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Aufgabe 2

Aufgaben
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Dramenszene

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Jean Anouilh (1910 - 1987): Antigone.
Sophokles (496 - 405 v. Chr.): Antigone.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere den Textauszug aus Jean Anouilhs „Antigone“.
#interpretieren#antigone
  • Vergleiche diesen mit dem Textauszug von Sophokles hinsichtlich der Figurengestaltung.

#vergleichen#sophokles

Jean Anouilh: Antigone

$\,$
[…]
KREON: Dann hab Mitleid mit mir. Ruhe und Ordnung in Theben sind teuer genug
bezahlt mit dem faulenden Leichnam vor meinem Haus. Sieh, mein Sohn liebt
dich. Ich will dich nicht auch noch opfern müssen. Ich habe wirklich schon genug
5
bezahlt.
ANTIGONE: Nein - denn du hast ja gesagt. Dafür wirst du von jetzt an immer be-
zahlen müssen.
KREON außer sich, schüttelt sie: Mein Gott, versuch doch endlich zu begreifen. Ich
gebe mir ja auch Mühe, dich zu verstehen. Irgend jemand muß schließlich ja
10
sagen. Es muß doch einer da sein, der das Schiff steuert. Überall dringt schon
Wasser ein, Verbrechen, Dummheit und Elend sind an Bord. Das Steuerruder
schlägt hin und her, die Mannschaft lungert herum und denkt nur ans Plündern,
und die Herren Offiziere bauen sich schon ein kleines sicheres Floß, das nur für
sie da ist, mit Trinkwasser und Vorräten ausgestattet, um sich in Sicherheit zu
15
bringen. Der Mast kracht, der Sturm heult. Die Segel zerreißen, und die ganze
Bande wird jämmerlich verrecken, weil jeder nur an seine eigene kostbare Haut
und an seine nichtigen Angelegenheiten denkt. Glaubst du, da kann man lange
überlegen, wie man es am raffiniertesten anstellt, ob man nun ja oder nein sagen
soll? Da kann man nicht mehr lange fragen, ob man es nicht eines Tages teuer be-
20
zahlen wird oder ob man nachher überhaupt noch ein Mensch sein kann. Man
nimmt das Rad in die Hand, sieht den sich türmenden Wellenbergen entgegen,
man brüllt einen Befehl, und man schießt blindlings in die Menge, auf den erst-
besten, der aus ihr hervortritt. Die Menge! Das ist etwas Namenloses. Wie eine
Welle, die auf das Deck niederrauscht. Der Wind heult, und wer tot in der Gruppe
25
umfällt, ist namenlos. Vielleicht hat er dir noch am Vorabend freundlich lächelnd
Feuer für deine Zigarette gegeben. Jetzt ist er ein Namenloser. Und du selbst bist
an das Ruder geklammert - namenlos. Nur das Schiff und der Sturm haben
Namen, verstehst du das?
ANTIGONE schüttelt den Kopf : Ich will nicht verstehen! Das ist etwas für dich. Ich bin
30
nicht da, um zu verstehen. Ich muß nein sagen und sterben.
KREON: Nein sagen ist oft leicht.
ANTIGONE: Nicht immer!
KREON: Wer ja sagt, muß das Leben fest mit beiden Fäusten anpacken und sich in die
Arbeit knien. Daß der Schweiß rinnt. Nein sagen ist leicht, selbst wenn man dabei
35
sterben muß. Man braucht nur ruhig dazusitzen und zu warten - auf das Leben
oder bis man eben umgebracht wird. Wie feig ist das! Nur Menschen können so
sein. […]
Trotzdem werde ich weiter an eurem Glück arbeiten, selbst wenn ihr es nicht
wollt. Es ist schwer, und manchmal erscheint es euch gemein. Und wie oft stürzt
40
alles wieder zusammen - dann heißt es von neuem beginnen. Und kein Mensch
hilft dabei. Doch ich werde euer Glück schaffen, trotz eures Hasses -ich werd es.
[…]
ANTIGONE: Schlag mich doch, komm, schlag zu, Kreon. Du kannst ja nichts anderes.
