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Aufgabe 2

Aufgaben
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Materialgestütztes Schreiben: Materialgestütztes Verfassen informierender Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Georg Büchner (*1813 - †1837): Dantons Tod
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Die Rolle des Volkes in „Dantons Tod“
    Anlässlich des 180. Todestages Georg Büchners im Jahr 2017 plant die Theater-AG Ihrer Schule eine Aufführung von Szenen aus Georg Büchners Stück „Dantons Tod“ für die Schulöffentlichkeit.
    Verfasse einen informierenden Beitrag für das Programmheft der Aufführung, in dem du auf der Grundlage Ihrer Dramenkenntnisse und der Auswertung der Materialien auf die Rolle des Volkes in dem Drama eingehst.
    Erläutere dabei auf der Grundlage von Material 1 und 2, wie Büchner das Volk darstellt. Erkläre unter Nutzung aller Materialien auch, inwiefern das Volk in dem Stück einerseits als Täter und andererseits als Opfer wahrgenommen werden kann.
    Als Überschrift für deinen Text kann dir folgende Themenformulierung dienen: Täter und Opfer – Die Rolle des Volkes in „Dantons Tod“.
    Aus redaktionellen Gründen soll dein Beitrag 800 bis 1000 Wörter umfassen. Zitate aus den Originaltexten können unter Angabe von Akt und Szene zur Gestaltung Ihres Beitrags genutzt werden.
    Bei Verwendung von Zitaten aus den übrigen Materialien muss der Autor genannt werden.
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Lektürehilfe zu Dantons Tod
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Lektürehilfe zu Dantons Tod
#dantonstod#französischerevolution#büchner
Material 1
$\;$
Georg Büchner: Dantons Tod, 1. Akt, 2. Szene (Auszüge)
[…] ERSTER BÜRGER. Ja, ein Messer, aber nicht für die arme Hure! Was tat sie? Nichts! Ihr Hunger hurt und bettelt. Ein Messer für die Leute, die das Fleisch unserer Weiber und Töchter kaufen. Weh über die, so mit den Töchtern des Volkes huren! Ihr habt Kollern[1] im Leib, und sie haben Magendrücken; ihr habt Löcher in den Jacken, und sie haben warme Röcke; ihr habt Schwielen in den Fäusten, und sie haben
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Samthände. Ergo[2], ihr arbeitet, und sie tun nichts; ergo, ihr habt's erworben, und sie haben's gestohlen; ergo, wenn ihr von eurem gestohlnen Eigentum ein paar Heller[3] wiederhaben wollt, müßt ihr huren und betteln; ergo, sie sind Spitzbuben, und man muß sie totschlagen!
DRITTER BÜRGER. Sie haben kein Blut in den Adern, als was sie uns ausgesaugt haben. Sie haben uns gesagt: schlagt die Aristokraten tot, das sind Wölfe! Wir haben die Aristokraten an die Laternen gehängt. Sie
10
haben gesagt: das Veto[4] frißt euer Brot; wir haben das Veto totgeschlagen. Sie haben gesagt: die Girondisten[5] hungern euch aus; wir haben die Girondisten guillotiniert. Aber sie haben die Toten ausgezogen, und wir laufen wie zuvor auf nackten Beinen und frieren. Wir wollen ihnen die Haut von den Schenkeln ziehen und uns Hosen daraus machen, wir wollen ihnen das Fett auslassen und unsere Suppen mit schmelzen[6]. Fort! Totgeschlagen, wer kein Loch im Rock hat!
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ERSTER BÜRGER. Totgeschlagen, wer lesen und schreiben kann!
ZWEITER BÜRGER. Totgeschlagen, wer auswärts geht[7]!
ALLE (schreien). Totgeschlagen! Totgeschlagen!
[…]
ROBESPIERRE. Was gibt's da, Bürger?
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DRITTER BÜRGER. Was wird's geben? Die paar Tropfen Bluts vom August und September haben dem Volk die Backen nicht rot gemacht. Die Guillotine ist zu langsam. Wir brauchen einen Platzregen!
ERSTER BÜRGER. Unsere Weiber und Kinder schreien nach Brot, wir wollen sie mit Aristokratenfleisch füttern. He! totgeschlagen, wer kein Loch im Rock hat!
ALLE. Totgeschlagen! Totgeschlagen!
