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Aufgabe 1

Aufgaben
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$\blacktriangleright\;$ Thema:
Herta Müller:
Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  1. Analysiere den Text von Herta Müller. Erläutere dabei vor allem die von der Autorin vorgestellten Besonderheiten der Mehrsprachigkeit und gehe auch auf die gedankliche Entfaltung und die sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes ein.
  2. „In jeder Sprache sitzen andere Augen in den Wörtern“ (Z. 11). Erläutere knapp zwei dir bekannte sprachtheoretische Grundannahmen über den Zusammenhang von Sprache, Denken und Wirklichkeit, vor deren Hintergrund das vorangestellte Zitat Herta Müllers erklärt oder aber kritisiert werden kann. Stelle begründet dar, inwieweit Herta Müllers Auffassung den von dir referierten Gedanken entspricht.
    Nehmen Sie daran anknüpfend Stellung zu der Frage, ob Mehrsprachigkeit eine reichhaltigere Weltsicht ermöglicht.
#begründen#erläutern#textanalyse
Herta Müller

Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache

$\,$
Im Dialekt des banatschwäbischen[1] Dorfes, in dem ich aufgewachsen bin, sagte man: Der Wind geht. Im Hochdeutschen, das man in der Schule sprach, sagte man: Der Wind weht. Und das klang für mich als Siebenjährige, als würde er sich wehtun. Und im Rumänischen, das ich damals in der Schule zu lernen begann, sagte man: Der Wind schlägt, vintul bate. Das klang damals, als würde er anderen wehtun. Und
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genauso unterschiedlich wie das Wehen ist das Aufhören des Windes. Auf Deutsch heißt es: Der Wind hat sich gelegt. Auf Rumänisch aber: Der Wind ist stehen geblieben, vintul a stat. Dieses Beispiel vom Wind ist nur eines von den ständig verschiedenen Bildern, die zwischen zwei Sprachen für ein und dieselbe Tatsache stehen. Zwischen allen Sprachen tun sich Bilder auf. Jeder Satz ist ein von seinen Sprechern so und nicht anders geformter Blick auf die Dinge. Jede Sprache sieht die Welt anders an, hat
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ihr gesamtes Vokabular durch diese andere Sicht anders gefunden – ja sogar anders eingefädelt ins Netz seiner Grammatik. In jeder Sprache sitzen andere Augen in den Wörtern.
Rose, trandafir, ist im Rumänischen maskulin. Sicher schaut die Rose einen anders an als der Rose. Man hat es auf Deutsch mit einer Rosendame, auf Rumänisch mit einem Herrn zu tun. Wenn man beide Sichtweisen kennt, tun sie sich im Kopf zusammen. Die feminine und maskuline Sicht sind aufgebrochen,
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es schaukeln sich in der Rose eine Frau und ein Mann ineinander. Es entsteht eine überraschende, verblüffend doppelbödige Poesie. Der Gegenstand vollführt in sich selber ein kleines Theater, weil er sich nicht genau kennt. Was ist die Rose in zwei gleichzeitig laufenden Sprachen? Sie ist ein Frauenmund in einem Männergesicht, sie ist ein zehenlanges Frauenkleid, in dem eingerollt ein Männerherz sitzt. Sie ist Frauenhandschuh und Männerfaust in einem. Aus der abgeschlossenen Rose jeder Sprache wird im
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Zusammentreffen beider Rosenwörter eine rätselhafte, niemals endende Handlung. Eine doppelbödige Rose sagt immer mehr von sich und der Welt als die einsprachige Rose.
Von einer Sprache zur anderen passieren bei ein- und demselben Gegenstand jedes Mal Verwandlungen. Egal, um welche Sprachen es dabei geht. Die Sicht der Muttersprache stellt sich dem anders Geschauten der fremden Sprache. Die Muttersprache hat man fast ohne eigenes Zutun. Sie ist eine Mitgift, die
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unbemerkt entsteht. Von einer später dazugekommenen und anders daherkommenden Sprache wird sie beurteilt. Im einzig Selbstverständlichen blinkt auf einmal das Zufällige aus den Wörtern. Die Muttersprache ist fortan nicht mehr die einzige Station der Gegenstände, das Muttersprachenwort nicht mehr das einzige Maß der Dinge. Ja sicher, die Muttersprache bleibt unverrückbar, was sie einem ist. Im Großen und Ganzen glaubt man ihrem Maß, auch wenn dieses vom Geschau der dazukommenden
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Sprache relativiert wird. Man weiß, dieses wenn auch zufällige, so doch instinktive Maß ist das Sicherste und Notwendigste, das man hat. Es steht dem Mund gratis zur Verfügung, ohne bewusst gelernt worden zu sein. Die Muttersprache ist momentan und bedingungslos da wie die eigene Haut. Und genauso verletzbar wie diese, wenn sie von anderen gering geschätzt, missachtet oder gar verboten wird. Wer wie ich in Rumänien aus dem Dialektdorf mit dürftigem Schulhochdeutsch nebenher in die Landessprache
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der rumänischen Stadt kam, hatte es schwer. Während der ersten zwei Jahre in der Stadt war es meist leichter für mich, in unbekannter Gegend die richtige Straße zu finden als in der Landessprache das richtige Wort. Das Rumänische verhielt sich zu mir wie mein Taschengeld. Kaum lockte mich ein Gegenstand in der Vitrine, schon reichte das Geld nicht, um ihn zu bezahlen. Was ich sagen wollte, musste bezahlt werden mit entsprechenden Worten, und viele kannte ich nicht, und die wenigen, die ich
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kannte, fielen mir nicht rechtzeitig ein. Aber heute weiß ich, dass dieses Nach-und-Nach, das Zögerliche, das mich unter das Niveau meines Denkens zwang, mir auch die Zeit gab, die Verwandlung der Gegenstände durch die rumänische Sprache zu bestaunen. Ich weiß, dass ich von Glück zu reden habe, weil das geschah. Welch ein anderer Blick auf die Schwalbe im Rumänischen, die rindunica, die „Reihensitzchen“ heißt. Wie viel mehr ist darin als im deutschen Wort. Im Vogelnamen wird mitgesagt,
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dass die Schwalben in schwarzen Reihen, eine dicht an der anderen, auf dem Draht sitzen. Ich hatte es, als ich das rumänische Wort noch nicht kannte, jeden Sommer im Dorf gesehen. Es verschlug mir den Atem, dass man die Schwalbe so schön benennen kann. Es wurde immer öfter so, dass die rumänische Sprache die sinnlicheren, auf mein Empfinden besser zugeschnittenen Wörter hatte als meine Muttersprache. Ich wollte den Spagat der Verwandlungen nicht mehr missen. Nicht im Reden und nicht
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im Schreiben. Ich habe in meinen Büchern noch keinen Satz auf Rumänisch geschrieben. Aber selbstverständlich schreibt das Rumänische immer mit, weil es mir in den Blick hineingewachsen ist.
Es tut keiner Muttersprache weh, wenn ihre Zufälligkeiten im Geschau anderer Sprachen sichtbar werden. Im Gegenteil, die eigene Sprache vor die Augen einer anderen zu halten, führt zu einem durch und durch beglaubigten Verhältnis, zu einer unangestrengten Liebe. Ich habe meine Muttersprache nie geliebt, weil
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sie die bessere ist, sondern die vertrauteste.
[…]
Auch in Demokratien ist die Sprache so wenig wie in Diktaturen ein unpolitisches Gehege. Da wie dort liegt sie nicht außerhalb des Lebens, da wie dort muss man ihr ablauschen, was sie mit den Menschen tut. Das aber ist in Sprachkursen nur schwer zu vermitteln, weil das so genannte „korrekte Deutsch“ das
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Changieren in die Poesie eher verstellt als verdeutlicht. Ich sehe es daher mit großem Bedauern, dass sich der Sprachunterricht im Goethe-Institut[2] mittlerweile sehr weit von der Literatur entfernt hat.


