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Aufgabe 3

Aufgaben
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$\blacktriangleright\;$ Thema:
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie Erster Theil.
#goethe#faust
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1.
Analysiere die vorliegende Szene aus Goethes Drama „Faust“, indem du sie inhaltlich zusammenfasst, knapp in die vorangegangene Entwicklung der Gretchenhandlung einordnest und die Figurengestaltung in der dargestellten Kommunikationssituation untersuchst. Berücksichtige dabei die sprachliche Gestaltung und die dramaturgische Funktion.
2.
Stelle dar, wie sich die in der vorliegenden Szene angelegte äußere und innere Situation Gretchens im weiteren Handlungsgang des Dramas entwickelt. Erläutere ausgehend von deinen Analyse-Ergebnissen, in welcher Weise sich in der Gretchentragödie Merkmale der Literaturepoche des Sturm und Drang widerspiegeln.
Brauchst du noch mehr Informationen zu Faust I?
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#analysieren#erläutern#dramenauszug
J. W. Goethe

Faust. Der Tragödie Erster Theil

AM BRUNNEN[1] (V. 3544 - 3586)
$\,$
GRETCHEN und LIESCHEN mit Krügen.
LIESCHEN. Hast nichts von Bärbelchen gehört?
GRETCHEN.
Kein Wort. Ich komm’ gar wenig unter Leute.
5
LIESCHEN. Gewiß, Sibylle sagt’ mir’s heute!
Die hat sich endlich auch bethört[2].
Das ist das Vornehmthun!
GRETCHEN. Wie so?
LIESCHEN. Es stinkt!
10
Sie füttert zwey, wenn sie nun ißt und trinkt.
GRETCHEN. Ach!
LIESCHEN. So ist’s ihr endlich recht ergangen.
Wie lange hat sie an dem Kerl gehangen!
Das war ein Spazieren,
15
Auf Dorf und Tanzplatz Führen,
Mußt’ überall die erste seyn,
Curtesirt’ ihr[3] immer mit Pastetchen und Wein;
Bild’t sich was auf ihre Schönheit ein,
War doch so ehrlos sich nicht zu schämen
20
Geschenke von ihm anzunehmen.
War ein Gekos’[4] und ein Geschleck’;
Da ist denn auch das Blümchen[5] weg!
GRETCHEN. Das arme Ding!
LIESCHEN. Bedauerst sie noch gar!
25
Wenn unser eins am Spinnen war,
Uns Nachts die Mutter nicht hinunterließ;
Stand sie bei ihrem Buhlen süß,
Auf der Thürbank und im dunkeln Gang
Ward ihnen keine Stunde zu lang.
30
Da mag sie denn sich ducken nun,
Im Sünderhemdchen Kirchbuß’ thun[6]!
GRETCHEN. Er nimmt sie gewiß zu seiner Frau.
LIESCHEN. Er wär’ ein Narr! Ein flinker Jung’
Hat anderwärts noch Luft genung,
35
Er ist auch fort.
GRETCHEN. Das ist nicht schön!
LIESCHEN. Kriegt sie ihn, soll’s ihr übel gehn.
Das Kränzel reißen die Buben ihr,
Und Häckerling[7] streuen wir vor die Thür!
40
ab.
GRETCHEN nach Hause gehend.
Wie konnt’ ich sonst so tapfer schmählen[8],
Wenn thät ein armes Mägdlein fehlen!
Wie konnt’ ich über andrer Sünden
45
Nicht Worte g’nug der Zunge finden!
Wie schien mir’s schwarz, und schwärzt’s noch gar,
Mir’s immer doch nicht schwarz g’nug war,
Und segnet’ mich und that so groß,
Und bin nun selbst der Sünde bloß[9]!
50
Doch – alles was dazu mich trieb,
Gott! war so gut! ach war so lieb!


[1] Die Szene war bereits Bestandteil des Urfaust, der zwischen 1772 und 1775 entstand.
[2] bethört: sich betören lassen: sich verführen lassen
[3] Curtesirt' ihr: machte ihr den Hof, schmeichelte ihr
[4] Gekos': Bedeutung des Verbs „kosen“: zärtlich zueinander oder zu jemandem sein
[5] Blümchen: hier als Bezeichnung für die Jungfräulichkeit
[6] Im Sünderhemdchen Kirchbuß' thun: öffentliches Anprangern des außerehelichen Geschlechtsverkehrs durch die Kirche
[7] Kränzel…Häckerling: Nach verbreitetem Brauch wurde nicht mehr jungfräulichen Frauen, die in die Ehe gingen, der Myrtenkranz vom Kopf gerissen und statt Blumen Häcksel gestreut.
[8] schmählen: verspotten
[9] der Sünde bloß: hier im Sinne von: dem Sünde-Vorwurf ungeschützt, wehrlos ausgesetzt
Aus: Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie Erster Theil. In: Ders.: Faust. Eine Tragödie. Erster Theil. Frühere Fassung („Urfaust“), Paralipomena. Studienausgabe. Hrsg. und kommentiert von Ulrich Gaier. Stuttgart: Reclam 2011, S. 137 - 139.
#faust#goethe
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Analysieren einer Szene

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie Erster Theil
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere die vorliegende Szene aus Goethes Drama „Faust“, indem du sie inhaltlich zusammenfasst, knapp in die vorangegangene Entwicklung der Gretchenhandlung einordnest und die Figurengestaltung in der dargestellten Kommunikationssituation untersuchst. Berücksichtige dabei die sprachliche Gestaltung und die dramaturgische Funktion.

