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Aufgabe 1

Aufgaben
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Interpretation eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Peter Huchel (1903 - 1981): Damals (1948)
(in: Aufbau. Kulturpolitische Monatsschrift. Heft 11/12, Nov./Dez. 1955, S.1047)
Guntram Vesper (*1941): Die Gewohnheit zu zittern (1982)
(in: Guntram Vesper: Die Inseln im Landmeer. Gedichte. Pfaffenweiler 1982, S. 39)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere Huchels Gedicht Damals. (60%)
    Vergleiche die Gestaltung der Kindheitserinnerung in den Gedichten Damals von Peter Huchel
    und Die Gewohnheit zu zittern von Guntram Vesper. Berücksichtige sowohl inhaltliche als
    auch sprachliche Aspekte. (40%)
Gedicht 1
Peter Huchel: Damals
$\;$
Damals ging noch am Abend der Wind
mit starken Schultern rütteln ums Haus.
Das Laub der Linde sprach mit dem Kind,
das Gras sandte seine Seele aus.
5
Sterne haben den Sommer bewacht
am Rand der Hügel, wo ich gewohnt:
mein war die katzenäugige Nacht,
die Grille, die unter der Schwelle schrie.
Mein war im Ginster die heilige Schlange
10
mit ihren Schläfen aus milchigem Mond.
Im Hoftor manchmal das Dunkel heulte,
der Hund schlug an, ich lauschte lange
den Stimmen im Sturm und lehnte am Knie
der schweigsam hockenden Klettenmarie[1],
15
die in der Küche Wolle knäulte.
Und wenn ihr grauer schläfernder Blick mich traf,
durchwehte die Mauer des Hauses der Schlaf.
110 Wörter
Gedicht 2
Guntram Vesper: Die Gewohnheit zu zittern
$\;$
Aus der engen Höhle der Eltern
zog scharfer Geruch durch die Wohnung
Besserungsanstalt
für mich
5
von Anfang an.
Das Dienstmädchen folgte mir
bei jeder Flucht
was machst du.
Ich dachte an längere Sommer
10
an einen Mond, der größer als unserer war
und sagte
die Sterne.
In deinem Alter Astronomie, rief
die Mutter
15
in den finsteren Hof
du hast nichts
gesehen.
60 Wörter


[1] Klettenmarie: Klette: Pflanze mit kugeligen, mit Widerhaken versehenen Blütenständen; das Wort „Klettenmarie“ wird von Peter Huchel selbst so erklärt: „eine alte Magd, die stets Kletten […] am Rock hatte; nicht spöttisch gebraucht, sondern im Gegenteil: zärtlich, märchenhaft vom Kind gesehen.“
#gedicht#vergleichen#gedichtinterpretation
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Interpretation eines literarischen Textes

$\blacktriangleright\;$ Thema:
Peter Huchel (1903 - 1981): Damals (1948)
Guntram Vesper (*1941): Die Gewohnheit zu zittern (1982)
$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
  • Interpretiere das Gedicht von Peter Huchel.
    Vergleiche die Gestaltung der Kindheitserinnerung in den Gedichten Damals von Peter Huchel
    und Die Gewohnheit zu zittern von Guntram Vesper. Berücksichtige sowohl inhaltliche als
    auch sprachliche Aspekte.
    Der Schwerpunkt der Gestamtaufgabe liegt auf der Interpretation.

Einleitung

Deine Interpretation beginnt wie jeder Text mit einer Einleitung. In der Einleitung musst du den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr nennen und den Inhalt kurz und knapp zusammenfassen.
  • Titel: Damals
  • Autor: Peter Huchel
  • Erscheinungsjahr: 1948
  • Inhalt: In dem Gedicht „Damals“ von Peter Huchel, das im Jahr 1948 verfasst wurde, geht es um eine Kindheitserinnerung, die für das lyrische Ich den Inbegriff eines Gefühls von Heimat und Geborgenheit darstellt.
Da außerdem ein Vergleich gefordert ist, musst du in der Einleitung auch schon auf das zweite Gedicht eingehen. Nenne ebenfalls den Titel, den Autor und das Erscheinungsjahr und beschreibe kurz, was dieses Gedicht mit dem ersten vergleichbar macht.
  • Titel: Die Gewohnheit zu zittern
  • Autor: Guntram Vesper
  • Erscheinungsjahr: 1982
  • Inhalt: Das zweite Gedicht „Die Gewohnheit zu zittern“ von Guntram Vesper datiert auf das Jahr 1982 und beschäftigt sich ebenfalls mit einer Erinnerung an die Kindheit, unterscheidet sich jedoch sowohl inhaltlich, als auch sprachlich stark von Huchels Gedicht „Damals“.