Schlag mich, denn du weißt, daß ich recht habe. Glaubst du, ich sehe es dir nicht
45
an den Augen an, daß du es weißt? Nur zu gut weißt du, daß ich recht habe, aber
zugeben wirst du es nie - denn jetzt verteidigst du dein Glück wie ein Hund sei-
nen Knochen.
KREON: Und das deine damit, du Dummkopf.
ANTIGONE: Ihr seid mir alle widerlich mit eurem Glück und eurer Lebensauffassung.
50
Gemein seid ihr! Wie Hunde, die geifernd ablecken, was sie auf ihrem Weg fin-
den. Ein bescheidenes Alltagsglück und nur nicht zu anspruchsvoll sein!
Ich, ich will alles, sofort und vollkommen - oder ich will nichts. Ich kann nicht
bescheiden sein und mich mit einem kleinen Stückchen begnügen, das man mir
gibt, weil ich brav war. Ich will die Gewißheit haben, daß es so schön wird, wie
55
meine Kindheit war - oder ich will lieber sterben. […]
Aus: Jean Anouilh: Antigone. Übersetzt von Franz Geiger.
München: LangenMüller 1965, 32. Auflage 2012, S. 43f. und 50f.
#antigone#tragödie

Figurenverzeichnis

Jean Anouilh: Antigone
Antigone
Ismene
Die Amme
Eurydike
Kreon
Hämon
Wächter
Ein Bote
Sprecher
#antigone

Sophokles: Antigone

$\,$
[…]
ANTIGONE:
Willst du denn mehr, da du mich hast, als töten?
KREON:
5
Nein, mehr nicht. Hab ich dies, so hab ich alles.
ANTIGONE:
Dann zögre nicht! Was du sagst, gefällt mir
so wenig wie, was ich sage, dir. Und das
wird so bleiben. Obwohl, was brächte mir
10
mehr und schöneren Ruhm, als wenn ich in
das Grab den Bruder lege. Denn daß es
all diesen da gefällt, gestände jeder,
sperrte die Furcht nicht jede Zunge. Das kann
sich Herrschaft leisten überall, bestimmen,
15
was man noch sagt und was verschweigt.
KREON:
Das siehst nur du hier so in Theben.
ANTIGONE:
Auch diese sehen's. Sie halten nur das Maul.
20
KREON:
Schämst du dich nicht, die ungefragt zu deuten?
ANTIGONE:
Den Bruder ehren kann nicht schamlos sein.
KREON:
25
Starb nicht als dein Bruder auch der andere?
ANTIGONE:
Eines Blutes. Kinder eines einzigen Geschlechts.
KREON:
Du aber ehrst den Gottlosen.
30
ANTIGONE:
Das läßt gewiß nicht gelten der Entschlafene.
KREON:
O doch. Wenn du den Verbrecher ehrst wie ihn!
ANTIGONE:
35
Ein Bruder liegt dort neben einem Bruder.
KREON:
Verderbt hat der das Land; der ist dafür gestanden.
ANTIGONE:
Die Totenwelt hat alle gerne gleich.
40
KREON:
Doch Guten gleich sind Schlimme nicht zu nehmen.
ANTIGONE:
Es kann doch drunten ein anderer Brauch sein.
KREON:
45
Nie ist der Feind, auch wenn er tot ist, Freund.
ANTIGONE:
Nicht zu hassen, zu lieben bin ich da.
KREON:
So geh hinunter, wenn du lieben willst,
50
und liebe dort' Mir herrscht kein Weib im Leben.
Aus: Sophokles: Antigone. Übersetzt von Hölderlin,
bearbeitet von Martin Walser und Edgar Seige.
Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1. Auflage 1989, S. 43-45.
#antigone#sophokles#tragödie
Sophokles: Antigone
AntigoneBestatterin des von Kreon geächteten Polyneikes
IsmeneAntigones Schwester
(Eteokles ✝, Polyneikes ✝)(Antigones Brüder)
KreonHerrscher von Theben
HaimonKreons Sohn, Antigones Verlobter
Teiresiasblinder thebanischer Seher
Chor der thebanischen Greise
#antigone
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Thema:
Jean Anouilh (1910 - 1987): Antigone.
Sophokles (496 - 405 v. Chr.): Antigone.
Aufgabenstellung:
$\blacktriangleright\;$ Interpretiere den Textauszug aus Jean Anouilhs „Antigone“.