[1] Banatschwäbisch: Mundart aus dem Siedlungsgebiet der Donauschwaben im südöstlichen Teil Europas, die zum Teil auch heute noch gesprochen wird (auch Donauschwäbisch)
[2] Das Goethe-Institut ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel hat, die internationale kulturelle Zusammenarbeit zu pflegen und im Ausland ein aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln. Vor allem engagiert sich das Goethe-Institut bei der Vermittlung der deutschen Sprache in vielen Ländern der Erde.
Aus: Herta Müller: Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache. In: Murnau, Manila, Minsk - 50 Jahre Goethe-Institut. München: C.H. Beck 2001, S. 111-114.
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Textanalyse

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Herta Müller:
Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Text von Herta Müller. Erläutere dabei vor allem die von der Autorin vorgestellten Besonderheiten der Mehrsprachigkeit und gehe auch auf die gedankliche Entfaltung und die sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes ein.

Einleitung

Formuliere wie für jede Analyse einen Basissatz mit den wichtigsten Informationen zu dem dir vorliegenden Text sowie eine kurze Inhaltsangabe.
Basissatz
  • Titel: Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache
  • Autor: Herta Müller
  • Jahr: 2001
  • Inhaltsangabe: Es geht um unterschiedliche Darstellungs- und Sichtweisen von Gegenständen in verschiedenen Sprachen und wie sich der Blick auf die eigene Muttersprache beim Erlernen einer Fremdsprache verändert.

