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Aufgabe 2

Aufgaben
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Interpretation eines epischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Rolf Hochhuth (*1931): Die Berliner Antigone   (1963)
Juli Zeh (*1974): Corpus Delicti   (2009)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere den Auszug aus Rolf Hochhuths „Berliner Antigone“.
Brauchst du noch mehr Informationen zu Corpus Delicti?
Schau doch in unserer Lektürehilfe nach!
Lektürehilfe zu Corpus Delicti
Brauchst du noch mehr Informationen zu Corpus Delicti?
Schau doch in unserer Lektürehilfe nach!
Lektürehilfe zu Corpus Delicti
#drama#interpretieren

Rolf Hochhuth: Die Berliner Antigone

$\,$
Der Generalrichter […] sah sich fest an einem Wasserfleck, der jetzt wie ein über-
lebensgroßer Fingerabdruck die Wand über der Büste des Führers durchdrang. Die
kolossale Bronze war unerschütterlich auf ihrem Sockel geblieben, obgleich der Luft-
druck des nächtlichen Bombardements selbst Rohre im Gerichtshof aus der Wand
5
gerissen hatte …
Der Generalrichter hörte kaum dem steifschneidigen Staatsanwalt zu. Bodo schien
kein Gefühl dafür zu haben, auch seine Mutter nicht, was es ihn kostete, diese Tragö-
die zur Farce - und dem Führer das Wort im Mund umzudrehen, nur damit dieses
aufsässige Frauenzimmer vor dem Beil bewahrt blieb. Wer sonst, wenn er den Vor-
10
sitz abgelehnt hätte, würde auch nur daran interessiert sein, Hitlers ironisch weg-
schiebende Anordnung nach Tisch, die Angeklagte solle „in eigener Person der
Anatomie die Leiche zurückerstatten“, so auszulegen, als dürfe das Mädchen den Be-
erdigten stillschweigend zurückbringen?
Der Führer, beiläufig vom Propagandaminister unterrichtet, während ihm die Ordon-
15
nanz schon neue Depeschen über den politischen Umsturz in Italien reichte, hatte
zweifellos nicht einmal an ein Gerichtsverfahren gedacht: Anne sollte enthauptet und
der Anatomie zur Abschreckung jener Medizinstudenten „überstellt“ werden, die
vermutlich bei der Beseitigung der Leiche ihres Bruders geholfen hatten. Hier in der
Reichshauptstadt, unter den schadenfrohen Augen des Diplomatischen Korps, das
20
hatte Hitler noch angefügt, sollte nicht geräuschvoll nach ungefährlichen Querulan-
ten unter den Studenten gefahndet werden: peinlich genug, daß im Frühjahr die
feindliche Presse von der Studentenrevolte München Wind bekam, weil Freislers
Volksgerichtshof zu laut damit aufgeräumt hatte.
Der Generalrichter, selten im Hauptquartier, noch seltener am Tische Hitlers, hatte
25
mit erfrorenen Lippen „Jawohl, mein Führer“ gemurmelt und später, ein geblendeter
Gefangener, nicht mehr zu seinem Wagen gefunden. Wie hätte er denn in Hitlers
kaltblaue, rasputinisch zwingende Augen hinein das beschämende, das unmögliche
Geständnis ablegen können, dieses Mädchen, die Schwester eines Hochverräters, sei
heimlich mit seinem Sohn verlobt …
30
Jetzt verfiel er, Schweiß unter der Mütze, in den unsachlich persönlichen Tonfall des
betagten Admirals und versprach der Angeklagten fast vertraulich mildernde Um-
stände.
Aus: Rolf Hochhuth: Jede Zeit baut Pyramiden.
Erzählungen und Gedichte. Hrsg. von Dietrich Simon.
Berlin: Volk & Welt 1988.

