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Aufgabe 2

Aufgaben
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Interpretation eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema: Das kulturelle Leben in der Wiener Moderne: Arthur Schnitzler „Der Reigen“
Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (1931, Auszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1. Interpretiere den vorliegenden Textausschnitt aus Erich Kästners Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“.
(50%)
#erichkästner#interpretieren#romanauszug
2. Vergleiche die Beziehung zwischen Cornelia und Fabian anhand ausgewählter Beispiele mit den Paarbeziehungen in Arthur Schnitzlers Einakterzyklus „Der Reigen“.
(50%)
#vergleichen#arthurschnitzler#figurenkonstellation
Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten
Jakob Fabian, die Hauptfigur von Erich Kästners Berlin-Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“, ist promovierter Germanist, arbeitet jedoch angesichts der aufkommenden Weltwirtschaftskrise als Werbetexter. Auf einem seiner Streifzüge durch das Berliner Nachtleben hat er eine junge Frau kennengelernt. Er bringt sie nach Hause und schildert ihr die Umgebung:
$\,$
„[…] Da vorn ist ein Lokal, wo parfümierte homosexuelle Burschen mit ele-
ganten Schauspielern und smarten Engländern tanzen und ihre Fertigkeiten
und den Preis bekanntgeben, und zum Schluss bezahlt das Ganze eine
blondgefärbte Greisin, die dafür mitkommen darf. Rechts an der Ecke ist ein
5
Hotel, in dem nur Japaner wohnen, daneben liegt ein Restaurant, wo russi-
sche und ungarische Juden einander anpumpen oder sonstwie übers Ohr
hauen. In einer der Nebenstraßen gibt es eine Pension, wo sich nachmittags
minderjährige Gymnasiastinnen verkaufen, um ihr Taschengeld zu erhöhen.
Vor einem halben Jahr gab es einen Skandal, der nur schlecht vertuscht
10
wurde; ein älterer Herr fand in dem Zimmer, das er zu Vergnügungszwe-
cken betrat, zwar, wie er erwartet hatte, ein sechzehnjähriges entkleidetes
Mädchen vor, aber es war leider seine Tochter, und das hatte er nicht er-
wartet… Soweit diese riesige Stadt aus Stein besteht, ist sie fast noch wie
einst. Hinsichtlich der Bewohner gleicht sie längst einem Irrenhaus. Im Os-
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ten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das
Elend, im Westen die Unzucht, und in allen Himmelsrichtungen wohnt der
Untergang.“
„Und was kommt nach dem Untergang?“
Fabian pflückte einen kleinen Zweig, der über ein Gitter hing, und gab zur
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Antwort: „Ich fürchte, die Dummheit.“
„In der Stadt, aus der ich bin, ist die Dummheit schon eingetroffen“, sagte
das Mädchen. „Aber was soll man tun?“
„Wer ein Optimist ist, soll verzweifeln. Ich bin ein Melancholiker, mir kann
nicht viel passieren. Zum Selbstmord neige ich nicht, denn ich verspüre
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nichts von jenem Tatendrang, der andere nötigt, so lange mit dem Kopf ge-
gen die Wand zu rennen, bis der Kopf nachgibt. Ich sehe zu und warte. Ich
warte auf den Sieg der Anständigkeit, dann könnte ich mich zur Verfügung
stellen. Aber ich warte darauf wie ein Ungläubiger auf Wunder. Liebes Fräu-
lein, ich kenne Sie noch nicht. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen,
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möchte ich Ihnen für den Umgang mit Menschen eine Arbeitshypothese an-
vertrauen, die sich bewährt hat. Es handelt sich um eine Theorie, die nicht
richtig zu sein braucht. Aber sie führt in der Praxis zu verwendbaren Ergeb-
nissen.“
„Und wie lautet Ihre Hypothese?“
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„Man halte hier jeden Menschen, mit Ausnahme der Kinder und Greise, be-
vor das Gegenteil nicht unwiderleglich bewiesen ist, für verrückt. Richten
Sie sich danach, Sie werden bald erfahren, wie nützlich der Satz sein kann.“
„Soll ich bei Ihnen damit beginnen?“ fragte sie.
„Ich bitte darum“, meinte er.
