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Aufgabe 3

Aufgaben
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Textanalyse und Erörterung ausgewählter Positionen

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Rainer Moritz (*1958): Unverträgliche Immunsysteme (2009)
Juli Zeh (*1974): Corpus Delicti (2009)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Text „Unverträgliche Immunsysteme“. Erörtere ausgewählte Positionen des Autors unter Bezugnahme auf Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“.
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Rainer Moritz: Unverträgliche lmmunsysteme

$\;$ Juli Zehs didaktischer Roman Corpus Delicti
$\;$
Es ist ein Kreuz mit dieser Juli Zeh. Da zählt die 3S-jährige examinierte Juristin und Absolventin des Leipziger Literaturinstituts zu den intelligentesten Repräsentanten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Da besticht sie auf Podien, mischt sich wie kaum einer ihrer Kollegen in gesellschaftliche Debatten ein, legt Verfassungsbeschwerden ein und verkörpert auf angeneh-
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me Weise die lange als ausgestorben geltende Spezies des engagierten Schriftstellers. Und da es sich Kritiker und Juroren hiezulande angewöhnt haben, Bücher zuerst aufgrund ihrer inhaltlichen Brisanz oder Originalität zu beurteilen, ergoss sich in den letzten Jahren eine wahre Preisflut über die couragierte Juli Zeh.
Wenn es freilich um die ästhetische Umsetzung der Themen geht, die Zeh bewegen, scheiden
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sich die Geister. Auch „Corpus Delicti“, die zum Roman umgearbeitete Fassung ihres gleichnamigen, 2007 uraufgeführten Theaterstücks, belegt dieses Dilemma. Einerseits möchte man Juli Zeh lauthals dafür preisen, wie sie in ihrer Anti-Utopie den „Gesundheitswahn“ unserer Tage auf die Zukunft, die Mitte des 21. Jahrhunderts, projiziert und eine erschreckende Gesellschaftsvision zeichnet. Andererseits rührt sich schon nach wenigen Kapiteln Unmut da-
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rüber, mit welch bescheidenen literarischen Mitteln Juli Zeh ihr Ziel verfolgt.
Die Biologin Mia Holl, Mitte dreißig, steht im Mittelpunkt des Geschehens. lhr Bruder Moritz hat Selbstmord begangen, nachdem ihm vorgeworfen worden war, eine junge Frau vergewaltigt und getötet zu haben. Mia jedoch ist von seiner Unschuld übezeugt und wirft dem herrschenden Regime vor, die Verantwortung für Moritz' Tod zu tragen. Die (offenkundig west-
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europäische) Gesellschaft, in der die Holls leben, hat sich, so ihre Verfechter, von der Orientierungslosigkeit am Ende des 20. Jahrhunderts verabschiedet und ein ausgeklügeltes Kontrollsystem geschaffen, das als „Methode“ das umfassende „Immunsystem des Landes“ bildet.
Der Körper wird zum Fetisch dieser Fitnessdiktatur, die sich rühmt, den „Luxus von individuellen
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Krankheitsgeschichten“ überwunden zu haben, keinen „Narzissmus des Widerstands“ duldet und sofort Sanktionen verhängt, wenn Bürger ihre Gesundheit leichtfertig aufs Spiel setzen. So ahnden die Gerichte überhöhten Kaffeegenuss, unterbinden Küsse, da sie eine „Verseuchung der Mundflora“ darstellen, und achten, da man Liebe als ein „Synonym für die Verträglichkeit bestimmter Immunsysteme“ betrachtet, genau darauf, wer mit wem eine partnerschaftliche
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Verbindung eingeht.
Es liegt Bestechendes darin, wie die Protestraucherin Juli Zeh ein System beschreibt, das aus Dekadenzphänomenen des vergangenen Jahrhunderts eine durchstrukturierte Herrschaft der „Methode“ entwickelt und konsequenterweise lndividualisten umgehend als Staatsfeinde verfolgt. Als Mia Holls Rechtsanwalt herausfindet, dass Moritz nach einem DNA-Analyse-Irrtum
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zu Unrecht verurteilt und damit das Opfer eines „Methodenfehlers“ wurde, versucht man - allen voran ihr Hauptwidersacher, der Chefideologe Heinrich Kramer - Mia als Terroristin einer Organisation namens R.A.K. (Recht auf Krankheit) zu stigmatisieren. Sie wird als vermeintliche Führerin einer „methodenfeindlichen Vereinigung“ vor Gericht gestellt, und die Höchststrafe, „Einfrieren auf unbestimmte Zeit“, scheint ihr sicher.
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Mias Kampf gegen die Hygienefanatiker des Staats wird ohne großes Raffinement vor allem in Rückblicken und Dialogen erzählt. Der stilistische Aufwand hält sich in Grenzen, wobei Juli Zeh ihren berüchtigten metaphorischen Überschwang weitgehend im Zaum hält und es nur selten zu größeren Missgriffen („Unter dem Fenster machte sich die Ermangelung einer Schlafstätte breit“) kommt. „Corpus Delicti“ ist, wie Juli Zeh selbst sagt, ein „didaktisches Buch“, und genau
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darin liegt sein Problem. Zu offensichtlich ragt der warnende Zeigefinger in die Höhe, zu papieren wirken viele der Figuren, von denen manche auch noch Rosentreter und Hutschneider heißen. (Anti)utopische Entwürfe leiden nicht selten unter einem solchen Zwiespalt, und auch Juli Zehhal keine übezeugenden Mittel gefunden, ihre bedenkenswerten Botschaften formal adäquat zu gestalten.
Aus: Neue Zürcher Zeitung vom 18.07.2009
URL: http:/www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/buchrezensionen_nichtmehrgueltig/unvertraeglicheimmunsysteme-1.3090964, aufgerufen am 21.11.2016
$\;$
Juli Zeh: Corpus Delicti
Figurenverzeichnis
Mia HollBiologin
Moritz HollMias verstorbener Bruder
Die ideale Geliebtevirtuelle Mitbewohnerin Mias
Dr. Lutz RosentreterRechtsanwalt
Heinrich KramerPublizist und Ideologe
WürmerModerator der Talkshow WAS ALLE DENKEN
Sophie StockRichterin
HutschneiderRichter, Sophies Nachfolger
BellStaatsanwalt
Lizzi, Driss, PollscheBewohnerinnen des Wächterhauses
#textgebundeneerörterung#corpusdelicti
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Textanalyse und Erörterung ausgewählter Positionen

