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Aufgabe 1

Aufgaben
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Materialgestützte Erörterung

$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
Ohne Märchen wird niemand groß - Die Welt des Wirklichen und des Unwirklichen
Verfasse einen Essay zu diesem Thema unter Einbindung aller Materialien.
#materialgestützteerörterung#märchen#essay
Material 1

Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859):
Vorrede der Brüder Grimm

$\,$
Wir finden es wohl, wenn von Sturm oder anderem Unglück, das der Himmel schickt,
eine ganze Saat zu Boden geschlagen wird, dass noch bei niedrigen Hecken oder Sträu-
chern, die am Wege stehen, ein kleiner Platz sich gesichert hat und einzelne Ähren auf-
recht geblieben sind. Scheint dann die Sonne wieder günstig, so wachsen sie einsam und
5
unbeachtet fort - keine frühe Sichel schneidet sie für die grossen Vorratskammern; aber
im Spätsommer, wenn sie reif und voll geworden, kommen arme Hände, die sie suchen,
und Ähre an Ähre gelegt, sorgfältig gebunden und höher geachtet als sonst ganze Garben,
werden sie heimgetragen; winterlang sind sie Nahrung, vielleicht auch der einzige Samen
für die Zukunft.
10
So ist es uns vorgekommen, wenn wir gesehen haben, wie von so vielem, was in früherer
Zeit geblüht hat, nichts mehr übriggeblieben - selbst die Erinnerung daran fast ganz
verloren war - als unter dem Volke Lieder, ein paar Bücher, Sagen und diese unschuldi-
gen Hausmärchen. Die Plätze am Ofen, der Küchenherd, Bodentreppen, Feiertage noch
gefeiert, Triften und Wälder in ihrer Stille, vor allem die ungetrübte Phantasie sind die
15
Hecken gewesen, die sie gesichert und einer Zeit aus der andern überliefert haben.
Es war vielleicht gerade Zeit, diese Märchen festzuhalten, da diejenigen, die sie bewah-
ren sollen, immer seltener werden. Freilich, die sie noch wissen, wissen gemeinlich auch
recht viel, weil die Menschen ihnen absterben, sie nicht den Menschen - aber die Sitte
selber nimmt immer mehr ab, wie alle heimlichen Plätze in Wohnungen und Gärten, die
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vom Grossvater bis zum Enkel fortdauerten, dem stetigen Wechsel einer leeren Prächtig-
keit weichen, die dem Lächeln gleicht, womit man von diesen Hausmärchen spricht,
welches vornehm aussieht und doch wenig kostet. Wo sie noch da sind, leben sie so, dass
man nicht daran denkt, ob sie gut oder schlecht sind, poetisch oder für gescheite Leute
abgeschmackt - man weiss sie und liebt sie, weil man sie eben so empfangen hat, und
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freut sich daran, ohne einen Grund dafür. So herrlich ist lebendige Sitte, ja auch das hat
die Poesie mit allem Unvergänglichen gemein, dass man ihr selbst gegen einen andern
Willen geneigt sein muss. Leicht wird man übrigens bemerken, dass sie nur da gehaftet
hat, wo überhaupt eine regere Empfänglichkeit für Poesie oder eine noch nicht von den
Verkehrtheiten des Lebens ausgelöschte Phantasie vorhanden war. Wir wollen in glei-
30
ehern Sinne diese Märchen nicht rühmen oder gar gegen eine entgegengesetzte Meinung
verteidigen. Ihr blosses Dasein reicht hin, sie zu schützen. Was so mannigfach und im-
mer wieder von neuem erfreut, bewegt und belehrt hat, das trägt seine Notwendigkeit in
sich und ist gewiss aus jener ewigen Quelle gekommen, die alles Leben betaut, und wenn
es auch nur ein einziger Tropfen wäre, den ein kleines, zusammenhaltendes Blatt gefasst
35
hat, so schimmert er doch in dem ersten Morgenrot.
[…]
Kassel, am 3ten Julius 1819
Aus: Grimm, Jacob und Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen.
http://www.maerchenlexikon.de
#primärtext#brüdergrimm#märchen
Material 2

Friedrich Schiller (1759-1805)

$\,$
[…]
Auch für ein liebend Herz ist die gemeine
Natur zu eng, und tiefere Bedeutung
Liegt in dem Märchen meiner Kinderjahre
Als in der Wahrheit, die das Leben lehrt.
5
Die heitre Welt der Wunder ist's allein,
Die dem entzückten Herzen Antwort gibt,
Die ew'gen Räume mir eröffnet,
Mir tausend Zweige reich entgegenstreckt,
Worauf der trunkne Geist sich selig wiegt. […]
Aus: Schiller, Friedrich: Wallenstein.
Dritter Aufzug. Vierter Auftritt.
In: Schillers Werke in fünf Bänden, 4. Band.
Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1978, S. 110-111.
#schiller
Material 3