Figurenverzeichnis

AnneMedizinstudentin
Annes Bruderein wegen Hochverrats hingerichteter Offizier
BodoAnnes Verlobter
GeneralrichterBodos Vater
Staatsanwaltlinientreuer Funktionär mit Angst vor Fronteinsatz
Pfarrer Ohm
Wächter Brandenburg
Hitler und sein
Propagandaminister
die Mächtigen im Hintergrund

Juli Zeh: Corpus Delicti

$\,$
Nachdem Sophie wegen Befangenheit aus dem Verfahren ausgeschieden und an ein
Amtsgericht in der Provin versetzt worden ist, hat man Hutschneider auf seine alten
Tage zum vorsitzenden Richter am Schwurgericht ernannt. Auf die damit verbundene
Erhöhung seiner Pensionsansprüche hätte er gerne verzichtet.
5
Mia Holl ist keine Angeklagte, sondern eine tickende Zeitbombe. Täglich muss der
Richter eine Herde Journalisten von seiner häuslichen Fußmatte verjagen, ohne sie
zuvor im Hause Hutschneider willkommen geheißen zu haben. Seine Dienststelle be-
tritt er durch den Hintereingang, auch wenn sich der Menschenauflauf am Haupt-
portal inzwischen erheblich verkleinert hat. In seinem Büro gehen Beamte des
10
Methodenschutzes ein und aus.
Noch nie war Hutschneider so froh, dass seine Kinder weit weg sind. Der Mensch ist
verletzlich, auch wenn ihn zwei schweigsame Sicherheitswächter mit Knopf im Ohr
auf Schritt und Tritt begleiten. Der Mensch trinkt, atmet, fasst Dinge an und schiebt
Nahrungsmittel in den Mund. Seit Tagen geht das Gerücht um, die Schnecken hätten
15
unter Mia Holl einen groß angelegten Giftanschlag geplant. Unter diesen Umständen
hat Hutschneider nicht vor, den Helden zu spielen. Er wird weder seine Familie noch
seinen friedlichen Lebensabend durch eine falsche Bewegung gefährden.
Aus: Juli Zeh: Corpus Delicti. Ein Prozess.
Frankfurt am Main: Schöffling 2009,
hier zitiert nach: Juli Zeh: Ein Prozess.
München: btb Verlag 2010, S. 214 f.

Figurenverzeichnis

Mia HollBiologin
Moritz HollMias verstorbener Bruder
Die ideale Geliebtevirtuelle Mitbewohnerin Mias
Dr. Lutz RosentreterRechtsanwalt, Pflichtverteidiger
Heinrich KramerPublizist und Ideologe
WürmerModerator der Talkshow „Was alle denken“
Sophie StockRichterin
HutschneiderSophies Nachfolger
BellStaatsanwalt
Lizzi, Driss,
Pollsche
Bewohnerinnen des Wächterhauses
#romanauszug
  • Vergleiche ihn mit dem Textauszug aus Juli Zehs „Corpus Delicti“ in Bezug auf die Konfliktsituationen der Richter-Figuren.
#vergleichen#romanauszug#drama
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Thema:
Rolf Hochhuth (*1931): Die Berliner Antigone
Juli Zeh (*1974): Corpus Delicti
Aufgabenstellung:
$\blacktriangleright\;$ Interpretiere den Auszug aus Rolf Hochhuths „Die Berliner Antigone“. Vergleiche ihn mit dem Textauszug aus Juli Zehs „Corpus Delicti“ in Bezug auf die Konfliktsituation der Richter-Figuren.
Deine Aufgabe ist es zunächst, den Textauszug von Hochhuth zu interpretieren. Hierfür solltest du im ersten Schritt den ersten Textauszug in den Erzählkontext einordnen, den Inhalt und die Struktur darstellen und dabei auf die sprachlich-stilistische Gestaltung achten. Anschließend macht es Sinn, deinen Text zu gliedern. Beachte dabei auch den zweiten Aufgabenteil. Hier sollst du die Konfliktsituation der Richter-Figur mit dem Textauszug aus Dürrenmatts Komödie vergleichen. Beide Aufgabenteile sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Hauptteil 1
    • Thema des Textauszugs
    • Einordnung in den Erzählkontext
    • Inhaltliche Gliederung
    • Sprachlich-stilistische Gestaltung
Aufgabenstellung:
$\blacktriangleright\;$ Vergleiche ihn mit dem Textauszug aus Juli Zehs „Corpus Delicti“ in Bezug auf die Konfliktsituation der Richter-Figuren.