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Rainer Moritz (*1958): Unverträgliche Immunsysteme (2009)
Juli Zeh (*1974): Corpus Delicti (2009)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Text „Unverträgliche Immunsysteme“. Erörtere ausgewählte Positionen des Autors unter Bezugnahme auf Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, solltest du die Kernaussagen des Textes herausarbeiten. Mache dir am besten stichpunktartige Notizen dazu.

Einleitung

Deine Analyse beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Unverträgliche Immunsysteme
  • Autor: Rainer Moritz
  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Inhalt: In dem Text „Unverträgliche Immunsysteme“ von Rainer Moritz, der auf das Jahr 2009 datiert ist, wird Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ in Teilen analysiert und kritisiert.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, den Text zu analysieren. Erfasse dazu die Kernaussagen und die Struktur des Textes.
Im Anschluss sollst du die Position des Autors erörtern. Gehe dabei auch auf Merkmale dystopischer Fiktion und autobiographische Aspekte der Schriftstellerin ein.
$\blacktriangleright$ Kernaussagen und Struktur
  • Autor kritisiert die aus seiner Sicht bestehende Diskrepanz zwischen Inhalt und Form des Romans
  • sieht Juli Zeh als Repräsentantin der Gegenwartsliteratur und schätzt sie deswegen, hebt gesellschaftliches Engagement Zehs hervor, das er bei anderen Autoren vermisst
  • Verweis auf Tendenz, wonach bei preisgekrönten Büchern häufig der Inhalt im Fokus stehe und dieser Umstand auch etliche Ehrungen der Schriftstellerin betreffe
  • anschließend Ausführungen zur Thematik und deren ästhetischer Umsetzung im Roman
  • Autor belegt Aussage an Beispielen und untermauert seine Ausgangsthese, wonach inhaltliche Aspekte zu loben, aber deren sprachlich-stilistische Umsetzung jedoch eher als bescheiden zu charakterisieren seien
  • Autor verweist auf Zitat der Schriftstellerin, demzufolge „Corpus Delicti“ ein didaktisches Buch sei
    $\rightarrow$ eben diese Autorenintention steht im Mittelpunkt seiner Kritik
  • Vorgehensweise der Autorin führe angeblich dazu, dass die inhaltliche Botschaft und deren formale Umsetzung inadäquat seien
  • Artikelüberschrift nimmt Bezug auf ein Kernstück der „Methode“
    $\rightarrow$ Hinweis darauf, dass Zehs Idee und deren Umsetzung nicht miteinander harmonieren
  • Stil der Rezension wechselt unter häufiger Verwendung des hypotaktischen Satzbaus zwischen sachlich-fachsprachlicher und polemischer Darstellung
    $\rightarrow$ Versuch, Überspitzungen auszugleichen
  • Verwendung von Zitaten aus dem Roman zur Veranschaulichung der Aussagen
$\blacktriangleright$ Erörterung der Position des Autors
  • Autor bezieht in Rezension eindeutig Stellung, bringt seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass es Zeh nicht gelungen sei, eine überzeugende Einheit zwischen Inhalt und Form herzustellen
  • lobt originelle Idee und inhaltliche Brisanz der Dystopie, bemängelt aber ästhetische Umsetzung
    $\rightarrow$ Roman besteht aus recht kurz gehaltenen Kapiteln (Anzahl 50), ursprünglich als Theaterstück geschrieben, was durchaus durchschimmert
    $\rightarrow$ nüchterne, knappe Darstellung passt allerdings zu Dystopie der Fitnessdiktatur, in der der Menschheit Emotionen entsagt werden
    $\rightarrow$ Mia durchlebt eine Art Heldenreise: zuerst Befürworterin des Systems, nach Suizid ihres Bruders fällt sie in Depressionen, wird zum Spielball im Feldzug gegen die METHODE als auch für den METHODENschutz, als die Unschuld ihres Bruder bewiesen wurde, verbannt sie die Vernunft als Ratgeber aus ihrem Kopf