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ROBESPIERRE. Im Namen des Gesetzes!
ERSTER BÜRGER. Was ist das Gesetz?
ROBESPIERRE. Der Wille des Volks.
ERSTER BÜRGER. Wir sind das Volk, und wir wollen, daß kein Gesetz sei; ergo ist dieser Wille das Gesetz, ergo im Namen des Gesetzes gibt's kein Gesetz mehr, ergo totgeschlagen!
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[…]
ROBESPIERRE. Armes, tugendhaftes Volk! Du tust deine Pflicht, du opferst deine Feinde. Volk, du bist groß! Du offenbarst dich unter Blitzstrahlen und Donnerschlägen. Aber, Volk, deine Streiche[8] dürfen deinen eignen Leib nicht verwunden; du mordest dich selbst in deinem Grimm. Du kannst nur durch deine eigne Kraft fallen, das wissen deine Feinde. Deine Gesetzgeber wachen, sie werden deine Hände führen; ihre
35
Augen sind untrügbar, deine Hände sind unentrinnbar. Kommt mit zu den Jakobinern! Eure Brüder werden euch ihre Arme öffnen, wir werden ein Blutgericht über unsere Feinde halten.
VIELE STIMMEN. Zu den Jakobinern! Es lebe Robespierre! (Alle ab.)
Hrsg. von Rolf Kellermann. Stuttgart 2013, S. 10-13.

Anmerkung
[1] Kollern: südhessischer Ausdruck für Magenknurren
[2] ergo: (lat.) also, folglich
[3] Heller: Kupfer- oder Silbermünze
[4] das Veto: Bezeichnung für den König, der nach der Verfassung von 1791 ein Vetorecht bei Gesetzesbeschlüssen hatte
[5] Girondisten: Abgeordnete während der Französischen Revolution, die eine gemäßigte Haltung einnahmen. 1793 wurden sie entmachtet, einige Girondisten wurden hingerichtet.
[6] schmelzen: Fett hinzufügen, um mehr Geschmack und Gehalt zu erreichen
[7] auswärts gehen: hier: die für den Adel offenbar charakteristische Art, mit nach außen gerichteten Fußspitzen zu gehen
[8] Streiche: Hiebe mit dem Schwert
Material 2
$\;$
Georg Büchner: Dantons Tod, 3. Akt, 10. Szene
Platz vor dem Justizpalast
EIN VOLKSHAUFE.
EINIGE STIMMEN. Nieder mit den Dezemvirn! Es lebe Danton!
ERSTER BÜRGER. Ja, das ist wahr, Köpfe statt Brot, Blut statt Wein!
5
EINIGE WEIBER. Die Guillotine ist eine schlechte Mühle und Samson[1] ein schlechter Bäckerknecht; wir wollen Brot, Brot!
ZWEITER BÜRGER. Euer Brot, das hat Danton gefressen. Sein Kopf wird euch allen wieder Brot geben, er hatte recht.
ERSTER BÜRGER. Danton war unter uns am 10. August[2], Danton war unter uns im September[3]. Wo waren
10
die Leute, welche ihn angeklagt haben?
ZWEITER BÜRGER. Und Lafayette war mit euch in Versailles und war doch ein Verräter.
ERSTER BÜRGER. Wer sagt, daß Danton ein Verräter sei?
ZWEITER BÜRGER. Robespierre.
ERSTER BÜRGER. Und Robespierre ist ein Verräter!
15
ZWEITER BÜRGER. Wer sagt das?
ERSTER BÜRGER. Danton.
ZWEITER BÜRGER. Danton hat schöne Kleider, Danton hat ein schönes Haus, Danton hat eine schöne Frau, er badet sich in Burgunder, ißt das Wildbret von silbernen Tellern und schläft bei euren Weibern und Töchtern, wenn er betrunken ist. – Danton war arm wie ihr. Woher hat er das alles? Das Veto hat es ihm
20
gekauft, damit er ihm die Krone rette. Der Herzog von Orléans hat es ihm geschenkt, damit er ihm die Krone stehle. Der Fremde hat es ihm gegeben, damit er euch alle verrate. – Was hat Robespierre? Der tugendhafte Robespierre! Ihr kennt ihn alle.
ALLE. Es lebe Robespierre! Nieder mit Danton! Nieder mit dem Verräter!