Einleitung

Wie in jeder Analyse beginnst du deine Einleitung mit einem kurzen Basissatz, in dem du die wichtigsten Informationen nennst und den Inhalt von Faust knapp zusammenfasst.
Basissatz
  • Titel: Faust. Der Tragödie Erster Theil
  • Autor: Johann Wolfgang Goethe
  • Erscheinungsjahr: 1808
  • Inhalt: Die Tragödie spielt in Deutschland um das Jahr 1500 und handelt von dem Wissenschaftler Heinrich Faust, der nach Wissen strebt und unfähig ist, sein Leben zu genießen. Aus diesem Grund schließt er einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel und verspricht diesem seine Seele.

Hauptteil

Im Hauptteil fasst du nun zuerst den Inhalt der Szene „AM BRUNNEN“ zusammen und ordnest sie knapp in die vorangegangene Entwicklung der Gretchenhandlung ein. Anschließend untersuchst du unter Berücksichtigung der sprachlichen Gestaltung und der dramaturgischen Funktion die Figurengestaltung in der dargestellten Kommunikationssituation.
Inhaltliche Zusammenfassung
  • Unterhaltung zwischen Gretchen und Lieschen über Bärbelchens uneheliche Schwangerschaft
  • Gretchen und eine Bekannte namens Lieschen treffen sich am Brunnen, um Wasser zu holen
  • Lieschen beginnt den neuesten Tratsch zu erzählen: Bärbelchen, eine weitere Bekannte der beiden, sei schwanger von ihrem Liebhaber
  • Lieschen findet die bevorstehende Ächtung der Schwangeren angemessen
  • Gretchen hingegen hat Mitgefühl mit Bärbelchen, da sie sich selbst bei der Schilderung von Bärbelchens Schicksal, wegen ihrer eigenen Sünde mit Faust, ertappt fühlt und sich somit gut in Bärbelchen hineinversetzen kann
    $\rightarrow$ Mitgefühl stößt bei Lieschen jedoch auf Unverständnis
  • Gretchen geht davon aus, dass der Liebhaber Bärbelchen heiraten wird, um die Situation zu entschärfen
    $\rightarrow$ erhofft sich wohl dasselbe von Faust
    $\rightarrow$ ihre Hoffnungen werden von Lieschen zerstört
  • Gretchen ist sehr betroffen von Bärbelchens Schicksal und macht sich auf dem Heimweg über ihre mit Faust begangene Sünde Gedanken
Deutungshypothese der Szene
  • Szene verdeutlicht Gretchens Zerrissenheit zwischen den Sitten und Gebräuchen der Gesellschaft und ihrer unsittlichen Liebe zu Faust
  • Szene stellt die öffentliche Meinung zur Schwangerschaft vor der Ehe dar
  • Vorausahnung auf Gretchens weiteres Schicksal
Einordnung in den Kontext der Gretchenhandlung
  • Gretchenhandlung beginnt, als Gretchen von Faust auf der Straße angesprochen wird
    $\rightarrow$ glaubt deshalb, dass sie etwas unsittliches getan hat
  • als Faust ihr ein Schmuckkästchen schenkt, entdeckt Gretchen ihre Sexualität, die sie aber noch nicht als solche erkennt
    $\rightarrow$ wünscht sich, mit ihrer Mutter über die unbekannten Gefühle reden zu können, vor denen sie Angst hat
  • besingt im Lied „Ein König in Thule“ ihre Bereitschaft, ein außereheliches Verhältnis einzugehen und den Wunsch nach einer bedingungslosen und hingebungsvollen Liebe
  • im Gartenhäuschen gibt sich Gretchen dem Kuss von Faust leidenschaftlich hin
    $\rightarrow$ werden von Mephisto gestört
    $\rightarrow$ danach sehnt sich Gretchen immer mehr nach Faust
    $\rightarrow$ Weg in die soziale Schande beginnt
  • am Brunnen erfährt sie das Schicksal von Frauen, die unehelich schwanger geworden sind
  • betet danach zur Muttergottes, was die bevorstehende Ermordung ihres Kindes andeutet
Figurengestaltung
$\blacktriangleright$  Gretchen
  • gibt direkt am Anfang zu verstehen, dass sie von der Gesellschaft sehr abgeschottet und zurückgezogen lebt, da ihre Mutter ihr keine Freiheiten gibt
    $\rightarrow$ „Kein Wort. Ich komm' gar wenig unter Leute.“ (Z. 4)
    $\rightarrow$ Mutter hat Angst, dass sie in Gesellschaft auf Männer trifft
  • Ausruf „Ach!“ (Z. 11) zeigt, dass es Gretchen bei der Nachricht über Bärbelchens Schwangerschaft die Sprache verschlägt
    $\rightarrow$ zunächst noch fraglich, ob sie einfach nur überrascht ist, oder sich schuldig fühlt
