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Teil A

Aufgaben
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Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Theodor Fontane (1819 - 1898): Stine (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere den Textauszug. Gehe dabei auch auf die tragische Anlage des Geschehens ein.
#tragödie#interpretieren
Theodor Fontane: Stine (Textauszug)
Lesehinweis: Der junge Graf Waldemar von Haldern hat eine Liebesbeziehung mit der Näherin Stine.
VIERZEHNTES KAPITEL
[…]
$\,$
Stine empfing ihn schon an der Tür, glücklich, ihn zu sehen, aber doch mit einem Anfluge von Sorge, weil er sonst nie vor Dämmerstunde kam.
3
„Was ist?“ sagte sie, „du siehst so verändert aus.“
„Möglich. Aber es ist nichts. Ich bin vollkommen ruhig.“
„Ach sage nicht das. Wenn man sagt, man sei ruhig, ist man's nie.“
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„Woher weißt du das?“
„Ich glaube, das lernt jeder, dafür sorgt das Leben. Und dann weiß ich es von Pauline. Wenn die zu mir sagt: 'Stine, nun bin ich wieder ruhig', dann ist es immer noch schlimm genug. Aber nun
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sage, was ist?“
„Was ist? Eine Kleinigkeit. Eigentlich nichts. Ich stand immer einsam unter den Meinigen, und nun soll ich noch etwas einsamer dastehn. Es wirkt einen Augenblick, aber nicht lange
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…“
„Du verschweigst mir etwas. Sprich!“
„Gewiß, deshalb bin ich hier. Und so höre denn. Ich war bei meinem Onkel, um ihm zu sagen …
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ja, was, Stine? um ihm zu sagen, daß ich dich liebhätte …“
Stine kam in ein Zittern.
„… Und daß ich dich heiraten wolle … Ja, heiraten, nicht um eine Gräfin Haldern aus dir zu
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machen, sondern einfach eine Stine Haldern, eine mir liebe kleine Frau, und daß wir dann nach Amerika wollten. Und zu diesem Schritt erbät ich seine Zustimmung oder doch eine Fürsprache bei meinen Eltern.“
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„Und?“
„Und diese Fürsprache hat er mir verweigert.“
„Ach, was hast du getan?“
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„Sollt ich nicht?“
„Was hast du getan?“ wiederholte Stine, zugleich hinzusetzend: „Und ich Ärmste bin schuld daran. Bin schuld, weil ich's habe gehen lassen und mich nie recht gefragt habe: was wird?
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Und wenn mir die Frage kam, so hab ich sie zurückgedrängt und nicht aufkommen lassen und nur gedacht: freue dich, solange du dich freuen kannst. Und das war nicht recht. Daß es nicht ewig dauern würde, das wußt ich, aber ich rechnete doch auf manchen Tag. Und nun ist alles
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falsch gewesen, und unser Glück ist hin, viel, viel schneller als nötig, bloß weil du wolltest, daß es dauern solle.“
Waldemar wollte widersprechen; aber Stine litt es nicht und sagte, während ihre Stimme mit
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jedem Augenblick beschwörender und eindringlicher wurde: „Du willst nach Amerika, weil es hier nicht geht. Aber glaube mir, es geht auch drüben nicht. Eine Zeitlang könnt es gehn, vielleicht ein Jahr oder zwei, aber dann wär es auch drüben vorbei. Glaube nicht, daß ich den
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Unterschied nicht sähe. Sieh, es war mein Stolz, ein so gutes Herz wie das deine lieben zu dürfen, und daß es mich wieder liebte, das war meines Lebens höchstes Glück. Aber ich käme mir albern und kindisch vor, wenn ich die Gräfin Haldern spielen wollte. Ja, Waldemar, so ist es,
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und daß du so was gewollt hast, das macht nun ein rasches Ende. Vor Jahren, ich war noch ein Kind, hab ich mal ein Feenstück gesehn, in dem zwei Menschen glücklich waren; aber ihr Glück, so hatte die Fee gesagt, würde für immer hin sein, wenn ein bestimmtes Wort