Hrsg. von Rolf Kellermann. Stuttgart 2013, S. 70.

Anmerkungen
[1] Samson: Henker während der Französischen Revolution
[2] 10. August: Datum der Gefangennahme des Königs Ludwigs XVI. (1792)
[3] September: gemeint sind die Septembermorde 1792
Material 3
$\;$
Alexander Lang: Arbeitsthesen zu Georg Büchners „Dantons Tod“ (1981, Auszug)
[…] Büchner war sich im Klaren, dass das gesellschaftliche Ergebnis der Franzözischen Revolution der Sieg der Bourgeoisie war, das heißt seine „Armen“ gingen […] leer aus […]. Sowohl Danton als auch Robespierre klammerten eine grundsätzliche Veränderung der Besitzverhältnisse aus. Der eigentliche Gegenspieler von Danton und Robespierre sind die „Armen“, die auf Verbesserung der sozialen Missstände warten. […]
5
[W]eder Danton noch Robespierre bieten ein soziales Programm zur Befreiung der Massen. […]
In: Dietmar Goltschnigg (Hg.): Georg Büchner und die Moderne. Texte, Analysen, Kom- mentar. Band 3: 1980-2002. Berlin 2004, S. 218, Anmerkungen S. 615.
Material 4
$\;$
Cornelia Fiedler: „Dantons Tod“ am Volkstheater. Aus dem Revolutions- handbuch (2012, Auszug)
Christian Stückl verflacht „Dantons Tod“ am Münchner Volkstheater. Die kleinen Leute werden ausgeblendet - Georg Büchners Selbstzweifel auch.
[…] Stückl hat das Heer der Figuren auf acht Leute reduziert, alle Volksszenen sind gestrichen. Damit entfällt aber auch ein wichtiger Teil, nämlich die Realität der kleinen Leute, der Kontrast zur hehren Theorie. […]
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dantons-tod-am-volkstheater-aus-dem-revolutions- handbuch-1.1507395 (26.10.2012)
Material 5
$\;$
Dantons Tod: Ein Interview mit dem Regisseur Gustav Rueb (2015, Auszug)
[…] MultiSkript: Die mächtige Kraft der Revolution ist das Volk. Danton wird gefeiert und im nächsten Moment verdammt. Welche Rolle spielt in Ihrer Inszenierung die Verantwortung des Volkes und die Unberechenbarkeit der Masse? Wie bringt man das auf die Bühne?
Gustav Rueb: Ich habe die Volksszenen völlig neu aufgelöst, die Texte zu Chören verdichtet und alle
5
Schauspieler, diese sprechen lassen. Das Volk ist eine gesichtslose Masse, die hungert und wie immer die wirklichen Opfer tragen muss. Aber das macht sie nicht zu besseren Menschen, Büchner beschreibt ein Verrohung und Gewalt, aber vor allem sprachlich. Und die Revolutionäre sind meilenweit vom Volk entfernt, sind eine Art Herrschaftsklasse, wie heute Prominente. Und das Verhältnis des Volkes dazu pendelt wie heute zwischen Anbetung und Verachtung. […]
http://multiskript.audio/2015/12/31/dantons-tod-ein-interview-mit-dem-regisseur-gustav-rueb/ (31.12.2015)
Material 6
$\;$
Fritz König: Der geschichtliche und psychologische Naturalismus. Kritik der Revolution. (1924, Auszug)
[…] Büchner zeigt, dass revolutionäre Begeisterung und Idealismus nur Phrasen sind, nur ein Überbau über den wahren, im Grunde immer selbstsüchtigen Beweggründen der Revolutionäre. Die Revolution entsteht nicht wirklich aus einer großen Idee, einer freien Geistestat, sondern sie wird hervorgerufen durch wirtschaftliche Verhältnisse, durch Klassengegensätze. Materielles Elend, besonders aber der Hunger sind
5
die stärksten Hebel jeder Revolution, und die Revolution weckt in ihrem Verlauf immer die niederen, gemeinen Instinkte sowohl der Masse wie der Führer. Es liegt nicht in der Hand des einzelnen, mag er noch so genial sein, eine revolutionäre Bewegung zulenken und zu meistern. Denn nicht der einzelne macht die Revolution, sondern sie macht ihn […], das heißt sie entfaltet sein niederes Naturell und vernichtet ihn dadurch. […]
In: Ders.: Georg Büchners „Danton“. Hrsg. Franz Saran. Halle a. d. Saale 1924 (= Bausteine zur Geschichte der deutschen Literatur, XIX), S. 72 f.
