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Teil B

Aufgaben
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Vergleichende Textinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Material:
Eduard von Keyserling: Wellen (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
$\;$
Vergleiche die beiden Frauenfiguren Brigitta und Doralice unter ausgewählten Aspekten.
#vergleichen
Material - Eduard von Keyserling Wellen (Textauszug)
$\;$
Lesehinweis: Die Gräfin Doralice Köhne-Jasky lebt zusammen mit dem Maler Hans Grill im Hause eines Fischers an der Ostseeküste.
Zweites Kapitel
$\;$
Der Morgen dämmerte, als Doralice erwachte. So war es jetzt immer: wenn sie sich niederlegte, schlief sie schnell und tief ein, aber lange vor Sonnenaufgang erwachte sie, und es war mit dem
3
Schlaf zu Ende. Dann lag sie da, die Arme erhoben, die Hände auf ihrem Scheitel gefaltet, die Augen weit offen, und schaute der graublauen Helligkeit zu, wie sie durch die weiß und rot gestreiften Gardinen in das Zimmer drang, den Waschtisch, die beiden plumpen Stühle,
6
den großen gelben Holzschrank aus der Dämmerung herausschälte, das Zimmer erhellte, ohne es zu beleben, gleichsam ohne es zu wecken. Und dieses Zimmer, klein wie eine Schiffskabine, erschien Doralice als etwas ganz und gar nicht zu ihr Gehöriges. Sie lag da wohl in dem schmalen
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Bett unter der häßlichen rosa Kattundecke, aber sie hatte nicht die Empfindung, als sei dieses die Wirklichkeit, wirklich für sie war noch die Welt des Traums, aus der sie eben emportauchte. Jede Nacht führte er sie in ihr früheres Leben zurück, jede Nacht mußte sie ihr früheres Leben
12
weiterleben. Am besten war es noch, wenn sie sich in dem alten Heimathause ihrer frühen Jugend, dort in der kleinen Provinzstadt befand. Ihre Mutter lag wieder auf der Couchette1, hatte Migräne und eine Kompresse von Kölnischem Wasser auf der Stirn. Sie hörte wieder die klagende
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Stimme: »Mein Kind, wenn du verheiratet sein wirst und ich nicht mehr sein werde, dann wirst du an das, was ich dir gesagt habe, oft zurückdenken.« Und dieses Wort »wenn du verheiratet sein wirst«, das in den Gesprächen ihrer Mutter immer wiederkehrte, gab Doralice wieder das
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angenehme, geheimnisvolle Erwartungsgefühl. Draußen der schattenlose Garten lag gelb vom Sonnenschein da, die langen Reihen der Johannisbeerbüsche, das Beet mit den Chrysanthemen, die fast keine Blätter und stark geschwollene bronzefarbene Herzen hatten. Auf der Gartenbank
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schlummerte Miß Plummers. Das gute alte Gesicht rötete sich in der Mittagshitze. Doralice ging unruhig in Kieswegen auf und ab, das eintönige sommerliche Surren um sie her kam ihr wie die Stimme der Einsamkeit und der Ereignislosigkeit vor. Aber gerade hier in dem alten Garten fühlte
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sie es stets am deutlichsten, daß dort jenseits des Gartenzaunes eine schöne Welt der Ereignisse auf sie wartete. Sie fühlte es körperlich als seltsame Unruhe in ihrem Blut, sie hörte es fast, wie wir das Stimmengewirre eines Festes hören, vor dessen verschlossenen Türen wir stehen. Nun und
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dann war diese Welt gekommen, in Gestalt des Grafen Köhne-Jasky, des hübschen älteren Herrn, der so stark nach new mown hay2 roch, Doralice so verblüffende Komplimente machte und so unterhaltende Geschichten erzählte, in denen stets kostbare Sachen und schöne Gegenden
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vorkamen. Daß Doralice eines Tages ihr weißes Kleid mit der rosa Schärpe anzog, daß ihre Mutter sie weinend umarmte und der kleine kohlschwarze Schnurrbart des Grafen sich in einem Kusse auf ihre Stirn drückte, war etwas, das selbstverständlich notwendig war, etwas, auf das Mutter
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und Tochter ihr bisheriges Leben über gewartet zu haben schienen.