Hauptteil

In deinem Hauptteil geht es nun darum, das erste Gedicht zu interpretieren. Führe dazu zunächst eine formale Analyse durch. Dazu gehört, dass du die Anzahl der Strophen und Verse, das Metrum, das Reimschema und die Kadenz ermittelst und angibst.
Für die Interpretation des Inhalts gehst du am besten Strophe für Strophe vor - so gehst du sicher, dass du bei deiner Interpretation keinen Aspekt vergisst. Gibt es wie in Huchels Gedicht nur eine Strophe, kannst du das Gedicht in Sinnabschnitte unterteilen. Neben dem Inhalt sind aber auch die sprachlichen Mittel, die Huchel verwendet, essenziell. Lasse diese aber nicht einfach so stehen, sondern erkläre immer, warum die Mittel eingesetzt werden, denn sie heben immer den Inhalt hervor und unterstreichen ihn.
Gehe bei deiner Interpretation auch auf den Bezug des Textes zum Titel ein und erkläre, wie diese zusammenhängen. Es bietet sich an, dies nach der Interpretation aller Verse zu machen, denn dann hast du den gesamten Inhalt erfasst und nicht erst Teile davon.
Formale Analyse
  • 1 Strophen aus 17 Versen
  • Sinnabschnitte: Natur (V. 1 - 10) vs. Haus und Hof (V. 11 - 17)
  • Metrum: unregelmäßiges Metrum
  • Reimschema: kein festes Reimschema; Vers 1 - 4 Kreuzreim (abab), Vers 13 - 14 und 16 - 17 gereimt (aa)
1. Sinnabschnitt
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Das lyrische Ich erinnert sich an seine Kindheit („Damals“, V. 1; „mit dem Kinde“, V. 3;„ wo ich gewohnt“, V. 6)
  • Allumfassender Blick auf Wetter, Flora, Fauna, Jahres- und Tageszeiten und Himmelserscheinungen
  • Beschwört die magisch-mystische Natur (z.B. „Gras sandte Seele aus“, V. 4; „heilige Schlange“, V. 9)
  • Erlebt die Natur als machtvoll (Wind ging rüttelnd mit starken Schultern ums Haus, V. 1 - 2)
  • Das Kind fühlte sich angesprochen von der Natur („Linde sprach“, V. 3)
  • Es nimmt die Natur in Besitz („Mein war“, V. 7 und V. 9)
  • Sieht im nächtlichen Erleben eine Verbindung von Erde und Kosmos („Sterne“ sind Wächter, V. 5; Schlange mit „Schläfen aus milchigem Mond“, V. 9 - 10)
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Parataktisches Grundmuster mit Enjambements: spiegelt das unmittelbare, wenig reflektierte Erleben und Sich-Einfühlen wider
  • Personifizierungen: Naturerscheinungen wie Wind, Linde und Gras werden vermenschlicht, weil das lyrische Ich die Natur als magisch empfindet
  • Syntaktischer Parallelismus: Der parallele, syntaktische Aufbau mit dem Possesivpronomen „mein“ (V. 7, 9) verdeutlicht, dass das Kind sich die Natur angeeignet hat
  • Alliterationen: Der gleiche Anlaut hebt einzelne Erinnerungen hervor und verdeutlicht die Wahrnehmungsfülle und Erlebnistiefe (V. 2, 3, 8, 10)
  • Neologismus: Durch das neologistische Attribut „katzenäugige Nacht“ (V. 7) wird die Natur poetisiert und wirkt mystischer
  • Religöse Überhöhung der Fauna mit den Worten „heilige Schlange“ (V. 9
2. Sinnabschnitt
$\blacktriangleright$ Inhalt
  • Beschwörung der häuslichen Geborgenheit („Mauern des Hauses“, V. 17)
  • Sicherheit vor der teils schaurigen Natur („das Dunkel heulte“, V. 11; „Stimmen im Sturm“, V. 13)
  • Situation der Vertrautheit („lehnte am Knie der schweigsam hockenden Klettenmarie“, V. 13 - 14)
  • Einzelheiten des Zuhause beschrieben, die ein harmonisches Ganzes mit der Natur bilden („Hoftor“, V. 11; „Küche“, V. 15, „Mauer“; V. 17, „Klettenmarie“, V. 14)
$\blacktriangleright$ Sprache
  • Unregelmäßigkeiten von Metrum und Reim: spiegeln den Unterschied zwischen Drinnen und der schaurigen Natur draußen wider
  • Klangliche Konvergenz und Divergenz: Der Wechsel von Gleichklang und Divergenz („Grille“/„Schwelle“, V. 8; „Stimmen“/„Sturm“, V. 13; „Dunkel“/„Hund“, V. 11 - 12) verweist auf die Verwobenheit der Erfahrungen trotz ihrer Vielfalt
  • Synästhesie: Die nächtliche Natur wirkt schaurig („das Dunkel heulte“, V. 11)
  • Inversion: Die Inversion „manchmal“ (V. 11) verstärkt gemeinsam mit der folgenden Synästhesie die Schaurigkeit
  • Hypallage: Durch das falsche, surreale Bild „durchwehte die Mauer des Hauses der Schlaf“ (V. 17) wird das Gefühl der Geborgenheit intensiviert
  • Alliterationen: Verdeutlichung der magischen Natur („Stimmen im Sturm“, V. 13) vs. Verdeutlichung der Sicherheit („Küche Wolle knäulte“, V. 15)
Bezug zum Titel
  • Damals beschreibt, dass es sich um eine Kindheitserinnerung handelt
  • Der Titel klingt wehmütig, wie die Erinnerungen selbst

