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Aufgabe 3

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Literarische Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema: „Erinnerung und Identität“ als Kennzeichen der zeitgenössischen Literatur - Günter Grass „Im Krebsgang“
Siegfried Lenz (1926 – 2014): Über das Gedächtnis (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1. Fasse die wesentlichen Aussagen des Textauszuges von Siegfried Lenz zusammen.
(30%)
#zusammenfassen#siegfriedlenz
2. Erörtere, inwiefern Günter Grass mit der Novelle „Im Krebsgang“ einen Beitrag zu der von Siegfried Lenz geforderten Gedächtnisarbeit leistet.
(70%)
#siegfriedlenz#erörtern#güntergrass
Siegfried Lenz: Der unendliche Raum des Gedächtnisses
$\,$
Was Literatur ist: darüber gibt es verschiedene Ansichten; doch eines stellt sie
gewiß dar: das kollektive Gedächtnis der Menschen. Sie ist der Speicher, die
umfassendste Sammlung von Erlebtem und Gedachtem, sie ist ein einzigartiger
Vorrat an Welterfahrung. Alles ist in ihr aufbewahrt, aufgehoben, alles, was
5
erduldet und angenommen, was versucht und beklagt wurde in Jahrtausenden,
hat in ihr seinen Ausdruck gefunden. Repräsentativer kann ein Gedächtnis nicht
sein: zu seinem Inhalt gehören Weltangst und Götterzorn der frühen Jahre
ebenso wie der riskante Traum vom Glück in unsern Tagen. Auflehnung und
Resignation, Pflicht und Schande, Irrtum und Verhängnis und immer wieder die
10
Erprobung neuer Lebensform: alles ist gesammelt, liegt abrufbar bereit. Wir
können es uns wieder aneignen, wir können es wieder erleben; das gehütete
Gedächtnis verschafft uns die nötige Disposition. Denn darin liegt seine
bestimmende Fähigkeit: in der Wiederherstellung früherer Erlebnisse, Eindrücke,
Gefühle. Den Prozeß, sich des Gedächtnisses zu bedienen, nennen wir
15
Erinnerung.
Wie aber wirkt es sich aus?; – als Eigenschaft, die offenbar allem organischen
Leben innewohnt, als Instanz, die verhindern kann, daß etwas spurlos aus der
Welt verschwindet? Welche Erfahrungen machen wir mit dem Besitz, den wir
Gedächtnis nennen: – diese unerhörte Gabe des Fassens und Festhaltens? […]
20
Zuverlässig unterstützt wird das Gedächtnis – wir spüren es beim Gedenken –
von der Einbildungskraft, die lange als seine Schwester angesehen wurde.
Gemeinsam stellen sie eine Gegenwehr dar gegen die Gleichmütigkeit der
Geschichte, die sozusagen achselzuckend über Taten und Untaten hinweggeht.
Eine bescheidene, eine dürftige, eine vielleicht nur symbolische Gegenwehr, ich
25
weiß, doch wer die Überzeugung teilt, daß menschliches Leben sich rechtfertigen
muß, wird sich zu dieser Gegenwehr verpflichtet fühlen. Im Grunde ist es das
Gedächtnis, das sie uns nahelegt.
Daß es auch heilen kann, daß es dem ratlos leidenden Menschen hilft, die
Ursachen von Krankheit oder Fehlentwicklung zu erkennen: bedeutende
30
Psychologen unseres Jahrhunderts haben den Beweis dafür erbracht. Sie haben
hineingebohrt in verschüttete Gedächtnisse. Sie haben freigelegt und
wiederbelebt, was an verhängnisvoller Erlebnislast nicht bewußt war. Das
bedachtsam und kühn Erinnerte wurde in seinen Konsequenzen so erkennbar,
daß es gedeutet werden konnte, und die Deutung führte zur Heilung des seelisch
35
Kranken.