  • Überleitung
  • Hauptteil 2 (deutlich kürzer als Teil 1)
    • Thema des Textauszugs
    • Einordnung in den Handlungszusammenhang
  • Vergleich
    • Gemeinsamkeiten
    • Unterschiede
  • Schluss
    • Fazit
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Lösungen
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Interpretation eines epischen Textes

Thema:
Rolf Hochhuth (*1931): Die Berliner Antigone
Juli Zeh (*1974): Corpus Delicti
Aufgabenstellung:
$\blacktriangleright\;$ Interpretiere den Auszug aus Rolg Hochhuths „Die Berliner Antigone“. Vergleiche ihn mit dem Textauszug aus Juli Zehs „Corpus Delicti“ in Bezug auf die Konfliktsituation der Richter-Figuren.
Tipp
Deine Aufgabe ist es zunächst, den Textauszug von Hochhuth zu interpretieren. Hierfür solltest du im ersten Schritt den ersten Textauszug in den Erzählkontext einordnen, den Inhalt und die Struktur darstellen und dabei auf die sprachlich-stilistische Gestaltung achten. Anschließend macht es Sinn, deinen Text zu gliedern. Beachte dabei auch den zweiten Aufgabenteil. Hier sollst du die Konfliktsituation der Richter-Figur mit dem Textauszug aus Dürrenmatts Komödie vergleichen. Beide Aufgabenteile sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Hauptteil 1
    • Thema des Textauszugs
    • Einordnung in den Erzählkontext
    • Inhaltliche Gliederung
    • Sprachlich-stilistische Gestaltung
Tipp
Deine Aufgabe ist es zunächst, den Textauszug von Hochhuth zu interpretieren. Hierfür solltest du im ersten Schritt den ersten Textauszug in den Erzählkontext einordnen, den Inhalt und die Struktur darstellen und dabei auf die sprachlich-stilistische Gestaltung achten. Anschließend macht es Sinn, deinen Text zu gliedern. Beachte dabei auch den zweiten Aufgabenteil. Hier sollst du die Konfliktsituation der Richter-Figur mit dem Textauszug aus Dürrenmatts Komödie vergleichen. Beide Aufgabenteile sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Hauptteil 1
    • Thema des Textauszugs
    • Einordnung in den Erzählkontext
    • Inhaltliche Gliederung
    • Sprachlich-stilistische Gestaltung
Oftmals befinden wir uns in schwierigen Konfliktsituationen und wissen nicht weiter. Aber was tun, wenn eine schnelle Entscheidung von uns verlangt wird?
Eben so ergeht es auch den Richter-Figuren aus Rolf Hochhuths Roman „Die Berliner Antigone“ und Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“, welche ich anschließend miteinander vergleichen möchte, unter dem Aspekt der Konfliktsituation der Richter-Figuren.
Text 1
Einleitung
Rolf Hochhuth veröffentlichte seine Erzählung „Die Berliner Antigone“ erstmals 1963. Die Handlung dieser Erzählung spielt während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, genauer gesagt in Berlin. Die Hauptfigur der Erzählung ist die Medizinstudentin Anne, deren Bruder wegen Äußerungen gegen das nationalsozialistische Regime hingerichtet wurde. Anne holt die Leiche ihres Bruders während eines nächtlichen Bombenangriffs aus der Anatomie, um sie angemessen bestatten zu können. Sie wird verraten, verhaftet und angeklagt.
Hauptteil
Thema des Textauszugs
Der vorliegende Textauszug schildert einen Ausschnitt aus Annes Verhör unter der Leitung des Generalrichters, wobei der Schwerpunkt auf den abschweifenden Gedanken des Richters beruht, aus dessen Perspektive auch erzählt wird. Sein Sohn Bodo hatte sich heimlich mit der Angeklagten verlobt, weshalb der Richter einen inneren Konflikt bewältigen muss.
Einordnung in den Erzählkontext
Der Textausschnitt beginnt mit der Schilderung, wie der Generalrichter die „Büste des Führers“ (Z. 2) betrachtet und dabei feststellt, dass diese, trotz all der großen Schäden im Haus, den Bombenangriff unbeschadet überstanden hat. Dem „steifschneidigen Staatsanwalt“ (Z. 6) schenkt er keine Beachtung. Stattdessen wandern seine Gedanken die ganze Zeit zu der schwierigen Situation, in der er sich befindet: Dem Konflikt zwischen seinem privat-familiären Ziel, Anne seinem Sohn zuliebe vor dem Todesurteil zu bewahren, und der beruflichen Verpflichtung zu unbedingtem Führergehorsam (vgl. Z. 6-13).
