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Aufgabe 1

Aufgaben
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Gedichtinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Peter Huchel (1903 - 1981): Damals (1948)
Guntram Vesper (*1941): Die Gewohnheit zu zittern (1982)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere Huchels Gedicht Damals.
    Vergleiche es mit Vespers Gedicht Die Gewohnheit zu zittern.
    Der Schwerpunkt der Gesamtaufgabe liegt auf der Interpretation.
Gedicht 1
Peter Huchel: Damals
$\;$
Damals ging noch am Abend der Wind
mit starken Schultern rütteln ums Haus.
Das Laub der Linde sprach mit dem Kind,
das Gras sandte seine Seele aus.
5
Sterne haben den Sommer bewacht
am Rand der Hügel, wo ich gewohnt:
mein war die katzenäugige Nacht,
die Grille, die unter der Schwelle schrie.
Mein war im Ginster die heilige Schlange
10
mit ihren Schläfen aus milchigem Mond.
Im Hoftor manchmal das Dunkel heulte,
der Hund schlug an, ich lauschte lange
den Stimmen im Sturm und lehnte am Knie
der schweigsam hockenden Klettenmarie[1],
15
die in der Küche Wolle knäulte.
Und wenn ihr grauer schläfernder Blick mich traf,
durchwehte die Mauer des Hauses der Schlaf.
Aus: Peter Huchel: Gedichte. Frankfurt am Main 1989, S.17
Gedicht 2
Guntram Vesper: Die Gewohnheit zu zittern
$\;$
Aus der engen Höhle der Eltern
zog scharfer Geruch durch die Wohnung
Besserungsanstalt
für mich
5
von Anfang an.
Das Dienstmädchen folgte mir
bei jeder Flucht
was machst du.
Ich dachte an längere Sommer
10
an einen Mond, der größer als unserer war
und sagte
die Sterne.
In deinem Alter Astronomie, rief
die Mutter
15
in den finsteren Hof
du hast nichts
gesehen.
Aus: Guntram Vesper: Die Inseln im Landmeer. Gedichte. Pfaffenweiler 1982, S. 39


[1] Klettenmarie: abgeleitet von der Tätigkeit des Klettens: Person, die Garn/Stoff reinigt
#gedicht#zentraleraufgabenpool#gedichtinterpretation#vergleichen
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Gedichtinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Peter Huchel (1903 - 1981): Damals (1948)
Guntram Vesper (*1941): Die Gewohnheit zu zittern (1982)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht von Peter Huchel.
    Vergleiche es mit Vespers Gedicht Die Gewohnheit zu zittern.
    Der Schwerpunkt der Gestamtaufgabe liegt auf der Interpretation.

Einleitung

Deine Interpretation beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Damals
  • Autor: Peter Huchel
  • Erscheinungsjahr: 1948
  • Inhalt: In dem Gedicht „Damals“ von Peter Huchel, das im Jahr 1948 verfasst wurde, geht es um eine Kindheitserinnerung, die für das lyrische Ich den Inbegriff eines Gefühls von Heimat und Geborgenheit darstellt.
Da außerdem ein Vergleich gefordert ist, musst du in der Einleitung auch schon auf das zweite Gedicht eingehen. Nenne ebenfalls den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr und beschreibe kurz, was dieses Gedicht mit dem ersten vergleichbar macht.
  • Titel: Die Gewohnheit zu zittern
  • Autor: Guntram Vesper
  • Erscheinungsjahr: 1982
  • Inhalt: Das zweite Gedicht „Die Gewohnheit zu zittern“ von Guntram Vesper datiert auf das Jahr 1982 und beschäftigt sich ebenfalls mit einer Erinnerung an die Kindheit, unterscheidet sich jedoch sowohl inhaltlich, als auch sprachlich stark von Huchels Gedicht „Damals“.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, das erste Gedicht zu interpretieren. Führe dazu zunächst eine formale Analyse durch. Dazu gehört, dass du die Anzahl der Strophen und Verse, das Metrum, das Reimschema und die Kadenz ermittelst und angibst.
Für die Interpretation des Inhalts gehst du am besten Strophe für Strophe vor - so gehst du sicher, dass du bei deiner Interpretation keinen Aspekt vergisst. Gibt es wie in Huchels Gedicht nur eine Strophe, kannst du das Gedicht in Sinnabschnitte unterteilen. Neben dem Inhalt sind aber auch die sprachlichen Mittel, die Huchel verwendet, essenziell. Lasse diese aber nicht einfach so stehen, sondern erkläre immer, warum die Mittel eingesetzt werden, denn sie heben immer den Inhalt hervor und unterstreichen ihn.