Es ist klar: unser Gedächtnis zeigt sich nicht allein als strahlende Schatzkammer
von Erinnerungen; in labyrinthischem Dunkel wird ebenso aufbewahrt, was uns
verändert oder auf besondere Art gegen uns spricht. Anders gesagt: das
Gedächtnis hat seinen eigenen Merkwillen, oft genug trifft es seine eigene
40
Abstimmung über das, was es speichern will. Dabei ist es auf vertrackte Weise
mit uns im Bunde: es erweist sich als löchrig oder von Schwund befallen, wo es
uns belasten müßte, trumpft indes mit Schärfe auf, wo ein Vorteil auf dem Spiel
steht. Eine Empfehlung der alten Griechen spricht für sich: Wer lügen will, so
redeten sie im Sprichwort, der sollte ein gutes Gedächtnis haben. Man muß
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zugeben: es ist nicht nur ein hilfreicher, sondern auch ein ungemütlicher Besitz.
[…]
Jede Zeit wird durch ihre Besonderheiten charakterisiert, wird kenntlich durch
ihren Problemhaushalt, ihre Haltungen und Idiosynkrasien 1. Was uns heute –
unter anderem – bezeichnet, ist das eigentümliche und aufschlußreiche
50
Verhältnis, welches wir zu einem Paar haben, das sich auf furchtbare Weise
nahesteht: Opfer und Täter. Jeder kann sich davon überzeugen, daß dies
Verhältnis einiges zu denken aufgibt. Was wir zunächst feststellen, ist ein
außergewöhnliches Interesse, das man in unserer Zeit am Täter nimmt. Der
Zuwendung an Aufmerksamkeit entspricht der Wunsch, seine Tat zu erklären, sie
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aus den Bedingungen der Lage vielleicht auch zu verstehen. Wer sich prüft, wird
erstaunt oder auch erschrocken zugeben, wie gegenwärtig ihm Täter und Tat
bleiben – im Vergleich zum Opfer, dessen Schicksal, nicht mit dem gleichen
Aufwand erörtert, bald ins Vergessen sinkt. Es hat mitunter tatsächlich den
Anschein, als ginge uns der Täter – aus mancherlei Gründen – mehr an. Ich
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weiß: in jedem Verbrechen liegt etwas Rätselhaftes, es ist eine schauderhafte,
unbegreifliche Explosion menschlichen Seins, die nach Erklärungen verlangt;
dennoch, so glaube ich, ist damit noch nicht gesagt, warum der Täter und seine
Untat uns mehr beschäftigen als sein Opfer. Es mag sein, daß wir uns als
Liebhaber sogenannter Normalität einer Art Erklärungszwang ausgesetzt sehen;
65
vielleicht suchen wir auch insgeheim nach Argumenten der Entlastung, einfach,
weil gewisse Verbrechen an der behaupteten Unversehrbarkeit menschlicher
Identität schlechthin zweifeln lassen, – ganz allgemeine, meine ich. Vielleicht
überwiegt unsere Aufmerksamkeit für den Täter aber auch deshalb, weil das
Opfer uns außer Mitleid vor allem eine Gedächtnisbürde übrigläßt: es mahnt, es
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appelliert, es mischt sich ein. Ich bin mir nicht sicher, ob es generell so ist, die
Psychopathologie 1 hat da gewiß eigene Deutungen, doch ich frage mich, warum
man in unserer Zeit oft den Eindruck haben kann, als beerbe der Täter noch sein
Opfer: an Interesse, an Aufmerksamkeit, an unruhigem Gedenken. Jedenfalls,
das kann nicht für uns sprechen; denn was wir dem Opfer zumindest schulden,
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ist Erbarmen; wir aber praktizieren Erbarmungslosigkeit durch allzu bereites
Vergessen.
Die Zeit, sagt der Volksmund, heilt alle Wunden – und wie so manches Mal, irrt
er sich auch hier. Die Zeit heilt keineswegs alle Wunden. Sie entrückt vielleicht
oder beschwichtigt sogar, doch heilen kann sie nicht. Es gibt einen singulären
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Schmerz, der nie aus der Welt kommt, Erfahrungen und Wunden, die für immer
bleiben. Geborgen in einem Gedächtnis, das kaum noch dem Willen des
einzelnen gehorcht, bricht das Leid auf in unerwarteten Augenblicken, im Traum.