Material 7
$\;$
Michael Hofmann/ Julian Kanning: Das Volk als „dramatis persona“ (2013, Auszüge)
Es ist entscheidend für die Originalität und Modernität von Büchners Geschichtsdrama, dass das Volk als Kollektiv zu einer Dramenfigur wird. Es geht also nicht (nur) um ein Ideendrama, um die Konkurrenz zwischen den Positionen Dantons und Robespierres, sondern auch und vor allem um die Frage, was deren Positionen für das Volk bedeuten. Das Volk wird dabei von einer Reihe von Gestalten vertreten, die
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keinesfalls idealisiert werden, deren Bedürfnisse aber als legitim und als Grundlage für jede gerechte politische Ordnung angesehen werden. […] Das Volk, so lässt sich zunächst allgemein formulieren, ist durch materielles Elend demoralisiert und unterdrückt. Die politischen Konflikte der jakobinischen Strömungen gehen auf die Bedürfnisse des Volkes in keiner Weise ein. Robespierre vertritt den Anspruch, im Namen des Volkes zu handeln […], und seine Fraktion setzt auf die Tugendideologie und darauf, dass die öffentlichen
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Tötungen der Aristokraten und anderer vermeintlicher Feinde des Volkes zwar das Volk nicht sättigen, ihm aber wenigstens Freude am Spektakel vermitteln. Und Danton, dessen Kontakte zum Volk sich auf die Begegnung mit armen Prostituierten konzentrieren, verdrängt die Tatsache, dass sein Konzept der Bedürfnisbefriedigung und der Verwirklichung der jeweiligen menschlichen Natur nur für diejenigen attraktiv sein kann, die ihre materiellen Grundbedürfnisse befriedigen können. So erscheinen Robespierre und
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Danton letztlich als bürgerliche Ideologen, die nichts gegen das bedrückende Elend des Volkes unternehmen. […]
Das Drama zeigt […] auch, wie das materielle Elend von fanatischen Politikern so ausgenutzt werden kann, dass eine Atmosphäre der Gewalt erzeugt wird, in der das Volk auch Unschuldige bedroht und in Gefahr bringt. […]
In: Dies.: Georg Büchner. Epoche – Werk – Wirkung. München 2013, S. 101 f.
Material 8
$\;$
Frida Pongs-Andersson: Die Tragödie Georg Büchners (1975, Auszüge)
Wenn wir nun die wirklichen Massenszenen, in denen das niedere Volk sein Wesen treibt, betrachten, so ergibt sich durchaus kein Bild von einem Revolutionspöbel, der bei aller Gemeinheit doch eine wilde Größe haben könnte, dem man die Erstürmung der Bastille glauben würde. […]
Bei Büchner ist der Pariser Pöbel zu elend, zu verhungert, um eine solche eruptive Kraft zu haben. Auch sie
5
wollen zwar einen hängen, weil es sie erbittert, dass er ein Taschentuch hat. Aber es wird nicht ernst. Sie sind nicht blutdürstig, sie sind nur hungrig. Brot! Das ist ihre Sehnsucht.
Zeigte sich schon in der großen Unterredung der beiden Staatsmänner Büchners Auffassung des Menschenschicksals einer willenlosen Abhängigkeit von einem grausamen und dunklen Fatum[1], so ist diese Abhängigkeit auch über die Menschen des Alltags verhängt. Nur schmählicher ist sie hier. Büchner stellt sie ganz als Sklaven der rohen Not, der nackten Begier zu leben dar.
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Das fühlt man als Tragik dieser Menschen, dass sie nur ihre Lebensbedürfnisse, Nahrung, Kleidung haben wollen und selbst diese nicht bekommen. Der Hunger macht ihre Moral. […] [D]as Volk, das nur aus säufern und Dirnen zu bestehen scheint, das ist ein Zug von Gestalten, der wie eine Verhöhnung aller Menschenwürde aussieht. […] Diese Menge hat keine Würde und keinen Halt. Man begreift nicht, wie von ihr etwas Bedeutsames erwartet werden kann, wie es doch in den Tribunalszenen […] vorausgesetzt werden muss.
