislich und in ihrem Wesen, bzw. ihrem Aussehen verankert. Der Text zeigt darüber hinaus, dass Brigitta nicht nur mit Menschen in Konflikt steht, sondern mit ihrer ganzen Welt. Wie schon oben erläutert, die Düsternis ihres Wesens steht im krassen Gegensatz zu dem Prunk, dem Gold und der Helligkeit ihrer Umgebung. Dem Konflikt wird demzufolge eine tragische Dimension verliehen, weil er nicht nur persönlich, sondern allgemein und übergreifend ist. Die biblische Formulierung am Anfang des Textes (Z.1 „So war es mit dem Kinde Brigitta geschehen“) sowie der Bezug auf Engel und Dämonen (Z.3, Z.5), verstärken das Gefühl eines unabdingbaren Schicksals bei Brigitta, die dazu verdammt ist, von keinem Menschen geliebt zu werden und einsam zu leben. In diesem Sinne kann man von einem tragischen Konflikt sprechen. Das Mitleid und die Furcht, die der Leser beim Lesen empfindet, können als Auswirkungen des Tragischen gedeutet werden.
Die tragische Dimension des Konflikts
In der Tradition des Tragischen besteht ein Konflikt entweder zwischen dem Helden und der Außenwelt oder ganz in der Innenwelt des Helden, wobei die zweite Variante ab der Moderne typischer ist. Hier haben wir es mit einem Konflikt zwischen dem Helden und der Außenwelt zu tun, der sich aber durchaus auch zum inneren Konflikt entwickelt. Der letzte Absatz des Textes zeigt uns diese innere Dimension. Da heißt es nämlich, dass es nicht nur keinen anderen Menschen gibt, der Brigittas schöne Seele erkennen und sie von ihrem lieblosen Schicksal retten könnte, sondern auch dass sie selbst nicht imstande ist, dies zu sehen. Die Unmöglichkeit, sich selbst zu lieben, führt bei der Figur zur einer inneren Zerrissenheit, die typisch für den tragischen Helden ist. In diesem Textauszug ist diese innere Zerrissenheit allerdings noch unterschwellig. Sie ist in der Tatsache zu erkennen, dass Brigitta es mag, eine „phantastisch, verstümmelte Welt“ (Z.35) zu pflegen. Hier ist interessant anzumerken, dass nicht nur Brigitta unter einem inneren Konflikt leidet, sondern gewissermaßen auch ihre Mutter. Während diese am Anfang des Textes als lieblose Mutter dargestellt wird, entsteht im Laufe des Textes bei ihr eine „verspätete Liebe“ (Z.19), die von ihrer Tochter nun nicht erwidert wird. Liebe und Bitterkeit (Z.22) vermischen sich dann bei der Mutter und stellen zumindest eine mögliche Grundlage für einen inneren Konflikt, der im Auszug dennoch nicht näher erläutert wird.
Der innere Konflikt: Brigitta, die Mutter
In dieser Arbeit wurde untersucht, inwiefern die Konflikte der Figuren als tragisch bezeichnet werden können. Brigittas Konflikte mit ihrer Familie, ihrer Umgebung und sich selbst haben eine allgemeine, aunausweichliche Dimension, die durchaus als tragisch zu deuten ist. Der Ursprung ihrer Konflikte sind in ihrem Wesen verankert, so dass sie diese nicht überwinden kann. Der Leser empfindet Furcht, Mitleid und spürt, wie bei einer Tragödie, die Ohnmacht von Brigitta hinsichtlich ihres Schicksals.
#interpretieren#kurzgeschichte#tragödie
Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!
Jetzt freischalten
Infos zu SchulLV PLUS
Ich habe bereits einen Zugang
Zugangscode einlösen
Login
Folge uns auf
SchulLV als App