Aus den Tiefenschichten der Vergangenheit steigen alte Angst und Not auf: das
Gedächtnis zeigt seinen heimsuchenden Charakter. Ja, und auch das kann
85
Gedächtnis sein: Heimsuchung. […]
Dennoch, trotz aller Schwere, erhält sich die Bereitschaft, das, was im
Gedächtnis bewahrt ist, wiederzubeleben. Der Grund dafür ist nach meiner
Ansicht nur allzu verständlich; er liegt in der Erkenntnis, daß ein Schweigen noch
weniger annehmbar wäre als der Schmerz des Erinnerns. Dieses Schweigen –
90
sagte Cordelia Edvardson 2 – löscht Millionen Ermordete aus – noch einmal. Und
sie sagte weiter: An die wir uns nicht mehr erinnern, die wir uns in unseren
Herzen und Sinnen nicht mehr lebendig erhalten, sie haben niemals gelebt. Wir
sind ihre Zeugen, woran wir uns nicht mehr erinnern, und was wir nicht
bezeugen, das ist nie geschehen.
95
Es ist offensichtlich: Gedächtnis hat eine verpflichtende Eigenschaft, es legt
etwas nahe, es beauftragt. […]
Ich denke an einen Begriff, der mir viel bedeutet. Er stammt von Herder und
heißt: Gedächtnisarbeit. Worauf er verweist, ist offensichtlich; es sind die Mühen,
die Widerstände, die Verluste und die Gewinne, die im Prozeß des Erinnerns
100
auftreten. Gedächtnisarbeit: das ist Suche und Befragung und Aneignung. Wir
eignen uns das Vergangene an – auf welche Probe es uns auch stellt.
Gedächtnisarbeit: das heißt auch bekennen, urteilen und für die Gegenwart
handeln. Wir müssen bereit sein dazu, denn nur wer handelt, kann hoffen.
(1091 Wörter)

1Psychopathologie:Wissenschaft und Lehre von den krankhaften Veränderungen des Seelenlebens
2Cordelia Edvardson (1929 - 2012): eine schwedisch-israelische Journalistin und Schriftstellerin
(aus: Die ZEIT Nr. 19, 1989, http://www.zeit.de/1989/19/der-unendliche-raum-des-gedaechtnisses)
Anmerkung: Der Text folgt der alten Rechtschreibung.
#siegfriedlenz
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Literarische Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema: „Erinnerung und Identität“ als Kennzeichen der zeitgenössischen Literatur - Günter Grass „Im Krebsgang“
Siegfried Lenz (1926 – 2014): Über das Gedächtnis (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1. Fasse die wesentlichen Aussagen des Textauszuges von Siegfried Lenz zusammen.
(30%)
In dieser Aufgabe geht es darum, dass du die wichtigsten Aussagen des Textes erfassen und wiedergeben sollst. Lies dir dafür den Text zunächst gründlich durch und markiere dir alle relevanten Textstellen. Versuche dann, die Aussagen und ihre Bedeutung in eigenen Worten wiederzugeben. Halte dich dabei so wenig wie möglich an den Wortlaut des Textauszuges. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Hauptteil 1
    • Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen
  • Schluss
2. Erörtere, inwiefern Günter Grass mit der Novelle „Im Krebsgang“ einen Beitrag zu der von Siegfried Lenz geforderten Gedächtnisarbeit leistet.
(70%)
In dieser Aufgabe geht es darum, dass du eine Erörterung mit Bezug auf Günter Grass Novelle „Im Krebsgang“ schreiben sollst. Beziehe die Aussagen des Textauszuges auf die Novelle „Im Krebsgang“ von Günter Grass. Dabei wägst du ab, inwiefern Grass mit seiner Novelle die von Lenz geforderte Gedächtnisarbeit leistet. Belege deine Argumente mit Zitaten aus dem Text. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Überleitung
  • Inhaltsangabe „Im Krebsgang“
  • Hauptteil 2
    • Erörterung
  • Fazit
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Literarische Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Thema: „Erinnerung und Identität“ als Kennzeichen der zeitgenössischen Literatur - Günter Grass „Im Krebsgang“
Siegfried Lenz (1926 – 2014): Über das Gedächtnis (Textauszug)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