    $\rightarrow$ scheint aber auch nicht sonderlich interessiert zu sein, noch mehr über Bärbelchen zu erfahren, da sie keine weiteren Fragen stellt
  • bekundet durch Ausruf „Das arme Ding!“ (Z. 23) ihr Mitleid für Bärbelchens Situation
    $\rightarrow$ Gretchen scheint sich selbst in Bärbelchen zu sehen und sich in sie hineinversetzen zu können
    $\rightarrow$ erste Andeutung auf Gretchens späteres Schicksal
  • Gretchen hofft, dass der Liebhaber Bärbelchen zur Frau nimmt
    $\rightarrow$ Wort „gewiß“ (Z. 32) drückt Gretchens Hoffnung auf Besserung von Bärbelchens Situation aus
    $\rightarrow$ als Aussagesatz formuliert, um Gretchens vage Hoffnung und Endgültigkeit der Situation darzustellen
    $\rightarrow$ Gretchen will, dass es für Bärbelchens Problem eine gute Lösung gibt
    $\rightarrow$ Gretchen fühlt sich ertappt und will von Lieschen erfahren, ob es für sie selbst möglich wäre, ohne Skandal weiterleben zu können
    $\rightarrow$ Hoffnung von Gretchen, dass Faust sie heiratet
  • „Das ist nicht schön!“ (Z. 36): Gretchen drück ihr Entsetzen aus, dass der Liebhaber einfach verschwindet und Bärbelchen mit dem Kind im Stich lässt
    $\rightarrow$ trotz ihrer Schockiertheit verliert Gretchen nicht die Fassung und drückt sich sehr gepflegt aus
    $\rightarrow$ ihre gepflogene Ausdrucksweise verdeutlicht ihre gute Erziehung, die sie jedoch nicht davon abgehalten hat, eine heimliche Liebschaft mit Faust anzufangen
    $\rightarrow$ Gretchen beginnt insgeheim an der Beziehung zu Faust zu zweifeln und fragt sich, ob Faust sie auch im Stich lassen würde
    $\rightarrow$ durch Lieschens Schilderungen wird ihre Hoffnung auf eine Heirat mit Faust zerstört
  • Gretchen hat nur einen einzigen längeren Monolog in der ganzen Szene (Z. 41-51)
    $\rightarrow$ die Zweifel Gretchens an der Beziehung zu Faust werden im Monolog zur Gewissheit
    $\rightarrow$ beginnt, ihre Beziehung zu Faust in einem anderen Licht zu sehen und ihr wird zum ersten Mal ihre Sünde klar („Und bin nun selbst der Sünde bloß!“ (Z. 49))
  • Gretchen bekommt ein schlechtes Gewissen
    $\rightarrow$ zum einen, weil sie früher selbst über Mädchen in solchen Situationen getratscht hat
    $\rightarrow$ zum anderen, weil sie sich ihrer Sünde und dem Bruch der Sitten der Gesellschaft bewusst wird
    $\rightarrow$ weiß nun, wie man sich als Betroffene fühlt
  • indem Gretchen auf eine Lösung für Bärbelchens Situation hoffte, hoffte sie zugleich auch für sich und Faust
    $\rightarrow$ Hoffnungen zerbrechen und sie ist verzweifelt
  • ist zerrissen zwischen den Zwängen der Gesellschaft und ihrer Liebe zu Faust
    $\rightarrow$ gibt sich jedoch am Ende der Liebe zu Faust hin, auch wenn sie die Konsequenzen kennt und fürchtet
    $\rightarrow$ „Doch - alles was dazu mich trieb, Gott! war so gut! ach war so lieb!“ (Z. 50f.)
    $\rightarrow$ Ausruf „Gott!“ (Z. 51) zeugt davon, dass Gretchen eigentlich ein gottesfürchtiges und liebes Mädchen ist und nur durch Faust und Mephisto verdorben wurde
  • Monolog ist als Paarreim verfasst
    $\rightarrow$ wirkt drängender
    $\rightarrow$ gibt rasende Gedanken Gretchens wieder
  • Gretchens Name wandelt sich von Margarete zu Gretchen
    $\rightarrow$ Gretchen wird somit als Kind dargestellt, obwohl sie sonst wie eine erwachsene Frau wirkte
    $\rightarrow$ Gretchen als unschuldige Erscheinung, obwohl sie mit Faust eine Sünde begeht und dadurch nicht mehr unschuldig ist
    $\rightarrow$ weckt durch Verniedlichung Mitleid der Leser für Gretchens Schicksal
    $\rightarrow$ alle Frauennamen sind in der Szene verniedlicht
  • obwohl Gretchen es nicht direkt anspricht, können Leser anhand ihres schuldbewussten Verhaltens erahnen, dass Gretchen ein ähnliches Schicksal wie Bärbelchen ereilen wird
  • Gretchens Redeanteil in Szene ist vergleichsweise deutlich weniger, bis auf den letzten Monolog
    $\rightarrow$ dramaturgische Funktion