Am häufigsten aber befand Doralice sich im Traum in dem großen Salon der Dresdner Gesandtschaft. Immer lag dann ein winterliches Nachmittagslicht auf dem blanken Parkett. In den
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süßen Duft der Hyazinthen, die in den Fenstern standen, mischten die großen Ölbilder an der Wand einen leichten Terpentingeruch. Von der anderen Seite des Saals kam ihr ihr Gemahl entgegen, sehr schlank in seinen schwarzen Rock geknüpft, die Bartkommas auf der Oberlippe
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hinaufgestrichen. Ein wenig zu zierlich, aber hübsch sah er aus, wie er so auf sie zukam, die glatte weiße Stirn, die regelmäßige Nase, die langen Augenwimpern. Allein der Traum spielte ein seltsames Spiel, je näher der Graf kam, um so älter wurde dies Gesicht, es welkte, es verwitterte
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zusehends. Er legte den Arm um Doralicens Taille, nahm ihre Hand und küßte sie. »Charmant, charmant«, sagte er, »wieder eine reizende Aufmerksamkeit. Wir haben unsere Ausfahrt aufgegeben, weil wir wußten, daß der Gemahl heut nachmittag ein Stündchen frei hat. Da wollen
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wir ihm Gesellschaft leisten und ihm selbst den Tee machen. Gute Ehefrauen habe ich schon genug gesehen, Gott sei Dank, es gibt noch welche, aber ma petite comtesse3 ist eine raffinierte Künstlerin in Ehedelikatessen.« Doralice schwieg und preßte ihre Lippen fest aufeinander und
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hatte das unangenehm beengende Gefühl, erzogen zu werden. Natürlich hatte sie ausfahren wollen, natürlich hatte sie gar nicht gewußt, daß der Gemahl heute eine Stunde frei hatte, und hatte auch gar nicht die Absicht gehabt, ihm Gesellschaft zu leisten. Allein, das war seine
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Erziehungsmethode, er tat, als sei Doralice so, wie er sie wollte. Er lobte sie beständig für das, was er doch erst in sie hineinlegen wollte; er zwang ihr gleichsam eine Doralice nach seinem Sinne auf, indem er tat, als sei sie schon da. [ … ] Und so war es in allen Dingen, diese ihr aufge-
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zwungene fremde Doralice tyrannisierte sie, schüchterte sie ein, beengte sie wie ein Kleid, das nicht für sie gemacht war. Was half es, daß das Leben um sie her oft hübsch und bunt war, daß die schöne Gräfin Jasky4 gefeiert wurde, es war ja nicht sie, die das alles genießen durfte, es war
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stets diese unangenehme petite comtesse, die so sensibel und so reserviert war und ihrem Gemahl gegenüber immer recht hatte. Wie eine unerbittliche Gouvernante begleitete sie sie und verleidete ihr alles.
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Als der Graf Köhne5 seinen Abschied nahm, als er, wie er es nannte, gestürzt wurde, und sich gekränkt und schmollend auf sein einsames Schloß zurückzog, um sich fortan damit zu beschäftigen, die Geschichte der Köhne-Jaskys zu schreiben und melancholisch zu altern,
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da war es eine neue Doralice, die Doralice dort auf dem alten Schlosse erwartete. »Ah, ma petite chätelaine6 ist hier endlich in ihrem wahren Elemente, stille, ruhige, etwas verträumte Beschäftigungen, der wohltätige Engel des Gemahls und des Gutes, das hat uns gefehlt. « Und
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der stille wohltätige Engel, der sie nun plötzlich war, drückte auf Doralice wie ein bleiernes Gewand.
Da kam Hans Grill ins Schloß, um Doralice zu malen, Hans mit seinem lauten Lachen und seinen
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knabenhaft unbesonnenen Bewegungen und seiner unbesonnenen Art, noch alles, was ihm durch den Kopf ging, unvermittelt und eifrig auszusprechen. [ … ] Doralice hörte ihm anfangs neugierig zu, es war ihr neu, daß jemand so sorglos sein innerstes Wesen heraussprudelte. [ … ]


1Couchette: Art Pritsche, einfaches Bett
2new mown hay: hier für frisches Heu
3ma petite comtesse: meine kleine Gräfin
4Gräfin Jasky: hier für Gräfin Doralice Köhne-Jasky
5Graf Köhne: hier für Graf Köhne-Jasky
6ma petite chätelaine: meine kleine Schlossherrin
(e 1911)
Eduard von Keyserling: Abendliche Häuser.
Ausgewählte Erzählungen.
Berlin (Rütten & Loening) 1986.
#romanauszug#roman
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Vergleichende Textinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Material:
Eduard von Keyserling: Wellen (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
$\;$
Vergleiche die beiden Frauenfiguren Brigitta und Doralice unter ausgewählten Aspekten.