1. Fasse die wesentlichen Aussagen des Textauszuges von Siegfried Lenz zusammen.
(30%)
Tipp
In dieser Aufgabe geht es darum, dass du die wichtigsten Aussagen des Textes erfassen und wiedergeben sollst. Lies dir dafür den Text zunächst gründlich durch und markiere dir alle relevanten Textstellen. Versuche dann, die Aussagen und ihre Bedeutung in eigenen Worten wiederzugeben. Halte dich dabei so wenig wie möglich an den Wortlaut des Textauszuges. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Hauptteil 1
    • Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen
  • Schluss
Tipp
In dieser Aufgabe geht es darum, dass du die wichtigsten Aussagen des Textes erfassen und wiedergeben sollst. Lies dir dafür den Text zunächst gründlich durch und markiere dir alle relevanten Textstellen. Versuche dann, die Aussagen und ihre Bedeutung in eigenen Worten wiederzugeben. Halte dich dabei so wenig wie möglich an den Wortlaut des Textauszuges. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Einleitung
  • Hauptteil 1
    • Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen
  • Schluss
Im vorliegenden Auszug aus Siegfried Lenz' „Über das Gedächtnis“, erschienen 1989 in Die ZEIT Nr. 19, thematisiert der Autor die Bedeutung der Erinnerung. Siegfried Lenz stellt die zentrale These auf, dass Gedächtnisarbeit ein notwendiger, auch die Literatur betreffender Auftrag ist, um die Erfahrungen aus der Vergangenheit für das verantwortliche Handeln in der Gegenwart zu nutzen.
Einleitung
In Siegfried Lenz' Textauszug mit dem Titel „Der unendliche Raum des Gedächtnisses“ ist die erste wesentliche Aussage, dass die Literatur das kollektive Gedächtnis umfassend repräsentiert und somit bereitsteht, um Erinnerungen abrufen zu können und um den Prozess der Erinnerung zu gewährleisten. Desweiteren stellt die Erinnerung eine Gegenwehr gegen das Vergessen dar. Das Verdrängen einer Erinnerung kann seelische und körperliche Leiden verursachen. Die Aufarbeitung dieser Erinnerung kann dem traumatisierten Menschen helfen, über sie hinwegzukommen und sich von seinen Leiden zu befreien. Die meisten traumatisierenden oder belastenden Erinnerungen werden jedoch verdrängt, versucht zu vergessen oder zum Vorteil instrumentalisiert.
Das überwiegende Interesse an Tätern, welches Lenz ebenfalls thematisiert, resultiert womöglich, so Lenz, aus einem Erklärungszwang des unfassbaren Geschehens und andererseits aus der Last der Erinnerung an die Opfer. Lenz fordert daher eine stärkere Anteilnahme an den Opfern. Für die Opfer ist die Erinnerung an die Tat auch eine Zeugenschaft, welche für sie belastend ist. Deshalb kann individuelles oder kollektives Leid auch nicht verdrängt und nur schwer vergessen werden.
Zuletzt leistet Siegfried Lenz einen Abschlussappell an seine Leser: Gedächtnisarbeit verpflichtet zur Aufarbeitung der Vergangenheit, um in der Gegenwart verantwortlich handeln zu können.
Hauptteil 1
Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen
Für den Leser bedeutet das, dass er aus der Vergangenheit lernen soll, indem er sich daran erinnert und diese Erinnerungen aufarbeitet. Durch diese Aufarbeitung gelangt er zu Wissen, anhand dessen er in der Gegenwart oder in der Zukunft reflektierter und verantwortlicher handeln kann.
Schluss
#zusammenfassen#siegfriedlenz
2. Erörtere, inwiefern Günter Grass mit der Novelle „Im Krebsgang“ einen Beitrag zu der von Siegfried Lenz geforderten Gedächtnisarbeit leistet.
(70%)
Tipp
In dieser Aufgabe geht es darum, dass du eine Erörterung mit Bezug auf Günter Grass Novelle „Im Krebsgang“ schreiben sollst. Beziehe die Aussagen des Textauszuges auf die Novelle „Im Krebsgang“ von Günter Grass. Dabei wägst du ab, inwiefern Grass mit seiner Novelle die von Lenz geforderte Gedächtnisarbeit leistet. Belege deine Argumente mit Zitaten aus dem Text. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Überleitung
  • Inhaltsangabe „Im Krebsgang“
  • Hauptteil 2
    • Erörterung
  • Fazit
Tipp
In dieser Aufgabe geht es darum, dass du eine Erörterung mit Bezug auf Günter Grass Novelle „Im Krebsgang“ schreiben sollst. Beziehe die Aussagen des Textauszuges auf die Novelle „Im Krebsgang“ von Günter Grass. Dabei wägst du ab, inwiefern Grass mit seiner Novelle die von Lenz geforderte Gedächtnisarbeit leistet. Belege deine Argumente mit Zitaten aus dem Text. Aufgabe 1 und 2 sollen von dir in einem zusammenhängenden Text gelöst werden.
