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Teil A

Aufgaben
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Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Material:
Friedrich Schiller (1759-1805): Die Räuber. Schauspiel in fünf Akten. Erster Akt, Erste Szene (Szenenauszug)
$\blacktriangleright\;$Aufgabenstellung:
$\;$
Interpretiere den Szenenauszug aus Friedrich Schillers „Die Räuber“. Gehe dabei auch auf die Anlage des tragischen Geschehens ein.
#schiller#interpretieren#drama#tragödie
Material - Friedrich Schiller (1759-1805): Die Räuber. Schauspiel in fünf Akten. Erster Akt, Erste Szene (Szenenauszug)
$\;$
Lesehinweis: Der vorliegende Szenenauszug ist der letzte Teil eines Gesprächs zwischen dem
Grafen Moor und seinem jüngeren Sohn Franz über den abwesenden älteren Bruder Karl,
der in Leipzig studiert.
$\;$
[…]
$\;$
FRANZ: Nun sagt mir einmal - Wenn Ihr diesen Sohn nicht den Euren nennen müßtet, Ihr wärt ein glücklicher Mann?
3
DER ALTE MOOR: Stille, o stille! da ihn die Wehmutter mir brachte, hub ich ihn gen Himmel und rief: ,,Bin ich nicht ein glücklicher Mann?"
FRANZ: Das sagtet Ihr. Nun, habt lhr's gefunden? Ihr beneidet den schlechtesten Eurer Bauren,
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daß er nicht Vater ist zu diesem - Ihr habt Kummer, solang Ihr diesen Sohn, habt. Dieser Kummer wird wachsen mit Karln. Dieser Kummer wird Euer Leben untergraben.
DER ALTE MOOR: Oh! er hat mich zu einem achtzigjährigen Manne gemacht.
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FRANZ: Nun also - wenn Ihr dieses Sohnes Euch entäußertet?
DER ALTE MOOR auffahrend: Franz! Franz! was sagst du?
FRANZ: Ist es nicht diese Liebe zu ihm die Euch all den Gram macht? Ohne diese Liebe ist er
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für Euch nicht da. Ohne diese strafbare, diese verdammliche Liebe ist er Euch gestorben - ist er Euch nie geboren. Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen. Liebt Ihr ihn nicht mehr, so ist diese Abart auch Euer Sohn nicht mehr, und wäre er aus Eurem Fleische
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geschnitten. Er ist Euer Augapfel gewesen bisher, nun aber, ärgert dich dein Auge, sagt die Schrift1, so reiß es aus. Es ist besser, einäugig gen Himmel, als mit zwei Augen in die Hölle. Es ist besser, kinderlos gen Himmel, als wenn beide, Vater und Sohn, in die Hölle fahren. So spricht die
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Gottheit!
DER ALTE MOOR: Du willst, ich soll meinen Sohn verfluchen?
FRANZ: Nicht doch! nicht doch! - Euren Sohn sollt Ihr nicht verfluchen. Was heißt Ihr Euren Sohn?
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- dem Ihr das Leben gegeben habt, wenn er sich auch alle ersinnliche Mühe gibt, das Eurige zu verkürzen?
DER ALTE MOOR: Oh, das ist allzuwahr! das ist ein Gericht über mich. Der Herr2 hat's ihm
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geheißen!
FRANZ: Seht lhr's, wie kindlich Euer Busenkind an Euch handelt? Durch Eure väterliche Teilnehmung erwürgt er Euch, mordet Euch durch Eure Liebe, hat Euer Vaterherz selbst
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bestochen, Euch den Garaus zu machen. Seid Ihr einmal nicht mehr, so ist er Herr Eurer Güter, König seiner Triebe. Der Damm ist weg, und der Strom seiner Lüste kann itzt freier dahin brausen. Denkt Euch einmal an seine Stelle! Wie oft muß er den Vater unter die Erde wünschen - wie oft
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den Bruder - die ihm im Lauf seiner Exzesse so unbarmherzig im Weg stehen? Ist das aber Liebe gegen Liebe? Ist das kindliche Dankbarkeit gegen väterliche Milde? Wenn er dem geilen Kitzel eines Augenblicks zehn Jahre Eures Lebens aufopfert? wenn er den Ruhm seiner Väter, der sich
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schon sieben Jahrhunderte unbefleckt erhalten hat, in einer wollüstigen Minute aufs Spiel setzt? Heißt Ihr das Euren Sohn? Antwortet! heißt Ihr das einen Sohn?