Frida Pongs-Andersson: Die Tragödie Georg Büchners, Marburg 1975, S. 17f.

Anmerkungen
[1] Fatum: (lat.) Schicksal, Vorsehung
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Materialgestütztes Schreiben: Materialgestütztes Verfassen informierender Texte

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Georg Büchner: Dantons Tod
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Schreibe einen informierenden Beitrag für das Programmheft der Aufführung, in dem du auf die Rolle des Volkes in dem Drama eingehst.

Einleitung

Dein Beitrag beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung kannst du verschiedene Informationen einbringen, wie beispielsweise:
  • den Anlass: 180. Todestag Büchners
  • ein Zitat aus den Materialien (z.B. „Volk, du bist groß.“ M1)
  • Rückgriff auf Dramenkenntnisse
  • die historische Kontextuierung des Dramas
  • Aufzeigen der ambivalenten Rolle des Volkes
Seit 180 Jahren liegt einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller nun begraben: dies ist einer der Anlässe, um das 1835 verfasste Drama Büchners „Dantons Tod“ nun aufzuführen! Obwohl das Drama zur Zeit der Französischen Revolution spielt, ist die Thematik der Revolution immer noch relevant. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Rolle das Volk im Drama vertritt - ist es der Täter, oder doch eher das Opfer? Oder kann man hierzu überhaupt eine Aussage treffen?

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, die Theaterbesucher anhand der Materialien über die Rolle des Volkes im Drama zu informieren. Analysiere hierfür die Materialien und kategorisiere sie. Erläutere anschließend die Lebenssituation des Volkes im Drama und erkläre die Deutungsansätze bezüglich der Rolle im Stück. Anschließend solltest du ein Fazit zur Bedeutung des Volkes ziehen.
Achte auf eine kommunikativ-pragmatische Sprache und darauf, dass deine Adressaten - also die Schulöffentlichkeit - das Stück nicht unbedingt kennen.
Inhalt
  • Drama spielt im Jahr 1794 vor dem Hintergrund der Französischen Revolution
  • handelt von Georges Danton, der die Sansculotten aufhetzt, die Adligen zu ermorden
  • Danton führte anschließend die Septembermorde an
  • Danton befindet sich allerdings in einer Sinnkrise und ist sich ob der Rechtfertigung seiner Taten (Hinrichtung von 1.300 Gefangenen als Justizminister) nicht sicher, zweifelt daran
  • glaubt nicht mehr an die Revolution und schwört der Gewalt ab
  • letztlich Opfer der eigenen Revolution
  • im Volk herrscht Unzufriedenheit über die Armut $\rightarrow$ resultiert in Gewaltbereitschaft
Volk als Figur (M1 und M2)
  • fehlende Moral im Volk als Folge des Lebens in Armut und Hunger
  • Erkenntnis der bisherigen Erfolglosigkeit der Revolution für den 3. Stand
  • Anfälligkeit für Manipulation
  • extreme Gewaltbereitschaft; Brutalität zeigt sich auch in sprachlicher Eskalation
  • Auftritte des Volkes nur unter freiem Himmel (in der Gasse, „Platz vor dem Justizpalast“, auf dem Hinrichtungsplatz), summarische Bezeichnungen in den Regieanweisungen (z.B. „Volkeshaufe“), keine individuelle Charakterisierung
  • Volk handelt als homogene Masse ohne individuelle Entscheidungsvielfalt
  • Volk „als Kollektiv [wird] zu einer Dramenfigur“ (M6)
Volk als Opfer
  • Verführbarkeit des Volkes (M2)
    $\rightarrow$ Bürger führt auf, welche Fehler Danton begangen hat, Volk will ihn töten, will das gleiche Leben wie Danton führen
  • Demoralisierung und Unterdrückung des Volkes durch die materielle Not (M7, M8)
    $\rightarrow$ Volk kann nur als Opfer gelten, da es nicht der Verursacher der Zustände ist
    $\rightarrow$ Volk soll durch die von Robespierre veranlassten Tötungen beschwichtigt werden
