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Aufgabe 4

Aufgaben
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Verfassen eines Kommentars als Debattenbeitrag

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Sprachvarietäten
Eine Tageszeitung plant im Zuge ihrer Artikelserie zum Thema „Tendenzen der deutschen Gegenwartssprache“ eine Debatte zur Kampagne „Sprich Hochdeutsch!“ und bittet auch Jugendliche um Beiträge.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Verfasse als Debattenbeitrag einen Kommentar, in dem du dich zu der Frage positionierst, ob Jugendliche durch einen ausschließlich normgerechten Gebrauch der Standardsprache ihre Zukunftschancen erhöhen.
    Nutze dazu die folgenden Materialien (Material 1 - Material 7) und beziehe auch im Unterricht erworbenes Wissen ein. Wähle eine geeignete Überschrift.
    Zitate aus den Materialien werden dem Stil eines Kommentars entsprechend ohne Zeilenangaben nur unter Nennung des Autors und ggf. dea Titels angeführt.
    Dein Kommentar sollte etwa 800 Wörter umfassen.
    Beachte, dass in der Prüfungssituation Hinweise auf deinen Namen, deinen Wohnort und auf den Standort deines Gymnasiums unzulässig sind.
Material 1
Helmut Henne: Sprachen in der Sprache (1986)
Aufgabe 4
Aufgabe 4
Aus: Helmut Henne: Jugend und ihre Sprache. Darstellung. Materialien. Kritik. Berlin/New York 1986, S. 220
Helmut Henne (*1936) ist ein deutscher Germanist und emeritierter Hochschullehrer der Technischen Universität Braunschweig
Material 2
Uwe Timm: Lob der deutschen Sprache (2009)
$\;$
[…]
Zunächst einmal sind die meisten Sprecher mit ihrer Sprache selbst recht einig.
Die Sprache ist für das Selbst verständlich, und zwar derart, dass sie im
Gebrauch vergessen wird. Das zeichnet Sprache aus, in ihr zu denken und zu
sprechen, ohne immer wieder daran denken zu müssen, dass wir in ihr denken
5
und sprechen. Wir werden uns dessen erst bewusst, wenn uns ein bestimmtes
Wort nicht einfällt, wenn wir jemanden treffen, der eine Sprache spricht, die wir
nicht verstehen. Erst im Mangel merken wir, wie selbstverständlich und fraglos
wir in der Muttersprache oder in der Erstsprache zu Hause sind. Wir sind in der
Sprache und durch sie identisch mit uns und mit anderen, wobei immer wieder
10
auch regionale Identitäten durch sprachliche Besonderheiten ausgebildet und
betont werden, im Deutschen besonders ausgeprägt durch die verschiedenen
Mundarten. Sie sind eine Bereicherung, gleichsam der Humus für das Hoch-
deutsche. In Bayern und Baden-Württemberg haben sich die Mundarten gegen
die radikale Dialektbekämpfung der Sechzigerjahre behaupten können. Viele
15
der alten merkwürdigen Worte sind ganz selbst-verständlich gebräuchlich wie
Zamperl für Hund und Bleschl für Zunge oder schiech für häßlich. Wir hören
die Regionen der Sprechenden an den Verschleifungen und Auslassungen und
im Tonfall heraus. Wenn Beckenbauer bei problematischen Situationen im
weichen Bairisch sagt: Schaun mer mal, klingt das so ganz anders als das
20
norddeutsch drohende Stakkato: Das werden wir ja sehen.
[…]
Selbstverständlich haben auch soziale Schichten und Berufszweige ihre
Sprachidentitäten, zum Beispiel Hafenarbeiter oder Computerfachleute. Nicht
zufällig entwickeln zudem die Generationen ihre eigenen Codes. Und bezeich-
nenderweise geschieht das gerade in der Neufindung von Attributen – ein
25
Versuch, die Welt neu zu sehen, neu zu deuten, neu zu werten, um sich von all
den Standards der älteren Generation abzusetzen – wie cool, total geil,
overätz oder echt super.
Das, was cool ausdrückt, gibt recht genau die momentane Mentalität wieder.
Ebenjene Kühle, die sich von all dem angestrengt Verschwitzten abhebt, also
30
eine Distanz voraussetzt, die ja Grundbedingung ästhetischen Wahrnehmens
ist, im Optischen und Akustischen – und dieses cool hat nichts von dem miefig-
piefigen Regionalismus des knorke, dufte meiner Generation an sich, sondern
es ist – by the way – auch international.
[…]
(Eröffnungsvortrag der XIV. Internationalen Deutschlehrertagung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena 2009)
URL: http://www.kiwi-verlag.de/blog/2015/03/13/uwe-timm-lob-der-deutschen-sprache/
letzter Zugriff am 03.12.2015
Uwe Timm (*1940) ist ein deutschsprachiger Schriftsteller.