Gehe bei deiner Interpretation auch auf den Bezug des Textes zum Titel ein und erkläre, wie diese zusammenhängen. Es bietet sich an, dies nach der Interpretation aller Verse zu machen, denn dann hast du den gesamten Inhalt erfasst und nicht erst Teile davon.
Formale Analyse
  • 1 Strophen aus 17 Versen
  • Sinnabschnitte: Natur (V. 1 - 10) vs. Haus und Hof (V. 11 - 17)
  • Metrum: unregelmäßiges Metrum
  • Reimschema: kein festes Reimschema; Vers 1 - 4 Kreuzreim (abab), Vers 13 - 14 und 16 - 17 gereimt (aa)
1. Sinnabschnitt
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Das lyrische Ich erinnert sich an seine Kindheit („Damals“, V. 1; „mit dem Kinde“, V. 3;„ wo ich gewohnt“, V. 6)
  • Allumfassender Blick auf Wetter, Flora, Fauna, Jahres- und Tageszeiten und Himmelserscheinungen
  • Beschwört die magisch-mystische Natur (z.B. „Gras sandte Seele aus“, V. 4; „heilige Schlange“, V. 9)
  • Erlebt die Natur als machtvoll (Wind ging rüttelnd mit starken Schultern ums Haus, V. 1 - 2)
  • Das Kind fühlte sich angesprochen von der Natur („Linde sprach“, V. 3)
  • Es nimmt die Natur in Besitz („Mein war“, V. 7 und V. 9)
  • Sieht im nächtlichen Erleben eine Verbindung von Erde und Kosmos („Sterne“ sind Wächter, V. 5; Schlange mit „Schläfen aus milchigem Mond“, V. 9 - 10)
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Parataktisches Grundmuster mit Enjambements: spiegelt das unmittelbare, wenig reflektierte Erleben und Sich-Einfühlen wider
  • Personifizierungen: Naturerscheinungen wie Wind, Linde und Gras werden vermenschlicht, weil das lyrische Ich die Natur als magisch empfindet
  • Syntaktischer Parallelismus: Der parallele, syntaktische Aufbau mit dem Possesivpronomen „mein“ (V. 7, 9) verdeutlicht, dass das Kind sich die Natur angeeignet hat
  • Alliterationen: Der gleiche Anlaut hebt einzelne Erinnerungen hervor und verdeutlicht die Wahrnehmungsfülle und Erlebnistiefe (V. 2, 3, 8, 10)
  • Neologismus: Durch das neologistische Attribut „katzenäugige Nacht“ (V. 7) wird die Natur poetisiert und wirkt mystischer
  • Religöse Überhöhung der Fauna mit den Worten „heilige Schlange“ (V. 9
2. Sinnabschnitt
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Beschwörung der häuslichen Geborgenheit („Mauern des Hauses“, V. 17)
  • Sicherheit vor der teils schaurigen Natur („das Dunkel heulte“, V. 11; „Stimmen im Sturm“, V. 13)
  • Situation der Vertrautheit („lehnte am Knie der schweigsam hockenden Klettenmarie“, V. 13 - 14)
  • Einzelheiten des Zuhause beschrieben, die ein harmonisches Ganzes mit der Natur bilden („Hoftor“, V. 11; „Küche“, V. 15, „Mauer“; V. 17, „Klettenmarie“, V. 14)
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Unregelmäßigkeiten von Metrum und Reim: spiegeln den Unterschied zwischen Drinnen und der schaurigen Natur draußen wider
  • Klangliche Konvergenz und Divergenz: Der Wechsel von Gleichklang und Divergenz („Grille“/„Schwelle“, V. 8; „Stimmen“/„Sturm“, V. 13; „Dunkel“/„Hund“, V. 11 - 12) verweist auf die Verwobenheit der Erfahrungen trotz ihrer Vielfalt
  • Synästhesie: Die nächtliche Natur wirkt schaurig („das Dunkel heulte“, V. 11)
  • Inversion: Die Inversion „manchmal“ (V. 11) verstärkt gemeinsam mit der folgenden Synästhesie die Schaurigkeit
  • Hypallage: Durch das falsche, surreale Bild „durchwehte die Mauer des Hauses der Schlaf“ (V. 17) wird das Gefühl der Geborgenheit intensiviert
  • Alliterationen: Verdeutlichung der magischen Natur („Stimmen im Sturm“, V. 13) vs. Verdeutlichung der Sicherheit („Küche Wolle knäulte“, V. 15)
Bezug zum Titel
  • Damals beschreibt, dass es sich um eine Kindheitserinnerung handelt
  • Der Titel klingt wehmütig, wie die Erinnerungen selbst

Vergleich

In diesem Teil musst du auf Basis deiner Interpretation von Damals Kriterien finden, anhand derer du die beiden Gedichte miteinander vergleichen kannst. Arbeite dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Gedichte heraus. Hierbei musst du sowohl den Inhalt als auch Form und sprachliche Gestaltung analysieren.