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Sie schwiegen und überquerten den Nürnberger Platz. Ein Auto bremste
dicht vor ihnen. Das Mädchen zitterte. Sie gingen in die Schaperstraße. In
einem verwahrlosten Garten schrien Katzen. An den Rändern der Fußsteige
standen Alleebäume, bedeckten den Weg mit Dunkelheit und verbargen den
Himmel. „Ich bin angelangt“, sagte sie und machte vor dem Hause Nummer
45
17 halt. In dem Hause, in dem auch Fabian wohnte! Er verbarg seine Ver-
wunderung und fragte, ob er sie wiedersehen dürfe.
„Wollen Sie es wirklich?“
„Unter einer Bedingung: dass auch Sie es wünschen.“ Sie nickte und legte
einen Augenblick lang den Kopf an seine Schulter. „Diese Stadt ist groß“,
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flüsterte sie und schwieg unschlüssig. „Werden Sie mich falsch verstehen,
wenn ich Sie bitte, für eine halbe Stunde zu mir hinaufzukommen? Das
Zimmer ist mir noch so fremd. Kein Wort klingt nach und keine Erinnerung,
denn ich habe darin noch mit niemandem gesprochen, und nichts ist da,
woran es mich erinnern könnte. Und vor den Fenstern schwanken des
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Nachts schwarze Bäume.“
Fabian sagte lauter, als er wollte: „Ich komme gern mit. Schließen Sie nur
auf.“ Sie steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte um. Doch ehe sie die
Tür aufschob, wandte sie sich noch einmal zu ihm. „Ich bin sehr in Sorge,
dass Sie mich missverstehen.“ Er drückte die Tür auf und schaltete die
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Treppenbeleuchtung ein. Dann ärgerte er sich, dass er sich dadurch verra-
ten haben könnte. Aber sie wurde nicht stutzig, schloss hinter ihm ab und
ging voraus. Er folgte und amüsierte sich über die Heimlichkeit, mit der er
heute dieses Haus betrat. In welcher Etage mochte sie wohnen? Sie blieb
tatsächlich vor der Tür seiner Wirtin, vor der Tür der Witwe Hohlfeld, stehen
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und öffnete. Im Flur brannte Licht. Zwei junge Mädchen in rosa Hemdhös-
chen spielten mit einem grünen Luftballon Fußball. Sie erschraken und be-
gannen vor Schreck zu kichern. Fräulein Battenberg stand starr. Da ging die
Toilettentür auf, und Herr Dröger, der sinnliche Stadtreisende, erschien im
Pyjama.
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„Halten Sie Ihren Harem besser unter Verschluss“, brummte Fabian.
Herr Dröger grinste, trieb die Mädchen in sein Serail 1
und riegelte ab. Fabian legte die Hand versehentlich auf die Klinke
zu seinem eigenen Zimmer.
„Um Gottes willen“, flüsterte Fräulein Battenberg. „Da wohnt jemand anderes.“
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„Pardon“, sagte Fabian und folgte ihr durch den Korridor in den letzten
Raum. Er legte Hut und Mantel aufs Sofa, sie hängte ihren Mantel in den
Schrank. „Eine fürchterliche Bude“, sagte sie lächelnd. „Und achtzig Mark im
Monat.“
„Ich zahle genausoviel“, tröstete er. Nebenan wurde gelärmt.
80
Die Sprungfedern knirschten unwillig. „Die Nachbarschaft habe ich gratis“,
meinte sie.
„Bohren Sie ein Loch in die Wand und verlangen Sie Eintritt.“
„Ach, ich bin so froh“, sie rieb sich die Hände wie vor einem Kamin. „Wenn
ich allein bin, wirkt dieser Salon noch viel hässlicher. Ich bin Ihnen sehr
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dankbar. Wollen Sie sich mal die schaurigen Bäume anschauen?“
Sie traten ans Fenster. „Heute sind sogar die Bäume freundlicher“, stellte
sie fest. Dann sah sie ihn an und murmelte: „Das macht, weil ich sonst al-
lein bin.“ Er zog sie behutsam an sich und gab ihr einen Kuss. Sie küsste ihn
wieder. „Nun wirst du denken, dass ich dich deshalb bat, mitzukommen.“
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„Freilich denke ich das“, gab er zur Antwort. „Aber du wusstest es selber
noch nicht.“
Sie rieb ihre Wange an der seinen und blickte durchs Fenster. „Wie heißt du
eigentlich?“ fragte er.