DER ALTE MOOR: Ein unzärtliches Kind! ach! aber mein Kind doch! mein Kind doch!
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FRANZ: Ein allerliebstes, köstliches Kind, dessen ewiges Studium ist, keinen Vater zu haben - 0 daß lhr's begreifen lerntet! daß Euch die Schuppen fielen vom Auge! aber Eure Nachsicht muß ihn in seinen Liederlichkeiten befestigen; Euer Vorschub ihnen Rechtmäßigkeit geben. Ihr werdet
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freilich den Fluch von seinem Haupte laden, auf Euch, Vater, auf Euch wird der Fluch der Verdammnis fallen.
DER ALTE MOOR: Gerecht! sehr gerecht! -Mein, mein ist alle Schuld!
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FRANZ: Wie viele Tausende, die voll gesoffen haben vom Becher der Wollust, sind durch Leiden gebessert worden!Und ist nicht der körperliche Schmerz, der jedes Übermaß begleitet, ein Fingerzeig des göttlichen Willens? Sollte ihn der Mensch durch seine grausame Zärtlichkeit
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verkehren? Soll der Vater das ihm anvertraute Pfand auf ewig zugrund richten? - Bedenkt, Vater, wenn Ihr ihn seinem Elend auf einige Zeit preisgeben werdet, wird er nicht entweder umkehren müssen und sich bessern? Oder er wird auch in der großen Schule des Elends ein Schurke
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bleiben, und dann - wehe dem Vater, der die Ratschlüsse einer höheren Weisheit durch Verzärtlung zernichtet! -Nun, Vater?
DER ALTE MOOR: Ich will ihm schreiben, daß ich meine Hand von ihm wende.
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FRANZ: Da tut Ihr recht und klug daran.
DER ALTE MOOR: Daß er nimmer vor meine Augen komme.
FRANZ: Das wird eine heilsame Wirkung tun.
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DER ALTE MOOR zärtlich: Bis er anders worden!
FRANZ: Schon recht, schon recht - Aber, wenn er nun kommt mit der Larve des Heuchlers, Euer Mitleid erweint, Eure Vergebung sich erschmeichelt, und morgen hingeht und Eurer Schwachheit
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spottet im Arm seiner Huren? - Nein, Vater! Er wird freiwillig wiederkehren, wenn ihn sein Gewissen reingesprochen hat.
DER ALTE MOOR: So will ich ihm das auf der Stelle schreiben.
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FRANZ: Halt! noch ein Wort, Vater! Eure Entrüstung, fürchte ich, möchte Euch zu harte Worte in die Feder werfen, die ihm das Herz zerspalten würden - und dann - glaubt Ihr nicht, daß er das schon für Verzeihung nehmen werde, wenn Ihr ihn noch eines eigenhändigen Schreibens wert
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haltet? Darum wird's besser sein! Ihr überlaßt das Schreiben mir.
DER ALTE MOOR: Tu das, mein Sohn. - Ach! es hätte mir doch das Herz gebrochen!
Schreib ihm --
66
FRANZ schnell: Dabei bleibt's also?
DER ALTE MOOR: Schreib ihm, daß ich tausend blutige Tränen, tausend schlaflose Nächte
- Aber bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung.
69
FRANZ: Wollt Ihr Euch nicht zu Bette legen, Vater? Es griff Euch hart an.
DER ALTE MOOR: Schreib ihm, daß die väterliche Brust - Ich sage dir, bring meinen Sohn nicht zur Verzweiflung. Geht traurig ab.
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FRANZ mit Lachen ihm nachsehend: Tröste dich, Alter, du wirst ihn nimmer an diese Brust drücken, der Weg dazu ist ihm verrammelt, wie der Himmel der Hölle - Er war aus deinen Armen gerissen, eh du wußtest, daß du es wollen könntest - da müßt ich ein erbärmlicher Stümper sein,
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wenn ich's nicht einmal so weit gebracht hätte, einen Sohn vom Herzen des Vaters loszulösen, und wenn er mit ehernen Banden daran geklammert wäre. - Ich hab einen magischen Kreis von Flüchen um dich gezogen, den er nicht überspringen soll - Glück zu, Franz! Weg ist das
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Schoßkind - Der Wald ist heller. Ich muß diese Papiere vollends aufheben, wie leicht könnte jemand meine Handschrift kennen? Er liest die zerrissenen Briefstücke zusammen. - Und Gram wird auch den Alten bald fortschaffen - [ … ]

1 Schrift - hier für Bibel
2 Herr - hier für Gott
(e1871)
Aus: Friedrich Schiller Werke in fünf Bänden. Zweiter Band.