Da der Schwerpunkt der Aufgabe aber nicht auf dem Vergleich, sondern auf der Interpretation des ersten Gedichts liegt, musst du das zweite Gedicht nicht extra interpretieren. Du kannst die Interpretation des Gedichts direkt mit dem Vergleich verbinden.
Formale Analyse
  • 4 Strophen mit unterschiedlicher Vers-Zahl, insgesamt 17 Verse
  • Metrum: unregelmäßiges Metrum
  • Reimschema: kein Reim
  • Prosa-naher Stil
Kurze, inhaltliche Analyse
  • Kindheitserinnerung eines lyrischen Ich
  • beschreibt negative Erinnerungen an sein Elternhaus
  • Sehnsucht nach Selbstentfaltung
Vergleich
$\blacktriangleright$ Gemeinsamkeiten
  • Situative Klammer: beide Gedichte thematisieren Kindheitserinnerungen
  • beide Male spricht ein lyrisches Ich
  • Vergegenwärtigung der Kindheit anhand ähnlicher Motivbereichen wie Haus, Hof, Sommer, Mond, Sterne und Bezugspersonen
  • Gleiche Vers-Anzahl
$\blacktriangleright$ Unterschiede
  • Bewertung der Erinnerung: positives Kindheitserleben bei Huchel vs. negative Erinnerungen („Besserungsanstalt“, V. 3; „Flucht“, V. 7) bei Vesper
  • Fokus der Erinnerung: Begegnung mit der Natur bei Huchel vs. Auseinandersetzung des lyrischen Ichs mit den Eltern („Höhle der Eltern“, V. 1) bei Vesper
  • Natur-Darstellung: Natur als erfahrbares, magisches Gegenüber, Kosmos als Beschützer bei Huchel vs. Natur („längere Sommer“, V. 9) und Kosmos („größerer Mond“, V. 10) als Chiffren einer unerfüllten, verbotenen Sehnsucht nach neuen Horizonten bei Vesper
  • Heim-Darstellung: Natur und Haus als bergendes Ganzes, Heim als Schutz vor schauriger Natur bei Huchel vs. Haus als Gefängnis und Ort der geistigen Finsternis („enge Höhle“, V. 1; „Besserungsanstalt“, V. 3) bei Vesper
  • Darstellung der Emotionen: Gefühl der Sicherheit im Haus und Verbundenheit mit der Natur bei Huchel vs. Gefühl der emotionalen und geistigen Einschränkung („finsterer Hof“, V. 15) bei Vesper
  • Bezugspersonen: „Klettenmarie“ als häusliche Bezugsperson, die Geborgenheit und Schutz bietet bei Huchel vs. „Dienstmädchen“ als Kontrollperson („folgte mit bei jeder Flucht“, V. 6 - 7) und Eltern als Menschen, die weit distanziert sind vom Kind (vgl. Antithetik von Unten und Oben, Enge und Weite) bei Vesper
  • Wirkung auf das Kind: Lyrisches Ich fühlt sich als Teil des Ganzen, empfindet Geborgenheit bei Huchel vs. Kind, das sich eingeengt (vgl. Strophe 2) und in seinen Sehnsüchten schroff zurückgewiesen fühlt von der Mutter (vgl. Strophe 4) bei Vesper
  • Folgen der Kindheit: Erinnert sich gerne, sehnsüchtig zurück an die Kindheit bei Huchel vs. bleibende Traumatisierung (vgl. Titel „Die Gewohnheit zu zittern“) bei Vesper
  • Sprachlich-formell: harmonisch-poetisches Gedicht, das sprachlich elaboriert ist bei Huchel vs. prosanahes Gedicht mit abrupter Zeilenbrechung, elliptischer Syntax, negativer Wortwahl, fehlendem Reim das genauso desillusionierend wirkt, wie das lyrische Ich seine Kindheit empfunden hat bei Vesper

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, die Intention, des ersten Gedichts noch einmal kurz zusammenfassen. Du kannst hier auch sagen, welche Gefühle das Lesen des Gedichts in dir ausgelöst und in welche Stimmung es dich versetzt hat. Dann nimmst du noch einmal kurz Bezug auf den Vergleich und nennst ein Fazit dazu. Du kannst auch deine eigene Meinung sagen und erklären, welches Gedicht dir besser gefallen hat.