„Cornelia.“
(946 Wörter)

1Serail: Orientalischer Herrscherpalast, hier in Anspielung an dort vermeintlich stattfindende sexuelle Ausschweifungen
(aus: Kästner, Erich: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten, München, 1985, S. 99-102)
Anmerkung: Die Rechtschreibung wurde angepasst.
#erichkästner#romanauszug
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Interpretation eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema: Das kulturelle Leben in der Wiener Moderne: Arthur Schnitzler „Der Reigen“
Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (1931, Auszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1. Interpretiere den vorliegenden Textausschnitt aus Erich Kästners Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“.
(50%)
In der ersten Aufgabe untersuchst du ausgehend von deiner zuvor aufgestellten Deutungshypothese den Inhalt, die Erzähltechnik, das Gesprächsverhalten der Figuren, die Raumkonzeption und die sprachliche Gestaltung des Textes. Fasse zu Beginn deiner Interpretation den Inhalt von Erich Kästners Text noch einmal kurz zusammen. Gliedere deinen Text in einer sinnvollen Reihenfolge. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängendem Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Deutungshypothese
  • Zusammenfassung
  • Hauptteil 1
    • Erzähltechnik
    • Gesprächsverhalten der Figuren
    • Raumkonzeption
    • Sprachliche Gestaltung
  • Schluss
2. Vergleiche die Beziehung zwischen Cornelia und Fabian anhand ausgewählter Beispiele mit den Paarbeziehungen in Arthur Schnitzlers Einakterzyklus „Reigen“.
(50%)
In der zweiten Aufgabe gibst du einen Überblick zu deinen Interpretationsergebnissen hinsichtlich der Beziehung Cornelias und Fabians und vergleichst diese aspektorientiert mit denen ausgewählter Paare aus dem „Reigen“. Deine Ergebnisse fasst du in einem Fazit zusammen. Gliedere deinen Text in einer sinnvollen Reihenfolge. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängendem Text gelöst werden.
  • Überleitung
  • Zusammenfassung Interpretationsergebnisse
  • Hauptteil 2
    • Inhaltsangabe „Reigen“
    • Aspektorientierter Vergleich der Paare
  • Fazit
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Interpretation eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema: Das kulturelle Leben in der Wiener Moderne: Arthur Schnitzler „Der Reigen“
Erich Kästner: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (1931, Auszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1. Interpretiere den vorliegenden Textausschnitt aus Erich Kästners Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“.
(50%)
Tipp
In der ersten Aufgabe untersuchst du ausgehend von deiner zuvor aufgestellten Deutungshypothese den Inhalt, die Erzähltechnik, das Gesprächsverhalten der Figuren, die Raumkonzeption und die sprachliche Gestaltung des Textes. Fasse zu Beginn deiner Interpretation den Inhalt von Erich Kästners Text noch einmal kurz zusammen. Gliedere deinen Text in einer sinnvollen Reihenfolge. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängendem Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Deutungshypothese
  • Zusammenfassung
  • Hauptteil 1
    • Erzähltechnik
    • Gesprächsverhalten der Figuren
    • Raumkonzeption
    • Sprachliche Gestaltung
  • Schluss
Tipp
In der ersten Aufgabe untersuchst du ausgehend von deiner zuvor aufgestellten Deutungshypothese den Inhalt, die Erzähltechnik, das Gesprächsverhalten der Figuren, die Raumkonzeption und die sprachliche Gestaltung des Textes. Fasse zu Beginn deiner Interpretation den Inhalt von Erich Kästners Text noch einmal kurz zusammen. Gliedere deinen Text in einer sinnvollen Reihenfolge. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängendem Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Deutungshypothese
  • Zusammenfassung
  • Hauptteil 1
    • Erzähltechnik
    • Gesprächsverhalten der Figuren
    • Raumkonzeption
    • Sprachliche Gestaltung
  • Schluss
„Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ ist ein sogenannter Großstadtroman von Erich Kästner mit autobiografischen Zügen. Der 1931 erschienene Roman entwirft ein Gesellschaftsbild Berlins kurz vor der Machtergreifung Adolf Hitlers.
Einleitung
In dem zu bearbeitenden Textausschnitt wird das Leben der Gesellschaft der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts als amoralisch und sexuell zu ausschweifend dargestellt. Fabian, der Protagonist des Romans sowie das Mädchen, welches er kurz zuvor kennen lernte, sind distanzierte Beobachter der beschriebenen Gesellschaft, zu der sie sich nicht zugehörig fühlen. Ihr Gefühl von Einsamkeit verringert sich durch ihre gegenseitige Sympathie und durch ihre humorvolle Unbeschwertheit.