Material 3
Timo Stukenberg: Freindlich samma! Aber deppert? (2015)
$\;$
Nach den ersten Sätzen meinen viele zu wissen, woher Matthias Sutter kommt.
„In Österreich gelte ich als Deutscher, weil ich so schön Deutsch spreche. In
Deutschland gelte ich oft als Schweizer“, erklärt Sutter in seiner melodiösen
Sprachfärbung mit dem gedehnten A, das eher an ein O erinnert. „Und die
5
Schweizer merken sofort, dass ich nicht aus der Schweiz komme.“
[…]
Er selbst spreche ja kaum Dialekt, erklärt der Professor von der Universität
Köln. Einige Menschen aus Vorarlberg würden sich umgekehrt sogar weigern,
Hochdeutsch zu sprechen, sagt er. Weil sie ihren Dialekt so viel lieber benutzen
als die geschliffene Sprache aus dem Duden.
10
In Deutschland ist das undenkbar. „Im Vergleich mit Österreich und der
Deutschschweiz werden Dialekte dort am negativsten bewertet“, sagt Irmtraud
Kaiser, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Salzburg. Dialektsprecher
gelten gegenüber Hochdeutschsprechern häufig als weniger intelligent und als
ungebildeter. Immerhin wirke die Mundart laut Befragungen sympathischer.
15
Aber sind Hochdeutschsprecher tatsächlich kompetenter als Dialektsprecher?
Keinesfalls, sagt Albrecht Plewnia vom Institut für deutsche Sprache. „Diese
Zuschreibungen sind ausschließlich sozial erworben.“ Es gebe keinen
Zusammenhang zwischen dem Klang oder der Grammatik einer Sprache und
dem Bildungsgrad der Sprecher. Unsere Wahrnehmung verschiedener
20
Sprecher wird schon in der Schule geprägt. Dort wird Hochdeutsch als Schrift-
sprache erworben. Je besser jemand darin Rechtschreib- und Grammatikfehler
vermeidet, desto kompetenter wirke er, erklärt Plewnia.
[…]
Dialekte sind nicht die Volkstümelei, als die sie in Deutschland oft angesehen
und abgetan werden. Für Andrea Ender[1] sind ihre Sprecher schlicht
25
mehrsprachig. Das hilft beim Lernen weiterer Sprachen - und beim Verstehen.
Je stärker wir an Abweichungen von der Standardsprache gewöhnt sind, erklärt
sie, desto toleranter ist unser Sprachzentrum gegenüber anderen Dialekten.
[…]
URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/image-von-dialekten-mia-san-nett-aber-deppert-a-1030038.html, letzter Zugriff am 03.12.2015
Timo Stukenberg hat Journalismus und Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet als freier Journalist.


[1] Andrea Ender: Universitätsprofessorin für Germanistische Linguistik
Material 4
Interview von Eva-Maria Hommel mit Sprechtrainer Matthias Kirbs:
„Bei Ihrem Dialekt hat der Konkurrent bessere Chancen“ (2015)
$\;$
KarriereSPIEGEL: Sie bieten Kurse zur Dialektreduktion an. Was ist so schlimm
an einem Dialekt?
Kirbs: In vielen Situationen wirkt ein Gesprächspartner mit Dialekt weniger
kompetent. Er ruft schon beim ersten Kennenlernen Schmunzeln hervor. Das
5
Gegenüber kann sich gar nicht auf den Inhalt konzentrieren, sondern überlegt
nur: Wo kommt der denn her? Besonders kritisch wird es, wenn man gar nicht
verstanden wird. Insgesamt wird Hochdeutsch immer wichtiger - auch weil die
Dialekte langsam verschwinden.
KarriereSPIEGEL: Wer sind Ihre Kunden?
10
Kirbs: Da gab es zum Beispiel eine Rechtsanwaltskanzlei aus Sachsen, die hat
immer wieder Fälle verloren, obwohl sie die besseren Argumente hatte. Oder
einen Unternehmensberater aus Mecklenburg-Vorpommern, der klang oft
unfreundlich. Es melden sich auch Headhunter bei mir, die sagen, ich habe hier
jemanden aus Süddeutschland, der soll in Hamburg Vorstand werden.
15
Manchmal werden Leute auch von Vorgesetzten geschickt, obwohl sie das gar
nicht wollen.
[…]
KarriereSPIEGEL: Hat es auch Vorteile, wenn man "alles außer Hochdeutsch"
kann?