Berlin und Weimar (Aufbau-Verlag) 1978.
#tragödie#schiller#sturmunddrang#drama
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Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Material:
Friedrich Schiller (1759-1805): Die Räuber. Schauspiel in fünf Akten. Erster Akt, Erste Szene (Szenenauszug)
$\blacktriangleright\;$Aufgabenstellung:
$\;$
Interpretiere den Szenenauszug aus Friedrich Schillers „Die Räuber“. Gehe dabei auch auf die Anlage des tragischen Geschehens ein.
Bei der Texttinterpretation wird von dir verlangt, dass du einerseits Inhalt und Form des Auszugs genau analysierst und andererseits es auf dieser Grundlage interpretierst. „Interpretieren“ heißt, dass du den Text auslegst. Dieses Verfahren ist im Grunde subjektiv, so dass verschiedene Auslegungen möglich sind. Es geht also für dich nicht darum, die einzig wahre Interpretation zu liefern, sondern eine fundierte Interpretationshypothese zu erarbeiten und sie dann zu belegen und begründen. Die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Interpretation eingehen musst: hier handelt es sich um
  • Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Epoche, Hauptaussage, formale Merkmale.
    • > Aus dieser Analyse wirst du die Elemente herausarbeiten müssen, die als Grundlage für deine Interpretationshypothese und Interpretation fungieren werden.
  • Dann musst du deine Ergebnisse organisieren, um eine Gliederung erstellen zu können.
    • > Grundsätzich muss deine Interpretation folgende Teile aufweisen:
      Einleitung - Hauptteil - Schluss.
  • Jeder Unterteil deiner Arbeit soll folgende Bestandteile beinhalten:
    • > Einleitung: Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Gattung, Hauptaussage, Einordnung in die Epoche.
      > Hauptteil: vier Unterteile: kurze Inhaltsangabe, Formulierung der Interpretationshypothese, formale Analyse, eigentliche Interpretation.
      > Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Fazit über die Interpretationshypothese.
  • Da du es hier mit einem Auszug aus einem Theaterstück zu tun hast, musst du auf bestimmte Elemente achtgeben: die Figuren, die Verteilung der Redezeit, die Bühnenanweisungen…
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Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Material:
Friedrich Schiller (1759-1805): Die Räuber. Schauspiel in fünf Akten. Erster Akt, Erste Szene (Szenenauszug)
$\blacktriangleright\;$Aufgabenstellung:
$\;$
Interpretiere den Szenenauszug aus Friedrich Schillers „Die Räuber“. Gehe dabei auch auf die Anlage des tragischen Geschehens ein.
Tipp
Bei der Texttinterpretation wird von dir verlangt, dass du einerseits Inhalt und Form des Auszugs genau analysierst und andererseits es auf dieser Grundlage interpretierst. „Interpretieren“ heißt, dass du den Text auslegst. Dieses Verfahren ist im Grunde subjektiv, so dass verschiedene Auslegungen möglich sind. Es geht also für dich nicht darum, die einzig wahre Interpretation zu liefern, sondern eine fundierte Interpretationshypothese zu erarbeiten und sie dann zu belegen und begründen. Die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Interpretation eingehen musst: hier handelt es sich um
  • Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Epoche, Hauptaussage, formale Merkmale.
    • > Aus dieser Analyse wirst du die Elemente herausarbeiten müssen, die als Grundlage für deine Interpretationshypothese und Interpretation fungieren werden.
  • Dann musst du deine Ergebnisse organisieren, um eine Gliederung erstellen zu können.
    • > Grundsätzich muss deine Interpretation folgende Teile aufweisen:
      Einleitung - Hauptteil - Schluss.
  • Jeder Unterteil deiner Arbeit soll folgende Bestandteile beinhalten:
    • > Einleitung: Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Gattung, Hauptaussage, Einordnung in die Epoche.
      > Hauptteil: vier Unterteile: kurze Inhaltsangabe, Formulierung der Interpretationshypothese, formale Analyse, eigentliche Interpretation.
      > Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Fazit über die Interpretationshypothese.