Hier sollst du die beiden Frauenfiguren Brigitta und Doralice vergleichen. Dabei musst du dich für „ausgewählte Aspekte“ entscheiden. Deinen Text wirst du folgendermaßen gliedern:
Einleitung - Hauptteil - Schluss.
- Bei dieser Aufgabe musst du dich auf deine Interpretation des Textes zum Prüfungsteil A stützen. Lies den Text zum Prüfungsteil A und deine Interpretation noch einmal durch und mach dir Notizen über die Figur von Brigitta.
- Dann sollst du den Text zum Prüfungsteil B lesen, indem du dich auf die Figur von Doralice konzentrierst. Markiere dir die Elemente zu der Figur von Doralice. Wichtig ist, dass du dich jedes Mal fragst, ob sich die zwei Figuren in dieser Hinsicht ähneln oder unterscheiden.
- In der Aufgabenstellung wird von dir erwartet, dass du in deinem Vergleich „ausgewählte Aspekte“ untersuchst. Es empfiehlt sich hier maximal 3 Aspekte auszusuchen, damit dein Text übersichtlich bleibt. Die verschiedenen Aspekte werden die Bausteine deines Hauptteils darstellen. Versuche hier eine logische Reihenfolge für diese Aspekte zu finden. Für jeden Aspekt musst du die Situtation jeder Figur kurz erläutern und dann auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede eingehen.
Hauppteil:
  • Aspekt 1 nennen
    • Aspekt bei Brigitta
    • Aspekt bei Doralice
    • Gemeinsamkeiten oder Unterschiede
  • Aspekt 2 nennen
    • Aspekt bei Brigitta
    • Aspekt bei Doralice
    • Gemeinsamkeiten oder Unterschiede
- im Schluss musst du kurz die Ergebnisse deines Vergleichs zusammenfassen.
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Vergleichende Textinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Material:
Eduard von Keyserling: Wellen (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
$\;$
Vergleiche die beiden Frauenfiguren Brigitta und Doralice unter ausgewählten Aspekten.
Tipp
Hier sollst du die beiden Frauenfiguren Brigitta und Doralice vergleichen. Dabei musst du dich für „ausgewählte Aspekte“ entscheiden. Deinen Text wirst du folgendermaßen gliedern:
Einleitung - Hauptteil - Schluss.
- Bei dieser Aufgabe musst du dich auf deine Interpretation des Textes zum Prüfungsteil A stützen. Lies den Text zum Prüfungsteil A und deine Interpretation noch einmal durch und mach dir Notizen über die Figur von Brigitta.
- Dann sollst du den Text zum Prüfungsteil B lesen, indem du dich auf die Figur von Doralice konzentrierst. Markiere dir die Elemente zu der Figur von Doralice. Wichtig ist, dass du dich jedes Mal fragst, ob sich die zwei Figuren in dieser Hinsicht ähneln oder unterscheiden.
- In der Aufgabenstellung wird von dir erwartet, dass du in deinem Vergleich „ausgewählte Aspekte“ untersuchst. Es empfiehlt sich hier maximal 3 Aspekte auszusuchen, damit dein Text übersichtlich bleibt. Die verschiedenen Aspekte werden die Bausteine deines Hauptteils darstellen. Versuche hier eine logische Reihenfolge für diese Aspekte zu finden. Für jeden Aspekt musst du die Situtation jeder Figur kurz erläutern und dann auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede eingehen.
Hauppteil:
  • Aspekt 1 nennen
    • Aspekt bei Brigitta
    • Aspekt bei Doralice
    • Gemeinsamkeiten oder Unterschiede
  • Aspekt 2 nennen
    • Aspekt bei Brigitta
    • Aspekt bei Doralice
    • Gemeinsamkeiten oder Unterschiede
- im Schluss musst du kurz die Ergebnisse deines Vergleichs zusammenfassen.
Tipp
Hier sollst du die beiden Frauenfiguren Brigitta und Doralice vergleichen. Dabei musst du dich für „ausgewählte Aspekte“ entscheiden. Deinen Text wirst du folgendermaßen gliedern:
Einleitung - Hauptteil - Schluss.
- Bei dieser Aufgabe musst du dich auf deine Interpretation des Textes zum Prüfungsteil A stützen. Lies den Text zum Prüfungsteil A und deine Interpretation noch einmal durch und mach dir Notizen über die Figur von Brigitta.