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Gedichtinterpretation

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Peter Huchel (1903 - 1981): Damals (1948)
Guntram Vesper (*1941): Die Gewohnheit zu zittern (1982)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht von Peter Huchel.
    Vergleiche es mit Vespers Gedicht Die Gewohnheit zu zittern.
    Der Schwerpunkt der Gestamtaufgabe liegt auf der Interpretation.
In dem Gedicht "Damals" von Peter Huchel, das im Jahr 1948 verfasst wurde, geht es um eine Kindheitserinnerung, die für das lyrische Ich den Inbegriff eines Gefühls von Heimat und Geborgenheit darstellt. Das zweite Gedicht "Die Gewohnheit zu zittern" von Guntram Vesper datiert auf das Jahr 1982 und beschäftigt sich ebenfalls mit einer Erinnerung an die Kindheit, unterscheidet sich jedoch sowohl inhaltlich, als auch sprachlich stark von Huchels Gedicht "Damals".
Das Gedicht "Damals" besteht aus einer Strophe mit 17 Versen. Es lässt sich inhaltlich in die Sinnabschnitte Natur (V.1-10) und Haus und Hof (V. 11-17) gliedern. Das Metrum ist unregelmäßig und es gibt kein festes Reimschema. In den Versen 1-4 verwendet der Autor Huchel einen Kreuzreim (abab) und die Verse 13-14 sowie 16-17 sind gereimt (aa).
Im ersten Sinnabschnitt dreht sich das Gedicht "Damals" um das Thema Natur (V.1-10). Inhaltlich lässt sich feststellen, dass sich das lyrische Ich im Gedicht an seine Kindheit erinnert. Dies lässt sich am Titel "Damals" (V.1), sowie an den Abschnitten "mit dem Kinde" (V.3) und "wo ich gewohnt" (V.6) festmachen. Außerdem gibt das lyrische Ich einen allumfassenden Blick auf Wetter, Flora, Fauna, Jahres- und Tageszeiten und Himmelserscheinungen und nimmt Bezug auf eine magisch-mystische Natur. Erkennbar ist dies zum Beispiel an den Abschnitten "Gras sandte Seele aus" (V.4) und "heilige Schlange" (V.9). Das lyrische Ich erlebt die Natur als machtvoll (siehe "Wind ging rüttelnd mit starken Schultern ums Haus", V. 1-2) und fühlte sich als Kind angesprochen von der Natur (siehe "Linde sprach", V.3). Es nimmt die Natur in Besitz (siehe "Mein war", V7 und V.9) und sieht im nächtlichen Erleben eine Verbindung von Erde und Kosmos. Denn die "Sterne" (V.5) erlebt das lyrische Ich als Wächter und die Schlange im Gedicht wird wahrgenommen mit "Schläfen aus milchigem Mond" (V.9-10).
Sprachlich wendet der Autor ein parataktisches Grundmuster mit Enjambements an. Damit spiegelt er das unmittelbare, wenig reflektierte Erleben und Sich-Einfühlen des lyrischen Ichs wider. An Personifizierungen wird deutlich, dass das lyrische Ich die Natur als magisch empfindet. Das lässt sich erkennen an der Vermenschlichung von Naturerscheinungen, zum Beispiel "Linde sprach" (V.3), "Wind mit starken Schultern" (V1-2) und "Gras sandte […] aus" (V.4). Der parallele, syntaktische Aufbau mit dem Possesivpronomen "mein" (V.7,9) verdeutlicht, dass das Kind sich die Natur angeeignet hat. Der Autor verwendet auch Alliterationen. Der gleiche Anlaut hebt einzelne Erinnerungen vor und verdeutlicht die Wahrnehmungsfülle und Erlebnistiefe (siehe V.2,3,8,10). Durch das neologistische Attribut "katzenäugige Nacht" (V.7) wird die Natur poetisiert und wirkt mystischer. Die Fauna wird mit den Worten "heilige Schlange" (V.9) religiös überhöht.