Hauptteil

Im Hauptteil gehst du nun zunächst auf die von der Autorin vorgestellten Besonderheiten der Mehrsprachigkeit ein. Danach stellst du die gedankliche Entfaltung des Textes dar und zeigst auf, wie der Text sprachlich und stilistisch gestaltet wurde.
Besonderheiten von Mehrsprachigkeit
  • erst mehrere Sprachen zusammen ergeben ein einheitliches Bild von Gegenständen und Dingen
    $\rightarrow$ mit dem Gebruach von mehreren Sprachen kann man Dinge besser erfassen, verstehen und ausdrücken
  • Fremdsprachen beurteilen Muttersprache
    $\rightarrow$ Muttersprache „nicht mehr das einzige Maß der Dinge.“ (Z.30)
    $\rightarrow$ ermöglichen andere Sichtweise auf Muttersprache
    $\rightarrow$ ergänzen, bereichern und beglaubigen die Muttersprache
    $\rightarrow$ bilden doppelten Boden zu Sicht- und Denkweise der Muttersprache
  • Muttersprache gibt Sicherheit
    $\rightarrow$ Sprachen sind notwendig für Kommunikation
    $\rightarrow$ Fremdsprache schafft zunächst Unsicherheit
    $\rightarrow$ Muttersprache engt aber auch Niveau des Denkens ein
    $\rightarrow$ Fremdsprache erweitert das Denken
  • Fremdsprache bietet neue Wörter, die einem passender erscheinen, als Wörter aus der Muttersprache
  • Fremdsprache wird irgendwann genau so vertraut wie Muttersprache und hat Einfluss auf Blick auf die Dinge
    $\rightarrow$ verändert Weltsicht nachhaltig
    $\rightarrow$ Veränderung geschieht oft unbewusst
    $\rightarrow$ Fremdsprache kann zu besserem Verhältnis mit Muttersprache führen
  • Sprachen sind politisch
    $\rightarrow$ bestimmen das Leben und Tun der Menschen
    $\rightarrow$ sagen oft nicht, was sie meinen
    $\rightarrow$ für Nicht-Muttersprachler schwer zu unterscheiden, was sie sagen, und was sie meinen
    $\rightarrow$ korrektes Deutsch führt weg vom Poetischen und von der Literatur
Gedankliche Entfaltung
  • beginnt Einleitung mit Beispiel (Lernen von Rumänisch) aus eigener Kindheit
    $\rightarrow$ Gedankengang auch sehr kindlich dargestellt, da sie zum Beispiel Angst hat, dass der Wind sich wehtut
    $\rightarrow$ Gedankengang vom Konkreten zum Allgemeinen
    $\rightarrow$ macht sich erst Gedanken über Unterschiede zwischen Dialekt und Hochdeutsch, dann zwischen Deutsch und Rumänisch und schließlich allgemein zwischen Sprachen
  • leitet durch Beispiel mit Wind über auf Bildlichkeit der Sprachen
    $\rightarrow$ zuerst allgemein formuliert, dass jede Sprache Dinge anders betrachtet
    $\rightarrow$ belegt Gedankengang durch konkretes Beispiel der männlichen und weiblichen Rose im Rumänischen und Deutschen
    $\rightarrow$ Beispiele helfen Leser den Gedankengang der Autorin zu verstehen
  • Überleitung in Hauptteil durch Rosen-Beispiel
    $\rightarrow$ durch Beherrschung beider Sprachen ergibt sich Doppelschichtigkeit der Begrifflichkeit
    $\rightarrow$ Rolle der Muttersprache und Sicht darauf ändert sich
  • definiert zuerst Muttersprache und welche Rolle sie für den Sprecher spielt
    $\rightarrow$ Vergleich mit zweiter Haut
    $\rightarrow$ Muttersprache als Sicherheit, die man seit frühester Kindheit besitzt
  • Fremdsprache dementsprechend zunächst als Unsicherheit, die einen unter das Niveau des eigentlichen Denkens zwingt
    $\rightarrow$ man kann sich nicht so flüssig ausdrücken, wie in der Muttersprache
    $\rightarrow$ je besser man Fremdsprache lernt, desto mehr beurteilt sie die Muttersprache
    $\rightarrow$ Sicherheit kommt mit der Zeit und mit Sicherheit erkennt man auch, wie Gegenstände sich verwandeln
  • Überlegung, dass nicht die Fremdsprache die Muttersprache beurteilt, sondern dass man selbst beginnt, die Verwendung von Wörtern im Kontext kritisch zu betrachten
  • Vorliebe für andere Wörter entwickelt sich durch Gebrauch und Kenntnis von Fremdsprache
    $\rightarrow$ indem man andere Wörter zur Beschreibung von Gegenständen nutzt, findet man dabei Wörter, die einem besser gefallen oder besser zur eigenen Ausdrucksweise passen
  • schließt Hauptteil mit Fazit, dass Fremdsprachen eine Bereicherung für die Muttersprache sind
    $\rightarrow$ Muttersprache ist nicht perfekt, sondern am vertrautesten
    $\rightarrow$ Fremdsprache kann zu besserem Verhältnis mit Muttersprache führen
Sprachliche Gestaltung
  • Textart: essayistischer Text
    $\rightarrow$ Essay lässt mehr Raum für persönliche Meinung, was auch wichtig für Leserlenkung ist
    $\rightarrow$ klare Argumentationsstruktur
    $\rightarrow$ durch viele Beispiele wird Text verständlich, anschaubar und bildhaft
    $\rightarrow$ essayistischer Text, in welchem der Autor seine persönliche Meinung zum Ausdruck bringt und teilweise über sein Privatleben erzählt
  • Erzählform: Ich-Form
    $\rightarrow$ Autorin und Erzähler sind dieselbe Person
    $\rightarrow$ Leser kann sich mit Autorin und Erzähler besser identifizieren
    $\rightarrow$ wirkt auf Leser wie ein Brief an einen Freund oder wie ein Tagebucheintrag und nicht wie eine literarische Diskussion