Im Folgenden wandern die Gedanken des Generalrichters zurück zu einer Erinnerung an eine Tischrunde Hitlers. In eben dieser Tischrunde wurde zwar beiläufig, trotzdem aber völlig ernst der Entschluss gefasst, „Anne sollte enthauptet“ (Z. 16) werden und ihre Leiche solle als Abschreckung dienen. In Gedanken gesteht er sich seine Ohnmacht in dieser Situation ein. Denn ihm war es unmöglich gewesen, dem Führer seine familiäre Bindung an die Schwester eines Hochverräters zu gestehen (vgl. Z. 26ff.).
Schließlich wendet sich der Generalrichter wieder mit großem Unbehagen dem Verhör zu, wobei er „Schweiß unter der Mütze“ (Z. 30) feststellt, was als sichtbares Zeichen seiner Angst und Unsicherheit gedeutet werden kann. Zuletzt verspricht er Anne mildernde Umstände, wenn sie verrät, wo sie ihren Bruder begraben hat.
Inhaltliche Gliederung
Die inhaltlichen Aussagen werden durchgehend von der sprachlichen Gestaltung der Erzählung unterstützt. Der gesamte Text ist im Präteritum verfasst, was dem erzählendem Charakter des Werkes entspricht. Der einleitende Vergleich des Wasserflecks an der Wand mit einem „überlebensgroße[n] Fingerabdruck“ (Z. 1f.) macht deutlich, dass die „kolossale“ (Z. 3) Büste Adolf Hitlers keinen Schaden nehmen wird - weder durch Wasser, noch durch Bomben. Die im Gerichtssaal stehende Büste verkörpert Unerschütterlichkeit (vgl. Z. 3), was durch die Aussage, dass das „Bombardemen[t] selbst Rohre im Gerichtshof aus der Wand gerissen hatte“ (Z. 4f.), noch verstärkt wird. Die Büste symbolisiert ebenfalls die allgegenwärtige Präsenz des Führerwillens im Prozessverlauf. Annes Hinrichtung habe Hitler beiläufig bei Tisch und „ironisch wegschieben[d]“ (Z. 10f.) angeordnet. Der genaue Wortlaut wird in Anführungszeichen hervorgehoben, um den Machthaber als zynisch und menschenverachtend zu charakterisieren.
Die innere Konfliktsituation des Generalrichters wird von vielen wertenden Attributen unterstrichen. So verweisen Ausdrücke wie „kolossale Bronze“ (Z. 3), „streifschneidige[r] Staatsanwalt“ (Z. 6) oder „Hitlers kaltblaue, rasputinisch zwingende Augen“ (Z. 26f.) auf die kühle Überlegenheit, die von den Vertretern des Regimes ausgeht. Das wird auch von weiteren anschaulichen Bildern untermauert: Der Generalrichter sei gegenüber des Führers ohnmächtig und starr gewesen, wie die Metapher „mit erfrorenen Lippen“ (Z. 25) und das Verb „murmeln“ (vgl. Z. 25) für seine Redeerwiderung verdeutlichen. Das gipfelt in der alliterierenden Metapher „ein geblendeter Gefangener“ (Z. 25f.) gewesen zu sein, der „nicht mehr zu seinem Wagen hingefunden“ (Z. 26) habe. Dadurch wird die Orientierungslosigkeit des Richters, hervorgerufen durch seine Fremdbestimmung, noch einmal verdeutlicht. Auch die langen Fragesätze, welche im Konjunktiv formuliert sind, zum Beispiel „Wer sonst […] würde […]?“ (Z. 9ff.) und „Wie hätte er denn […]“ (Z. 26 ff.), verweisen auf die verzwickte Lage des Richters. Gleichzeitig verrät seine Wortwahl Anne betreffend, dass ihn die Brutalität des Regimes bereits abgestumpft hat: „nur damit dieses aufsässige Frauenzimmer vor dem Beil bewahrt blieb“ (Z. 8f.). Nicht aus Nächstenliebe oder gar Mitleid will der Richter sich für Anne einsetzen, sondern wegen der familiären Verpflichtung seinem Sohn, Annes Verlobtem, gegenüber.