Deutungshypothese
Jakob Fabian, die Hauptfigur von Erich Kästners Roman, begleitet seine neue Bekannte namens Cornelia nach Hause und schildert ihr in amüsanten Anekdoten den moralischen Verfall der Gesellschaft. Sie beginnen sich, zunächst distanziert, über ihre gemeinsame melancholische Sicht der Welt auszutauschen. Als sie schließlich an Cornelias Zuhause ankommen, stellt Fabian fest, dass sie in der gleichen Pension ein Zimmer bezogen haben, verschweigt es ihr jedoch. Erst nach dem ersten Kuss fragt Jakob Cornelia nach ihrem Namen, davor betitelt er sie stets nur als das „Mädchen“.
Zusammenfassung
Ausgehend von der zuvor aufgestellten Deutungshypothese lässt sich Erich Kästners Textauszug anhand von mehreren Punkten analysieren und interpretieren. Erich Kästner verwendet für seine Erzähltechnik ein personales Erzählverhalten. Der Erzähler kann beinahe gleichgesetzt werden mit der Figur des Fabian. Er verwendet ebenso ironische und wertende Formulierungen wie Fabian selbst, wie zum Beispiel: „Herr Dröger, der sinnliche Stadtreisende, […] trieb die Mädchen in sein Serail“ (Z. 68ff.) und erleichtert damit dem Leser die Identifikation mit der Hauptfigur und der Haltung des Textes. Desweiteren ist die Erzählzeit weitgehend identisch mit der erzählten Zeit. Durch die Dialoge wird dem Leser das Gefühl gegeben, mitten im Geschehen zu sein. Doch welches Gesprächsverhalten legen die Figuren in ihrem Dialog an den Tag?
Hauptteil 1
Erzähltechnik
In der Unterhaltung dominiert Fabian das Gespräch. Durch die Schilderungen seiner Sicht auf die verkommende Berliner Gesellschaft besitzt er einen größeren Redeanteil als Cornelia. Jedoch wird trotz der unterschiedlichen Redeanteile schnell klar, dass beide Figuren eine identische kritische Haltung gegenüber der Gesellschaft ihrer Zeit besitzen. Das bestätigen sie einander in einer sarkastisch-distanzierten Sicht. Diese gemeinsame Weltsicht, sowie Cornelias Bereitschaft, Schwäche zu zeigen, führen zu wachsendem Vertrauen und erster aufflammender Zärtlichkeit.
Gesprächsverhalten
Das alles spielt sich in der Großstadt Berlin ab, welche als Ort der sittlich-moralischen Unbarmherzigkeit dargestellt wird, den die Figuren in einer ironischen Sichtweise distanziert betrachten. Erich Kästner stellt die Anonymität in der Großstadt extrem überspitzt dar. Obwohl Fabian und Cornelia so gut wie Zimmernachbarn sind, lernen sie sich nicht in der Pension, sondern in der Stadt kennen. Die emotionale Kälte und räumliche Enge der Großstadt werden durch bedrohliche Naturbilder wie „schwarze“ (Z. 55) oder „schaurige[n] Bäume“ (Z. 85) verdeutlicht. Die zärtliche Nähe der Figuren, welche sich zu entwickeln beginnt, wird durch das hässlich beschriebene Ambiente in Kontrast gestellt und somit verstärkt.
Raumkonzeption
Durch ironische Äußerungen seitens Fabians und des Erzählers erhält der Textauszug einen ebenso ironischen Charakter und verstärkt damit die Distanzierung zu der aufgezeigten amoralischen Gesellschaft umso mehr. Durch wenige Adjektive und viele kurze, auf das Wichtigste komprimierte Sätze beleuchtet der Erzähler den Text in einer melancholischen Perspektive. Durch die vermehrte Andeutung auf Unzucht mit Minderjährigen wird der tragikomische Charakter des Textauszugs überdeutlich dargestellt.