  • Leserlenkung: Leser bekommt im Text nur Wahrnehmung der Autorin geschildert
    $\rightarrow$ Leser wird einseitig beeinflusst und soll später die Meinung des Autors übernehmen
    $\rightarrow$ hat durch rasante Gedankensprünge der Autorin keine Möglichkeit, sich eigene Meinung zu bilden, sondern wird von Meinung der Autorin mitgerissen
  • Satzbau: parataktischer Stil
    $\rightarrow$ wirkt einerseits rasant
    $\rightarrow$ andererseits gut, um komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen
    $\rightarrow$ macht Text informativer
    $\rightarrow$ parataktischer Stil wirkt auf Leser sehr endgültig, da Autor seine Meinung nicht viel erklärt, sondern sie als absolut darstellt
  • Wortwahl: einfache Wortwahl
    $\rightarrow$ verwendet keine Fachbegriffe oder wissenschaftliche Sprache
    $\rightarrow$ oft Umgangssprache
    $\rightarrow$ Beispiele werden mit Wörtern aus Fremdsprache belegt
    $\rightarrow$ für Leser nicht wichtig, ob er die Fremdsprache beherrscht, da er sie von Autorin erklärt bekommt
    $\rightarrow$ einfache Wortwahl erhöht Zugänglichkeit für größeres Publikum
  • Adressaten: vielschichtige Leserschaft
    $\rightarrow$ Literatur- und Sprachforscher
    $\rightarrow$ Gegner von Fremdsprachen
    $\rightarrow$ Menschen, die selbst mit Fremdsprachen aufgewachsen sind oder eine Fremdsprache gelernt haben
    $\rightarrow$ Menschen, die nie eine Fremdsprache gelernt haben und Lust bekommen sollen, dies nachzuholen
    $\rightarrow$ sowohl Politiker als auch Immigranten, um zu verdeutlichen, wie schwer es sein muss, unsere Sprache zu lernen, da Sprachen auch immer politisch sind
Stilmittel
  • Alliteration : „[…] Großen und Ganzen […].“ (Z. 29)
    $\rightarrow$ wirkt betonend und einprägsam
    $\rightarrow$ beim Lesen hat Leser Rhythmik im Kopf
    $\rightarrow$ Floskel die bedeutet, dass etwas im Allgemeinen betrachtet wird
  • Anapher : „Da wie dort […], da wie dort […].“ (Z. 56-57)
    $\rightarrow$ wirkt betonend und einprägsam
    $\rightarrow$ egal, in welchem Land man eine Sprache betrachtet, hat sie eine Wirkung auf das Leben und Tun der Menschen
  • Doppelte Negativierung : „[…] so wenig wie in Diktaturen ein unpolitisches Gehege.“ (Z. 56)
    $\rightarrow$ verkompliziert die Satzstruktur
    $\rightarrow$ Leser denkt bei erstmaligem Lesen, dass Sprachen unpolitisch sind
    $\rightarrow$ doppelte Negativierung klingt zunächst positiv, obwohl negative Botschaft darin versteckt ist
    $\rightarrow$ Sprache ist politisch
  • Metapher : „Eine doppelbödige Rose […] die einsprachige Rose.“ (Z. 20f.); „[…], weil es mir in den Blick hineingewachsen ist.“ (Z. 50); „In jeder Sprache sitzen andere Augen in den Wörtern.“ (Z. 11)
    $\rightarrow$ Rose als Metapher für Mensch
    $\rightarrow$ Mensch, der mehr Sprachen beherrscht, begreift sich und die Welt besser und anders, als ein Mensch, der nur eine Sprache beherrscht
    $\rightarrow$ Fremdwörter fließen irgendwann unbemerkt in den alltäglichen Sprachgebrauch mit ein und verändern den Blick auf die Dinge
    $\rightarrow$ Fremdsprache ermöglicht andere Wahrnehmung, die dann irgendwann in den Blick mit hinein wächst
    $\rightarrow$ jedes Wort einer Fremdsprache betrachtet die Welt anders, als die eigene Muttersprache - so sitzen in jeder Sprache andere Augen
  • Parallelismus : […], sagte man: […], sagte man: […], sagte man: […]. (Z. 1ff.)
    $\rightarrow$ wirkt auf Leser eindringlich und einprägsam
    $\rightarrow$ Autorin beginnt mit Beispielen, die sie immer gleich formuliert, um es für den Leser anschaulicher darzustellen
  • Personifikation : „Der Wind geht.“ (Z. 1); „Jede Sprache sieht die Welt anders an, […].“ (Z. 9); „Rosendame“ (Z. 13); „Es tut keiner Muttersprache weh, […].“ (Z. 51)
    $\rightarrow$ Personifikationen vermenschlichen Dinge und machen sie damit anschaulicher für den Leser
    $\rightarrow$ Wind kann nicht gehen; Sprichwort in Dialekt der bedeutet, dass es windig ist
    $\rightarrow$ Sprache selbst kann nicht sehen; Wörter in der Sprache beschreiben Dinge jedoch anders und geben dem Sprecher so eine andere Sichtweise
    $\rightarrow$ Rose selbst ist keine Dame; ist im Deutschen allerding weiblich durch den Artikel „die“; während sie im Rumänischen männlich ist
    $\rightarrow$ Muttersprache kann nicht verletzt werden; bedeutet, dass ihr der Einfluss von Fremdsprachen nicht schadet
  • Vergleich : …] wie die eigene Haut. (Z. 32); […] wie mein Taschengeld. (Z. 37)
    $\rightarrow$ wirkt anschaulich und betonend
    $\rightarrow$ Muttersprache wird mit eigener Haut verglichen, da sie einfach da ist, unbewusst gelernt wurde, aber ebenso auch verletzbar ist, wenn sie zum Beispiel missachtet oder verboten wird
    $\rightarrow$ wenn man etwas sagen möchte, muss man dies mit Worten tun; ohne die nötigen Worte kann man ebenso wenig kommunizieren, wie man ohne Taschengeld Dinge kaufen kann