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gesprochen oder ein bestimmter Name genannt werde. Siehst du, so war es auch mit uns. Jetzt hast du das Wort gesprochen, und nun ist es vorbei, vorbei, weil die Menschen davon wissen. Vergiß mich; du wirst es. und wenn auch nicht, ich mag keine Kette für dich sein, an der du dein
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Leben lang herumschleppst. Du mußt frei sein; gerade du.“
„Ach, meine liebe Stine, wie du mich verkennst. Du sprichst von einer 'Kette' und daß ich frei sein müsse. Freiheit. Nun ja, mein Leben war frei, was man so frei sein nennt, seit ich aus
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meiner Eltern Hause ging, und in manchen Stücken auch früher schon. Aber wie verlief es trotzdem? Wie war es von Jugend an? […] Das Schlimmste war, daß ich im Hause selbst, bei meinen eignen Eltern, ein Fremder war. Und warum? Ich habe später darauf geachtet und es in
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mehr als einer Familie gesehn, wie hart Eltern gegen ihre Kinder sind, wenn diese ganz bestimmten Wünschen und Erwartungen nicht entsprechen wollen.“
Stine, die dieselbe Wahrnehmung auch in ihrer bescheidenen Sphäre gemacht haben mochte,
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nickte zustimmend, und Waldemar, der sich dieser Zustimmung freute, fuhr deshalb fort: „[…] und so hab ich denn durch viele Jahre hin gelebt, ohne recht zu wissen, was Herz und Liebe sei. Nun weiß ich es. Und jetzt, wo ich es weiß und mein Glück festhalten will, soll ich es wieder
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aus der Hand lassen. Und alles bloß, weil du von Ansprüchen sprichst und vielleicht auch daran glaubst, die mir im Blute stecken sollen und die - weil im Blute - gar nicht aufzugeben seien. Ach, meine liebe Stine, was geb ich denn auf? Nichts, gar nichts. Ich sehne mich danach, einen
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Baum zu pflanzen oder ein Volk Hühner aufsteigen oder auch bloß einen Bienenstock ausschwärmen zu sehen.“
Er schwieg und sah vor sich hin. Stine aber nahm seine Hand und sagte: „Wie du dich selbst
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verkennst. Der Tagelöhnersohn aus eurem Dorfe, der mag so leben und dabei glücklich sein; nicht du. Dadurch, daß man anspruchslos sein will, ist man's doch nicht, und es ist ein ander Ding, sich ein armes und einfaches Leben ausmalen oder es wirklich führen. Und für alles, was
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dann fehlt, soll das Herz aufkommen. Das kann es nicht, und mit einemmal fühlst du, wie klein und arm ich bin. Ach, daß ich in diesem Augenblick so spreche, das ist vielleicht auch schon eine Schwachheit und ein kleines Gefühl; aber ich kämpfe nicht dagegen an, weil ich glaube,
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daß aus allem, was du vorhast, nur Unheil kommt, nur Enttäuschung und Elend. Der alte Graf ist dagegen und deine Eltern sind dagegen - du sagst es selbst -, und ich habe noch nichts zum Glück ausschlagen sehen, worauf von Anfang kein Segen lag. Es ist gegen das vierte Gebot1,
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und wer dagegen handelt, der hat keine ruhige Stunde mehr, und das Unglück zieht im nach.“
[…]


1 das vierte Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. (aus: A.T., 2. Mose 20, 12)
(e 1890)
Aus: Theodor Fontane: Werke in fünf Bänden. Zweiter Band. Schach von Wuthenow. L'Adultera. Stine.,
Berlin und Weimar (Aufbau-Verlag) 1979.
#realismus#fontane
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Interpretation einer Textstelle

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Theodor Fontane (1819 - 1898): Stine (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere den Textauszug. Gehe dabei auch auf die tragische Anlage des Geschehens ein.