Sprachliche Gestaltung
Das Berlin der 20er Jahre ist ein trister, kalter Ort mit einer sittlichen und moralischen Verrohung. Demgegenüber stehen Fabian und Cornelia in ihrer aufblühenden Beziehung und distanzieren sich auf eine ironische und doch melancholische Weise von dieser Gesellschaft, was sowohl in ihrem Gesprächsverhalten, als auch in allen anderen Deutungspunkten zum Vorschein kommt.
Schluss
#romanauszug#erichkästner#interpretieren
2. Vergleiche die Beziehung zwischen Cornelia und Fabian anhand ausgewählter Beispiele mit den Paarbeziehungen in Arthur Schnitzlers Einakterzyklus „Der Reigen“.
(50%)
Tipp
In der zweiten Aufgabe gibst du einen Überblick zu deinen Interpretationsergebnissen hinsichtlich der Beziehung Cornelias und Fabians und vergleichst diese aspektorientiert mit denen ausgewählter Paare aus dem „Reigen“. Deine Ergebnisse fasst du in einem Fazit zusammen. Gliedere deinen Text in einer sinnvollen Reihenfolge. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängendem Text gelöst werden.
  • Überleitung
  • Zusammenfassung Interpretationsergebnisse
  • Hauptteil 2
    • Inhaltsangabe „Reigen“
    • Aspektorientierter Vergleich der Paare
  • Fazit
Tipp
In der zweiten Aufgabe gibst du einen Überblick zu deinen Interpretationsergebnissen hinsichtlich der Beziehung Cornelias und Fabians und vergleichst diese aspektorientiert mit denen ausgewählter Paare aus dem „Reigen“. Deine Ergebnisse fasst du in einem Fazit zusammen. Gliedere deinen Text in einer sinnvollen Reihenfolge. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängendem Text gelöst werden.
  • Überleitung
  • Zusammenfassung Interpretationsergebnisse
  • Hauptteil 2
    • Inhaltsangabe „Reigen“
    • Aspektorientierter Vergleich der Paare
  • Fazit
Auch in Arthur Schnitzlers Drama „Reigen“ gibt es in einer moralisch sehr verkappten Welt verschiedene Beziehungen, die mit der Beziehung zwischen Fabian und Cornelia aus Erich Kästners Text verglichen werden können. Im Reigen begegnen zehn Personen einander paarweise, sie führen zehn Dialoge und jedes Mal findet das Paar dabei zu sexueller Vereinigung.
Überleitung
Schon bei ihrem Kennenlernen besteht sofort eine große Einigkeit zwischen Fabian und Cornelia. Sie teilen sowohl die kritische Sicht auf den moralischen Verfall der Gesellschaft als auch die melancholische Haltung deren Repräsentanten gegenüber, die sie humoristisch kommentieren. Durch diese identische Sicht auf die Geschehnisse ihrer Zeit fassen sie schnell Vertrauen zueinander und kommen sich emotional sehr nah, was am Ende des Textauszugs in ihrem ersten Kuss gipfelt. Diese aufgebaute Nähe setzen sie dem kalten und vom moralischen und sittlichen Verfall bedrohten Berlin gegenüber.
Zusammenfassung Interpretationsergebnisse
„Reigen“ ist ein Bühnenstück von Arthur Schnitzler. Die Uraufführung fand am 23. Dezember 1920 am Kleinen Schauspielhaus in Berlin statt und war einer der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts. Das Stück schildert in zehn erotischen Dialogen die unerbittliche Mechanik des Beischlafs, der im Stück selbst nicht gezeigt wird, und sein Umfeld von Macht, Verführung, Sehnsucht, Enttäuschung und das Verlangen nach Liebe. Es zeichnet ein Bild der Moral in der Gesellschaft der Jahrhundertwende und durchwandert dabei in einem Reigen alle sozialen Schichten vom Proletariat bis zur Aristokratie. Dies geschieht, indem eine Figur immer die Hand einer neuen Figur für die nächste Szene reicht. Schnitzler beschreibt aber nur die Situationen vor und nach dem Geschlechtsverkehr, dieser selbst wird jedoch nicht gezeigt, er ist im Text mit Gedankenstrichen nur angedeutet. Nach jeder Szene wird ein Partner ausgetauscht und dabei die gesellschaftliche Leiter erstiegen, von Dirne, Soldat und Stubenmädchen über junger Herr, Ehefrau, Ehemann und süßes Mädchen bis zum Dichter, der Schauspielerin und dem Grafen, der am Schluss wieder mit der Dirne zusammentrifft und so den „Reigen“ schließt.