Günter Kunert (geb. 1929) Dornröschen

$\,$
Generationen von Kindern faszinierte gerade dieses Märchen, weil es ihre Phantasie er-
regte: wie da Jahr um Jahr eine gewaltige Hecke aufwächst, über alle Maßen hoch, ein
vertikaler Dschungel, erfüllt von Blühen und Welken, von Amseln und Düften, aber weg-
los, undurchdringlich und labyrinthisch. Die Mutigen, die sie zu bewältigen sich immer
5
wieder einfinden, bleiben insgesamt auf der Strecke: von Domen erspießt; hinter Verhau
verfangen, gefangen, gefesselt; von giftigem Ungeziefer befallen und vom plötzlichen
Zweifel gelähmt, ob es diese begehrenswerte Königstochter überhaupt gäbe. Bis eines Ta-
ges endlich der Sieger kommt: ihm gelingt, was den Vorläufern mißlungen: er betritt das
Schloß, läuft die Treppe empor, betritt die Kammer, wo die Schlafende ruht, den zahnlo-
10
sen Mund halb geöffnet, sabbernd, eingesunkene Lider, den haararmen Schädel an den
Schläfen von blauen wurmartigen Adern bekräuselt, fleckig, schmutzig, eine schnarchen-
de Vettel1.
O selig alle, die, von Dornröschen träumend, in der Hecke starben und im Glauben, daß
hinter dieser eine Zeit herrsche, in der die Zeit endlich einmal fest und sicher stünde.

1Vettel: alte, liederliche und hässliche Frau
Aus: Kunert, Günter: Dornröschen.
In: Kunert, Günter: Die geheime Bibliothek.
Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1973, S. 11.
#märchen
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Materialgestützte Erörterung