Schluss

Fasse am Schluss deine Ergebnisse in einem Fazit zusammen. Du kannst auch deine eigene Meinung wiedergeben, was du von Mehrsprachigkeit und dem Einfluss von Fremdsprachen hältst.
  • Mehrsprachigkeit entsteht schon durch Dialekte in einer Sprache
  • viele lernen Fremdsprachen und lassen sie bewusst oder unbewusst in ihren alltäglichen Sprachgebrauch miteinfließen, weil ihnen Wörter aus der anderen Sprache besser gefallen
  • durch das Lernen einer Fremdsprache kann sich der Blick auf die Welt und verschiedene Dinge verändern
  • Mehrsprachigkeit bereichert das Leben und die Kommunikation
  • Ich finde Mehrsprachigkeit toll und kann selbst andere Fremdsprachen wie Englisch sprechen
  • durch Fremdsprachen kann man im Ausland leichter kommunizieren und neue Menschen kennen lernen
  • leider wird der Gebrauch von anderen Sprachen wie Türkisch oder Russisch in Deutschland teilweise noch sehr kritisch betrachtet, während das Lernen von Englisch, Französisch oder Spanisch schon alltäglich ist

Sprachtheoretische Grundannahmen

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Herta Müller:
Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • „In jeder Sprache sitzen andere Augen in den Wörtern“ (Z. 11).
    Erläutere knapp zwei dir bekannte sprachtheoretische Grundannahmen über den Zusammenhang von Sprache, Denken und Wirklichkeit, vor deren Hintergrund das vorangestellte Zitat Herta Müllers erklärt oder aber kritisiert werden kann. Stelle begründet dar, inwieweit Herta Müllers Auffassung den von dir referierten Gedanken entspricht. Nehmen Sie daran anknüpfend Stellung zu der Frage, ob Mehrsprachigkeit eine reichhaltigere Weltsicht ermöglicht.