Hauptteil 2
Inhaltsangabe
„Der Reigen“
Auch in Arthur Schnitzlers Werk „Reigen“ müssen die Figuren sich mit dem moralischen Verfall der Gesellschaft auseinandersetzen. Dabei gibt es im Vergleich zu Erich Kästners Textauszug Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede.
In beiden Werken gehen die Figuren schon kurz nach dem Kennenlernen eine intime Nähe ein. Während es bei Fabian und Cornelia schlussendlich jedoch beim Kuss bleibt, verüben die Figuren im „Reigen“ den Geschlechtsverkehr, was eine viel intimere Form der Nähe darstellt. Das Kennenlernen beginnt nach anfänglicher Distanziertheit durch Gespräche mit dem Ziel sexueller Annäherung, wobei alle Figuren somit ihr Ziel erreichen. Beide Autoren verwenden in ihren Werken ironisierende Passagen, um den moralischen Verfall der Gesellschaft zu verdeutlichen, wobei die Ironie meist von den Figuren und nicht vom Erzählerkommentar ausgeht. Desweiteren stellen sich in beiden Werken die Figuren selbst als Sinnbilder der Keuschheit dar, wobei ihr Ziel insgeheim die sexuelle Annäherung bleibt. Obwohl Cornelia Fabians Kuss erwidert, spielt sie ihm eine vermeintliche Keuschheit vor und ist in Sorge, dass Fabian sie missversteht.
Aspktorientierter Vergleich
Gemeinsamkeiten
Doch so viele Gemeinsamkeiten die Werke auch aufweisen mögen, desto mehr Unterschiede findet man bei ihnen in einigen zentralen Gesichtspunkten.
Die Zugewandtheit, welche sich bei Cornelia und Fabian im Lauf der Erzählung einstellt, wird im Reigen kontrastiert durch die Abgewandtheit der Figuren, welche zum Beispiel beim Stubenmädchen und dem Soldaten zu beobachten ist, als er sie nach dem Geschlechtsverkehr auf einer öffentlichen Wiese nur ungern nach Hause begleiten möchte, da schon das nächste Mädchen auf ihn wartet.
Die Rohheit, welche in dem Akt der Dirne und des Soldaten an den Tag gelegt wird, ist bei Fabian und Cornelia nicht wiederzufinden. Zwischen den beiden herrscht ein Band der Zärtlichkeit. Im Gegensatz zum Soldaten spottet Fabian nicht über den Namen, als er Cornelias Namen erfährt.
Fabian und Cornelia verstehen sich durch ihre identische Sichtweise. Dem gegenüber stehen die junge Frau und der Gatte, die sich über die moralischen Beweggründe von Ehebrecherinnen uneinig sind.
Bei Fabian und Cornelia gelingt durch die Ironie eine Annäherung. Bei dem süßen Mädel und dem Gatte schafft die Ironie eine unüberwindbare Distanz sowie eine Entfremdung zwischen dem Stubenmädchen und dem jungen Herrn.
Während in Kästners Text die Amoralität der Gesellschaft kritisch kommentiert wird, stehen die Figuren im „Reigen“ exemplarisch für diese amoralische Gesellschaft und deren Verfall. Desweiteren sind Fabian und Cornelia individualisierte Charaktere, die sich von der geschilderten Gesellschaft abheben wollen, während die Figuren des „Reigen“ stark typisiert sind. Das zeigt sich unter anderem daran, dass Cornelia die Frage nach ihrem Namen beantwortet, der Soldat jedoch nicht.
Unterschiede
Sowohl der Text von Erich Kästner als auch Arthur Schnitzlers Drama zeigen eine moralisch verkommene, sexuell freizügige Gesellschaft. Während das Miteinander zwischen den Figuren Schnitzlers deren Beziehungslosigkeit und emotionale Kälte zeigt, ist das Gespräch zwischen Fabian und Cornelia von Nähe geprägt. Diese Nähe schafft eine Verbindung zwischen den beiden, mithilfe derer sie sich von der amoralischen Gesellschaft, zu der sie trotz der Abgrenzung auch gehören, distanzieren. Schnitzlers Figuren hingegen grenzen sich nicht ab, sondern stehen exemplarisch für den moralischen Verfall der Gesellschaft.
#figurenkonstellation#arthurschnitzler#vergleichen
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