Aufgabenstellung:
Ohne Märchen wird niemand groß - Die Welt des Wirklichen und des Unwirklichen
$\blacktriangleright\;$ Verfasse einen Essay zu diesem Thema unter Einbindung aller Materialien.
Einen Essay verfassen heißt, dass du dich mit dem vorgegebenen Thema - Ohne Märchen wird niemand groß - Die Welt des Wirklichen und des Unwirklichen - frei und kreativ auseinandersetzen sollst. Hierbei sind dir im Grunde kaum Grenzen gesetzt: Sowohl die inhaltliche als auch die formale Gestaltung deines Essays richten sich ganz nach deinen persönlichen Vorlieben und Neigungen.
Beachte zunächst: Die vorgegebene Materialsammlung kann dir Denkanstöße liefern. Es ist Pflicht, die Texte in deine Überlegungen mit einzubauen. Sie bieten dir ein breites Panorama an Gedanken rund um das Thema und liefern dir eventuell auch Denkanstöße, um auf eigene Ideen zu kommen, die du in deinem Essay aufgreifen kannst. Lies dir die Materialien deshalb zunächst gründlich durch und mache dir Notizen zu den Abschnitten, die dir für deinen Essay interessant erscheinen.
Jetzt geht es darum, dass du dir rund um das Thema eine eigene Gedankenwelt erschaffst und dir überlegst, welche Aspekte des Themas du gerne in deinem Essay thematisieren möchtest. Auf Basis deiner Lektüre der Materialsammlung kannst du nun deinen Gedanken freien Lauf lassen. Denke dabei an deine persönlichen Erfahrungen und an aktuelle Ereignisse. Am besten machst du dir dafür auf einem einzelnen Blatt Notizen (hierbei kann es hilfreich sein, wenn du dir z.B. eine Mindmap erstellst), damit du den Überblick behältst.
Wenn du die Themenfelder, die du gerne in deinem Essay aufgreifen möchtest, abgesteckt hast, solltest du deine Gedanken kurz ordnen. Die literarische Form eines Essays ist ziemlich offen: Du musst hier keine stark analysierende Darstellung des Sachverhalts formulieren oder dich an einen streng formalen Aufbau halten. Trotzdem sollten natürlich Grundstrukturen wie Einleitung, Hauptteil und Schluss bei deinem Text vorhanden sein. Du hast das Glück, dass du hier frei und assoziativ über ein Thema reflektieren kannst und darfst: Deine Kreativität unterliegt keinen formalen Auflagen. Du kannst beispielsweise mit einer Anekdote in deinen Text einsteigen und auch Formen wie Witz und Ironie verwenden.
Weil das Schreiben eines Essays vor allem auf deiner ganz persönlichen (subjektiven) Meinung beruht, gibt es auch kein „richtig“ oder „falsch“. Trau dich also, deine Gedankengänge offenzulegen und selbstbewusst auszuführen.
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$\blacktriangleright\;$ Aufgabenstellung:
Ohne Märchen wird niemand groß - Die Welt des Wirklichen und des Unwirklichen
Verfasse einen Essay zu diesem Thema unter Einbindung aller Materialien.
Tipp
Einen Essay verfassen heißt, dass du dich mit dem vorgegebenen Thema - Ohne Märchen wird niemand groß - Die Welt des Wirklichen und des Unwirklichen - frei und kreativ auseinandersetzen sollst. Hierbei sind dir im Grunde kaum Grenzen gesetzt: Sowohl die inhaltliche als auch die formale Gestaltung deines Essays richten sich ganz nach deinen persönlichen Vorlieben und Neigungen.
Beachte zunächst: Die vorgegebene Materialsammlung kann dir Denkanstöße liefern. Es ist Pflicht, die Texte in deine Überlegungen mit einzubauen. Sie bieten dir ein breites Panorama an Gedanken rund um das Thema und liefern dir eventuell auch Denkanstöße, um auf eigene Ideen zu kommen, die du in deinem Essay aufgreifen kannst. Lies dir die Materialien deshalb zunächst gründlich durch und mache dir Notizen zu den Abschnitten, die dir für deinen Essay interessant erscheinen.
Jetzt geht es darum, dass du dir rund um das Thema eine eigene Gedankenwelt erschaffst und dir überlegst, welche Aspekte des Themas du gerne in deinem Essay thematisieren möchtest. Auf Basis deiner Lektüre der Materialsammlung kannst du nun deinen Gedanken freien Lauf lassen. Denke dabei an deine persönlichen Erfahrungen und an aktuelle Ereignisse. Am besten machst du dir dafür auf einem einzelnen Blatt Notizen (hierbei kann es hilfreich sein, wenn du dir z.B. eine Mindmap erstellst), damit du den Überblick behältst.
Wenn du die Themenfelder, die du gerne in deinem Essay aufgreifen möchtest, abgesteckt hast, solltest du deine Gedanken kurz ordnen. Die literarische Form eines Essays ist ziemlich offen: Du musst hier keine stark analysierende Darstellung des Sachverhalts formulieren oder dich an einen streng formalen Aufbau halten. Trotzdem sollten natürlich Grundstrukturen wie Einleitung, Hauptteil und Schluss bei deinem Text vorhanden sein. Du hast das Glück, dass du hier frei und assoziativ über ein Thema reflektieren kannst und darfst: Deine Kreativität unterliegt keinen formalen Auflagen. Du kannst beispielsweise mit einer Anekdote in deinen Text einsteigen und auch Formen wie Witz und Ironie verwenden.