    $\rightarrow$ soll Lesern zeigen, dass etwas nicht stimmt, da sich Gretchen nicht auf den Tratsch einlässt und statt fröhlich, sehr schweigsam ist
$\blacktriangleright$  Lieschen
  • auch Lieschens und Bärbelchens Namen werden verniedlicht, um ihre Kindlichkeit hervorzuheben
  • Lieschen steht stellvertretend für die Gesellschaft, die uneheliche Schwangerschaften nicht akzeptiert und schwer ächtet
    $\rightarrow$ vertritt öffentliche Meinung, was in ganzer Szene deutlich wird
    $\rightarrow$ lässt sich nicht von Meinung abbringen
  • Lieschen eröffnet Gespräch
    $\rightarrow$ beginnt neuesten Tratsch mit unschuldiger Frage: „Hast nichts von Bärbelchen gehört?“ (Z. 1)
    $\rightarrow$ soll Gretchens Neugier auf die Nachrichten wecken
  • „Sie füttert zwey, wenn sie nun ißt und trinkt.“ (Z. 10)
    $\rightarrow$ Lieschen drückt sich immer sehr undeutlich oder in Metaphern aus
    $\rightarrow$ Metapher für Bärbelchens Schwangerschaft
  • „So ist's ihr endlich recht ergangen.“ (Z. 12)
    $\rightarrow$ schadenfroh über Bärbelchens Schicksal
    $\rightarrow$ gönnt Bärbelchen die bevorstehende Ächtung durch die Gesellschaft
  • in Zeile 13-22 beschreibt Lieschen, was Bärbelchen alles getan hat und was sie mit ihrem Liebhaber dabei für einen Spaß hatte
    $\rightarrow$ klingt sehr abwertend
    $\rightarrow$ Bärbelchen sollte arbeiten, anstatt sich zu vergnügen
    $\rightarrow$ Lieschen scheint neidisch auf Bärbelchen zu sein
    $\rightarrow$ Lieschen wünscht sich insgeheim auch einen Liebhaber um die gleichen Sachen, wie Bärbelchen, mit ihm erleben zu können
  • „Blümchen“ (Z. 22) als Metapher für Jungfräulichkeit, welche Bärbelchen von Liebhaber gestohlen wurde
    $\rightarrow$ Lieschen redet in Metaphern, da es sich in der Öffentlichkeit nicht schickt, über sexuelle Themen zu sprechen
  • „Bedauerst sie noch gar!“ (Z. 24)
    $\rightarrow$ kein Verständnis für Gretchens Mitleid
    $\rightarrow$ ahnt nicht, dass sich Gretchen in derselben Situation befindet
  • „Wenn unser eins am Spinnen war, Uns Nachts die Mutter nicht hinunterließ; Stand sie bei ihrem Buhlen süß, Auf der Thürbank und im dunkeln Gang Ward ihnen keine Stunde zu lang.“ (Z. 25-29)
    $\rightarrow$ drückt Lieschens Neid aus
    $\rightarrow$ hätte auch gerne Bärbelchens Erlebnisse gehabt
    $\rightarrow$ sauer, weil sie spinnen musste und Mutter sie nicht aus dem Haus lies
    $\rightarrow$ zeigt auch, wie viel Angst Mütter hatten, ihre Töchter abends hinaus zu lassen, damit sie nicht gegen Sitten der Gesellschaft verstoßen
  • „Er wär' ein Narr.“ (Z. 33)
    $\rightarrow$ stellt öffentliche Meinung dar
    $\rightarrow$ Lieschen denkt, der Liebhaber kann eine bessere Frau finden
    $\rightarrow$ Mann muss keine Verantwortung für sein Handeln übernehmen und kommt einfach davon
    $\rightarrow$ Frau muss alle Konsequenzen der Sünde und der daraus resultierenden Schwangerschaft auf sich nehmen
  • „Kriegt sie ihn, soll's ihr übel gehen.“ (Z. 37)
    $\rightarrow$ Lieschen würde Bärbelchen kein Happy End gönnen
    $\rightarrow$ Sünde muss bestraft werden
    $\rightarrow$ selbst wenn Bärbelchen den Liebhaber heiratet, wird sie immer mit der Schande leben müssen
  • „Das Kränzel reißen die Buben ihr, Und Häckerling streuen wir vor die Thür!“ (Z. 38-39)
    $\rightarrow$ Lieschen bezieht durch das „wir“ Gretchen mit ein
    $\rightarrow$ spricht sich für Verhalten der Gesellschaft aus und unterstützt es
    $\rightarrow$ zeigt Gretchen damit auf, wie es ihr gehen würde, wenn sie Faust heiratet
  • Lieschens Redeanteil ist viel größer als Gretchens
  • Lieschen hat in der Szene die Funktion, die Gesellschaft zu vertreten
    $\rightarrow$ alle Werte und Sitten der Gesellschaft verbinden sich in Lieschen
    $\rightarrow$ durch Lieschen wird die allgemeine Meinung der Gesellschaft zu einer unehelichen Schwangerschaft deutlich
    $\rightarrow$ Lieschen zeigt die Konsequenzen einer unehelichen Schwangerschaft auf