Einleitung

Deine Interpretation beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Stine (Textauszug)
  • Autor: Theodor Fontane
  • Erscheinungsjahr: 1890
  • Inhalt: Im vorliegenden Textauszug aus dem Roman „Stine“ von Theodor Fontane, der auf das Jahr 1890 datiert ist, geht es um den jungen Graf Waldemar von Haldern, der seiner Geliebten - der Näherin Stine - erzählt, dass er seinen Onkel um Erlaubnis gefragt hat, sie zu heiraten, womit sie aufgrund der Standesunterschiede aber nicht einverstanden ist, da sie nicht will, dass er alles für sie aufgibt.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, die Szene zu interpretieren. Schreibe hierfür zunächst eine knappe Zusammenfassung darüber, was in der Szene passiert und gebe dann detailliert den Inhalt wieder und gehe auf die Struktur des Szenenauszugs ein. Gehe dafür am besten chronologisch vor, so gehst du sicher, dass du keine wichtigen Aspekte vergisst.
Dann musst du die beiden Figuren (Graf Waldemar von Haldern und Stine) beschreiben und charakterisieren. Was macht die beiden aus, wie verhalten sie sich in der Szene dem anderen gegenüber? Welche Gefühle und Regungen zeigen sie?
Natürlich musst du auch noch auf die sprachlichen Besonderheiten und die verwendeten Stilmittel eingehen. Wie unterscheidet sich die Art des Redens von Graf Waldemar von der Stines? Was macht ihre Sprache aus? Bedienen sie sich bestimmter Motive?
Danach musst du die Intention des Szenenauszugs erkennen. Was bezweckt Fontane mit diesem Dialog zwischen den beiden Figuren?
Schließlich musst du auf die tragische Anlage des Geschehens eingehen. Inwiefern kann man den Szenenauszug als tragisch charakterisieren, welche Stellen stimmen mit den Theorien über das Tragische überein?
Natürlich musst du all diese Punkte nicht nacheinander abarbeiten, es ist sogar sinnvoll die Figurencharakterisierung und die sprachlichen Besonderheiten in die detaillierte Wiedergabe des Inhalts miteinzubinden, denn dort hast du immer die passenden Beweise aus dem Text und musst diese nicht später noch einmal nennen.
Inhalt
  • Dialog zwischen Graf Waldemar von Haldern und Stine, die miteinander eine Liebesbeziehung pflegen
  • Waldemar kommt entgegen seiner Gewohnheit tagsüber bei Stine vorbei („weil er sonst nie vor Dämmerstunde kam“, Z. 2), weshalb sie nicht nur „glücklich“ (Z. 1) ist, ihn zu sehen, sondern auch „eine[n] Anfluge von Sorge“ (Z. 1f) empfindet
  • dass Waldemar sonst „nie vor Dämmerstunde kam“ (Z. 2) deutet darauf hin, dass die Liebesbeziehung der beiden geheim - also nicht öffentlich - ist, was wohl auf den Standesunterschied der beiden (Graf vs. Näherin) zurückzuführen ist
  • Stine fragt Waldemar direkt, was sei, da er „so verändert“ (Z. 3) aussehe, sie will direkt wissen, was los ist, anstatt sich erst einmal über das Treffen zu freuen
  • Waldemar weicht ihr aus, indem er behauptet „Möglich. Aber es ist nichts. Ich bin vollkommen ruhig“ (Z. 4) - damit will er sich vermutlich selbst beruhigen
  • Stine lässt sich auf die Ausrede nicht ein und meint, dass man „das“ (Z. 5) immer sage, wenn man eben nicht ruhig sei und redet auf ihn ein, bis er ihr erzählt, was mit ihm los ist, denn sie merkt an seinem Gemütszustand, dass er ihr etwas verschweigt
  • Waldemar behauptet, es sei eine „Kleinigkeit“ (Z. 10), „[e]igentlich nichts“ (Z. 10) und erklärt dann, dass er unter den Angehörigen seine Standes immer „einsam“ (Z. 10) war und nun noch „etwas einsamer dastehn“ (Z. 11) würde