Weil das Schreiben eines Essays vor allem auf deiner ganz persönlichen (subjektiven) Meinung beruht, gibt es auch kein „richtig“ oder „falsch“. Trau dich also, deine Gedankengänge offenzulegen und selbstbewusst auszuführen.
Tipp
Einen Essay verfassen heißt, dass du dich mit dem vorgegebenen Thema - Ohne Märchen wird niemand groß - Die Welt des Wirklichen und des Unwirklichen - frei und kreativ auseinandersetzen sollst. Hierbei sind dir im Grunde kaum Grenzen gesetzt: Sowohl die inhaltliche als auch die formale Gestaltung deines Essays richten sich ganz nach deinen persönlichen Vorlieben und Neigungen.
Beachte zunächst: Die vorgegebene Materialsammlung kann dir Denkanstöße liefern. Es ist Pflicht, die Texte in deine Überlegungen mit einzubauen. Sie bieten dir ein breites Panorama an Gedanken rund um das Thema und liefern dir eventuell auch Denkanstöße, um auf eigene Ideen zu kommen, die du in deinem Essay aufgreifen kannst. Lies dir die Materialien deshalb zunächst gründlich durch und mache dir Notizen zu den Abschnitten, die dir für deinen Essay interessant erscheinen.
Jetzt geht es darum, dass du dir rund um das Thema eine eigene Gedankenwelt erschaffst und dir überlegst, welche Aspekte des Themas du gerne in deinem Essay thematisieren möchtest. Auf Basis deiner Lektüre der Materialsammlung kannst du nun deinen Gedanken freien Lauf lassen. Denke dabei an deine persönlichen Erfahrungen und an aktuelle Ereignisse. Am besten machst du dir dafür auf einem einzelnen Blatt Notizen (hierbei kann es hilfreich sein, wenn du dir z.B. eine Mindmap erstellst), damit du den Überblick behältst.
Wenn du die Themenfelder, die du gerne in deinem Essay aufgreifen möchtest, abgesteckt hast, solltest du deine Gedanken kurz ordnen. Die literarische Form eines Essays ist ziemlich offen: Du musst hier keine stark analysierende Darstellung des Sachverhalts formulieren oder dich an einen streng formalen Aufbau halten. Trotzdem sollten natürlich Grundstrukturen wie Einleitung, Hauptteil und Schluss bei deinem Text vorhanden sein. Du hast das Glück, dass du hier frei und assoziativ über ein Thema reflektieren kannst und darfst: Deine Kreativität unterliegt keinen formalen Auflagen. Du kannst beispielsweise mit einer Anekdote in deinen Text einsteigen und auch Formen wie Witz und Ironie verwenden.
Weil das Schreiben eines Essays vor allem auf deiner ganz persönlichen (subjektiven) Meinung beruht, gibt es auch kein „richtig“ oder „falsch“. Trau dich also, deine Gedankengänge offenzulegen und selbstbewusst auszuführen.
Emilia und Moritz liegen in ihre Bettdecken gewickelt rechts und links neben mir auf dem großen Sofa meines Onkels. Einer dieser Babysittingabende mitten im Oktober. Ich habe das große Märchenbuch auf dem Schoß und werde wohl zum fünften - oder achten - Mal die Geschichte vom Rumpelstilzchen vorlesen. Gemeinsam sprechen wir den Schlüsselsatz: „Ach, wie gut ist daß niemand weiß, daß ich Rumpelstilzchen heiß!“ Ich klappe das Buch zu. Moritz protestiert, während Emilia schon in ihre Träume versunken ist - Schlafenszeit!
Einleitung
Früher waren für mich auch Abende das Größte, an denen mein Opa aus dem alten Märchenbuch vorlas. Schneewittchen war mein Lieblingsmärchen. Schneewittchen selbst war mit ihren sieben Zwergen ein gutes Team, wurde aber immer wieder von bösen Menschen herausgefordert, bis sie schließlich starb. Ein unvorsichtiger Sargträger begeht schließlich einen Fehler, lässt ihre Leiche fallen und ein glücklicher Zufall will es so, das Apfelstück fliegt aus dem Mund und Schneewittchen heiratet den Prinzen.
Der Kampf, Gut gegen Böse, ist zentral in allen Märchen. Meistens werden unlösbar erscheinende Situationen am Ende durch Magie oder Zufall gelöst. Das Gute gewinnt und das Böse verliert. Eine einfache Sicht auf die Dinge, die ich als Kind schon verstanden habe. Es gab eine klare Vorstellung von Moral, es gab richtig und falsch und vor allem Ideale. Ideale Prinzessinnen, ideale Schlösser, ideale Charaktere, ideale Helden… die Welt der Guten war das, was sich in meiner Vorstellung als Ideal gefestigt hat - zu einem gewissen Grad bis heute.
Hauptteil
Gut gegen Böse
Und das Tüpfelchen auf dem i, ein perfektes Happy End. Das gab es immer, egal wie wüst das Böse gewütet hatte, das Gute siegte. Übertragen auf das eigene Leben vermittelt diese Darstellung, egal was schlimmes passiert, am Ende wird es gut ausgehen. Dadurch wird der Leser dazu erzogen, die Hoffnung nicht aufzugeben. Es wird vermittelt, wenn man genug Mut habe und moralisch richtig handele, werde man dafür belohnt.
Happy End