Kirbs: Wenn ich regional arbeite, ist es natürlich gut, die regionale Sprache zu
20
sprechen. Aber wenn ich deutschlandweit arbeite oder in einer Außenstelle in
Paris, sind die Kunden völlig irritiert, wenn ich Dialekt spreche. Da hat der
Konkurrent dann oft bessere Chancen. Es kommt auch darauf an, wie man
selbst damit umgeht. Wenn ich sehr selbstbewusst bin, kann ich sogar damit
punkten. Ich kenne einen Top-Verkäufer, der nur Sächsisch spricht. Bei
25
anderen Menschen entsteht aber regelrecht ein Leidensdruck. Da war zum
Beispiel eine Lehrerin aus Dresden, die unterrichtete in Norddeutschland eine
Abiturklasse. Sie kam weinend zu mir und sagte, die mobben mich. Sie hat ein
Dreivierteljahr bei mir trainiert, und dann hat sie die Abirede in reinem Hoch-
deutsch gehalten. Die Schüler haben Schilder hochgehalten, auf denen sie sich
30
bedankt haben.
KarriereSPIEGEL: Wirkt es nicht unnatürlich, wenn man sich seinen Dialekt
abtrainiert?
Kirbs: Es geht gar nicht darum, ihn abzutrainieren. In den Führungsetagen ist
es wichtig, umschalten zu können. Das ist eine zusätzliche Kompetenz. Sie
35
dürfen das andere ja zu Hause weiterhin sprechen. Verstellen Sie sich, wenn
Sie Englisch sprechen? Das ist doch das Gleiche.
[…]
URL: http://www.spiegel.de/karriere/dialekte-wie-man-fuer-den-beruf-hochdeutsch-lernt-a-1033679.html, letzter Zugriff am 03.12.2015
Matthias Kirbs (*1963) bietet Stimmtraining- und Sprechcoachingseminare für Führungskräfte an.
Material 5
Matthias Heine: Kurzdeutsch - „Ich gehe Döner“ ist längst im Sprachgebrauch angekommen (2016)
$\;$
[…] Das Bändchen ist eine sehr populär, erzählend und autobiografisch
geschriebene Darbietung der Ergebnisse von Marosseks Doktorarbeit, in der sie
das Phänomen Kurzdeutsch auf breiter empirischer Basis analysiert. Die
Linguistin verbrachte dafür Hunderte Stunden in deutschen Klassenzimmern,
5
sich als Referendarin ausgebend, in der Gewissheit, Lehramtskandidaten seien
etwas, das Schüler wie Luft behandeln.
Die wesentlichen grammatischen Merkmale von Kurzdeutsch sind das Weg-
lassen von Artikeln sowie die Kontraktionsvermeidung – also der Verzicht auf aus
Präposition und Artikel zusammengezogene Bildungen wie ins, zum, beim,
10
zur. Weitere Aspekte, die Marossek beschreibt, sind Modewörter aus dem
Arabischen oder Türkischen wie yalla und lan, die Aussprache des im
Türkischen nicht existierenden weichen ch-Lauts als sch („Isch mach disch
Messer“), ritualisierte Beschimpfungen und endlos einsetzbare Formeln wie „Ich
schwöre“.
15
Für ihre Recherchen hat Marossek Gespräche in Schulen, aber auch in Durch-
gangsorten wie U-Bahnen, Behörden oder Supermärkten belauscht und auf-
geschrieben.
In der achten Klasse einer Realschule, wo gerade das Märchen „Von dem
Fischer und seiner Frau“ gelesen wird: „Ali: Verstehst du Text, Mann?
20
Marco: Klar, Mann, is doch leicht: Typ geht Wasser und is tot. Seine Alte is
traurig.
Ali: Aber wieso geht er denn Wasser? Hast du Essen?
Marco: Nee, aber ich gehe dann Döner.
Jenny: Haltet die Fresse, ich will Text lesen.“
25
Andere Dialoge sollen die Allgegenwart des Kurzdeutsch belegen, das – so die
These der jungen Wissenschaftlerin – längst über die Sphäre der Migranten
hinaus in die allgemeine Umgangssprache eingegangen sei.[…]
Ein Kurzdeutsch-Sprecher, so Marossek, werde heutzutage nicht mehr als
retardierter anatolischer Hinterwäldler betrachtet, sondern sein Habitus gelte als
30
cool. Zum Beweis transkribiert sie ein Gespräch unter Biodeutschen aus dem
Garten ihrer Schwester, zeigt wie Mädchen, die die Grammatik korrekt
beherrschen, zum Kurzdeutsch wechseln, als die Rede auf ein jugendaffines
Thema wie Model-Casting kommt (Code-Switching ist der Fachausdruck dafür),
und zitiert sogar eine Bibliothekarin, die – mit ironisch hochgezogenen Augen-
35
brauen – zu einer Kollegin „Ich schwöre“ sagt.