  • eindimensionale formale Gestaltung der Konflikte und Figuren
    $\rightarrow$ Nebenfiguren wirken tatsächlich etwas platt, erfahren keine Wandlung
    $\rightarrow$ Handlung wirkt im Allgemeinen bedingt vorhersehbar in Anbetracht des Genres der dystopischen Fiktion
    $\rightarrow$ Mia widerfahren viele Wandlungen, nach Tod ihres Bruders vernachlässigt sie ihre gesundheitlichen Pflichten, versucht aber diese zunehmend nachzuholen, ihre Emotionen haben sie allerdings im Griff, weswegen sie trotz Resignation und Verwirrung provozierende Aussagen über die METHODE trifft $\rightarrow$ innerer Konflikt
    $\rightarrow$ Mia hat keinerlei Entscheidungsfreiheiten: entweder sie verflucht das System, indem sie für ihren Bruder und für das, was er steht, rebelliert oder sie verrät ihre Liebe zu ihrem Bruder , an dessen Unschuld sie ebenso fest glaubt wie an ihre eigene Existenz
    $\rightarrow$ nüchterne und einfache Sprache vermittelt Bildung und Ästhetik, ohne in Affektiertheit abzurutschen
    $\rightarrow$ Zeh konstruiert mit klaren Worten eine Atmosphäre der Beklemmung und Kontrolle
    $\rightarrow$ Roman will Anspruch des Spannungsaufbaus eines Thrillers o.ä. gar nicht erfüllen
    $\rightarrow$ steht eher in der Tradition des Theaterstücks mit aufklärerischem Anspruch als in der Tradition von Kriminalromanen
  • offenbar ist dem Autor die Darstellung und Entlarvung eines totalitären Regimes zu plakativ
    $\rightarrow$ Roman zwingt Leser dazu, Assoziationen mit gegenwärtigen Entwicklungen zu machen
    $\rightarrow$ Ähnlichkeiten zu George Orwells 1984
    $\rightarrow$ Tendenzen der Gegenwart werden aufgegriffen und weiter gesponnen, Fürsorglichkeit des Staates führt zu radikaler Entmündigung des Bürgers
    $\rightarrow$ Beispiel der USA zeigt, dass die Fitnessdiktatur nicht so weit weg scheint (Desinfektionsmittel überall, bei Infektionen werden ganze Institutionen geschlossen, Gesundheits- und Fitnesswahn, Fitnesstracker, Apps, …)
    $\rightarrow$ Zeh erste Schriftstellerin die vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Pass mit biometrischen Daten klagt, was die Tatsache unterstützt, dass die totalitäre Überwachung unserer Daten schon in Teilen umgesetzt wird
$\blacktriangleright$ weitere mögliche Schwerpunkte der Erörterung
  • Funktion der Verwendung von Rückblenden und Dialogen
  • Verwendung von Elementen einer Kriminalgeschichte und eines Gerichtsdramas
  • Dominanz der wörtlichen Rede, um Leser als „Zuschauer“ unmittelbar an den Ereignissen teilhaben zu lassen
  • Namenssymbolik als Mittel der Figurencharakterisierung
$\blacktriangleright$ Merkmale dystopische Fiktion
  • Erzählung, welche ein negatives Zerrbild der zukünftigen Menschheit zeigt
  • Zukunft ist von einer Gesellschaft geprägt, die sich zum Negativen entwickelt hat
    $\rightarrow$ Entziehung sämtlicher Freiheiten durch METHODE
  • Häufige Themen: Versklavung der Menschheit / die Beschneidung sämtlicher Freiheiten, oftmals durch übermächtige Technik bedingt, die zwar vom Menschen selbst entworfen wurde, aber zukünftig nicht mehr zu händeln ist
    $\rightarrow$ Versklavung der Menschen durch Fitnessdiktatur und Überwachungsstaat
  • Protagonist, der gesellschaftliche Verhältnisse hinterfragt und gegen das System aufbegehrt
    $\rightarrow$ Mia beginnt METHODE zu hinterfragen und wird zur aktiven Anführerin einer Rebellion gegen jene Organisation