Die beiden Szenenausschnitte aus den zwei Versionen Antigones sollen im zweiten Aufgabenteil hinsichtlich der Figurengestaltung verglichen werden. Zunächst ist es aber deine Aufgabe, den Auszug aus Anouilhs Drama zu interpretieren. Da dir sicherlich mehr auffällt, als du in der Zeit aufarbeiten kannst, empfehlen wir dir, die Figurengestaltung etwas kürzer zu halten. Die untersuchst du schließlich noch genauer im zweiten Teil und so kannst du auch Wiederholungen vermeiden.
  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Kontextualisierung
  • Aufbau und Inhalt des Ausschnitts
  • Interpretation nach bestimmten Schwerpunkten
$\blacktriangleright\;$ Vergleiche den Textauszug aus Jean Anouilhs „Antigone“ mit dem Textauszug von Sophokles hinsichtlich der Figurengestaltung.
Die beiden Szenenausschnitte aus den zwei Versionen Antigones sollen im zweiten Aufgabenteil hinsichtlich der Figurengestaltung verglichen werden.
Lies beide Textauszüge gründlich durch und erinnere dich auch an die Informationen, die ihr im Unterricht zu der Fragestellung bearbeitet habt. Glieder deinen Aufsatz dann schlüssig und belege deine Interpretationen mit passenden Textstellen.
  • Überleitung
  • Vergleich
    • Vergleich der Figurengestaltung
  • Schluss
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Dramenszene

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Jean Anouilh (1910 - 1987): Antigone.
Sophokles (496 - 405 v. Chr.): Antigone.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
Interpretiere den Textauszug aus Jean Anouilhs „Antigone“.
Tipp
Die beiden Szenenausschnitte aus den zwei Versionen Antigones sollen im zweiten Aufgabenteil hinsichtlich der Figurengestaltung verglichen werden. Zunächst ist es aber deine Aufgabe, den Auszug aus Anouilhs Drama zu interpretieren. Da dir sicherlich mehr auffällt, als du in der Zeit aufarbeiten kannst, empfehlen wir dir, die Figurengestaltung etwas kürzer zu halten. Die untersuchst du schließlich noch genauer im zweiten Teil und so kannst du auch Wiederholungen vermeiden.
  • Einleitung
  • Hauptteil
    • Kontextualisierung
    • Aufbau und Inhalt des Ausschnitts
    • Interpretation nach bestimmten Schwerpunkten
Tipp
Die beiden Szenenausschnitte aus den zwei Versionen Antigones sollen im zweiten Aufgabenteil hinsichtlich der Figurengestaltung verglichen werden. Zunächst ist es aber deine Aufgabe, den Auszug aus Anouilhs Drama zu interpretieren. Da dir sicherlich mehr auffällt, als du in der Zeit aufarbeiten kannst, empfehlen wir dir, die Figurengestaltung etwas kürzer zu halten. Die untersuchst du schließlich noch genauer im zweiten Teil und so kannst du auch Wiederholungen vermeiden.
  • Einleitung
  • Hauptteil
    • Kontextualisierung
    • Aufbau und Inhalt des Ausschnitts
    • Interpretation nach bestimmten Schwerpunkten
Der französische Autor Jean Anouilh verfasste das Drama „Antigone“ 1942 in Paris. Zu dieser Zeit war die Stadt durch die Nationalsozialisten besetzt. Die Fragen, welche Ziele Politiker verfolgen müssen, zu welchem Preis Ziele erreicht werden dürfen und ob das Glück des Einzelnen zum Wohl der Mehrheit geopfert werden darf, stehen zu der Zeit im Mittelpunkt. Genauso sind diese Fragen auch heute aktuell und waren es in der Antike, als Sophokles seine „Antigone“ verfasste.
Einleitung
Der Antigonestoff wurde in der Literaturgeschichte häufig aufgegriffen und verändert. Anouilh schreibt zwar im 20. Jahrhundert, verwendet aber die gleichen Spannungsverhältnisse, wie schon Sophokles 442 vor Christi Geburt.