Beim Lesen der Dialoge hatte ich manchmal das Gefühl, auf einem andere
n Planeten zu leben. Ich wohne wie Marossek in Berlin, aber ich kenne niemanden,
der so redet – nicht nur meine Kollegen benutzen kein Kurzdeutsch, sondern auch
keine mir bekannten Eltern aus dem Kindergarten und der Schule. Mich überfiel
40
eine tiefe Trostlosigkeit, wenn ich an die Zukunft der Jugendlichen dachte. Es
eröffnet sich ein Blick auf eine Welt voller Menschen, die anscheinend nicht nur
nichts auf die Reihe kriegen, sondern denen Eltern und Lehrer offenbar nie
vermitteln konnten, warum es überhaupt wichtig sein könnte, etwas auf die Reihe
zu kriegen.
45
Sicher hat Marossek recht mit ihrer These, einzelne Elemente des Kurzdeutschs
würden dauerhaft in die allgemeine Umgangssprache gelangen – so wie Jugend-
sprache schon seit dem Studentenjargon des 18. Jahrhunderts immer wieder das
Standarddeutsch bereichert hat. Aber die Linguistin blendet aus, dass Sprache
auch ein Gefängnis sein kann. Es gibt gewiss nicht wenige Menschen, die
50
spielerisches Code-Switching betreiben und Kurzdeutsch nur zum Spaß reden.
Aber wer nur so sprechen kann, dem ist nicht bloß der gesellschaftliche Aufstieg
verbaut, sondern auch jede Möglichkeit auf höherem Niveau über sich und die
Welt nachzudenken.[…]
Einmal nur scheint bei Marossek etwas wie Erkenntnis zu dämmern, als sie davor
55
warnt, „die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenensprache nicht willkürlich
zu überschreiten“. Doch das Beispiel ist dann nur ein nicht mehr ganz so junger
Mann, der sich Schülern in einer Berufsberatungsstunde mit Jugendjargon
anbiedert – und von ihnen dafür verachtet wird. Nirgendwo spricht die Linguistin
aus, dass solche Grenzverletzungen auch in umgekehrter Richtung fatal sein
60
könnten.
Die Jugendlichen sind da schlauer: Sie wissen, dass man sie in Vor-
stellungsgesprächen, bei Behörden und in höheren Bildungseinrichtungen als
schlicht abtut, wenn sie artikelfreie Sätze benutzen. Deshalb sind viele dazu
übergegangen, statt der, die, das einfach wegzulassen, die Kurzform d’ zu
65
benutzen. Der Schüler Ali erklärt es Frau Marossek: „Viele hätten es satt, einfach
nur als ,dumme Migrantenkinder’ betrachtet zu werden, die kein richtiges Deutsch
könnten. So könne man zumindest so tun, als ob man den richtigen Artikel kennt
und als wäre man einfach ,nur zu cool, den auch auszusprechen.’“
Dieser kluge Ali ist ein Beispiel für die ungeheuerliche Verschwendung
70
angeborener Intelligenz, wenn Eltern und Lehrer es nicht schaffen, Jugendlichen
Standarddeutsch beizubringen. Zwar behauptet Marossek, auch in Büros würde
mittlerweile Kurzdeutsch gesprochen. Aber das gilt doch wohl eher für die Büros
von Schrotthändlern oder Pizzalieferanten – weniger für die eines Max-Planck-
Instituts, eines Medizinprofessors oder einer Großbank.
URL: https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article151650918/Ich-gehe-Doener-ist-laengst-im-Sprachgebrauch-angekommen.html, letzter Zugriff am 11.02.2016
Matthias Heine (*1961) ist Feuilletonredakteur bei der „Welt“.
Material 6
Wolfgang Krischke: Vollkommen nutzlos für den Unterricht? (2009)
$\;$
[…] Im Unterbau der deutschen Sprache knirscht es. Nicht nur im Umgangs-
deutsch, sondern auch in formelleren Texten kommt die Grammatik immer
stärker ins Rutschen. Da „bedarf es einem präzisen Regulierungsapparat“, man
hat „Vertrauen für den Lehrer“, es gibt „Streit mit den Nachbar“, man „ratet ab“,
5
Gebühren „werden erhebt“, und abends „gehn wir Disko“ - vertauschte Fälle,
verbeugte Verben, falsche Präpositionen und andere Irrläufer scheinen ein
Symptom für die langsame Erosion des gesamten Systems zu sein.