  • Da du es hier mit einem Auszug aus einem Theaterstück zu tun hast, musst du auf bestimmte Elemente achtgeben: die Figuren, die Verteilung der Redezeit, die Bühnenanweisungen…
Tipp
Bei der Texttinterpretation wird von dir verlangt, dass du einerseits Inhalt und Form des Auszugs genau analysierst und andererseits es auf dieser Grundlage interpretierst. „Interpretieren“ heißt, dass du den Text auslegst. Dieses Verfahren ist im Grunde subjektiv, so dass verschiedene Auslegungen möglich sind. Es geht also für dich nicht darum, die einzig wahre Interpretation zu liefern, sondern eine fundierte Interpretationshypothese zu erarbeiten und sie dann zu belegen und begründen. Die Aufgabenstellung enthält manchmal einen bestimmten Aspekt, auf den du in deiner Interpretation eingehen musst: hier handelt es sich um
  • Zuerst musst du den Text lesen und dir Notizen dazu machen: Autor, Epoche, Hauptaussage, formale Merkmale.
    • > Aus dieser Analyse wirst du die Elemente herausarbeiten müssen, die als Grundlage für deine Interpretationshypothese und Interpretation fungieren werden.
  • Dann musst du deine Ergebnisse organisieren, um eine Gliederung erstellen zu können.
    • > Grundsätzich muss deine Interpretation folgende Teile aufweisen:
      Einleitung - Hauptteil - Schluss.
  • Jeder Unterteil deiner Arbeit soll folgende Bestandteile beinhalten:
    • > Einleitung: Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Gattung, Hauptaussage, Einordnung in die Epoche.
      > Hauptteil: vier Unterteile: kurze Inhaltsangabe, Formulierung der Interpretationshypothese, formale Analyse, eigentliche Interpretation.
      > Schluss: Zusammenfassung der Hauptaussage - Fazit über die Interpretationshypothese.
  • Da du es hier mit einem Auszug aus einem Theaterstück zu tun hast, musst du auf bestimmte Elemente achtgeben: die Figuren, die Verteilung der Redezeit, die Bühnenanweisungen…
Der vorliegende Textauszug aus dem Drama „Die Räuber“ von Schiller, das 1871 zu der Zeit des Sturm und Drangs erschien, stellt ein Gespräch zwischen zwei der Hauptfiguren dar. Vater und Sohn unterhalten sich über den abwesenden erstgeborenen Sohn Karl.
Einleitung
Titel, Erscheinungsjahr, Autor, Figuren und Hauptaussage
Kurz vor Beginn des Szenenauszugs hat Franz seinem Vater einen Brief vorgelesen, der angeblich von einem Freund von Karl verfasst wurde. In diesem Brief erzählt er schlimme Taten, die von Karl ausgeübt wurden. In der vorliegenden Textstelle versucht dann Franz, seinen Vater davon zu überzeugen, Karl zu verstoßen. Letztendlich akzeptiert der Vater, dass Franz Karl in seinem Namen einen Brief schreibt, in dem er sich von diesem abwendet.
Hauptteil
Inhaltsangabe
Im Nachstehenden wird untersucht, wie Franz die Rolle eines Intriganten übernimmt und durch seine Intrige das Schicksal der anderen Figuren bestimmt. Des Weiteren wird die Frage gestellt, inwiefern dies eine Grundlage für das Entstehen eines tragischen Geschehens bildet.
Formulierung der Interpretationshypothese
Es fällt auf den ersten Blick ins Auge, dass der Text der ersten Szene nicht wie sonst in der Tradition des Dramas in Versen geschrieben ist. Gemäß dieser Tradition, die sich unter anderem auf die aristotelische Definition des Dramas beruft, soll die Tragödie darüber hinaus in gehobener Sprache verfasst werden. Das entspricht dem Prinzip der Ständeklausel, die besagt, dass nur Figuren mit einem höheren Stand, die nötige Fallhöhe besitzen, um eine tragische Handlung zu tragen. Verse sind demzufolge üblicherweise auch ein Zeichen für diese Fallhöhe. In diesem Auszug bleibt die Sprache der Figuren gehoben („Nun also - wenn Ihr dieses Sohnes Euch entäußerstet“ Z.9), so dass es sich nicht um einen vollständigen Bruch der Ständeklausel handelt. Dennoch muss man anmerken, dass der Ton in anderen Szenen des Stücks deutlich umgangssprachlich wird.