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, die Intention des Textes noch einmal kurz zusammenfassen. Du kannst hier auch sagen, welche Gefühle das Lesen des Textes in dir ausgelöst und in welche Stimmung sie dich versetzt haben.
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Aufgabe 3

Textanalyse und Erörterung ausgewählter Positionen

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Rainer Moritz (*1958): Unverträgliche Immunsysteme (2009)
Juli Zeh (*1974): Corpus Delicti (2009)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Analysiere den Text „Unverträgliche Immunsysteme“. Erörtere ausgewählte Positionen des Autors unter Bezugnahme auf Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“.
In dem Text „Unverträgliche Immunsysteme“ von Rainer Moritz, der auf das Jahr 2009 datiert ist, wird Juli Zehs Roman „Corpus Delicti“ in Teilen analysiert und kritisiert.
Der Autor Moritz bemängelt die aus seiner Sicht bestehende Diskrepanz zwischen dem Inhalt und der Form des Romans. Er sieht Juli Zeh als Repräsentantin der Gegenwartsliteratur und schätzt sie deswegen; zudem hebt er das gesellschaftliche Engagement Zehs hervor, das er bei anderen Autoren vermisst. Wie auch bei anderen preisgekrönten Büchern - so schreibt er - steht hier der Inhalt im Fokus, weswegen dieser Umstand auch etliche Ehrungen der Schriftstellerin betrifft. Anschließend wird die Thematik und deren ästhetische Umsetzung ausgeführt. Außerdem belegt der Autor seine Aussage an Beispielen und untermauert seine Ausgangsthese, wonach inhaltliche Aspekte zu loben, aber deren sprachlich-stilistische Umsetzung jedoch eher als bescheiden zu charakterisieren sei. Zudem verweist der Autor Moritz auf ein Zitat der Schriftstellerin Zeh, demzufolge „Corpus Delicti“ ein didaktisches Buch sei. Eben diese Autorenintention steht im Mittelpunkt seiner Kritik. Angeblich führe die Vorgehensweise der Autorinn dazu, dass die inhaltliche Botschaft und deren formale Umsetzung inadäquat seien. Die Artikelüberschrift nimmt zum Beispiel Bezug auf ein Kernstück der „Methode“. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Zehs Idee und deren Umsetzung nicht miteinander harmonieren. Generell werden oft Zitate aus dem Roman verwendet, um die Aussagen zu veranschaulichen. Der Stil von Rainer Moritz' Rezension wechselt unter häufiger Verwendung des hypotaktischen Satzbaus zwischen sachlich-fachsprachlicher und polemischer Darstellung. Dies stellt einen Versuch dar, die Überspitzungen auszugleichen.
In seiner Rezension bezieht der Autor eindeutig Stellung, bringt seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass es Zeh nicht gelungen sei, eine überzeugende Einheit zwischen Inhalt und Form herzustellen. Trotzdem lobt er die originelle Idee und inhaltliche Brisanz der Dystopie, bemängelt jedoch deren ästhetische Umsetzung. Natürlich besteht der Roman aus recht kurz gehaltenen Kapiteln und war ursprünglich als Theaterstück gedacht, was durchaus noch durchschimmert. Die nüchterne, knappe Darstellung passt allerdings zur Dystopie der Fitnessdiktatur, in der der Menschheit Emotionen entsagt werden. Die Protagonistin Mia erlebt zudem eine Heldenreise: zuerst ist sie Befürworterin des Systems, nach dem Suizid ihres Bruders fällt sie in Depressionen wird sie zum Spielball im Feldzug gegen die METHODE. Als die Unschuld ihres Bruders bewiesen wird, verbannt sie die Vernunft als Ratgeber aus ihrem Kopf. Hier kann Moritz nur teils zugestimmt werden. Des Weiteren kritisiert er die eindimensionale formale Gestaltung der Konflikte und Figuren. Die Nebenfiguren wirken tatsächlich etwas platt, erfahren zudem keine Wandlung. Die Handlung wirkt im Allgemeinen bedingt vorhersehbar in Anbetracht des Genres der dystopischen Funktion. Mia widerfahren jedoch viele Wandlungen - nach dem