    $\rightarrow$ „Pöbel zu elend, zu verhungert, um eine solche eruptive Kraft zu haben“, ist nicht blutdürstig
    $\rightarrow$ „Sklaven der rohen Not“
  • Ausweglosigkeit: Notsituation als Auslöser der Revolution, jedoch Distanzierung der Revolutionäre vom Volk (M3, M4, M6, M9)
    $\rightarrow$ „die kleinen Leute werden ausgeblendet“
    $\rightarrow$ „materielles Elend, besonders aber der Hunger sind die stärksten Hebel jeder Revolution, und die Revolution weckt in ihrem Verlauf immer die niederen, gemeinen Instinkte sowohl der Masse“
    $\rightarrow$ Elend als Ursache für Gräueltaten der Menschen
  • tragischer Determinismus: Verbesserung der Situation nur durch das Volk selbst möglich, das dazu aber „zu elend, zu verhungert“ ist (M8)
    $\rightarrow$ Volk liegt Ohnmacht zugrunde
    $\rightarrow$ Büchners fatalistisches Menschenbild
  • Betonung des Leids und der Opferrolle des Volkes im Stück, Funktion als „eigentliche[r] Gegenspieler“ (M3) zu Danton und Robespierre (M3, M4, M7)
  • Darstellung bei Büchner nicht idealisierend; Bewertung der Bedürfnisse des Volkes als legitim (M7); dadurch Hervorrufen von Empathie beim Zuschauer
  • Volk ist anfällig für Manipulation (M1)
    $\rightarrow$ Volk will sich durchsetzen, hat aber nicht die politische und redegewandte Intelligenz der Anführer
    $\rightarrow$ Volk hat Anweisungen der Anführer befolgt, Verbesserungen blieben jedoch aus
  • Volk profitiert nicht von Rebellion (M3)
    $\rightarrow$ „Danton und Robespierre klammerten eine grundsätzliche Veränderung der Besitzverhältnisse aus“
    $\rightarrow$ des Volkes Opferrolle ist Basis für Täterrolle
Volk als Täter
  • Unberechenbarkeit, Sensationslust, Niedrigkeit, Gemeinheit und Brutalität des Volkes
    $\rightarrow$ „Denn nicht der einzelne macht die Revolution, sondern sie macht ihn […], das heißt sie entfaltet sein niederes Naturell und vernichtet ihn dadurch.“ (M7)
    $\rightarrow$ öffentliche Tötungen der Aristokraten und anderer vermeintlicher Feinde des Volkes [sättigen] zwar das Volk nicht, aber vermitteln ihm wenigstens Freude am Spektakel (vgl. M7)
    $\rightarrow$ „eine Atmosphäre der Gewalt [wird] erzeugt, in der das Volk auch Unschuldige bedroht und in Gefahr bringt“ (M7)
    $\rightarrow$ „Totgeschlagen, wer lesen und schreiben kann!“ (M1)
  • willkürliche Zerstörungskraft des Volkes (M7)
    $\rightarrow$ „Materielles Elend, besonders aber der Hunger sind die stärksten Hebel jeder Revolution, und die Revolution weckt in ihrem Verlauf immer die niederen, gemeinen Instinkte sowohl der Masse wie der Führer.“
  • Darstellung als Täter aus der Opferrolle heraus: Betonung des Elends und der Verführbarkeit des Volkes (M2), gesichtslose, verrohte Masse (M6)
    $\rightarrow$ „Büchner beschreibt eine Verrohung und Gewalt, aber vor allem sprachlich“
  • Bedeutung des Volkes als treibende Kraft im Stück: das Ausblenden nimmt einer Inszenierung die Substanz (M5)
Fazit
  • Volk bleibt in der Opferrolle, da es keine Verbesserung der Situation erfährt
  • Täter nur im Sinne der Grausamkeit und Niedrigkeit
  • Volk deshalb Täter und Opfer gleichzeitig
    $\rightarrow$ Täter: Wunsch der Tötung all jener, die besser gestellt sind
    $\rightarrow$ Opfer: Leiden an Hunger und Hoffnungslosigkeit durch Prositution

Schluss

Am Schluss solltest du dich wieder auf das beziehen, was du in der Einleitung geschrieben hast, also eine Art Rahmen bauen. Du könntest beispielsweise auch auf die Inszenierung hinführen oder auch die wichtigsten Aspekte noch einmal bündeln. Ebenso könntest du den Autor würdigen oder noch ein Zitat aus den gegebenen Materialien aufgreifen.
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