- Dann sollst du den Text zum Prüfungsteil B lesen, indem du dich auf die Figur von Doralice konzentrierst. Markiere dir die Elemente zu der Figur von Doralice. Wichtig ist, dass du dich jedes Mal fragst, ob sich die zwei Figuren in dieser Hinsicht ähneln oder unterscheiden.
- In der Aufgabenstellung wird von dir erwartet, dass du in deinem Vergleich „ausgewählte Aspekte“ untersuchst. Es empfiehlt sich hier maximal 3 Aspekte auszusuchen, damit dein Text übersichtlich bleibt. Die verschiedenen Aspekte werden die Bausteine deines Hauptteils darstellen. Versuche hier eine logische Reihenfolge für diese Aspekte zu finden. Für jeden Aspekt musst du die Situtation jeder Figur kurz erläutern und dann auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede eingehen.
Hauppteil:
  • Aspekt 1 nennen
    • Aspekt bei Brigitta
    • Aspekt bei Doralice
    • Gemeinsamkeiten oder Unterschiede
  • Aspekt 2 nennen
    • Aspekt bei Brigitta
    • Aspekt bei Doralice
    • Gemeinsamkeiten oder Unterschiede
- im Schluss musst du kurz die Ergebnisse deines Vergleichs zusammenfassen.
Die vorliegenden Texte von Adalbert Stifter und Eduard von Keyserling fokussieren sich beide jeweils auf eine zentrale Frauenfigur: Brigitta bei Stifter und Doralice bei von Keyserling. Im Nachstehenden werden diese Frauenfiguren unter 3 Aspekten verglichen. Zunächst wird auf die Beziehung zur Mutterfigur und danach auf die Rolle der Männerfiguren eingegangen. Schließlich wird untersucht, welche Auswirkungen das Gefühl, nicht gehörig zu sein, auf beide Figuren hat.
In beiden Texten werden die Mutterfiguren und deren Beziehungen mit den Zentralfiguren thematisiert. Brigittas Mutter wendet sich schon sehr früh von ihr ab (Z.8) und ist nicht fähig, eine liebevolle Beziehung zu ihr aufzubauen. Im Gegenzug erwidert Brigitta nicht die „verspätete“ Liebe (Z.19), die die Mutter spürt, als sie heranwächst. Es entsteht zwischen Kind und Elternteil eine Kluft, die nicht mehr wieder gut zu machen ist. Die Beziehung zwischen Doralice und ihrer Mutter ist auch nicht innig. Dennoch verbindet Mutter und Tochter eine Gemeinsamkeit: die Hoffnung auf eine Heirat. Die Worte der Mutter über Heirat erwecken bei Doralice positive Gefühle („das angenehme, geheimnisvolle Erwartungsgefühl“ Z. 18) und die Heirat selbst wird als ein Ereignis dargestellt, bei dem Mutter und Tochter sich nahe und verbunden fühlen („etwas, auf das Mutter und Tochter ihr bisheriges Leben über gewartet zu haben schienen“ Z. 32-33). Bei Doralice also kann man den Willen beobachten, den Hoffnungen der Mutter zu erfüllen, indem sie ihre Heirat zu ihrem eigenen großen Wunsch macht. Der Trotz als zentraler Charakterzug von Brigitta verhindert wiedrum eine solche Annäherung von Mutter und Tochter. Während dadurch eine unüberbrückbare Distanz zwischen den Figuren hervorgerufen wird, ermöglicht die Fügsamkeit von Doralice das Entstehen von Gemeinsamkeiten und Nähe.
Hauptteil
Aspekt 1: Mutter
Brigitta: der Trotz> unüberbrückbare Distanz
Doralice: die Fügsamkeit> mögliche Annäherung
Bei Brigitta ist der Vater die zentrale Männerfigur. Lange ignoriert er seine Tochter, wobei deren Beziehung sich im Laufe der Zeit verschlechtert. Eines Tages geht er sogar so weit, sie köperlich zu bestrafen (Z.52). Hier wieder schafft Brigittas trotzige Verhalten eine unüberbrückbare Distanz zwischen Elternteil und Kind: Die körperliche Bestrafung reicht nicht aus, damit Brigitta, sich fügt und das macht, was von ihr verlangt wird (Z.54).
Aspekt 2: Männerfiguren:
Brigitta: die Vaterfigur
In von Keyerlings Text ist die Vaterfigur abwesend. Die zentrale Männerfigur ist der Ehemann von Doralice. Ihr gegenüber verhält er sich aber wie ein Vater, da er versucht, sie zu erziehen („Allein, das war seine Erziehungsmethode“ Z.50-51). Hier wieder erweist sich Doralice als fügsamer als Brigitta. Sie gehorcht ihrem Mann und ändert sich auch („er zwang ihr gleichsam eine Doralice nach seinem Sinne auf“ Z.52; „diese ihr aufgezwungene fremde Doralice“ Z.53-54), um sich seinen Wünschen anzupassen.