Schluss

Fasse am Ende deine Analyse-Ergebnisse nochmals in einem Fazit zusammen.
  • Lieschen besitzt in der Szene die Stellvertreter-Funktion für die Gesellschaft
  • Gretchen werden die Konsequenzen ihrer Sünde deutlich und sie wird zunehmend verzweifelter zum Ende hin
  • Szene zeigt Moral, Sitten und Gebräuche der Gesellschaft und wie gegen eine uneheliche Schwangerschaft vorgegangen wird
  • Szene ist eine Vorausdeutung auf Gretchens späteres Schicksal

Epochenzuordnung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie Erster Theil
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Stelle dar, wie sich die in der vorliegenden Szene angelegte äußere und innere Situation Gretchens im weiteren Handlungsgang des Dramas entwickelt. Erläutere ausgehend von deinen Analyse-Ergebnissen, in welcher Weise sich in der Gretchentragödie Merkmale der Literaturepoche des Sturm und Drang widerspiegeln.

Einleitung

Nenne in der Einleitung nochmals die wichtigsten Informationen zu Goethes Werk und dessen Inhalt.
Basissatz
  • Titel: Faust. Der Tragödie Erster Theil
  • Autor: Johann Wolfgang Goethe
  • Erscheinungsjahr: 1808
  • Inhalt: Die Tragödie spielt in Deutschland um das Jahr 1500 und handelt von dem Wissenschaftler Heinrich Faust, der nach Wissen strebt und unfähig ist, sein Leben zu genießen. Aus diesem Grund schließt er einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel und verspricht diesem seine Seele.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du nun zuerst den weiteren Handlungsverlauf der Gretchentragödie darstellen und wie sich Gretchens äußere und innere Situation dabei entwickelt. Anschließend erläuterst du ausgehend von deinen Analyse-Ergebnissen, in welcher Weise sich Merkmale des Sturm und Drang in der Gretchentragödie widerspiegeln.
Entwicklung der Situation Gretchens im weiteren Handlungsverlauf
  • Gretchen singt ein Lied, in dem sie die Gottesmutter als leidende Mutter anbetet
    $\rightarrow$ bittet wegen ihrer Schwangerschaft um die Rettung vor Schande und dem Tod
    $\rightarrow$ spricht zum ersten Mal aus, was bereits in der Szene „AM BRUNNEN“ angedeutet wurde
  • Gretchens Bruder Valentin will die Ehre und Anständigkeit seiner Familie wiederherstellen, indem er Faust tötet
    $\rightarrow$ Valentin wird von Faust und Mephisto tödlich verwundet und klagt vor dem zusammengelaufenen Volk seine Schwester an, eine Hure und für seinen Tod verantwortlich zu sein
    $\rightarrow$ Gretchens Kindsmord wird prophezeit
    $\rightarrow$ Gretchen ist nun der sozialen Schande ausgeliefert und von Faust verlassen; ihr Weg in den Wahnsinn beginnt
    $\rightarrow$ Gretchen erlebt nun die Konsequenzen ihrer Sünde und wird mit ihrer Angst konfrontiert, von Faust verlassen zu werden
  • im Dom steht der böse Geist für Gretchens Schuldbewusstsein
    $\rightarrow$ Gretchen verzweifelt wegen ihres schlechten Gewissens und hat Angst
    $\rightarrow$ Änderung von Gretchens Gottesbild: der behütende Gott wird zum Richter
  • nach Gretchens Verhaftung geschieht im Kerker ein Umbruch
    $\rightarrow$ Gedanke der Weimarer Klassik: Gretchen erkennt ihre Schuld, trennt sich von Faust, der Welt und der Sünde und wird dadurch erlöst
    $\rightarrow$ Faust handelt egoistisch, will Gretchen gegen ihren Willen retten, gesteht sich die Schuld nicht ein, weshalb es für ihn keine Erlösung gibt
    $\rightarrow$ Faust ist dem Diesseits verhaftet, Gretchen wendet sich dem Jenseits zu aus schlechtem Gewissen, da sie ihr Kind ertränkt hat
    $\rightarrow$ Gretchen wird wieder zu Margarete durch ihr eigenständiges Handeln und die Erkenntnis, dass Faust sie nicht liebt
  • Gretchens äußere und innere Situation entwickelt sich im Verlauf des Dramas erst zum Schlechten hin
    $\rightarrow$ seit der öffentlichen Anklage ihres Bruders äußert sich ihre soziale Schande zum einen äußerlich, anhand ihres Verhaltens (Kindesmord), zum anderen aber auch an ihren Gefühlen (Verzweiflung, Selbstmordgedanken)
    $\rightarrow$ Tiefpunkt erreicht die Entwicklung im Kerker
    $\rightarrow$ im Kerker ist Gretchen apathisch und erkennt Faust erst nicht wieder
    $\rightarrow$ als sie ihn schließlich erkennt, folgt die Erkenntnis und der Umbruch, welche ihre äußere und innere Situation wieder verbessert
Merkmale des Sturm und Drang
  • relativ kurze Epoche von 1767 bis 1785
  • Gegenströmung zur Aufklärung
    $\rightarrow$ Gefühl statt Vernunft
  • im Drama war ein wesentliches Merkmal die Zerissenheit der Hauptfiguren
  • Themen waren vor allem: Liebe, Verantwortung, Lust und Moral, Beziehungen und Ständeunterschiede
Die Gretchentragödie und Merkmale des Sturm und Drang
  • Gretchen ist zerissen zwischen den Sitten der Gesellschaft und ihrer Liebe zu Faust
  • in der Szene am Brunnen wird ihr nochmals vor Augen geführt, was ihre Unsittlichkeit für Konsequenzen haben kann
    $\rightarrow$ entscheidet sich für die Lust, statt der Moral
  • Gretchentragödie behandelt auch Themen wie Liebe, Lust und Moral sowie nicht-standesgemäße Beziehungen
    $\rightarrow$ Liebe zwischen Faust und Gretchen, die als Tragödie endet
    $\rightarrow$ Gretchen zuerst als gottesfürchtiges Mädchen, das vom Teufel getäuscht wird
    $\rightarrow$ Beziehung zwischen Faust und Gretchen unsittlich
  • Gretchen hört zuerst auf ihr Gefühl und gibt sich Faust hin
    $\rightarrow$ später siegt bei ihr jedoch die Vernunft und sie übergibt sich der Gnade Gottes