  • für ihn ist es nicht schlimm, unter Standes zu heiraten, da er sich unter „seinesgleichens“ sowieso nicht wohl fühlt
  • Stine unterbricht ihn mitten im Wort, mit den harschen Worten „Du verschweigst mir etwas. Sprich!“ (Z. 13), obwohl er gerade dabei war, es ihr zu erzählen, sie drängt ihn dazu, ihr zu offenbaren, was ihm auf der Seele liegt
  • schüchtern setzt er an und erzählt ihr, dass er bei seinem Onkel gewesen sei, um ihm zu sagen, „daß ich dich liebhätte…“ (Z. 15)
  • Stine „kam in ein Zittern“ (Z. 16), was zeigt, dass sie Angst davor hat, wie ernst es auf einmal in ihrer Beziehung wird und dass sie das, was danach kommt, eigentlich gar nicht hören möchte
  • endlich rückt Waldemar vollends mit der Sprache heraus und erzählt ihr, dass er seinen Onkel um Erlaubnis gefragt habe, sie zu heiraten, er will aus ihr nicht „eine Gräfin Haldern“ (Z. 17) machen, „sondern einfach eine Stine Haldern, eine mir liebe kleine Frau“ (Z. 18), sie also heiraten und mit ihr „nach Amerika“ (Z. 18f) gehen
  • Waldemar geht es nur um die Liebe zwischen den beiden, die er unbedingt weiterführen und offiziell machen möchte, um nichts anderes
  • auf Nachfrage Stines erklärt er aber, dass der Onkel die Zustimmung oder zumindest die Fürsprache bei Waldemars Eltern verweigert habe
  • Stines Reaktion auf die Eröffnung fällt anders aus, als Waldemar es sich wahrscheinlich gewünscht hat („Ach, was hast du getan?“, Z. 23) und er fragt erstaunt „Sollt ich nicht?“ (Z. 24)
  • Stine wiederholt ihre Aussage, wobei sie sich hinsetzen muss, vermutlich weil sie die Eröffnung Waldemars geschockt hat, und fängt an, sich die Schuld an der ganzen Sache zu geben, weil sie nie über die Zukunft nachgedacht hat und nur im Moment gelebt hat, obwohl ihr klar war, dass ihre Liebe aufgrund der Standesunterschiede keine Chance hat
  • mit ihren Aussagen gibt sie gleichzeitig ihm die Schuld, weil er so naiv war und darauf gehofft hat, dass ihre Liebe eine Zukunft hat und andauert („bloß weil du wolltest, daß es dauern solle“, Z. 30f)
  • Waldemar will ihr widersprechen, aber Stine lässt ihn überhaupt nicht zu Wort kommen und fährt in ihrer Tirade fort („mit jedem Augenblick beschwörender und eindringlicher“, Z. 33)
  • sie erklärt ihm, dass es auch in Amerika (wo er mit ihr hin möchte) nicht klappen würde, weil die Unterschiede zwischen ihnen zu groß sind und die Standesschranken für sie eine unüberbrückbare Hürde darstellen („Glaube nicht, daß ich den Unterschied nicht sähe.“, Z. 35f)
  • weiter erklärt sie ihm, wie sehr sie in liebt und wie viel ihr diese Liebe bedeutet hat („es war mein Stolz, ein so gutes Herz wie das deine lieben zu dürfen, und daß es mich wieder liebte, das war meines Lebens höchstes Glück“, Z. 37), hier redet sie aber bereits in der Vergangenheit, was zeigt, dass für sie alles zu dem Thema gesagt ist und es keine Chance gibt, dass sie ihre Meinung ändert
  • Stine gibt Waldemar weiter die Schuld, da er nicht verstanden hat, dass ihre Liebe nur in ihrer eigenen Wirklichkeit funktioniert, aber eben nicht in Wahrheit („Ja, Waldemar, so ist es, und daß du so was gewollt hast, das macht nun ein rasches Ende.“, Z. 38)
  • sie gibt als Vergleich zur aktuellen Situation ein „Feenstück“ (Z. 40) an, das sie als Kind gesehen hat, und in dem es verboten war, ein bestimmtes Wort zu nennen; mit der Ansprache einer Hochzeit hat Waldemar das Wort gesprochen und die Liebe zerstört