Journalistische Sprachkritiker geißeln eine zunehmende „Verlotterung“ der
Sprache und erfreuen sich mit ihren Ratschlägen für richtiges Deutsch größter
10
Beliebtheit. Die zünftige Sprachwissenschaft hält das zwar für Alarmismus und
halbgebildete Schulmeisterei. Aber auch sie konstatiert, dass der permanent
stattfindende Sprachwandel sein früheres Schneckentempo abgelegt und Fahrt
aufgenommen hat. Viele der aktuellen Regelverstöße machen einen Trend
sichtbar, der schon seit Jahrhunderten schleichend wirkt: die Verschleifung und
15
Vereinfachung der indogermanischen Sprachen. Schritt für Schritt wechseln sie
vom „synthetischen“ zum „analytischen“ Sprachtyp. Grammatische Bedeutungen
werden zunehmend nicht mehr durch Endungen direkt im Wort ausgedrückt,
sondern durch Umschreibungen und Hilfswörter. Aus dem „Haus meines Vaters“
wird das „Haus von meinem Vater“ und schließlich das „Haus von mein Vater“.
20
Das Englische ist hier dem Deutschen weit voraus.
Warum verstärken sich solche Tendenzen gerade jetzt? Zum Bündel der
Ursachen gehört der Einfluss des Englischen ebenso wie das „Schreibsprechen“
in den E-Mails und Chat-Foren mit seiner Durchmischung von Mündlichkeit und
Schriftlichkeit. Hinzu kommt eine allgemeine „Destandardisierung“. Während auf
25
der einen Seite die Dialekte zunehmend einem regional gefärbten Umgangs-
deutsch weichen, büßen andererseits die Normen der Hoch- und Bildungs-
sprache zumindest in der mündlichen Kommunikation ihre Geltung ein. Wer auf
ihnen beharrt, gilt leicht als verspannter Spießer. In einem gesellschaftlichen
Klima obligatorischer Lockerheit, geprägt durch das Geschwätz der Talk- und
30
Casting-Shows, kommt man umgangssprachlich einfach „besser rüber“.[…]
URL:http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/sprachwissenschaft-vollkommen-nutzlos-fuer-den-unterricht-1844279.html, letzter Zugriff am 15.12.2015
Wolfgang Krischke (*1959) ist Journalist, Buchautor und Lehrbeauftragter für Sprach-
wissenschaft (Schwerpunkte: Sprache der Medien, Sprechgeschichte, Sprachwandel
und Sprachkritik) an der Universität Hamburg.
Material 7
Anatol Stefanowitsch: Historiendrama der Zukunnft (2008)
Aufgabe 4
Aufgabe 4
[2]
2010, xkcd (Deutsche Bearbeitung 2010), Anatol Stefanowitsch
URL: https://scilogs.spektrum.de/sprachlog/historiendramen-der-zukunft/, letzter Zugriff am 30.11.2015
Anatol Stefanowitsch (*1970) ist Sprachwissenschaftler und Betreiber des „Bremer Sprachblogs“, der
sprachwissenschaftliche Themen behandelt und sich mit Entwicklungen der Sprache auseinandersetzt.
#zentraleraufgabenpool#karikatur#kommentar
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Verfassen eines Kommentars als Debattenbeitrag

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Sprachvarietäten
Eine Tageszeitung plant im Zuge ihrer Artikelserie zum Thema „Tendenzen der deutschen Gegenwartssprache“ eine Debatte zur Kampagne „Sprich Hochdeutsch!“ und bittet auch Jugendliche um Beiträge.
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Verfasse als Debattenbeitrag einen Kommentar, in dem du dich zu der Frage positionierst, ob Jugendliche durch einen ausschließlich normgerechten Gebrauch der Standardsprache ihre Zukunftschancen erhöhen.
    Nutze dazu die folgenden Materialien (Material 1 - Material 7) und beziehe auch im Unterricht erworbenes Wissen ein. Wähle eine geeignete Überschrift.
    Zitate aus den Materialien werden dem Stil eines Kommentars entsprechend ohne Zeilenangaben nur unter Nennung des Autors und ggf. dea Titels angeführt.
    Dein Kommentar sollte etwa 800 Wörter umfassen.
    Beachte, dass in der Prüfungssituation Hinweise auf deinen Namen, deinen Wohnort und auf den Standort deines Gymnasiums unzulässig sind.

Vorarbeit

Bevor du beginnst, den Debattenbeitrag für die Tageszeitung zu schreiben, musst du die vorgelegten Texte aufmerksam durchlesen, die wichtigen Aspekte unterstreichen und dir Randnotizen machen. So kannst du den Inhalt am besten erfassen und die Informationen für deinen Beitrag sammeln und auf den Punkt bringen.