Schluss

Fasse zum Schluss nochmal kurz deine wichtigsten Ergebnisse zusammen.
  • Gretchentragödie ist merklich vom Sturm und Drang geprägt
    $\rightarrow$ zum Beispiel durch Merkmale wie Lust und Moral, Liebe, Verantwortung und auch die Zerrissenheit der Hauptfiguren
  • Gretchens äußere und innere Situation entwickelt sich im Laufe des Dramas zunächst hin zum Schlechten und gipfelt im Kindsmord
    $\rightarrow$ erkennt am Ende aber ihre Schuld und stirbt durch Gnade Gottes
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Aufgabe 3

Analysieren einer Szene

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie Erster Theil
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere die vorliegende Szene aus Goethes Drama „Faust“, indem du sie inhaltlich zusammenfasst, knapp in die vorangegangene Entwicklung der Gretchenhandlung einordnest und die Figurengestaltung in der dargestellten Kommunikationssituation untersuchst. Berücksichtige dabei die sprachliche Gestaltung und die dramaturgische Funktion.
Goethes Tragödie „Faust I“ spielt in Deutschland um das Jahr 1500 und handelt von dem Wissenschaftler Heinrich Faust, der nach Wissen strebt und unfähig ist, sein Leben zu genießen. Aus diesem Grund schließt er einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel und verspricht diesem seine Seele.
In der Szene „AM BRUNNEN“ unterhalten sich Gretchen und Lieschen über Bärbelchens uneheliche Schwangerschaft. Am Brunnen treffen sich die beiden, um Wasser zu holen. Lieschen beginnt damit, den neuesten Tratsch zu erzählen: Bärbelchen, eine weitere Bekannte der beiden, sei schwanger von ihrem Liebhaber. Lieschen findet die bevorstehende Ächtung der Schwangerern angemessen, wohingegen Gretchen Mitgefühl zeigt, da sie sich selbst bei der Schilderung von Bärbelchens Schicksal, wegen ihrer eigenen Sünde mit Faust, ertappt fühlt und sich somit gut in Bärbelchen hineinversetzen kann. Dieses Mitgefühl stößt bei Lieschen jedoch auf Unverständnis. Gretchen geht jedoch davon aus, dass der Liebhaber Bärbelchen heiraten wird, um die Situation zu entschärfen. Offenbar erhofft sie sich dasselbe von Faust - ihre Wünsche werden jedoch von Lieschen zerstört. Gretchen ist sehr betroffen von Bärbelchens Schicksal und macht sich auf dem Heimweg über ihre mit Faust begangene Sünde Gedanken.
Diese Szene verdeutlicht Gretchens Zerrissenheit zwischen den Sitten und Gebräuchen der Gesellschaft und ihrer unsittlichen Liebe zu Faust. Hier wird die öffentliche Meinung zur Schwangerschaft vor der Ehe dargestellt und eine Vorausahnung auf Gretchens eigenes, zukünftiges Schicksal gegeben.
Die Gretchenhandlung beginnt tatsächlich, als Gretchen von Faust auf der Straße angesprochen wird. Sie glaubt deshalb, dass sie etwas unsittliches getan hat. Als Faust ihr dann ein Schmuckkästchen schenkt, entdeckt Gretchen ihre Sexualität, die sie aber noch nicht als solche erkennt und sie wünscht sich insgeheim, mit ihrer Mutter über die unbekannten Gefühle reden zu können, vor denen sie Angst hat. Trotz dessen besingt sie im Lied „Ein König in Thule“ ihre Bereitschaft, ein außereheliches Verhältnis einzugehen und den Wunsch nach einer bedingungslosen und hingebungsvollen Liebe. Im Gartenhäuschen gibt sich Gretchen dem Kuss von Faust schließlich leidenschaftlich hin, doch sie werden von Mephisto gestört. Danach sehnt sich Gretchen immer mehr nach Faust und ihr Weg in die soziale Schande beginnt. Am Brunnen erfährt sie jedoch das Schicksal von Frauen, die unehelich schwanger geworden sind und betet danach zur Muttergottes, was wiederum die bevorstehende Ermordung ihres Kindes andeutet.
Gretchens Lebensweg und ihre Verstrickung mit Faust scheint schon fast fest vorgegeben. Direkt am Anfang gibt sie zu verstehen, dass sie von der Gesellschaft sehr abgeschottet und zurückgezogen lebt, da ihre Mutter ihr keine Freiheiten gibt, die Angst hat, dass Gretchen womöglich in Gesellschaft auf Männer trifft. Auf die Nachricht über Bärbelchens Schwangerschaft verschlägt es ihr die Sprache. Zunächst ist es jedoch fraglich, ob sie einfach nur überrascht ist, oder sich schuldig fühlt. Sie scheint allerdings auch nicht sonderlich daran interessiert zu sein, noch mehr über Bärbelchen zu erfahren, da sie keine weiteren Fragen stellt. Trotzdem bekundet sie durch den Ausruf „Das arme Ding!