Einleitung

Formuliere für die Einleitung einen Basissatz, in welchem du die wichtigsten Informationen zu Herta Müllers Text nennst und den Inhalt des Textes kurz zusammenfasst.
Basissatz
  • Titel: Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache.
  • Autor: Herta Müller
  • Erscheinungsjahr: 2001
  • Inhaltsangabe: Es geht um unterschiedliche Darstellungs- und Sichtweisen von Gegenständen in verschiedenen Sprachen und wie sich der Blick auf die eigene Muttersprache beim Erlernen einer Fremdsprache verändert.

Hauptteil

Im Hauptteil erklärst du nun zuerst knapp zwei dir bekannte sprachtheoretische Grundannahmen über den Zusammenhang von Sprache, Denken und Wirklichkeit, vor deren Hintergrund das Zitat von Herta Müller erklärt oder auch kritisiert werden kann. Danach stellst du begründet dar, inwieweit Herta Müllers Auffassung den von dir referierten theoretischen Grundannahmen entspricht. Zuletzt nimmst du zu der Frage Stellung, ob Mehrsprachigkeit eine reichhaltigere Weltsicht ermöglicht.
Sprachtheoretische Grundannahmen
$\blacktriangleright$ Sapir-Whorf-Hypothese
  • besagt, dass Sprache das Denken formt
  • Denken ist abhängig von Sprache
  • das Individuum kann nur soweit forschen oder auch verstehen, wie seine Sprache selber reicht
  • die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, wird stark durch Grammatik und Wortschatz seiner Muttersprache beeinflusst oder bestimmt
  • dadurch sehen verschiedene Sprachgemeinschaften die Welt auf unterschiedliche Weise
    $\rightarrow$ je mehr sich die Sprachen unterscheiden, desto unterschiedlicher ist das Denken bzw. desto unterschiedlicher wird die Welt gesehen
    $\rightarrow$ demnach gibt es verschiedene Wirklichkeiten
  • Denken und Wirklichkeit verändert sich mit den Sprachen bzw. mit der Sprachentwicklung
  • Benjamin Lee Whorf sagt, dass menschliche Erkenntnis nur so weit möglich ist, wie die systematischen Möglichkeiten der Sprache dies zulassen
$\blacktriangleright$ Wilhelm von Humboldt
  • Humboldt vertritt die Meinung, dass die Sprache die äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker sei
  • Sprache und Geist seien dabei identisch
  • Völker unterscheiden sich nicht durch ihre Sprachen oder Schriften, sondern durch ihre Weltansichten
  • zwei zentrale Begriffe, die zugleich das Denkgerüst Humboldts kennzeichnen
    $\rightarrow$ Ergon (= Werk): das Zeichensystem des Menschen, mittels dessen er sich verständigt (Sprache an sich)
    $\rightarrow$ Energeia (= die wirkende Kraft): die geistig produktive Tätigkeit des Menschen (Geist an sich)
  • Sprache ist demnach ein dynamischer Prozess
  • Sprache dokumentiert die Entwicklung des menschlichen Geistes
Vergleich mit Herta Müllers Zitat
  • Herta Müller ist der Auffassung, dass jede Sprache die Welt und verschiedene Dinge anders betrachtet und dies durch Verwendung anderer Wörter kennzeichnet
    $\rightarrow$ durch das Erlernen und Verwenden einer Fremdsprache verändert sich also auch die Weltsicht des Sprechenden, da die Fremdsprache Einfluss auf die Muttersprache nimmt
  • Herta Müllers Zitat entspricht den referierten sprachtheoretischen Grundannahmen insoweit, dass beide davon ausgehen, dass die Sprache die Weltsicht und das Denken beeinflusst
  • beide sind der Auffassung, dass die Muttersprache nur eine beschränkte Weltsicht bietet
    $\rightarrow$ Herta Müller geht jedoch noch darüber hinaus und argumentiert, dass die Fremdsprache uns ebenfalls unter dem Niveau unseres Denkens hält und erst nachdem wir sie flüssig beherrschen, sie unsere Weltsicht erweitert
  • Whorf und Humboldt sagen nicht, dass Fremdsprachen die Weltsicht erweitern, sondern sie verändern, da jede Sprache die Welt anders betrachtet und wahrnimmt
    $\rightarrow$ Sprachen der Völker sind unterschiedlich; die Empfindungen und Wahrnehmungen, die nicht in Worte gefasst werden, sind jedoch gleich
  • Herta Müller ist ebenfalls der Auffassung, dass die Menschheit sich nur soweit ausdrücken kann, wie es ihre Sprache zulässt
    $\rightarrow$ Entwicklung des Geistes wird durch Sprache dokumentiert
    $\rightarrow$ gleichzeitig schränkt Sprache aber auch Entwicklung des Geistes ein, da Geist nicht über Sprache hinausgehen kann
Ermöglicht Mehrsprachigkeit eine reichhaltigere Weltsicht?
  • Mehrsprachigkeit bereichert das Leben und die Kommunikation
  • durch das Lernen einer Fremdsprache kann sich der Blick auf die Welt und verschiedene Dinge verändern
  • meiner Meinung nach ist Mehrsprachigkeit großartig, da man im Ausland leichter kommunizieren und neue Menschen kennenlernen kann
  • Mehrsprachigkeit lässt die Völker zu einer Menschheit verschmelzen
  • leider wird der Gebrauch von anderen Sprachen wie Türkisch oder Russisch in Deutschland teilweise noch sehr kritisch betrachtet, während das Lernen von Englisch, Französisch oder Spanisch schon alltäglich sind
  • andere Wissenschaftler sagen, einzig allein die Sprache als Medium könnte die Wirklichkeit etwas verfälschen, weil sie, je unterschiedlicher die Sprache ist, auch unterschiedlicher vermittelt wird
  • denke nicht, dass eine Fremdsprache allein zu einer reichhaltigeren Weltsicht führt
    $\rightarrow$ aber Fremdsprache kann einen in andere Länder führen und das Bereisen der Welt und die Kommunikation mit Menschen aus anderen Völkern und Kulturen kann zu einer reichhaltigeren Weltsicht führen