  • Stine ist der Meinung, dass ihre Liebe nur als Geheimnis funktioniert hat und die unterschiedlichen Stände der beiden sind für sie wichtiger als die Liebe
  • sich selbst betitelt sie als „Kette“ (Z. 44), die Waldemar ein Leben lang mit sich herumschleppen müsse und mit der er nie frei sein könne
  • sie möchte nicht, dass er wegen ihr auf seine Ansprüche und sein Ansehen als Adeliger verzichten muss
  • Waldemar widerspricht Stines Aussagen und meint, dass er noch nie in seinem Leben frei gewesen sei, da er sich schon in seinem Elternhaus immer als „ein Fremder“ (Z. 50) gefühlt habe und er oft beobachtet habe, „wie hart Eltern gegen ihre Kinder sind, wenn diese ganz bestimmten Wünschen und Erwartungen nicht entsprechen wollten“ (Z. 52), woraufhin Stine ihm mit einem Nicken zustimmt
  • dadurch bestärkt fährt Waldemar fort und erklärt, dass er aus diesem Grund jahrelang nicht wusste, was Liebe ist und jetzt, wo er sie gefunden habe, wollte er „[s]ein Glück festhalten“ (Z. 56) und es nicht wieder loslassen
  • auch findet er, er würde gar nichts aufgeben („was geb ich denn auf?“, Z. 59), nur weil es ihm „im Blute stecken soll“ (Z. 58) und er würde lieber mit ihr in Armut leben als alleine weiter so wie momentan
  • nachdem Waldemar Stine sein ganzes Herz ausgeschüttet hat, versucht sie weiter, es ihm auszureden, und ist immer noch dagegen
  • sie behauptet, er könne niemals wie ein Armer leben („es ist ein ander Ding, sich ein armes und einfaches Leben ausmalen oder es wirklich führen“, Z. 64) und sie ist überzeugt davon, dass die Liebe zwischen ihnen niemals reichen würde, um die Lebensart zu kompensieren („Und für alles, was dann fehlt, soll das Herz aufkommen“, Z. 65)
  • sie hat Angst, dass er erkennt, wie „klein und arm“ (Z. 66f) sie ist und versucht ihn weiterhin davon zu überzeugen, dass daraus nur „Unheil […] Enttäuschung und Elend“ (Z. 69) resultieren würde, da sein Onkel und seine Eltern dagegen seien und sie „noch nichts zum Glück ausschlagen [gesehen hat], worauf von Anfang kein Segen lag“ (Z. 70f)
  • schließlich nimmt sie noch Bezug auf die Religion, denn wenn sie trotz der Gegenstimmen seiner Eltern heiraten würden, würden sie gegen das 4. Gebot verstoßen, das besagt, dass man seine Eltern ehren soll, was nur „Unglück“ (Z. 72) nach sich ziehen
Charakterisierung der Figuren
$\blacktriangleright$ Stine
  • Näherin (also eine Bürgerliche)
  • verliebt ihn Waldemar („glücklich, ihn zu sehen“, Z. 1), weiß aber, dass ihre Liebe aufgrund ihrer unterschiedlichen Stände keine Zukunft hat („Daß es nicht ewig dauern würde, das wußt ich“, Z. 28f)
  • kennt Waldemar so gut, dass sie direkt merkt, dass er etwas hat
  • hatte Angst davor, dass Waldemar irgendwann mit Heiratsplänen zu ihr kommt („Stine kam in ein Zittern.“, Z. 16)
  • ist sehr rigoros und bringt Waldemar mit harschen Worten dazu, ihr zu erzählen, was los ist („Sprich!“, Z. 13)
  • in ihrer Meinung bleibt sie standhaft, lässt sich von Waldemar nicht zu etwas anderem überreden
  • hat das Beste für ihn im Blick und möchte nicht der Grund sein, warum er sein bisheriges Leben aufgibt
$\blacktriangleright$ Waldemar
  • Graf (also ein Adeliger)
  • liebt Stine so sehr, dass er mit ihr eine gesicherte Zukunft verbringen will und möchte sie deshalb heiraten
  • weiß selbst, dass es nicht leicht ist, über die Stände hinweg zu heiraten (deshalb fragt er seinen Onkel um Erlaubnis und um Fürsprache bei seinen Eltern)