Im zweiten Sinnabschnitt dreht sich das Gedicht um das Thema Haus und Hof (V.11-17). Inhaltlich beschwört das lyrische Ich in diesem Abschnitt die häusliche Geborgenheit, die es als Kind erleben durfte (siehe "Mauern des Hauses", V. 17) und seine Sicherheit vor der teils schaurigen Natur (siehe "das Dunkel heulte", V. 11 und "Stimmen im Sturm", V.13). In Vers 13-14 wird mit dem Ausdruck "lehnte am Knie der schweigsam hockenden Klettermarie" die Vertrautheit in der Kindheit situativ beschrieben. Außerdem beschreibt der Autor Einzelheiten des Zuhauses des lyrischen Ichs, die ein harmonisches Ganzes mit der Natur bilden. Zu dieser Beschreibung dienen die Begriffe "Hoftor" (V.11), "Küche" (V.15), "Mauer" (V.17) und "Klettermarie" (V.14).
Auf der sprachliche Ebene setzt der Autor Peter Huchel im zweiten Sinnabschnitt Unregelmäßigkeiten in Metrum und Reim ein. Dadurch spiegelt er den Unterschied zwischen dem geborgenen Drinnen und der schaurigen Natur wider. Der Wechsel von Gleichklang (Konvergenz) und Divergenz verweist auf die Verwobenheit der Erfahrungen trotz ihrer Vielfalt. Zu erkennen ist das an den Begriffen "Grille"/"Schwelle" (V.13), "Stimmen"/"Sturm" (V.13) und "Dunkel"/"Hund" (V.11-12). Durch die Synästhesie "das Dunkel heulte" (V.11) wirkt die nächtliche Natur schaurig. Die Inversion "manchmal" (V.11) verstärkt gemeinsam mit der folgenden Synästhesie die Schaurigkeit. Durch das falsche, surreale Bild "durchwehte die Mauer des Hauses der Schlaf" (V.17) wird das Gefühl der Geborgenheit intensiviert. Dieser Vers stellt zudem eine Hypallage dar. Auch im zweiten Sinnabschnitt verwendet der Autor Alliterationen und verdeutlicht damit die Magie der Natur (siehe "Stimmen im Sturm", V.13) auf der einen Seite und auf der anderen Seite die häusliche Sicherheit (siehe "Küche Wolle knäulte", V.15).
Der Titel "Damals" beschreibt, dass es sich um eine Kindheitserinnerung des lyrischen Ichs handelt. Der Titel wie auch die Erinnerungen selbst klingen wehmütig.
Das zweite Gedicht "Die Gewohnheit zu zittern" von Guntram Vesper besteht aus vier Strophen mit unterschiedlicher Verszahl und umfasst insgesamt 17 Verse. Es hat ein unregelmäßiges Metrum und keine Reime. Der Stil des Gedichtes naht sich der Prosa an.
Auch in diesem Gedicht werden Kindheitserinnerungen eines lyrischen Ichs beschrieben. Dabei geht es um negative Erinneurngen an sein Elternhaus und die Sehnsucht nach Selbstentfaltung.
Im Vergleich der beiden Gedichte lässt sich feststellen, dass es zwischen ihnen Gemeinsamkeiten gibt: Beide thematisieren Kindheiterinnerungen und beide Male gibt es ein lyrisches Ich. Außerdem vergegenwärtigen beide Gedichte die Kindheit anhand ähnlicher Motivbereiche wie Haus, Hof, Sommer, Mond, Sterne und Bezugspersonen. Beide Gedichte haben des Weiteren die gleiche Verszahl.
Inhaltlich und auch sprachlich gibt es jedoch auch einige Unterschiede zwischen den Gedichten. Die Bewertung der Erinnerungen fällt sehr unterschieldich aus: Während bei Huchel ein positives Kindheitserleben beschrieben wird, stehen bei Vesper negative Erinneurngen im Mittelpunkt. Das lässt sich bei Vesper zum Beispiel an den Begriffen "Besserungsanstalt" (V.3) und "Flucht" (V.7) festmachen. Der Fokus der Erinnerung liegt bei Huchel auf der Begenung mit der Natur, wohingegen Vesper die Auseinandersetzung des lyrischen Ichs mit seinen Eltern thematisiert (siehe "Höhle der Eltern", V.1). Huchel stellt die Natur als erfahrbares, magisches Gegenübr dar und den Kosmos als Beschützer des lyrischen Ichs. Bei Vesper auf der anderen Seite stehen Anspielungen auf die Natur für Chiffren einer unerfüllten, verbotenen Sehnsucht nach neuen Horizonten (siehe "längerer Sommer", V.9 und größerer Mond", V.10).