Hauptteil
Die Handlung spielt in Theben, wo sich die beiden verfeindeten Brüder Antigones, Eteokles und Polyneikes, während des Krieges gegenseitig töten. Regelung ist es, die Toten vor der Stadtmauer zu beerdigen. Das geschieht durch den regierenden König Kreon auch im Falle des Eteokles. Polyneikes hingegen bleibt auf dem Schlachtfeld liegen. Antigone bricht das Verbot und bestattet ihren Bruder, worauf die Todesstrafe aussteht.
Kontextualisierung
Der vorliegende Textauszug ist ein Dialog zwischen dem König Kreon und der Verlobten seines Sohnes und Schwester der beiden Verstorbenen, Antigone. Es geht dabei um die Rolle in der Gesellschaft und die Aufgabe des Königs. Einerseits die Verantwortung für jeden Bürger aber auch die Verpflichtung gegenüber des Gemeinwohls.
Inhalt und Aufbau
Während des Gesprächs nimmt der König die eindeutig superiore Gesprächsposition ein. Er hat also einen deutlich höheren Redeanteil und lenkt das Gespräch. Seine Position stellt er monologartig dar und erhofft sich, Verständnis von seiner Nichte. Antigone antwortet kurz aber bestimmt auf die langen Vorträge des Königs. Sie möchte den König gar nicht verstehen und beharrt auf ihren Ansichten.
Interpretation
Kreon hat das Anliegen, Antigone seine Idee von Politik und seine Situation in der aktuellen Lage verständlich zu machen. Auslöser ist Antigones Vorwurf, er habe ‚ja‘ gesagt. Dafür werde er von jetzt an immer bezahlen müssen (vgl. Z. 6-7). Er hingegen fordert Mitleid (vgl. Z. 2). Aus dieser Situation heraus hat Kreon das Gefühl, sich zu rechtfertigen. Hierzu nutzt er in einer langen Ausführung die Metapher des Schiffes, das als Staat von ihm gelenkt wird.
Zunächst ist hierbei wichtig, dass er seine Situation so darstellt, als sei er nicht freiwillig Steuermann dieses Schiffes, denn „[i]rgendjemand muss schließlich ja sagen“ (Z. 9) Außerdem scheint der Staat ein instabiles System zu sein, was durch die Akkumulation von Missständen, „Verbrechen, Dummheit und Elend“ (Z. 11) sprachlich dargestellt wird. Diese deutlichen Worte zeigen, wie nötig seine Aufopferung für den Staat ist. Untermauert von den rhetorischen Fragen, „ob man nun ja oder nein sagen soll?“ (Z. 18) versucht er Antigone zu überzeugen.
Hierbei stellt er sein eigenes Glück in den Hintergrund. Das Glück der Bevölkerung „euer Glück“ (Z. 41) ist für ihn wichtig, „[u]nd kein Mensch hilft dabei“ (Z. 40f.). Die Ellipse „- ich werd es“ (Z. 41) bringt schließlich seinen Entschluss, sich auch den „sich türmenden Wellenbergen entgegen“ (Z. 21) für das Volk einzusetzen.
Seine Aufgabe sieht er darin, Recht und Ordnung wieder herzustellen. Hierbei ist er aber genau wie jeder andere „ein Namenloser“ (Z. 26). Jeder ist ersetzbar und der Staat ein System, dass den Leuten Funktionen zuweiset. Von außen, metaphorisch durch die Stürme dargestellt, wird dieses System beeinflusst und diese äußeren Einflüsse bestimmen, wie der Steuermann, also er als König zu handeln hat. Er ist nicht selbstbestimmt, sondern ein Opfer der Umstände und handelt so, dass das Bestmögliche für das Volk herauskommt. „Nur das Schiff und der Sturm haben Namen, verstehst du?“ (Z. 27f.). Diese Frage an Antigone stellt die erklärten Zusammenhänge dar und fordert ihr Verständnis ein.
Antigone aber „will nicht verstehen“ (Z. 29). Sie ist von ihrer Position, sie solle „nein sagen und sterben“ (Z. 30), überzeugt und will sich nicht umstimmen lassen. Sie verwendet keine lange, überzeugende Rede, sondern kurze Hypotaxen. Das Kopfschütteln (vgl. Z. 29) und das häufige Verneinen von Kreons Aussagen zeigen ihren Widerwillen, sich auf seine Darstellung einzulassen. Allerdings greift Kreon diese Verneinungen auf und entkräftet sie - „Nein sagen ist oft leicht“ (Z. 31). Kreon ist hierbei Antigone überlegen, er gibt sich Mühe, sie zu verstehen (vgl. Z. 9) und argumentiert gezielt gegen ihre einsträngige Sichtweise.