Formale Analyse
Die Sprache
Der Auszug lässt sich in vier Teile gliedern. Da Franz hier gegen seinen Bruder plädiert und versucht, seinen Vater zu überzeugen, haben wir es mit einer Argumentation zu tun, deren Bausteine in der Struktur des Textes auch sichtbar sind. In einem ersten Teil (bis Z.19) versucht Karl, dem Vater bewusst zu machen, dass seine Liebe zu Karl ihm nur Kummer und Unglück bringt („Ist es nicht diese Liebe zu ihm die Euch all den Gram macht“ Z. 11) und schlägt ihm vor, ihn zu verstoßen. Im ersten Teil des Textes argumentiert Franz vorsichtig, strukturiert und mit Verstand. Um sein Anliegen zu untermauern, verwendet er ein Autoritätsargument und beruft sich auf die höchste Instanz, indem er die Bibel und Gott zitiert (Z.15-18). Im zweiten Teil (bis Z. 47) wird die Argumentation von Franz emotionaler und der Vater, der sich anfangs noch dagegen gewehrt hat („Stille, o stille!“ Z. 3), sieht langsam ein, dass er sich von Karl abwenden muss. Im dritten Teil (bis Z.71) versucht Franz dann, den Vater auch noch davon zu überzeugen, dass er den Brief an seiner Stelle schreiben soll. Seine Argumentation schlägt ein und grundsätzlich zeigt die Verteilung der Redezeit, dass der Sohn das Gespräch führt und eine starke führende Rolle übernimmt. Der Vater kommt nur selten zur Sprache, und wenn doch nur um die Aussagen seines Sohnes zu bestätigen. Ab der Zeile 72 ist Franz allein auf der Bühne. In einem kurzen Monolog enthüllt er seine Absichten, Karl und seinem Vater zu schaden („Ich habe einen magischen Kreis von Flüchen um dich gezogen, den er nicht überspringen soll -“ Z. 76-77).
Gliederung des Textes: 4 Teile
Erst im letzten Teil des Auszugs (Z.72) wird in Franzens Monolog klar, dass dieser gegen seinen Bruder intrigiert. Er selbst hat den Brief verfasst („wie leicht könnte jemand meine Handschrift kennen?“ Z.78-79). Karl ist tatsächlich in Schwerigkeiten geraten und hatte vor zu fliehen, hat sich aber in Wirklichkeit dagegen entschieden. Der Brief war ursprünglich ein Entschuldigungsbrief an den Vater, der von Franz gefälscht wurde. Das Drama wird zeigen, dass Franz das Ziel verfolgt, an der Stelle seines Vaters, des Grafen, und als einziger Erbe zu herrschen. In diesem Sinne kündigt das Ende des Auszugs an, dass er nicht nur seinem Bruder, sondern auch seinem Vater schaden möchte („Und Gram wird auch den Alten bald fortschaffen“ Z.80-81). Die Intrige ist ein typischer Bestandteil der dramatischen Handlung. Der Intrigant handelt gegen die anderen Figuren und hetzt sie gegeneinander auf, um persönliche Ziele zu erreichen. In der Komödie scheitert typischerweise das Unternehmen des Intriganten, der am Ende selber bloßgestellt wird. In der Tragödie wiederum wird der tragische Held durch die Intrige gestürzt und begeht oft Selbstmord. Es gilt also, näher zu erläutern, wie Franz seine Intrige einfädelt und inwiefern er dadurch ein tragisches Schicksal für sich selbst und seine Familie besiegelt.
Interpretation
Die Intrige: typischer Bestandteil der dramatischen Handlung
Die formale Analyse des Auszugs hat gezeigt, dass Franz ein Meister der Überzeugung ist, der alle argumentativen Mittel beherrscht, die für sein Ziel erforderlich sind. Zuerst verfährt er mit Vorsicht. Er fängt damit an, seinem Vater vor Augen zu führen, wie viel Kummer ihm Karl bereitet hat. Erst dann, wenn der Vater das eingesehen hat („Oh! er hat mich zu einem achtzijährigen Manne gemacht.“ Z.8) geht er zu seinem nächsten Punkt über („wenn Ihr dieses Sohnes Euch entäußertet?“ Z.9).