Günter Kunert dreht den Spieß um. Es gibt kein Happy End. Bei seiner Version von Dornröschen findet der Ritter, nachdem er die Dornenhecke durchdrungen hat, keine Prinzessin. Er „betritt die Kammer, wo die Schlafende ruht, den zahnlosen Mund halb geöffent, sabbernd, eingesunkene Lider […]“ (M 3 Z. 9-10). Es kommt nicht zum Happy End. Im Umkehrschluss bezeichnet er alle als selig, „die, von Dornröschen träumend, in der Hecke starben“ (M 3 Z. 13). Es kommt auf den Weg an. Der Mensch soll an seine Träume glauben und den Weg dorthin hoffnungsvoll anstreben. Das Streben nach einem besseren Leben in der Zukunft gibt dem Menschen schlussendlich die Tatkraft, die er braucht, um nicht in seinen Fantasiewelten und Träumen gefangen zu bleiben. Dennoch sind es Sehnsüchte und Visionen, die uns immer wieder anspornen, trotz einer eventuell enttäuschenden Realität weiter zu gehen und Chancen zu ergreifen, die das Leben bietet. Eine Zeit, die „endlich einmal fest und sicher stünde“ (M 3 Z. 14) wird es nicht geben, das ist nach Kunert eine Täuschung, die in den Märchen vermittelt wird. Oder ist das Streben an sich das, worauf es ankommt?
Günter Kunert
Hebelt er damit die Argumente der Märchengegner aus? Märchen sind Fluchtorte, sie gaukeln eine falsche Idealvorstllung vor, sie machen passiv und sorgen dafür, dass Kinder in ihren Traumwelten versinken, statt in der echten Welt zu leben. Idealismus im Märchen, mit einer Schwarz-Weiß-Darstellung steht im Kontrast zu verschiedensten Graustufen in der Realität. Werden dadurch beim Kind nicht falsche Erwartungen geweckt? Wird es nicht als Idealist groß und dann enttäuscht? Flüchtet es sich bei jedem Problem, das in der realen Welt auftritt in eine Traumwelt?
Märchengegner
Schiller verneint das, indem er in seinem Wallenstein schreibt: „Die heitre Welt der Wunder ist´s allein, / Die dem entzückten Herzen Antworten gibt, / Die ew´gen Räume mir eröffent, […]“ (M 2 Z. 5-7). Diese Welt der Wunder wurde mir als Kind eröffent, als ich Märchen vorgelesen bekam, die zeigt sich mir aber auch heute noch, wenn ich beim Lesen der Märchen die Zeit vergesse. Es eröffnen sich neue Räume, wie Schiller es formuliert. Die Fanatsie wird angeregt, die Vorstellungskraft trainiert und eine abstrakte Welt im Text wird zu einer ganz konkreten Vorstellung in den Köpfen der Leser und Zuhörer.
Fantasie
Doch das Lesen in der Jugend und auch im Erwachsenenalter wird immer mehr durch andere Medien abgelöst. Und genau hier tritt ein Phänomen auf, das ich jedes mal aufs neue verblüfft. Ich schaue einen Disneyfilm, eine Zeichentrickverfilmung in der die Handlung einem der gut bekannten Märchen der Gebrüder Grimm sehr nahe kommt, und bin enttäuscht. Früstriert und betrogen fühle ich mich. Das sind natürlich absolut übertriebene Reaktionen aber sie zeigen doch, wie sehr ich an der Fantasiewelt hänge, die ich mir als Kind rund um die Geschichte aufgebaut habe. „[M]an weiss sie und liebt sie, weil man sie eben so empfangen hat, und freut sich daran, ohne einen Grund dafür“ (M 1 Z. 24f.).
Verfilmungen
Die Brüder Grimm und einige andere Schriftsteller hielten diese Märchen, die es in unendlich vielen Versionen, abgedruckt, vertont und verfilmt gibt, in der Zeit der Romantik für uns fest. Die Menschen verloren den Bezug zu mündlich übermittelten Geschichten und, „da diejenigen, die sie bewahren sollen, immer seltener werden“ (M 1 Z. 16), war es an der Zeit Geschichten zu verschriftlichen. Und genau wie bei Emilia und Moritz ist es so, das ein Märchen etwas ist, das, hat man einmal den Zugang dazu gefunden, „immer wieder von neuem erfreut, bewegt und belehrt“ (M 1 Z. 31f.).
Verschriftlichung
Wichtig ist es, den Zugang zu Märchen zu finden oder vermittelt zu bekommen. Das Vorlesen von Märchen gibt es nicht mehr in allen Familien und das Geschichtenerzählen wird häufig durch andere Medien ersetzt, dennoch - „Wo sie noch da sind, leben sie so, dass man nicht daran denkt, ob sie gut oder schlecht sind“ (M 1 Z.22f.), sie sind einfach da, entführen einen für den Moment in eine andere Welt und vermitteln einem auf Dauer Moralvorstellungen.
Für Emilia, Moritz und mich sind Märchen auch ein Grund, zusammen Zeit zu verbringen und ich schließe mich der Meinung der Gebrüder Grimm an, „[i]hr blosses Dasein reicht hin, sie zu schützen“ (M 1 Z. 31). Und wenn ich dann in der Vorweihnachtszeit mit meinen Eltern vor dem Fernseher sitze und „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ schaue, bin ich auch wieder versöhnt mit der Umsetzung von Märchen im Film. Denn am Ende ist es entscheidend, dass Märchen Menschen und Generationen verbinden, jeder sie kennt und sie zum kulturellen Gut gehören.
Schluss
#beleg#these#argument
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