Diese Überlegenheit zerbricht in dem Moment, wo er Antigone gegenüber gewaltätig wird. Seine Argumente prallen an ihr ab, also schüttelt er sie (Z. 8). Doch Antigone provoziert das. Durch mehrmaliges Widerholen der Aufforderung „schlag mich doch“ (Z. 43), führt sie den König an die Grenze seiner Selbstbeherrschung. Und die Provokationen wirken. Kreon bezeichnet sie als „Dummkopf“ (Z. 48) und als feige (vgl. Z. 36) und geht damit auf eine persönliche Ebene, weg von durchdachten Argumenten.
Das Wechselspiel der antithetischen Partikel ja und nein ist zentral im Dialog zwischen Antigone und Kreon. Aus Antigones Sicht ist Kreon selbst in der Lage ja oder nein zu sagen, er selbst sieht sich als Opfer in dieser Entscheidung. Neben der Bedeutung hinsichtlich der Herrschaftsebene ist das Ja- und Nein-sagen auch auf die Definition von Glück zu beziehen. Antigone versteht das Glück als ganzheitliches Glück, Kreon spricht in ihren Augen von „Alltagsglück“ (Z. 51), diese Definition von Glück und Lebensauffassung ist ihr widerlich (vgl. Z. 49).
Nur durch dieses finale Argument schafft sie es, ihrer ablehnenden Haltung einen Sinn zu geben, der von Kreon kaum noch entkräftet werden kann. Sie lehnt Kreons Verhalten gegenüber der Bestattung ihres Bruder so konsequent ab, dass sie ihrem Protest nicht nur eine private, sondern auch eine politische Ebene, eine Protestform gegen das Alltagsglück und das Verhalten des Königs, zuschreibt. Um das zu untermalen, nutzt sie die Metapher des Hundes (vgl. Z. 43- 55). Die Menschen, die Kreons Handeln unterstützen, weil es für die Mehrheit Frieden und Zufriedenheit bringt, bezeichnet sie als Hunde. Ein Bild, das impliziert, dass die Menschen dem Anführer bedingungslos nachlaufen, von Trieben geleitet werden und nicht eigenständig denken.
Dadurch, dass sie den Vergleich von Hunden, „die geifernd ablecken, was sie auf ihrem Weg finden“(Z. 50) zuvor auf den König selbst angewandt hatte, stellt sie ihn mit diesen Menschen auf eine Stufe. Eine deutliche Provokation, die ihr Fazit verbildlicht, sie wird sich nicht „mit einem kleinen Stückchen begnügen, […] weil sie brav war“ (Z. 54f.) und den anderen Menschen folgen, wie ein Hund.
Antigone
#these#beleg#argumentationsstruktur#zusammenfassen#argument
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
Interpretiere den Textauszug aus Jean Anouilhs „Antigone“. Vergleiche diesen mit dem Textauszug von Sophokles hinsichtlich der Figurengestaltung.
Tipp
Die beiden Szenenausschnitte aus den zwei Versionen Antigones sollen im zweiten Aufgabenteil hinsichtlich der Figurengestaltung verglichen werden.
Lies beide Textauszüge gründlich durch und erinnere dich auch an die Informationen, die ihm im Unterricht zu der Fragestellung bearbeitet habt. Glieder deinen Aufsatz dann schlüssig und belege deine Interpretationen mit passenden Textstellen.
  • Überleitung
  • Vergleich
    • Vergleich der Figurengestaltung
  • Schluss
Tipp
Die beiden Szenenausschnitte aus den zwei Versionen Antigones sollen im zweiten Aufgabenteil hinsichtlich der Figurengestaltung verglichen werden.
Lies beide Textauszüge gründlich durch und erinnere dich auch an die Informationen, die ihm im Unterricht zu der Fragestellung bearbeitet habt. Glieder deinen Aufsatz dann schlüssig und belege deine Interpretationen mit passenden Textstellen.