Auch die Darstellung des Heimes ist sehr verschieden: Das lyrische Ich bei Huchel erlebt Natur und Haus als begrenzendes Ganzes und das Heim als Schutz vor der schaurigen Natur. Im Gedicht von Vesper dagegen wird das Haus als Gefängnis und als Ort der geistigen Finsternis erlebt (siehe "finsterer Hof, V.15). Auch die Bezugspersonen haben in den beiden Gedichten eine unterschiedliche Wirkung auf das jeweilige lyrische Ich: Bei Huchel dient als häuslich Bezugsperson die "Klettenmarie" (V.14), die Geborgenheit und Schutz bietet. Bei Vesper auf der anderen Seite sind die Bezugspersonen weit distanziert vom Kind. Diese Personen sind bei Vepser das "Dienstmädchen" (V.6), das dem Kind "bei jeder Flucht" (V.7) folgt und die Eltern. Dieses Gefühl von Enge und Weite bei Vesper ist vergleichbar mit einer Antithetik von Oben und Unten.
Die beschriebenen situativen Rahmen haben unterschiedliche Wirkungen auf das Kind: Das lyrische Ich fühlt sich bei Huchel als Teil des Ganzen, es empfindet Geborgenheit und fühlt sich geschützt. Bei Vepser fühlt sich das Kind eingeengt (vgl. Strophe 2) und in seinen Sehnsüchten schroff zurückgewiesen von der Mutter (vgl. Strophe 4). Auch die Folgen der jeweiligen Kindheit auf das lyrische Ich als Erwachsenen kann man bei den beiden Gedichten spüren. Das lyrische Ich bei Huchel erinnert sich gerne und sehnsüchtig an die geborgene und wohl behütete Kindheit zurück, das lyrische Ich bei Vesper hingegen erlebt eine bleibende Traumatisierung. Das lässt sich bei Vsper besonders am Titel "Die Gewohnheit zu zittern" festmachen.
Auch sprachlich-formell unterscheiden sich die Gedichte voneinander: "Damals" ist ein harmonisch-poetisches Gedicht, das sprachlich elaboriert ist. "Die Gewohnheit zu zittern" ist hingegen ein prosanahes Gedicht mit abrupter Zeilenbrechung, elliptischem Syntax und einer Wortwahl, die negative Empfinfdungen ausdrückt. Durch diese Eigenschaften und durch den fehlenden Reim wirkt das Gedicht genauso desillusionierend, wie das lyrische Ich bei Vepser seine Kindheit empfunden hat.
Abschließend kann man sagen, dass das Gedicht "Damals" von Peter Huchel dem Leser das Gefühl einer sorgenfreien und geborgenen Kindheit gibt, die in einer vertrauten Umgebung erlebt wurde. Die Natur gibt hier einen Eindruck von Magie und Mystik, die vom lyrischen Kind einerseites als interessant, aber auch als unheimlich erlebt wird. Im Schutz bietenden Heim kann sich das Kind bei Huchel vor der schaurigen Natur schützen und in eine vertraute Umgebung heimkehren.
Die beiden Gedichte ähneln sich zwar im inhaltlichen Bezug auf das Thema der Kindheit, sie unterscheiden sich jedoch stark in der Art und Weise wie das lyrische Ich seine Kindheit erlebt hat. Im Gedicht "Die Gewohnheit zu zittern" von Guntram Vesper erlebt das lyrische Ich seine Kindheit als bedrohlich und traumatisch. Hier werden weder Geborgenheit noch Schutz beschrieben und das Kind erlebt seine häusliche Umgebung als Gefängnis, in dem seine Sehnsüchte nicht erfüllt werden. Damit stellen die beiden Gedichte zwei unterschiedliche Kindheitserfahrungen dar.
Die Gefühle, die der Leser durch die beiden Gedichte vermittelt bekommt, unterscheiden sich sehr: Huchels Gedicht gibt ein sehnsüchtiges Gefühl nach schönen Kindheitserinnerungen, an die man gerne zurückdenkt. Vespers Gedicht dagegen gibt dem Leser ein enges und ungutes Gefühl, indem es an Erinnerungen denken lässt, bei denen Sehnsüchte nicht erfüllt und Geborgenheit nicht gegeben wurde.
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