  • Überleitung
  • Inhaltsangabe „Im Krebsgang“
  • Hauptteil 2
    • Erörterung
  • Fazit
Auch Günter Grass setzt sich in seiner 2002 erschienenen Novelle „Im Krebsgang“ mit der Thematik des Erinnerns auseinander. Der Text über Flucht und Vertreibung ist auch ein politisch-moralischer Text: Er reaktiviert nationalsozialistisches und antisemitisches Denken und ruft die Erinnerungen an die Zeit der Judenverfolgung und des Nationalsozialismus hervor. Die Novelle leistet damit einen Beitrag zur Diskussion um den Antisemitismus in Deutschland.
Überleitung
„Im Krebsgang“ ist eine 2002 erschienene Novelle des deutschen Schriftstellers Günter Grass. Darin thematisiert er den Untergang des deutschen Flüchtlingsschiffes »Wilhelm Gustloff« im Januar 1945 vor der pommerschen Küste, welcher geschätzte 9000 Menschenleben forderte. In seinem neun Kapitel umfassenden Buch vermischt Grass reale und fiktionale Ereignisse und Charaktere, sowie verschiedene Handlungsstränge aus der Vergangenheit und Gegenwart, wobei er sich „im Krebsgang“ voran bewegt – seitlich oder rückwärts, aber trotzdem oder gerade deshalb vorwärts kommend.
Erzählt wird die Geschichte von Paul Pokriefke, dem Ich-Erzähler und einem fiktionalen Charakter, welcher am 30. Januar 1945, dem Tag des Untergangs der Gustloff, geboren wurde. Er erzählt die Geschichte am Ende des 20. Jahrhunderts und wird dabei von einem „Alten“, welcher nicht weiter namentlich erwähnt wird, unterstützt. Bei dem „Alten“ handelt es sich um einen Schriftsteller, der sich und seiner Generation große Vorwürfe macht, sie hätten zu lange geschwiegen und es hätte dementsprechend keine angemessene Aufarbeitung der Geschehnisse stattgefunden.
Die von Günter Grass gewählte Erzählweise, also das permanente Hin- und Herspringen der Erzählung zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen aus Kriegstagen und den Ereignissen aus dem späten 20. Jahrhundert führt dazu, dass gegen Endes des Buches beide Erzählteile gleichzeitig ihren Höhepunkt erreichen.
Inhaltsangabe „Im Krebsgang“
Inwiefern leistet Günter Grass jedoch mit dieser Novelle einen Beitrag zu der von Siegfried Lenz geforderten Gedächtnisarbeit?
Schon der Titel der Novelle „Im Krebsgang“ weist auf die Schwierigkeiten der Gedächtnisarbeit hin. Günter Grass setzt sich „im Krebsgang“ mit dem Wirken der Nationalsozialisten und den Auswirkungen auf die Gegenwart auseinander und stößt damit eine öffentliche Debatte über das bis dahin tabuisierte Thema der deutschen Flüchtlingsopfer an. Durch die Verschränkung von historischen und fiktiven Ereignissen leistet er auch einen wesentlichen Beitrag zur Aufarbeitung der historischen Geschehnisse um die Gustloff.
Die Notwendigkeit dieser Verarbeitung zeigt er durch die Darstellung von Konrads Entwicklung, da die mangelnde Erinnerungsarbeit von Paul sowie die auf den Nationalsozialismus bezogene eher positive Haltung Tullas das verklärende Geschichtsverständnis Konrads und seine Identifikation mit den NS-Tätern begünstigen. Das Schweigen hat demnach dazu geführt, den Deutschen den Status eines Opfers zu verleihen und den rechtsextremen Gruppen das Thema der Aufarbeitung zu überlassen: „Das hört nicht auf. Nie hört das auf.“ (vgl. Kap. 9).
Durch seine ebenfalls fiktive Figur Trulla greift Günter Grass den Missbrauch, oder viel mehr die Instrumentalisierung der Gedächtnisarbeit auf. Trulla verklärt die Vergangenheit und idealisiert sich als Opfer, wobei sie die Täterrolle der Deutschen ignoriert, da man aus ihrer Sicht „ […] ieber die Justloff nich reden jedurft hat. Bai ons im Osten sowieso nich. Ond bai dir im Westen ham se, wenn ieberhaupt von frieher, denn immerzu nur von andre schlimme Sachen, von Auschwitz und sowas jeredet.“ (vgl. Kap. 1).