“ (Z. 23) ihr Mitleid für Bärbelchens Situation. Gretchen scheint sich selbst in Bärbelchen zu sehen und sich in sie hineinversetzen zu können. Gretchen hofft stark, dass Bärbelchens Liebhaber sie zur Frau nehmen wird. Das Wort „gewiß“ (Z. 32) drückt hier Gretchens Hoffnung auf Besserung von Bärbelchens Situation aus. Dies ist als Aussagesatz formuliert, um Gretchens vage Hoffnung und Endgültigkeit der Situation darzustellen - Gretchen hofft hier auf einen guten Ausgang der mißlichen Situation. Zudem fühlt sie sich ertappt und will von Lieschen erfahren, ob es für sie möglich wäre, ohne Skandal weiterleben zu können. Es zeigt wiederum die Hoffnung Gretchens auf eine Heirat mit Faust. Gretchen beherrscht generell eine gepflogene Ausdrucksweise, was auf ihre gute Erziehung schließen lässt, die jedoch im Gegensatz zu ihren Gefühlen zu Faust steht. In ihrem einzigen längeren Monolog in der Szene (vgl. Z. 41-51) werden Gretchens Zweifel an der Beziehung zu Faust zur Gewissheit. Hier beginnt sie, ihre Beziehung zu Faust in einem anderen Licht zu sehen und ihr wird zum ersten Mal ihre Sünde bewusst. Sie bekommt daraufhin ein schlechtes Gewissen - zum einen weil sie früher selbst über Mädchen in solchen Situationen getratscht hat, zum anderen, weil sie sich ihrer Sünde und dem Bruch der Sitten der Gesellschaft bewusst wird. Sie weiß nun, wie man sich als Betroffene fühlt. Sie ist also zerrissen zwischen den Zwängen der Gesellschaft und ihrer Liebe zu Faust. Am Ende gibt sie sich doch ihrer Liebe zu Faust hin - obwohl sie ein gottesfürchtiges Mädchen ist und nur durch Faust und Mephisto verdorben wurde. Obwohl Gretchen es nicht direkt anspricht, können Leser anhand ihres schuldbewussten Verhaltens erahnen, dass Gretchen ein ähnliches Schicksal wie Bärbelchen ereilen wird. Gretchens Redeanteil in dieser Szene ist vergleichsweise gering. Diese dramaturgische Funktion soll den Lesern zeigen, dass etwas nicht stimmt, da sich Gretchen nicht auf den Tratsch einlässt und schweigsam anstatt fröhlich ist.
Lieschen steht in dieser Szene stellvertretend für die Gesellschaft, die uneheliche Schwangerschaften nicht akzeptiert und schwer ächtet. Sie eröffnet das Gespräch und beginnt den neuesten Tratsch mit der unschuldigen Frage „Hast nichts von Bärbelchen gehört?“ (Z. 1), was Gretchens Neugier auf die Nachrichten wecken soll. Allerdings drückt sich Lieschen sehr undeutlich oder in Metaphern aus („Sie füttert zwey, wenn sie nun ißt und trinkt.“ (Z. 10)), da es sich in der Öffentlichkeit nicht schickt, über sexuelle Themen zu sprechen. Im Gegensatz zu Gretchen ist Lieschen jedoch schadenfroh über Bärbelchens Schicksal. Sie gönnt Bärbelchengeradezu die bevorstehende Ächtung durch die Gesellschaft. Sie beschreibt zudem, was Bärbelchen alles getan hat und welchen Spaß sie mit ihrem Liebsten dabei hatte. Dies klingt sehr abwertend, doch kann hier gesagt werden, dass Lieschen neidisch auf Bärbelchen zu sein scheint und sich insgeheim auch einen Liebhaber wünscht. Eigentlich ist sie sogar sauer, weil sie spinnen musste und ihre Mutter sie nicht aus dem Haus ließ. Es zeigt auch, wie viel Angst die Mütter zur damaligen Zeit hatten, ihre Töchter abends hinaus zu lassen, damit sie nicht gegen die Sitten der Gesellschaft verstießen (vgl. Z. 25-29). Ihr Ausspruch „Er wär' ein Narr.“ (Z. 33) zeigt, dass der Mann generell keinerlei Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss und die Frau hier alle Konsequenzen der Sünde und der daraus resultierenden Schwangerschaft auf sich nehmen muss. Sie verflucht Bärbelchen sogar, es soll ihr übel ergehen, wenn ihr Liebhaber sie doch heiraten würde (vgl. Z. 37). Und trotz der etwaigen Heirat hofft Lieschen, dass Bärbelchen für immer in ihrer Schande leben wird. Lieschen hat in dieser Szene ganz klar die Funktion, die Gesellschaft zu vertreten. Sie zeigt die allgemeine Meinung der Gesellschaft zu einer unehelichen Schwangerschaft auf und zeigt auch die Konsequenzen dieser auf.
„AM BRUNNEN“ zeigt Moral, Sitten und Gebräuche der Gesellschaft und wie gegen eine uneheliche Schwangerschaft vorgegangen wird. Gretchen bekommt hier einen sehr bitteren Vorgeschmack auf das, was ihr bevorstehen wird.
#analysieren#faust#figurenkonstellation
Aufgabe 3