  • ist überzeugt davon, in der Liebe Erfüllung zu finden, für ihn ist die Liebe das höchste Gut, für das er bereit ist, seine Ansprüche fallenzulassen, die ihm sowieso nichts bedeuten
  • hat sich unter seinesgleichen immer „einsam“ (Z. 10) und wie „ein Fremder“ (Z. 50) gefühlt, weshalb es für ihn keinen Grund gibt, das nicht für Stine aufzugeben
Sprachliche Besonderheiten
  • Redeanteil: obwohl Waldemar Stine etwas zu sagen hat, ist am Ende ihr Redeanteil etwas höher als seiner, was daran liegt, dass sie versucht, ihm die Idee auszureden
  • Vergleich: „Feenstück“ (Z. 40), das Stine als Kind gesehen hat; damit möchte sie Waldemar ihren Standpunkt verdeutlichen aber auch zeigen, dass sie es ernst meint
    „Kette“ (Z. 44), als die sie sich selbst fühlt, die Waldemar von seiner Freiheit abhalten würde; auch hier möchte sie ihm bildhaft deutlich machen, wie sie die Situation sieht
  • Aufzählung: „Ich sehne mich danach, einen Baum zu pflanzen oder ein Volk Hühner aufsteigen oder auch bloß einen Bienenstock ausschwärmen zu sehen“ (Z. 59f); damit versucht Waldemar Stine doch noch zu überzeugen, und ihr zu zeigen, dass er mit dem wenigsten vom wenigen zufrieden wäre
  • Bezug zur Religion: Stine bezieht sich auf das 4. Gebot und redet unter anderem von „Segen“ (Z. 71), was sie als einen gläubigen Menschen auszeichnet und auch eine Erklärung dafür sein kann, dass sie ihre Standpunkte so standhaft vertritt
  • Satzbau: anfangs ist der Satzbau der beiden sehr einfach und leicht abgehackt (meist nur ein Hauptsatz oder Parataxen), je aufgewühlter beide werden, desto komplizierter wird der Satzbau („Und alles bloß, weil du von Ansprüchen sprichst und vielleicht auch daran glaubst, die mir im Blute stecken sollen und die - weil im Blute - gar nicht aufzugeben seien.“, Z. 57f)
Intention
  • Kritik an den unmenschlichen Grenzen der Ständegesellschaft und damit gleichzeitig Kritik am rückschrittigen Denken, das verbietet, die Standesschranken für die Liebe zu überqueren
  • Waldemars Onkel und seine Eltern, aber auch Stine, verkörpern hierbei Figuren, die am alten Denken festhalten, denn selbst Stine möchte Waldemar - obwohl sie ihn liebt - nicht heiraten, um ihm nicht seine Ansprüche und seine Lebensart kaputtzumachen
Tragische Anlage des Geschehens
  • das Geschehen ist unausweichlich, ungerecht und komplexer Natur
  • das Leid steht im Mittelpunkt
  • es gibt einen unlösbaren Konflikt, indem es einen „schuldlos Schuldigen“ gibt
  • indirekt wird auch die Ständeklausel wieder aufgegriffen und noch einmal dadurch verstärkt, dass die Bürgerliche sogar einen Heiratsantrag des Adeligen bekommt
  • es gibt ein „blindes Schicksal“, der Fehler, weshalb es zur Tragödie kommt, liegt nicht im aktiven Handeln sondern in der Geburt von Waldemar als Adeliger und somit ist das Schicksal unausweichlich
  • Bezug zur Konflikttheorie des Tragischen in der diachronen Perspektive, die aber eigentlich auf Stine zutrifft und nicht auf Waldemar

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, also die Intention des Szenenauszugs, und deren Begründung noch einmal kurz zusammengefasst nennen. Wichtig ist hier, dass du nicht wieder von Neuem argumentierst - das hast du ja bereits im Hauptteil gemacht - sondern, dass du wirklich nur noch das bereits Gesagte zusammenfasst.
#interpretieren
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