Sprachlich-stilistische Gestaltung
#stilmittel
$\blacktriangleright\;$ Vergleiche ihn mit dem Textauszug aus Juli Zehs „Corpus Delicti“ in Bezug auf die Konfliktsituation der Richter-Figuren.
Tipp
  • Überleitung
  • Hauptteil 2 (deutlich kürzer als Teil 1)
    • Thema des Textauszugs
    • Einordnung in den Handlungszusammenhang
  • Vergleich
    • Gemeinsamkeiten
    • Unterschiede
  • Schluss
    • Fazit
Tipp
  • Überleitung
  • Hauptteil 2 (deutlich kürzer als Teil 1)
    • Thema des Textauszugs
    • Einordnung in den Handlungszusammenhang
  • Vergleich
    • Gemeinsamkeiten
    • Unterschiede
  • Schluss
    • Fazit
Doch nicht nur in Hochhuths Roman hat eine Richter-Figur mit sich selbst zu kämpfen, um einen innerlichen Konflikt zu bewältigen. Auch in Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ wird eine Richter-Figur vor solch einen Konflikt gestellt.
Überleitung
Während Hochhuths Roman im Berlin des Jahres 1943 spielt, ist die Handlungszeit in Juli Zehs „Corpus Delicti“ die Mitte des 21. Jahrhunderts. Als Handlungsort dient eine von Umweltverschmutzung gereinigte Stadt. Deren Einwohner leben in einer Gesundheitsdiktatur, welche die Bevölkerung vollständig kontrolliert. Sämtliche Belange im Leben der Menschen werden vom Staat geregelt, angefangen bei gesunder Ernährung und körperlicher Betätigung bis hin zur Vorschrift, wer wen lieben und sich mit wem fortpflanzen darf. Dieses Staatssystem nennt sich METHODE.
Text 2
Hauptteil
Thema des Textauszugs
In „Corpus Delicti“ entwickelt sich die Hauptfigur Mia Holl, eine Biologin, von einer Befürworterin zu einer aktiven Gegnerin des Regimes. Dieser Wandel wird durch den Selbstmord ihres zu unrecht angeklagten Bruders Moritz ausgelöst. Aufgrund ihrer öffentlichen Infragestellung der METHODE, wird sie schließlich vor Gericht gestellt und in einem Schauprozess verurteilt. Hutschneider ist der Amtsnachfolger der Richterin Sophie, die im ersten Teil des Romans aus Sicht der METHODE zu milde Urteile über Mia Holl gefällt hatte.
Einordnung in den Handlungszusammenhang
Der Hauptaspekt beider Textauszüge liegt auf der Schwierigkeit der Ausübung eines Richteramts in einer Diktatur. Die Richter können nicht frei und unbeeinflusst von den Regierenden handeln. Das bedeutet, dass auch keine gerechten und unabhängigen Entscheidungen auf Faktenbasis getroffen werden können. Beide Figuren, der Generalrichter sowie auch teilweise Richter Hutschneider, befinden sich in einem Konflikt zwischen ihrer beruflichen Funktion und privat-familiären Interessen. Beide befürchten eine drohende Bestrafung durch die Machthaber, da sie beide durch ihre Bindung an Familienangehörige verletzlich und angreifbar sind.
Bei Hochhuth zeigt sich diese Angst und Verletzlichkeit durch Formulierungen wie „was es ihn kostete, […] dem Führer das Wort im Mund umzudrehen“ (Z. 7f.) und „das unmögliche Geständnis […], dieses Mädchen […] sei heimlich mit seinem Sohn verlobt“ (Z. 27 ff.). Bei Zeh drückt der Richter Hutschneider seine Erleichterung über die Abwesenheit seiner Kinder mit den Worten „dass seine Kinder weit weg sind“ (Z. 11) aus. Mit den anschließenden Worten „Der Mensch ist verletzlich“ (Z. 11f) bringt er die Angst um das eigene Wohl und das seiner Familie auf den Punkt. Auch in Juli Zehs Dystopie ist der Einfluss der Diktatur auf die Judikative demnach stets präsent, was sich ebenso an der Zwangsversetzung der Richterin Sophie zeigt (vgl. Z. 1f.). Man ersetzt sie durch den regimetreu arbeitenden, unbefangenen Richter Hutschneider, der durch „zwei schweigsame Sicherheitswächter“ (Z. 12) begleitet wird. Diese verdeutlichen auch noch einmal die Kontrolle des Regimes über die Richter.