Epochenzuordnung

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Der Tragödie Erster Theil
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Stelle dar, wie sich die in der vorliegenden Szene angelegte äußere und innere Situation Gretchens im weiteren Handlungsgang des Dramas entwickelt. Erläutere ausgehend von deinen Analyse-Ergebnissen, in welcher Weise sich in der Gretchentragödie Merkmale der Literaturepoche des Sturm und Drang widerspiegeln.
Goethes Tragödie „Faust I“ spielt in Deutschland um das Jahr 1500 und handelt von dem Wissenschaftler Heinrich Faust, der nach Wissen strebt und unfähig ist, sein Leben zu genießen. Aus diesem Grund schließt er einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel und verspricht diesem seine Seele. Die vorliegende Szene zeigt Gretchen und ihre Bekannte Lieschen, die über das bevorstehende Schicksal des unehelich schwanger gewordenen Bärbelchen sprechen.
Innerhalb der Szene „AM BRUNNEN“ wird Gretchen sich schmerzlich ihrer eigenen Sünde bewusst und ihre innere wie auch äußere Situation sich weiter zuspitzt. Zuerst sucht sie Hilfe bei der Gottesmutter - sie singt ein Lied, in welchem sie diese als leidende Mutter anbetet und bittet wegen ihrer Schwangerschaft um die Rettung vor Schande und Tod. Hier spricht sie zum ersten Mal aus, was bereits in der Szene am Brunnen angedeutet wurde. Als innerhalb Gretchens Familie ihre Situation bekannt wird, will ihr Bruder Valentin die Ehre und Anständigkeit seiner Familie wieder herstellen, indem er vorhat, Faust zu töten. Valentin wird jedoch von Faust tödlich verwundet und klagt vor dem anwesenden Volk seine Schwester an, eine Hure und für seinen Tod verantwortlich zu sein. Gretchens Kindsmord wird hier schon prophezeit und sie ist der sozialen Schande ausgeliefert und wird von Faust verlassen, womit ihr Weg in den Wahnsinn beginnt. Gretchen erfährt jetzt die direkten Konsequenzen ihrer Sünde und wird mit ihrer Angst konfrontiert, von Faust verlassen zu werden. Gretchen ist regelrecht verzweifelt über ihr Schicksal und wird im Dom mit dem bösen Geist konfrontiert, welcher für ihr Schuldbewusstsein steht. Der Gott der bisher über sie gewacht hatte, erfährt nun eine Wandlung und wird zum wertenden Richter. Als Gretchen wegen des Kindsmordes verhaftet wird, erfährt sie im Kerker einen Umbruch. Gretchen erkennt ihre Schuld, trennt sich von Faust, der Welt und der Sünde und wird dadurch erlöst, was wiederum dem Gedanken der Weimarer Klassik entspricht. Faust hingegen handelt egoistisch und will Gretchen gegen ihren Willen retten. Ergesteht sich seine Schuld an der ganzen Situation nicht ein, weshalb es für ihn keine Erlösung gibt. Faust ist also dem Diesseits verhaftet währen dich Gretchen dem Jenseits aus schlechtem Gewissen zuwendet, da sie ihr Kind ertränkt hat. Gretchen wird wieder zu Margarete durch ihr eigenständiges Handeln und die Erkenttnis, dass Faust sie nicht liebt.
Gretchens äußere wie auch innere Situation entwickelt sich im Verlauf des Dramas erst zum Schlechten hin. Seit der öffentlichen Anklage ihres Bruder äußert sich ihre soziale Schande zum einen äußerlich anhand ihres Verhaltens - der Kindsmord - und zum anderen auch an ihren Gefühlen, also ihrer Verzweiflung und ihren Selbstmordgedanken. Der allgemeine Tiefpunkt ihrer Entwicklung erfährt sie im Kerker - sie ist apathisch und erkennt Faust nicht wieder. Als sie ihn jedoch erkennt, folgt die Erkenntnis und der Umbruch, welche ihre äußere und innere Situation wieder verbessert.
Ganz klar kann „Faust I“ in die Epoche des Sturm und Drang eingeordnet werden. Sie war die Gegenströmung zur Aufklärung und deklariert Gefühl statt Vernunft. Wesentliche literarische Merkmale in Dramen waren die Zerrissenheit der Hauptfiguren; thematisiert wurden hauptsächlich de Aspekte Liebe, Verantwortung, Lust und Moral, Beziehungen und Ständeunterschiede.
Die Situation der Charaktere in „Faust I“ passt thematisch in diese Epoche. Gretchen ist zerrissen zwischen den Sitten der Gesellschaft und ihrer Liebe zu Faust. In der Szene am Brunnen wird ihr nochmals vor Augen geführt, welche Konsequenzen ihre Unsittlichkeit haben kann. Trotzdem entscheidet sie sich für die Lust anstatt der Moral. Die Gretchentragödie behandelt insgesamt auch Themen wie Liebe, Lust und Moral, sowie nicht-standesgemäße Beziehungen. Als Beispiel können hier die unsittliche Liebe zwischen Gretchen und Faust, die als Tragödie endet oder die Wandlung von Gretchen als gottesfürchtiges Mädchen, das vom Teufel verführt wird, angeführt werden. Zudem hört Gretchen zuerst auf ihr Gefühl und gibt sich Faust hin - später siegt jedoch ihre Vernunft und sie übergibt sich der Gnade Gottes.
Die Gretchentragödie ist merklich vom Sturm und Drang geprägt; dies lässt sich an den Merkmalen wie Lust und Moral, Liebe, Verantwortung und auch die Zerrissenheit der Hauptcharaktere. Gretchens innere und äußere Situation entwickeln sich im Laufe des Dramas zunächst zum Schlechten hin und gipfelt schließlich im Kindsmord. Am Ende erkennt sie jedoch aber ihre Schuld und stirbt durch die Gnade Gottes, wodurch sie die wahre Erlösung erfährt.
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