Überlege dir dann, wie du deinen Debattenbeitrag aufbauen möchtest. In einem Kommentar gibt es andere Aspekte, die du beachten musst, als in anderen Textsorten. Beispielsweise gibt es eine Überschrift als Schlagzeile und meist einen Aufhänger. Beachte hierbei auch, dass der Kommentar den kommunikativen Zweck haben soll, zur Diskussion anzuregen und den Blickwinkel der Leser zu verändern. Du musst also recht kontrovers an das Thema herangehen und auch bewusst provozieren, damit deine Leser zum Umdenken angeregt werden. Reiße anfangs die Informationen aus den Materialien an, analysiere diese kurz und positioniere dich dann eindeutig. Bewerte das Thema anhand eigener Erfahrungen und Kenntnisse und weise auf mögliche Folgen hin.

Einleitung

Überlege dir zunächst eine prägnante und reißerische Überschrift für deinen Kommentar, um die Leser zu ködern. In der Einleitung deines Kommentars gehst du dann auf den Aufhänger der Debatte ein und stellst dazu eine kurze These auf. Dann gibst du in wenigen Sätzen einen Überblick über den Sachverhalt und die verschiedenen Standpunkte dazu. Hierfür musst du die interessantesten Aspekt herausfiltern, die den Leser anziehen.
Überschrift
  • Kurz und prägnant
  • Reißerisch und provozierend
  • Ein Hoch auf Hochdeutsch - Wie Standardsprache vor dem sozialen Untergang bewahrt
  • Hochdeutsch ist was für Spießer! - Warum wir uns alle mal locker machen sollten
Aufhänger/ These
  • Thema knapp vorstellen
  • Eigene These nennen
  • Verständlich und nachvollziehbar
  • Provozierend und interessant
  • Gerade noch im Deutschunterricht Grammatik behandelt - und kaum auf dem Pausenhof, schon wieder alles vergessen. Bei den meisten Schülern heißt es dann nur noch knapp „Ich geh Döner“ oder „Ich schwöre“. Aber mal ehrlich: So cool viele Jugendlichen diese Kurzsprache auch finden, so dumm klingt sie in den Ohren von Erwachsenen. Und so wenig Chancen haben ihre Sprecher, von Erwachsenen - und potenziellen Arbeitgebern - ernstgenommen zu werden. Wer auf der Karriereleiter hochklettern will, sollte daher auf die aktuelle Kampagne „Sprich Hochdeutsch“ setzen. Anstatt by the way total cool unterzugehen.

Hauptteil

Im Hauptteil musst du dich nun mit Standardsprache, Jugendsprache und deren jeweiligen Auswirkungen auf die Zukunftschancen auseinandersetzen. Konzentriere dich hierbei auf die Informationen, die du aus den Texten extrahiert hast, aber gehe daneben auch auf dein eigenes Wissen und deine Erfahrungen ein. Reflektiere alle relevanten Aspekte und erläutere anschließend deinen eigenen Standpunkt. Diesen musst du schlüssig vertreten, um die Leser von deiner Meinung zu überzeugen.
Damit dein Text flüssig zu lesen ist, ist es ratsam, nicht erst die Informationen aus den Texten und dann deine eigenen Erfahrungen niederzuschreiben, sondern die Informationen aus den Texten direkt mit deinen eigenen Erfahrungen zu ergänzen und anzureichern. Wichtig ist hierbei, dass dein Argumentationsgang zielgerichtet deinen Standpunkt veranschaulicht. Du musst deine Argumente also nach Wichtigkeit strukturieren und begründen. Achte darauf, auch Gegenargumente zu berücksichtigen und zu entkräften.
Da du die Meinung der Leser beeinflussen willst, solltest du einen Bezug zum Leser schaffen und pointiert schreiben. Gib deine persönliche Meinung und Perspektive spannend und ansprechend wieder, indem du mit Mitteln wie Ironie, Sarkasmus, rhetorischen Fragen oder kurzen, eindeutigen Formulierungen arbeitest.