Schluss

Fasse am Schluss deine Ergebnisse nochmals in einem kurzen Fazit zusammen.
  • Denken wird sehr von Sprache beeinflusst
  • Mehrsprachigkeit führt nicht direkt zu einer reichhaltigeren Weltsicht
    $\rightarrow$ Fremdsprachen können aber Wortschatz der Muttersprache und das Niveau des Denkes bereichern und erweitern
  • Mehrsprachigkeit bereichert auch die Kultur und das Denken ganzer Völker
    $\rightarrow$ macht aus verschiedenen Völkern eine Menschheit
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Textanalyse

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Herta Müller:
Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Text von Herta Müller. Erläutere dabei vor allem die von der Autorin vorgestellten Besonderheiten der Mehrsprachigkeit und gehe auch auf die gedankliche Entfaltung und die sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes ein.
In dem 2001 erschienenen Artikel Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache von Herta Müller geht es um unterschiedliche Darstellungs- und Sichtweisen von Gegenständen in verschiedenen Sprachen und wie sich der Blick auf die eigene Muttersprache beim Erlernen einer Fremdsprache verändert.
Sprachen sind grundsätzlich notwendig für Kommunikation. Müller stellt hauptsächlich die Besonderheiten der Mehrsprachigkeit dar. Für sie ergeben erst mehrere Sprachen zusammen ein einheitliches Bild von Gegenständen und Dingen. Mit dem Gebrauch von mehreren Sprachen kann man Dinge generell besser erfassen, verstehen und ausdrücken, denn mit Fremdsprachen beurteilen die Muttersprache zwangsläufig. Die Muttersprache ist also „nicht mehr das einzige Maß der Dinge“ (Z. 30) - sie ermöglicht vielmehr andere Sichtweisen auf die Muttersprache. Sie ergänzt, bereichert und beglaubigt die Muttersprache zusätzlich. Trotzdem gibt die Muttersprache natürlich Sicherheit, wo eine Fremdsprache Unsicherheit schafft. Die Muttersprache engt aber auch das Niveau des Denkens ein, wo die Fremdsprache die Denkweise erweitert. Außerdem bieten Fremdsprachen neue Wörter, die einem passender erscheinen, als Wörter aus der Muttersprache. Eine Fremdsprache kann ab einem gewissen Sprachlevel auch genau so vertraut sein wie die Muttersprache und hat Einfluss auf den Blick der Dinge. Sie kann dadurch die Weltsicht nachhaltig verändern - diese Veränderung geschieht oft auch unterbewusst. Durch die Macht der Sprache wird sie auch politisiert. Sprache bestimmt das Leben und Handeln der Menschen, denn sie sagen oft nicht, was sie eigentlich denken. Für Nicht-Muttersprachler ist dieser Unterschied schwierig differenzierbar.
Herta Müller beginnt ihren Essay mit einem Beispiel aus ihrer eigenen Kindheit. Beim Lernen der Sprache Rumänisch hat sie Angst, dass der Wind sich weh tut. Ihr Gedankengang ist hier sehr kindlich dargestellt, wandert allerdings vom Konkreten zum Allgemeinen. Zuerst arbeitet sie die Unterschiede zwischen Dialekt und Hochdeutsch heraus, dann zwischen Deutsch und Rumänisch und schließlich allgemein zwischen Sprachen. Durch das Beispiel mit dem Wind leitet sie ihren Artikel über auf die Bildlichkeit der Sprachen. Sprache betrachtet Dinge generell unterschiedlich. Müller belegt ihren Gedankengang durch das konkrete Beispiel der männlichen und weiblichen Rose im Rumänischen und Deutschen. Diese Beispiele helfen Leser den Gedankengang der Autorin zu verstehen. Mit ihrem Rosen-Beispiel leitet die Autorin in den Hauptteil ihres Artikels über. Durch die Beherrschung beider Sprachen ihrerseits ergibt sich eine gewisse Doppelschichtigkeit der Begrifflichkeit. Die Rolle der Muttersprache und die Sicht darauf ändern sich. Zuerst definiert Müller die Muttersprache und welche Rolle sie für den Sprecher spielt. Sie vergleicht sie mit einer zweiten Haut und sieht sie dadurch als eine Art Sicherheit an, die man seit frühester Kindheit besitzt. Die Fremdsprache wird also dementsprechend zunächst als Unsicherheit, die einen unter das Niveau des eigentlichen Denkens zwing angesehen. Man kann sich schließlich nicht so flüssig ausdrücken wie in der Muttersprache. Je besser man eine Fremdsprache jedoch beherrscht, desto mehr beurteilt diese die Muttersprache. Diese Sicherheit kommt mit der Zeit und mit ihr erkennt man auch, wie die Gegenstände sich verwandeln. Müller überlegt dabei, ob nicht die Fremdsprache die Muttersprache beurteilt, sondern dass man selbst beginng, die Verwendung von Wörtern im Kontext kritisch zu betrachten. Es entwickelt sich gar eine Vorliebe für andere Wörter durch den Gebrauch und Kenntnis von Fremdsprache. Indem man andere Wörter zur Beschreibung von Gegenständen nutzt, findet man dabei Wörter, die einem besser gefallen oder besser zur eigenen Ausdrucksweise passen. Den Hauptteil schließt sie mit dem Fazit, dass Fremdsprachen eine Bereicherung für die Muttersprache sind - die Muttersprache ist an dieser Stelle nicht perfekt, nur eben am vertrautesten.
Müller beschreibt ihre Erfahrungen mit Sprache in Ich-Form - so kann sich der Leser besser mit dem Erlebten identifizieren. Auf den Leser wirkt dies wie ein Brief an einen Freund oder wie ein Tagebucheintrag und nicht wie eine literarische Diskussion. Jedoch wird der Leser hier sehr einseitig beeinflusst und soll später die Meinung des Autors übernehmen. Durch die rasante Gedankensprünge der Autorin hat der Leser außerdem keine Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden, sondern wird von der Meinung der Autorin mitgerissen. Der parataktische Sprachstil unterstützt dies zusätzlich und wirkt auf den Leser sehr endgültig, da die Autorin ihre Meinung nicht übermäßig erklärt, sondern diese als absolut darstellt. Durch die einfache Wortwahl und umgangssprachliche Ausdrücke erhöht Müller die Zugänglichkeit für ein größerers Publikum. Natürlich werden Beispiele mit Wörtern aus der entsprechenden Fremdsprache belegt, jedoch ist es für den Leser nicht wichtig, ob er diese Fremdsprache beherrscht, da er sie von der Autorin erklärt bekommt. Ihre Adressaten sind vielschichtig: es können sowohl Literatur- und Sprachforscher, sowie Gegner von Fremdsprachen sein. Sowohl Politiker als auch Immigranten, um zu verdeutlichen, wie schwer es sein muss, unsere Sprache zu lernen, da Sprachen auch immer politisch sind.
Die Autorin gestaltet ihren Essay mit vielen Stilmitteln. Durch Alliterationen wie „[…] Großen und Ganzen […]“ (Z. 29) bildet der Leser einen Rhythmus im Kopf. Dies wirkt betonend und einprägsam und bedeutet, dass etwas im Allgemeinen betrachtet wird. Dieser allgemeine Kontext wird auch durch die Anapher „Da wie dort […], da wie dort […].“ (Z. 56-57) deutlich. Egal, in welchem Land man eine Sprache betrachtet, hat sie eine Wirkung auf das Leben und Handeln der Menschen. Die vorher erwähnte Rose ist eine Metapher und steht für die Menschen, die mehr als nur eine Sprache beherrschen. Ein Mensch, der mehr Sprachen beherrscht, begreift sich und die Welt besser und auch anders, als ein Mensch, der nur eine Sprache sprechen kann. Fremdsprachen ermöglichen dadurch eine andere Wahrnehmung, die dann irgendwann in den Blick mit hinein wächst. Herta Müllers Essay lebt auch von verschiedenen Personifikationen. So geht der Wind und jede Sprache sieht die Welt anders an (vgl. Z. 1/9). Es gibt eine Rosendame und eine Muttersprache kann nicht verletzt werden (vgl. Z. 13/51). Diese Personifikationen vermenschlichen Dinge und machen sie damit anschaulicher für den Leser. Wenn Der Wind also geht, dann bedeuet das im Dialekt, dass es eben recht windig ist. Wörter in der Sprache beschreiben Dinge jedoch anders und geben dem Sprecher so eine andere Sichtweise. Die Rose selbst ist keine Dame; sie ist im Deutschen allerdings weiblich durch den Artikel „die“, während sie im Rumänischen männlich ist. Und eine Muttersprache kann nicht verletzt werden - im Gegenteil, der Einfluss anderer Fremdsprachen schadet ihr nicht. Zudem benutzt Müller Vergleiche, um ihre Thesen anschaulich und betont wirken zu lassen. Beispielsweise wird die Muttersprache mit der eigenen Haut verglichen, da sie einfach da ist, unbewusst erlernt wurde, aber ebenso auch verletzbar ist, wenn sie zum Beispiel missachtet oder verboten wird.
Abschließend betrachtet entsteht Mehrsprachigkeit bereits durch Dialekte in einer Sprache. Viele Menschen erlernen Fredmsprachen und lassen sie bewusst oder unbewusst in ihren alltäglichen Sprachgebrauch einfließen, weil ihnen Wörter aus der anderen Sprache besser gefallen oder diese besser passen. Mehrsprachigkeit bereichert also das Leben und die Kommunikation.
#stilmittel#textanalyse
Aufgabe 1