Vergleich
Gemeinsamkeiten
Grenzen des Richteramts in einer Diktatur
Durch ihr Wohlverhalten gegenüber den Machthabern versuchen beide Richter-Figuren, den Konflikt zu lösen. Sie taktieren (vgl. z.B. Hochhuth, Z. 9ff.) und weichen dem Umgang mit den Angeklagten aus, damit ihre Familien sicher sind. Ihr Verhalten ist trotz alledem regimetreu und sie halten sich stets an die Regeln des Regimes, ohne die Fakten zu betrachten oder sich gar eine eigene Meinung zu bilden. Was zählt sind einzig und allein die Meinungen der Mächtigen, nach denen gehandelt wird.
Regimetreues Verhalten
Hierbei finden die angeklagten Frauen und deren Fälle wenig echte Beachtung, sie werden eher als rebellisch, störend und unberechenbar wahrgenommen.
Anne ist für den Generalrichter ein „aufsässige[s] Frauenzimmer“ (Z. 9), Mia wird von Hutschneider mit der Metapher „tickende Zeitbombe“ (Z. 5) charakterisiert; mit ihrem Fall will er sich jedoch nicht auseinandersetzen.
Angeklagte als Störquelle
Allerdings kann man auch deutliche Unterschiede in der Darstellung der Richter-Figuren und ihrer inneren Konflikte erkennen. Hutschneider ist - anders als Hochhuths Generalrichter - nicht durch familiäre Beziehungen mit der Angeklagten verbunden. Ihm fällt es daher leichter, sich unauffällig, ganz im Sinne der Methode zu verhalten und nicht „den Helden zu spielen“ (Z. 16). Diese Distanz zur Angeklagten hat der Generalrichter bei Hochhuth nicht. Er ist mit den Wünschen und Ängsten seines Sohnes und seiner Frau (vgl. Z. 6f.) konfrontiert. Verurteilt er Anne zum Tod, wie es der Führer will, stürzt er auch seinen Sohn ins Unglück. Tut er es jedoch nicht, macht er sich selbst verdächtig und läuft Gefahr, ins Visier der Mächtigen zu geraten. Bei Hochhuth wird der Konflikt der Richter-Figur also durch die private Verwicklung in den Fall hervorgerufen. Einen so tiefen inneren Widerstreit gibt es bei Juli Zehs richter Hutschneider hingegen nicht: Er muss sich gegenüber seiner Familie für Mias Verurteilung nicht rechtfertigen - im Gegenteil: Er müsste es, wenn er durch unangebrachtes Verhalten das Wohl seiner eigenen Kinder in Gefahr brächte. Die Bedrohung durch das Regime wird deshalb in „Corpus Delicti“ insofern allgemeiner gezigt.
Unterschiede
Persönliche Verwicklung in den Rechtsfall
Die Art der Ausübung von richterlicher Gewalt in Diktaturen wird sowohl in Rolf Hochhuths Roman, als auch in Juli Zehs Roman vermittelt. Beide Autoren zeigen Richter-Figuren, die um ihre Einschränkungen wissen. Ihnen ist bewusst, dass sie, um sich selbst und ihre Familie nicht in Gefahr zu bringen, regmietreu agieren müssen. Dabei wird ebenfalls deutlich, wie problematisch dieses Handeln sein kann, wenn private Interessen, wie beim Generalrichter, eine starke Rolle spielen. Persönliche Verantwortung ist für ihn jedoch kaum wahrnehmbar, da er in seiner Funktion die Diktatur stützt. Das trifft auch auf Hutschneider zu.
Schluss
Fazit
#these#beleg#argument
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