Die Folgen der Weigerung, sich der geforderten Gedächtnisarbeit zu stellen, werden durch die Figur Paul gezeigt: „Aber ich wollte nicht. Mochte doch keiner was davon hören, hier im Westen nicht und im Osten schon gar nicht.“ (vgl. Kap. 2). Paul verdeutlicht hier die allgemeine Tabuisierung des Themas in der Gesellschaft sowie seine persönliche Schreibhemmungen zu eben jenem Thema.
Zuletzt bestätigt auch der „Alte“ die Thesen von Siegfried Lenz: „Niemals, sagt er, hätte man über so viel Leid, nur weil die eigene Schuld übermächtig gewesen sei, schweigen, das gemiedene Thema den Rechtsgestrickten überlassen dürfen. Dieses Versäumnis sei bodenlos […]“ (vgl. Kap. 5). Vor allem diese Figur macht deutlich, wie belastend verdrängte Erinnerungen sein können und was passiert, wenn man nicht die geforderte Gedächtnisarbeit leistet: ein beinahe erdrückendes Schuldgefühl, von dem man sich nicht befreien kann.
Hauptteil 2
Erörterung
Pro Argumente
Doch so sehr Günter Grass auch versucht, Siegfried Lenz' Aufforderung nach der Leistung von Gedächtnisarbeit nachzukommen, setzt er durch die Aufarbeitung des Untergangs der Gustloff einen vollkommen anderen Akzent als Siegfried Lenz. Sein Schwerpunkt liegt auf der Vertreibung und Verfolgung der Ostdeutschen während des Zweiten Weltkriegs. Im Zentrum seiner Novelle stehen der tabuisierte Umgang mit dem Untergang der Gutsloff sowie der daraus entstehende Generationskonflikt, nicht aber das Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten.
Durch die komplexe Vermischung von historischen Fakten und fiktiver Handlung zeigt Günter Grass, dass Erinnerungen häufig fehlbar und verfälscht sein können und damit ein problematisches Geschichtsbewusstsein erzeugen.
Im Gegensatz zu Günter Grass steht bei Siegfried Lenz ausschließlich die Opferthematik im Zentrum des Gedankengangs. Insofern sind Lenz' Ausführungen nicht in Deckung zu bringen mit der „Im Krebsgang“ thematisierten Widersprüchlichkeit zwischen Täter und Opfer, insbesondere bei Tulla und Konrad.
Auch differenziert Siegfried Lenz in seinem Text über die Erinnerung und Gedächtnisarbeit nicht zwischen den unterschiedlichen Generationen. Das ist bei Günter Grass hingegen ein wesentliches Thema.
Günter Grass hat einen sehr viel skeptischeren Blick auf eine gelingende Gedächtnisarbeit und eine daraus resultierende reflektierte Haltung. Seiner Meinung nach ist man mit der Bewältigung der Vergangenheit nie fertig und es wird auch nie aufhören. (vgl. Kap. 9).
Contra Argumente
Schlussendlich kann man sagen, dass Günter Grass einen Beitrag zu der von Siegfried Lenz geforderten Gedächtnisarbeit leistet, jedoch in einem anderen Sinn. Im Mittelpunkt stehen nicht die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur, sondern das Schicksal der vertriebenen Deutschen. Grass zeigt anhand seiner Figuren die Schwierigkeiten, sich zu erinnern, die Folgen für die Identitätsfindung und die Brüchigkeit des individuellen und kollektiven Gedächtnisses. Außerdem kritisiert die Novelle eindringlich die nicht zu unterschätzende und damit potenziell gefährliche Faszination und Anziehungskraft, die auch noch heute von allem ausgeht, was mit dem Dritten Reich in Verbindung steht. Sie weist auf die unbedingte Notwendigkeit einer vernünftigen und sensiblen Aufarbeitung hin und erinnert daran, wie gewisse Denkansätze der NS-Zeit auch in unserer heutigen Gesellschaft noch auf fruchtbaren Boden fallen können.
#argumentationsstruktur#erörterung#güntergrass
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