Doralice: der Ehemann als Erzieher
Im Textauszug über Brigitta wird die Figur des Ehemanns im letzten Absatz des Textes nur indirekt erwähnt. In diesem Absatz geht es darum, dass es zu diesem Zeitpunkt in der Erzählung noch keinen Menschen gibt, der die innere Schönheit von Brigitta sehen kann (Z.55-57). Hier wird aber eine Erwartung im Leser erweckt, nämlich dass irgendwann ein Mann kommt und Brigitta rettet. In diesem Sinne wäre die Figur des Ehemanns als Erlöser zu sehen. Doralicens Geschichte zeigt aber, dass diese Hoffnung wahrscheinlich verfehlen wird. In der Tat ist Doralice mit ihrem Ehemann nicht glücklich: Sie fühlt sich mindestens genauso einsam und isoliert wie Brigitta in ihrem Elternhaus. Es muss für Doralice noch ein Mann kommen (Hans Grill Z.68), damit sich eine mögliche Verbesserung abzeichnet.
Der Ehemann als Erlöser?
Sowohl Brigitta als auch Doralice passen in ihre jeweiligen Umgebung nicht hinein. Während in Stifters Text der Unterschied zwischen der düsteren Gestalt von Brigitta und dem Prunk ihrer Umgebung mehrmals wiederholt wird, kann man bei von Keyserling klar und deutlich lesen, dass sich Doralicens Umgebung für sie wie „etwas ganz und gar nicht zu ihr Gehöriges“ (Z.8) anfühlt.
Aspekt 3 Das Gefühl nicht gehörig zu sein
Das Gefühl, zu der eigenen Umgebung nicht gehörig zu sein, beeinflusst den Umgang der beiden Figuren mit der Wirklichkeit. Beide Frauen versuchen der Wirklichkeit zu entweichen: Während Brigitta es mag, eine „phantastische, verstümmelte Welt in ihr Herz hinein [zu] brüten“ (Z.36), flüchtet Doralice in die Welt des Traums und der Vergangenheit (Z.9-10).
Die Flucht: phantastische Welt oder Traum
Das Verhalten von beiden Frauen zeigt auch, dass sie aus ihrem Leben ausbrechen wollen. Im Gegensatz zu ihren Schwestern, die sehr ruhig und häuslich sind, bevorzugt Brigitta zum Beispiel den Garten und die körperliche Arbeit (Z.41-45). Das Motiv des Gartens befindet sich auch in von Keyserlings Text. In dem Garten, vor dem Gartenzaun, fühlt sich Doralice am meisten eingesperrt, weil die Aussicht auf ein spannenderes Leben ihr dort am deutlichsten wird (Z. 24-25). Diese Spannung zwischen der eigenen Welt und einer möglichen Außenwelt gehört zum Wesen der Figuren. Doralice fühlt es sogar „körperlich als seltsame Unruhe in ihrem Blut“ (Z.25). Letztendlich führt es bei beiden Figuren zu einer Selbstentfremdung. Brigitta ist unfähig, ihre eigene Schönheit zu erkennen und sich selbst zu lieben. Doralice empfindet die Doralice, die von ihrem Mann gestaltet wurde, als ein Engel, der auf sie „wie ein bleiernes Gewand“ (Z.66) drückt.
Der Wille auszubrechen
Die innere Spannung und die Selbstentfremdung
Zusammenfassend kann man sagen, dass sich beide Frauenfiguren in einer ähnlichen Lage befinden. Dadurch, dass sie in ihre jeweilige Umgebung nicht ganz hineinpassen, werden sie von sich selbst entfremdet. Während der Trotz und die Weigerung, sich zu fügen, diesen Vorgang bei Brigitta vorantreiben, ist es bei Doralice die Bereitschaft, sich zu fügen und für andere zu ändern, die als Motor der Selbstentfremdung fungiert. Die Situation bei Brigitta erscheint als tragisch, weil sie unausweichlich ist. Bei Doralice werden jedoch verschiedene Auswege (zuerst der Ehemann und dann auch Hans Grill) erwähnt, die eine mögliche Verbesserung ihres Schicksals andeuten.
#kurzgeschichte#vergleichen#romanauszug
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