Franz als Intrigant:
Vorsichtige Argumentation
Im zweiten Teil des Textes wird die Argumentation von Franz lebhafter und emotionaler. Das bemerkt man auf den ersten Blick an der Anhäufung von Frage- und Ausrufezeichen in den Zeilen 25-49. Hinzu kommen zahlreiche Übertreibungen, die Franz benutzt, um die Verfehlungen seines Bruders als noch schlimmer erscheinen zu lassen, als sie sind. Dieses Verfahren ist in den Zeilen 26-28 am deutlichsten zu sehen. Dort heißt es zunächst, dass Karl durch seine Taten den Vater „erwürgt“ und „mordet“. Diese Taten werden dann auch noch anhand von der Metapher eines platzenden Dammes geschildert, die das Ausmaß von Karls Verfehlungen in einen unendlichen Wasserstrom verwandelt. Franz nutzt jetzt die emotionale Ebene, die Gefühle seines Vaters aus, um ihn gegen seinen Bruder aufzubringen, was ihm letztendlich gelingt.
Emotionale Argumentation und Hyperbeln
Im Laufe des Textes wird langsam klar, dass es sich nicht um einen vereinzelten Sieg des Sohnes über den Vater handelt, sondern dass die Vater-Sohn Konstellation grundsätzlich auf den Kopf gestellt ist: Franz, der Sohn, dominiert und erteilt sogar Befehle („Antwortet!“ Z.34), während der Vater zuhört und gehorcht. Diese dominierende Position wird von Franz konsequent ausgebaut und mündet darin, dass Franz für den Vater als Sprachrohr Gottes fungiert. Das fängt schon mit dem Autoritätsargument in den Zeilen 16-18 an, mit dem Franz seine Aussage bestärkt. Wenn Franz „So spricht die Gottheit“ (Z.17-18) sagt, meint er auch indirekt, dass Gott durch ihn spricht, denn er steht für seine göttlichen Gesetze. In den Zeilen 48-49 verfährt er ähnlich („wehe dem Vater, der die Ratschlüsse einer höheren Weisheit durch Verzätlung zernichtet!“). Hier formuliert Franz eine Drohung, die wie die Worte eines Propheten klingen. Er bezeichnet sich indirekt als „höhere Weisheit“ (Z.48) und wird zu Gottes Sprachrohr. Der Vater hat keine andere Möglichkeit, als zu entscheiden, den Brief zu verfassen. Das Geschehen erscheint dem Vater als die Folge einer göttlichen Fügung („Der Herr hat's ihm geheißen!“ Z.23-24).
Franz als Sprachrohr Gottes:
Dadurch erscheint Franz nicht nur als Intrigant, sondern sogar als eine Art Schicksalsgottheit, die im Verhohlenen die Fäden der Handlung zieht und über das Los der anderen Figuren bestimmt. Er selbst bezeichnet sich als ein Magier, der Flüche auf andere legt („Ich habe einen magischen Kreis von Flüchen um dich gezogen“ Z.76-77). Das Bild des Magiers, der „Flüche zieht“, erinnert an die Parzen, die 3 römischen Schicksalsgötinnen und damit an die antike Tragödie, in der die Götter das Schicksal des tragischen Helden besiegeln. Ab der Moderne können auch Menschen diese Funktion übernehmen, obwohl die Gleichstellung mit einer höheren, göttlichen Instanz die tragische Dimension verstärkt, die Franzens Intrige in sich trägt. Die Auswirkungen der Intrige auf Karls Schicksal werden nämlich tragischer, weil sie als unausweichlicher und zwingender erscheinen. Der Auszug selbst verrät nicht, welche Auswirkungen die Intrige auf das Schicksal der Figuren haben wird. Die Handlung wird sich dennoch in tragischer Weise entwickeln. Franz wird im Namen seines Vaters Karl verstoßen und enterben, obwohl dieser in Wirklichkeit den Vater um Vergebung und Hilfe bitten wollte. Aufgrund dieser Täuschung wird er zum Verbrecher und nie wieder den Weg in ein normales Leben finden. Der Vater wird sich sterben lassen und Franz selbst wird Selbstmord begehen.
Die tragische Anlage des Geschehens
Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich mit diesem Auszug aus der ersten Szene des Dramas um die Besieglung des Schicksals der Figuren handelt. Franz erweist sich als Intrigant, der seinen Bruder und seinen Vater stürzen möchte, um allein zu herrschen. Durch eine Täuschung und die Beherrschung aller rhetorischen Mittel der Argumentation schafft er die Grundlage für eine tragische Handlung. Er nimmt die Rolle einer Schicksalsgottheit ein, um seine Familie ins Unglück zu stürzen.
#argumentation#drama#schiller#tragödie
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