Informationen aus den Texten
$\blacktriangleright$ Material 1
  • Es gibt verschiedene Sprachen in der Sprache
  • Neben Standardsprache existieren Mediensprache, Literatursprache, Fachsprachen, Umgangssprache, Mundarten und Gruppensprachen
  • Das Deutsche hat also eine innere Mehrsprachigkeit
$\blacktriangleright$ Material 2
  • Sprecher müssen nicht über Sprache nachdenken, die Erstsprache ist selbstverständlich da
  • Mundarten sind Bereicherung und Boden für das Hochdeutsche
  • Auch soziale Schichten, Berufszweige und Generationen haben eigene Sprachidentitäten
$\blacktriangleright$ Material 3
  • In Deutschland werden Dialekte negativ bewertet
  • Dialektsprecher gelten häufig als ungebildet
  • Mundart wirkt sympathischer
  • Kein Zusammenhang zwischen Sprache und Bildungsgrad
  • Rein sozial erworbene Zuschreibung; Hochdeutsch durch Schule mit Kompetenz gekoppelt
  • Dialektsprecher sind mehrsprachig
  • Abweichung von der Standardsprache hilft beim Spracherlernen und Verstehen
$\blacktriangleright$ Material 4
  • Dialekt wirkt weniger kompetent, wird nicht verstanden oder klingt unfreundlich
  • Dialekt bei rogionaler Arbeit gut
  • Wer selbstbewusst ist, kann mit Dialekt sogar punkten
  • Dialekt soll nicht abtrainiert werden, sondern das Umschalten antrainiert
$\blacktriangleright$ Material 5
  • Kurzdeutsch: Weglassen von Artikeln, Kontraktionsvermeidung, weicher ch-Laut als sch, ritualisierte Beschimpfungen und Formeln
  • Gilt nicht als dumm, sondern als cool
  • Code-Switching vom Hochdeutsch zum Kurzdeutsch bei jugendaffinen Themen
  • Jugendsprach bereichert angeblich das Standarddeutsch
  • Aber: Sprache als Gefängnis; wer nur Kurzdeutsch kann, hat keine Chance auf gesellschaftlichen Aufstieg
  • Statt Weglassung der Artikel Kurzform d', um nicht dumm zu wirken
  • Kritik an Eltern und Lehrern, die die Intelligenz der Jugendlichen verschwenden
$\blacktriangleright$ Material 6
  • Grammatik geht auch in formellen Texten verloren
  • Vertauschte Fälle, verbeugte Verben, falsche Präpositionen
  • Zunehmende Verlotterung der Sprache
  • Sprachwandel schreitet immer schneller voran
  • Trend: Vereinfachung der synthetischen Sprache hin zur analytischen
  • Einfluss des Englischen, des Schreibsprechens aus Mails und Chats und der Destandardisierung in der mündlichen Kommunikation
$\blacktriangleright$ Material 7
  • Sprache völlig verändert
  • Jugendwort „Digga“ später einmal Standard?
Mögliche Argumentationsgänge
$\blacktriangleright$ Sprachvarietäten beeinträchtigen Zukunftschancen
  • Eingeschränkter Zugang zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ohne Beherrschung der Standardsprache und innere Mehrsprachigkeit (M1, M4, M5)
  • Der Wortschatz wird vereinfacht, stilistische Variationsmöglichkeiten gehen verloren (M5, M6, M7)
  • Verlust der Hochsprache und der Schreibkultur, sowie Defizite in der Grammatik (M6, M7)
  • Gefahr, als ungebildet und inkompetent eingestuft zu werden (M3, M4)
  • Ausgrenzung und Mobbing durch Dialektgebrauch (M3, M4)
  • Jugendsprache und Kurzdeutsch als Zeichen der Verarmung der Sprache (M5, M6)
  • Dialekt kann unfreundlich wirken und Chancen verbauen (M4)
  • Kurzdeutscht raubt die Möglichkeit, auf hohem Niveau nachzudenken und das Leben auf die Reihe zu bekommen (M5)
$\blacktriangleright$ Keine Beeinträchtigung von Zukunftschancen durch Sprachvarietäten
  • Gängige Trennung von unterschiedlichen Sprachwelten nach Region, Umfeld, Beruf (M1)
  • Identitätsbildende Bedeutung der Sprachvarietäten (M2)
  • Neu Sprachvarietät international und daher zeitgemäßer (M2)
  • Sprachkompetenz gefördert durch innere Mehrsprachigkeit, Erleichterung des Sprachlernens (M3, M4)
  • Varietäten sind eine Bereicherung der Standardsprache (M2, M5, M7)
  • Zusammenhang zwischen Sprachvarietäten und Bildung ist nicht bewiesen (M3, M4, M5)
  • Sprachvarietäten fördern Fantasie und emotionale Qualitäten, bieten kreatives Potential und spielerische Komponenten (M2, M5, M7)
  • Varietäten-Beherrschung als Zeichen von Variabilität und Kompetenz (M2, M4, M5)
  • Sprachvarietäten dämmen die Gefahr der Verarmung der Gesellschaft durch einseitige Sprachbeherrschung (M2, M5)
  • Je nach Umfeld sind Sprachvarietäten angesehener als Standardsprache (M4, M6)
  • Sprachvarietäten sind Teil des Sprachwandels; die Standardsprache wird sich in diese Richtung verändern (M6, M7)

Schluss

Am Besten greifst du hier die anfängliche These noch einmal auf, ziehst ein Fazit aus deiner Argumentation und endest mit einer prägnanten, provozierenden Forderung oder Mahnung an die Leser.