Sprachtheoretische Grundannahmen

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Herta Müller:
Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • „In jeder Sprache sitzen andere Augen in den Wörtern“ (Z. 11).
    Erläutere knapp zwei dir bekannte sprachtheoretische Grundannahmen über den Zusammenhang von Sprache, Denken und Wirklichkeit, vor deren Hintergrund das vorangestellte Zitat Herta Müllers erklärt oder aber kritisiert werden kann. Stelle begründet dar, inwieweit Herta Müllers Auffassung den von dir referierten Gedanken entspricht. Nehmen Sie daran anknüpfend Stellung zu der Frage, ob Mehrsprachigkeit eine reichhaltigere Weltsicht ermöglicht.
In dem 2001 erschienenen Artikel Wenn der Wind sich legt, bleibt er stehen oder Wie fremd wird die eigene Sprache beim Lernen der Fremdsprache von Herta Müller geht es um unterschiedliche Darstellungs- und Sichtweisen von Gegenständen in verschiedenen Sprachen und wie sich der Blick auf die eigene Muttersprache beim Erlernen einer Fremdsprache verändert. Eine These Müllers beschreibt, dass in jeder Sprache andere Augen in den Wörtern sitzen. Diese Annahme soll nun mit anderen sprachtheoretischen Grundannahmen verglichen werden.
Sprache beeinflusst immer das Denken - es ist also abhängig von ihr. Die Sapir-Whorf-Hypothese besagt, dass Sprache auch das Denken formt. Der Grundsatz dieser Hypothese beschreibt, dass Individuen nur soweit forschen oder auch verstehen können, wie ihre Sprache selbst reicht. Zudem wird die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, stark durch Grammatik und Wortschatz der Muttersprache beeinflusst und bestimmt. Dadurch sehen verschiedene Sprachgemeinschaften die Welt auf unterschiedliche Weise. Je mehr sich die Sprachen unterscheiden, desto unterschiedlicher ist das Denken bzw. desto unterschiedlicher wird die Welt gesehen. Demnach gibt es verschiedene Wirklichkeiten. Denken und Wirklichkeit verändert sich mit den Sprachen beziehungsweise mit der Sprachentwicklung. Benjamin Lee Whorf postuliert hierzu, dass menschliche Erkenntnis nur so weit möglich ist, wie die systematischen Möglichkeiten der Sprache dies zulassen.
Wilhelm von Humboldt hingegen vertritt die Meinung, dass die Sprache die äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker sei. Sprache und Geist sind hierbei identisch. Völker unterscheiden sich außerdem nicht durch ihre Sprachen oder Schriften, sondern auch durch ihre Weltansichten. Zwei zentrale Begriffe, die zugleich das Denkgerüst Humboldts bezeichnen sind hier Ergon - das Werk - also das Zeichensystem des Menschen, mittels dessen er sich verständigt (die Sprache an sich) und Energeia - die wirkende Kraft - also die geistig produktive Tätigkeit des Menschen (der Geist an sich). Sprache ist demnach ein dynamischer Prozess und dokumentiert die Entwicklung des menschlichen Geistes.
Herta Müller ist der Auffassung, dass jede Sprache die Welt und verschiedene Dinge anders betrachtet und dies durch Verwendung anderer Wörter kennzeichnet. Durch das Erlernen und Verwenden einer Fremdsprache verändert sich also auch die Weltsicht des Sprechenden, da die Fremdsprache Einfluss auf die Muttersprache nimmt. Herta Müllers Zitat entspricht den referierten sprachtheoretischen Grundannahmen insoweit, dass beide davon ausgehen, dass die Sprache die Weltsicht und das Denken beeinflusst. Humboldt und Whorf postulieren beide, dass die Muttersprache nur eine beschränkte Weitsicht bietet. Herta Müller geht jedoch noch darüber hinaus und argumentiert, dass die Fremdsprache uns ebenfalls unter dem Niveau unseres Denkens hält und erst nachdem wir sie flüssig beherrschen, sie unsere Weltsicht erweitert. Whorf und Humboldt sagen nicht, dass Fremdsprachen die Weltsicht erweitern, sondern sie verändern, da jede Sprache die Welt anders betrachtet und wahrnimmt. Natürlich sind die Sprachen der Völer unterschiedlich; die Empfindungen und Wahrnehmungen, die nicht in Worte gefasst werden, sind jedoch gleich. Müller ist ebenfalls der Auffassung, dass die Menschheit sich nur soweit ausdrücken kann, wie es ihre Sprache zulässt. Die Entwicklung des Geistes wird durch Sprache dokumentiert - gleichzeitig schränkt die Sprache aber auch die Entwicklng des Geistes ein, da der Geist nicht über die Sprache hinausgehen kann.
Mehrsprachigkeit bereichert das Leben und die Kommunikation. Durch das Lernen einer Fremdsprache kann sich der Blick auf die Welt und verschiedene Dinge verändern. Meiner Meinung nach ist Mehrsprachigkeit sehr nützlich, da man im Ausland leichter kommunizieren und neue Menschen kennenlernen kann. Mehrsprachigkeit generell lässt die Völker zu einer Mehrheit verschmelzen. Leider wird jedoch der Gebrauch von anderen Sprachen wie Türkisch oder Russisch in Deutschland teilweise noch sehr kritisch betrachtet, während das Lernen von Englisch, Französisch oder Spanisch schon alltäglich sind. Andere Wissenschaftler sagen, einzig allein die Sprache als Medium könnte die Wirklichkeit etwas verfälschen, weil sie, je unterschiedlicher die Sprache ist, auch unterschiedlicher vermittelt wird. Ich denke jedoch nicht, dass eine Fremdsprache alleine zu einer reichhaltigeren Weltsicht führt. Fremdsprachen können jedoch in andere Länder einführen und das Bereisen der Welt und die Kommunikation mit Menschen aus anderen Völkern und Kulturen kann zu einer reichhaltigeren Weltsicht führen.
Das Denken wird allgemein sehr von der Sprache beeinflusst. Mehrsprachigkeit hingegen führt nicht zwangsläufig zu einer reichhaltigeren Weltsicht. Fremdsprachen können jedoch den Wortschatz der Muttersprache und das Niveau des Denkens bereichern und erweitern. Mehrsprachigkeit macht aus den verschiedenen Völkern der Welt eine Menschheit.
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