Vergleich

In diesem Teil musst du auf Basis deiner Interpretation von Damals Kriterien finden, anhand derer du die beiden Gedichte und die Gestaltung der Kindheitserinnerungen miteinander vergleichen kannst. Arbeite dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Gedichte heraus. Hierbei musst du sowohl den Inhalt als auch Form und sprachliche Gestaltung analysieren.
Da der Schwerpunkt der Aufgabe aber nicht auf dem Vergleich, sondern auf der Interpretation des ersten Gedichts liegt, musst du das zweite Gedicht nicht extra interpretieren. Du kannst die Interpretation des Gedichts direkt mit dem Vergleich verbinden.
Formale Analyse
  • 4 Strophen mit unterschiedlicher Vers-Zahl, insgesamt 17 Verse
  • Metrum: unregelmäßiges Metrum
  • Reimschema: kein Reim
  • Prosa-naher Stil
Kurze, inhaltliche Analyse
  • Kindheitserinnerung eines lyrischen Ich
  • beschreibt negative Erinnerungen an sein Elternhaus
  • Sehnsucht nach Selbstentfaltung
Vergleich
$\blacktriangleright$ Gemeinsamkeiten
  • Situative Klammer: beide Gedichte thematisieren Kindheitserinnerungen
  • beide Male spricht ein lyrisches Ich
  • Vergegenwärtigung der Kindheit anhand ähnlicher Motivbereichen wie Haus, Hof, Sommer, Mond, Sterne und Bezugspersonen
  • Gleiche Vers-Anzahl
$\blacktriangleright$ Unterschiede
  • Bewertung der Erinnerung: positives Kindheitserleben bei Huchel vs. negative Erinnerungen („Besserungsanstalt“, V. 3; „Flucht“, V. 7) bei Vesper
  • Fokus der Erinnerung: Begegnung mit der Natur bei Huchel vs. Auseinandersetzung des lyrischen Ichs mit den Eltern („Höhle der Eltern“, V. 1) bei Vesper
  • Natur-Darstellung: Natur als erfahrbares, magisches Gegenüber, Kosmos als Beschützer bei Huchel vs. Natur („längere Sommer“, V. 9) und Kosmos („größerer Mond“, V. 10) als Chiffren einer unerfüllten, verbotenen Sehnsucht nach neuen Horizonten bei Vesper
  • Heim-Darstellung: Natur und Haus als bergendes Ganzes, Heim als Schutz vor schauriger Natur bei Huchel vs. Haus als Gefängnis und Ort der geistigen Finsternis („enge Höhle“, V. 1; „Besserungsanstalt“, V. 3) bei Vesper
  • Darstellung der Emotionen: Gefühl der Sicherheit im Haus und Verbundenheit mit der Natur bei Huchel vs. Gefühl der emotionalen und geistigen Einschränkung („finsterer Hof“, V. 15) bei Vesper
  • Bezugspersonen: „Klettenmarie“ als häusliche Bezugsperson, die Geborgenheit und Schutz bietet bei Huchel vs. „Dienstmädchen“ als Kontrollperson („folgte mit bei jeder Flucht“, V. 6 - 7) und Eltern als Menschen, die weit distanziert sind vom Kind (vgl. Antithetik von Unten und Oben, Enge und Weite) bei Vesper
  • Wirkung auf das Kind: Lyrisches Ich fühlt sich als Teil des Ganzen, empfindet Geborgenheit bei Huchel vs. Kind, das sich eingeengt (vgl. Strophe 2) und in seinen Sehnsüchten schroff zurückgewiesen fühlt von der Mutter (vgl. Strophe 4) bei Vesper
  • Folgen der Kindheit: Erinnert sich gerne, sehnsüchtig zurück an die Kindheit bei Huchel vs. bleibende Traumatisierung (vgl. Titel „Die Gewohnheit zu zittern“) bei Vesper
  • Sprachlich-formell: harmonisch-poetisches Gedicht, das sprachlich elaboriert ist bei Huchel vs. prosanahes Gedicht mit abrupter Zeilenbrechung, elliptischer Syntax, negativer Wortwahl, fehlendem Reim das genauso desillusionierend wirkt, wie das lyrische Ich seine Kindheit empfunden hat bei Vesper

Schluss

Am Schluss solltest du die Hauptaussage, die Intention, des ersten Gedichts noch einmal kurz zusammenfassen. Du kannst hier auch sagen, welche Gefühle das Lesen des Gedichts in dir ausgelöst und in welche Stimmung es dich versetzt hat. Dann nimmst du noch einmal kurz Bezug auf den Vergleich und nennst ein Fazit dazu. Du kannst auch deine eigene Meinung sagen und erklären, welches Gedicht dir besser gefallen hat.
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