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$\blacktriangleright\;$ Thema:
Sprachvarietäten
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  • Verfasse als Debattenbeitrag einen Kommentar, in dem du dich zu der Frage positionierst, ob Jugendliche durch einen ausschließlich normgerechten Gebrauch der Standardsprache ihre Zukunftschancen erhöhen.
    Nutze dazu die folgenden Materialien (Material 1 - Material 7) und beziehe auch im Unterricht erworbenes Wissen ein. Wähle eine geeignete Überschrift.
    Zitate aus den Materialien werden dem Stil eines Kommentars entsprechend ohne Zeilenangaben nur unter Nennung des Autors und ggf. dea Titels angeführt.
    Dein Kommentar sollte etwa 800 Wörter umfassen.
    Beachte, dass in der Prüfungssituation Hinweise auf deinen Namen, deinen Wohnort und auf den Standort deines Gymnasiums unzulässig sind.
Ein Hoch auf Hochdeutsch - Wie Standardsprache vor dem sozialen Untergang bewahrt
Gerade noch im Deutschunterricht Grammatik behandelt - und kaum auf dem Pausenhof, schon wieder alles vergessen. Bei den meisten Schülern heißt es dann nur noch knapp „Ich geh Döner“ oder „Ich schwöre“. Aber mal ehrlich: So cool viele Jugendlichen diese Kurzsprache auch finden, so dumm klingt sie in den Ohren von Erwachsenen. Und so wenig Chancen haben ihre Sprecher, von Erwachsenen - und potenziellen Arbeitgebern - ernstgenommen zu werden. Wer auf der Karriereleiter hochklettern will, sollte daher auf die aktuelle Kampagne „Sprich Hochdeutsch“ setzen. Anstatt by the way total cool unterzugehen.
Es ist ganz klar: ohne das Beherrschen der Standardsprache und der inneren Mehrsprachigkeit hat man nur begrenzt Zugang zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Es gibt natürlich mehrere Sprachen innerhalb der Standardsprache. Denn neben der Standardsprache existiert auch die Mediensprache, Literatursprache, Fachsprache, Umgangssprache, Mundarten und Gruppensprachen. Nutzt man nur eine dieser Sprachen, so schließt man sich selbst aus den verschiedenen Kontexten aus und hat so weniger Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Spricht man zum Beispiel nur Dialekt, so wirkt man oft weniger kompetent, wird nicht verstanden oder klingt unfreundlich. Trotzdem kann der Dialekt bei regionaler Arbeit auch nützlich sein und wer selbstbewusst ist, kann mit einem Dialekt sogar punkten. Der Dialekt sollte ja nicht abtrainiert werden, sondern das Umschalten sollte antrainiert werden. In Deutschland werden Dialekte zumal oft negativ bewertet und deren Sprecher gelten oftmals als unsympathisch. So besteht die große Gefahr, als ungebildet und inkompetenzt eingestuft zu werden. Außerdem kann es zu Ausgrenzung und Mobbing durch den Dialektgebrauch kommen. Dadurch, dass der Dialekt oftmals auch als unfreundlich wahrgenommen wird, kann man sich dadurch auch gewisse Chancen verbauen - besonders in Jobs, bei denen man viel Kundenkontakt hat oder auch genauso schriftlich kommunizieren muss.
Konzentriert man sich auch nur auf die Umgangssprache, so verliert man mit hoher Wahrscheinlichkeit den Bezug zur Hochsprache und der Schreibkultur. Defizite in der Grammatik sind dann auch nicht mehr selten. Zunehmend geht auch die Grammatik in formellen Texten verloren: Fälle werden vertauscht, Werben verbeugt und falsche Präpositionen gesetzt. Die Sprache wird immer mehr vereinfacht von der Synthetik hin zur Analytik. Auch der Wortschatz wird vereinfacht und stilistische Variationsmöglichkeiten gehen verloren. Die Jugendsprache und das Kurzdeutsch verarmen die Sprache. Als Kurzdeutsch wird das Weglassen von Artikeln, die Kontraktionsvermeidung und die ritualisierte Beschimpfung bezeichnet. Dies gilt nicht gar als dumm, sondern als cool! Sprache ist an dieser Stelle wie eine Art Gefängnis und wer nur Kurzdeutsch kann hat schlichtweg keine Chance auf einen gesellschaftlichen Aufstieg. Es raubt die Möglichkeit, auf hohem Niveau nachzudenken und das Leben auf die Reihe zu bekommen.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Standardsprache die allgemein gültige Berufssprache ist. Man wird weder in der Bank, vom Arzt oder vom Vorgesetzten jemals Worte wie „Digga“ zu hören bekommen. Das ist schlicht und ergreifend unprofessionell und sollte somit generell vermieden werden!
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