  • Überleitung
  • Vergleich
    • Vergleich der Figurengestaltung
  • Schluss
Das sicherlich bekannteste Werk zum Antigonestoff wurde 442 vor Christi Geburt von Sophokles verfasst und später von Hölderlin erstmals ins Deutsche übersetzt.
Überleitung
Die Figurenkonstellation ist in der Grundkonstruktion gleich, dennoch unterscheidet sich die Gestaltung der einzelnen Figuren deutlich von der Umsetzung des Stoffes bei Jean Anouilh.
Vergleich
Bei Anouilh ist die Figur des Kreon verständnisvoll seiner Nichte gegenüber. Das Verhältnis zwischen den Figuren ist asymmetrisch, Kreon denkt für den Staat, Antigone sieht ihre eigene Position als exemplarisch an. Durch ihre Protesthaltung „Ich will nicht verstehen“ (Z. 29) erscheint sie schwächer als Kreon.
Bei Sophokles ist das grundlegend anders, egal welche Argumentation Antigone anbringt er lehnt es mit dem Standpunkt, „[m]ir herrscht kein Weib im Leben“ (Z. 50) ab. Außerdem reduziert er sie lokal, indem er ihre Sichtweise als beschrenkt einordnet indem er sagt, „[d]as siehst nur du hier so in Theben“ (Z. 17). Kreon wird von Antigone als gewaltätigen Herrscher eingestuft, „denn sperrt die Furcht nicht jede Zunge“ (Z. 13).
Und Kreon bestätigt das. Hab ich dies, so hab ich alles (Z. 5). Ihm geht es um bedingungslose Macht. Anders als bei Anouilh ist Kreon nicht am Wohl des Volkes interessiert und sieht sich selbst als aufopfernden Herrscher. Er sucht nach einem Gegenspieler auf Augenhöhe und findet den zeitweise in Antigone. Die schnelle Wechselrede (Z. 16-47) verdeutlicht dies bei Sophokles auf sprachlicher Ebene. Antigone ist Kreon bei Sophokles rhetorisch gewachsen.
Bei Anouilh ist Antigone dagegen eher zurückhaltend und stur. Sie verneint Kreons Aussagen und tritt selbst nur bedingt in die Argumentation ein. Bei Sophokles widerspricht Antigone deutlicher und grundsätzlicher: „Was du sagst, gefällt mir / so wenig wie, was ich sage, dir. Und das / wird so bleiben.“ (Z. 7-9). Sie vertritt mit ihren Aussagen bei Sophokles das Interesse der anderen, da diese Angst vor ihm haben. Sie ist hier deutlich mutiger als bei Anouilh, wobei hier Antigone auch provoziert. Nur ist das bei Anouilh nicht so radikal nötig, da Kreon nicht als absoluter Gegenspieler, sondern als verständnisvoller Onkel auftritt.
Antigone
Bei Sophokles sind Kreon und Antigone Gegenspieler, die sich in der Situation rhetorisch und inhaltlich auf Augenhöhe begegnen. Kreon ist dabei der böse Herrscher, Antigone die Heldin, die sich für das Wohl aller opfert. Bei Anouilhs verschwimmen die Grenzen zwischen gut und böse und beide Positionen werden nachvollziehbar - sowohl für den Leser oder Zuschauer als auch für den jeweiligen Gesprächspartner. Kreon schaut nach dem Wohl des Volkes, nimmt dafür aber die Hinrichtung Antigones in Kauf, Antigone verweigert die Einsicht und wirkt nicht mehr als absolute Heldin, sondern als hilflose Einzelkämpferin. Kreon ist hier aus seiner Sicht nur eine Funktion im System der Namenlosen, eine Sichtweise, die Antigone als „widerlich“ (Z. 49) bezeichnet.
Die Frage, in wie weit politische Systeme das Handeln der Menschen in den Systemen lenken und, ob man nicht wie von Antigone auch mehr Mut aufbringen sollte, um diesen Rollen zu entfliehen, werden in Anouilhs Drama bearbeitet. Die Trennung von Gut und Böse wie bei Sophokles ist durch die zunehmende Komplexität nicht mehr möglich.
Schluss
#argument#these#beleg#antigone#sophokles
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