Tod ihres Bruders vernachlässigt sie ihre gesundheitlichen Pflichten, jedoch versucht sie diese zunehmend nachzuholen. Allerdings haben ihre Emotionen sie im Griff, weswegen sie trotz Resignation und Verwirrung provozierende Aussagen über die METHODE trifft. Dies spiegelt ihren inneren Konflikt wider. Mia hat zudem keinerlei Entscheidungsfreiheiten: entweder sie verflucht das System, indem sie für ihren Bruder und für das, was er steht, rebelliert, oder sie verrät ihre Liebe zu ihrem Bruder, an dessen Unschuld sie ebenso fest glaubt wie an ihre eigene Existenz. Die nüchterne und einfache Sprache vermittelt außerdem Bildung und Ästhetik, ohne in Affektiertheit abzurutschen. Zeh konstruiert also mit klaren Worten eine Atmosphäre der Beklemmung und der Kontrolle. Des Weiteren will der Roman auch gar nicht den Anspruch des Spannungsaufbaus eines Thrillers oder ähnlichem erfüllen. Zusätzlich nutzt Zeh die Namenssymbolik als Mittel der Figurencharakterisierung (wie der Richter Hutschneider zum Beispiel). Insgesamt steht der Roman eher in der Tradition des Theaterstücks mit aufklärerischem Anspruch als in der Tradition des Kriminalromans. Offenbar ist Rainer Moritz die Darstellung und Entlarvung eines totalitären Regimes zu plakativ. Dagegen spricht, dass der Roman den Leser praktisch dazu zwingt, Assoziationen mit gegenwärtigen Entwicklungen zu machen. Auch trägt er Ähnlichkeiten zu George Orwells 1984. Zudem werden Tendenzen der Gegenwart aufgegriffen und weiter gesponnen und die Fürsorglichkeit des Staates führt zu einer radikalen Entmündigung des Bürgers. Das Beispiel der USA zeigt auch, dass die Fitnessdiktatur nicht so weit weg scheint - Desinfektionsmittel ist überall zu finden, bei Infektionen werden ganze Institutionen geschlossen und ein genereller Gesundheits- und Fitnesswahn beherrscht das Land. Zeh ist die erste Schriftstellerin, die vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Pass mit biometrischen Daten klagt, was die Tatsache unterstützt, dass die totalitäre Überwachung unserer Daten schon in Teilen umgesetzt wird.
Außerdem passt Zehs Roman in die Kategorie der dystopischen Fiktion. Dystopien zeigen für gewöhnlich ein negatives Zerrbild der zukünstigen Menschheit. Die Zukunft ist von einer Gesellschaft geprägt, die sich zum Negativen entwickelt hat. Die METHODE in „Corpus Delicti“ steht für die Entziehung sämtlicher Freiheiten, weswegen sie sich insgesamt als negativ präsentiert. Häufige Themen von Dystopien sind unter anderem die Versklavung der Menschheit oder auch die Beschneidung sämtlicher Freiheiten und wird oftmals durch eine übermächtige Technik bedingt, die zwar vom Menschen selbst entworfen wurde, aber zukünftig nicht mehr zu kontrollieren ist. In Zehs Dystopie wird die Menschheit ebenfalls durch die Fitnessdiktatur und den Überwachungsstaat versklavt, was direkt eine Kritik an dem jetzigen Regierungs- und gesellschaftlichen System ist. In Dystopien ist es zudem immer der Protagonist, der gesellschaftliche Verhältnisse hinterfragt und gegen das System aufbegehrt. Auch Mia beginnt, die METHODE zu hinterfragen und wird uzr aktiven Anführerin einer Rebellion gegen jene Organisation.
Rainer Moritz postuliert im Prinzip, dass Zeh unverdienterweise literarische Preise gewonnen hat - er kritisiert flache Charaktere und die fehlende Kriminalroman-Stimmung. Jedoch missachtet er das Genre von Zehs Roman, das Gesamtkunstwerk generell und dessen Aussage. Ich persönlich finde „Corpus Delicti“ spannend und auch die Heldenreise der Protagonistin Mia ist gelungen und nachvollziehbar. Durch die klare Strukturierung kann ich mich auch sehr gut mit der Thematik identifizieren, vor allem weil solch eine Dystopie nicht so weit fern scheint, wie Autor Rainer Moritz scheint.
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